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Prämenstruelles Syndrom (PMS)

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    Überblick

    Selbst für Frauen sind die „Tage vor den Tagen“ manchmal ein Mysterium. Wie aus heiterem Himmel fühlen sich Frauen mit prämenstruellem Syndrom (PMS) deprimiert, gereizt, unkonzentriert oder haben „nahe am Wasser gebaut“. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, mit diesen Beschwerden umzugehen.

    Einleitung

    Viele Frauen kennen das: An den „Tagen vor den Tagen“ haben sie Unterleibs- oder Kopfschmerzen, sind traurig und gereizt, fühlen sich aufgeschwemmt oder allgemein unwohl. Der medizinische Ausdruck für dieses Phänomen ist prämenstruelles Syndrom (PMS). Bei den meisten Frauen sind die PMS-Beschwerden nicht sehr stark, und sie gehen mehr oder weniger entspannt damit um. Einige Frauen sind aber so beeinträchtigt, dass sie während dieser Zeit nicht ihren normalen Alltagsaktivitäten nachgehen können. Verschiedene Behandlungen und Maßnahmen können helfen, die Beschwerden zu mildern.

    Symptome

    Als prämenstruelles Syndrom bezeichnet man ein Bündel aus körperlichen und psychischen Beschwerden, die einige Tage bis zwei Wochen vor Einsetzen der Periode auftreten können.

    Viele Frauen haben zum Beispiel Spannungsgefühle in den Brüsten und im Unterleib. Andere Beschwerden können Kopf-, Rücken-, Gelenks- oder Muskelschmerzen sein. Auch Wassereinlagerungen, Schlaf- oder Verdauungsprobleme, Hautunreinheiten und Heißhunger sind möglich.

    Frauen mit PMS fühlen sich in der Zeit vor ihrer Periode häufig erschöpft, unsicher, niedergeschlagen, lustlos, gereizt oder wütend. Manche haben Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen. Einigen kommt es so vor, als ob sie die Kontrolle über ihren Körper und ihre Gefühle verlieren. Ausgeprägte PMS-Beschwerden können im Alltag stark einschränken und auch die Beziehungen zu Angehörigen, Freunden und Kollegen belasten.

    Bei einem starken PMS mit deutlichem Einfluss auf die Psyche – wie Depressivität und Angstgefühle – sprechen Fachleute von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS).

    Ursachen

    Die Ursachen eines PMS sind noch nicht abschließend geklärt. Man geht aber davon aus, dass die hormonellen Schwankungen während des weiblichen Zyklus eine Rolle spielen. Zwar haben Frauen mit PMS nicht unbedingt einen veränderten Hormonspiegel, reagieren aber möglicherweise besonders empfindlich auf Abbauprodukte von Progesteron. Das Hormon wird vor allem in der zweiten Zyklushälfte vor dem Einsetzen der Monatsblutung gebildet.

    Zudem wird eine Wechselwirkung von Progesteron mit Botenstoffen im Gehirn vermutet. Dabei spielt offenbar Serotonin eine besondere Rolle. Zusätzlich beeinflussen wahrscheinlich die familiäre Veranlagung und Umweltfaktoren die Entstehung eines PMS.

    Häufigkeit

    Die meisten Mädchen und Frauen spüren in der Zeit vor ihrer Regelblutung ab und an einzelne leichte PMS-Symptome. Sie fühlen sich dadurch aber kaum beeinträchtigt.

    Etwa 20 bis 40 % aller Mädchen und Frauen haben mehrere stärker ausgeprägte PMS-Beschwerden, die sie im Alltag spürbar belasten.

    Bei ungefähr 3 bis 8 % sind die Symptome – insbesondere die psychischen Probleme – so stark, dass sie das Alltagsleben deutlich stören. Fachleute sprechen dann von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS).

    Verlauf

    PMS-Beschwerden treten in der zweiten Hälfte des Monatszyklus nach dem Eisprung auf. In dieser Zeit produziert der Körper vermehrt das Hormon Progesteron, während gleichzeitig das weibliche Geschlechtshormon Östrogen abfällt.

    Grafik: zyklusabhängiger Hormonspiegel - wie im Text besprochen

    Wenn die Regelblutung einsetzt und ein neuer Zyklus beginnt, klingen die PMS-Beschwerden wieder ab. Sie sind spätestens mit Ende der Blutung komplett verschwunden und können erst nach dem nächsten Eisprung wieder auftreten.

    Manche Frauen haben in einigen Zyklen Beschwerden und in anderen nicht. Auch die Stärke der Symptome kann je nach Zyklus sehr unterschiedlich sein und sich zudem über die Jahre verändern. Wie sich die Beschwerden entwickeln, lässt sich aber nicht vorhersagen. Sicher ist nur, dass sie spätestens mit der letzten Regelblutung in den Wechseljahren verschwinden.

    Diagnose

    Um herauszufinden, ob es sich um ein PMS handelt, fragen Ärztinnen oder Ärzte nach den Beschwerden und danach, wann sie auftreten. Dabei geht es auch darum, Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie Depressionen, Schilddrüsenerkrankungen oder Reizdarmsyndrom auszuschließen.

    Ein Tagebuch kann dabei helfen, die Beschwerden im Zyklusverlauf festzuhalten. Am besten werden darin alle Symptome über mindestens zwei bis drei Monate notiert.

    Behandlung

    Zur Frage, was gegen PMS-Beschwerden hilft, gibt es bisher nur wenige aussagekräftige Studien. Deshalb ist der Nutzen vieler Behandlungen, die bei PMS eingesetzt werden, noch unklar.

    Mädchen und Frauen mit PMS probieren oft verschiedene Mittel und Methoden aus, um ihre Beschwerden zu lindern. Bei leichteren Beschwerden versuchen es manche zum Beispiel mit Entspannungsverfahren, Akupunktur, mehr Bewegung, weniger Alkohol und Kaffee oder salzarmer Ernährung. Andere greifen zu pflanzlichen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln wie Mönchspfeffer, Johanniskraut, Kalzium oder Vitamin B6.

    Bei stärkeren Beschwerden kommen unterschiedliche Medikamente infrage. Viele sind jedoch nicht zur Behandlung eines PMS zugelassen, und sie können Nebenwirkungen haben:

    • hormonelle Mittel wie die Antibabypille oder Hormonpflaster beeinflussen den Hormonspiegel und lindern PMS- und PMDS-Symptome.
    • Antidepressiva: Sogenannte SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) können helfen, starke psychische Beschwerden bei PMS oder PMDS zu lindern.
    • Schmerzmittel können starke Regelschmerzen wirksam lindern und sind meist gut verträglich. Ob sie auch PMS-Beschwerden lindern, ist bislang aber kaum untersucht.
    • Bei starken Beschwerden durch Wassereinlagerungen können entwässernde Mittel (Diuretika) eingesetzt werden.

    Frauen mit ausgeprägten psychischen Problemen können eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ausprobieren. Ob sie hilft, PMS-Beschwerden zu lindern, ist allerdings unklar.

    Leben und Alltag

    Viele Frauen mit PMS-Beschwerden versuchen, es in dieser Zeit etwas ruhiger angehen zu lassen und sich im Alltag bewusst mehr Pausen und Entspannung zu gönnen als sonst – ob mit einem heißen Bad, einem Spaziergang, einem ruhigen Abend mit einem Buch oder vor dem Fernseher.

    Einige finden es auch hilfreich, mit dem Partner, der Partnerin oder der Familie über die eigenen Beschwerden zu sprechen, um an diesen Tagen mehr Verständnis, Rücksicht und Unterstützung zu bekommen.

    Manche Frauen befürchten allerdings, dass es dann nur dem PMS zugeschrieben wird, wenn sie einmal gereizt oder wütend sind, und dass Probleme nicht ernst genommen werden. Manchen Frauen machen außerdem Vorurteile zu schaffen, dass sie in dieser Zeit „hormongesteuert“ und deshalb irrational und unberechenbar seien.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Tagebuch: Prämenstruelles Syndrom (PMS)

    Ein prämenstruelles Syndrom (PMS) kann eine Vielzahl von Beschwerden auslösen. Die meisten sind unspezifisch, das heißt sie können auch bei vielen anderen Störungen oder Erkrankungen auftreten.

    So können etwa Brustspannen, Unterleibs- oder Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen ein Hinweis auf ein PMS sein – genauso wie Schlaf- und Konzentrationsprobleme, Gereiztheit oder Wutgefühle, Gelenkschmerzen oder Wassereinlagerungen.

    Um zu prüfen, ob die Beschwerden tatsächlich mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen, ist es hilfreich, ein Tagebuch zu führen – am besten über mindestens zwei bis drei Monate. Es kann auch zur Vorbereitung auf einen Arztbesuch sinnvoll sein. PMS-Tagebuchvorlage zum Ausdrucken

    Grafik: Abbildung PMS-Tagebuchvorlage PMS-Tagebuchvorlage

    • In die obere Zeile schreiben Sie den aktuellen Kalendermonat und kreuzen das Datum an, an dem die Regelblutung eingesetzt hat.
    • Zusätzlich können Sie die Dauer der Blutung über einen Strich oder weitere Kreuze markieren.
    • Alle Beschwerden, die Sie an sich beobachtet haben, halten Sie im Laufe des Monats in der Tabelle fest und notieren die Stärke der Beschwerden als unterschiedlich große Kreise (s. Beispiel unten).
    • Sie können die Liste selbst anpassen und die Beschwerden, die Sie haben, in die PDF-Datei elektronisch eingeben. Oder Sie tragen zusätzliche eigene Beschwerden handschriftlich in die leeren Zeilen ein.
    • Die Folgen der PMS-Beschwerden auf die Beziehung zur Familie, zu Freunden und Kollegen können Sie in den letzten zwei Zeilen der Tabelle notieren.

    Ein Ausfüll-Beispiel:

    Grafik: Interaktives PMS-Tagebuch: Ausfüll-Beispiel Interaktives PMS-Tagebuch: Ausfüll-Beispiel

     

    Ein prämenstruelles Syndrom (PMS) kann eine Vielzahl von Beschwerden auslösen. Die meisten sind unspezifisch, das heißt sie können auch bei vielen anderen Störungen oder Erkrankungen auftreten.

    So können etwa Brustspannen, Unterleibs- oder Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen ein Hinweis auf ein PMS sein – genauso wie Schlaf- und Konzentrationsprobleme, Gereiztheit oder Wutgefühle, Gelenkschmerzen oder Wassereinlagerungen.

    Um zu prüfen, ob die Beschwerden tatsächlich mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen, ist es hilfreich, ein Tagebuch zu führen – am besten über mindestens zwei bis drei Monate. Es kann auch zur Vorbereitung auf einen Arztbesuch sinnvoll sein. PMS-Tagebuchvorlage zum Ausdrucken

    Grafik: Abbildung PMS-Tagebuchvorlage PMS-Tagebuchvorlage

    • In die obere Zeile schreiben Sie den aktuellen Kalendermonat und kreuzen das Datum an, an dem die Regelblutung eingesetzt hat.
    • Zusätzlich können Sie die Dauer der Blutung über einen Strich oder weitere Kreuze markieren.
    • Alle Beschwerden, die Sie an sich beobachtet haben, halten Sie im Laufe des Monats in der Tabelle fest und notieren die Stärke der Beschwerden als unterschiedlich große Kreise (s. Beispiel unten).
    • Sie können die Liste selbst anpassen und die Beschwerden, die Sie haben, in die PDF-Datei elektronisch eingeben. Oder Sie tragen zusätzliche eigene Beschwerden handschriftlich in die leeren Zeilen ein.
    • Die Folgen der PMS-Beschwerden auf die Beziehung zur Familie, zu Freunden und Kollegen können Sie in den letzten zwei Zeilen der Tabelle notieren.

    Ein Ausfüll-Beispiel:

    Grafik: Interaktives PMS-Tagebuch: Ausfüll-Beispiel Interaktives PMS-Tagebuch: Ausfüll-Beispiel

     

    Quellen

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Behandlung von PMS-Beschwerden

    Manche Frauen mit einem prämenstruellen Syndrom (PMS) haben an den Tagen vor ihrer Periode so starke Beschwerden, dass sie ihren normalen Alltagsaktivitäten nicht nachgehen können. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, mit typischen Symptomen wie Schmerzen, Brustspannen und Stimmungsschwankungen umzugehen und sie zu behandeln.

    Bei den meisten Frauen mit PMS sind die Beschwerden nicht sehr stark, und sie finden Wege, damit zurechtzukommen – zum Beispiel, an den „Tagen vor den Tagen“ auf Ruhe zu achten und Stress zu vermeiden. Zum Umgang mit PMS-Beschwerden gibt es viele Ratschläge, etwa

    • sich viel bewegen und Sport treiben,
    • Entspannungsverfahren anwenden und meditieren,
    • nicht rauchen,
    • wenig Alkohol und Koffein zu sich nehmen,
    • sich salzarm ernähren.

    Die Wirkung der meisten dieser Lebensstil-Änderungen ist wissenschaftlich nicht gut untersucht. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht helfen. Jede Frau kann ausprobieren, ob die Änderungen ihre Beschwerden lindern. Die Beschwerden und die Gegenmaßnahmen über mehrere Monatszyklen zu beobachten und zu notieren, hilft herauszufinden, ob die Änderungen die PMS-Beschwerden beeinflussen.

    Manche Frauen mit einem prämenstruellen Syndrom (PMS) haben an den Tagen vor ihrer Periode so starke Beschwerden, dass sie ihren normalen Alltagsaktivitäten nicht nachgehen können. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, mit typischen Symptomen wie Schmerzen, Brustspannen und Stimmungsschwankungen umzugehen und sie zu behandeln.

    Bei den meisten Frauen mit PMS sind die Beschwerden nicht sehr stark, und sie finden Wege, damit zurechtzukommen – zum Beispiel, an den „Tagen vor den Tagen“ auf Ruhe zu achten und Stress zu vermeiden. Zum Umgang mit PMS-Beschwerden gibt es viele Ratschläge, etwa

    • sich viel bewegen und Sport treiben,
    • Entspannungsverfahren anwenden und meditieren,
    • nicht rauchen,
    • wenig Alkohol und Koffein zu sich nehmen,
    • sich salzarm ernähren.

    Die Wirkung der meisten dieser Lebensstil-Änderungen ist wissenschaftlich nicht gut untersucht. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht helfen. Jede Frau kann ausprobieren, ob die Änderungen ihre Beschwerden lindern. Die Beschwerden und die Gegenmaßnahmen über mehrere Monatszyklen zu beobachten und zu notieren, hilft herauszufinden, ob die Änderungen die PMS-Beschwerden beeinflussen.

    Welche Medikamente kommen infrage?

    Gegen PMS-Beschwerden werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Allerdings ist fast keins dieser Mittel zur Behandlung eines prämenstruellen Syndroms zugelassen. Wenn ein Medikament bei einer Erkrankung eingesetzt wird, für die es keine Zulassung hat, bezeichnet man das auch als „Off-Label-Use“. Die Ärztin oder der Arzt muss dann darüber aufklären, und man muss das Medikament möglicherweise selbst bezahlen.

    Häufig wird versucht, PMS-typische Symptome mit hormonellen Mitteln zu lindern, die die Bildung bestimmter körpereigener Hormone unterdrücken und in den Monatszyklus eingreifen. Andere Behandlungen sind Antidepressiva, entwässernde Medikamente, Schmerzmittel oder angstlösende Präparate.

    Hormonelle Verhütungsmittel

    Die gebräuchlichste Methode, den Monatszyklus hormonell zu beeinflussen, ist der Einsatz hormoneller Verhütungsmittel wie der „Pille“. Für Frauen, die schwanger werden wollen, kommen sie natürlich nicht infrage.

    Zwei Studien liefern schwache Hinweise darauf, dass eine Kombinationspille aus dem Gestagen Drospirenon und niedrig dosiertem Östrogen bei PMS helfen kann. Der Vergleich zwischen behandelten und nicht behandelten Studienteilnehmerinnen zeigte: Die Frauen, die diese Hormonkombination einnahmen, hatten weniger Beschwerden, kamen im Alltag besser zurecht und waren sozial aktiver und zufriedener in ihren Partnerschaften. Die Teilnehmerinnen berichteten aber auch über Nebenwirkungen der Pille wie Übelkeit, Zwischenblutungen und Brustschmerzen.

    Hormonelle Verhütungsmittel erhöhen zudem das Risiko für Blutgerinnsel (Venenthrombosen). Insgesamt ist das Thromboserisiko aber niedrig: Schätzungen gehen davon aus, dass je nach Hormonpräparat 5 bis 12 von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine Venenthrombose bekommen, wenn sie die Antibabypille nehmen. Ohne Pille sind es etwa 2 von 10.000 Frauen.

    Es gibt eine Vielzahl hormoneller Verhütungsmittel, die verschiedene, zum Teil unterschiedlich kombinierte Hormone enthalten. Außer als Pille gibt es sie zudem als Spirale, Pflaster, Vaginalring oder Depotspritze. Welche davon bei PMS helfen können, ist noch nicht ausreichend erforscht. Frauen, die hormonell verhüten möchten, besprechen am besten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt, welches Mittel für sie infrage kommt.

    Antidepressiva

    Wenn eine prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) deutliche Auswirkungen auf die Psyche hat – etwa depressive Verstimmungen, Angstgefühle und Verzweiflung –, kommen auch Medikamente infrage, die üblicherweise gegen Depressionen eingesetzt werden. Dies sind normalerweise SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer). Ihr Wirkstoff erhöht die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Man nimmt an, dass das Serotonin einen Einfluss darauf hat, wie der Körper auf bestimmte Hormone reagiert, die vor der Menstruation verstärkt ausgeschüttet werden.

    Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass SSRI die psychischen Beschwerden bei Frauen mit starkem PMS oder einer PMDS lindern und helfen können, im Alltag besser zurechtzukommen. SSRI wirken jedoch frühestens im dritten Zyklus nach Beginn der Einnahme. Die Tabletten waren bei durchgehender Einnahme nicht besser wirksam, als wenn sie nur während der zweiten Zyklushälfte eingenommen wurden.

    Für Frauen, die eine Behandlung mit Antidepressiva in Betracht ziehen, ist es wichtig, auch über die Nebenwirkungen Bescheid zu wissen. SSRI können zum Beispiel Übelkeit auslösen, zu Schlafstörungen führen und die sexuelle Lust dämpfen.

    Schmerzmittel

    Zu den Schmerzmitteln, die bei prämenstruellem Syndrom eingesetzt werden, zählen die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie etwa ASS und Ibuprofen. NSAR wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und blockieren die Prostaglandin-Produktion. Viele Frauen, die vor der Menstruation oft Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen haben, nehmen Schmerzmittel aus dieser Wirkstoffgruppe ein. NSAR können starke Regel- und Kopfschmerzen wirksam lindern und sind meist gut verträglich. Ihre häufigsten Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen und Benommenheit. Bei zu häufiger Einnahme können sie auch Kopfschmerzen verursachen.

    Ob NSAR auch bei Beschwerden helfen, die durch PMS verursacht werden, ist bislang allerdings kaum untersucht. In Studien zu PMS wurden vor allem die NSAR Naproxen und Mefenaminsäure untersucht.

    Entwässernde Medikamente (Diuretika)

    Manche Frauen, die besonders mit Wassereinlagerungen und starken Spannungsgefühlen in den Brüsten zu tun haben, setzen entwässernde Medikamente ein. Diuretika können Nebenwirkungen wie Übelkeit und Kopfschmerzen haben. Es kann auch ein Gewöhnungseffekt eintreten: Wenn man die Mittel wieder absetzt, kann es sein, dass der Körper mehr Wasser einlagert als vor der Einnahme. Aus diesen Gründen ist es wichtig, die Ärztin oder den Arzt um Rat zu fragen, ob sich Diuretika eignen – und falls ja, sie vorsichtig anzuwenden. Dabei sollte die in der Packungsbeilage angegebene Höchstmenge nicht überschritten werden, da der Körper sonst zu viel Flüssigkeit verlieren kann.

    GnRH-Analoga

    GnRH (Gonadotropin releasing hormone) ist ein Hormon, das die Freisetzung der sogenannten Gonadotropine reguliert. Gonadotropine sind Sexualhormone, die bei der Frau das Wachstum und die Reifung der Eizellen sowie den Eisprung auslösen.

    Bei starken PMS-Beschwerden werden selten auch GnRH-Analoga eingesetzt. Diese Medikamente greifen erheblich in den Hormonhaushalt ein, denn sie senken die Produktion der Hormone in den Eierstöcken stark ab. Beschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörungen sind eine häufige Folge. Auch PMS-ähnliche Symptome können auftreten, etwa depressive Verstimmungen. GnRH-Analoga sollten nicht länger als sechs Monate eingenommen werden.

    Bei einer Behandlung über mehrere Monate nehmen Frauen häufig gleichzeitig täglich niedrig dosiertes Östrogen ein. Diese sogenannte Add-back-Therapie soll die Beschwerden durch den von den GnRH-Analoga verursachten Hormonmangel abschwächen.

    Ob Frauen mit PMS durch die Einnahme von GnRH-Analoga profitieren können, ist bisher nicht ausreichend untersucht. Während einer Behandlung mit GnRH-Analoga ist es nicht möglich, schwanger zu werden.

    Progesteron

    Manche Frauen nehmen vor der Menstruation einige Tage lang Tabletten mit dem Hormon Progesteron ein, obwohl sie für die Behandlung von PMS-Beschwerden nicht zugelassen sind. Dies soll Beschwerden verhindern, die durch einen zu niedrigen oder in der zweiten Zyklushälfte schnell sinkenden Progesteronspiegel verursacht werden. Diese Theorie gilt mittlerweile allerdings als überholt.

    So zeigen auch die wissenschaftlichen Studien zum Einsatz von Progesteron bei PMS, dass es den Frauen, die die Hormone einnahmen, nicht besser ging als den Frauen, die ein Scheinmedikament (Placebo) anwendeten. Sie berichteten zudem häufiger über eine gestörte Regelblutung.

    Zugelassen ist in Deutschland nur ein progesteronhaltiges Gel zur Behandlung von prämenstruellen Spannungsgefühlen in der Brust. Zum Nutzen und Schaden dieses Gels gibt es keine aussagekräftigen Studien.

    Helfen pflanzliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel?

    Manche Frauen versuchen ihre Beschwerden mit pflanzlichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln zu lindern – zum Beispiel mit Kalzium, Vitamin B6, Magnesium, Nachtkerzenöl, Mönchspfeffer, Johanniskraut, Safran oder Ginkgo biloba.

    Wissenschaftliche Studien haben schwache Hinweise ergeben, dass Kalzium PMS-Beschwerden lindern kann, wenn es in einer Dosis zwischen 1000 und 1200 mg täglich eingenommen wird. Vitamin B6 hilft möglicherweise, wenn es in einer Dosis von etwa 50 bis 100 mg pro Tag angewendet wird. Beide Präparate müssen während des ganzen Monats eingenommen werden.

    Auch für das pflanzliche Präparat Mönchspfeffer gibt es schwache Hinweise für eine Wirkung gegen PMS-Beschwerden. Zu Johanniskraut, Safran und Ginkgo biloba sind ebenfalls noch keine sicheren Aussagen zu ihrer Wirkung bei PMS möglich. Studien zu Magnesium und Nachtkerzenöl hatten widersprüchliche Ergebnisse.

    Welche anderen Behandlungen kommen infrage?

    Ob eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) Frauen mit PMS helfen kann, ihre Beschwerden besser zu bewältigen, ist noch unklar. Bisher fehlen aussagekräftige Studien, um diese Frage zu beantworten. Bei einer KVT geht es vor allem darum, nicht hilfreiche Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern. Ein Ziel kann sein, mit den Belastungen durch ein PMS so umgehen zu lernen, dass sie den Alltag möglichst wenig beeinträchtigen.

    Auch der Nutzen von Akupunktur und Reflexzonenmassagen ist bisher noch unklar. Für die Wirkung und den Nutzen homöopathischer Mittel wie Pulsatilla- oder Sepia-Globuli gibt es keinen Nachweis.

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Prämenstruelles Syndrom - Erfahrungsbericht - Andrea

    "Manchmal schlägt meine Stimmung ganz plötzlich um, das kann zum Beispiel auch passieren, wenn ich mit Freunden in einem Café sitze. Die Erkenntnis, dass dies mit meiner Regelblutung zusammenhängt, fand ich sehr erleichternd. Im Gespräch bestätigten mir Freundinnen, dass es bei ihnen ähnlich ist."

    Andrea, 48 Jahre

    „Es löst sich fast alles, wenn die Regel beginnt. Die Kopfschmerzen sind manchmal noch am ersten Tag da, alles andere ist ganz schnell weg. Das ist dann schon fast wie eine Erleichterung.“

    Bis zu meinem 40. Lebensjahr hatte ich nur während meiner Menstruation Beschwerden – nicht sehr belastend, aber sie waren da. Ich habe sehr starke Blutungen und dadurch immer wieder einen Eisenmangel und oft das Gefühl, als wenn mir in diesen Tagen das ganze Blut abgezogen wird. Ich weiß nicht mehr genau, in welchem Lebensjahr mir aufgefallen ist, dass ich mit der Zeit auch Beschwerden in den Tagen vor Einsetzen der Regelblutung entwickelt habe.

    Ich habe zunehmend Kopfschmerzen, Brustspannen und Stimmungsschwankungen

    Ich leide oft und schon lange unter Kopfschmerzen. Lange Zeit habe ich das nicht mit meiner Regelblutung in Verbindung gebracht. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich immer etwa zwei Tage vor Einsetzen der Menstruation und manchmal auch noch am ersten Tag der Regelblutung Kopfschmerzen habe.

    Seit etwa meinem 45. Lebensjahr kamen noch ein paar andere Beschwerden hinzu: Etwa drei, vier Tage bis eine Woche vor Einsetzen der Blutung bin ich schlechter Stimmung. Am Anfang war ich jedes Mal etwas übellaunig, in den letzten zwei Jahren bin ich regelrecht leicht depressiv. Ich bin dann sehr nah am Wasser gebaut und es kann durchaus passieren, dass ich bei den kleinsten Anlässen in Tränen ausbreche. Ich bin nicht nur schlecht gelaunt, sondern auch bedrückt und so gar nicht gesprächig.

    Es kommt noch hinzu, dass meine Brust unheimlich stark spannt. Das ist etwa erst seit einem Jahr so. Am Anfang habe ich schon an einen Tumor gedacht, weil ich das nicht zuordnen konnte.

    Die Beschwerden sind mit der Zeit schon anstrengender und extremer für mich geworden. Sie belasten mich mehr als früher.

    Ich habe den Zusammenhang über ein Tagebuch bemerkt

    Mein Zyklus ist schon immer total unregelmäßig, das geht von 24 bis zu 45 Tagen. Es ist nicht einfach, sich darauf einzustellen. Ich habe das auch nie so richtig aufgeschrieben. Erst seit etwa einem halben Jahr schaue ich etwas genauer auf meinen Zyklus. Ich habe auch ab und zu Migräne und konnte das immer schlecht auseinanderhalten mit den Regelbeschwerden. Ich habe das dann mal mit einem Migräne-Tagebuch beobachtet. Dabei ist mir aufgefallen, dass damals meist so zwei Tage vor Beginn der Blutung Kopfschmerzen einsetzten. In der letzten Zeit sogar etwa eine Woche vorher. Ich habe nicht nur Kopfschmerzen notiert, sondern auch wenn ich deprimiert war. Dadurch habe ich den Zusammenhang meiner Beschwerden mit der Regelblutung gesehen. Seitdem ich das weiß, kann ich viel besser damit umgehen.

    Es löst sich fast alles, wenn die Regel beginnt. Die Kopfschmerzen sind manchmal noch am ersten Tag da, alles andere ist ganz schnell weg. Das ist dann schon fast wie eine Erleichterung.

    Als für mich klar war, dass die Stimmungsschwankungen mit der Menstruation in Verbindung stehen, war das ganz erhellend. Das war die Erklärung dafür und für mich sehr hilfreich.

    Stimmung kann ganz plötzlich umschlagen

    Manchmal schlägt meine Stimmung ganz plötzlich um, das kann zum Beispiel auch passieren, wenn ich mit Freunden in einem Café sitze. Das fand ich schon sehr eigenartig. Die Erkenntnis, dass dies mit meiner Regelblutung zusammenhängt, fand ich sehr erleichternd. Im Gespräch bestätigten mir Freundinnen, dass es bei ihnen ähnlich ist. Das war ein ganz guter Austausch. Ich fühlte mich damit nicht allein. Die anderen haben dann gesagt: „Ja, das kenne ich auch und ich heule auch manchmal“.

    Mein Partner ist sehr verständnisvoll

    Mein Partner hatte schon mit Depressionen zu tun und wir können uns darüber ganz offen austauschen. Ich habe manchmal regelrechte Weinausbrüche. Er hat es erst auf meine allgemeine Stimmungslage zurückgeführt. Es ist für ihn jetzt auch leichter zu verstehen, wo er weiß, dass es mit dem Zyklus zusammenhängt. Ich fühle mich sehr gut bei ihm damit aufgehoben.

    Auf mich zu achten hilft mir

    Er meinte letztens zu mir, dass wir dann zusehen müssen, dass ich in diesen bedrückten Tagen etwas Schönes erlebe. Das ist sein Herangehen. Aber ich muss in erster Linie auf mich selber achten. Manchmal hilft mir Ablenkung – einen schönen Film schauen und es mir gemütlich machen. Schwierige Gespräche vermeide ich in dieser Zeit. Manchmal bin ich dann überhaupt nicht ansprechbar, manchmal gebe ich stundenlang kein Wort von mir. Das kann auch für den anderen schwierig sein. Manchmal ist es dann besser, ich bin für mich alleine. Ich will ja auch nicht, dass sich die schlechte Stimmung auf den anderen überträgt.

    Frische Luft tut mir gut, wenn es mir schlecht geht, und gesunde Ernährung und viel Schlaf sowieso. Darauf achte ich schon länger. Manchmal gehe ich nicht joggen an den ersten beiden Tagen der Regelblutung, wenn ich nicht die Power habe. Denn mir geht schon ein wenig Energie verloren. Ich mache dann alles ein bisschen langsamer. Vor allem in den Tagen vor Einsetzen der Blutung und am ersten Tag, aber dann löst sich das ganz schnell wieder auf. Aber ich gehe ganz normal arbeiten. Wenn es mir richtig schlecht gehen würde, würde ich mich aber auch krankschreiben lassen.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Prämenstruelles Syndrom - Erfahrungsbericht - Gabriele

    „Mein Mann hat sich auch an die Stimmungsschwankungen gewöhnt. Wir sind ja nun schon 25 Jahre verheiratet. Für die Kinder ist es auch klar, nach dem Motto: Es ist wieder so weit. Man arrangiert sich und stellt sich darauf ein.“

    Gabriele, 44 Jahre

    „Schon ein paar Tage bevor die Regelblutung einsetzt, bin ich reizbarer, habe schmerzende und empfindliche Brüste und bin manchmal auch niedergeschlagen.“

    Meine Tage habe ich das erste Mal mit 13 Jahren bekommen. Ich kann mich nicht mehr ganz so gut an diese Zeit erinnern. Ich weiß aber noch, dass ich immer starke Bauchschmerzen und teilweise auch starke Blutungen hatte.

    Mit zunehmendem Alter haben die Beschwerden zugenommen. Schon ein paar Tage bevor die Regelblutung einsetzt, bin ich reizbarer, habe schmerzende und empfindliche Brüste und bin manchmal auch niedergeschlagen. Ich bin müde und kaputt, meine Verdauung ist träge und ich habe auch Blähungen. Was mich aber besonders belastet: Ein paar Tage vor Einsetzen der Blutung habe ich sehr unreine Haut, besonders um die Mundpartie.

    Es gibt immer wieder Monate, in denen es schlechter ist. Aber im Allgemeinen habe ich die Beschwerden mit der Zeit gut in den Griff bekommen. Nur die Hautunreinheiten, da kann man nichts machen, das sagt auch der Arzt. Das ist einfach hormonell bedingt. Mir hilft dann nichts, weder der Verzicht auf Süßes noch irgendetwas anderes. Die Hautunreinheiten kommen immer. Ich bekomme meine Periode immer unregelmäßig. Wenn ich Pickel um den Mund herum bekomme, weiß ich aber, dass sie wieder ansteht.

    Die Beschwerden beginnen etwa zwei Tage, bevor die Regelblutung einsetzt. Wenn die Blutung beginnt, wird es etwas besser, aber an dem Tag mit der stärksten Blutung sind die Beschwerden auch etwas stärker.

    Wenn die Blutung vorbei ist, dann geht es mir viel besser. Ich bin dann auch nicht mehr so reizbar. Das ist schon ein wenig komisch: als wenn ein Schalter umgelegt wird.

    Bewegung ist für mich krampflösend

    Ich nehme keine Medikamente ein und versuche, die Beschwerden mit Bewegung und Ernährung zu lindern. Bewegung ist für mich krampflösend. Ich bin gern draußen, walke und jogge viel. Und mit dem Hund muss ich täglich hinaus. Ich versuche, mich vollwertig zu ernähren: Ich esse beispielsweise vorwiegend Vollkornmehl und meide Weißmehl. Ich habe das Gefühl, das hat mir schon geholfen. Mir helfen auch eine Wärmflasche und ab und zu ein Tee.

    Eine kurze Zeit habe ich auch die Pille eingenommen, da waren die Beschwerden nicht ganz so heftig und die Blutungen waren auch leichter. Aber ich wollte die Pille irgendwann nicht mehr nehmen. Ich greife nur ungern zu Medikamenten. Ich weiß ja, dass es nach ein bis zwei Tagen wieder vorbei ist.

    Obwohl ich das ja jetzt schon viele Jahre habe, ärgere ich mich immer noch darüber, weil ich dadurch einfach eingeschränkt bin.

    Ich habe drei Töchter. Eine von den Dreien leidet auch sehr unter ihren Tagen. Sie hat ziemliche Bauchschmerzen. Die älteste nimmt jetzt die Pille, hatte aber davor auch Beschwerden. Sie hatte auch Schmerzmittel eingenommen, vor allem in der Schulzeit.

    Wenn eine sagt, sie hat Bauchschmerzen, dann ist das klar: Sie bekommt wieder ihre Periode. Aber es ist kein großes Thema bei uns zu Hause. Mein Mann hat sich auch an die Stimmungsschwankungen gewöhnt. Wir sind ja nun schon 25 Jahre verheiratet. Für die Kinder ist es auch klar, nach dem Motto: Es ist wieder so weit. Man arrangiert sich und stellt sich darauf ein.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Prämenstruelles Syndrom - Erfahrungsbericht - Lisa

    „Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass ich die Schmerzmedikamente am besten gleich beim ersten Ziehen einnehme.“

    Lisa, 22 Jahre

    „Ein wenig Verdauungsbeschwerden und Blähungen habe ich etwa fünf Tage vor Beginn der Periode, dann muss ich vermehrt zur Toilette.“

    Ich war etwa 13 Jahre alt, als ich meine Periode bekam. Ganz am Anfang hatte ich noch keine Beschwerden. Etwa ein halbes Jahr später fingen dann die Bauchschmerzen an. Ich hatte dann richtige Bauchkrämpfe. Die Beschwerden haben mich schon sehr beeinträchtigt.

    Gegen die Bauchschmerzen habe ich vom Arzt Schmerzmittel bekommen. Die haben mir ganz gut geholfen.

    Als ich mit 17 Jahren angefangen habe die Pille zu nehmen, hatte ich anfangs keine Bauchschmerzen mehr. Das hat ganz gut geholfen. Mit der Zeit haben die Bauchschmerzen aber wieder angefangen. Fast immer sind sie am zweiten und am letzten Tag der Blutung am stärksten. Die Schmerzen gehen nicht einfach wieder weg, sondern werden schlimmer. Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass ich die Schmerzmedikamente am besten gleich beim ersten Ziehen einnehme.

    Als ich angefangen hatte, die Pille zu nehmen, habe ich bemerkt, dass mir ein paar Tage vor der Blutung die Brust spannt. Das war zum Teil so schlimm, dass ich sogar beim Treppensteigen durch die Bewegung starke Schmerzen hatte. Wenn mich eine Freundin am Arm nehmen wollte, habe ich das abgelehnt, da es bei der kleinsten Berührung schon sehr wehtat. Ich habe daraufhin mehrfach die Pille gewechselt, das hat aber nicht geholfen. Ich nehme jetzt einen vaginalen Verhütungsring und damit bin ich fast beschwerdefrei. Während der Periode habe ich nach wie vor Bauchschmerzen, aber nicht mehr so schlimm.

    Mit Stimmungsschwankungen komme ich zurecht

    Etwas Stimmungsschwankungen habe ich, dann mag ich mich selber nicht mehr leiden. Das ist aber nicht extrem. Eine Freundin von mir ist in dieser Zeit schlichtweg nicht ansprechbar. Sie hat das ganz extrem.

    Ein wenig Verdauungsbeschwerden und Blähungen habe ich etwa fünf Tage vor Beginn der Periode, dann muss ich vermehrt zur Toilette. Manchmal helfen mir Spaziergänge, ein anderes Mal ist Hinlegen mit einer Wärmflasche besser.

    Aber ich nehme auch nach wie vor Schmerzmittel. Ich nehme lieber eine Tablette, auch wegen der Arbeit. Da brauche ich meinen Kopf und möchte nicht durch das Bauchweh abgelenkt sein. Die Medikamente hole ich mir selber in der Apotheke. Ich vertrage die Schmerzmittel gut.

    Meine Mutter hat mir damals, als es anfing, erzählt, dass ich mir wegen der Schmerzen keine Sorgen zu machen brauche und dass es mit der Zeit besser werden würde. Und dass sie damals auch von der Schule wegen der Schmerzen heimgegangen ist. Das war beruhigend zu hören.

    Bei uns in der Familie waren und sind diese Beschwerden kein großes Thema. Wenn es mir nicht gut ging, habe ich angerufen und meine Mutter oder meine Schwester haben mich von der Schule abgeholt. Das war selbstverständlich und stand nicht zur Diskussion. Jetzt kümmert sich mein Freund auch sehr lieb um mich, wenn ich Schmerzen habe.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.