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Posttraumatische Belastungsstörung

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    Täglich berichten Medien über Ereignisse wie schwere Unfälle, Naturkatastrophen oder sexuelle Übergriffe. Wer sie erlebt, kann sie nicht mehr vergessen. Als Folge kann sich eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten der Hilfe und Behandlung.

    Einleitung

    Schreckliche Erlebnisse wie Katastrophen, Gewalterfahrungen, sexueller Missbrauch oder schwere Unfälle können das Leben danach stark belasten und Menschen regelrecht aus der Bahn werfen. Man bezeichnet eine solche Erfahrung als Trauma, was in der Psychologie „seelische Verletzung“ bedeutet. Traumatische Erfahrungen sind manchmal nur schwer zu verarbeiten, und einige Menschen entwickeln daraufhin eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Sowohl Opfer als auch Zeugen eines dramatischen Ereignisses können eine PTBS entwickeln.

    Typisch für diese Störung ist, dass einen das Erlebte nicht loslässt und die belastenden Erinnerungen immer wiederkommen. Unterstützung durch andere Menschen ist in einer solchen Lebenssituation besonders wichtig. Eine Psychotherapie kann helfen, die Erfahrungen mit der Zeit zu bewältigen.

    Symptome

    Eine posttraumatische Belastungsstörung ist gekennzeichnet durch

    • belastende Gedanken: Das Trauma wird immer wieder durchlebt. Oft kommen plötzlich sehr deutliche Erinnerungen hoch, die sich nicht verdrängen lassen, sogenannte Flashbacks. Die sich aufdrängenden Bilder und Gefühle werden so empfunden, als würde das Ereignis in dem Moment noch einmal passieren. Viele Menschen haben wiederkehrende Albträume. Flashbacks und Träume können Angst und Hilflosigkeit, Bedrohungsgefühle, Schuld und Scham wiederaufleben lassen, aber auch körperliche Beschwerden wie Schmerzen hervorrufen.
    • Übererregbarkeit: Menschen mit einer PTBS sind besonders wachsam und oft in einer Art ständiger Alarmbereitschaft: Sie schlafen schlecht, können sich nicht gut konzentrieren, sind reizbar und impulsiv. Außerdem reagieren sie sehr stark auf Reize, die sie an das Geschehene erinnern, wie bestimmte Gerüche, Geräusche oder Bilder. Dabei kann es zu Herzklopfen, Engegefühl in der Brust, Atembeschwerden und Zittern kommen.
    • Vermeidungsverhalten: Die Betroffenen vermeiden Situationen, Orte oder Menschen, die mit dem Erlebten in Verbindung stehen und Erinnerungen und Flashbacks wachrufen könnten. Das betrifft auch bestimmte Aktivitäten, Gedanken oder Gespräche. Manche Menschen mit PTBS ziehen sich zurück oder verlieren das Interesse an Dingen, die ihnen früher wichtig waren. Einige fühlen sich fremd im eigenen Leben. Manche verdrängen ihre Erfahrungen so stark, dass sie sich an wichtige Teile des traumatischen Geschehens nicht mehr erinnern. Eine PTBS kann auch dazu führen, dass man sich emotionslos und innerlich wie taub fühlt. Oft ist es nicht möglich, das Erlebte einzuordnen und zu verarbeiten.
    • negative Gedanken und Stimmungen: Bei vielen Menschen ist das Vertrauen in sich und andere erschüttert. Ihr Selbstwertgefühl nimmt oft stark ab, sie empfinden sich als schwach und ohnmächtig. Häufig quälen sie sich mit Fragen wie: Warum ist es mir passiert? Wie hätte ich es verhindern können? Bin ich (mit) schuldig? Sie können auch sehr reizbar oder ständig verärgert sein. Sie können auf die Person wütend sein, die das Trauma verursacht hat, aber auch auf Menschen, von denen sie sich danach nicht genügend unterstützt gefühlt haben, zum Beispiel Polizisten oder Krankenhauspersonal.

    Bei Kindern äußert sich ein posttraumatisches Belastungssyndrom oft anders als bei Erwachsenen. Häufig spielen sie das Erlebte in symbolischer Form immer wieder durch, zum Beispiel mit anderen szenischen Bildern und Beteiligten. Viele werden verhaltensauffällig, zum Beispiel sehr ängstlich oder aggressiv.

    Aufgrund eines Traumas kann es zu weiteren psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder einer Suchterkrankung kommen. Auch eine „dissoziative Störung“ ist möglich, bei der zum Beispiel unerträgliche Erinnerungen aus dem Gedächtnis gelöscht werden oder sich Teile der Persönlichkeit verändern („abspalten“). Zudem entwickeln einige Menschen chronische Schmerzen, eine Essstörung oder Psychose.

    Bei einer milden PTBS kommt es zu leichteren Beschwerden, oder sie treten nur vorübergehend in bestimmten Situationen auf, die an das Trauma erinnern. Dann kann der Alltag beinahe normal gestaltet werden. Dagegen können schwere Formen zu starken psychischen Beschwerden führen und so beeinträchtigen, dass ein Leben ohne Hilfe kaum mehr möglich ist. Manche Menschen entwickeln eine sogenannte „komplexe PTBS“. Bei dieser Form halten eine Reihe der genannten Beschwerden über mehrere Jahre an und sind sehr stark ausgeprägt. Eine komplexe PTBS entwickelt sich oft nach schweren oder wiederholten Traumatisierungen.

    Die Ausprägung der Symptome hängt aber nicht nur von der Schwere des Ereignisses ab, sondern auch davon, wie jemand mit Belastungen umgehen kann.

    Ursachen

    Einer posttraumatischen Belastungsstörung geht immer ein Erlebnis voraus, das als lebensbedrohlich für sich und / oder andere empfunden wurde oder zu einer schweren körperlichen oder seelischen Verletzung geführt hat. Ursachen sind beispielsweise Gewaltverbrechen, Krieg, sexueller Missbrauch, Verkehrsunfälle, Naturkatastrophen und medizinische Notfälle wie etwa ein Herzinfarkt oder eine lebensgefährliche Blutung. Auch die Nachricht, dass ein enger Freund oder Verwandter gestorben oder schwer erkrankt ist, kann als traumatisch empfunden werden.

    Belastungen wie zum Beispiel eine Scheidung, Arbeitsplatzverlust oder Mobbing führen nicht zu einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie können aber einzelne typische PTBS-Symptome auslösen und manchmal auch Depressionen oder Angststörungen.

    Risikofaktoren

    Ob und in welchem Ausmaß sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt, hängt davon ab,

    • was genau passiert ist – ob das Trauma durch Gewalterfahrungen oder durch ein schicksalhaftes Ereignis wie einen Unfall oder eine Naturkatastrophe verursacht wurde,
    • wie intensiv und anhaltend das Erlebnis war,
    • ob es wiederholt zu traumatischen Erlebnissen gekommen ist,
    • wie anfällig jemand für psychische Beschwerden ist und
    • welche schützenden Faktoren bestehen.

    Eine wichtige Rolle spielt, wie intensiv die Gefühle von Angst, Hilflosigkeit und Kontrollverlust in der traumatischen Situation waren, ob sie als lebensbedrohlich erlebt wurden und ob jemand Gewalt durch andere erfahren hat. Wie eine Situation wahrgenommen und bewertet wird, wirkt sich also stark darauf aus, ob eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht.

    Menschen mit psychischen Problemen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen sind anfälliger für eine posttraumatische Belastungsstörung. Es gibt aber auch Menschen, die allgemein besser mit schrecklichen Ereignissen zurechtkommen als andere. Sie entwickeln seltener eine Belastungsstörung. Zudem können emotionale Zuwendung und soziale Unterstützung den Umgang mit dem Erlebten erleichtern – umgekehrt erhöht sich das Risiko für eine posttraumatische Belastungsstörung, wenn solche Hilfen fehlen.

    Wie häufig eine PTBS auftritt, hängt sehr vom Auslöser ab. Eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln ungefähr

    • 50 % der Kriegs-, Vergewaltigungs- und Folteropfer,
    • 25 % der Opfer von Gewaltverbrechen,
    • 20 % der Soldaten nach Kampfeinsätzen und
    • 10 % der Menschen, die einen schweren Verkehrsunfall oder eine lebensbedrohliche Erkrankung hinter sich haben.

    Häufigkeit

    In Deutschland haben etwa 2 % der Bevölkerung im Laufe des Lebens mindestens einmal eine posttraumatische Belastungsstörung.

    Wie oft es dazu kommt, hängt sehr von den Lebensumständen ab: Bestimmte Berufsgruppen sind eher mit dramatischen Ereignissen konfrontiert. Dazu zählen Polizistinnen und Polizisten, Feuerwehrleute, Lokführende oder Rettungskräfte. Zudem sind Menschen in Kriegsgebieten deutlich häufiger betroffen.

    Dennoch ist eine posttraumatische Belastungsstörung nach belastenden Ereignissen nicht die Regel. Viele Menschen sind nach einem Trauma vielleicht immer wieder sehr traurig oder niedergeschlagen, wenn sie an das Erlebnis denken. Ihr Alltagsleben und Empfinden ist aber nicht nachhaltig beeinträchtigt. Zudem verblassen diese Gefühle oft mit der Zeit.

    Verlauf

    Eine posttraumatische Belastungsstörung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Schon während oder kurz nach dem Trauma können erste Beschwerden auftreten. Es kann aber auch einige Zeit dauern, bis sie sich zeigen. Die Symptome können nach einigen Wochen zurückgehen, aber auch viele Jahre anhalten und chronisch werden. Es gibt Phasen mit schwächeren und Phasen mit stärkeren Beschwerden.

    Möglich ist zudem, dass die Erinnerungen an das Trauma erst lange Zeit nach dem Ereignis belastend werden und jemand erst nach Jahren eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt. Dass Beschwerden erst mit Verzögerung auftreten, ist häufiger bei Soldaten zu beobachten. Ein weiteres Beispiel sind Kriegserinnerungen aus der Kindheit und Jugend, die für manche Menschen erst im hohen Alter belastend werden.

    Vielen Menschen gelingt es, das Erlebte zu überwinden und mit den Erinnerungen zurechtzukommen. Schon innerhalb eines Jahres geht es einem Teil der Betroffenen deutlich besser – oft auch ohne Behandlung. Bei etwa 30 % bleiben die Beschwerden drei Jahre oder länger bestehen und sie entwickeln nicht selten weitere Probleme wie eine Suchterkrankung.

    Starke Beschwerden können dazu führen, dass man im Alltag nicht mehr zurechtkommt. Manche Menschen verlieren ihren Job, weil sie aufgrund von Schlaf- und Konzentrationsproblemen den beruflichen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Oder sie werden bei der Arbeit immer wieder an das Ereignis erinnert – was es erschweren kann, den Beruf weiter auszuüben. Vor allem nach Missbrauchserfahrungen können sich auch sexuelle Probleme entwickeln.

    Diagnose

    Die Diagnose PTBS wird erst dann gestellt, wenn die Beschwerden über mehr als vier Wochen anhalten. Dies liegt daran, dass die meisten Menschen nach einem schweren Ereignis zunächst stark belastet sind und es immer eine Weile dauert, solche Erfahrungen zu verarbeiten. Beschwerden, die unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis auftreten, werden zunächst als „akute Belastungsreaktion“ bezeichnet.

    Eine posttraumatische Belastungsstörung kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Psychotherapeuten festgestellt werden. Im Rahmen dieser Gespräche geht es vor allem darum herauszufinden, wie stark die Beschwerden sind und wie sehr sie die aktuelle Lebenssituation beeinflussen. Dabei werden die Lebensumstände wie die Familien-, Berufs- und Wohnsituation erfasst. Manchmal wird zusätzlich ein Selbstbeurteilungs-Fragebogen ausgefüllt. Bei Kindern kann Malen oder Spielen eine Möglichkeit sein, Zugang zu ihren Erlebnissen zu finden.

    Eine posttraumatische Belastungsstörung kann leicht übersehen werden, da etwa nach schweren Unfällen die körperlichen Verletzungen im Vordergrund stehen. Zudem bringen manche Menschen ihre psychischen Beschwerden nicht mit belastenden Ereignissen aus der Vergangenheit in Verbindung. Ein anderer Grund ist, dass es zunächst sehr schwerfallen kann, über bestimmte Ereignisse und Probleme zu reden. Gegenseitiges Vertrauen zu entwickeln, ist deshalb schon für die Diagnosestellung sehr wichtig.

    Die Diagnosegespräche werden sehr behutsam geführt. Das Erlebte selbst wird nur angeschnitten – ausführlicher darüber zu berichten, ist nicht nötig.

    Traumatische Erlebnisse können auch andere psychische Erkrankungen auslösen wie Depressionen oder Angststörungen. Auch sie müssen bei der Diagnose deshalb in Betracht gezogen werden.

    Vorbeugung

    Unmittelbar nach einem belastenden Ereignis sind emotionale Zuwendung und praktische Unterstützung wichtig, um mit dem Erlebten zurechtzukommen. Betroffene brauchen eine sichere Umgebung, in der sie vor weiteren Belastungen geschützt sind und Unterstützung finden. In welcher Form die Hilfe am besten geleistet wird, hängt vom Ereignis ab und davon, ob zum Beispiel eher Trost, Sicherheit oder organisatorische Hilfe benötigt wird. Medikamente sind zur Vorbeugung in der Regel nicht geeignet.

    Behandlung

    Zunächst ist es wichtig, die Bedürfnisse und Behandlungsziele eines Betroffenen zu klären. Welche Beschwerden stehen im Vordergrund? Was sind realistische Behandlungsziele, die mit den vorhandenen Therapien erreichbar sind? Welche zusätzliche Unterstützung ist nötig? Ist eine Behandlung überhaupt notwendig? Dazu kann man sich bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten beraten lassen.

    Manche Menschen benötigen eine Psychotherapie, um wieder ins Leben zurückzufinden. Bei anderen reicht die Unterstützung durch Familie, Freunde oder psychologische Beratungsangebote aus. Medikamente sind nur in bestimmten Situationen sinnvoll. Zudem gibt es vor allem in Kliniken weitere Angebote wie Körper-, Kunst- oder Musiktherapie, die oft ergänzend zu den anderen Behandlungen angeboten werden.

    Zentraler Teil einer Psychotherapie bei PTBS ist die sogenannte Traumatherapie. Dabei geht es darum, sich gezielt mit dem Erlebten auseinanderzusetzen. Es stehen verschiedene psychotherapeutische Verfahren zur Verfügung:

    • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Bei der KVT liegt der Schwerpunkt darauf, Gedanken oder Gefühle neu zu bewerten, die mit dem Trauma verbunden sind. Sie wird bei der posttraumatischen Belastungsstörung am häufigsten eingesetzt.
    • Psychodynamische Therapie: Sie hat sich aus der Psychoanalyse entwickelt und thematisiert stärker als die anderen Behandlungen aktuelle wie frühere Beziehungen und Erfahrungen.

    Im Rahmen einer Psychotherapie kann auch die sogenannte EMDR-Behandlung eingesetzt werden. EMDR (englisch: Eye Movement Desensitization and Reprocessing) bedeutet übersetzt etwa „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung“. Dabei werden während der therapeutischen Gespräche bestimmte Reize eingesetzt, um die Verarbeitung des Traumas zu erleichtern. Zum Beispiel bewegt die Therapeutin oder der Therapeut einen Finger gleichmäßig hin und her, dem die Patientin oder der Patient mit den Augen folgt.

    Bestehen neben der PTBS noch weitere psychische Erkrankungen, muss je nach Situation entschieden werden, welche Störung vorrangig behandelt wird.

    Leben und Alltag

    Ein traumatisches Ereignis kann das Leben stark beeinträchtigen. Auf der anderen Seite schafft es ein Teil der Betroffenen mit der Zeit, recht gut mit dem Erlebten zurechtzukommen. Bis dahin kann aber viel Unterstützung und Zuwendung nötig sein.

    Die Beschwerden können sich auch auf soziale Beziehungen auswirken, da nach einem traumatischen Erlebnis oft das Vertrauen in andere Menschen verloren geht. Dann fällt es schwer, neue Freunde zu finden oder Beziehungen aufrecht zu erhalten. Auch das Sexualleben kann stark beeinträchtigt sein. Manche Menschen mit einer PTBS ziehen sich extrem zurück. Umso wichtiger ist es, dass Freunde und Familie ihnen die Treue halten, auch wenn die Beziehung schwieriger sein kann als vorher.

    Einige Menschen müssen zum Beispiel nach einem Unfall oder Gewaltverbrechen jahrelange Rechtsstreitigkeiten führen. Dies kann zusätzlich sehr belasten. Eine gute juristische Unterstützung ist dann wichtig, um die Situation zu erleichtern.

    Um im Beruf und im sozialen Leben wieder Fuß zu fassen und im Alltag zurechtzukommen, stehen gezielte Hilfen zur Verfügung – zum Beispiel die berufliche Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell oder Angebote zur psychosozialen Rehabilitation.

    Weitere Informationen

    Die Telefonseelsorge bietet Unterstützung bei akuten Problemen und vermittelt auch weitere Hilfen. Darüber hinaus stehen verschiedene Beratungsangebote zur Verfügung.

    Die Bundespsychotherapeutenkammer bietet auf Ihrer Internetseite eine Therapeutensuche an. Auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Psychotraumatologie kann man speziell nach Traumatherapeutinnen und -therapeuten suchen.

    Weitere Anlaufstellen sind:

    • Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ steht kostenfrei und rund um die Uhr mit speziell ausgebildeten Beraterinnen in 17 Sprachen zur Verfügung.
    • Hilfeportal Sexueller Missbrauch
    • Arbeitskreis der Opferhilfen

    Quellen

    Bisson JI, Cosgrove S, Lewis C, Robert NP. Post-traumatic stress disorder. BMJ 2015; 351: h6161.

    Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). S3 - Leitlinie: Posttraumatische Belastungsstörung. AWMF-Registernr.: 051-010. 31.01.2011.

    Frommberger U, Nyberg E, Angenendt J, Lieb K, Berger M. Posttraumatische Belastungsstörungen. In: Berger M (Ed). Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Post-traumatic stress disorder: The management of PTSD in adults and children in primary and secondary care. 03.2005. (NICE Clinical Guidelines; Band 26).

    Shalev A, Liberzon I, Marmar C. Post-Traumatic Stress Disorder. N Engl J Med 2017; 376(25): 2459-2469.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Kann frühe psychische Hilfe einer posttraumatischen Belastungsstörung vorbeugen?

    Bei Menschen, die durch ein Trauma sehr stark belastet sind, kann eine frühzeitige therapeutische Hilfe einer posttraumatischen Belastungsstörung vorbeugen. Ein Debriefing, bei dem Betroffene, Helfende oder Zeugen kurz nach dem Ereignis unter Anleitung über das Erlebte sprechen, kann dagegen nicht schützen.

    Traumatisierte Menschen brauchen schon unmittelbar nach dem auslösenden Ereignis Zuwendung und Unterstützung. Wie diese genau aussieht, hängt von den Bedürfnissen der Betroffenen und der Situation ab. Vielen reicht eine empathische Unterstützung durch Freunde, Familie und Arbeitskollegen aus, um mit dem Erlebten umzugehen. Manche brauchen jedoch professionelle psychologische Hilfe.

    Die Diagnose „posttraumatische Belastungsstörung“ wird frühestens gestellt, wenn typische Beschwerden länger als vier Wochen andauern. Eine Psychotherapie wird meist auch erst danach begonnen. Manche Menschen sind auch erst nach einer gewissen Zeit bereit für eine Psychotherapie.

    Einigen Menschen werden schon kurz nach einem Trauma professionelle psychische Hilfen angeboten – etwa durch die Berufsgenossenschaft, Bahnbetriebe oder Polizeipsychologen. Sie haben vor allem das Ziel, einer posttraumatischen Belastungsstörung vorzubeugen. In Studien wurden das sogenannte Debriefing und therapeutische Angebote aus der kognitiven Verhaltenstherapie untersucht.

    Debriefing

    „Debriefing“ bedeutet übersetzt „Nachbesprechung“. In der Psychologie bedeutet Debriefing, schon früh nach einem Trauma über das Erlebte zu sprechen. Die Gespräche werden von einer psychologischen oder seelsorgerischen Fachkraft moderiert und folgen meist einem vorgegebenen Ablauf. Dabei wird gefragt, wie die Betroffenen das Ereignis wahrgenommen haben, was sie darüber denken und wie sie sich fühlen. Zudem werden Möglichkeiten besprochen, mit dem Erlebten umzugehen.

    Das Debriefing wurde zunächst speziell für Berufsgruppen wie Polizisten und Rettungskräfte entwickelt, die regelmäßig mit dramatischen Ereignissen zu tun haben. Die Helferinnen und Helfer sollen sich in den ersten Tagen nach dem Erlebten in der Gruppe über das Erlebte austauschen und gezielt psychologische Unterstützung bekommen. Das Debriefing wird aber auch bei unmittelbar Betroffenen oder Augenzeugen eingesetzt, zum Beispiel bei Verbrechens- oder Unfallopfern. Die Wirksamkeit des Debriefings wird mittlerweile jedoch angezweifelt.

    Was sagen Studien zum Nutzen des Debriefings?

    In Studien konnte das Debriefing das Risiko für eine posttraumatische Belastungsstörung nicht verringern. Es wurde sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen untersucht. Trotz Debriefing entwickelten sie in den meisten Studien anschließend genauso häufig ein posttraumatisches Belastungssyndrom wie Menschen, die kein Debriefing hatten – in einer Studie sogar etwas häufiger. Die Beteiligten, zum Beispiel Rettungskräfte, empfinden die gemeinsamen Nachbesprechungen zunächst jedoch oft als hilfreich.

    Es gibt Hinweise, dass sich ein Debriefing bei manchen traumatisierten Menschen sogar negativ auswirken könnte. So kann der Zeitpunkt des Debriefings für manche Menschen unangemessen sein, weil sie noch nicht bereit sind, über das Erlebte zu sprechen. Es wird auch befürchtet, dass solche Gespräche manchmal erst belastende Beschwerden auslösen und Selbstheilungskräfte hemmen könnten.

    Unterstützung und menschliche Anteilnahme sind nach einem schlimmen Erlebnis wichtig – die bisherigen Studien sprechen aber dagegen, allen Betroffenen, Helfern oder Zeugen nach einem Ereignis ein Gruppen-Debriefing anzubieten. Stattdessen sollte geprüft werden, wer welche Art von Hilfe benötigt. Viele Menschen brauchen zunächst Zeit, ihre Gefühle und Gedanken zu sortieren und signalisieren von selbst, wann und wie ausführlich sie über das Erlebte sprechen möchten.

    Kurze kognitive Verhaltenstherapien

    Therapeutische Gespräche über das Erlebte und seine Konsequenzen können in bestimmten Situationen schon innerhalb der ersten Wochen nach dem traumatischen Ereignis sinnvoll sein. Solche frühzeitigen Gespräche können sich bei schweren Traumata anbieten, bei denen der Unterstützungsbedarf groß ist – und zu befürchten ist, dass die Beschwerden ohne psychotherapeutische Behandlung nicht wieder zurückgehen. Sie können auch für Menschen sinnvoll sein, die wiederholt Traumata erleben oder schon früh starke Beschwerden zeigen und bei denen eine akute Belastungsreaktion (umgangssprachlich: „Nervenzusammenbruch“) festgestellt wird. Solche Menschen sind durch das Erlebte beispielsweise sehr verwirrt, verzweifelt, stark verängstigt, manchmal aggressiv, haben körperliche Beschwerden und werden zum Teil von Albträumen geplagt.

    In einigen Studien wurden ihnen sogenannte Kurzinterventionen angeboten, die sich an der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) orientieren. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie geht es vor allem darum, belastende Erlebnisse und Gefühle anders zu deuten und zu bewerten. Die Gespräche umfassten meist etwa 10 bis 15 Therapiestunden.

    Was sagen Studien zum Nutzen von kurzen kognitiven Verhaltenstherapien?

    Einigen Betroffenen kann eine frühzeitige therapeutische Hilfe helfen. In Studien betraf dies vor allem Menschen, die starke Symptome einer akuten Belastungsreaktion zeigten. Die Behandlung konnte bei ihnen einer posttraumatischen Belastungsstörung vorbeugen. Dazu fanden in den ersten Wochen nach dem Ereignis mehrere Treffen mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten statt, bei denen über das Erlebte gesprochen und Bewältigungsstrategien vermittelt wurden.

    In Studien wurden auch verschiedene Unterstützungsprogramme untersucht, die sich an die kognitive Verhaltenstherapie anlehnen und frühzeitig an traumatisierte Kinder wenden. Beispielsweise an Kinder, die häusliche Gewalt erfahren hatten, sexuell missbraucht worden waren oder Kriegserfahrungen hatten. Studien weisen darauf hin, dass sich solche Programme positiv auf das Familienleben auswirken, Verhaltensproblemen und auch posttraumatischen Belastungsstörungen vorbeugen können.

    Quellen

    Flynn AB, Fothergill KE, Wilcox HC, Coleclough E, Horwitz R, Ruble A et al. Primary Care Interventions to Prevent or Treat Traumatic Stress in Childhood: A Systematic Review. Acad Pediatr 2015; 15(5): 480-492.

    Frommberger U, Nyberg E, Angenendt J, Lieb K, Berger M. Posttraumatische Belastungsstörungen. In: Berger M (Ed). Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    Gartlehner G, Forneris CA, Brownley KA, Gaynes BN, Sonis J, Coker-Schwimmer E et al. Interventions for the Prevention of Posttraumatic Stress Disorder (PTSD) in Adults After Exposure to Psychological Trauma. 04.2013. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 109).

    Gillies D, Maiocchi L, Bhandari AP, Taylor F, Gray C, O'Brien L. Psychological therapies for children and adolescents exposed to trauma. Cochrane Database Syst Rev 2016; (10): CD012371.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Psychotherapie und ergänzende Behandlungen bei einer posttraumatischen Belastungsstörung

    Häufig reicht die Unterstützung durch Familie und Freunde, um mit einem Trauma zurechtzukommen. Wenn sich jedoch eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt, kann eine Psychotherapie dabei helfen, die Folgen zu lindern.

    Jeder Mensch macht belastende Erfahrungen, die ihn für längere Zeit nicht loslassen. Aber nicht jeder braucht dann eine Therapie. Viele verarbeiten das Erlebte auch ohne eine Behandlung. Manchmal sind die Erfahrungen jedoch so dramatisch und wiegen so schwer, dass sich eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt. Dann kann professionelle Hilfe notwendig werden.

    Die Behandlung einer PTBS wird von ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeutinnen oder -therapeuten angeboten, zum Teil mit Weiterbildung in Traumatherapie. Bei jüngeren Menschen übernehmen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten die Therapie. Meistens kann ambulant behandelt werden. Ein Klinikaufenthalt ist unter anderem dann sinnvoll, wenn die Beschwerden für eine ambulante Behandlung zu stark sind oder ein besonderer Schutzraum benötigt wird.

    Manche Menschen haben Probleme, ausreichende Unterstützung zu bekommen. Dafür kann es verschiedene Gründe geben: Einige warten sehr lange auf einen Therapieplatz, andere lehnen Hilfe ab, weil das Erlebte ihr Vertrauen in andere Menschen erschüttert hat oder weil sie sich schämen, davon zu berichten. Manchmal werden die Beschwerden auch nicht richtig erkannt.

    Häufig reicht die Unterstützung durch Familie und Freunde, um mit einem Trauma zurechtzukommen. Wenn sich jedoch eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt, kann eine Psychotherapie dabei helfen, die Folgen zu lindern.

    Jeder Mensch macht belastende Erfahrungen, die ihn für längere Zeit nicht loslassen. Aber nicht jeder braucht dann eine Therapie. Viele verarbeiten das Erlebte auch ohne eine Behandlung. Manchmal sind die Erfahrungen jedoch so dramatisch und wiegen so schwer, dass sich eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt. Dann kann professionelle Hilfe notwendig werden.

    Die Behandlung einer PTBS wird von ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeutinnen oder -therapeuten angeboten, zum Teil mit Weiterbildung in Traumatherapie. Bei jüngeren Menschen übernehmen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten die Therapie. Meistens kann ambulant behandelt werden. Ein Klinikaufenthalt ist unter anderem dann sinnvoll, wenn die Beschwerden für eine ambulante Behandlung zu stark sind oder ein besonderer Schutzraum benötigt wird.

    Manche Menschen haben Probleme, ausreichende Unterstützung zu bekommen. Dafür kann es verschiedene Gründe geben: Einige warten sehr lange auf einen Therapieplatz, andere lehnen Hilfe ab, weil das Erlebte ihr Vertrauen in andere Menschen erschüttert hat oder weil sie sich schämen, davon zu berichten. Manchmal werden die Beschwerden auch nicht richtig erkannt.

    Hilfe und Unterstützung

    Unmittelbar nach einem traumatischen Erlebnis sind vor allem menschliche Zuwendung und Trost wichtig – sei es durch Familie, Freunde, Arbeitskollegen, andere Betroffene oder professionelle Helfer. Es geht zunächst einfach darum, Sicherheit und Orientierung zu geben. Zum Beispiel nach Unfällen oder Katastrophen wünschen viele Menschen genaue Informationen über das Geschehen und die Konsequenzen. Sie möchten wissen, wie sie weiter unterstützt werden können. Andere wollen mit ihren Gefühlen und Gedanken erst einmal allein sein. Je nach Situation können ganz unterschiedliche Arten der Hilfe benötigt werden.

    Meist zeigt sich innerhalb der ersten Monate, ob die Beschwerden anhaltend so beeinträchtigen, dass eine Psychotherapie nötig wird. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann beraten, welche Form der Unterstützung sinnvoll sein könnte. Eine erste Beratung ist aber auch in einer psychotherapeutischen Praxis, einer Klinik, Traumaambulanz oder psychosozialen Beratungsstelle möglich. Betriebsärztinnen und -ärzte sind ebenfalls mögliche Ansprechpartner.

    Manche Menschen merken erst viele Monate oder Jahre nach einem traumatischen Ereignis, dass es sie zunehmend belastet. Auch dann können zunächst Gespräche mit Freunden, Angehörigen oder anderen Betroffenen helfen. Sie können es leichter machen, die belastenden Erinnerungen und Gedanken zu sortieren – und vielleicht auch erstmals auszusprechen, was einem schon länger auf der Seele liegt. Reicht dies nicht aus, kann man sich ärztlich oder psychotherapeutisch beraten lassen und klären, ob eine Psychotherapie sinnvoll ist und welche Hilfen darüber hinaus noch infrage kommen.

    Psychotherapie

    Bei einer Psychotherapie geht es zunächst darum, eine vertrauensvolle Beziehung zur Psychotherapeutin oder zum Psychotherapeuten herzustellen. Sie ist eine entscheidende Voraussetzung, um ein Trauma behandeln zu können.

    Ein wichtiger Bestandteil der Psychotherapie ist die Traumatherapie. Dabei werden belastende Erinnerungen von der Therapeutin oder dem Therapeuten begleitet. Diese „geschützte“ Konfrontation mit dem Erlebten soll dazu beitragen, dass die Erinnerungen ihren Schrecken verlieren. Zudem werden Hilfestellungen gegeben, um das Erlebte zu verarbeiten.

    Bei einer schweren Traumatisierung ist eine Konfrontation manchmal erst nach einiger Vorbereitung sinnvoll, denn eine zu frühe Konfrontation kann die psychischen Probleme auch verstärken.

    Im Rahmen der Behandlung können Traumafolgen angesprochen werden, die den Umgang mit den Belastungen erschweren, wie zwischenmenschliche Konflikte oder Probleme am Arbeitsplatz. Manchmal steht auch gar nicht das Trauma selbst, sondern eine weitere Erkrankung wie eine Depression, Sucht oder Angststörung im Vordergrund der Behandlung.

    Wann der beste Zeitpunkt ist, mit einer Psychotherapie zu beginnen, lässt sich nicht allgemein sagen. Meist ist es sinnvoll, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen. Eine Traumatherapie kann aber auch dann noch helfen, wenn sie erst Monate oder Jahre nach dem Trauma beginnt.

    Eine Psychotherapie ist einzeln oder in einer Gruppe möglich. In die Behandlung können auch Angehörige oder enge Freunde eingebunden werden. Wie lange eine Psychotherapie dauert, ist sehr unterschiedlich. Manchen Menschen reicht eine Behandlung über wenige Monate aus – andere benötigen Jahre. In manchen Situationen können Therapiegespräche unmittelbar nach einem Trauma sinnvoll sein. Dann können schon wenige Sitzungen helfen, eine posttraumatische Belastungsstörung zu vermeiden.

    Was passiert bei einer Konfrontation?

    Eine Traumatherapie soll einen geschützten Rahmen bieten, um sich mit dem Trauma auseinandersetzen zu können. Ziel ist es, das Erlebte zu verstehen, zu verarbeiten und einen besseren Umgang damit zu finden. Die Therapie ermöglicht die Erfahrung, dass es weniger bedrohlich ist als befürchtet, sich an das Geschehen zu erinnern.

    Ein Teil der Traumatherapie ist die Konfrontation. Dabei geht es darum, über die Erinnerung schrittweise und behutsam an das belastende Ereignis herangeführt zu werden. Die wiederholte Konfrontation soll helfen, das Trauma als Teil der persönlichen Geschichte anzunehmen. Man soll sich an das Erlebte erinnern können, ohne von negativen Gefühlen wie Angst überwältigt zu werden.

    Die Konfrontation besteht zunächst aus Gesprächen und Erinnerungen. Dabei werden belastende Situationen und der Umgang damit in Gedanken durchgespielt. Abhängig vom Erlebnis kann sich eine direkte Konfrontation in Begleitung der Therapeutin oder des Therapeuten anschließen. Je nach Situation nähert man sich dem Erlebten mal direkt, mal sehr langsam an.

    Beispiele für eine direkte Konfrontation sind:

    • wieder Auto fahren nach einem schweren Verkehrsunfall
    • durch den Park gehen, in dem man überfallen wurde

    Die belastenden Erlebnisse werden im Rahmen der Therapie detailliert geschildert oder aufgeschrieben. Die Therapeutin oder der Therapeut hilft, für eine bestimmte Zeit in der Erinnerung zu bleiben. Durch die Erfahrung, dass Angst und Aufregung meist nach einer Weile abklingen, können diese starken Gefühle von der Erinnerung entkoppelt werden. Diese Erfahrung wird regelmäßig wiederholt und ist der Kern der meisten erfolgreichen Traumatherapien.

    Wenn die Erinnerung aus verschiedenen Bruchstücken besteht, sollen sie zu einer nachvollziehbaren Erzählung verbunden werden. Das Erlebte soll dadurch besser verstanden und als Teil der eigenen Lebensgeschichte angenommen werden.

    Nicht zuletzt vermittelt die Therapie, dass andere Menschen vergleichbare Probleme haben. Es kann helfen zu erfahren, dass es nicht an einer Charakterschwäche liegt, wenn man mit der Belastung nicht allein zurechtkommt. Während der Therapie lernt man, Strategien zum Umgang mit dem Erlebten anzuwenden, die sich nach der Behandlung auch allein umsetzen lassen.

    Wann ist eine Konfrontation nicht möglich?

    Manche Menschen sind noch nicht bereit, sich mit traumatischen Ereignissen auseinanderzusetzen, weil Angst oder Panik noch zu groß sind. Wird man zu früh oder in unangemessener Art und Weise konfrontiert, können die Beschwerden stärker werden. Dies kann beispielsweise nach wiederholten schweren Traumatisierungen in der Kindheit der Fall sein. Solche Erfahrungen können das Vertrauen in andere Menschen tief erschüttern. Wenn das Risiko besteht, dass eine Traumatherapie zu starke Reaktionen auslöst, wird zunächst darauf verzichtet und versucht, eine psychische Stabilisierung zu erreichen.

    Auch Menschen, die ihre Gefühle nicht ausreichend steuern können oder die kein geregeltes Alltagsleben haben, sind oft noch nicht bereit für eine Konfrontation mit dem Erlebten. Dann geht es zunächst darum, andere Probleme zu lösen, bevor eine Konfrontation möglich ist.

    Starke Reaktionen auf eine zu frühe Konfrontation können zum Beispiel Selbstverletzungen, Abspaltung von Erinnerungen und Persönlichkeitsmerkmalen (dissoziative Störung), Panikstörungen oder körperliche Beschwerden sein. Wenn die Gefahr besteht, dass die Konfrontation Gedanken an Selbsttötung auslöst, wird zunächst darauf verzichtet.

    Welche Psychotherapien gibt es?

    Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung erstatten die gesetzlichen Krankenkassen folgende Psychotherapien:

    • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Ziel einer KVT ist es zu lernen, Erlebnisse, Verhaltensweisen und Gefühle anders als bisher zu deuten und zu bewerten. Dadurch soll zum Beispiel der Umgang mit Flashbacks – plötzlich aufsteigende deutliche Erinnerungen, die sich nicht verdrängen lassen – verändert werden. Die kognitive Verhaltenstherapie ist vor allem auch geeignet, wenn bestimmte Situationen vermieden werden. Sie ist zur Behandlung der PTBS am besten untersucht.
    • Psychodynamische Therapie: Die psychodynamische Therapie umfasst verschiedene Verfahren, die sich aus der Psychoanalyse entwickelt haben. Sie arbeitet ebenfalls mit einer schrittweisen Auseinandersetzung mit dem Erlebten. Während der Behandlung soll die Beziehung zwischen aktuellen Erfahrungen und früheren Traumatisierungen deutlich werden. Sie zielt darauf, die Gedanken, Gefühle und Beziehungsmuster zu verändern, die die Beschwerden aufrechterhalten.

    Im Rahmen einer Psychotherapie kann auch die sogenannte EMDR-Behandlung eingesetzt werden. EMDR (englisch: Eye Movement Desensitization and Reprocessing) bedeutet übersetzt etwa „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung“. Die Methode folgt einem festen Ablauf in acht Behandlungsphasen. In einer der Phasen bewegt die Therapeutin oder der Therapeut während der Konfrontation einen Finger gleichmäßig vor den Augen der Patientin oder des Patienten hin und her. Diese verfolgen den Finger mit den Augen. Es können stattdessen oder ergänzend auch akustische Reize oder Berührungen wie Klopfen auf das Handgelenk eingesetzt werden. Man nimmt an, dass die Augenbewegungen oder die Berührungen die Informationsverarbeitung erleichtern. Dies soll helfen, Erinnerungen angstfreier abzurufen.

    Wie gut helfen die verschiedenen Verfahren?

    Zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung sind die kognitive Verhaltenstherapie und die EMDR am besten untersucht. Studien zeigen, dass beide Verfahren sehr wirksam sind. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat aufgrund der Therapie keine posttraumatische Belastungsstörung mehr, bei anderen kann sie die Beschwerden zumindest lindern.

    Die psychodynamische Therapie wird bei vielen psychischen Erkrankungen angeboten. Zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung wurde sie bislang jedoch kaum in vergleichenden Studien untersucht. Deshalb lässt sich schlecht beurteilen, wie gut sie hilft.

    Auch Kindern und Jugendlichen mit traumatischen Erfahrungen kann eine Psychotherapie helfen und ihre Beschwerden lindern. Für sie ist die kognitive Verhaltenstherapie am besten untersucht.

    Eine Psychotherapie hilft aber nicht in jedem Fall. Manchmal bleiben die Beschwerden trotz der Behandlung bestehen. Einige Menschen brechen die Behandlung auch ab.

    Ergänzende Behandlungen

    Vor allem bei einem Klinikaufenthalt werden ergänzende Behandlungen angeboten. Dazu zählen:

    • Ergotherapie
    • Kunsttherapie
    • Musiktherapie
    • Entspannungsübungen
    • Bewegungs- und Körpertherapien

    Solche eher körperorientierten und kreativen Therapien sollen aktivieren und positive Erfahrungen bieten. Sie können zudem bei der Annäherung an das Trauma unterstützen. In der Regel werden die belastenden Erinnerungen dann in der Psychotherapie verarbeitet. Deshalb sind die genannten Therapien bei schweren Traumatisierungen nicht zur alleinigen Behandlung geeignet. Sie können aber Menschen unterstützen und helfen, die weniger schwere Symptome haben und keine Psychotherapie machen.

    Entspannungsübungen wie autogenes Training eignen sich nicht für jeden. Denn während der Entspannungsphase können traumatische Erinnerungen hochkommen. Bei einer PTBS werden deshalb meist Methoden empfohlen, die mehr mit körperlicher oder geistiger Aktivität verbunden sind.

    Yoga, Tai-Chi oder Achtsamkeitstraining können dabei helfen, sich zu entspannen, Körper und Gefühle besser wahrzunehmen und miteinander in Einklang zu bringen. Ziel ist es, die Konzentration zu fördern und die Aufmerksamkeit gezielt zu lenken. Die bisherigen Studien liefern noch keine klaren Ergebnisse – deuten aber an, dass solche Methoden für manche Betroffene hilfreich sein können, um bestimmte Beschwerden in den Griff zu bekommen.

    Zum Nutzen von Bewegungstherapien gibt es ebenfalls nur wenige Studien. Diese sprechen aber dafür, dass regelmäßige Bewegung dazu beitragen kann, posttraumatische Beschwerden und Depressivität zu lindern. In den Studien wurden unter anderem Yoga, Radfahren und Krafttraining untersucht.

    Viele suchen Wege neben der Psychotherapie, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten und Orientierung, Sinn und Ausdrucksmöglichkeiten zu finden – zum Beispiel durch die Beschäftigung mit Musik, Malen, Handwerk oder Tanz. Andere finden Halt in Spiritualität und Religion. Für gläubige Menschen ist der Beistand einer Seelsorgerin oder eines Seelsorgers nach Schicksalsschlägen oft hilfreich. In den meisten Kliniken gibt es einen Seelsorgedienst.

    Quellen

    Bisson JI, Cosgrove S, Lewis C, Robert NP. Post-traumatic stress disorder. BMJ 2015; 351: h6161.

    Cusack K, Jonas DE, Forneris CA, Wines C, Sonis J, Middleton JC et al. Psychological treatments for adults with posttraumatic stress disorder: A systematic review and meta-analysis. Clin Psychol Rev 2016; 43: 128-141.

    Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). S3 - Leitlinie: Posttraumatische Belastungsstörung. AWMF-Registernr.: 051-010. 31.01.2011.

    Frommberger U, Nyberg E, Angenendt J, Lieb K, Berger M. Posttraumatische Belastungsstörungen. In: Berger M (Ed). Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    Gartlehner G, Forneris CA, Brownley KA, Gaynes BN, Sonis J, Coker-Schwimmer E et al. Interventions for the Prevention of Posttraumatic Stress Disorder (PTSD) in Adults After Exposure to Psychological Trauma. 04.2013. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 109).

    Gillies D, Taylor F, Gray C, O'Brien L, D'Abrew N. Psychological therapies for the treatment of post-traumatic stress disorder in children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev 2012; (12): CD006726.

    Gillies D, Maiocchi L, Bhandari AP, Taylor F, Gray C, O'Brien L. Psychological therapies for children and adolescents exposed to trauma. Cochrane Database Syst Rev 2016; (10): CD012371.

    Hilton L, Maher AR, Colaiaco B, Apaydin E, Sorbero ME, Booth M et al. Meditation for posttraumatic stress: Systematic review and meta-analysis. Psychol Trauma 2017; 9(4): 453-460.

    Metcalf O, Varker T, Forbes D, Phelps A, Dell L, DiBattista A et al. Efficacy of Fifteen Emerging Interventions for the Treatment of Posttraumatic Stress Disorder: A Systematic Review. J Trauma Stress 2016; 29(1): 88-92.

    Rosenbaum S, Vancampfort D, Steel Z, Newby J, Ward PB, Stubbs B. Physical activity in the treatment of Post-traumatic stress disorder: A systematic review and meta-analysis. Psychiatry Res 2015; 230(2): 130-136.

    Visser E, Gosens T, Den Oudsten BL, De Vries J. The course, prediction, and treatment of acute and posttraumatic stress in trauma patients: A systematic review. J Trauma Acute Care Surg 2017; 82(6): 1158-1183.

    Wahbeh H, Senders A, Neuendorf R, Cayton J. Complementary and Alternative Medicine for Posttraumatic Stress Disorder Symptoms: A Systematic Review. J Evid Based Complementary Altern Med 2014; 19(3): 161-175.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente bei posttraumatischer Belastungsstörung

    Medikamente können eine Psychotherapie nicht ersetzen, aber in bestimmten Situationen ergänzen. Allerdings ist nur für wenige Mittel nachgewiesen, dass sie wirksam sind. Da sie Nebenwirkungen haben können, sollte die Einnahme gut überlegt sein.

    Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist die psychotherapeutische Unterstützung am wichtigsten. In wissenschaftlichen Leitlinien wird davon abgeraten, allein auf Medikamente zu setzen. Ob Medikamente überhaupt infrage kommen, hängt von der individuellen Situation ab. Dabei spielt eine Rolle, welche Beschwerden bestehen, wie stark sie sind und ob weitere Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen hinzukommen.

    Die Einnahme von Medikamenten kann zwei Ziele haben:

    • vorübergehende Hilfe bei starken Beschwerden wie Schlaflosigkeit oder Panikattacken
    • langfristige Behandlung, um die Beschwerden der PTBS zu lindern

    Zur Behandlung einer PTBS werden am häufigsten Antidepressiva sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) eingesetzt. Benzodiazepine sind für Menschen mit einer PTBS jedoch ungeeignet, weil sie schnell abhängig machen und kaum helfen, die Beschwerden zu lindern.

    Vor Beginn einer Behandlung mit Medikamenten ist eine gute Aufklärung über ihre Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen wichtig. Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt sollten auch die Erwartungen an die Behandlung geklärt und später regelmäßig darüber gesprochen werden, wie die Medikamente wirken und wie mit möglichen Problemen umgegangen werden kann. Wichtig ist, dass sich Ärzte gut mit den psychologischen Psychotherapeuten austauschen, die vielleicht die psychotherapeutische Behandlung übernehmen. Diese dürfen selbst keine Medikamente verschreiben.

    Medikamente können eine Psychotherapie nicht ersetzen, aber in bestimmten Situationen ergänzen. Allerdings ist nur für wenige Mittel nachgewiesen, dass sie wirksam sind. Da sie Nebenwirkungen haben können, sollte die Einnahme gut überlegt sein.

    Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist die psychotherapeutische Unterstützung am wichtigsten. In wissenschaftlichen Leitlinien wird davon abgeraten, allein auf Medikamente zu setzen. Ob Medikamente überhaupt infrage kommen, hängt von der individuellen Situation ab. Dabei spielt eine Rolle, welche Beschwerden bestehen, wie stark sie sind und ob weitere Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen hinzukommen.

    Die Einnahme von Medikamenten kann zwei Ziele haben:

    • vorübergehende Hilfe bei starken Beschwerden wie Schlaflosigkeit oder Panikattacken
    • langfristige Behandlung, um die Beschwerden der PTBS zu lindern

    Zur Behandlung einer PTBS werden am häufigsten Antidepressiva sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) eingesetzt. Benzodiazepine sind für Menschen mit einer PTBS jedoch ungeeignet, weil sie schnell abhängig machen und kaum helfen, die Beschwerden zu lindern.

    Vor Beginn einer Behandlung mit Medikamenten ist eine gute Aufklärung über ihre Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen wichtig. Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt sollten auch die Erwartungen an die Behandlung geklärt und später regelmäßig darüber gesprochen werden, wie die Medikamente wirken und wie mit möglichen Problemen umgegangen werden kann. Wichtig ist, dass sich Ärzte gut mit den psychologischen Psychotherapeuten austauschen, die vielleicht die psychotherapeutische Behandlung übernehmen. Diese dürfen selbst keine Medikamente verschreiben.

    Antidepressiva

    Antidepressiva kommen vor allem dann infrage, wenn Beschwerden wie depressive Gefühle, Angst und Reizbarkeit sehr ausgeprägt sind. Sie sollen auch das Ein- und Durchschlafen erleichtern. Antidepressiva können vorübergehend oder langfristig eingenommen werden. In Deutschland sind nur zwei Mittel zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung zugelassen: die Antidepressiva Sertralin und Paroxetin. Studien zeigen, dass beide Wirkstoffe die Beschwerden lindern können. Daneben kommen eine Reihe weiterer Antidepressiva infrage – sie können allerdings nur im Rahmen eines Off-Label-Use verschrieben werden. Bei Antidepressiva dauert es häufig mehrere Wochen, bis sie spürbar wirken.

    In Studien zeigte sich:

    • Ohne Antidepressiva besserten sich bei etwa 35 von 100 Menschen die Beschwerden innerhalb weniger Monate deutlich.
    • Mit Antidepressiva besserten sich bei etwa 55 von 100 Menschen die Beschwerden innerhalb weniger Monate deutlich.

    Mit anderen Worten: Bei etwa 20 von 100 Menschen bewirkten Antidepressiva eine spürbare Verbesserung.

    Viele Menschen mit PTBS kommen auch ohne Antidepressiva zurecht. Da die Medikamente Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit haben können, sollte gut abgewogen werden, ob sie überhaupt notwendig sind.

    Schlaf- und Beruhigungsmittel

    Schlaf- und Beruhigungsmittel sollen Übererregung mindern und den Schlaf verbessern. Allerdings raten wissenschaftliche Leitlinien mittlerweile davon ab, sie bei einer posttraumatischen Belastungsstörung einzunehmen. Es gibt kaum Studien, die ihren Nutzen untersucht haben. Zudem können sie schon nach wenigen Wochen abhängig machen.

    Lässt sich einer PTBS durch Medikamente vorbeugen?

    Zur Vorbeugung spielen Medikamente so gut wie keine Rolle: Medikamente können das Entstehen einer posttraumatischen Belastungsstörung in der Regel nicht verhindern, wenn sie direkt nach dem Ereignis eingenommen werden. In einigen Studien konnte einzig Kortison das Risiko für eine PTBS verringern. Es wurde vor allem Krankenhauspatientinnen und -patienten unmittelbar nach einer großen Operation oder mit einer Blutvergiftung (Sepsis) gegeben. Anschließend entwickelten sie seltener eine PTBS. Man vermutet, dass manche Menschen anfälliger für eine posttraumatische Belastungsstörung sind, weil ihr Körper in Stresssituationen sehr wenig Kortisol ausschüttet. Kortison gleicht diesen Mangel aus.

    Quellen

    Amos T, Stein DJ, Ipser JC. Pharmacological interventions for preventing post-traumatic stress disorder (PTSD). Cochrane Database Syst Rev 2014; (7): CD006239.

    Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). S3 - Leitlinie: Posttraumatische Belastungsstörung. AWMF-Registernr.: 051-010. 31.01.2011.

    Frommberger U, Nyberg E, Angenendt J, Lieb K, Berger M. Posttraumatische Belastungsstörungen. In: Berger M (Ed). Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    Hoskins M, Pearce J, Bethell A, Dankova L, Barbui C, Tol WA et al. Pharmacotherapy for post-traumatic stress disorder: systematic review and meta-analysis. Br J Psychiatry 2015; 206(2): 93-100.

    Lee DJ, Schnitzlein CW, Wolf JP, Vythilingam M, Rasmusson AM, Hoge CW. Psychotherapy Versus Pharmacotherapy for Posttraumatic Stress Disorder: Systemic Review and Meta-Analyses to Determine First-Line Treatments. Depress Anxiety 2016; 33(9): 792-806.

    Shalev A, Liberzon I, Marmar C. Post-Traumatic Stress Disorder. N Engl J Med 2017; 376(25): 2459-2469.

    Sijbrandij M, Kleiboer A, Bisson JI, Barbui C, Cuijpers P. Pharmacological prevention of post-traumatic stress disorder and acute stress disorder: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry 2015; 2(5): 413-421.

    Stein DJ, Ipser JC, Seedat S. Pharmacotherapy for post traumatic stress disorder (PTSD). Cochrane Database Syst Rev 2006; (1): CD002795.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Welche Unterstützung ist unmittelbar nach einem Trauma sinnvoll?

    Nach einem Trauma ist verlässliche emotionale und praktische Unterstützung wichtig. Welche Art der Hilfe am sinnvollsten ist, hängt von den Bedürfnissen der Betroffenen ab.

    Eine traumatische Erfahrung kann zum Beispiel eine Vergewaltigung, eine Naturkatastrophe, ein schwerer Unfall oder eine akute lebensbedrohliche Erkrankung sein. Für betroffene Menschen – zu denen auch Angehörige und Augenzeugen gehören können – sind kurz nach dem Trauma vor allem folgende Hilfen wichtig:

    • Zuwendung und Anteilnahme
    • Informationen über das Geschehene und die Konsequenzen
    • Organisation praktischer Hilfen

    Einige Menschen brauchen nach einem traumatischen Ereignis eine psychische Betreuung. Sie sollte jedoch niemandem aufgedrängt werden. Da Menschen mit belastenden Erlebnissen sehr verschieden umgehen, sollte sich die Unterstützung immer nach den persönlichen Bedürfnissen eines Betroffenen richten. Wichtig ist, ihm Zeit zu geben, mit dem Erlebten umzugehen und ihn nicht zu überfordern.

    Nach einem Trauma ist verlässliche emotionale und praktische Unterstützung wichtig. Welche Art der Hilfe am sinnvollsten ist, hängt von den Bedürfnissen der Betroffenen ab.

    Eine traumatische Erfahrung kann zum Beispiel eine Vergewaltigung, eine Naturkatastrophe, ein schwerer Unfall oder eine akute lebensbedrohliche Erkrankung sein. Für betroffene Menschen – zu denen auch Angehörige und Augenzeugen gehören können – sind kurz nach dem Trauma vor allem folgende Hilfen wichtig:

    • Zuwendung und Anteilnahme
    • Informationen über das Geschehene und die Konsequenzen
    • Organisation praktischer Hilfen

    Einige Menschen brauchen nach einem traumatischen Ereignis eine psychische Betreuung. Sie sollte jedoch niemandem aufgedrängt werden. Da Menschen mit belastenden Erlebnissen sehr verschieden umgehen, sollte sich die Unterstützung immer nach den persönlichen Bedürfnissen eines Betroffenen richten. Wichtig ist, ihm Zeit zu geben, mit dem Erlebten umzugehen und ihn nicht zu überfordern.

    Psychische Erste Hilfe nach einem Trauma

    Folgende Regeln werden empfohlen, um Menschen zu helfen, die gerade ein Trauma erlebt haben. Die Empfehlungen zur „psychischen Ersten Hilfe“ richten sich an professionelle Helfer, sind aber auch für andere Personen nützlich, die sich vor Ort befinden und helfen möchten. Je nach Situation ist es sinnvoll,

    • sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen,
    • Betroffenen aus der belastenden Situation herauszuhelfen (sie zum Beispiel vor Gefahr oder vor Schaulustigen zu schützen),
    • für eine sichere Umgebung zu sorgen,
    • zu prüfen, wer Hilfe benötigt,
    • Hilfe anzubieten, ohne sich aufzudrängen,
    • ruhig und geduldig zu bleiben,
    • in der Nähe zu bleiben und
    • jederzeit für die nächsten Stunden und Tage ansprechbar zu sein.

    Im Kontakt mit den Betroffenen:

    • Mitgefühl zeigen, Trost spenden und beruhigen.
    • Berührungen und Umarmungen können wichtig sein – manchmal sind sie jedoch unangemessen. Wenn man sich nicht sicher ist: Berührungen lieber vermeiden oder fragen, ob sie erwünscht sind.
    • Einfach und klar sprechen – Informationen dosiert geben.
    • Sich zurücknehmen und in Gesprächen aktiv zuhören; Schweigen zulassen.
    • Die Gefühle und Wahrnehmungen der Betroffenen akzeptieren, auf entsprechende Signale achten; negative Gefühle aber nicht bestätigen.
    • Fragen, was benötigt wird.
    • Sie in Hilfsmaßnahmen für andere Betroffene oder die Organisation von Essen und Trinken einbinden, wenn angebracht – dies kann aktivieren und Kontrolle über die Situation geben.
    • Keine unrealistischen Versprechen und keine falschen Informationen geben.
    • Niemanden unter Druck setzen.

    Praktische Hilfen und Informationen:

    • Medizinische Hilfen organisieren oder Erste Hilfe leisten.
    • Informationen über das Geschehene geben.
    • Für Essen, Getränke und nach Möglichkeit eine angenehme Umgebung sorgen.
    • Kontakt zu Familie und Freunden herstellen, vertraute Personen einbinden.
    • Bei Bedarf weitere Unterstützung organisieren (zum Beispiel eine Unterkunft besorgen).
    • Informationen über Anlaufstellen für weitere Hilfen geben (zum Beispiel Traumaambulanzen).

    Was ist noch wichtig?

    Eine traumatische Situation kann auch für Helferinnen und Helfer belastend sein. Folgendes ist ebenfalls wichtig:

    • Sich nicht durch starke Emotionen verunsichern lassen, beispielsweise durch Wutausbrüche.
    • Die eigenen Grenzen als Helferin oder Helfer erkennen und wenn nötig selbst Unterstützung suchen.
    • Kulturelle und soziale Besonderheiten beachten – diese können Einfluss auf den Umgang mit Belastungen haben.
    • Auf die eigene Wirkung achten: Welche Worte wähle ich? Wie ist meine Körpersprache? Wie ist mein Gesichtsausdruck? Wie nähere ich mich den Betroffenen?
    • Die Anweisungen von professionellen Helfern (zum Beispiel Polizei und Rettungskräften) beachten und sie nicht bei der Arbeit behindern.

    Wie reagieren die Betroffenen?

    Je nach Situation können Menschen sehr unterschiedlich auf schlimme Ereignisse reagieren:

    • Manche erstarren, sind still und fühlen sich wie taub.
    • Andere sind verwirrt und desorientiert.
    • Einige sind niedergeschlagen, traurig und weinen.
    • Manche sind kontrolliert und klar und zeigen kaum Stressreaktionen.
    • Wieder andere zeigen heftige emotionale Reaktionen, sind beispielsweise verzweifelt, wütend oder schreien.

    Bestimmte Personen sind hilfebedürftiger als andere, beispielsweise Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, solche ohne Bezugspersonen oder die Schutz vor Missbrauch und Gewalt benötigen. Dann können besonders viel Unterstützung und spezielle Hilfen notwendig sein. 

    Was psychische Erste Hilfe nicht ist

    Wichtig: Die psychische Erste Hilfe umfasst keine psychotherapeutische Behandlung. Sie ist auch etwas anderes als das sogenannte Debriefing. Beim Debriefing setzen sich Betroffene oder Helferinnen und Helfer unter Anleitung schon sehr früh mit dem Erlebten auseinander. Dagegen zielt die psychische Erste Hilfe darauf ab, Betroffene unmittelbar nach einem schweren Ereignis aufzufangen und ihnen die Hilfe zu geben, die sie benötigen, um kurz- und langfristig mit dem Erlebten umzugehen. Das Debriefing wird von vielen Fachleuten mittlerweile abgelehnt, da es einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht vorbeugen kann.

    Ob jemand eine psychotherapeutische Behandlung braucht, stellt sich meist erst nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten heraus. Erst dann zeigt sich, ob die Belastungsreaktion von allein wieder abklingt oder ob sich anhaltende Beschwerden entwickeln. Zudem kann es einige Zeit dauern, bis es überhaupt möglich ist, sich auf eine Traumatherapie einzulassen.

    Bis dahin kann aber eine psychologische Begleitung sinnvoll sein, besonders für schwer traumatisierte Menschen. Eine Unterstützung durch andere sollte in jedem Fall gewährleistet sein; ebenso eine Umgebung, in der sie sich aufgehoben und sicher fühlen können und jederzeit die Möglichkeit haben, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

    Quellen

    Frommberger U, Nyberg E, Angenendt J, Lieb K, Berger M. Posttraumatische Belastungsstörungen. In: Berger M (Ed). Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK). Psychische Erste Hilfe: Handbuch. 2015.

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