Gesundheitslexikon

Medikamenten-Anwendung

Überblick Mehr Wissen

    Überblick

    Medikamente einnehmen – klingt einfach, kann aber kompliziert sein: Etwa, wenn man auf Dauer viele verschiedene Mittel anwenden muss. Wie gelingt es, den Überblick zu behalten? Was ist bei Antibiotika wichtig? Und worauf kommt es bei der Dosierung von Arzneien für Kinder an?

    Einleitung

    Ob als Tabletten oder Tropfen, Spritzen oder Sprays – es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Medikamente angewendet werden.

    Und oft ist es nicht so einfach: So können Pillen zum Beispiel sehr groß sein und einen unangenehmen Geschmack haben, sodass das Schlucken schwerfällt. Auch Augentropfen richtig zu verabreichen, kann einige Übung erfordern.

    Was ist also bei der Anwendung von Medikamenten zu beachten und welche Darreichungsformen gibt es?

    Anwendungsformen

    Eine Arznei kann am Ort der Anwendung wirken (lokal) oder im ganzen Körper (systemisch). Sie kann äußerlich an Haut, Haaren oder Nägeln aufgetragen werden oder sie verteilt sich über den Blutkreislauf im Körper.

    Die häufigsten Anwendungsformen sind:

    • oral: Am häufigsten werden Medikamente als Tabletten und Kapseln über den Mund eingenommen und geschluckt. Es gibt auch die Möglichkeit, den Wirkstoff als Tropfen, Saft oder als lösliches Pulver mit Flüssigkeit einzunehmen.
    • sublingual: Manche Medikamente werden über die Mundschleimhaut aufgenommen. Sie lösen sich bereits im Mund auf. Dazu werden sie oft in die Wangentasche oder unter die Zunge gelegt.
    • subkutan (s.c): Das Medikament wird in das Unterhautfettgewebe gespritzt und langsam in den Blutkreislauf aufgenommen.
    • rektal: Über den After werden Medikamente zum Beispiel als Zäpfchen oder Einlauf angewendet.
    • intravenös (i.v.): Das Medikament wird direkt in eine Vene gespritzt (Injektion) oder läuft über einen Tropf (Infusion) während eines längeren Zeitraums in das Blutgefäß.
    • inhalativ: Die Medikamente werden als Spray oder feines Pulver eingeatmet und über die Schleimhaut der Bronchien aufgenommen.
    • intramuskulär (i.m.): Das Medikament wird in einen großen Muskel gespritzt, beispielsweise in den Gesäßmuskel oder den Oberarm.
    • vaginal: Das Medikament wird zum Beispiel als Salbe oder Zäpfchen in die Scheide eingeführt.

    Damit ein Medikament an den richtigen Ort gelangt und dort ausreichend wirkt, ist auch die Darreichungsform wichtig. Welche gewählt wird, hängt nicht nur von den physikalischen und chemischen Eigenschaften des Arzneimittels ab. Auch wo, wann und wie lange ein Präparat wirken soll, spielt eine Rolle. Wichtig ist außerdem, ob es von einem Kind oder Erwachsenen eingenommen wird.

    Die geläufigsten Darreichungsformen sind:

    • fest: Tabletten, Kapseln, Dragees
    • flüssig: Tinktur, Saft, Sirup, Infusionslösung, Augen- und Nasentropfen
    • halbfest: Salbe, Creme
    • spezielle Formen: Spray, Pflaster, Pulver zur Inhalation

    Langfristige Anwendung

    Bei Bedarf eine Tablette gegen akute Kopf- oder Zahnschmerzen zu nehmen, ist meist kein Problem. Vielen Menschen fällt es jedoch schwer, ein Medikament über einen langen Zeitraum regelmäßig anzuwenden. Noch schwieriger kann die dauerhafte Einnahme sein, wenn man gleichzeitig mehrere Mittel nehmen muss – etwa bei verschiedenen chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Arthrose oder Herzkrankheiten. Allein den Überblick zu behalten, ist dann gar nicht so leicht.

    Nicht zuletzt können verschiedene Medikamente sich gegenseitig beeinflussen und dadurch ihre Wirkung verändern oder Nebenwirkungen wahrscheinlicher machen. Daher ist es wichtig, auf mögliche Wechselwirkungen zu achten. Dies gilt ganz besonders für ältere Menschen, die häufig verschiedene Mittel gegen mehrere Erkrankungen nehmen.

    Außerdem nimmt der Körper im Alter manche Medikamente langsamer auf oder kann einen Wirkstoff nicht so schnell abbauen wie in jungen Jahren. Dadurch kommt es häufiger zu Neben- und Wechselwirkungen. Zudem erhöht die Einnahme bestimmter Medikamente die Sturzgefahr. Bei manchen Medikamenten wie Beruhigungs- und Schlafmitteln besteht auch die Gefahr, abhängig zu werden.

    Viele Menschen nehmen über lange Zeit auch Nahrungsergänzungsmittel ein. Sie hoffen, mit Vitaminen und Mineralstoffen ihre Abwehrkräfte zu stärken und so Krankheiten vorbeugen zu können. Studien haben aber gezeigt, dass eine langfristige Einnahme bestimmter Vitamine vor allem in hoher Dosierung das Erkrankungsrisiko sogar erhöhen kann.

    Besondere Anwendungsgebiete

    Manchmal werden Arzneimittel auch außerhalb ihres eigentlichen Anwendungsgebiets („off-label“) eingesetzt. Dieser sogenannte Off-Label-Use kann mit besonderen Risiken verbunden sein.

    Wenn Kinder ein Medikament benötigen, ist es besonders wichtig, auf die richtige Dosierung zu achten, um Risiken zu vermeiden. Vor allem bei flüssigen Arzneimitteln wie Antibiotika-, Schmerzmittel- oder Hustensaft kann es schnell passieren, dass man zu viel gibt. Zudem ist bei kleinen Kindern manchmal viel Geduld nötig, bis die Einnahme klappt.

    Die richtige Einnahme von Antibiotika ist generell ein wichtiges Thema: Es kann riskant sein, sie nicht korrekt oder zu oft anzuwenden – denn dies führt außer zu häufigeren Nebenwirkungen auch dazu, dass die Krankheitserreger unempfindlich und die Medikamente wirkungslos werden.

    Weitere Informationen

    Mit dem Ziel, Bürgerinnen und Bürger bei der Einnahme von Arzneimitteln zu unterstützen, wurde 2016 der sogenannte bundeseinheitliche Medikationsplan eingeführt. Ausführliche Informationen zum Medikationsplan bietet die Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

    Quellen

    Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud Lise L, Simonetti Rosa G, Gluud C. Antioxidant supplements for prevention of mortality in healthy participants and patients with various diseases. Cochrane Database Syst Rev 2012; (3): CD007176.

    Friedland J. Arzneiformenlehre. Stuttgart: WVG; 2009.

    Kretz FJ, Reichenberger S. Medikamentöse Therapie. Arzneimittellehre für Gesundheitsberufe. Stuttgart: Thieme; 2007.

    Lüllmann H, Mohr K, Hein L. Taschenatlas Pharmakologie. Stuttgart: Thieme; 2014.

    Plötz H. Kleine Arzneimittellehre für Fachberufe im Gesundheitswesen. Heidelberg: Springer; 2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Was hilft beim Absetzen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln?

    Um von Schlaf- und Beruhigungsmitteln loszukommen, ist es am besten, die Dosis mit ärztlicher Hilfe schrittweise zu verringern. Psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung kann dabei helfen.

    Es gibt Situationen, in denen man das Gefühl hat, dass alles aus dem Ruder läuft: Eine zerbrochene Beziehung oder eine schwere Krankheit etwa können zu Lebenskrisen führen und extrem belastend sein. Starke Unruhe, Schlaflosigkeit, Angst oder Erschöpfung sind mögliche Folgen.

    Viele Menschen finden Mittel und Wege, mit derartigen Belastungen umzugehen. Bei anderen wollen Beschwerden wie Schlaflosigkeit einfach nicht verschwinden. Manche Menschen nehmen in solchen Phasen Benzodiazepine oder Medikamente mit den Wirkstoffen Zolpidem oder Zopiclon (sogenannte „Z-Drugs“). Diese Medikamente gehören zu den am häufigsten von Ärztinnen und Ärzten verschriebenen Schlaf- und Beruhigungsmitteln.

    Benzodiazepine können beruhigend, angstlösend, muskelentspannend und entkrampfend wirken. Sie werden auch eingesetzt, um besser ein- und durchzuschlafen. Z-Drugs sollen vor allem bei Einschlafstörungen helfen.

    Schlaf- und Beruhigungsmittel können starke Nebenwirkungen haben – unter anderem Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Benommenheit, Muskelschwäche, Verhaltensauffälligkeiten und Schlafstörungen. Außerdem können sie die Fahrtüchtigkeit einschränken und besonders bei älteren und kranken Menschen die Sturzgefahr erhöhen.

    Abhängigkeit von Schlafmitteln

    Benzodiazepine und Z-Drugs können abhängig machen, wenn sie zu lange oder in zu hoher Dosis eingenommen werden. Daher ist es wichtig, diese Medikamente so kurz wie möglich und in möglichst niedriger Dosis einzunehmen. Eine Grenze, ab wann die Einnahme problematisch ist, lässt sich nicht eindeutig ziehen – das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Eine Abhängigkeit kann aber schon nach wenigen Wochen eintreten. Viele Menschen nehmen die Mittel jedoch über mehrere Monate oder sogar dauerhaft ein.

    Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sind in Deutschland bis zu 1,5 Millionen Menschen abhängig von Benzodiazepinen. Frauen, vor allem ältere, scheinen besonders häufig zu diesen Medikamenten zu greifen.

    Absetzen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln

    Viele Menschen spüren während der Einnahme keine Symptome der Abhängigkeit. Daher ist es ein erster wichtiger Schritt, zu erkennen, dass man sich an die Medikamente gewöhnt hat oder vielleicht schon abhängig ist. Von einer Medikamentenabhängigkeit dann loszukommen, kann körperlich und psychisch sehr belastend sein. Es erfordert Geduld und Kraft, auch schwierige Phasen ohne Medikamente durchzustehen.

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Queensland und Bond in Australien haben untersucht, wie gut die verschiedenen Ansätze Menschen helfen, von Benzodiazepinen loszukommen. Sie werteten dazu 33 Studien mit über 16.000 Teilnehmenden aus, in denen der Nutzen folgender Maßnahmen geprüft wurde:

    • schrittweise Dosisverringerung („Ausschleichen“) – mit und ohne Ersatzmedikamente
    • kurze motivierende Kontakte der Ärztinnen und Ärzte – etwa ein Gespräch oder ein Brief
    • psychotherapeutische Unterstützung, zum Beispiel eine Verhaltenstherapie

    Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden ambulant betreut und hatten zu Beginn der Studien bereits länger als drei Monate regelmäßig Benzodiazepine eingenommen.

    Ausschleichen vermeidet Entzugssymptome und Rückfälle

    Werden Schlaf- und Beruhigungsmittel plötzlich abgesetzt, treten Entzugssymptome auf. Je nach Wirkstoff kann es bereits nach einigen Stunden zu Beschwerden kommen – sie können aber auch verzögert eintreten, manchmal noch Wochen nach dem Absetzen. Typische Entzugsbeschwerden sind Schlafstörungen, Unruhe, Angst, Zittern, Schwindel oder Kreislaufstörungen. Sie ähneln also den Beschwerden, die man mithilfe der Beruhigungsmittel ursprünglich loswerden wollte. Das kann einen „Teufelskreis“ in Gang setzen: Um sich wieder besser zu fühlen, greifen viele erneut zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Um solche Rückfälle zu vermeiden, ist es wichtig, dass beim Absetzen der Medikamente möglichst wenig Entzugssymptome auftreten. Es ist deshalb üblich, die Medikamenten-Dosis schrittweise zu verringern, bis das Mittel schließlich ganz abgesetzt werden kann. Zur optimalen Dauer eines ambulanten Entzugs gibt es keine aussagekräftigen Untersuchungen. Fachleute empfehlen einen Zeitraum von zwei bis vier Monaten.

    Es ließ sich bislang nicht zeigen, dass man leichter von Benzodiazepinen loskommt, wenn man während der Dosisreduzierung ein Ersatzmedikament einnimmt. Um beurteilen zu können, ob einzelne Präparate – zum Beispiel Antidepressiva oder Antiepileptika – für bestimmte Menschen vielleicht doch hilfreich sind, müssten sie als Ersatzmedikamente besser in Studien geprüft werden.

    Ansätze, die den Verzicht auf Schlafmittel zusätzlich erleichtern könnten

    Drei Studien zeigten, dass schon einfache Mittel etwas bewirken können: So hörten mehr Menschen auf, Benzodiazepine einzunehmen, wenn sie von ihren Ärztinnen oder Ärzten schriftlich dazu angehalten wurden. In einigen Studien wurden den Briefen auch Broschüren mit Informationen zu Selbsthilfestrategien beigelegt. Neuere Studien deuten außerdem darauf hin, dass die Briefe besonders hilfreich sind, wenn die Empfänger und Empfängerinnen darin persönlich angesprochen werden.

    Die Studien sprechen außerdem dafür, dass mehr Menschen die Einnahme von Beruhigungsmitteln beenden, wenn sie psychologische Unterstützung bekommen. Am erfolgreichsten scheint dabei die kognitive Verhaltenstherapie.

    Generell ist es sinnvoll, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen oder eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen, wenn man das Gefühl hat, die Medikamenteneinnahme nicht mehr im Griff zu haben. Mit ärztlicher, psychologischer oder psychotherapeutischer Unterstützung lässt sich nach Wegen suchen, wie man am besten wieder von den Benzodiazepinen loskommt.

    Quellen

    Darker CD, Sweeney BP, Barry JM, Farrell MF, Donnelly-Swift E. Psychosocial interventions for benzodiazepine harmful use, abuse or dependence. Cochrane Database Syst Rev 2015; (5): CD009652.

    Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Medikamentenabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe Band 5. Köln: BZgA; 2013.

    Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Psychotrope Medikamente - Prävalenz der Medikamentenabhängigkeit.

    Gomes de Matos E, Atzendorf J, Kraus L, Piontek D. Substanzkonsum in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland – Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurveys 2015. SUCHT 2016; 62(5): 271-281.

    Gould RL, Coulson MC, Patel N, Highton-Williamson E, Howard RJ. Interventions for reducing benzodiazepine use in older people: meta-analysis of randomised controlled trials. Br J Psychiatry 2014; 204(2): 98-107.

    Mugunthan K, McGuire T, Glasziou P. Minimal interventions to decrease long-term use of benzodiazepines in primary care: a systematic review and meta-analysis. Br J Gen Pract 2011; 61(590): e573-578.

    Parr JM, Kavanagh DJ, Cahill L, Mitchell G, McD Young R. Effectiveness of current treatment approaches for benzodiazepine discontinuation: a meta-analysis. Addiction 2009; 104(1): 13-24.

    Wright A, Diebold J, Otal J, Stoneman C, Wong J, Wallace C et al. The Effect of Melatonin on Benzodiazepine Discontinuation and Sleep Quality in Adults Attempting to Discontinue Benzodiazepines: A Systematic Review and Meta-Analysis. Drugs Aging 2015; 32(12): 1009-1018.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Nahrungsergänzungsmittel: Können sie auch schaden?

    Nahrungsergänzungsmittel mit antioxidativer Wirkung sind zur Vorbeugung von Krebs und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen nicht geeignet. Zu hohe Dosen der Antioxidantien Vitamin A, E und Betacarotin können sogar die Lebenserwartung verkürzen.

    Viele Menschen nehmen Präparate mit Vitamin C oder Betacarotin als Nahrungsergänzungsmittel ein. Sie hoffen, damit ihre Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen. Oft wird damit geworben, dass solche Substanzen das Leben verlängern können, indem sie vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs schützen.

    Dieser Annahme liegt die Theorie der „freien Radikale“ zugrunde. „Freie Radikale“ entstehen ständig überall da in den Zellen des Körpers, wo Sauerstoff zur Gewinnung von Energie genutzt wird. Sie können die Zelle schädigen, weshalb alle Zellen über Schutzmechanismen gegen freie Radikale verfügen.

    Es wird diskutiert, ob Antioxidantien diesen Schutz noch verstärken können. Antioxidantien sind Stoffe, die die Menge an freien Radikalen in den Zellen verringern. Dazu gehören beispielsweise die Vitamine A, C, E, Betacarotin und Selen. Sie sind vor allem in Obst und Gemüse enthalten. Viele Menschen hoffen, sie könnten etwas für ihre Gesundheit tun, wenn sie zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder mit Antioxidantien angereicherte Lebensmittel essen oder trinken.

    Studien zur Langzeit-Einnahme von Antioxidantien

    Forscherinnen und Forscher der Cochrane Collaboration wollten wissen, ob eine regelmäßige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gesundheitliche Vor- oder Nachteile hat. Konkret wollten sie herausfinden, ob antioxidative Nahrungsergänzungsmittel helfen, länger zu leben. Zu dieser Frage fanden sie 78 Studien, an denen insgesamt fast 300.000 Erwachsene teilgenommen hatten. Dies war eine gute Grundlage, um den Nutzen von Antioxidantien zu bewerten.

    Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nahmen meist täglich und zum Teil über viele Jahre entweder ein oder mehrere Antioxidantien, ein Placebo (Scheinmedikament) oder kein Mittel ein. Bei Studienbeginn waren die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesund. Ein Viertel von ihnen hatte unterschiedliche Vorerkrankungen, beispielsweise von Magen, Darm, Herz, Haut oder Nieren.

    Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern nahmen täglich Antioxidantien in folgender Menge ein:

    • Vitamin C: 60 bis 2000 Milligramm
    • Betacarotin: 1,2 bis 50 Milligramm
    • Vitamin E: 10 bis 5000 IE (Internationale Einheiten)
    • Vitamin A: 1333 bis 25.000 IE
    • Selen: 20 und 200 Mikrogramm

    Dies waren meist wesentlich höhere Mengen, als man dem Körper normalerweise über eine ausgewogene Ernährung pro Tag zuführt.

    Die meisten Teilnehmenden nahmen hochdosierte Multi-Vitaminpräparate ein. Im Durchschnitt dauerten die Studien knapp drei Jahre, einige sogar bis zu zwölf Jahre.

    Nutzen nicht nachgewiesen – Schaden nicht ausgeschlossen

    Die Forschungsergebnisse widerlegten die Vermutung, dass antioxidative Nahrungsergänzungsmittel dabei helfen, länger zu leben. Im Gegenteil: Die Auswertung der Studien zeigte, dass die Einnahme von Vitamin A, E und Betacarotin das Leben eher verkürzt. Allerdings ging aus den Studien nicht genau hervor, woran die Menschen starben – die Forscherinnen und Forscher nahmen an, dass es wahrscheinlich Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren.

    Die Ergebnisse galten sowohl für die zu Beginn der Studien gesunden als auch für die erkrankten Teilnehmenden. Sie betreffen jedoch nicht alle Antioxidantien: Selen und Vitamin C erhöhten die Sterblichkeit nicht. Es gab aber auch keine Belege, dass Selen und Vitamin C vor einem früheren Tod schützen.

    In qualitativ hochwertigen Studien führten alle Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin A, E und Betacarotin zu einer erhöhten Sterblichkeit. Die Ergebnisse aus Studien zu Vitamin-E-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln zeigten zum Beispiel:

    • In der Gruppe, die ein Scheinmedikament (Placebo) oder nichts einnahm, starben im Studienzeitraum etwa 10 von 100 Personen.
    • In der Gruppe, die Vitamin E eingenommen hatte, starben etwa 12 von 100 Personen.

    Antioxidantien können zudem Nebenwirkungen haben. Vitamin E, Betacarotin und Selen können beispielsweise Verstopfung, Durchfall und Blähungen hervorrufen. Wenn man sehr große Mengen Vitamin A und C einnimmt, kann Juckreiz auftreten.

    Ausgewogene Ernährung schützt ausreichend

    Die Cochrane-Analyse liefert keinen Beleg dafür, dass antioxidative Nahrungsergänzungsmittel vor Krebs und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen schützen. Zu hohe Dosen können das Erkrankungsrisiko sogar erhöhen. Auch andere Studien zu Nahrungsergänzungsmitteln kamen zu demselben Ergebnis. Das bedeutet natürlich nicht, dass man diese Stoffe meiden sollte: Der Körper braucht Vitamine und Mineralstoffe und bekommt sie normalerweise durch eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse. Nur eine Überdosierung mit Nahrungsergänzungsmitteln kann riskant sein.

    Derzeit gibt es weder in Deutschland noch in anderen europäischen Ländern verbindliche Empfehlungen zu Höchstmengen, auf die zum Beispiel die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln hinweisen müssen. Es ist jedoch vorgesehen, die Höchstmenge für Vitamine und wichtige Mineralstoffe festzusetzen. Weitere Informationen dazu findet man beim Bundesinstitut für Risikobewertung.

    Quellen

    Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL, Simonetti RG, Gluud C. Antioxidant supplements for prevention of mortality in healthy participants and patients with various diseases. Cochrane Database Syst Rev 2012; (3): CD007176.

    Fortmann SP, Burda BU, Senger CA, Lin JS, Beil TL, O'Connor E et al. Vitamin, Mineral, and Multivitamin Supplements for the Primary Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. 15.04.2014. (AHRQ Publication No. 14-05199-EF-1).

    Schwingshackl L, Boeing H, Stelmach-Mardas M, Gottschald M, Dietrich S, Hoffmann G et al. Dietary Supplements and Risk of Cause-Specific Death, Cardiovascular Disease, and Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis of Primary Prevention Trials. Adv Nutr 2017; 8(1): 27-39.

    Vinceti M, Dennert G, Crespi CM, Zwahlen M, Brinkman M, Zeegers MP et al. Selenium for preventing cancer. Cochrane Database Syst Rev 2014; (3): CD005195.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Schmerzmittel: Wie häufig sind schwere Nebenwirkungen bei NSAR?

    Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac können zu ernsthaften Nebenwirkungen wie Magengeschwüren und -blutungen führen. Dieses Risiko lässt sich durch Medikamente zum Magenschutz deutlich senken. Vor allem in sehr hohen Dosierungen und bei längerer Einnahme erhöhen bestimmte Schmerzmittel auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR gehören zu den am meisten eingesetzten Medikamenten. Die häufigsten Komplikationen dieser Schmerzmittel sind Schleimhautentzündungen, Geschwüre oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Anfang des Jahrhunderts mehrten sich zudem Hinweise darauf, dass bestimmte NSAR das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Herzinfarkte erhöhen könnten. Das gilt nicht für Acetylsalicylsäure. ASS verringert sogar das Risiko, dass Blutplättchen verklumpen und Gefäße verstopfen. Aus diesem Grund wird ASS in niedrigen Dosierungen auch zur Vorbeugung vor Herzinfarkten eingesetzt.

    Das Risiko für Komplikationen durch NSAR hängt von verschiedenen Faktoren ab wie der Dosierung des Medikaments, der Dauer der Einnahme sowie von bereits vorhandenen Risiken und Erkrankungen. Um das Risiko für Komplikationen gering zu halten, ist es sinnvoll, Schmerzmittel möglichst niedrig zu dosieren und nur so lange zu nehmen wie nötig.

    Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

    Bei hoher Dosierung

    Um das Risiko von Komplikationen für Herz und Kreislauf besser einschätzen zu können, wertete eine internationale Wissenschaftlergruppe mehrere hundert Behandlungsstudien zu häufig eingesetzten NSAR aus. Sie prüfte, wie oft die Mittel zu solchen Komplikationen führen.

    Die meisten Menschen in diesen Studien hatten Arthrose oder Rheuma und waren um die 60 Jahre alt. Sie nahmen die Medikamente in sehr hohen Dosierungen ein:

    • Diclofenac: 150 mg pro Tag
    • Ibuprofen: 2400 mg pro Tag
    • Naproxen: 1000 mg pro Tag

    Die Wissenschaftlergruppe errechnete, wie oft tödliche und nicht-tödliche Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie andere Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle zu erwarten sind, wenn 1000 Menschen ein Jahr lang NSAR einnehmen. Die Auswertung zeigte, dass bei 2 bis 9 von 1000 Personen, die Diclofenac oder Ibuprofen nehmen, solche Komplikationen auftraten.

    Naproxen erhöhte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Studien hingegen nicht.

    Bei niedriger Dosierung

    Viele Menschen nehmen Schmerzmittel in niedrigeren Dosierungen ein. Erhöhen NSAR auch dann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Dieser Frage ist eine weitere Wissenschaftlergruppe nachgegangen, die dazu über 50 Studien ausgewertet hat.

    Die Ergebnisse zeigen, dass Ibuprofen bei Dosierungen bis zu 1200 mg pro Tag nicht mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Bei Diclofenac war das Risiko auch in Dosierungen unter 100 mg pro Tag noch erhöht, wenn auch in geringerem Umfang.

    Dauer der Einnahme

    Es ist nicht genau bekannt, ab welcher Einnahmedauer NSAR das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. An den meisten Studien in diesen Analysen nahmen Personen teil, die NSAR für einen Zeitraum von mindestens vier Wochen einnahmen. Es gibt Hinweise darauf, dass das Risiko zumindest bei Menschen mit Vorerkrankungen am Herzen auch schon bei einer kürzeren Einnahme von bis zu zwei Wochen steigen könnte.

    Risiko für Komplikationen des Magen-Darm-Trakts

    Die erste Wissenschaftlergruppe untersuchte auch, wie häufig NSAR zu seltenen, aber schweren Komplikationen des Magen-Darm-Trakts führen. Dazu gehören insbesondere Blutungen, aber auch Durchbrüche der Magen- oder Darmwand und Darmverschlüsse.

    Alle NSAR können diese Komplikationen auslösen. Die Auswertung der Studien zur Häufigkeit von Komplikationen des Magen-Darm-Trakts zeigt, dass innerhalb eines Jahres

    • bei 2 bis 4 von 1000 Menschen durch die Einnahme von Diclofenac (150 mg pro Tag) eine solche Komplikation auftritt.
    • bei 6 bis 16 von 1000 Menschen durch die Einnahme von Ibuprofen (2400 mg pro Tag) oder Naproxen (1000 mg pro Tag) eine solche Komplikation auftritt.

    ASS kann ebenfalls Magengeschwüre, Blutungen und andere Komplikationen auslösen. Allerdings ist bislang nicht gut untersucht, wie häufig diese Nebenwirkungen sind, wenn ASS in hohen Dosierungen eingesetzt wird. In einer Studie bekamen innerhalb eines Jahres 8 von 1000 Teilnehmenden, die 1200 mg ASS pro Tag nahmen, eine medikamentenbedingte Magenblutung.

    Das Risiko für schmerzmittelbedingte Magengeschwüre lässt sich durch zusätzliche Medikamente, die den Magen schützen, deutlich senken. Hierzu werden in der Regel Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol eingesetzt. Medikamente zum Magenschutz werden Menschen empfohlen, die ein erhöhtes Risiko für Schleimhautentzündungen, Geschwüre oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt haben oder die längerfristig NSAR einnehmen (über mehrere Wochen oder dauerhaft). Die meisten Teilnehmer in den hier berichteten Studien nahmen keinen Magenschutz ein.

    Quellen

    Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ). Aspirin Use in Adults: Cancer, All-Cause Mortality, and Harms: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. 09.2015 (Evidence Syntheses; Band 132).

    Coxib and traditional NSAID Trialists' (CNT) Collaboration, Bhala N, Emberson J, Merhi A, Abramson S, Arber N, Baron JA et al. Vascular and upper gastrointestinal effects of non-steroidal anti-inflammatory drugs: meta-analyses of individual participant data from randomised trials. Lancet 2013; 382(9894): 769-779.

    McGettigan P, Henry D. Cardiovascular risk with non-steroidal anti-inflammatory drugs: systematic review of population-based controlled observational studies. PLoS Med 2011; 8(9): e1001098.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente zum Einnehmen

    Viele Medikamente werden über den Mund (oral) eingenommen. Sie können in fester Form als Tablette, Kapsel, Kau- oder Schmelztablette geschluckt oder gelutscht werden. Oder sie werden als Flüssigkeit in Form von Tropfen, Saft oder Sirup getrunken.

    In den meisten Fällen gelangt der Wirkstoff von oralen Medikamenten erst im Magen oder Darm in den Blutkreislauf. Manchmal wird die Arznei schon über die Mundschleimhaut aufgenommen, zum Beispiel bei Schmelztabletten. Einige Wirkstoffe – beispielsweise bestimmte Abführ- oder Kontrastmittel – sollen auch gar nicht in größeren Mengen in den Blutkreislauf gelangen.

    Viele Medikamente werden über den Mund (oral) eingenommen. Sie können in fester Form als Tablette, Kapsel, Kau- oder Schmelztablette geschluckt oder gelutscht werden. Oder sie werden als Flüssigkeit in Form von Tropfen, Saft oder Sirup getrunken.

    In den meisten Fällen gelangt der Wirkstoff von oralen Medikamenten erst im Magen oder Darm in den Blutkreislauf. Manchmal wird die Arznei schon über die Mundschleimhaut aufgenommen, zum Beispiel bei Schmelztabletten. Einige Wirkstoffe – beispielsweise bestimmte Abführ- oder Kontrastmittel – sollen auch gar nicht in größeren Mengen in den Blutkreislauf gelangen.

    Tabletten

    Tabletten gibt es in vielen verschiedenen Formen und Größen. Sie sind lange haltbar und einfach herzustellen: Ein oder mehrere Wirkstoffe werden mit Hilfsstoffen gemischt und dann zu Tabletten gepresst.

    • Tabletten ohne Überzug: Tabletten bestehen aus fest zusammengepresstem Pulver oder Granulat. Wenn sie nicht mit einem Überzug versehen sind, haben sie meist eine matte Oberfläche. Wichtig ist, Tabletten immer mit Wasser einzunehmen, damit sie nicht in der Speiseröhre „hängenbleiben“ und damit sich im Magen genügend Flüssigkeit befindet, in der die Tablette zerfallen kann.
    • überzogene Tabletten (Dragees, Filmtabletten): Tabletten können mit einer Schicht überzogen sein, die unter anderem vor Feuchtigkeit und Bakterien schützen soll. Überzogene Tabletten sind glatt, gefärbt und oft glänzend. Sie „rutschen“ beim Schlucken besser und sind geschmacksneutral. Je nach Dicke und Beschaffenheit der Beschichtung unterscheidet man Dragees und Filmtabletten. Dragees sind meist rund oder oval und mit einer zuckerhaltigen Schicht überzogen, Filmtabletten haben nur einen dünnen Überzug. Wenn Tabletten Wirkstoffe enthalten, die vor der Magensäure geschützt werden müssen, sind sie mit einer Schutzschicht überzogen, die unempfindlich gegenüber Säure ist (magensaftresistent). Dadurch werden die Wirkstoffe erst im Dünndarm freigegeben. Überzogene Tabletten sollten nicht zerkleinert oder zerbissen werden, da der Schutz des Überzugs dann verloren geht.
    • Brausetabletten: Brausetabletten werden in einem Glas Wasser aufgelöst und dann getrunken. Sie sind für Menschen mit Schluckproblemen gut geeignet und können schneller wirken als Tabletten, da das Medikament schon in gelöster Form im Magen ankommt.
    • Kau- und Lutschtabletten (Pastillen): Sie enthalten Wirkstoffe, die direkt in Hals und Rachen wirken sollen (etwa bei Halsentzündungen), oder die über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können. Wie der Name schon sagt, werden diese Tabletten gekaut oder gelutscht.
    • Buccal-Tabletten (von „bucca“, lateinisch: Wange), Sublingual-Tabletten (von „sub“, lateinisch: unter und „lingua“, lateinisch: Zunge): Diese auch Schmelztabletten genannten Medikamente lässt man in der Wangentasche oder unter der Zunge zergehen. Der Wirkstoff wird direkt über die Mundschleimhaut ins Blut aufgenommen und im Körper verteilt.

    Kapseln und Kaukapseln

    Kapseln haben eine Hülle – meist aus Gelatine –, die das Arzneimittel in Pulver-, Granulat- oder flüssiger Form umschließt. Die Hülle löst sich im Magen oder Darm auf und gibt dann den Wirkstoff frei. Kapseln sind haltbar und geschmacksneutral, auch empfindliche Wirkstoffe lassen sich gut auf diese Weise verpacken. Es gibt auch Kaukapseln, die man zerbeißt, sodass deren Wirkstoff über die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann.

    Tabletten und Kapseln mit Retard-Wirkung

    Tabletten und Kapseln mit Retard-Wirkung sind so aufgebaut, dass sie ihre Wirkstoffe nur langsam abgeben. Eine Retard-Tablette kann zum Beispiel die Wirkstoffmenge eines ganzen Tages enthalten und diese über den Tag verteilt abgeben. Das hat dann den Vorteil, dass nur eine Tablette pro Tag nötig ist und nicht mehrere.

    Pulver, Tropfen und Säfte

    Pulver und Granulate

    Einige Arzneimittel werden in Pulver- oder Granulatform angeboten. Zum Einnehmen löst man sie meistens in Wasser auf. Dazu gehören manche Schmerzmittel und Antibiotika für Kinder (Trockensaft).

    Tropfen

    Bei Tropfen ist entweder die Flüssigkeit selbst der Wirkstoff eines Arzneimittels, oder er ist in Flüssigkeit gelöst, meistens in Wasser oder Wasser-Alkohol-Mischungen. Um das Medikament zu dosieren, zählt man die Tropfen ab.

    Saft und Sirup

    Bei Saft sind ein oder mehrere Wirkstoffe in der Regel in Wasser gelöst oder verteilt. Auch die Flüssigkeit selbst kann der Wirkstoff sein. Die Präparate werden heute meist mit einem mitgelieferten Messbecher dosiert. Menschen, die Probleme beim Schlucken von Tabletten haben, weichen oft auf Saft aus. Dickflüssige Zuckerlösungen, die Arzneimittel enthalten, werden Sirup genannt.

    Quellen

    Friedland J. Arzneiformenlehre. Stuttgart: WVG; 2009.

    Kretz FJ, Reichenberger S. Medikamentöse Therapie. Arzneimittellehre für Gesundheitsberufe. Stuttgart: Thieme; 2007.

    Lüllmann H, Mohr K, Hein L. Taschenatlas Pharmakologie. Stuttgart: Thieme; 2014.

    Plötz H. Kleine Arzneimittellehre für Fachberufe im Gesundheitswesen. Heidelberg: Springer; 2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente zum Auftragen auf die Haut

    Medikamente können auf die Haut oder Schleimhaut aufgetragen werden, um von dort in den Körper zu gelangen – oder um Probleme wie Schmerzen an einer bestimmten Körperstelle zu behandeln.

    Äußerlich anzuwendende Mittel können aber auch die Haut pflegen und vor schädlichen Einflüssen schützen. Es gibt Darreichungsformen zur örtlichen (lokalen) Behandlung und solche, bei denen die Wirkstoffe über die Haut in den ganzen Körper gelangen sollen.

    Medikamente können auf die Haut oder Schleimhaut aufgetragen werden, um von dort in den Körper zu gelangen – oder um Probleme wie Schmerzen an einer bestimmten Körperstelle zu behandeln.

    Äußerlich anzuwendende Mittel können aber auch die Haut pflegen und vor schädlichen Einflüssen schützen. Es gibt Darreichungsformen zur örtlichen (lokalen) Behandlung und solche, bei denen die Wirkstoffe über die Haut in den ganzen Körper gelangen sollen.

    Pasten, Salben und Öle

    Salben sind streichfähige Mischungen verschiedener Fette und bestehen aus Fett, Öl oder Wachs oder einer Kombination daraus. Typisch sind die fetthaltigen Wund- und Heilsalben.

    Öle bestehen aus Fetten, die bei Raumtemperatur flüssig sind. Sie werden als Zusatz für Ölbäder, als Massageöle oder als ätherische Öle wie Pfefferminzöl verwendet.

    Pasten sind spezielle Salben, die neben fettigen auch einen großen Anteil pulverförmiger Zusätze enthalten. Sie sind daher sehr fest und schwerer zu verstreichen. Ein Beispiel ist Zinkpaste.

     

    Grafik: Verschiedene Produkte zum Auftragen auf die Haut - wie im Text beschrieben Verschiedene Produkte zum Auftragen auf die Haut

    Cremes, Lotionen und Schaum

    Eine Creme ist eine streichfähige Mischung aus Fett und Wasser. Da der fettige und der wässrige Anteil sich normalerweise schlecht miteinander verbinden, braucht man einen Zusatzstoff (Emulgator), um diese zwei Bestandteile miteinander zu verbinden und stabil zu halten. Das Ergebnis wird deswegen auch als Emulsion bezeichnet. Flüssigere Emulsionen auf Wasserbasis werden auch Lotion oder Milch genannt. Ist die Emulsion durch Luft aufgelockert, entsteht ein Schaum zum Auftragen.

    Emulsionen aus Wasser und Öl unterscheidet man je nach Hauptbestandteil in Öl-in-Wasser-Emulsion (O/W-Emulsion) und Wasser-in-Öl-Emulsion (W/O-Emulsion).

    O/W-Emulsionen enthalten mehr Wasser. Zu ihnen gehören zum Beispiel leichtere Cremes, die schnell einziehen, nach dem Auftragen kühlen und die Haut schnell mit Feuchtigkeit versorgen.

    Dagegen enthalten W/O-Emulsionen mehr Fett als Wasser. Sie bilden eine Schutzschicht und speichern die Feuchtigkeit in der Haut. Sie werden für reichhaltigere Cremes und Spezialcremes für trockene Haut wie bei Neurodermitis verwendet.

    Gel, Tinktur und Puder

    Gele sind eine Sonderform einer Creme auf Wasserbasis. Sie bestehen vor allem aus Quellstoffen wie Stärke, die viel Wasser mit darin gelösten Wirkstoffen binden können.

    Gele enthalten kein Fett, lassen sich gut auf der Haut verteilen und können verschiedene Wirkstoffe enthalten. Es gibt zum Beispiel Gele zur Schmerzlinderung oder juckreizstillende Mittel. Gele bilden auf der Haut einen Film und haben eine kühlende Wirkung, die dadurch entsteht, dass Wasser auf der Haut verdunstet.

    Puder werden auf die Haut gestreut und bleiben dort haften. Sie können neben dem festen Wirkstoff auch Hilfsstoffe (zum Beispiel Talk) enthalten. Puder haben einen trocknenden Effekt und bilden einen Film, der die Haut schützt. Es gibt beispielsweise Puder gegen Juckreiz oder gegen Pilzerkrankungen.

    Tinkturen sind flüssige Medikamente zum Auftragen. Sie werden durch Lösen oder Verdünnen von getrockneten pflanzlichen oder anderen Mitteln (Extrakten) gewonnen, wobei meistens Alkohol als Lösungsmittel verwendet wird. Ein bekanntes Beispiel ist Jodtinktur zur Desinfektion von Wunden.

    Schüttelmixturen sind Hautpflegemittel, die aus einer Mischung aus Flüssigkeit und festen Bestandteilen bestehen. Der Anteil an Feststoffen beträgt mindestens 50 Prozent, deswegen können sie auch als eine Art „flüssiger Puder“ angesehen werden. Sie enthalten sehr wenig oder gar kein Fett. Eine weiße Schüttelmixtur mit Zink wird beispielsweise bei Windpocken und Gürtelrose eingesetzt, um die Hautbläschen auszutrocknen. Da sich das Pulver absetzt, müssen diese Mixturen vor der Verwendung erst aufgeschüttelt werden.

    Sprays und Pflaster

    Manche Arzneistoffe können als Spray auf die Haut oder Schleimhaut aufgetragen werden. Solche Mittel gibt es zum Beispiel zur Wundbehandlung, Desinfektion oder zum Abschwellen der Nasenschleimhaut.

    Manche Medikamente, die dem Körper über einen bestimmten Zeitraum zugeführt werden sollen, werden mithilfe eines Pflasters angewendet. Das Pflaster gibt den Wirkstoff für eine gewisse Zeit in die Haut ab. Neben Arzneipflastern gibt es auch Hormon- und Nikotinpflaster.

    Das hat verschiedene Vorteile: Der Wirkstoff wird sehr gleichmäßig aufgenommen und Magen und Darm werden nicht belastet. Außerdem ist die Anwendung bequem. Solche Pflaster werden auch „Transdermale Therapeutische Systeme“ (TTS) genannt. Wichtig ist es, vor dem Aufkleben eines neuen Pflasters das alte zu entfernen und das Pflaster nicht immer an der gleichen Stelle anzubringen.

    Quellen

    Friedland J. Arzneiformenlehre. Stuttgart: WVG; 2009.

    Kretz FJ, Reichenberger S. Medikamentöse Therapie. Arzneimittellehre für Gesundheitsberufe. Stuttgart: Thieme; 2007.

    Lüllmann H, Mohr K, Hein L. Taschenatlas Pharmakologie. Stuttgart: Thieme; 2014. Moll I. Duale Reihe Dermatologie. Stuttgart: Thieme; 2016.

    Plötz H. Kleine Arzneimittellehre für Fachberufe im Gesundheitswesen. Heidelberg: Springer; 2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Spritzen, Zäpfchen und weitere Darreichungsformen

    Damit Medikamente ihren Bestimmungsort im Körper erreichen, wird bei der Herstellung eine passende Darreichungsform gewählt. Neben Tabletten, Salben & Co. gibt es noch viele andere Formen.

    Die Darreichungsform richtet sich unter anderem danach, welche physikalischen und chemischen Eigenschaften das Arzneimittel hat und wo es wirken soll. Ein Mittel, das in der Lunge wirken soll, kann zum Beispiel eingeatmet werden. Ein Arzneimittel zur Behandlung einer Scheideninfektion kann mit einem Vaginalzäpfchen eingeführt werden. Wirkstoffe, die meist über die Mundschleimhaut in den Körper aufgenommen werden, können auch in Kaugummis enthalten sein. Ein bekanntes Beispiel sind Nikotinkaugummis zur Rauchentwöhnung.

    Damit Medikamente ihren Bestimmungsort im Körper erreichen, wird bei der Herstellung eine passende Darreichungsform gewählt. Neben Tabletten, Salben & Co. gibt es noch viele andere Formen.

    Die Darreichungsform richtet sich unter anderem danach, welche physikalischen und chemischen Eigenschaften das Arzneimittel hat und wo es wirken soll. Ein Mittel, das in der Lunge wirken soll, kann zum Beispiel eingeatmet werden. Ein Arzneimittel zur Behandlung einer Scheideninfektion kann mit einem Vaginalzäpfchen eingeführt werden. Wirkstoffe, die meist über die Mundschleimhaut in den Körper aufgenommen werden, können auch in Kaugummis enthalten sein. Ein bekanntes Beispiel sind Nikotinkaugummis zur Rauchentwöhnung.

    Spritzen

    Bei Spritzen (Injektionen) sind Wirkstoffe in einer Flüssigkeit gelöst, die gespritzt wird. Wenn ein Medikament möglichst schnell wirken soll, etwa in einer Notfallsituation, wird es oft in eine Vene gespritzt (i.v., intravenös verabreicht). So umgeht man die langsamere Aufnahme im Magen-Darm-Trakt. Wenn das Medikament langsamer wirken oder nicht direkt in die Blutbahn gelangen soll, sind Injektionen in einen Muskel (i.m., intramuskulär) oder unter die Haut ins Fettgewebe (subkutan) möglich.

    Manche Wirkstoffe muss man spritzen, da sie sonst im Magen oder Darm abgebaut werden. Dazu gehört beispielsweise Insulin. Auch die meisten Impfstoffe müssen aus diesem Grund gespritzt werden. Viele Injektionslösungen sind ohne Kühlung und nach dem Anbrechen nur kurz haltbar.

    Beim Umgang mit Injektionslösungen, Spritzen und Nadeln ist Hygiene besonders wichtig. Sie müssen keimfrei (steril) sein, da sonst Krankheitserreger sehr leicht in den Körper gelangen. Nach dem Gebrauch müssen sie sicher entsorgt werden.

    Infusionen

    Bei einer Infusion wird für eine gewisse Zeit ein Zugang meist in eine Vene gelegt (Venenkatheter), über den die Flüssigkeit in die Blutbahn fließt. Infusionen werden eingesetzt, wenn dies der einzige oder am besten geeignete Weg ist, dem Körper einen Wirkstoff oder eine Flüssigkeit über eine bestimmte Zeit gleichmäßig zu verabreichen.

    Ein venöser Zugang kann zudem wichtig sein, wenn Medikamente im Notfall sehr schnell wirken sollen. Deshalb wird bei vielen Operationen zur Sicherheit ein Venenkatheter gelegt. Auch bei Infusionen ist die Hygiene sehr wichtig, damit keine Keime in die Blutbahn gelangen.

    Wenn Infusionen über einen langen Zeitraum immer wieder gegeben werden, können auch sogenannte Port-Systeme eingesetzt werden. Sie bestehen aus einem flachen Behälter mit einem dünnen Schlauch, der in einer kleinen Operation unter der Haut einpflanzt wird, zum Beispiel im Bereich des Schlüsselbeins. Dieser Behälter kann dann mit einer Spritze durch die Haut immer wieder neu mit Medikamenten gefüllt werden. Diese gibt er über den Schlauch langsam in eine Vene ab. Port-Systeme können mehrere Wochen unter der Haut bleiben und sind dort vor Infektionen geschützt. Sie werden zum Beispiel bei Chemotherapien gegen Krebs angewendet.

    Zur Schmerzlinderung oder zur Betäubung einer Körperregion können Betäubungsmittel über einen Katheter in den sogenannten Periduralraum (auch Epiduralraum genannt) gespritzt werden. Das ist ein Spalt zwischen den Rückenmarkshäuten und der Wirbelsäule. Das Mittel betäubt die Nerven und stoppt dadurch die Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzsignalen an das Gehirn.

    Dazu legen Mediziner zunächst den Katheter in den Spalt und können dann je nach Bedarf wiederholt ein Betäubungsmittel verabreichen, ohne jedes Mal eine Spritze setzen zu müssen. Auch schmerzlindernde Infusionen können auf diesem Weg gegeben werden – zum Beispiel, um den Wehenschmerz während einer Geburt zu dämpfen (PDA).

    Etwas anders funktioniert die Spinalanalgesie oder Spinalanästhesie (Teilnarkose):  Bei ihr werden die Medikamente direkt in den Hirnwasserraum mit der Rückenmarksflüssigkeit gespritzt. Dadurch wird die untere Körperhälfte betäubt.

    Depots: Implantate und Spritzen

    Depot-Implantate bestehen aus körperfremden Materialien, die in den Körper eingesetzt werden, dort längere Zeit verbleiben und kontinuierlich ein Medikament abgeben. Wenn die Wirkung nachlässt, wird das Implantat wieder entfernt oder löst sich von selbst auf. So erreicht man, dass ein Arzneimittel über mehrere Monate gleichmäßig wirken kann. Ein Beispiel sind Hormonimplantate zur Verhütung.

    Bei einer Depot-Spritze wird ein Medikament unter die Haut oder in den Muskel gespritzt, dessen Wirkstoff nur nach und nach freigesetzt wird. Das lässt sich etwa durch Mischung mit Ölen oder bestimmten Salzen erreichen, die der Körper nur langsam abbaut. Beispiele sind über längere Zeit wirkende Insuline, Kortison-Depotspritzen und die Dreimonatsspritze zur Verhütung.

    Zäpfchen

    Einige Medikamente können als Zäpfchen über den After (rektal) eingeführt werden. Sie können Wirkstoffe enthalten, die vor Ort wirken sollen. Es ist aber auch möglich, Medikamente rektal anzuwenden, die in anderen Körperbereichen wirken sollen. Denn die Wirkstoffe werden von der Darmschleimhaut aufgenommen, gelangen in die Blutbahn und wirken dann am Zielort. Häufig werden Zäpfchen gewählt, wenn die Einnahme von Arzneimitteln schwierig ist, etwa bei Erbrechen oder wenn Kinder Fieber haben und keine Tabletten nehmen wollen oder können.

    Vaginalzäpfchen werden in die Scheide der Frau (vaginal) eingeführt, um dort zum Beispiel Entzündungen oder Pilzinfektionen zu behandeln. Sie lösen sich in der Scheide auf und geben ihre Wirkstoffe frei. Es gibt auch Vaginaltabletten und -salben zur lokalen Anwendung. Sie werden meist mit einer Einführhilfe aus Plastik (Applikator) geliefert.

    Tropfen, Salben und Sprays für Augen, Ohren und Nase

    Zur Behandlung zum Beispiel von Entzündungen in Augen und Ohren gibt es Medikamente in Tropfenform, die direkt in Auge oder Ohr eingeträufelt werden. Ohrentropfen dürfen nicht zu kalt sein, da die Anwendung sonst zu Schmerzen oder Schwindel führen kann. Außerdem gibt es Augensalben und -gele, die man in den Bindehautsack des Unterlids gibt. Insbesondere bei Augenmedikamenten ist es wichtig, dass sie keimfrei sind.

    Medikamente in Form von Nasentropfen und -sprays können kurzfristig zur Behandlung von Erkältungskrankheiten und Allergien verwendet werden. Man gibt dabei mit einer Pipette eine bestimmte Anzahl von Tropfen oder eine bestimmte Menge Spray in die Nase. Wichtig dabei ist, die Pipette zusammengedrückt wieder aus der Nase zu nehmen, um das Arzneimittel nicht mit Nasensekret zu verunreinigen.

    Mittel zum Inhalieren

    Medikamente zum Einatmen (Inhalieren) können dann sinnvoll sein, wenn sie direkt in der Lunge wirken sollen. Viele Asthma-Medikamente gibt es beispielsweise als Sprays zum Inhalieren. Da die Lunge sehr gut durchblutet ist, kann man aber auch Medikamente einatmen, die über das Blut aufgenommen werden und im ganzen Körper wirken sollen. Ein bekanntes Beispiel ist die Vollnarkose, bei der das Narkosemittel über eine Maske eingeatmet wird.

    Wenn ein flüssiger oder fester Wirkstoff fein in Luft oder einem anderen Gas verteilt wird, spricht man auch von einem Aerosol. Geräte zur Anwendung von Aerosolen sind beispielsweise Dosier-Aerosole. In ihnen wird der Wirkstoff fein zerstäubt und mit einem Treibgas zusammengebracht. Die Technik: Man atmet aus, umschließt danach das Mundstück des Geräts mit den Lippen, löst den Sprühstoß (Hub) aus und atmet gleichzeitig tief ein. Je feiner die Flüssigkeit oder das Pulver zerstäubt sind, desto tiefer können sie in die Lunge eindringen. Wichtig ist, das verwendete Gerät regelmäßig gründlich zu reinigen, da es beim Inhalieren immer zum Kontakt mit der Mundschleimhaut und eventuellen Krankheitserregern kommt.

    Mittel wie ätherische Öle können auch mit heißem Wasserdampf eingeatmet werden, zum Beispiel zur Linderung von Erkältungen. Heißes Wasser lässt die Öle schneller verdampfen und verstärkt so die Wirkung auf die Schleimhäute.

    Quellen

    Friedland J. Arzneiformenlehre. Stuttgart: WVG; 2009.

    Kretz FJ, Reichenberger S. Medikamentöse Therapie. Arzneimittellehre für Gesundheitsberufe. Stuttgart: Thieme; 2007.

    Lüllmann H, Mohr K, Hein L. Taschenatlas Pharmakologie. Stuttgart: Thieme; 2014.

    Plötz H. Kleine Arzneimittellehre für Fachberufe im Gesundheitswesen. Heidelberg: Springer; 2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente über lange Zeit anwenden

    Viele Menschen benötigen dauerhaft Arzneimittel. Medikamente über einen längeren Zeitraum anzuwenden, kann jedoch schwerfallen – insbesondere, wenn gleichzeitig mehrere Mittel nötig sind. Unterschiedliche Hilfsmittel und Strategien können dann unterstützen.

    Wer es schwierig findet, jeden Tag Medikamente zu nehmen, ist damit nicht allein. Schon an die regelmäßige Einnahme zu denken, ist nicht leicht.

    Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, die dabei helfen können, Medikamente langfristig einzunehmen – besonders, wenn sie miteinander kombiniert werden. Dazu gehören unter anderem:

    • ein regelmäßiges Gespräch mit Ärzten und Apothekern, um zum Beispiel mehr über die Medikamente und deren Anwendung zu erfahren
    • Verpackungen oder Behälter, auf denen man genau ablesen kann, wann und wie zum Beispiel Tabletten eingenommen werden sollen
    • motivierende Gespräche mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten oder das Erlernen von Verhaltenstechniken, die eine regelmäßige Einnahme erleichtern
    • elektronische Erinnerungen an die Einnahme mittels spezieller Geräte oder als Nachricht auf Handy oder Smartphone

    Ob diese Strategien tatsächlich nutzen und in welchem Maße, ist in bisherigen Studien noch nicht zuverlässig nachgewiesen. Ein Grund ist, dass die Teilnehmer der Studien aus ganz unterschiedlichen Gründen langfristig Medikamente einnehmen mussten und sich die Einnahmevorschriften und Menge der Medikamente sehr unterschieden.

    Außerdem wurden sehr viele unterschiedliche Strategien zur Medikamenteneinnahme beobachtet, die nicht immer vergleichbar waren. Insbesondere fehlen Studien, die die Auswirkungen über mehrere Jahre beobachten. Deswegen muss der Nutzen der einzelnen Unterstützungsmaßnahmen in weiteren Studien geprüft werden.

    Viele Menschen benötigen dauerhaft Arzneimittel. Medikamente über einen längeren Zeitraum anzuwenden, kann jedoch schwerfallen – insbesondere, wenn gleichzeitig mehrere Mittel nötig sind. Unterschiedliche Hilfsmittel und Strategien können dann unterstützen.

    Wer es schwierig findet, jeden Tag Medikamente zu nehmen, ist damit nicht allein. Schon an die regelmäßige Einnahme zu denken, ist nicht leicht.

    Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, die dabei helfen können, Medikamente langfristig einzunehmen – besonders, wenn sie miteinander kombiniert werden. Dazu gehören unter anderem:

    • ein regelmäßiges Gespräch mit Ärzten und Apothekern, um zum Beispiel mehr über die Medikamente und deren Anwendung zu erfahren
    • Verpackungen oder Behälter, auf denen man genau ablesen kann, wann und wie zum Beispiel Tabletten eingenommen werden sollen
    • motivierende Gespräche mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten oder das Erlernen von Verhaltenstechniken, die eine regelmäßige Einnahme erleichtern
    • elektronische Erinnerungen an die Einnahme mittels spezieller Geräte oder als Nachricht auf Handy oder Smartphone

    Ob diese Strategien tatsächlich nutzen und in welchem Maße, ist in bisherigen Studien noch nicht zuverlässig nachgewiesen. Ein Grund ist, dass die Teilnehmer der Studien aus ganz unterschiedlichen Gründen langfristig Medikamente einnehmen mussten und sich die Einnahmevorschriften und Menge der Medikamente sehr unterschieden.

    Außerdem wurden sehr viele unterschiedliche Strategien zur Medikamenteneinnahme beobachtet, die nicht immer vergleichbar waren. Insbesondere fehlen Studien, die die Auswirkungen über mehrere Jahre beobachten. Deswegen muss der Nutzen der einzelnen Unterstützungsmaßnahmen in weiteren Studien geprüft werden.

    Wie helfen Informationen bei der langfristigen Anwendung?

    Große Tabletten zu schlucken oder beispielsweise mit einem Insulin-Pen umzugehen, fällt nicht jedem leicht. Wer Probleme mit der Darreichungsform und Anwendungstechnik hat, kann in der Arztpraxis oder Apotheke nachfragen,

    • ob es mehr Informationen zur richtigen Anwendung gibt,
    • ob man das Medikament in einer anderen Form anwenden kann,
    • ob der Wirkstoff in einer anderen Form erhältlich ist – zum Beispiel als Kapsel oder als Saft oder
    • ob das Medikament zerkleinert und mit Speisen vermischt werden darf, damit das Schlucken leichter fällt.

    Auch bestimmte Eigenheiten eines Medikaments können es erschweren, das Mittel langfristig anzuwenden: Bei manchen Medikamenten ist die erwünschte Wirkung nicht sofort oder gar nicht spürbar, wie etwa ein niedrigerer Blutzuckerspiegel bei Diabetestabletten. Bei anderen Mitteln, zum Beispiel bei Antidepressiva, setzt die Wirkung erst nach einigen Wochen ein. Wer dadurch den Eindruck bekommt, dass sein Medikament nicht wirkt, bricht die Einnahme möglicherweise wieder ab. Auch hier helfen Gespräche mit der Ärztin oder dem Arzt.

    Manche Menschen lehnen eine Dauerbehandlung mit Medikamenten aus Angst vor Nebenwirkungen ab. Es kann aber sinnvoll sein, Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, wenn der Nutzen überwiegt – insbesondere, wenn das Medikament das Fortschreiten einer ernsthaften Erkrankung aufhalten kann.

    Um entscheiden zu können, ob man ein Medikament nehmen möchte oder nicht, ist es wichtig zu wissen, welche anderen Behandlungsmöglichkeiten bestehen – einschließlich nicht medikamentöser Methoden – und was passieren könnte, wenn man auf eine Behandlung verzichtet. Häufig bessert sich ein akutes Gesundheitsproblem von selbst oder eine Erkrankung heilt auch unbehandelt aus. Nichts zu unternehmen, kann aber auch zur Folge haben, dass sich ein Gesundheitsproblem zu einer ernsthaften Erkrankung entwickelt. Es ist sinnvoll, Ängste und Bedenken mit Ärztin oder Arzt zu besprechen und nach mehr Informationen zu fragen, um gemeinsam eine Entscheidung zu treffen. Wer wissen möchte, wie andere Menschen mit derselben Erkrankung die Medikamenten-Einnahme langfristig schaffen, kann sich für mehr Informationen auch an eine Selbsthilfegruppe wenden.

    Wie kann man den Überblick über seine Medikamente behalten?

    Den Überblick zu behalten, ist sehr wichtig – gerade wenn man mehrere Medikamente einnimmt. Aber auch wenn nur ein Medikament nötig ist, gibt es einige Hürden: Manche Mittel sind nicht so verpackt, dass man sofort erkennt, wie und wann man sie nehmen soll oder ob man eine Dosis vergessen hat.

    Für einen besseren Überblick bieten Apotheken besondere Verpackungen oder Behälter an, die auf einen Blick zeigen, welche Tabletten wann eingenommen werden müssen. In diese sogenannten Medikamenten-Dispenser werden die Medikamente für eine ganze Woche in kleine Fächer einsortiert – zum Beispiel Medikament A täglich eine Tablette morgens, mittags und abends, Medikament B jeden Abend zwei Tabletten.

    Es erleichtert den Überblick, wenn die Beipackzettel der Medikamente zusammen mit anderen wichtigen Gesundheitsunterlagen (etwa Arztbriefe, Befundberichte oder Impfpass) aufbewahrt werden.

    Am besten schreibt man sich zusätzlich auch auf, welche Medikamente wann und in welcher Dosierung eingenommen werden müssen. Für die Auflistung ist ein Formblatt geeignet oder einfach ein Heft, in dem man alles notiert.

    Grafik: Medikamenten-Liste – Vorlage zum Ausdrucken und Selbstausfüllen Medikamenten-Liste – Vorlage zum Ausdrucken und Selbstausfüllen (interaktiv)

     

    Neben den verschreibungspflichtigen Medikamenten ist es wichtig, alle Mittel zu notieren, die man ohne Rezept selbst gekauft hat. Dazu gehören auch pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Denn solche Präparate können ebenfalls Wechselwirkungen mit Medikamenten haben. In die Liste gehören auch Arzneimittel, die nicht eingenommen, sondern auf andere Weise angewendet werden – etwa Asthma-Sprays oder Augentropfen.

    Man kann die Medikamenten-Liste allein erstellen oder mit jemandem zusammen. Wichtig ist auch, dass Familienmitglieder oder eine betreuende Pflegekraft über die Medikamente Bescheid wissen.

    Gesetzlich Versicherte haben seit Oktober 2016 unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf einen übersichtlichen Medikationsplan, der von der Ärztin oder dem Arzt für sie erstellt wird. Ein Anspruch besteht, wenn

    • drei oder mehr rezeptpflichtige Medikamente benötigt werden.
    • die Medikamente systemisch wirken – das heißt, sie verteilen sich im ganzen Körper.
    • die Medikamente für einen Zeitraum von mindestens vier Wochen verordnet werden.

    Der Medikationsplan umfasst nicht nur die verordneten Medikamente, sondern auch alle anderen Arzneimittel. Er ist einheitlich aufgebaut und enthält neben persönlichen Angaben wie Name und Geburtsdatum folgende Informationen:

    • Name des Medikaments: Wirkstoff und Handelsname
    • Stärke der Einzeldosis (wie viel) und Darreichungsform, zum Beispiel: 100 mg Tablette
    • Zeitpunkt, zu dem das Medikament angewendet wird, zum Beispiel: morgens und abends je 1 Tablette
    • eventuell besondere Hinweise, zum Beispiel: Aufbewahrung im Kühlschrank
    • Grund für die Anwendung, zum Beispiel: Bluthochdruck, Schmerzen oder Eisenmangel

    Was kann man tun, um an seine Medikamente zu denken?

    Es kann helfen, die Einnahme mit täglichen Routine-Tätigkeiten zu verbinden. Wer etwa seine Zähne immer zu der Zeit putzt, zu der auch die Medikamente eingenommen werden sollten, kann einen Erinnerungszettel oder die Medikamentenschachtel neben die Zahnbürste legen.

    Notizzettel an der Kühlschranktür oder an einem anderen Ort, den man häufig im Blick hat, können auch eine Lösung sein. Wer seinen Alltag zum Beispiel mit einem Kalender auf dem Handy oder Smartphone organisiert, kann sich per Erinnerung, Klingelton oder Vibration an die Einnahme erinnern lassen.

    Manche Menschen verlassen sich lieber darauf, dass eine andere Person sie auf die Einnahme aufmerksam macht – etwa ein Familienmitglied oder eine Pflegekraft, die regelmäßig ins Haus kommt.

    Was hilft, Medikamente langfristig sicher anzuwenden?

    Medikamente haben ein Verfallsdatum. Wer das Datum ab und zu kontrolliert, kann sichergehen, dass die Medikamente nicht abgelaufen sind und denkt rechtzeitig daran, eine neue Packung zu besorgen. Dies ist gerade vor dem Urlaub oder vor längeren Reisen wichtig. Wer spezielle Medikamentenbehälter benutzt, sollte beim Umfüllen genau darauf achten, nichts zu vertauschen.

    Sollten die Medikamente doch einmal ausgehen: Auf Arzneien anderer Personen, zum Beispiel die „Herz-Tabletten“ des Partners, auszuweichen, ist riskant. Die Mittel enthalten nicht unbedingt die Wirkstoffe, die man selbst benötigt. Zudem kann das Risiko für Nebenwirkungen höher sein, etwa weil die Dosierung nicht stimmt oder weil man bestimmte Wirkstoffe nicht verträgt. Daher ist es besser, die behandelnde Ärztin oder den eigenen Arzt aufzusuchen oder in eine Apotheke zu gehen und nachzufragen.

    Aber nicht nur bei einer langfristigen Einnahme gilt: Wenn man das Gefühl hat, dass ein Medikament Schwierigkeiten bereitet, ist es wichtig, in der Arztpraxis oder Apotheke um Rat zu fragen. Und beim Start einer neuen Therapie mit Medikamenten sollte die Ärztin oder der Arzt informiert werden, wenn schon einmal eine allergische Reaktion auf einen Wirkstoff  oder starke Nebenwirkungen aufgetreten sind. Gleiches gilt in der Apotheke beim Kauf rezeptfreier Arzneimittel.

    Arzneimittel sollte man nicht aus unseriösen Quellen im Internet beziehen – vor allem keine verschreibungspflichtigen Medikamente. Sie könnten gefälscht und mit schädlichen Substanzen verunreinigt oder unwirksam sein. Ein erster Hinweis darauf können ungewohnte Nebenwirkungen sein oder dass die Beschwerden der Erkrankung trotz Medikamente wieder auftreten.

    Zur sicheren Anwendung gehört letztlich auch, Medikamente nicht sofort abzusetzen, sobald man sich besser fühlt. Wer zum Beispiel die Einnahme von Antibiotika beendet, bevor die verschriebene Menge aufgebraucht ist, kann einen Rückfall bekommen.

    Quellen

    Boeni F, Spinatsch E, Suter K, Hersberger KE, Arnet I. Effect of drug reminder packaging on medication adherence: a systematic review revealing research gaps. Syst Rev 2014; 3: 29.

    Easthall C, Song F, Bhattacharya D. A meta-analysis of cognitive-based behaviour change techniques as interventions to improve medication adherence. BMJ Open 2013; 3(8).

    Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Ihr persönlicher Medikationsplan. Alles Wichtige auf einen Blick. 26.10.2016.

    Mahtani KR, Heneghan CJ, Glasziou PP, Perera R. Reminder packaging for improving adherence to self-administered long-term medications. Cochrane Database Syst Rev 2011; (9): CD005025.

    Nieuwlaat R, Wilczynski N, Navarro T, Hobson N, Jeffery R, Keepanasseril A et al. Interventions for enhancing medication adherence. Cochrane Database Syst Rev 2014; (11): CD000011.

    Pound P, Britten N, Morgan M, Yardley L, Pope C, Daker-White G et al. Resisting medicines: a synthesis of qualitative studies of medicine taking. Soc Sci Med 2005; 61(1): 133-155.

    Smith C, Gold J, Ngo TD, Sumpter C, Free C. Mobile phone-based interventions for improving contraception use. Cochrane Database Syst Rev 2015; (6): CD011159.

    Tao D, Xie L, Wang T, Wang T. A meta-analysis of the use of electronic reminders for patient adherence to medication in chronic disease care. J Telemed Telecare 2015; 21(1): 3-13.

    Thakkar J, Kurup R, Laba TL, Santo K, Thiagalingam A, Rodgers A et al. Mobile Telephone Text Messaging for Medication Adherence in Chronic Disease: A Meta-analysis. JAMA Intern Med 2016; 176(3): 340-349.

    Vervloet M, Linn AJ, van Weert JC, de Bakker DH, Bouvy ML, van Dijk L. The effectiveness of interventions using electronic reminders to improve adherence to chronic medication: a systematic review of the literature. J Am Med Inform Assoc 2012; 19(5): 696-704.

    Viswanathan M, Kahwati LC, Golin CE, Blalock S, Coker-Schwimmer E, Posey R et al. Medication Therapy Management Interventions in Outpatient Settings. 11.2014. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews. Report No.: 14(15)-EHC037-EF).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente für Kinder richtig dosieren

    Beruhigen, Trösten, Ablenken: Wenn ein Kind krank ist, sind die Eltern gefordert. Sie müssen ihr Kind durch eine schwierige Phase begleiten und ihm vielleicht auch Medikamente geben. Das ist nicht immer einfach.

    Bei Kindern klingen viele Krankheiten nach einer Weile von selbst ab und müssen nicht mit Medikamenten behandelt werden. Daher kann es zunächst eine Überlegung wert sein, ob eine Therapie mit Medikamenten wirklich nötig ist und mehr Vor- als Nachteile hat.

    Damit Medikamente wirken können, ist es wichtig, dass sie wie vorgesehen eingenommen werden. Gerade bei kleinen Kindern kann das aber mitunter schwierig sein. Vielleicht öffnen sie den Mund nicht, spucken Tabletten wieder aus oder sträuben sich lautstark gegen die Medizin. Das kann nervenaufreibend sein – für Eltern und Kind. Bei Stress passieren dann häufiger Fehler beim Dosieren oder man vergisst, ein Medikament zu geben.

    Beruhigen, Trösten, Ablenken: Wenn ein Kind krank ist, sind die Eltern gefordert. Sie müssen ihr Kind durch eine schwierige Phase begleiten und ihm vielleicht auch Medikamente geben. Das ist nicht immer einfach.

    Bei Kindern klingen viele Krankheiten nach einer Weile von selbst ab und müssen nicht mit Medikamenten behandelt werden. Daher kann es zunächst eine Überlegung wert sein, ob eine Therapie mit Medikamenten wirklich nötig ist und mehr Vor- als Nachteile hat.

    Damit Medikamente wirken können, ist es wichtig, dass sie wie vorgesehen eingenommen werden. Gerade bei kleinen Kindern kann das aber mitunter schwierig sein. Vielleicht öffnen sie den Mund nicht, spucken Tabletten wieder aus oder sträuben sich lautstark gegen die Medizin. Das kann nervenaufreibend sein – für Eltern und Kind. Bei Stress passieren dann häufiger Fehler beim Dosieren oder man vergisst, ein Medikament zu geben.

    Wie lassen sich Fehler bei der Dosierung vermeiden?

    Bei kleinen Kindern werden Medikamente leicht überdosiert. Der Grund ist das geringe Gewicht der Kinder. Manchmal sind zudem die Markierungen auf Dosierhilfen verwirrend oder die Angaben im Beipackzettel nicht sofort verständlich. Gerade bei flüssigen Arzneimitteln wie Antibiotika-, Schmerzmittel- oder Hustensaft passiert es schnell, dass man zu viel gibt. Das kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Eltern können aber einiges tun, damit bei der Gabe von Medikamenten keine Fehler passieren:

    • Beipackzettel: Den Beipackzettel in Ruhe durchlesen und sich an die Empfehlungen halten.
    • Dosierung ermitteln: Besonders darauf achten, welche Menge des Medikaments gegeben werden muss, und die Dosis vor der ersten Gabe vorsichtshalber dreimal kontrollieren: Sie muss dem Alter und Gewicht des Kindes entsprechen. Das Kind auf die Waage zu stellen, ist sicherer als sein Gewicht zu schätzen.
    • Art und Weise der Anwendung: Sich daran halten, wie das Medikament angewendet werden soll – zum Beispiel Tabletten mit genügend Flüssigkeit geben und darauf achten, ob sie vor, zum oder nach dem Essen eingenommen werden müssen.
    • Dosierhilfen: Wenn sie in der Packung enthalten sind, sollten die Dosierhilfen auch genutzt werden. Am häufigsten werden Tropfenzähler, Dosierkappen oder Messbecher mitgeliefert. Dosierhilfen eignen sich nur für das dazugehörige Medikament, nicht für andere Mittel. Bei Dosierungsangaben mit „Löffeln“ darauf achten, ob Tee- oder Esslöffel gemeint sind. Allerdings kann die Größe von Haushaltslöffeln sehr unterschiedlich sein. Das Standardmaß für Teelöffel ist normalerweise 5 ml, für Esslöffel 15 ml. Stattdessen – insbesondere bei Säuglingen – eher Einmalspritzen aus der Apotheke zum Abmessen der Menge von flüssigen Medikamenten verwenden.
    • Lichtverhältnisse: Beim Dosieren für gutes Licht sorgen und nachts immer eine Lampe anmachen, um die Dosis bei jeder Gabe genau zu kontrollieren.
    • Gedankenstützen: Auf einem Zettel oder Aufkleber auf der Arzneiflasche notieren, wann das Kind das Medikament zuletzt bekommen hat. Das ist vor allem dann wichtig, wenn es die Arznei mehrmals täglich benötigt, wenn bestimmte Zeitabstände eingehalten werden sollen oder wenn das Kind das Medikament zu verschiedenen Zeiten von unterschiedlichen Personen bekommt.
    • rezeptfreie Mittel: Auch bei rezeptfreien Medikamenten die Gebrauchsanweisung sorgfältig durchlesen. Bei Unsicherheit, ob das Mittel für das Kind geeignet ist, ist es wichtig, sich ärztlichen Rat zu holen oder in einer Apotheke nachzufragen. Das gilt besonders, wenn sich für das jeweilige Lebensalter oder Gewicht eines Kindes keine Dosierangaben finden oder das Kind gleichzeitig weitere Arzneimittel nimmt.
    • Originalverpackung: Tropfenflüssigkeit nicht in eine andere Flasche umfüllen oder verdünnen. Dadurch könnte sich die Tropfengröße und somit die Dosis verändern.
    • Rücksprache bei Dosierfehlern: Bei versehentlichen Überdosierungen zügig Rat bei Ärztin oder Arzt oder in der Apotheke holen und fragen, was zu tun ist. Wenn eine Dosis vergessen wurde oder das Kind nach der Einnahme erbrochen oder das Medikament teilweise wieder ausgespuckt hat, nicht beim nächsten Mal „zum Ausgleich“ die doppelte Dosis geben. Stattdessen weiter nach Plan verabreichen, aber ebenfalls Rücksprache halten.

    Einige Tabletten und Kapseln dürfen nicht zerkleinert werden und auch das Vermischen mit Lebensmitteln kann problematisch sein. Wer sich unsicher ist oder andere Fragen hat, kann mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen oder sich in der Apotheke beraten lassen.

    Quellen

    European Medicines Agency (EMA), Committee for medicinal products for human use (CHMP). Reflection Paper: Formulations of choice for the paediatric population. 28.07.2006.

    Moreno MA. Medication Safety for Children. Arch Pediatr Adolesc Med 2010; 164(2): 208.

    US Food and Drug Administration (FDA). Antibiotics and Antibiotic Resistance. 18.09.2014.

    Yin HS, Wolf MS, Dreyer BP, Sanders LM, Parker RM. Evaluation of consistency in dosing directions and measuring devices for pediatric nonprescription liquid medications. JAMA 2010; 304(23): 2595-2602.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Antibiotika richtig anwenden und Resistenzen vermeiden

    Die Entdeckung von Antibiotika gehört zu den wichtigsten Entdeckungen in der Medizin: Sie bekämpfen Bakterien und können lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie etwa Lungenentzündungen heilen, gegen die es früher kein Mittel gab. Durch massenhaften und unsachgemäßen Einsatz werden heute aber immer mehr Bakterien unempfindlich gegen Antibiotika. Die richtige Anwendung ist daher besonders wichtig.

    Antibiotika können Leben retten, die Beschwerden bakterieller Erkrankungen lindern und die Genesung beschleunigen. Doch eine Behandlung mit Antibiotika hat auch Nebenwirkungen. Häufig kommt es zum Beispiel zu Übelkeit oder Durchfall.

    Antibiotika werden außerdem viel zu häufig und oft fehlerhaft eingesetzt. Dadurch sind mittlerweile viele bakterielle Krankheitserreger unempfindlich gegen Antibiotika geworden. Durch diese zunehmende Widerstandsfähigkeit (Resistenz) der Bakterien können manche Krankheiten nicht mehr so gut behandelt werden wie zuvor.

    Um während einer Antibiotika-Therapie Resistenzen und Nebenwirkungen vorzubeugen, ist vor allem wichtig zu wissen:

    • Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Viele Infektionen werden aber durch Viren ausgelöst und sind nicht durch Antibiotika behandelbar – beispielsweise Atemwegserkrankungen wie Husten, Schnupfen, Bronchitis oder Grippe.
    • Der übermäßige, unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika führt zu unerwünschten Wirkungen und längerfristig zu abnehmender Wirksamkeit der Mittel.

    Die Entdeckung von Antibiotika gehört zu den wichtigsten Entdeckungen in der Medizin: Sie bekämpfen Bakterien und können lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie etwa Lungenentzündungen heilen, gegen die es früher kein Mittel gab. Durch massenhaften und unsachgemäßen Einsatz werden heute aber immer mehr Bakterien unempfindlich gegen Antibiotika. Die richtige Anwendung ist daher besonders wichtig.

    Antibiotika können Leben retten, die Beschwerden bakterieller Erkrankungen lindern und die Genesung beschleunigen. Doch eine Behandlung mit Antibiotika hat auch Nebenwirkungen. Häufig kommt es zum Beispiel zu Übelkeit oder Durchfall.

    Antibiotika werden außerdem viel zu häufig und oft fehlerhaft eingesetzt. Dadurch sind mittlerweile viele bakterielle Krankheitserreger unempfindlich gegen Antibiotika geworden. Durch diese zunehmende Widerstandsfähigkeit (Resistenz) der Bakterien können manche Krankheiten nicht mehr so gut behandelt werden wie zuvor.

    Um während einer Antibiotika-Therapie Resistenzen und Nebenwirkungen vorzubeugen, ist vor allem wichtig zu wissen:

    • Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Viele Infektionen werden aber durch Viren ausgelöst und sind nicht durch Antibiotika behandelbar – beispielsweise Atemwegserkrankungen wie Husten, Schnupfen, Bronchitis oder Grippe.
    • Der übermäßige, unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika führt zu unerwünschten Wirkungen und längerfristig zu abnehmender Wirksamkeit der Mittel.

    Was genau ist eine Antibiotika-Resistenz?

    Der lateinische Begriff Resistenz bedeutet „Widerstand“. In der Medizin werden Bakterien als resistent bezeichnet, die gegenüber äußeren Einflüssen besonders widerstandsfähig sind. Ein Beispiel: Gelangen mit der Nahrung auch Krankheitserreger in den Magen, tötet die Magensäure die meisten von ihnen ab. Manche Bakterien sind jedoch von einer Schleimhülle umgeben, die sie vor der Säure schützt. Sie sind gegen die Magensäure resistent.

    Bei der Antibiotika-Resistenz ist das Prinzip ähnlich: Die Bakterien haben eine neue Eigenschaft erworben, die sie vor dem Antibiotikum schützt. Einige Bakterienarten können zum Beispiel einen Stoff bilden, der bestimmte Antibiotika unwirksam macht. Ist ein Bakterium in der Lage, sich gegen mehrere Antibiotika zu schützen, spricht man auch von einem multiresistenten Erreger.

    Wie entstehen Resistenzen?

    Viele Bakterien, die heute resistent sind, waren in der Vergangenheit noch empfindlich gegenüber Antibiotika. Dafür spielen einige Entwicklungen eine wichtige Rolle. Eine vereinfachte Darstellung: Ursprünglich konnte ein Antibiotikum eine bestimmte Bakterienart unschädlich machen und damit die Infektion wirksam stoppen. Durch Zufall kann sich bei Bakterien aber das Erbgut verändern und es entstehen eventuell neue Eigenschaften. Schützen diese vor Antibiotika, sind die Bakterien resistent geworden. Solche Eigenschaften können auch von einer Bakterienart auf die andere übertragen werden.

    Werden Antibiotika sehr häufig eingesetzt, kann sich ein resistent gewordener Erreger besonders gut vermehren, da seine Antibiotika-empfindlichen Artgenossen ja gehemmt werden. Infiziert sich nun ein Mensch mit dem resistenten Erreger, helfen Antibiotika nicht mehr.

    Welche Bakterien sind resistent und warum sind diese gefährlich?

    Typische resistente Erreger gehören zu den Bakterien-Gattungen Enterokokken und Staphylokokken, darunter zum Beispiel der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Staphylokokken kommen auf Haut und Schleimhäuten vor und können – zum Beispiel wenn sie in offene Wunden gelangen – Infektionen hervorrufen.

    Mittlerweile haben sich auch in anderen Bakteriengattungen resistente Stämme entwickelt, etwa bei Escherichia coli, Klebsiellen oder Pseudomonaden.

    Was wird gegen Antibiotika-Resistenzen unternommen?

    Antibiotika sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Für einen umsichtigen und angemessenen Einsatz sind also vor allem Ärztinnen und Ärzte verantwortlich. Sie sollten zunächst prüfen, ob ein Mensch tatsächlich an einer bakteriellen Infektion erkrankt ist. Wenn ja, ist es wichtig, dass sie das Antibiotikum in der richtigen Dosierung und ausreichend lange verschreiben und das Antibiotikum gezielt auswählen, das die jeweiligen Erreger am besten bekämpft.

    Hygienevorschriften sollen zusätzlich verhindern, dass sich die resistenten Erreger weiter ausbreiten und vermeidbare Infektionen auftreten. Diese Maßnahmen sind vor allem im Krankenhaus wichtig. Dort werden relativ häufig Antibiotika angewendet, so bilden sich schnell resistente Keime. Wenn man Kontakt mit einem Menschen hat, der an einer Infektion mit resistenten Bakterien erkrankt ist, helfen zum Beispiel das Tragen von Einmalhandschuhen, Mundschutz und Kittel sowie die Händedesinfektion gegen eine Verbreitung der Keime.

    Antibiotika werden auch in der Tiermedizin und Landwirtschaft eingesetzt. Deswegen müssen sich auch Tierärztinnen und -ärzte an die Regeln für einen sinnvollen Umgang mit Antibiotika halten.

    Was kann ich selber tun, um Antibiotika-Resistenzen vorzubeugen?

    Wer Antibiotika mit Bedacht einnimmt, trägt dazu bei, Resistenzen zu vermeiden – und ist zugleich besser vor Nebenwirkungen geschützt.

    Dabei ist es vor allem wichtig, Antibiotika nicht zu überschätzen: Es kommt immer wieder vor, dass Patientinnen und Patienten Antibiotika bei Krankheiten erwarten, bei denen ihr Einsatz keinen Vorteil bringt.

    Bei schweren bakteriellen Infektionen wie zum Beispiel Lungen- oder Gehirnhautentzündungen ist die Anwendung eines Antibiotikums notwendig. Anders ist es beispielsweise, wenn ansonsten gesunde Menschen durch Viren verursachte Atemwegsinfektionen wie Erkältungen oder eine Virusgrippe bekommen. Bei normalem Krankheitsverlauf helfen Antibiotika nicht, da sie nur gegen Bakterien wirken. Außerdem können Antibiotika zu Nebenwirkungen wie allergischen Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Pilzinfektionen führen. Es ist daher wichtig, die Vor- und Nachteile einer Einnahme sorgfältig abzuwägen.

    Was ist bei der Anwendung von Antibiotika zu beachten?

    Antibiotika sollten solange eingenommen werden, wie die Ärztin oder der Arzt sie verordnet haben. Wenn Beschwerden früher abklingen, muss das nicht heißen, dass alle Erreger abgetötet wurden. Übrig gebliebene Keime können dafür sorgen, dass eine Krankheit wieder ausbricht.

    Falls doch einmal Tabletten übrig bleiben, sollten sie nicht für eine spätere Anwendung aufgehoben oder anderen Menschen gegeben werden. Medikamentenreste können über den normalen Hausmüll entsorgt oder in einigen Apotheken abgegeben werden. Apotheken sind allerdings nicht dazu verpflichtet, die angebrochenen Packungen abzunehmen. Wichtig ist, Medikamentenreste nicht über den Ausguss oder die Toilette zu entsorgen. Das belastet die Umwelt und trägt ebenfalls zur Resistenzbildung bei.

    Medikamente können nur optimal wirken, wenn sie wie vorgesehen angewendet werden. Bei der Einnahme von Antibiotika ist wichtig zu wissen:

    • Darf eine Tablette zur leichteren Einnahme zerteilt werden? Bei manchen Medikamenten kann dies die Wirksamkeit beeinträchtigen.
    • Mit welchen Lebensmitteln dürfen sie eingenommen werden? Antibiotika werden in der Regel mit Wasser eingenommen, da die Einnahme mit Säften, Milchprodukten oder Alkohol die Aufnahme mancher Wirkstoffe in den Körper beeinflussen kann. Zu Milchprodukten gehören neben Milch auch Butter, Joghurt, Käse und Quark. Auch nach der Einnahme des Antibiotikums kann es erforderlich sein, bis zu drei Stunden mit dem Verzehr von Milchprodukten zu warten. Grapefruitsaft und Nahrungsergänzungsmittel mit Mineralstoffen wie Kalzium können die Wirkung von Antibiotika ebenfalls hemmen.
    • Wann soll das Antibiotikum eingenommen werden? Manche Mittel sollten immer zur gleichen Tageszeit eingenommen werden – andere vor, während oder nach dem Essen. Wenn ein Medikament zum Beispiel dreimal am Tag eingenommen werden soll, müssen in der Regel feste Abstände eingehalten werden, damit es im Tagesverlauf möglichst gleichmäßig wirkt. Wer ein Antibiotikum alle 8 Stunden einnehmen soll, kann sich als feste Zeiten zum Beispiel 6 – 14 – 22 Uhr merken.
    • Werden gleichzeitig andere Medikamente eingenommen? Da Antibiotika Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben können, ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, wenn man noch andere Medikamente einnimmt. Wechselwirkungen sind etwa mit bestimmten Blutverdünnern möglich und mit Mitteln gegen Sodbrennen (Antazida). Manche Antibiotika können die Wirkung der Antibabypille beeinträchtigen.

    Ausführliche Informationen zur Anwendung eines Antibiotikums finden Sie im Beipackzettel. Wenn Sie unsicher sind, worauf Sie bei der Einnahme achten sollten, können Sie ärztlichen Rat einholen oder in einer Apotheke nachfragen.

    Quellen

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). DART 2020. Zwischenbericht anlässlich der WHA 2016. 05.2016.

    Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Antibiotic / Antimicrobial Resistance. 12.06.2017.

    Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI). S3-Leitlinie: Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus. AWMF-Register-Nr.: 092-001. 15.12.2013.

    Kayser FH, Böttger EC, Deplazes P, Haller O, Roers A. Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie. Stuttgart: Thieme; 2014.

    Weltgesundheitsorganisation (WHO). Antimicrobial resistance. 10.2016.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Rezeptfreie Schmerzmittel sicher anwenden

    Viele Schmerzmittel sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Sie können Schmerzen wirksam lindern, aber auch zu Nebenwirkungen und Komplikationen führen. Für eine sichere Anwendung ist es wichtig, auf die Dosierung und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln zu achten.

    Rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke, wie zum Beispiel Ibuprofen oder Paracetamol, können akute Schmerzen lindern. Wie wirksam ein Mittel ist, hängt unter anderem von der Art und Stärke der Schmerzen ab und davon, wie das Medikament dosiert wird. Ohne Rezept erhältliche Schmerzmittel sind zur Behandlung von leichten bis mittelstarken Schmerzen zugelassen. Sie sollten nur wenige Tage hintereinander und nur bis zu einer festgelegten Tages-Höchstdosis eingenommen werden.

    Schmerzmittel können Nebenwirkungen haben und – wenn auch selten – zu Komplikationen führen. Um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden, ist es wichtig, auf die richtige Anwendung zu achten. Dies gilt besonders für Menschen, die bestimmte Vorerkrankungen haben oder die häufiger zu Schmerzmitteln greifen. Ausführliche Informationen zum Anwendungsgebiet eines Medikaments, zur Dosierung und Einnahmedauer enthält der Beipackzettel. Bei Fragen zur richtigen Einnahme kann man sich in der Arztpraxis oder Apotheke beraten lassen.

    Viele Schmerzmittel sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Sie können Schmerzen wirksam lindern, aber auch zu Nebenwirkungen und Komplikationen führen. Für eine sichere Anwendung ist es wichtig, auf die Dosierung und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln zu achten.

    Rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke, wie zum Beispiel Ibuprofen oder Paracetamol, können akute Schmerzen lindern. Wie wirksam ein Mittel ist, hängt unter anderem von der Art und Stärke der Schmerzen ab und davon, wie das Medikament dosiert wird. Ohne Rezept erhältliche Schmerzmittel sind zur Behandlung von leichten bis mittelstarken Schmerzen zugelassen. Sie sollten nur wenige Tage hintereinander und nur bis zu einer festgelegten Tages-Höchstdosis eingenommen werden.

    Schmerzmittel können Nebenwirkungen haben und – wenn auch selten – zu Komplikationen führen. Um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden, ist es wichtig, auf die richtige Anwendung zu achten. Dies gilt besonders für Menschen, die bestimmte Vorerkrankungen haben oder die häufiger zu Schmerzmitteln greifen. Ausführliche Informationen zum Anwendungsgebiet eines Medikaments, zur Dosierung und Einnahmedauer enthält der Beipackzettel. Bei Fragen zur richtigen Einnahme kann man sich in der Arztpraxis oder Apotheke beraten lassen.

    Welche Schmerzmittel sind rezeptfrei erhältlich?

    Die größte Gruppe rezeptfreier Schmerzmittel sind die nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Sie werden so genannt, weil sie früher vor allem zur Behandlung von rheumatischen Schmerzen eingesetzt wurden und im Gegensatz zu anderen Rheumamitteln keine Steroide enthalten. Heute werden rezeptfreie NSAR bei ganz unterschiedlichen Schmerzen eingesetzt – ob bei Kopfweh, Regelbeschwerden oder Zahnschmerzen. NSAR haben außerdem eine entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung.

    Es gibt mehr als zehn verschiedene NSAR, aber nicht alle Mittel sind rezeptfrei erhältlich, oder nicht in jeder Dosierung. Ohne ärztliches Rezept bekommt man in der Apotheke:

    • Acetylsalicylsäure (ASS, wie in „Aspirin“) (in einer Dosierung bis zu 500 mg pro Tablette)
    • Diclofenac (bis zu 25 mg pro Tablette)
    • Ibuprofen (bis zu 400 mg pro Tablette)
    • Naproxen (bis zu 250 mg pro Tablette)

    Diese Medikamente sind auch die mit Abstand am häufigsten eingesetzten NSAR.

    Ein anderes sehr verbreitetes Schmerzmittel ist Paracetamol. Es wirkt ebenfalls schmerzlindernd und fiebersenkend, hat aber im Gegensatz zu NSAR keine entzündungshemmende Wirkung.

    Manche Präparate enthalten eine Kombination aus einem NSAR und Paracetamol, zum Beispiel ASS und Paracetamol. Manchmal wird auch Koffein hinzugefügt. Ob solche Kombinationen gegenüber einzelnen Wirkstoffen Vor- oder Nachteile haben, ist unklar. Es gibt bisher noch keine ausreichend aussagekräftigen Studien, in denen Kombinations- mit Einzelpräparaten verglichen wurden.

    Wie wirken die Medikamente?

    NSAR wirken, indem sie bestimmte Enzyme hemmen, die sogenannten Cyclooxygenasen oder COX-Enzyme. Sie werden daher auch als COX-Hemmer bezeichnet. Diese Enzyme spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung von Gewebshormonen (Prostaglandinen). Es gibt zwei unterschiedliche COX-Enzyme:

    • COX-1 reguliert unter anderem die Bildung von Gewebshormonen, die für eine gesunde Magenschleimhaut benötigt werden.
    • COX-2 reguliert die Bildung von Gewebshormonen, die für Krankheitssymptome wie Schmerzen, Schwellungen und Fieber verantwortlich sind.

    Weil NSAR das Enzym COX-2 hemmen, können sie Schmerzen und Fieber lindern und Entzündungsreaktionen abschwächen. Da die Medikamente aber auch das Enzym COX-1 hemmen, können sie zu Nebenwirkungen führen, vor allem zu Magenproblemen.

    Der Wirkungsmechanismus von Paracetamol ist bislang nicht geklärt. Zwar gibt es verschiedene Theorien hierzu, bislang erklärt aber keine vollständig die Wirkung des Medikaments.

    Wie werden Schmerzmittel richtig dosiert?

    Das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen lässt sich senken, indem Schmerzmittel so niedrig wie möglich dosiert werden. Grundsätzlich ist es wichtig, die Höchstdosis pro Einnahme und Tag nicht zu überschreiten.

    Tabelle: Tägliche Höchstdosis für gesunde Erwachsene (rezeptfrei)
    Wirkstoff Höchstdosis pro Einnahme Tägliche Höchstdosis
    ASS 1000 mg 3000 mg bis 65 Jahre, 2000 mg ab 65 Jahren
    Diclofenac 25 mg 75 mg
    Ibuprofen 400 mg 1200 mg
    Naproxen 500 mg 750 mg
    Paracetamol 1000 mg 4000 mg
    Kombinationspräparat mit ASS, Paracetamol und Koffein 500 mg ASS / 400 mg Paracetamol / 100 mg Koffein 1500 mg ASS / 1200 mg Paracetamol / 300 mg Koffein

    Wer also beispielsweise Ibuprofen in einer Dosierung von 400 mg pro Tablette anwendet, sollte über den Tag (24 Stunden) verteilt nicht mehr als drei Tabletten einnehmen.

    Unterschiedliche NSAR sollten nicht kombiniert werden. Möglich ist aber die Kombination von NSAR mit Paracetamol, wenn ein Mittel die Schmerzen nicht ausreichend lindert.

    Welche Nebenwirkungen und Komplikationen gibt es?

    Die häufigste Nebenwirkung von NSAR sind Magenprobleme. Sie reichen von leichten Beschwerden wie Magenverstimmungen und Bauchschmerzen bis hin zu ernsthaften Komplikationen wie Schleimhautentzündungen, Geschwüren oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Das Risiko für Komplikationen lässt sich durch zusätzliche Medikamente, die den Magen schützen, deutlich senken. Hierzu werden in der Regel Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol eingesetzt. Eine kurzfristige Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel führt aber nur sehr selten zu ernsten Nebenwirkungen.

    Mehrere Auswertungen von Studien aus den letzten Jahren haben zudem gezeigt, dass bestimmte NSAR wie etwa Diclofenac das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Dies gilt aber vor allem, wenn sie für längere Zeit und in hoher Dosierung eingenommen werden. Menschen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die bereits erkrankt sind, wählen dennoch zum Beispiel besser niedrig dosiertes Ibuprofen oder Naproxen als Diclofenac. Für Menschen mit Herzerkrankungen ist Paracetamol eine Alternative zu NSAR.

    Wer hat ein besonders hohes Risiko für Komplikationen?

    Es gibt eine Reihe von persönlichen Faktoren, die Komplikationen durch NSAR begünstigen. Ein erhöhtes Risiko für Komplikationen im Bereich des Magen-Darm-Trakts haben Menschen, die

    • über 65 Jahre alt sind,
    • bereits ein Magengeschwür oder eine Magenschleimhautentzündung haben oder hatten,
    • eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung haben (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa)
    • mehrere NSAR gleichzeitig nehmen,
    • niedrig dosiertes ASS zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall nehmen,
    • gerinnungshemmende Medikamente, Medikamente mit Kortison oder Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI nehmen.

    NSAR erhöhen auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall vor allem bei Menschen, die schon einmal einen hatten. Auch andere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck machen diese Komplikationen wahrscheinlicher. Bei Menschen mit einer Nierenschwäche kann die Einnahme von NSAR das Risiko für ein akutes Nierenversagen erhöhen. Für sie ist es besonders wichtig, die Medikamente nicht zu hoch zu dosieren.

    Wann sollte man auf bestimmte Schmerzmittel verzichten?

    Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung sind NSAR gar nicht geeignet. Dann kann Paracetamol eine Alternative sein. Auch Menschen mit einem Magengeschwür oder schwerer Herzschwäche sollten keine NSAR nehmen. In der Schwangerschaft dürfen, je nach Schwangerschaftswoche, nur bestimmte NSAR angewendet werden. Im Zweifelsfall kann man sich in der Apotheke oder Arztpraxis beraten lassen.

    Bei Menschen mit Lebererkrankungen eignet sich Paracetamol allerdings nicht, da der Wirkstoff über die Leber abgebaut wird und sie schwer schädigen kann. Auch für alkoholkranke Menschen ist Paracetamol nicht geeignet. Bei einer fortgeschrittenen Nierenschwäche ist zwischen der Einnahme der Tabletten ein Abstand von acht Stunden und eine Begrenzung der Tagesdosis auf 3000 mg nötig.

    Welche Anzeichen deuten auf Komplikationen hin?

    Nebenwirkungen wie leichte Magenverstimmungen sind noch kein Grund zur Sorge. Häufige oder starke Magenschmerzen sowie Anzeichen für eine Magenblutung sollten aber ärztlich abgeklärt werden. Solche Anzeichen sind

    • schwarz gefärbter Stuhl,
    • erbrochenes Blut (rot oder schwarz gefärbtes Erbrochenes) und
    • Anzeichen einer Blutarmut wie Abgeschlagenheit, Luftnot bei körperlichen Anstrengungen oder Blässe.

    Selten kann ein Geschwür zu einem Durchbruch der Magenwand führen (Magenperforation). Diese Komplikation macht sich durch plötzlich auftretende, sehr starke Bauchschmerzen bemerkbar und ist lebensbedrohlich. Bei Verdacht auf einen Magendurchbruch muss daher sofort der Notruf 112 gewählt werden.

    Hilfreich ist auch, mögliche Anzeichen für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu kennen.

    Wie lassen sich Komplikationen möglichst vermeiden?

    Das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen durch Schmerzmittel lässt sich verringern, wenn man den Beipackzettel beachtet und

    • Schmerzmittel immer nach der Faustregel „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ anwendet.
    • die Medikamente nicht länger als nötig einsetzt.
    • auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln achtet.
    • prüft, ob die oben beschriebenen Risiken oder Erkrankungen gegen die Einnahme bestimmter Wirkstoffe sprechen.

    Was passiert bei Wechselwirkungen mit anderen Mitteln?

    Schmerzmittel können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Von einer Wechselwirkung spricht man, wenn zwei Medikamente sich gegenseitig beeinflussen und zum Beispiel in ihrer Wirkung verstärken, sie abschwächen oder aufheben. Eine Wechselwirkung kann dazu führen, dass die Medikamente nicht mehr so gut helfen oder das Risiko für Komplikationen steigt.

    NSAR haben Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten. Wenn sie zusammen mit bestimmten Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (Ciclosporin und Tacrolimus) eingenommen werden, steigt das Risiko für Nierenschäden. Das gilt auch für die gleichzeitige Einnahme von NSAR mit entwässernden Medikamenten (Diuretika) oder mit bestimmten Blutdrucksenkern (ACE-Hemmer und Sartane). Gerinnungshemmende Medikamente wie Clopidogrel und Marcumar können durch NSAR in ihrer Wirkung verstärkt werden und dann eher Blutungen auslösen.

    Paracetamol kann zum Beispiel in Kombination mit dem Antibiotikum Isoniazid zu einem erhöhten Risiko für Leberschäden führen. Aus demselben Grund sollte während der Anwendung von Paracetamol möglichst auf Alkohol verzichtet werden. Das Krebsmedikament Imatinib kann die leberschädigende Wirkung von Paracetamol möglicherweise verstärken. Wenn Paracetamol zusammen mit gerinnungshemmenden Medikamenten wir Marcumar eingenommen wird, steigt das Risiko für Blutungen.

    Mögliche Wechselwirkungen sind für jedes Medikament im Beipackzettel aufgeführt. Wer unsicher ist, lässt sich am besten in der Arztpraxis oder Apotheke beraten.

    Quellen

    Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ). Aspirin Use in Adults: Cancer, All-Cause Mortality, and Harms: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. 09.2015 (Evidence Syntheses; Band 132).

    Coxib and traditional NSAID Trialists' (CNT) Collaboration, Bhala N, Emberson J, Merhi A, Abramson S, Arber N, Baron JA et al. Vascular and upper gastrointestinal effects of non-steroidal anti-inflammatory drugs: meta-analyses of individual participant data from randomised trials. Lancet 2013; 382(9894): 769-779.

    Derry CJ, Derry S, Moore RA. Caffeine as an analgesic adjuvant for acute pain in adults. Cochrane Database Syst Rev 2014; (12): CD009281.

    McGettigan P, Henry D. Cardiovascular risk with non-steroidal anti-inflammatory drugs: systematic review of population-based controlled observational studies. PLoS Med 2011; 8(9): e1001098.

    Moore RA, Wiffen PJ, Derry S, Maguire T, Roy YM, Tyrrell L. Non-prescription (OTC) oral analgesics for acute pain - an overview of Cochrane reviews. Cochrane Database Syst Rev 2015; (11): CD010794.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.