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Gürtelrose

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    Wer Windpocken hatte, kann auch eine Gürtelrose bekommen. Beide Erkrankungen werden durch dieselben Viren ausgelöst. Ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch starken Stress oder im Alter, kann den oft sehr schmerzhaften Hautausschlag begünstigen. Meist ist die Gürtelrose nach zwei bis vier Wochen überstanden.

    Einleitung

    Jeder, der schon einmal Windpocken hatte, kann später eine Gürtelrose bekommen. Beide Erkrankungen werden durch dieselben Viren verursacht, die sogenannten Varizella-Zoster-Viren. Nach einer Infektion mit Windpocken (Varizellen) bleiben diese Viren im Körper. Viele Jahre später können sie wieder aktiv werden und eine Gürtelrose (Herpes Zoster) auslösen: einen meist streifenförmigen Hautausschlag mit Bläschen, der häufig sehr schmerzhaft ist. Der Ausschlag tritt in der Regel nur auf einer Körperhälfte auf.

    Eine Gürtelrose können auch Menschen bekommen, die gegen Windpocken geimpft sind. Nach Schätzungen entwickeln sie aber seltener eine Gürtelrose als Menschen, die die Windpocken durchgemacht haben.

    Die Gürtelrose ist vor allem bei älteren Menschen eine recht häufige Erkrankung. Sie kann sehr unangenehm sein. Solange keine Komplikationen auftreten, ist sie aber meist nach 2 bis 4 Wochen überstanden.

    Eine Gürtelrose ist ansteckend – allerdings nur für Personen, die noch keine Windpocken hatten. Die Ansteckung kann dann zunächst nur zu einer Windpocken-Erkrankung führen, nicht zu einer Gürtelrose.

    Symptome

    Bevor sich der Hautausschlag bildet, fühlt man sich meist abgeschlagen und müde. Es kann auch zu leichtem Fieber kommen und unter der Haut kribbeln. Nach 2 bis 3 Tagen zeigen sich dann die für die Gürtelrose typischen Symptome und Beschwerden: ein brennender oder stechender Schmerz im betroffenen Bereich, gefolgt von leichten Hautrötungen mit kleinen Knötchen. Der Schmerz kann mittelstark bis stark sein. Aus den Knötchen entwickeln sich innerhalb weniger Stunden kleine Bläschen, die jucken können. Dieses Stadium hält bis zu fünf Tage an. Danach trocknen die Bläschen innerhalb von 2 bis 10 Tagen aus und es bilden sich oft gelbliche Krusten. Insgesamt dauert es 2 bis 4 Wochen, bis die Hautveränderungen komplett verschwunden sind.

    Charakteristisch ist die Form des Hautausschlags und das einseitige Auftreten: Er zieht sich streifenförmig über die betroffene Körperhälfte. Am Rumpf erinnert der Ausschlag dann an einen Gürtel, daher der Name „Gürtelrose“.

    Bei einigen Menschen können größere Bereiche betroffen sein oder die Bläschen bilden sich außerhalb der ursprünglich betroffenen Hautstelle.

     

    Grafik: Gürtelrose: typischer Hautausschlag auf einer Körperhälfte Gürtelrose: typischer Hautausschlag auf einer Körperhälfte

     

    Am häufigsten tritt eine Gürtelrose auf dem Rumpf oder Brustkorb auf. Sie kann sich aber überall auf dem Körper entwickeln, zum Beispiel auf den Armen, am Kopf oder im Gesicht. Manchmal sind dann auch Augen oder Ohren betroffen.

    Ursachen

    Nach einer Windpocken-Erkrankung nisten sich die Varizella-Zoster-Viren unbemerkt in den Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks oder in den Hirnnerven ein. Man trägt sie ein Leben lang im Körper, normalerweise ohne etwas davon zu spüren.

    Wenn das Immunsystem geschwächt ist, zum Beispiel durch eine Erkrankung, starken Stress oder im Alter, können sich die Viren jedoch erneut vermehren. Sie wandern dann am betroffenen Nerv entlang in die Haut. Durch die Vermehrung der Viren in den Hautzellen entstehen eine Entzündung und der typische Hautausschlag. Die Entzündung des Nervs führt dazu, dass die von ihm versorgten Hautbereiche schmerzen.

     

    Grafik: Von Viren befallener Nerv und entzündeter Hautbereich Von Viren befallener Nerv und entzündeter Hautbereich

     

    Menschen, die noch keine Windpocken hatten, können sich bei Kontakt mit der Bläschenflüssigkeit einer Gürtelrose mit dem Varizella-Zoster-Virus anstecken. Die Ansteckung kann dann zunächst nur zu einer Windpocken-Erkrankung führen, nicht zu einer Gürtelrose. Wenn alle Bläschen ausgetrocknet sind und die letzte Kruste abgefallen ist, besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.

    Häufigkeit

    Man geht davon aus, dass etwa 2 von 10 Personen, die Windpocken hatten, im Laufe ihres Lebens eine Gürtelrose bekommen. Meist erkranken Menschen über 50 Jahre. Das Risiko für eine Gürtelrose steigt mit dem Alter an, da das Immunsystem mit den Jahren schwächer wird. In Deutschland erkranken jährlich etwa 400.000 Menschen.

    Verlauf

    Bei einem normalen Verlauf ohne Komplikationen dauert es bei Erwachsenen 2 bis 4 Wochen, bis eine Gürtelrose abheilt. Bei Kindern und jungen Menschen verläuft die Erkrankung im Allgemeinen unkompliziert. In der Regel erkrankt man nur einmal im Leben an einer Gürtelrose.

    Ebenfalls nur sehr selten breiten sich die Bläschen auf benachbarte Hautbereiche oder sogar auf den gesamten Körper aus. Dies kann bei Menschen passieren, deren Immunsystem sehr geschwächt ist, beispielsweise durch eine schwere Erkrankung wie Krebs oder AIDS. Für sie kann eine Gürtelrose lebensbedrohlich werden.

    Folgen

    Wenn die juckenden Bläschen aufgekratzt werden, kann es zu einer bakteriellen Entzündung der Haut kommen und es können Narben zurückbleiben. Folgen einer Gürtelrose können auch eine Überempfindlichkeit der Haut oder Pigmentstörungen sein. Bei einer Pigmentstörung ist die Haut an den betroffenen Stellen blasser oder dunkler als die umliegende Haut.

    Tritt die Gürtelrose im Gesicht auf, kann sie auf das Auge übergreifen und dort eine Hornhautentzündung verursachen. Wenn Hör- und Gesichtsnerven betroffen sind, kann es zu einer Hörminderung oder zu Lähmungen im Gesicht kommen. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel nach dem Abheilen der Gürtelrose wieder.

    Etwa 10 bis 20 von 100 Menschen haben durch die Nervenentzündung auch noch erhebliche Schmerzen, wenn der Ausschlag abgeheilt ist. Dies bezeichnet man als „Post-Zoster-Neuralgie“ oder „postherpetische Neuralgie“. Sie kann mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre anhalten.

    Menschen mit stark geschwächter Immunabwehr haben ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen. Es kann sich eine Lungen-, Leber- oder Hirnhautentzündung entwickeln.

    Im Gegensatz zur Windpocken-Erkrankung ist eine Gürtelrose während der Schwangerschaft für das Kind ungefährlich.

    Diagnose

    Viele Menschen mit Gürtelrose halten ihren Hautausschlag zunächst nicht für eine ansteckende Erkrankung, sondern zum Beispiel für ein Ekzem. Dies kann dazu führen, dass sie einen Arztbesuch nicht für nötig halten und sich die Diagnose verzögert.

    Da sich oft zuerst Schmerzen und dann erst die typischen Hautveränderungen bemerkbar machen, kann die Diagnose am Anfang schwierig sein. Je nachdem, wo die Gürtelrose auftritt, werden manchmal zuerst andere Ursachen für die Schmerzen vermutet, zum Beispiel eine Entzündung von Blinddarm oder Gallenblase, ein Bandscheibenvorfall oder gar ein Herzinfarkt.

    Ärztinnen und Ärzte erkennen eine Gürtelrose meist am typischen einseitigen Hautausschlag sowie den zugehörigen Schmerzen oder Empfindungsstörungen. Im Zweifel wird untersucht, ob die Bläschenflüssigkeit Viren enthält. Außerdem kann überprüft werden, ob sich im Blut vermehrt Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus finden.

    Vorbeugung

    Seit Ende 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung für alle Personen ab 60 Jahren mit einem Totimpfstoff. Das heißt, der Impfstoff enthält nur Virusbestandteile, keine abgeschwächten Viren. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder rheumatoider Arthritis oder einer Immunschwäche wird die Impfung bereits ab 50 Jahren empfohlen. Studien zeigen, dass der Impfstoff bei gesunden Menschen das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken deutlich reduziert. Ob der Impfschutz länger als vier Jahre anhält, lässt sich im Moment noch nicht sicher sagen, weil der Totimpfstoff noch relativ neu ist. Nach der Impfung kann es zu Nebenwirkungen wie Hautrötungen und Ausschlägen, Schmerzen an der Einstichstelle oder Schwellungen kommen.

    Die Impfkosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

    Behandlung

    Beschwerden wie Schmerzen und Fieber lassen sich durch schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie beispielsweise Paracetamol oder Acetylsalicylsäure lindern. Bei starken Schmerzen werden manchmal auch verschreibungspflichtige Schmerzmedikamente verordnet.

    Bei einer Gürtelrose wird eine sorgfältige Hautpflege empfohlen. Um den Juckreiz zu lindern und die Bläschen auszutrocknen, werden oft antiseptische oder juckreizstillende Lotionen, Gele oder Puder angewendet. Meist enthalten sie Gerbstoffe, Zink, Menthol oder Polidocanol. Wenn sich bereits Bläschen gebildet haben, wird manchmal auch zu kühlenden feuchten Umschlägen geraten. Wie gut diese Behandlungen bei einer Gürtelrose helfen, ist allerdings wissenschaftlich nicht gut untersucht.

    Bei Menschen über 50, bei einer Gürtelrose im Kopf-Hals-Bereich, bei Personen mit geschwächtem Immunsystem sowie bei schweren Verläufen oder einem erhöhten Risiko für Komplikationen können Medikamente gegen Viren eingesetzt werden. Dies bezeichnet man als „antivirale Therapie“. Eine frühzeitige Einnahme kann bei einer Gürtelrose die Heilung beschleunigen und die Dauer der Schmerzen verkürzen. Daher wird empfohlen, die antivirale Therapie innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags zu beginnen. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können die Medikamente auch als Infusion in die Vene (intravenös) gegeben werden. Wenn das Ohr beteiligt ist, wird oft zusätzlich mit Kortison behandelt. Die Vor- und Nachteile einer solchen Kombinationstherapie sind aber noch unklar.

    Leben und Alltag

    Es ist wichtig, das Aufkratzen der Bläschen möglichst zu vermeiden: Die Bläschenflüssigkeit ist ansteckend und aufgekratzte Bläschen können Narben zurücklassen. Solange eine Gürtelrose ansteckend ist – also bis die letzten Bläschen komplett ausgeheilt sind –, sollten Erkrankte den direkten körperlichen Kontakt mit anderen Menschen meiden, wenn sie nicht wissen, ob diese vor Windpocken geschützt sind. Dies gilt vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem und für Schwangere.

    Quellen

    Chen N, Li Q, Yang J, Zhou M, Zhou D, He L. Antiviral treatment for preventing postherpetic neuralgia. Cochrane Database Syst Rev 2014; (2): CD006866.

    Gagliardi AM, Andriolo BN, Torloni MR, Soares BG. Vaccines for preventing herpes zoster in older adults. Cochrane Database Syst Rev 2016; (3): CD008858.

    Han Y, Zhang J, Chen N, He L, Zhou M, Zhu C. Corticosteroids for preventing postherpetic neuralgia. Cochrane Database Syst Rev 2013; (3): CD005582.

    McDonald EM, de Kock J, Ram FS. Antivirals for management of herpes zoster including ophthalmicus: a systematic review of high-quality randomized controlled trials. Antivir Ther 2012; 17(2): 255-264.

    Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin. Aktuelle Daten und Informationen zu Infektionskrankheiten und Public Health. Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim RKI. 13.12.2018.

    Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber für Ärzte. Windpocken, Herpes zoster (Gürtelrose). 30.03.2016.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Anhaltende Schmerzen nach einer Gürtelrose

    Wenn der Hautausschlag bei einer Gürtelrose schon abgeheilt ist, die Schmerzen aber noch längere Zeit anhalten, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Sie ist bei der Gürtelrose die häufigste Komplikation. Bisher ist noch unklar, wie man ihr vorbeugen kann und wie sie sich am besten behandeln lässt.

    Eine Gürtelrose verursacht in der Regel einen Ausschlag und Schmerzen im betroffenen Hautbereich. Nimmt die Erkrankung einen normalen Verlauf, verschwinden die Schmerzen mit dem Abklingen des Ausschlags. Dies ist meist nach 2 bis 4 Wochen der Fall. Bleiben sie länger bestehen, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Sehr selten kehren die Schmerzen nach einer Gürtelrose auch wieder zurück, nachdem sie bereits verschwunden waren und der Hautausschlag abgeheilt ist.

    Das Hauptsymptom einer Post-Zoster-Neuralgie sind die Nervenschmerzen (Neuralgie). Häufig ist die Haut auch überempfindlich und juckt. Dann kann es zum Beispiel unangenehm oder schmerzhaft sein, sich zu waschen, im Bett umzudrehen oder jemanden in den Arm zu nehmen. Die Schmerzen und der Juckreiz können sehr belastend sein und den Schlaf stören.

    Wenn der Hautausschlag bei einer Gürtelrose schon abgeheilt ist, die Schmerzen aber noch längere Zeit anhalten, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Sie ist bei der Gürtelrose die häufigste Komplikation. Bisher ist noch unklar, wie man ihr vorbeugen kann und wie sie sich am besten behandeln lässt.

    Eine Gürtelrose verursacht in der Regel einen Ausschlag und Schmerzen im betroffenen Hautbereich. Nimmt die Erkrankung einen normalen Verlauf, verschwinden die Schmerzen mit dem Abklingen des Ausschlags. Dies ist meist nach 2 bis 4 Wochen der Fall. Bleiben sie länger bestehen, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Sehr selten kehren die Schmerzen nach einer Gürtelrose auch wieder zurück, nachdem sie bereits verschwunden waren und der Hautausschlag abgeheilt ist.

    Das Hauptsymptom einer Post-Zoster-Neuralgie sind die Nervenschmerzen (Neuralgie). Häufig ist die Haut auch überempfindlich und juckt. Dann kann es zum Beispiel unangenehm oder schmerzhaft sein, sich zu waschen, im Bett umzudrehen oder jemanden in den Arm zu nehmen. Die Schmerzen und der Juckreiz können sehr belastend sein und den Schlaf stören.

    Wann ist das Risiko für lang anhaltende Schmerzen erhöht?

    Das Risiko, eine Post-Zoster-Neuralgie zu entwickeln, nimmt mit dem Alter zu. So haben nach vier Wochen noch

    • 27 % der 55- bis 59-jährigen und
    • 73 % der über 70-jährigen Menschen mit Gürtelrose Nervenschmerzen.

    Bei Frauen treten länger anhaltende Nervenschmerzen anscheinend öfter auf als bei Männern. Wenn die Augen von der Gürtelrose betroffen sind, macht dies eine Post-Zoster-Neuralgie ebenfalls wahrscheinlicher.

    Kann man einer Post-Zoster-Neuralgie vorbeugen?

    Bei schwerer Gürtelrose oder erhöhtem Risiko für Komplikationen wird häufig geraten, Medikamente einzunehmen, die die Viren bekämpfen. Diese sogenannte antivirale Therapie soll vor Post-Zoster-Neuralgien schützen. Einige Studien haben untersucht, ob eine solche Behandlung lang anhaltenden Nervenschmerzen vorbeugen kann. Eine Therapie mit dem antiviralen Wirkstoff Aciclovir konnte eine Post-Zoster-Neuralgie jedoch nicht verhindern: Sowohl 4 als auch 6 Monate nach der Gürtelrose hatten noch immer gleich viele Personen Nervenschmerzen – egal, ob sie das Medikament eingenommen hatten oder ein Präparat ohne Wirkstoff (Placebo). Ob antivirale Therapien mit den Wirkstoffen Brivudin, Famciclovir oder Valaciclovir einer Post-Zoster-Neuralgie vorbeugen können, ist noch nicht ausreichend untersucht.

    Selten wird auch eine Behandlung mit Kortison empfohlen, um einer Post-Zoster-Neuralgie vorzubeugen. Kortison kann als Tablette eingenommen oder in einen Muskel gespritzt werden. Die bisherigen Studien zeigten aber keine Vorteile gegenüber einer Behandlung mit einem Placebo.

    Wie wird eine Post-Zoster-Neuralgie behandelt?

    Anhaltende Nervenschmerzen können auf verschiedene Weise behandelt werden: mit Schmerzmitteln, angst- und krampflösenden Medikamenten, Akupunktur oder TENS. Viele Behandlungen helfen aber nur kurzfristig oder sind bislang nicht ausreichend untersucht, um ihren Nutzen beurteilen zu können.

    Meist werden schmerzlindernde Medikamente (Analgetika) eingesetzt. Welcher Wirkstoff und welche Dosierung geeignet sind, hängt von der Stärke der Schmerzen ab und davon, wie man die Medikamente verträgt. Deshalb ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt die Schmerzen möglichst genau zu beschreiben und während der Behandlung mitzuteilen, wie die Mittel wirken und ob Nebenwirkungen auftreten.

    Es gibt zwei Hauptklassen von Schmerzmitteln:

    • Nicht opioide Wirkstoffe wirken auf die äußeren (peripheren) Nerven der Haut, der Muskeln und Organe. Sie werden bei leichten bis mittleren Schmerzen eingesetzt. Viele sind auch ohne Rezept erhältlich, zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol.
    • Opioide Wirkstoffe wirken vor allem im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), wo die ankommenden Schmerzsignale verarbeitet werden. Sie werden nur bei mittelstarken bis starken Schmerzen eingesetzt und sind verschreibungspflichtig. Zu den Opioiden gehören zum Beispiel Oxycodon oder Tramadol.

    Bei Nervenschmerzen können nicht opioide und opioide Mittel auch kombiniert werden.

    Manchmal werden zusätzlich Antidepressiva oder krampflösende Mittel eingesetzt. Auch Lidocain- oder Capsaicin-Pflaster werden bisweilen empfohlen. Studien deuten darauf hin, dass Capsaicin-Pflaster mit 8 % Capsaicin die Nervenschmerzen verringern können. Ob auch die anderen Anwendungen die Schmerzen spürbar lindern, wurde bisher nicht in ausreichend aussagekräftigen Studien untersucht.

    Wenn eine längerfristige Schmerzbehandlung nötig ist, kann es sinnvoll sein, sich an einen speziell ausgebildeten Schmerztherapeuten, ein Schmerzzentrum oder eine Schmerzklinik zu wenden.

    Quellen

    Chen N, Li Q, Yang J, Zhou M, Zhou D, He L. Antiviral treatment for preventing postherpetic neuralgia. Cochrane Database Syst Rev 2014; (2): CD006866.

    Derry S, Rice AS, Cole P, Tan T, Moore RA. Topical capsaicin (high concentration) for chronic neuropathic pain in adults. Cochrane Database Syst Rev 2017; (1): CD007393.

    Derry S, Wiffen PJ, Moore RA, Quinlan J. Topical lidocaine for neuropathic pain in adults. Cochrane Database Syst Rev 2014; (7): CD010958.

    Han Y, Zhang J, Chen N, He L, Zhou M, Zhu C. Corticosteroids for preventing postherpetic neuralgia. Cochrane Database Syst Rev 2013; (3): CD005582.

    Moore RA, Chi CC, Wiffen PJ, Derry S, Rice AS. Oral nonsteroidal anti-inflammatory drugs for neuropathic pain. Cochrane Database Syst Rev 2015; (10): CD010902.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.