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Mittelohrentzündung

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    Die akute Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Vielen Eltern beschert ihr Kind dann unruhige Nächte: Es weint viel, hat Ohrenschmerzen, Fieber und kann nicht schlafen. Doch meist heilen die Ohrenschmerzen innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst ab, ernsthafte Komplikationen sind sehr selten.

    Einleitung

    Die akute Mittelohrentzündung (akute Otitis media) ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Die meisten Kinder erkranken bis zum Alter von drei Jahren mindestens einmal daran. Sie haben Schmerzen, Fieber, können nachts nicht schlafen und weinen viel. Das bereitet ihren Eltern eine unruhige Nacht und manchmal auch Sorgen, dass etwas Ernsthaftes hinter den Beschwerden steckt. Doch eine akute Mittelohrentzündung heilt in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst ab – ernsthafte Komplikationen sind sehr selten.

    Eine schmerzlindernde, fiebersenkende Behandlung und viel Zuwendung reichen meist aus. Es ist aber wichtig, den Krankheitsverlauf gut zu beobachten, denn manchmal kann eine weitere Behandlung nötig sein.

    Symptome

    Eine akute Mittelohrentzündung bei einem Kleinkind geht in der Regel einher mit

    • starken Ohrenschmerzen,
    • Fieber über 38° C, und
    • schlechtem Hören, weil sich im Mittelohr Flüssigkeit angesammelt hat.

    Meist geht es den Kindern plötzlich sehr schlecht. Manche müssen sich auch übergeben. Kleinkinder können Schmerzen oft noch nicht zuordnen und klagen vielleicht über Bauchweh, auch wenn ihnen die Ohren wehtun. Für Eltern von Babys und sehr kleinen Kindern ist es zudem schwer einzuschätzen, wie stark die Schmerzen sind. Manche Kinder schütteln häufig den Kopf, fassen sich an die Ohren oder reiben sie, wenn sie Ohrenschmerzen haben.

    Ein erkranktes Kind kann meist nur schlecht hören. Generell sind kranke Kinder unruhiger, schreien mehr, haben nur wenig Appetit und schlafen schlechter. Einige Kinder können aber auch matt und daher ruhiger sein als sonst. Bei einer akuten Mittelohrentzündung ist nächtliches Aufwachen und Schreien sehr häufig, denn die Ohrenschmerzen lassen die Kleinen kaum schlafen.

    Ursachen und Risikofaktoren

    In der Regel tritt eine akute Mittelohrentzündung im Zusammenhang mit einer Erkältung, Grippe, Halsentzündung oder einer ähnlichen Infektion auf. Dabei dringen Viren oder Bakterien in den Rachenraum ein und führen dazu, dass sich die Schleimhäute entzünden und mehr Flüssigkeit bilden.

    In der Folge schwellen auch die Schleimhäute im Ohr und im Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachen, der „Ohrtrompete“ oder „Tube“, an. Das Sekret aus Tube und Mittelohr kann dann nicht mehr abfließen. Es staut sich im Mittelohr und drückt aufs Trommelfell. Das kann wehtun und das Hören beeinträchtigen.

    Bei Babys und Kleinkindern ist das Röhrchen der Tube noch sehr fein und kurz. Deshalb können sich Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum leicht bis in das Mittelohr ausbreiten. Nach dem siebten Lebensjahr sind Mittelohrentzündungen seltener, weil sich die Tube und das Immunsystem weiterentwickelt haben.

    Auch vergrößerte Rachenmandeln („Polypen“) können die Entlüftung des Mittelohrs behindern und eine Entzündung begünstigen. Allergische Reaktionen oder Entzündungen der Nasennebenhöhlen können ebenfalls dazu führen, dass die Tube zuschwillt und das Mittelohr in Mitleidenschaft gezogen wird.

    Kinder bekommen etwas häufiger Mittelohrentzündungen, wenn sie

    • einen Schnuller benutzen,
    • oft engen Kontakt zu anderen Kindern haben, zum Beispiel in der Kita oder im Hort,
    • von Anfang an Flaschennahrung anstatt Muttermilch bekommen,
    • häufig Tabakrauch ausgesetzt sind.

    Häufigkeit und Verlauf

    Mittelohrentzündungen sind bei Babys und Kleinkindern einer der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch: Bis zum Alter von drei Jahren haben 80 von 100 Kindern bereits einmal eine Mittelohrentzündung gehabt. Bis zu einem Drittel der erkrankten Kinder hat mehrmals damit zu tun.

    Eine Mittelohrentzündung heilt meist innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst ab und hat keine weiteren Folgen. Drückt das im Mittelohr angesammelte Sekret zu stark auf das Trommelfell, kann es einreißen. Die zähe, manchmal auch mit Eiter und Blut vermischte Flüssigkeit fließt dann nach außen in den Gehörgang und die Schmerzen lassen nach. Der so entstandene Riss im Trommelfell ist meist klein und verheilt innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen von selbst. Bis dahin kann immer wieder ein wenig Flüssigkeit aus dem Ohr laufen. Der medizinische Begriff dafür lautet „Otorrhoe“.

    Wenn eine Mittelohrentzündung über mehrere Wochen anhält, spricht man von einer chronischen Otitis media. Schmerzen und Fieber klingen dabei zwar ab – die Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr bleibt aber bestehen. Bei vielen Kindern fließt auch immer mal wieder eitriges Sekret aus dem Ohr.

    Außerdem besteht bei langanhaltenden Entzündungen die Gefahr, dass die Hörfähigkeit dauerhaft beeinträchtigt wird. Eltern können darauf achten, ob ihr Kind im Laufe der Zeit schlechter hört und dies beim nächsten Arztbesuch ansprechen.

    Folgen

    Manchmal klingt die Entzündung ab und das Trommelfell verheilt, aber es bleibt Flüssigkeit im Mittelohr. Dies nennt man Paukenerguss. Die Kinder spüren dann oft ein Druckgefühl im Ohr, seltener haben sie Ohrenschmerzen. Es kann zu Hörstörungen kommen, die die Sprachentwicklung verzögern können.

    Wenn ein Kind häufig Mittelohrentzündungen hat und dabei das Trommelfell wiederholt einreißt, kommt es vor, dass es vernarbt. In der Folge kann die dünne Membran verhärten und unbeweglich werden. Dies verschlechtert das Hören.

    Zu Komplikationen und Folgeerkrankungen nach einer akuten Mittelohrentzündung kommt es nur sehr selten. Seltene Komplikationen sind:

    • Mastoiditis (bakterielle Infektion im Warzenfortsatz des Schläfenbeins, dem Knochen hinter dem Ohr)
    • Meningitis (Hirnhautentzündung)
    • Innenohrschädigung (zum Beispiel der Nerven, was zu Hörverlusten führen kann)

    Eine Mastoiditis macht sich meist durch Schmerzen hinter den Ohren, manchmal auch mit Schwellungen und Fieber bemerkbar. Sie muss mit Antibiotika behandelt werden, damit sie sich nicht auf den Knochen ausbreitet oder eine Hirnhautentzündung verursacht.

    Diagnose

    Normalerweise fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach akuten Krankheitszeichen und Beschwerden sowie nach der Vorgeschichte der Erkrankung. An das Gespräch schließen sich die körperliche Untersuchung beider Ohren, des Halses und des Rachenraums an. Außerdem wird die Körpertemperatur gemessen.

    Das Trommelfell wird mit einem sogenannten Otoskop untersucht. Das ist ein Gerät mit einer Lupe und einem Lämpchen, das es der Ärztin oder dem Arzt ermöglicht, in den Gehörgang hineinzusehen. Mit einem „Tympanometer“ lässt sich die Hörfähigkeit prüfen. Das Gerät kann Geräusche erzeugen und aufnehmen. Es kann zudem den Luftdruck verändern, um festzustellen, ob sich das Trommelfell frei bewegen kann.

    Drei wichtige Hinweise auf eine akute Mittelohrentzündung sind

    • ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit heftigen Ohrenschmerzen und Fieber, Hörstörungen und allgemeiner Schwäche,
    • ein gerötetes Trommelfell sowie
    • ein nach außen gewölbtes, starres und undurchsichtiges Trommelfell, das auf Flüssigkeit hinter dem Trommelfell schließen lässt.

    Manchmal ist es allerdings nicht einfach, eine akute Mittelohrentzündung sicher zu erkennen.

    Vorbeugung

    Verhindern lassen sich Mittelohrentzündungen meist nicht. Vielleicht lässt sich das Risiko durch einzelne Maßnahmen aber etwas senken. Dazu zählt, Kindern seltener einen Schnuller zu geben. Besonders wichtig ist, dass Kinder in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen – denn Passivrauchen erhöht das Risiko für Infektionen im Bereich der Atemwege und des Nasen-Rachen-Raums. Es schwächt zudem die Immunabwehr des Kindes.

    Behandlung

    Eine akute Mittelohrentzündung kann stark schmerzen, deshalb steht eine schnelle Schmerzlinderung meist im Mittelpunkt der Behandlung. Dazu eignen sich schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen. Die Beschwerden klingen dann oft ohne weitere Behandlung ab.

    Manche Eltern fragen sich, ob ihr Kind ein Antibiotikum braucht. Diese wirken aber nur bei Bakterien und nicht, wenn Viren die Entzündung verursacht haben. Anzeichen für eine bakterielle Entzündung sind eitriger Ausfluss aus dem Ohr oder eine Entzündung beider Ohren bei Kindern unter zwei Jahren. Dann können Antibiotika helfen.

    Abschwellende Nasentropfen werden häufig empfohlen, um die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern. Sie haben aber vermutlich keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Beschwerden. Ist die Nase verstopft, können sie für einige Stunden die Nasenatmung erleichtern. Die Nasentropfen sollten nicht länger als einige Tage verwendet werden.

    Viele Eltern probieren Hausmittel wie Wadenwickel gegen Fieber oder Zwiebelsäckchen gegen Ohrenschmerzen aus. Ihre Wirksamkeit ist allerdings nicht ausreichend belegt. Das gilt auch für pflanzliche Mittel. Homöopathische Mittel sind unwirksam.

    Weitere Informationen

    Die Haus- oder Kinderarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

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    Venekamp RP, Sanders SL, Glasziou PP, Del Mar CB, Rovers MM. Antibiotics for acute otitis media in children. Cochrane Database Syst Rev 2015; (6): CD000219.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Können Antibiotika bei Babys und Kleinkindern die Beschwerden lindern?

    Eine Mittelohrentzündung klingt mit und ohne Behandlung normalerweise innerhalb weniger Tage ab. Wenn bei Kindern unter zwei Jahren beide Ohren entzündet sind, können Antibiotika die Heilung jedoch beschleunigen. Sie können auch helfen, wenn die entzündeten Ohren Flüssigkeit absondern.

    Mittelohrentzündungen können Schmerzen und Fieber verursachen. Dies kann mit Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden. Ob Antibiotika bei einer Mittelohrentzündung sinnvoll sind, hängt davon ab, welche zusätzlichen Beschwerden ein Kind hat. Antibiotika helfen nur gegen bakterielle Infektionen. Bei Kindern mit bestimmten Symptomen sind sie hilfreich, für alle anderen haben Antibiotika kaum Vorteile.

    Forschung zu Antibiotika bei akuter Mittelohrentzündung

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben nach Studien gesucht, die die Vor- und Nachteile einer Antibiotika-Behandlung bei Säuglingen und Kleinkindern mit akuter Mittelohrentzündung geprüft haben. Sie fanden 13 verlässliche Studien, an denen insgesamt etwa 3400 Kinder teilnahmen. In diesen Studien wurden nach dem Zufallsprinzip jeweils zwei Gruppen gebildet und miteinander verglichen: In einer Gruppe nahmen die Kinder Antibiotika, in der anderen nicht.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten wissen, wie sich Antibiotika nach einem bis sieben Tagen Behandlung auf Fieber und Schmerzen auswirken. Sie untersuchten auch, ob bei den Kindern, die Antibiotika erhielten, seltener Komplikationen auftraten – zum Beispiel eine Beeinträchtigung des Hörvermögens, ein Übergreifen der Entzündung auf das andere Ohr oder eine Ausbreitung auf den Knochen hinter dem Ohr. Außerdem fragten sie nach Nebenwirkungen.

    Antibiotika sind häufig unwirksam

    Die Wissenschaftlergruppe stellte fest, dass Antibiotika die Genesung häufig nicht beschleunigen konnten. Die Ohrenschmerzen vieler Kinder klangen mit Antibiotika innerhalb von 24 Stunden nicht schneller ab als ohne diese Medikamente. Bei einer etwas längeren Behandlung konnten Antibiotika die Schmerzen nur wenig beeinflussen. In Zahlen: Nach zwei bis drei Tagen

    • ohne Antibiotika hatten etwa 22 von 100 Kindern noch Schmerzen,
    • mit Antibiotika hatten etwa 15 von 100 Kindern noch Schmerzen.

    Mit anderen Worten: Durch die Behandlung mit Antibiotika waren nach zwei bis drei Tagen zusätzlich 7 von 100 Kindern schmerzfrei.

    Antibiotika können auch das Risiko verringern, dass das Trommelfell reißt:

    • Ohne Antibiotika riss das Trommelfell bei etwa 3 von 100 Kindern,
    • mit Antibiotika riss es bei etwa 1 von 100 Kindern.

    Das heißt: Bei etwa 2 von 100 Kindern konnten Antibiotika einem Trommelfellriss vorbeugen. Allerdings ist ein Riss im Trommelfell oft nichts Ernstes. Solche Risse sind meist klein und heilen innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen von selbst ab. Problematischer ist es, wenn das Trommelfell immer wieder einreißt oder ein größerer Riss entsteht.

    Antibiotika helfen bestimmten Kindern

    Antibiotika können bestimmten Kindern eher helfen als anderen: Dazu gehören Kinder unter zwei Jahren mit einer Entzündung beider Ohren, und Kinder aller Altersgruppen mit eitrigem Ausfluss aus dem Ohr. Beide Symptome weisen auf bakterielle Infektionen hin, die sich mit Antibiotika gut behandeln lassen.

    Von den unter zweijährigen Kindern mit beidseitiger akuter Mittelohrentzündung hatten nach drei bis sieben Tagen

    • ohne Antibiotika noch 55 von 100 Kindern Schmerzen oder Fieber,
    • mit Antibiotika nur 30 von 100.

    Die Antibiotika konnten also 25 von 100 dieser Kleinkinder helfen.

    Sie halfen auch Kindern mit eitrigem Ausfluss:

    • Ohne Antibiotika hatten noch 60 von 100 Kindern Fieber oder Schmerzen,
    • mit Antibiotika dagegen nur 24 von 100.

    Antibiotika konnten also 36 von 100 Kindern mit eitrigem Ausfluss helfen.

    Nebenwirkungen von Antibiotika

    Bei der Frage nach dem Nutzen von Antibiotika muss man immer auch die möglichen Nebenwirkungen betrachten. Antibiotika können Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag hervorrufen. Bei ungefähr 5 von 100 Kindern führten Antibiotika zu einer dieser Nebenwirkungen. Zum anderen trägt die allzu häufige Verwendung von Antibiotika dazu bei, dass sich Keime entwickeln und ausbreiten, die nicht mehr auf Antibiotika ansprechen (resistente Bakterien).

    Abwartende Behandlung ist bei den meisten Kindern sinnvoll

    Bei den meisten Kindern ist es am besten, zwei bis drei Tage abzuwarten, ob sich die Beschwerden von selbst bessern und dann zu entscheiden, ob Antibiotika eingesetzt werden. Dies hilft, Nebenwirkungen zu vermeiden. Zudem können Schmerzmittel die Beschwerden rascher lindern als Antibiotika. Eine ärztliche Nachkontrolle ist bei dieser Methode des „Beobachtens und Abwartens“ sinnvoll.

    Quellen

    Venekamp RP, Sanders SL, Glasziou PP, Del Mar CB, Rovers MM. Antibiotics for acute otitis media in children. Cochrane Database Syst Rev 2015; (6): CD000219.

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    Was Studien sagen: Chronischer Paukenerguss: Wie sinnvoll ist das Einsetzen von Paukenröhrchen?

    Bei einem dauerhaften Paukenerguss infolge einer Mittelohrentzündung kann eine Behandlung mit Paukenröhrchen das Hören kurzfristig leicht verbessern, weil das Mittelohr wieder frei wird. Kinder, die nicht mit Paukenröhrchen behandelt wurden, hören aber nach etwa einem halben Jahr auch wieder besser.

    Kinder sind oft erkältet, und nicht selten werden dabei die Ohren in Mitleidenschaft gezogen. Besonders bei kleinen Kindern breiten sich Infektionen des Nasen- und Rachenraums leicht in das Mittelohr aus. Direkt hinter dem Trommelfell liegt die Paukenhöhle des Mittelohrs. Der kleine Hohlraum ist normalerweise mit Luft gefüllt, über die sich der Schall in das Innenohr überträgt. Wenn die Schleimhäute infolge einer Mittelohrentzündung anschwellen und Sekret absondern, füllt sich die Paukenhöhle mit Flüssigkeit. Dies wird Paukenerguss genannt. Auch der Gang, der das Mittelohr mit dem Rachen verbindet (Ohrtrompete), kann verstopfen.

    Wenn keine Flüssigkeit mehr abfließen kann, sammelt sich Schleim hinter dem Trommelfell und das Kind hört schlechter. Meist bildet sich ein Paukenerguss nach einigen Tagen oder Wochen zurück. Wenn nicht, kann sich durch das schlechte Hören die Sprachentwicklung des Kindes verzögern.

    Behandlungsmöglichkeiten

    Bleibt ein Paukenerguss länger bestehen, wartet man zunächst einige Monate ab, ob er sich nicht doch von selbst zurückbildet. In dieser Zeit werden die Ohren regelmäßig ärztlich untersucht. Löst sich die Flüssigkeitsansammlung nicht auf, kommt ein kleiner chirurgischer Eingriff in Betracht: Durch einen Schnitt in das Trommelfell  kann das Sekret nach außen abfließen, oder es wird abgesaugt.

    Wenn sich trotzdem immer wieder Flüssigkeit ansammelt und das Kind schlecht hört, wird häufig der Einsatz eines Paukenröhrchens empfohlen. Die feinen Röhrchen aus Kunststoff oder Metall werden durch den Schnitt im Trommelfell in das Mittelohr geschoben und sorgen für eine bessere Belüftung des Mittelohrs von außen. Sie sollen den Paukenerguss beseitigen helfen, das Hören verbessern und Sprachentwicklungsstörungen vorbeugen. Paukenröhrchen werden gewöhnlich unter Vollnarkose eingesetzt. Nach 6 bis 18 Monaten wandern sie von selbst wieder über den äußeren Gehörgang nach außen und fallen oft unbemerkt heraus. Auch der Schlitz im Trommelfell verschließt sich von allein.

    Forschung zu Paukenröhrchen

    Da der Nutzen von Paukenröhrchen umstritten ist, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration nach randomisierten kontrollierten Studien zu diesem Thema gesucht. In solchen Studien werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugeteilt. Am Ende wird verglichen, wie sich die unterschiedlichen Behandlungen ausgewirkt haben. Bei der Behandlung von Kindern mit chronischem Paukenerguss bedeutet dies: Eine Gruppe von Kindern erhält Paukenröhrchen, die andere Gruppe keine Behandlung oder nur einen Trommelfellschnitt.

    Paukenröhrchen verbessern die Hörfähigkeit vorübergehend

    Die Forschergruppe fand zehn Studien, an denen insgesamt mehr als 1700 Kinder mit chronischem Paukenerguss teilgenommen hatten. Die Auswertung der Untersuchungen ergab, dass das Einsetzen von Paukenröhrchen das Hören innerhalb der ersten neun Monate leicht verbessern kann. Nach einem Jahr gab es keinen Unterschied mehr: Die Kinder hörten gleich gut unabhängig davon, ob sie ein Paukenröhrchen eingesetzt bekommen hatten. Ein Einfluss auf die Sprachentwicklung wurde bisher nicht nachgewiesen.

    Paukenröhrchen hatten auch Nebenwirkungen: Vor allem bei Kindern unter drei Jahren kam es zu vermehrtem Schleimausfluss aus dem Ohr. Bei etwa einem Drittel der Kinder mit Paukenröhrchen entstanden narbige Veränderungen im Trommelfell, die ihrerseits die Hörfähigkeit geringfügig beeinträchtigen können.

    Abwartende Behandlungsstrategie meist sinnvoll

    Weil Paukenröhrchen nur eine begrenzte Wirkung haben, ist es meist sinnvoll, Kinder mit Paukenerguss nicht schon nach drei Monaten zu operieren, sondern unter sorgfältiger ärztlicher Beobachtung weiter abzuwarten. Wenn der Erguss nach etwa sechs Monaten noch nicht von allein zurückgegangen ist, kann immer noch ein Paukenröhrchen eingesetzt werden. Diese abwartende Behandlung hat langfristig wahrscheinlich die gleiche Wirkung wie eine frühzeitige Operation.

    Es ist nicht auszuschließen, dass die Behandlung mit Paukenröhrchen einigen Kindern mehr nutzt als anderen. Der Einsatz eines Paukenröhrchens geht aber wie jede andere Operation mit gewissen Risiken wie einer Verletzung und Vernarbung des Trommelfells einher. Um besser einschätzen zu können, wann der kurzfristige Vorteil eines Paukenröhrchens die Risiken eines Eingriffs rechtfertigt, sind weitere Studien nötig.

    Quellen

    Browning GG, Rovers MM, Williamson I, Lous J, Burton MJ. Grommets (ventilation tubes) for hearing loss associated with otitis media with effusion in children. Cochrane Database Syst Rev 2010; (10): CD001801.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie kann man einer Mittelohrentzündung vorbeugen?

    Vor allem bei häufig wiederkehrenden Mittelohrentzündungen fragen sich Eltern, wie sie ihr Kind vor den schmerzhaften Infekten am besten schützen können. Durch bestimmte Maßnahmen lässt sich das Erkrankungsrisiko vielleicht etwas senken.

    Das Immunsystem von Babys und Kleinkindern ist noch unreif – es muss erst noch lernen, Krankheiten besser abzuwehren. Deshalb sind Erkältungen und Mittelohrentzündungen ein normaler Teil der kindlichen Entwicklung. Wenn ein Kind erkrankt, ist es wichtig, seine Beschwerden durch eine angemessene Behandlung zu lindern und auf mögliche Komplikationen zu achten.

    Es gibt verschiedene Maßnahmen, die zur Vorbeugung empfohlen werden. Inwieweit sie ein Kind tatsächlich vor wiederkehrenden Mittelohrentzündungen schützen können, ist aber unklar: Zu dieser Frage fehlen wissenschaftliche Belege.

    Vor allem bei häufig wiederkehrenden Mittelohrentzündungen fragen sich Eltern, wie sie ihr Kind vor den schmerzhaften Infekten am besten schützen können. Durch bestimmte Maßnahmen lässt sich das Erkrankungsrisiko vielleicht etwas senken.

    Das Immunsystem von Babys und Kleinkindern ist noch unreif – es muss erst noch lernen, Krankheiten besser abzuwehren. Deshalb sind Erkältungen und Mittelohrentzündungen ein normaler Teil der kindlichen Entwicklung. Wenn ein Kind erkrankt, ist es wichtig, seine Beschwerden durch eine angemessene Behandlung zu lindern und auf mögliche Komplikationen zu achten.

    Es gibt verschiedene Maßnahmen, die zur Vorbeugung empfohlen werden. Inwieweit sie ein Kind tatsächlich vor wiederkehrenden Mittelohrentzündungen schützen können, ist aber unklar: Zu dieser Frage fehlen wissenschaftliche Belege.

    Rauchfreie Umgebung

    Passivrauchen erhöht das Risiko für Infektionen im Bereich der Atemwege und des Nasen-Rachen-Raums. Es schwächt zudem die Immunabwehr des Kindes. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Kinder in einer möglichst rauchfreien Umgebung aufwachsen.

    Schnullergebrauch

    Babys oder Kleinkinder, die regelmäßig einen Schnuller benutzen, bekommen etwas häufiger Mittelohrentzündungen als andere. Dies könnte damit zusammenhängen, dass das Saugen an einem Schnuller die Druckverhältnisse im Bereich des Rachens und der Ohren verändert. Über Schnuller können zudem Infektionen übertragen werden. Es ist deshalb einen Versuch wert, dem Kind seltener einen Schnuller zu geben – beispielsweise nur zum Einschlafen.

    Pneumokokken-Impfung

    Wenn Säuglinge gegen Pneumokokken geimpft werden, bekommen sie etwas seltener Mittelohrentzündungen. Bei Kindern, die bereits mehrere Mittelohrentzündungen hatten, kann eine Impfung weiteren Erkrankungen wahrscheinlich aber nicht vorbeugen. Die Impfung schützt nur vor Infektionen, die durch Pneumokokken verursacht wurden. Eine Mittelohrentzündung kann aber auch durch andere Bakterien und verschiedene Viren verursacht werden. Die Pneumokokken-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Sie rät, alle Babys im Alter zwischen 2 und 14 Monaten dreimal impfen zu lassen.

    Grippeimpfung

    Eine Grippeimpfung schützt vor einer Infektion mit Grippeviren. Möglicherweise senkt sie auch das Risiko für Mittelohrentzündungen. In Studien wurde zudem beobachtet, dass gegen Grippe geimpfte Kinder seltener Antibiotika einnahmen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die jährliche Grippeimpfung jedoch nur, wenn das Risiko für schwerwiegende Grippekomplikationen erhöht ist. Das ist beispielsweise bei Menschen mit Atemwegs-, Herz- oder Stoffwechselerkrankungen der Fall.

    Xylitol-Kaugummis

    Xylitol ist ein natürlicher Zuckerersatzstoff, der beispielsweise in Erdbeeren, Himbeeren und Pflaumen vorkommt und für zuckerfreie Kaugummis verwendet wird. Xylitol kann das Wachstum bestimmter Bakterienarten hemmen – auch solcher, die Mittelohrentzündungen hervorrufen können. Studien weisen darauf hin, dass Kindergartenkinder seltener an Mittelohrentzündungen erkranken, wenn sie häufig Kaugummis mit Xylitol kauen oder es als Sirup einnehmen. Kaugummis sind effektiver als Sirup.

    In den Studien wirkten Kaugummis jedoch nur dann vorbeugend, wenn sie fünfmal täglich über mehrere Monate gekaut wurden. Wenn die Kinder sie nur dreimal pro Tag kauten, wirkten die Kaugummis nicht. Es ist fraglich, ob dies im Alltag umsetzbar ist und ob der Aufwand lohnt.

    Zink

    Das Spurenelement Zink ist wichtig, damit das Immunsystem optimal funktionieren und Infektionen erfolgreich abwehren kann. Eine normale Ernährung liefert dem Körper in der Regel ausreichend Zink. In Apotheken und Drogerien wird Zink aber auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, unter anderem zur Stärkung des Immunsystems.

    Studien konnten keinen Hinweis darauf finden, dass Zink als Nahrungsergänzung einer Mittelohrentzündung bei Kindern vorbeugen kann, die sich ausgewogen ernähren. Bei Kindern mit schwerer Mangelernährung, wie sie vor allem in Entwicklungsländern vorkommt, könnte Zink aber eine vorbeugende Wirkung haben.

    Entfernen der Rachenmandel und Einsetzen von Paukenröhrchen

    Eine vergrößerte Rachenmandel kann die Entlüftung des Mittelohrs behindern und eine Mittelohrentzündung begünstigen. In einigen Studien wurde untersucht, ob die Entfernung der Rachenmandel oder das Einsetzen von Paukenröhrchen Mittelohrentzündungen vorbeugen kann. Manchmal werden beide Eingriffe miteinander kombiniert.

    Eine Entfernung der Rachenmandel allein kann Mittelohrentzündungen vermutlich nicht vorbeugen. Durch das Einsetzen von Paukenröhrchen kommt es aber wahrscheinlich seltener zu einer erneuten Mittelohrentzündung. Das hängt möglicherweise auch davon ab, ob zusätzlich ein dauerhafter Paukenerguss besteht oder nicht.

    Bei der Entscheidung für oder gegen einen Eingriff sollte berücksichtigt werden, dass dieser auch Nebenwirkungen haben kann. Zudem werden Mittelohrentzündungen bei älteren Kindern meist ohnehin seltener.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was können Eltern bei einer Mittelohrentzündung tun?

    Kinder mit akuter Mittelohrentzündung (akute Otitis media) haben meist Schmerzen und Fieber. Sie schlafen schlecht, sind unruhig und schreien viel. Wie kann man die Beschwerden behandeln und wann ist ärztlicher Rat wichtig?

    Eine Mittelohrentzündung klingt meist nach einigen Tagen wieder ab. Komplikationen sind sehr selten. Viele Kinder sind sogar nach einem Tag wieder schmerzfrei. Schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen und Paracetamol können die Beschwerden bis dahin lindern. Darüber hinaus hilft viel Zuwendung. Manche Kinder fühlen sich auch nach der Anwendung bestimmter Hausmittel besser.

    Antibiotika helfen oft nicht und können Nebenwirkungen haben. Deshalb ist es meist sinnvoll, zwei bis drei Tage abzuwarten, ob die Mittelohrentzündung von selbst verschwindet. Falls die Ohrenschmerzen nicht abklingen, kann man dem Kind immer noch Antibiotika geben. Nützlich sind Antibiotika auch bei eitrigem Ausfluss aus dem Ohr sowie bei Kindern unter zwei Jahren mit einer Entzündung beider Ohren.

    Wenn es dem Kind nicht gut geht, kann es wichtig sein, frühzeitig ärztlichen Rat zu suchen. Die Ärztin oder der Arzt kann einschätzen, ob es sich um eine Mittelohrentzündung handelt und wie schwer sie ist. Gemeinsam lässt sich dann besprechen, welche Form der Behandlung angebracht ist. Bessern sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht oder treten Probleme wie Hörstörungen auf, ist ein erneuter Arztbesuch ratsam.

    Kinder mit akuter Mittelohrentzündung (akute Otitis media) haben meist Schmerzen und Fieber. Sie schlafen schlecht, sind unruhig und schreien viel. Wie kann man die Beschwerden behandeln und wann ist ärztlicher Rat wichtig?

    Eine Mittelohrentzündung klingt meist nach einigen Tagen wieder ab. Komplikationen sind sehr selten. Viele Kinder sind sogar nach einem Tag wieder schmerzfrei. Schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen und Paracetamol können die Beschwerden bis dahin lindern. Darüber hinaus hilft viel Zuwendung. Manche Kinder fühlen sich auch nach der Anwendung bestimmter Hausmittel besser.

    Antibiotika helfen oft nicht und können Nebenwirkungen haben. Deshalb ist es meist sinnvoll, zwei bis drei Tage abzuwarten, ob die Mittelohrentzündung von selbst verschwindet. Falls die Ohrenschmerzen nicht abklingen, kann man dem Kind immer noch Antibiotika geben. Nützlich sind Antibiotika auch bei eitrigem Ausfluss aus dem Ohr sowie bei Kindern unter zwei Jahren mit einer Entzündung beider Ohren.

    Wenn es dem Kind nicht gut geht, kann es wichtig sein, frühzeitig ärztlichen Rat zu suchen. Die Ärztin oder der Arzt kann einschätzen, ob es sich um eine Mittelohrentzündung handelt und wie schwer sie ist. Gemeinsam lässt sich dann besprechen, welche Form der Behandlung angebracht ist. Bessern sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht oder treten Probleme wie Hörstörungen auf, ist ein erneuter Arztbesuch ratsam.

    Schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente

    Eine schnelle Linderung der Ohrenschmerzen steht im Mittelpunkt der Behandlung. Für Kinder sind in Deutschland die Wirkstoffe Paracetamol und Ibuprofen rezeptfrei erhältlich. Beide Wirkstoffe lindern den Schmerz und senken das Fieber. Sie können als Zäpfchen oder Saft gegeben werden. Ibuprofen kann zusätzlich Entzündungen hemmen.

    Die Dosierung der Medikamente richtet sich nach dem Alter und dem Körpergewicht des Kindes. Bei der Anwendung ist zudem ein Mindestabstand zur vorhergehenden Einnahme nötig. Weitere Informationen zur Anwendung und zu möglichen Nebenwirkungen finden sich im Beipackzettel des jeweiligen Medikaments. Bei Unsicherheiten kann man sich in der Arztpraxis oder Apotheke beraten lassen.

    Acetylsalicylsäure (ASS) darf Kindern und Jugendlichen nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden, weil hier das Risiko einer seltenen, aber gefährlichen Nebenwirkung besteht („Reye-Syndrom“).

    Antibiotika

    Antibiotika beeinflussen den Verlauf einer Mittelohrentzündung nur wenig, können aber Nebenwirkungen haben. Die Mittel können die Ohrenschmerzen in den ersten 24 Stunden der Erkrankung nicht lindern. Ein Unterschied lässt sich erst etwas später feststellen: Studien zeigen, dass nach zwei bis drei Tagen Antibiotika-Einnahme etwa 15 von 100 Kindern noch Schmerzen haben – im Gegensatz zu 22 von 100 Kindern, die keine Antibiotika erhielten.

    Antibiotika können auch das Risiko verringern, dass das Trommelfell reißt. In Studien riss das Trommelfell nur bei einem von 100 Kindern, die Antibiotika erhielten – aber bei etwa 3 von 100 Kindern, die keine Antibiotika nahmen. Ein Riss im Trommelfell ist meist klein und heilt innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen von selbst ab. Problematischer ist es, wenn das Trommelfell immer wieder einreißt oder ein größerer Riss entsteht.

    Zwei Gruppen von Kindern können Antibiotika deutlich besser helfen:

    • Kinder unter zwei Jahren mit einer Entzündung beider Ohren
    • Kinder aller Altersgruppen mit eitrigem Ausfluss aus dem Ohr

    Beides weist auf bakterielle Infektionen hin, die sich mit Antibiotika gut behandeln lassen. Bei etwa 25 bis 35 von 100 Kindern mit solchen Problemen können Antibiotika nach drei bis sieben Tagen Schmerzen und Fieber lindern.

    Nebenwirkungen von Antibiotika

    Antibiotika können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag hervorrufen. Bei ungefähr 5 von 100 Kindern lösen Antibiotika eine dieser Nebenwirkungen aus. Zum anderen trägt die allzu häufige Verwendung von Antibiotika dazu bei, dass sich Keime entwickeln und ausbreiten, die nicht mehr auf Antibiotika ansprechen (resistente Bakterien).

    Abwartende Behandlung

    Den größten Vorteil haben Antibiotika für Kinder mit Beschwerden, die auf eine bakterielle Infektion hinweisen (siehe oben). Bei anderen Kindern spricht viel dafür, zunächst auf Antibiotika zu verzichten und sie erst einzunehmen, wenn sich die Ohrenschmerzen nach zwei bis drei Tagen nicht bessern oder sogar verschlechtern. Es ist auch möglich, dass die Ärztin oder der Arzt nach der Diagnose ein Rezept für ein Antibiotikum ausstellt und die Eltern bittet, das Rezept erst einmal nicht einzulösen, sondern abzuwarten. Gegen Ohrenschmerzen erhalten die Kinder bis dahin schmerzstillende und falls nötig fiebersenkende Mittel.

    Dieses abwartende Vorgehen vermeidet mögliche Nebenwirkungen durch Antibiotika und hat keine längerfristigen Nachteile. Man hat in Studien untersucht, ob es dadurch häufiger zu Komplikationen oder neuen Erkrankungen kommt. Dies ist jedoch nicht der Fall.

    Bei diesem Vorgehen ist es wichtig, die Beschwerden des Kindes aufmerksam zu beobachten und mit der Ärztin oder dem Arzt in Kontakt zu bleiben, um angemessen reagieren zu können, falls sich die Infektion nicht bessert oder sogar verschlechtert.

    Abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays

    Nasentropfen oder Nasensprays können die Schleimhäute abschwellen lassen. Sie werden angewendet, um die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern. Es ist jedoch nicht erwiesen, dass sie die Heilung einer Mittelohrentzündung unterstützen oder die Beschwerden lindern.

    Viele Kinder mit Mittelohrentzündung haben auch eine verstopfte Nase. Nasensprays und Nasentropfen können dann für einige Stunden die Nase freier machen und die Atmung erleichtern. Sie sollten aber für wenige Tage und nur in der für das Alter des Kindes empfohlenen Dosierung angewendet werden. Bei zu langer, zu häufiger oder zu hoch dosierter Anwendung können die Mittel die Nasenschleimhaut dauerhaft schädigen. Abschwellende Nasentropfen und Nasensprays sind ohne Rezept in Apotheken erhältlich.

    Ohrentropfen

    Gegen die Ohrenschmerzen können auch lokal wirkende Ohrentropfen angewendet werden. In Deutschland bestehen solche Mittel meist aus einer Kombination der Wirkstoffe Phenazon und Procain. Ob Ohrentropfen Kindern und Babys unter drei Jahren helfen, ist nicht untersucht. Bei Kindern über drei Jahren können sie die Schmerzen möglicherweise lindern.

    Wenn das Trommelfell gerissen ist, kann die Anwendung von Ohrentropfen problematisch sein. Im Zweifel ist es besser, vorher mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen.

    Trommelfellschnitt (Parazentese)

    Manchmal wird das Trommelfell leicht eingeritzt, damit Flüssigkeit aus der Paukenhöhle nach außen ablaufen kann. Der kleine Eingriff wird aber nur bei kompliziertem Verlauf vorgenommen – zum Beispiel, wenn das angestaute Sekret zu sehr starken Schmerzen führt.

    Hausmittel und komplementäre Verfahren

    Viele Eltern wenden bei ihrem erkrankten Kind auch Hausmittel oder Methoden der Komplementärmedizin an. Die Wirksamkeit der meisten Verfahren gegen Ohrenschmerzen oder Fieber wurde bisher allerdings entweder gar nicht in wissenschaftlichen Studien geprüft oder konnte nicht bestätigt werden.

    Zum Beispiel verwenden manche Eltern Wadenwickel zur Fiebersenkung. Einige Eltern behandeln ihr Kind auch mit Zwiebelsäckchen, die auf das schmerzende Ohr gelegt werden, oder wärmen das erkrankte Ohr mit Rotlicht. Für eine Wirksamkeit dieser Hausmittel gibt es keine Belege. Manche Kinder empfinden sie jedoch als wohltuend.

    Andere Eltern greifen auf homöopathische oder pflanzliche Medikamente zurück. Doch auch für solche Mittel gibt es keine Belege, dass sie bei einer akuten Mittelohrentzündung helfen können.

    Paukenröhrchen

    Wenn die Schleimhäute infolge einer Mittelohrentzündung anschwellen und Sekret absondern, füllt sich die Paukenhöhle mit Flüssigkeit. Dies wird Paukenerguss genannt. Meist bildet sich ein Paukenerguss nach einigen Tagen oder Wochen zurück. Bei einigen Kindern bleibt er jedoch bestehen und verschlechtert das Hören. Dadurch kann sich bei Kleinkindern auch die Sprachentwicklung verzögern.

    Bei einem anhaltenden Paukenerguss wartet man zunächst einige Monate ab, ob er sich nicht doch von selbst zurückbildet. In dieser Zeit werden die Ohren regelmäßig ärztlich untersucht. Löst sich der Paukenerguss nicht auf, kommt ein Trommelfellschnitt in Betracht: Dadurch kann das Sekret nach außen abfließen, oder es wird abgesaugt.

    Wenn sich trotzdem immer wieder Flüssigkeit ansammelt und das Kind schlecht hört, wird oft empfohlen, ein Paukenröhrchen einzusetzen. Die feinen Röhrchen aus Kunststoff oder Metall sorgen für die Belüftung des Mittelohrs von außen. Paukenröhrchen beseitigen zwar schnell den Paukenerguss und verbessern in den ersten Monaten das Hören – ob sie es aber auch längerfristig verbessern und Sprachentwicklungsstörungen vorbeugen, ist nicht nachgewiesen.

    Paukenröhrchen können auch eingesetzt werden, wenn ein Kind sehr häufig Mittelohrentzündungen hat. Dann können sie das Risiko für erneute Entzündungen wahrscheinlich senken.

    Paukenröhrchen werden gewöhnlich unter Vollnarkose eingesetzt und fallen meist nach sechs bis zwölf Monaten von selbst aus dem Ohr. Der Eingriff verläuft in der Regel komplikationslos. Mögliche Risiken sind beispielsweise Infektionen oder ein Verrutschen eines Röhrchens in die Paukenhöhle. Selten kann es nach dem Eingriff zu Hörproblemen kommen, weil der Schnitt nach der Behandlung nicht verheilt oder das Trommelfell vernarbt.

    Quellen

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    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Otitis media (acute): antimicrobial prescribing guideline. Evidence review. 03.2018.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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