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Verhütung

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    Die Zulassung der Anti-Baby-Pille in den 1960er Jahren war eine kleine Revolution. Heute stehen viele hormonelle Verhütungsmittel zur Verfügung. Zu den neueren zählen das Verhütungspflaster und der Vaginalring. Ob sie in punkto Sicherheit und Nebenwirkungen ähnlich abschneiden wie der „Klassiker“?

    Einleitung

    Wer eine Schwangerschaft vermeiden möchte, kann zwischen verschiedenen Verhütungsmethoden wählen. Die am häufigsten angewendeten Verhütungsmittel sind das Kondom und die Antibabypille.

    Aber es gibt noch eine Vielzahl anderer Methoden zur Empfängnisverhütung, zum Beispiel die Spirale, den Vaginalring oder das Verhütungspflaster. Jedes Verhütungsmittel hat Vor- und Nachteile – so sind hormonelle Verhütungsmittel sehr sicher, haben aber auch Nebenwirkungen. Nur das Kondom schützt auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

    Die Wahl des Verhütungsmittels hängt vor allem davon ab, wie sicher, leicht anwendbar und verträglich es ist. Nicht zuletzt ist wichtig, ob es zu den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen passt.

    Befruchtung und Schwangerschaft

    Eine Frau kann um den Zeitpunkt herum schwanger werden, an dem eine Eizelle herangereift ist und den Eierstock verlassen hat. Dieser Vorgang wird auch Eisprung (Ovulation) genannt. Die Eizelle wandert durch den Eileiter bis in die Gebärmutter. Zur Befruchtung kann es kommen, wenn Samenzellen durch den Muttermund und die Gebärmutter bis in die Eileiter gelangen. Wenn eine Samenzelle auf die Eizelle trifft, verschmelzen sie miteinander. Eine Schwangerschaft beginnt, wenn sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut einnistet.

    Bei Mädchen ist eine Schwangerschaft bereits ab dem ersten Eisprung möglich, das heißt ab ihrer ersten Periode. Bei Jungen kann schon der erste Samenerguss befruchtungsfähige Samenzellen enthalten.

    Verhütungsmittel nutzen verschiedene Wege, um die Befruchtung der Eizelle oder ihr Einnisten zu verhindern: So sorgen die sogenannten Barrieremethoden wie das Kondom oder das Diaphragma dafür, dass keine Samenzellen durch den Muttermund gelangen. Die Spirale verhindert, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Die meisten hormonellen Verhütungsmittel greifen in den weiblichen Zyklus ein und unterdrücken den Eisprung.

    Hormonelle Verhütung

    Viele der unterschiedlichen hormonellen Verhütungsmethoden enthalten eine Hormonkombination, die den Eisprung verhindert, sodass keine Eizelle befruchtet werden kann. Alle hormonellen Verhütungsmittel sind verschreibungspflichtig. Am häufigsten angewendet werden:

    • Antibabypille („Pille“): Sie enthält Östrogen und Gestagen und wird in jedem Zyklus 21 oder 22 Tage eingenommen. Während der einwöchigen Einnahmepause setzt die Menstruation ein. Manche Frauen nehmen zur Verhütung die Minipille ein, die nur Gestagen enthält – zum Beispiel, weil sie Kombinationspillen nicht vertragen.
    • Verhütungspflaster: Es wird auf dem Körper aufgeklebt und gibt eine Kombination aus Östrogen und Gestagen ab. Das Verhütungspflaster wird in den ersten drei Wochen des Zyklus wöchentlich gewechselt, in der vierten Woche ist kein Pflaster nötig.
    • Vaginalring: Der Kunststoffring enthält ebenfalls eine Hormonkombination, die über die Scheidenwände in die Blutbahn gelangt. Er wird tief in die Scheide eingeführt und nach 21 Tagen mit dem Finger wieder herausgezogen. In der folgenden Woche setzt die Regelblutung ein. Der Ring ist normalerweise nicht spürbar.
    • Hormonspirale: Die Hormonspirale enthält Levonorgestrel und wird von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt. Sie gibt das Hormon kontinuierlich an die Schleimhaut ab und verhindert, dass sich eine befruchtete Eizelle einnistet. Die Spirale schützt sofort nach dem Einsetzen und kann bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben.

    Selten angewendet werden die Dreimonatsspritze und das Hormonimplantat. Beide können nicht einfach abgesetzt werden, die Dreimonatsspritze enthält zudem eine hohe Dosis Hormone und hat häufig Nebenwirkungen. Beide Mittel werden meist nur Frauen empfohlen, die andere Mittel nicht vertragen oder sie nicht regelmäßig anwenden können.

    Bei richtiger Anwendung sind hormonelle Mittel sehr sicher. Sie können zudem Regelschmerzen lindern und die Menstruationsblutung abschwächen.

    Nachteile der Hormone sind mögliche Nebenwirkungen wie Spannungsgefühl in den Brüsten, Kopfschmerzen oder Übelkeit. Zudem besteht ein Risiko, dass sich Blutgerinnsel (Thrombosen) bilden. Dass hormonelle Verhütungsmittel zu einer Gewichtszunahme führen, ist nach derzeitigem Wissen unwahrscheinlich.

    Verhütung ohne Hormone

    Nicht hormonelle Verhütungsmittel haben keine oder weniger Nebenwirkungen, gelten allerdings als weniger sicher als hormonelle Methoden. Bei vielen Mitteln hängt die Sicherheit aber vor allem davon ab, ob sie richtig angewendet werden. Gebräuchlich sind:

    • Kondom für Männer: Es schützt nicht nur vor einer Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Erregern oder Krankheiten wie HPV, HIV, Hepatitis C, Tripper oder Syphilis. Wird es richtig angewendet, ist es sicher. Die häufigsten Anwendungsfehler sind unter anderem die Wahl der falschen Größe, die Beschädigung des Kondoms beim Öffnen der Packung oder auch, wenn es mit Zug übergestreift statt abgerollt wird. Ein Kondom darf nicht mit fett- oder ölhaltigen Substanzen, beispielsweise Gleitmitteln verwendet werden, da es dadurch durchlässig werden kann.
    • Frauenkondom: Es wird vor dem Sex in der Scheide platziert. Bei richtiger Anwendung ist es so sicher wie das normale Kondom. Viele Frauen empfinden die Handhabung als schwierig.
    • Kupferspirale oder -kette: Sie werden von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt. Das Kupfer erschwert die Befruchtung und Einnistung der Eizelle: Es verändert den Schleim am Muttermund und in der Gebärmutter, außerdem macht es die Spermien unbeweglicher. Kette und Spirale gelten als sicher und können etwa fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben. Nebenwirkungen können stärkere Monatsblutungen und Infektionen im Genitalbereich sein.
    • Diaphragma: Die weiche Silkonkappe mit flexiblem Federring wird so in die Scheide eingesetzt, dass sie den Muttermund vollständig abdeckt. Zusätzlich wird das Diaphragma mit einem spermienabtötenden Gel bestrichen. Es wird vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt und frühestens nach sechs Stunden wieder entfernt. Auch beim Diaphragma hängt die Sicherheit von der korrekten Anwendung ab. Die richtige Größe wird in der Frauenarztpraxis angepasst.
    • chemische Verhütungsmittel wie Cremes, Gels oder Zäpfchen werden vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingebracht. Durch die Körperwärme verflüssigen sie sich und bilden einen zähen Schleim, der sich vor den Muttermund legt und Samenzellen abhält. Zusätzlich enthalten viele Mittel einen spermienabtötenden Wirkstoff. Da chemische Mittel recht unsicher sind, können sie zur alleinigen Verhütung nicht empfohlen werden.
    • natürliche Verhütungsmethoden: Mit ihnen können anhand der morgendlichen Körpertemperatur und des Scheidensekrets die fruchtbaren Tage im Monatszyklus ermittelt werden. Dies ist aufwendig, nicht sehr sicher und erfordert viel Disziplin. Zudem muss an den fruchtbaren Tagen zusätzlich verhütet werden, etwa mit einem Kondom.

    Weitere Informationen zur Wirkung und Anwendung von Verhütungsmitteln stellt zum Beispiel die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Website www.familienplanung.de zur Verfügung.

    Quellen

    Beckermann MJ, Perl FM (Ed). Frauen-Heilkunde und Geburtshilfe. Basel: Schwabe; 2004.

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Sichergehn. Für sie und ihn. Köln, 2016.

    Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Rote-Hand-Brief zu kombinierten hormonalen Kontrazeptiva, einschließlich Informationsmaterialien: Risiko von venösen Thromboembolien. 03.02.2014.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Machen hormonelle Verhütungsmittel dick?

    Antibabypille, Vaginalring oder Verhütungspflaster haben bei den meisten Frauen sehr wahrscheinlich wenig Einfluss auf das Gewicht. Viele Frauen nehmen mit den Jahren langsam zu, unabhängig davon, ob sie hormonell verhüten oder nicht.

    Die Antibabypille (meist einfach „Pille“ genannt), das Verhütungspflaster und der Vaginalring zählen zu den kombinierten hormonellen Verhütungsmitteln. Sie werden Kombinationspräparate genannt, weil sie zwei Hormone enthalten: Östrogen und Gestagen. Ausnahmen sind zum Beispiel die sogenannte Minipille und die Hormonspirale, die nur ein Hormon enthalten. Für viele Frauen sind hormonelle Verhütungsmittel die bequemste Art, eine Schwangerschaft zu vermeiden: Sie müssen beim Geschlechtsverkehr oder davor nicht mehr an die Verhütung denken und haben selbst die Kontrolle darüber. In vielen Ländern ist die Pille das am häufigsten verwendete Mittel zur Geburtenkontrolle.

    Auswirkungen auf das Gewicht sind umstritten

    Frauen, die die Pille wieder absetzen, geben häufig als Grund an, dass sie zugenommen haben. Klinische Studien sind hier widersprüchlich: Manche Frauen berichten über eine Gewichtszunahme, andere über eine Gewichtsabnahme. Deshalb sind in den Beipackzetteln hormoneller Verhütungsmittel sowohl Gewichtszunahme als auch -abnahme als mögliche Nebenwirkungen aufgelistet.

    Wenn das Körpergewicht steigt, liegt das normalerweise an einer der folgenden Veränderungen:

    • Wassereinlagerungen
    • Muskelaufbau (Muskeln sind schwerer als anderes Gewebe)
    • Zunahme des Körperfetts

    Auch hormonelle Verhütungsmittel könnten theoretisch zur Gewichtszunahme beitragen, falls sie zu Wassereinlagerungen und mehr Körperfett führen würden. Kombinationspräparate werden manchmal auch verdächtigt, den Appetit zu steigern. Ob dies zutrifft, lässt sich jedoch nicht so leicht beurteilen, weil auch Frauen, die keine hormonellen Verhütungsmittel anwenden, mit den Jahren zunehmen.

    Unsichere Studienergebnisse

    Um die Frage beantworten zu können, ob die Pille das Gewicht beeinflusst, bräuchte man Studien, in denen eine Gruppe von Frauen über längere Zeit hormonell verhütet, eine andere Gruppe jedoch nicht; anschließend würde die Gewichtsentwicklung in beiden Gruppen verglichen.

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben nach solchen aussagekräftigen Studien zu hormonellen Verhütungsmitteln gesucht, in denen das Körpergewicht erfasst wurde. Sie fanden allerdings nur wenige Studien, die hormonelle Verhütungsmittel mit Scheinpräparaten verglichen und die Auswirkungen auf das Gewicht untersucht hatten. Das ist nicht verwunderlich: Da hormonelle Mittel zuverlässig verhüten, sind nicht viele Frauen dazu bereit, zu Studienzwecken andere, möglicherweise weniger sichere Verhütungsmittel oder gar Scheinmedikamente anzuwenden.

    In keiner der gefundenen Studien zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung und Gewichtszunahme. Allerdings waren diese Studien nicht groß und nicht gut genug, um eine eindeutige Antwort zu geben. Hinzu kommt, dass in den meisten Studien das Gewicht der Teilnehmerinnen nicht genau erfasst wurde. Es wurde höchstens notiert, wie viele Frauen angaben, die Pille wegen einer Gewichtszunahme abgesetzt zu haben. So lässt sich aber nicht sicher sagen, ob die Studienteilnehmerinnen, die hormonelle Verhütungsmittel anwendeten, insgesamt stärker zugenommen haben als die Frauen in den Vergleichsgruppen.

    Starker Einfluss der Pille auf das Gewicht unwahrscheinlich

    Eine Forschergruppe hat deshalb auch nach Studien gesucht, die verschiedene kombinierte Verhütungsmittel miteinander verglichen und dabei das Gewicht genau erfasst haben. Sie fanden zwar 45 Studien, die aber viele verschiedene hormonelle Verhütungsmittel verglichen. Wie sich einzelne Mittel auswirken, lässt sich deshalb nur schwer beurteilen.

    Zudem zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der Höhe der Hormondosis und der Gewichtszunahme. Würden Hormone tatsächlich das Gewicht beeinflussen, würde man erwarten, dass eine höhere Dosis auch zu einer stärkeren Gewichtszunahme führt. Ein solcher Zusammenhang zeigte sich jedoch nicht.

    Die Forschergruppe zog insgesamt den Schluss, dass hormonelle Verhütungsmittel sehr wahrscheinlich nicht zu einer starken Gewichtszunahme führen. Wenn es einen starken Einfluss gäbe, wäre er in den Studien aufgefallen. Allerdings schließt das nicht aus, dass einzelne Frauen doch zunehmen können.

    Quellen

    Gallo MF, Lopez LM, Grimes DA, Schulz KF, Helmerhorst FM. Combination contraceptives: effects on weight. Cochrane Database Syst Rev 2014; (1): CD003987.

    Lopez LM, Ramesh S, Chen M, Edelman A, Otterness C, Trussell J et al. Progestin-only contraceptives: effects on weight. Cochrane Database Syst Rev 2016; (8): CD008815.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Hormonelle Verhütungsmittel

    Es gibt verschiedene hormonelle Verhütungsmittel, etwa die Pille, den Vaginalring, das Verhütungspflaster oder die Hormonspirale. Sie werden ganz unterschiedlich angewendet, wirken jedoch ähnlich: Alle beeinflussen den Hormonhaushalt, die meisten unterdrücken den Eisprung. Hormonelle Verhütungsmittel sind sehr sicher, können aber zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Zwischenblutungen führen.

    In vielen Ländern ist die Antibabypille (umgangssprachlich „die Pille“) das am häufigsten angewendete Verhütungsmittel. Neuere hormonelle Methoden wie das Verhütungspflaster und der Vaginalring sind weniger bekannt und werden auch weniger genutzt. Eine hormonelle Verhütung ist auch mit einer Spirale möglich. Sie wird in die Gebärmutter eingesetzt und gibt dort beständig Hormone ab.

    Wenn hormonelle Verhütungsmittel richtig angewendet werden, schützen sie sehr sicher vor einer Schwangerschaft. Sie bieten aber keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie AIDS oder Hepatitis C. Alle Präparate sind verschreibungspflichtig. Die Kosten werden bis zum 20. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen.

    Es gibt verschiedene hormonelle Verhütungsmittel, etwa die Pille, den Vaginalring, das Verhütungspflaster oder die Hormonspirale. Sie werden ganz unterschiedlich angewendet, wirken jedoch ähnlich: Alle beeinflussen den Hormonhaushalt, die meisten unterdrücken den Eisprung. Hormonelle Verhütungsmittel sind sehr sicher, können aber zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Zwischenblutungen führen.

    In vielen Ländern ist die Antibabypille (umgangssprachlich „die Pille“) das am häufigsten angewendete Verhütungsmittel. Neuere hormonelle Methoden wie das Verhütungspflaster und der Vaginalring sind weniger bekannt und werden auch weniger genutzt. Eine hormonelle Verhütung ist auch mit einer Spirale möglich. Sie wird in die Gebärmutter eingesetzt und gibt dort beständig Hormone ab.

    Wenn hormonelle Verhütungsmittel richtig angewendet werden, schützen sie sehr sicher vor einer Schwangerschaft. Sie bieten aber keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie AIDS oder Hepatitis C. Alle Präparate sind verschreibungspflichtig. Die Kosten werden bis zum 20. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen.

    Wie wirken hormonelle Verhütungsmittel?

    Die Hormone in den Verhütungsmitteln unterdrücken nicht nur den Eisprung. Sie können auch verhindern, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut einnistet. Zudem verdicken sie den Schleim im Gebärmutterhals, was die Spermien unbeweglicher macht und ihnen den Weg zur Eizelle versperrt.

    Damit ein hormonelles Verhütungsmittel zuverlässig wirken kann, muss es wie vorgegeben angewendet werden. Wenn ein Mädchen oder eine Frau zum Beispiel die Antibabypille einen Tag vergisst, kann dies dazu führen, dass es doch zu einem Eisprung kommt und sie schwanger wird.

    Die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel kann durch Medikamente wie Antibiotika, Blutdruck- und Cholesterinsenker, Mittel gegen Pilzinfektionen oder pflanzliche Mittel wie Johanniskraut beeinträchtigt werden. Bei der Pille können auch Erbrechen oder Durchfall dazu führen, dass der Schutz nicht mehr sicher ist und zusätzlich verhütet werden muss – beispielsweise mit einem Kondom.

    Welche Vor- und Nachteile haben hormonelle Verhütungsmittel?

    Der größte Vorteil der hormonellen Verhütungsmittel ist ihre Sicherheit: Studien zeigen, dass bei richtiger Anwendung nur etwa eine von 1000 Frauen pro Zyklus schwanger wird, wenn sie Antibabypille, Verhütungspflaster oder Vaginalring anwendet.

    Hormonelle Verhütungsmittel können zudem Regelschmerzen lindern und die Menstruationsblutung wird oft schwächer. Wenn ein Mädchen oder eine Frau Akne hat, kann sich durch die Hormone auch die Haut verbessern.

    Nachteile können Nebenwirkungen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Übelkeit, Spannungsgefühle in den Brüsten oder Pilzinfektionen der Scheide sein. Die Hormone können auch zu Zwischenblutungen oder Stimmungsschwankungen führen und die sexuelle Lust dämpfen.

    Es besteht zudem ein wenn auch geringes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen). Dies gilt besonders für Frauen über 40 Jahre sowie für Frauen, die rauchen, starkes Übergewicht oder ein familiär bedingtes Risiko für Gefäßerkrankungen haben.

    Präparate der 3. und 4. Pillengeneration wie Desogestrel, Dienogest, Gestoden und Drospirenon erhöhen das Risiko für Venenthrombosen offenbar stärker als die älteren Hormone der 1. und 2. Generation wie zum Beispiel Levonorgestrel und Norgestimat. Schätzungen gehen davon aus, dass bei der regelmäßigen Einnahme

    • von Desogestrel, Gestoden oder Drospirenon etwa 9 bis 12 von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine Venenthrombose bekommen.
    • von Levonorgestrel und Norgestimat etwa 5 bis 7 von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine Venenthrombose bekommen.

    Ohne Pille treten bei etwa 2 von 10.000 Frauen Venenthrombosen auf.

    Auch wenn es häufig behauptet wird: Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Frauen durch hormonelle Verhütungsmethoden zunehmen.

    Die Antibabypille

    Die meisten Antibabypillen enthalten die beiden Hormone Östrogen und Gestagen, weshalb sie auch Kombinationspillen genannt werden. Verschiedene Präparate unterscheiden sich in ihrer Dosierung und darin, wie sie eingenommen werden. Alle Antibabypillen werden aber in jedem Zyklus über 21 oder 22 Tage eingenommen.

    Es gibt Ein-, Zwei- und Drei-Phasen-Pillen. Beim Ein-Phasen-Präparat enthält jede Pille in der Packung die gleiche Menge und Zusammensetzung der Hormone. Bei den Zwei- oder Drei-Phasen-Präparaten sind die einzelnen Pillen in der Packung unterschiedlich dosiert. Damit ihre Wirkung nicht beeinträchtigt wird, müssen sie in der vorgegebenen Reihenfolge eingenommen werden. Für die meisten Präparate gilt: Wurde eine Pille vergessen, muss die Einnahme innerhalb der nächsten 12 Stunden nachgeholt werden, sonst geht der Schutz für den gesamten Zyklus verloren.

    Nach den 21 oder 22 Tagen folgt eine 6- oder 7-tägige Einnahmepause, in der die Monatsblutung einsetzt. Während der Einnahmepause besteht der Schutz fort. Manche Präparate enthalten auch 28 Pillen in einer Packung und werden durchgängig eingenommen, um Einnahmefehler zu vermeiden. Die letzten 6 oder 7 Tabletten der Packung enthalten aber keinen Wirkstoff.

    Weniger verbreitet ist die sogenannte Minipille. Sie enthält nur Gestagen in niedriger Dosierung und kann daher auch von Frauen angewendet werden, die Kombinationspillen nicht vertragen. Allerdings erfordert ihre Einnahme Disziplin: Sie muss täglich stets zur selben Uhrzeit eingenommen werden. Wird sie einmal vergessen, muss die Einnahme innerhalb der nächsten drei Stunden nachgeholt werden. Da sie durchgängig – also ohne Einnahmepause – angewendet wird, bleibt die Monatsblutung bei vielen Frauen nach einiger Zeit aus.

    Das Verhütungspflaster

    Das Verhütungspflaster ist etwa 5 x 5 Zentimeter groß und sehr dünn. Es kann am Po oder Bauch, an der Außenseite des Oberarms oder irgendwo am Oberkörper aufgeklebt werden – außer auf der Brust. Wichtig ist, dass es gut haftet und die Kleidung nicht zu stark daran reibt. Beim Duschen, Baden oder Schwimmen löst sich das Pflaster normalerweise nicht. Das Verhütungspflaster wird in den ersten drei Wochen des Zyklus wöchentlich gewechselt. In der vierten Woche ist kein Pflaster nötig, dann setzt die Menstruation ein. Am siebten Tag nach dem Entfernen des alten wird erneut ein Pflaster aufgeklebt. Wird es 24 Stunden zu spät aufgeklebt, ist der Schutz nicht mehr sicher.

    Das Verhütungspflaster enthält eine Kombination der Hormone Östrogen und Gestagen, wie auch die meisten Antibabypillen. Während die Wirkstoffe der Pille über den Magen-Darm-Trakt in das Blut aufgenommen werden, gelangen sie beim Pflaster über die Haut in den Blutkreislauf. Weil über diesen Weg mehr Östrogen in den Körper gelangt, kann es beim Pflaster zu mehr Nebenwirkungen kommen als bei der Pille und dem Vaginalring. In Studien brachen Frauen, die Verhütungspflaster nutzten, die Anwendung aufgrund von Nebenwirkungen häufiger ab als Frauen, die die Pille nahmen.

    Der Vaginalring

    Der Vaginalring, auch Verhütungsring genannt, hat einen Durchmesser von rund 5 cm und besteht aus weichem, biegsamem Kunststoff. Er enthält ebenfalls eine Kombination der Hormone Östrogen und Gestagen, die über die Scheidenwände in die Blutbahn abgegeben werden. Der Ring wird tief in die Scheide eingeführt und nach genau drei Wochen mit dem Finger wieder herausgezogen. In den folgenden Tagen ohne Verhütungsring setzt die Regelblutung ein. Am siebten Tag nach dem Entfernen des alten wird wieder ein neuer Ring eingesetzt. Wenn der Ring richtig sitzt, ist er nicht spürbar.

    Für einen zuverlässigen Schutz ist es wichtig, dass der Verhütungsring jeweils zur gleichen Zeit am gleichen Wochentag eingesetzt oder entfernt wird: Setzt eine Frau den Ring zum ersten Mal an einem Mittwoch um 22 Uhr ein, entfernt sie ihn drei Wochen später ebenfalls am Mittwoch um etwa 22 Uhr und legt am folgenden Mittwoch wieder gegen 22 Uhr einen neuen ein. Eine Abweichung von bis zu drei Stunden ist aber möglich.

    In Studien kam es beim Vaginalring insgesamt zu weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit, Reizbarkeit und Depressionen als bei der Pille. Allerdings führte der Vaginalring häufiger zu Scheidenentzündungen (Vaginose) als die Pille.

    Die Hormonspirale

    Die Hormonspirale besteht aus einem T-förmigen Stückchen Kunststoff mit einem Rückholfaden. Sie enthält ein Hormondepot, das kontinuierlich Levonorgestrel in die Gebärmutterschleimhaut abgibt. Das Hormon hemmt ihren Aufbau, sodass sich keine befruchtete Eizelle einnisten kann. Außerdem verdickt es den Schleim im Gebärmutterhals (Zervixschleim), sodass keine Spermien in die Gebärmutter gelangen. Die Hormonspirale wird von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt eingesetzt. Danach wird per Ultraschall kontrolliert, ob die Spirale richtig sitzt.

    Durch die kontinuierliche Hormonwirkung wird die Regelblutung bei den meisten Frauen schwächer, bei vielen bleibt sie nach ein paar Monaten auch ganz aus. Die Spirale schützt sofort nach dem Einsetzen. Ihre empfängnisverhütende Wirkung hält je nach Präparat 3 bis 5 Jahre an.

    Da die Spirale bei manchen Frauen verrutscht, werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfohlen. In den ersten Monaten nach dem Einsetzen kommt es bei einigen Frauen häufiger zu Nebenwirkungen – unter anderem zu Zwischenblutungen, Kopfschmerzen oder Nervosität. Seltene Nebenwirkungen können Beckenentzündungen oder Verletzungen an der Gebärmutterwand sein.

    Die Hormonspirale wird Frauen, die noch kein Kind bekommen haben, in der Regel nicht empfohlen, weil sie sich bei ihnen schlechter einsetzen lässt als bei Müttern. Zudem geht man davon aus, dass das Infektionsrisiko nach einer Geburt geringer ist.

    Weitere hormonelle Verhütungsmittel

    Selten angewendet werden die Dreimonatsspritze und das Hormonimplantat. Die Spritze muss alle drei Monate gegeben werden. Sie ist zwar sehr sicher, wird aber aufgrund der hohen Hormondosis von vielen Frauen nicht vertragen. Ein Hormonimplantat hat die Form eines kleinen Stäbchens und wird alle drei Jahre in einer Arztpraxis unter die Haut eingesetzt. Beide Methoden werden in der Regel nur Frauen empfohlen, die andere hormonelle Mittel nicht vertragen oder nicht regelmäßig anwenden können.

    Vor- und Nachteile abwägen

    Alle hormonellen Verhütungsmethoden bieten einen ähnlich wirksamen Schutz vor Schwangerschaften. Welche Methode ein Mädchen oder eine Frau wählt, kann entscheidend davon abhängen, wie gut sie sie verträgt und wie sie mögliche Nebenwirkungen empfindet. Eine Rolle spielt auch die Handhabung des Verhütungsmittels: Ist es ein Problem, täglich eine Pille zu nehmen? Stört es, über mehrere Wochen ein Pflaster am Körper zu tragen? Ist der Vaginalring beim Geschlechtsverkehr spürbar? Jede Frau muss herausfinden, was für sie am wichtigsten und verträglichsten ist.

    Neben den hormonellen Verhütungsmitteln gibt es noch andere Methoden zur Empfängnisverhütung. Ausführliche Informationen zur Wirkung und Anwendung von Verhütungsmitteln stellt zum Beispiel die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Website www.familienplanung.de zur Verfügung.

    Quellen

    Beckermann MJ, Perl FM (Ed). Frauen-Heilkunde und Geburtshilfe. Basel: Schwabe; 2004.

    Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Rote-Hand-Brief zu kombinierten hormonalen Kontrazeptiva, einschließlich Informationsmaterialien: Risiko von venösen Thromboembolien. 03.02.2014.

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Familienplanung.de: Verhütungsmethoden. 2017.

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Sichergehn. Für sie und ihn. Köln, 2016.

    European Medicines Agency (EMA). Ethinylestradiol + drospirenone-containing oral contraceptives (YASMIN, YASMINELLE and other products) – Risk of venous thromboembolism. 26.05.2011.

    Lopez LM, Grimes DA, Gallo MF, Stockton LL, Schulz KF. Skin patch and vaginal ring versus combined oral contraceptives for contraception. Cochrane Database Syst Rev 2013; (4): CD003552.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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