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Örtlich begrenzter Prostatakrebs

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    Prostatakrebs ist die bei Männern am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung. Er zählt aber zu den Krebsarten mit den größten Heilungschancen. Prostatakrebs wächst oft langsam und lässt sich daher meist gut behandeln. Lesen Sie über Risikofaktoren, Früherkennung, Diagnose und Behandlung.

    Einleitung

    Die Diagnose Prostatakrebs ist für die meisten Männer und ihre Angehörigen erst einmal ein Schock. Doch so beunruhigend die Diagnose ist: Prostatakrebs gehört zu den Krebsarten mit den größten Heilungschancen. Denn er wächst oft sehr langsam und lässt sich meist gut behandeln.

    Von einem örtlich begrenzten Prostatakrebs spricht man, wenn der Krebs auf die Prostata begrenzt ist und weder Lymphknoten befallen noch Metastasen gebildet hat.

    Symptome

    Örtlich begrenzter Prostatakrebs verursacht keine Beschwerden. Der Krebs löst normalerweise erst Beschwerden aus, wenn er weiter fortgeschritten ist. Dann kann er zu Problemen wie einem verstärkten Harndrang oder einem schwächeren Harnstrahl führen. Probleme beim Wasserlassen werden aber meist nicht durch Krebs, sondern durch eine gutartige Vergrößerung der Prostata verursacht. Sie ist bei Männern über 50 sehr häufig. Selten kann auch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit auf Prostatakrebs hindeuten.

    Ein sehr weit fortgeschrittener Krebs kann sich über die Lymphbahnen oder den Blutkreislauf in andere Körperregionen ausbreiten, wie zum Beispiel die Knochen. Dies kann Symptome wie Knochenschmerzen auslösen.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Die genauen Ursachen für Prostatakrebs sind nicht bekannt. Bestimmte Faktoren können das Risiko für Prostatakrebs etwas erhöhen. Die wichtigsten sind:

    • das Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Prostatakrebs. Dies ist der größte Risikofaktor.
    • Verwandte ersten Grades: Wer einen Vater oder Bruder hat, der an Prostatakrebs erkrankt ist, hat selbst ein etwas höheres Risiko. Sind mehrere Verwandte ersten Grades erkrankt, ist das Risiko stärker erhöht.
    • die Abstammung: Männer mit schwarzer Hautfarbe sind etwas häufiger von Prostatakrebs betroffen als Männer mit einer anderen Hautfarbe.
    • Vitamin E: Nahrungsergänzungsmittel mit hohen Dosen an Vitamin E erhöhen nachweislich das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, wenn man sie jahrelang einnimmt.

    Häufig werden auch bestimmte Lebensmittel wir rotes Fleisch oder Tomaten mit Krebs in Verbindung gebracht – mal als Ursache und mal als Möglichkeit der Vorbeugung. Es ist nicht durch aussagekräftige Studien belegt, dass Männer ihr Risiko für Prostatakrebs oder den Krankheitsverlauf durch eine bestimmte Ernährung beeinflussen können.

    Häufigkeit

    Das Risiko für Prostatakrebs nimmt mit dem Alter zu. Bei Männern unter 50 Jahren tritt Prostatakrebs sehr selten auf.

    Die folgenden Tabellen zeigen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Mann in einem bestimmten Alter in den nächsten zehn Jahren die Diagnose Prostatakrebs erhält und ob er daran stirbt. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte. Das individuelle Risiko eines Mannes hängt auch davon ab, ob und welche Risikofaktoren er hat.

     

    Tabelle: Risiko eines Mannes, in den nächsten 10 Jahren die Diagnose Prostatakrebs zu erhalten:
    Heutiges Alter Anteil der Männer, bei denen in den nächsten 10 Jahren Prostatakrebs festgestellt wird
    45 4 von 1000
    55 21 von 1000
    65 51 von 1000
    75 52 von 1000

    Quelle: RKI 2019

    Tabelle: Risiko eines Mannes, in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs zu sterben
    Heutiges Alter Anteil der Männer, die in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs sterben
    45 weniger als 1 von 1000
    55 2 von 1000
    65 7 von 1000
    75 20 von 1000

    Quelle: RKI 2019

    Verlauf

    Prostatakrebs kann unterschiedlich verlaufen. Wie er bei einem bestimmten Mann verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Die Prognose hängt unter anderem vom Tumorstadium und der Aggressivität des Tumors ab. Die folgende Tabelle zeigt den Einfluss von Tumorstadium und Aggressivität auf die Krebssterblichkeit.

     

    Tabelle: Einfluss von Tumorstadium und Aggressivität auf die Krebssterblichkeit
    Krebstyp Anteil der Männer, die in den nächsten 5 Jahren an Prostatakrebs sterben
    Alle Männer mit Prostatakrebs (örtlich begrenzte und fortgeschrittene Tumore) 10 %
    Männer mit örtlich begrenztem Prostatakrebs 3 %
    Männer mit örtlich begrenztem Prostatakrebs und einer geringen Aggressivität (Niedrig-Risiko-Prostatakrebs) unter 1 %

    Quelle: RKI 2019, Hamdy 2016

    Durch die Untersuchung einer Gewebeprobe und andere Tests lässt sich abschätzen, ob ein Tumor eher schnell oder nur sehr langsam wächst. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs wächst, wird Progressionsrisiko genannt.

    Diagnose

    Bei einem Verdacht auf Prostatakrebs fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach Beschwerden, um die Symptome grob einzuordnen und Hinweise auf mögliche Ursachen zu bekommen (Anamnese). Danach kommen verschiedene Untersuchungen infrage:

    • Tastuntersuchung: Durch das Abtasten der Prostata über den Enddarm mit einem Finger kann die Größe, Festigkeit und Oberfläche der Prostata beurteilt werden (digital-rektale Untersuchung, DRU).
    • PSA-Test: Der PSA-Test ist eine Blutuntersuchung auf ein bestimmtes Eiweiß. PSA steht für „Prostata-spezifisches Antigen“, ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet wird und in geringen Mengen ins Blut übertritt. Ein erhöhter PSA-Wert kann, muss aber nicht auf Prostatakrebs hindeuten. Der Wert kann auch aus anderen Gründen erhöht sein.
    • transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS): Mit einem Ultraschallgerät lässt sich die Form und Größe der Prostata beurteilen. Hierzu wird eine etwa fingerdicke Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt.
    • Gewebeentnahme (Biopsie): Ob sich in der Prostata Krebsgewebe befindet, lässt sich nur durch eine Gewebeentnahme sicher feststellen. In der Regel werden 10 bis 12 Gewebeproben aus der Prostata entnommen und anschließend unter einem Mikroskop untersucht. Üblicherweise wird eine Stanzbiopsie gemacht. Auch für diese Untersuchung wird ein Ultraschallgerät in den Enddarm eingeführt. In das Gerät ist eine feine Hohlnadel integriert, mit der durch die Wand des Enddarms in die Prostata gestochen wird, um Gewebeproben zu entnehmen. Die Untersuchung findet unter örtlicher Betäubung statt, in Ausnahmefällen ist auch eine kurze Narkose möglich.
    • Magnetresonanztomografie (MRT): Manchmal wird zusätzlich zur Gewebeentnahme ein MRT gemacht.

    Anhand der Untersuchungen lässt sich einschätzen, ob und wie schnell der Tumor voraussichtlich wachsen wird (Progressionsrisiko).

    Früherkennung

    Zwei der beschriebenen Untersuchungen werden auch zur Früherkennung von Prostatakrebs angeboten:

    • Die Tastuntersuchung der Prostata ist Kassenleistung. Ein Nutzen ist aber nicht nachgewiesen. Es gibt keine Belege, dass Männer seltener an Prostatakrebs sterben, wenn sie sich regelmäßig die Prostata abtasten lassen.
    • Der Nutzen des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs wurde in großen Studien untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Vorteilen auch ernste Nachteile wie Überdiagnosen gegenüberstehen. Vor einer Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test lohnt es sich, das Für und Wider abzuwägen.

    Die transrektale Ultraschalluntersuchung ist zur Früherkennung von Prostatakrebs nicht geeignet. Daher raten die medizinischen Fachgesellschaften zur Früherkennung davon ab.

    Behandlung

    Welche Behandlungen für einen Mann mit Prostatakrebs infrage kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören:

    • die Ausbreitung des Tumors (Tumorstadium)
    • der wahrscheinliche Verlauf der Krebserkrankung (Progressionsrisiko)
    • persönliche Aspekte wie das Alter des Mannes, sein Gesundheitszustand und wie er die Vor- und Nachteile abwägt

    Je nach Situation kann sich ein Mann für eine der folgenden Möglichkeiten entscheiden:

    • aktive Überwachung („active surveillance“): Die Prostata wird in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Nur wenn der Tumor wächst, wird er behandelt. Diese Strategie kommt beim sogenannten Niedrig-Risiko-Prostatakrebs infrage. Sie berücksichtigt, dass Niedrig-Risiko-Prostatakrebs meist nur sehr langsam oder gar nicht wächst. Oft zeigt sich auch Jahre nach der Diagnose noch kein Fortschreiten der Erkrankung. Der Vorteil: Vielen Männern werden die Nebenwirkungen einer Behandlung erspart. Der Nachteil: Manchmal wird erst spät festgestellt, dass ein Krebs fortschreitet. Zudem finden viele Männer die Kontrolluntersuchungen belastend.
    • äußere Strahlentherapie: Der Krebs wird von außen durch die Haut bestrahlt, um die Krebszellen zu zerstören. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Erektionsstörungen und Darmprobleme wie Durchfall, ungewollter Stuhlabgang und Blut im Stuhl.
    • innere Strahlentherapie (Brachytherapie): Der Krebs wird mithilfe von schwach radioaktiven Stiften von innen bestrahlt. Die Nebenwirkungen ähneln denen der äußeren Bestrahlung. Darmprobleme sind etwas seltener. In den ersten 1 bis 2 Jahren kann es zu Beschwerden beim Wasserlassen kommen.
    • Entfernung der Prostata (Prostatektomie): Die Prostata wird mit dem Krebs operativ entfernt. Häufige Folgen sind Harninkontinenz, Erektionsstörungen und Impotenz.

    Wenn Prostatakrebs weiter fortgeschritten ist, kommen verschiedene Varianten der Hormon- und Chemotherapie infrage, die sein Wachstum abbremsen sollen.

    Welche Behandlungsstrategie ein Mann wählt, ist zum großen Teil eine Frage der persönlichen Abwägung: Für den einen ist es wichtiger, Nebenwirkungen wie Impotenz oder Inkontinenz möglichst zu vermeiden. Der andere will so sicher wie möglich sein, dass der Krebs entfernt wurde und nimmt dafür die Risiken der Behandlung in Kauf.

    Bei älteren Männern, die vielleicht noch andere Erkrankungen haben, können die Risiken und Belastungen durch Operation oder Strahlentherapie schwerer wiegen als der mögliche Nutzen dieser Behandlungen. Dann kommt ein sogenanntes abwartendes Beobachten („watchful waiting“) infrage. Hierbei behandelt man nicht den Krebs, sondern nur mögliche Beschwerden (lindernde oder „palliative“ Behandlung). Im Gegensatz zur „aktiven Überwachung“ können einem Mann dadurch belastende Kontrolluntersuchungen erspart werden.

    Weitere Informationen

    Weitere Informationen über Prostatakrebs und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten finden sich beim Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums und den Patientenratgebern der medizinischen Leitlinie zur Behandlung von Prostatakrebs.

    Wir informieren auch darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Krebshilfe (DKH). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Registernr.: 043-022OL. 05.2019. (Leitlinienprogramm Onkologie).

    Hamdy FC, Donovan JL, Lane JA, Mason M, Metcalfe C, Holding P et al. 10-year outcomes after monitoring, surgery, or radiotherapy for localized prostate cancer. N Engl J Med 2016; 375(15): 1415-1424.

    Klein EA, Thompson IM, Jr., Tangen CM, Crowley JJ, Lucia MS, Goodman PJ et al. Vitamin E and the risk of prostate cancer: the Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT). JAMA 2011; 306(14): 1549-1556.

    Robert Koch-Institut (RKI), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID). Krebs in Deutschland für 2015/2016. Berlin: RKI; 2019.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Mehr Wissen: Prostatakrebs: Wie wird der Verlauf abgeschätzt?

    Prostatakrebs kann unterschiedlich verlaufen: Manche Tumore sind klein und wachsen nur langsam oder gar nicht. Andere Tumore sind groß und breiten sich schnell aus. Durch verschiedene Untersuchungen lässt sich abschätzen, zu welcher Gruppe ein Krebs gehört.

    Für die Wahl einer Behandlung ist es wichtig zu wissen, wie eine Krebserkrankung voraussichtlich verlaufen wird. Welche Therapien infrage kommen, hängt davon ab

    • wie groß der Tumor ist (Tumorstadium) und
    • wie wahrscheinlich es ist, dass er wächst (Progressionsrisiko).

    Das Tumorstadium und das Progressionsrisiko können durch verschiedene Untersuchungen bestimmt werden. Dazu gehören:

    • das Abtasten der Prostata
    • bildgebende Untersuchungen (Ultraschall und MRT)
    • ein Bluttest zur Bestimmung des „Prostata-spezifischen Antigen“ (PSA-Wert)
    • eine Gewebeentnahme (Stanzbiopsie).

    Bei einem fortgeschrittenen Krebs können weitere bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) folgen, um im Körper nach möglichen Krebsabsiedlungen (Metastasen) zu suchen. Im Folgenden geht es um örtlich begrenzten Prostatakrebs. Damit ist gemeint, dass der Krebs keine Lymphknoten befallen und keine Metastasen gebildet hat.

    Prostatakrebs kann unterschiedlich verlaufen: Manche Tumore sind klein und wachsen nur langsam oder gar nicht. Andere Tumore sind groß und breiten sich schnell aus. Durch verschiedene Untersuchungen lässt sich abschätzen, zu welcher Gruppe ein Krebs gehört.

    Für die Wahl einer Behandlung ist es wichtig zu wissen, wie eine Krebserkrankung voraussichtlich verlaufen wird. Welche Therapien infrage kommen, hängt davon ab

    • wie groß der Tumor ist (Tumorstadium) und
    • wie wahrscheinlich es ist, dass er wächst (Progressionsrisiko).

    Das Tumorstadium und das Progressionsrisiko können durch verschiedene Untersuchungen bestimmt werden. Dazu gehören:

    • das Abtasten der Prostata
    • bildgebende Untersuchungen (Ultraschall und MRT)
    • ein Bluttest zur Bestimmung des „Prostata-spezifischen Antigen“ (PSA-Wert)
    • eine Gewebeentnahme (Stanzbiopsie).

    Bei einem fortgeschrittenen Krebs können weitere bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) folgen, um im Körper nach möglichen Krebsabsiedlungen (Metastasen) zu suchen. Im Folgenden geht es um örtlich begrenzten Prostatakrebs. Damit ist gemeint, dass der Krebs keine Lymphknoten befallen und keine Metastasen gebildet hat.

    Wie wird das Tumorstadium bestimmt?

    Das Tumorstadium gibt an, wie groß der Tumor ist und ob er sich bereits ausgebreitet hat. Notiert wird es mit der sogenannten TNM-Klassifikation:

    • Das T beschreibt die Ausbreitung des Tumors,
    • das N, ob Lymphknoten betroffen sind und
    • das M, ob sich Metastasen gebildet haben.

    Die folgende Tabelle stellt die Tumorstadien dar.

    Tabelle: Einteilung und Bedeutung der TNM-Klassifikation bei Prostatakrebs
    Merkmal Kategorie Unterkategorie
    Ursprungstumor (Primärtumor)

    T1:

    Durch Ertasten oder Ultraschall ist kein Tumor feststellbar

     

    T1a:

    Zufallsbefund, weniger als 5 % des Gewebes enthält Krebszellen

    T1b:

    Zufallsbefund, mehr als 5 % des Gewebes enthält Krebszellen

    T1c:

    Nach einem erhöhten PSA-Wert wurden in der Biopsie Krebszellen gefunden

     

    T2:

    Der Tumor ist tastbar oder im Ultraschall sichtbar, aber noch auf die Prostata begrenzt

    T2a:

    Der Tumor ist auf weniger als die Hälfe eines Prostatalappens begrenzt

    T2b:

    Der Tumor nimmt mehr als die Hälfte eines Prostatalappens ein

    T2c:

    Der Tumor ist in beide Prostatalappen eingewachsen

     

    T3:

    Der Tumor ist außerhalb der Prostata bis in das Bindegewebe um die Prostata oder die Samenblase gewachsen

     
     

    T4:

    Der Tumor hat sich noch weiter in benachbarte Organe ausgebreitet, wie Harnblase oder Darm

     
    Lymphknoten

    N0:

    Die benachbarten Lymphknoten sind tumorfrei

    N1:

    Es sind benachbarte Lymphknoten befallen

     
    Metastasen

    M0:

    Es sind keine Metastasen vorhanden

    M1:

    Es sind Metastasen vorhanden

     

    Von einem örtlich begrenzten Prostatakrebs spricht man bei Tumoren der Kategorie T1 und T2, die weder Lymphknoten befallen (N0), noch Metastasen (M0) gebildet haben. Eine TNM-Klassifikation für einen örtlich begrenzten Prostatakrebs wäre zum Beispiel T2a N0 M0.

    Wie wird das Progressionsrisiko bestimmt?

    Örtlich begrenzte Tumore werden nach ihrem wahrscheinlichen Verlauf in verschiedene Risikogruppen eingeteilt (Progressionsrisiko). Um das Progressionsrisiko zu bestimmen, benötigt man folgende Angaben:

    • das genaue Tumorstadium (TNM-Klassifikation)
    • den PSA-Wert
    • den Gleason-Score

    Der Gleason-Score ist das Ergebnis der mikroskopischen Untersuchung der entnommenen Gewebeproben. Er gibt Aufschluss darüber, wie stark sich die Prostatazellen verändert haben. Der niedrigste Gleason-Score für einen Prostatakrebs liegt bei 6, der höchste bei 10. Tumore mit einem niedrigen Score-Wert wachsen langsamer als Tumore mit einem höheren Wert. Um ihn zu bestimmen, werden die beiden am stärksten veränderten Gewebeproben nach ihrer Aggressivität beurteilt (Gleason-Grad). Wenn beispielsweise die erste Probe einen Gleason-Grad von 4 und die zweite einen Gleason-Grad von 3 hat, liegt der Gleason-Score bei 7.

    Anhand von Tumorstadium, PSA-Wert und Gleason-Score wird das Progressionsrisiko eines Prostatakrebses einer von vier Gruppen zugeordnet:

    • sehr niedriges Risiko
    • niedriges Risiko
    • mittleres Risiko (auch intermediäres Risiko genannt)
    • hohes Risiko

    Häufig werden Tumore mit einem sehr niedrigen Risiko und einem niedrigen Risiko zum Niedrig-Risiko-Prostatakrebs zusammengefasst.

    Die folgende Tabelle stellt die Kriterien für die vier Risikogruppen dar sowie die Behandlungsmöglichkeiten, die für diese Gruppen in der Regel infrage kommen.

    Tabelle: Risikogruppen beim örtlich begrenzten Prostatakrebs
    Risiko Kriterien Behandlungsmöglichkeiten
    Sehr niedriges Risiko
    • Tumor-Kategorie: bis T2a und
    • PSA-Wert: bis 10 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) und
    • Gleason-Score: 6

    Zusätzlich:

    • Anzahl der betroffenen Gewebeproben: Von den 10 bis 12 Gewebeproben enthalten nicht mehr als zwei Proben Krebszellen.
    • Tumoranteil in den auffälligen Gewebeproben: In diesen ein oder zwei auffälligen Proben besteht nicht mehr als 50 % des Gewebes aus Krebszellen.
    • Aktive Überwachung
    • Äußere Strahlentherapie
    • Innere Strahlentherapie (Brachytherapie)
    • Entfernung der Prostata
    Niedriges Risiko
    • Tumor-Kategorie: bis T2a und
    • PSA-Wert: bis 10 ng/ml und
    • Gleason-Score: 6
    • Aktive Überwachung
    • Äußere Strahlentherapie
    • Innere Strahlentherapie (Brachytherapie)
    • Entfernung der Prostata
    Mittleres Risiko

    Es trifft mindestens eins dieser Kriterien zu:

    • Tumor-Kategorie: T2b oder
    • PSA-Wert: zwischen 10 und 20 ng/ml oder
    • Gleason-Score: 7
    • Äußere Strahlentherapie
    • Kombination aus innerer und äußerer Strahlentherapie
    • Entfernung der Prostata
    Hohes Risiko

    Es trifft mindestens eins dieser Kriterien zu:

    • Tumor-Kategorie: T2c oder
    • PSA-Wert: höher als 20 ng/ml oder
    • Gleason-Score: 8 oder höher
    • Äußere Strahlentherapie
    • Kombination aus innerer und äußerer Strahlentherapie
    • Entfernung der Prostata

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Krebshilfe (DKH). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Registernr.: 043-022OL. 05.2019.

    Donovan JL, Hamdy FC, Lane JA, Mason M, Metcalfe C, Walsh E et al. Patient-reported outcomes after monitoring, surgery, or radiotherapy for prostate cancer. N Engl J Med 2016; 375(15): 1425-1437.

    Hamdy FC, Donovan JL, Lane JA, Mason M, Metcalfe C, Holding P et al. 10-year outcomes after monitoring, surgery, or radiotherapy for localized prostate cancer. N Engl J Med 2016; 375(15): 1415-1424.

    Robert Koch-Institut (RKI), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID). Krebs in Deutschland für 2015/2016. Berlin: RKI; 2019.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs

    Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs hat Vor- und Nachteile: Einerseits kann er 3 von 1000 Männer davor bewahren, an Prostatakrebs zu sterben. Andererseits erhalten bis zu 60 von 1000 Männern eine unnötige Prostatakrebs-Diagnose – und damit oft eine unnötige Krebsbehandlung. Ob man sich testen lassen möchte oder nicht, ist eine Frage der persönlichen Abwägung.

    Durch den PSA-Test soll Prostatakrebs entdeckt werden, bevor er Beschwerden verursacht. Eine frühe Diagnose und Behandlung kann die Heilungschancen verbessern und das Risiko für Metastasen senken.

    Die Früherkennung hat aber auch klare Nachteile: Es werden viele kleine Tumore entdeckt, die keinen Krankheitswert haben. Denn bei den meisten Männern wächst Prostatakrebs sehr langsam, und vielen bereitet er zu Lebzeiten gar keine Probleme. Männer, bei denen ein solcher Krebs im Rahmen der Früherkennung entdeckt wird, werden unnötig den Belastungen und Nebenwirkungen von Diagnose und Behandlung ausgesetzt. Die Diagnose einer Erkrankung, die sich ohne Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte, nennt man Überdiagnose.

     

    Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs hat Vor- und Nachteile: Einerseits kann er 3 von 1000 Männer davor bewahren, an Prostatakrebs zu sterben. Andererseits erhalten bis zu 60 von 1000 Männern eine unnötige Prostatakrebs-Diagnose – und damit oft eine unnötige Krebsbehandlung. Ob man sich testen lassen möchte oder nicht, ist eine Frage der persönlichen Abwägung.

    Durch den PSA-Test soll Prostatakrebs entdeckt werden, bevor er Beschwerden verursacht. Eine frühe Diagnose und Behandlung kann die Heilungschancen verbessern und das Risiko für Metastasen senken.

    Die Früherkennung hat aber auch klare Nachteile: Es werden viele kleine Tumore entdeckt, die keinen Krankheitswert haben. Denn bei den meisten Männern wächst Prostatakrebs sehr langsam, und vielen bereitet er zu Lebzeiten gar keine Probleme. Männer, bei denen ein solcher Krebs im Rahmen der Früherkennung entdeckt wird, werden unnötig den Belastungen und Nebenwirkungen von Diagnose und Behandlung ausgesetzt. Die Diagnose einer Erkrankung, die sich ohne Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte, nennt man Überdiagnose.

     

    Der PSA-Test zur Früherkennung

    Die bisher einzige Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs, die in großen Studien erforscht wurde, ist der PSA-Test. Zur Früherkennung ist der PSA-Test allerdings keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Viele Arztpraxen bieten ihn aber als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) an, die Männer selbst bezahlen müssen. Die Kosten für den Test betragen zwischen 15 und 20 Euro. Wenn noch ein aufklärendes Gespräch und ergänzende Untersuchungen hinzukommen, ist mit etwa 50 Euro zu rechnen.

    Mit dem Test wird die Menge an „Prostata-spezifischem Antigen“ (PSA) im Blut bestimmt. Dies ist ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Es dient dazu, die Samenflüssigkeit zu verdünnen, damit sich die Spermien besser bewegen können.

    Um den PSA-Wert zu bestimmen, wird in der Arztpraxis eine Blutprobe aus einer Armvene entnommen und an ein Labor geschickt. Bis die Testergebnisse zurückkommen, kann es ein paar Tage dauern. Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter Blut angegeben (ng/ml).

    Was sagt der PSA-Wert aus?

    Da die Prostata sehr gut durchblutet ist, gelangen bei jedem Mann ständig kleine Mengen PSA ins Blut. Ein PSA-Wert unter 3 Nanogramm pro ml (ng/ml) gilt als unauffällig. Die Grauzone ist jedoch groß.

    Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten – er kann aber auch viele andere Ursachen haben. Denn wenn sich die Prostata verändert oder das Gewebe gereizt wird, gelangt automatisch etwas mehr PSA ins Blut. Der PSA-Wert kann zum Beispiel erhöht sein:

    • bei einer Entzündung der Prostata (Prostatitis),
    • bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata (Benigne Prostatahyperplasie),
    • bei einer Harnwegsentzündung,
    • wenn Druck auf die Prostata ausgeübt wurde, zum Beispiel nach dem Fahrradfahren oder nach einer Tast- oder Ultraschalluntersuchung der Prostata.
    • nach einem Samenerguss.

    Es ist sinnvoll, die Ärztin oder den Arzt über solche Einflüsse zu informieren, damit sie oder er das Testergebnis richtig bewerten oder den Test verschieben kann.

    Auf der anderen Seite garantiert ein unauffälliger PSA-Test nicht, dass ein Mann keinen Krebs hat: In seltenen Fällen kann der PSA-Wert trotz Prostatakrebs im normalen Bereich liegen.

    Bei einem sehr hohen PSA-Wert, zum Beispiel über 10 ng/ml, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs. So hohe Werte sind aber selten.

    Wann wird eine Biopsie gemacht?

    Weil ein erhöhter PSA-Wert viele Ursachen haben kann, ist ein auffälliges Testergebnis noch keine Krebsdiagnose. Um festzustellen, ob ein Krebs der Grund für den erhöhten Wert ist, schließt sich meist eine Gewebeentnahme an.

    Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ab welchem PSA-Wert einem Mann eine Gewebeentnahme empfohlen werden sollte. Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland haben sich darauf geeinigt, dass eine Biopsie sinnvoll ist, wenn

    • der PSA-Wert über 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt und eine zweite Messung diesen Wert bestätigt oder
    • der PSA-Wert im Laufe mehrerer Messungen deutlich ansteigt.

    Welche Probleme können bei einer Gewebeentnahme (Biopsie) auftreten?

    Zur Entnahme von Gewebe aus der Prostata wird zuerst eine etwa fingerdicke Sonde in den Darm eingeführt. Von dort wird mit feinen Hohlnadeln durch die Darmwand in die Prostata gestochen, um dort mehrere Gewebeproben zu entnehmen. Per Ultraschall wird kontrolliert, ob die Nadeln an die richtige Stelle geführt werden. In der Regel werden zehn bis zwölf Proben entnommen.

    Vor der Untersuchung erhalten die Männer ein Antibiotikum, um Infektionen möglichst zu vermeiden. Eine örtliche Betäubung hilft gegen die Schmerzen.

    Nach der Biopsie ist oft noch einige Tage Blut im Urin oder Sperma sichtbar. Außerdem kann es zu vorübergehenden Beschwerden beim Wasserlassen und Erektionsproblemen kommen.

    Bei etwa 2 % der Biopsien kommt es zu einer Komplikation, zum Beispiel einer Infektion. Manche Männer müssen deswegen in ein Krankenhaus.

    Was zeigen Studien zu den Vor- und Nachteilen des PSA-Tests?

    Welche Vor- und Nachteile die PSA-Früherkennung für Männer hat, wurde in einer großen europäischen Studie untersucht. Es nahmen 162.000 Männer im Alter von 55 bis 69 Jahren teil. Etwa der Hälfte dieser Männer hatten im Durchschnitt zwei bis drei PSA-Tests. Der Abstand zwischen den Tests lag in der Regel bei vier Jahren. Lag der PSA-Wert über 3 ng/ml, wurde eine Gewebeprobe entnommen. Die andere Hälfte der Männer bekam kein Angebot zur Früherkennung. Seit mittlerweile 16 Jahren verfolgen die Forscherinnen und Forscher, bei wie vielen Männern in beiden Gruppen Prostatakrebs gefunden wird und wie viele Männer daran sterben.

    Der PSA-Test in Zahlen: Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

    Was ein Mann von der Früherkennung erwarten kann, lässt sich mithilfe von Daten aus der großen europäischen Studie zur Früherkennung von Prostatakrebs abschätzen.

    Die Ergebnisse können allerdings nur als ungefähre Schätzungen dafür dienen, was Männer in Deutschland vom PSA-Test erwarten können. Das hat unter anderem damit zu tun, dass in der Studie ein anderer PSA-Grenzwert verwendet wurde als in Deutschland üblich. Wenn 1000 Männer zwischen 55 und 69 über 16 Jahre an der PSA-Früherkennung teilnehmen, sind folgende Ergebnisse zu erwarten:

    • Bei etwa 620 Männern sind die Werte unauffällig.
    • Bei etwa 380 Männern wird ein erhöhter PSA-Wert gefunden. Die meisten dieser Männer lassen sich dann Gewebe aus der Prostata entnehmen, um das Organ auf Krebszellen zu untersuchen.
    • Bei etwa 250 dieser Männer wird in der Biopsie dann doch kein Prostatakrebs gefunden. Der PSA-Test hat falschen Alarm geschlagen.
    • Bei etwa 130 Männern mit auffälligem PSA-Wert werden Krebszellen gefunden. Je nach Größe und Aggressivität des Tumors kommen verschiedene Behandlungen infrage: in der Regel „aktive Überwachung“, Strahlentherapie oder Operation.
    • Bei bis zu 60 dieser Männer wäre der Krebs ohne Früherkennung nie aufgefallen – und hätte zu Lebzeiten nie Probleme verursacht.

    Wie groß sind Nutzen und Schaden der PSA-Früherkennung?

    • Nutzen: Wenn 1000 Männer am PSA-Screening teilnehmen, werden etwa 3 von ihnen davor bewahrt, Metastasen zu entwickeln und am Prostatakarzinom zu sterben.
    • Schaden: Es werden auch Tumoren und Zellveränderungen entdeckt, die sich sonst nie bemerkbar gemacht hätten. Bis zu 60 von 1000 Männern, die an der Früherkennung teilnehmen, erhalten eine Überdiagnose und vielleicht eine unnötige Behandlung.

    Die folgende Grafik zeigt die Vor- und Nachteile der PSA-Früherkennung auf einen Blick. 

    Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer über 16 Jahre an der Früherkennung teilnehmen? Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer über 16 Jahre an der Früherkennung teilnehmen?

    Diese Zahlen sind – wie erwähnt – Schätzungen. Zum einen werden in Deutschland etwas andere PSA-Werte empfohlen. Zum anderen wurden die Männer in der Studie im Durchschnitt über 16 Jahre nachbeobachtet. Eine längere Nachbeobachtung könnte zu etwas anderen Ergebnissen führen.

    Sich entscheiden

    Einige Männer können durch die Früherkennung mit dem PSA-Test davor bewahrt werden, an Prostatakrebs zu sterben. Anderen schadet die Früherkennung, weil sie zu Überdiagnosen führt – und damit zu unnötigen Krebsbehandlungen. Bevor man sich entscheidet, lohnt es sich also, das Für und Wider der Früherkennung gut abzuwägen. Die Vor- und Nachteile sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

    Gründe für die Früherkennung Gründe gegen die Früherkennung
    • Senkt Risiko, an Prostatakrebs zu sterben
    • Senkt Risiko für fortgeschrittenen Krebs (Metastasen)
    • Führt häufig zu Überdiagnosen und unnötigen Krebsbehandlungen
    • Mögliche Folgen von Überdiagnosen sind Inkontinenz und Erektionsstörungen
    • Früherkennung kann Prostatakrebs nicht vorbeugen oder verhindern

     

    Bei der Entscheidung sollte man berücksichtigen, dass mögliche Nachteile infolge unnötiger Krebsbehandlungen unmittelbar eintreten. Dazu gehören Inkontinenz und Erektionsstörungen. Der mögliche Vorteil der Früherkennung – vor einem Prostatakrebstod bewahrt zu werden – tritt in der Regel erst nach einem Zeitraum von 10 oder mehr Jahren ein.

    Ob ein Mann die Früherkennung nutzen möchte, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Bei der Entscheidung kann er sich Zeit lassen. Kein Mann muss sich zur Früherkennung von Prostatakrebs gedrängt fühlen.

    Quellen

    Borghesi M, Ahmed H, Nam R, Schaeffer E, Schiavina R, Taneja S et al. Complications After Systematic, Random, and Image-guided Prostate Biopsy. Eur Urol 2017; 71(3): 353-365.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Prostatakrebsscreening mittels PSA-Test: Vorbericht; Auftrag S19-01. 20.12.2019.

    Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Deutschen Krebsgesellschaft, Deutschen Krebshilfe. Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms: Langversion 5.1. 05.2019.

    Schröder FH, Hugosson J, Roobol MJ, Tammela TL, Zappa M, Nelen V et al. Screening and prostate cancer mortality: results of the European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) at 13 years of follow-up. Lancet 2014; 384(9959): 2027-2035.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Niedrig-Risiko-Prostatakrebs: Aktiv überwachen oder behandeln?

    Ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wächst oft nur sehr langsam oder gar nicht. Zur Behandlung kommt deshalb neben einer Bestrahlung oder Operation auch die sogenannte „aktive Überwachung“ infrage. Dabei wird der Krebs regelmäßig kontrolliert und nur bestrahlt oder operiert, wenn er wächst.

    Von einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs spricht man, wenn der Krebs örtlich begrenzt ist und mit großer Wahrscheinlichkeit nur sehr langsam oder gar nicht wächst (geringes Progressionsrisiko). Die medizinischen Kriterien für Niedrig-Risiko-Prostatakrebs sind:

    • Der Krebs ist auf eine der beiden Prostatahälften (Prostatalappen) begrenzt.
    • Der Krebs nimmt weniger als die Hälfte des betroffenen Prostatalappens ein.
    • Die Krebszellen sind kaum verändert und wenig aggressiv.
    • Der Krebs hat keine Lymphknoten befallen und keine Metastasen gebildet.

    So beunruhigend die Diagnose ist: Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wächst nur sehr langsam, manchmal gar nicht. Die Prognose ist daher sehr gut. Über einen Zeitraum von 10 Jahren stirbt nur 1 von 100 Männern mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs an seinem Tumor. Anders ausgedrückt: 99 von 100 Männern sterben in den darauffolgenden 10 Jahren nicht daran.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit einen Niedrig-Risiko-Prostatakrebs umzugehen. Jede dieser Möglichkeiten hat ihre Vor- und Nachteile. Deshalb ist es sinnvoll, sich gut zu informieren und die Alternativen mit den Ärztinnen und Ärzten zu besprechen.

    Ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wächst oft nur sehr langsam oder gar nicht. Zur Behandlung kommt deshalb neben einer Bestrahlung oder Operation auch die sogenannte „aktive Überwachung“ infrage. Dabei wird der Krebs regelmäßig kontrolliert und nur bestrahlt oder operiert, wenn er wächst.

    Von einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs spricht man, wenn der Krebs örtlich begrenzt ist und mit großer Wahrscheinlichkeit nur sehr langsam oder gar nicht wächst (geringes Progressionsrisiko). Die medizinischen Kriterien für Niedrig-Risiko-Prostatakrebs sind:

    • Der Krebs ist auf eine der beiden Prostatahälften (Prostatalappen) begrenzt.
    • Der Krebs nimmt weniger als die Hälfte des betroffenen Prostatalappens ein.
    • Die Krebszellen sind kaum verändert und wenig aggressiv.
    • Der Krebs hat keine Lymphknoten befallen und keine Metastasen gebildet.

    So beunruhigend die Diagnose ist: Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wächst nur sehr langsam, manchmal gar nicht. Die Prognose ist daher sehr gut. Über einen Zeitraum von 10 Jahren stirbt nur 1 von 100 Männern mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs an seinem Tumor. Anders ausgedrückt: 99 von 100 Männern sterben in den darauffolgenden 10 Jahren nicht daran.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit einen Niedrig-Risiko-Prostatakrebs umzugehen. Jede dieser Möglichkeiten hat ihre Vor- und Nachteile. Deshalb ist es sinnvoll, sich gut zu informieren und die Alternativen mit den Ärztinnen und Ärzten zu besprechen.

    Wie kann Niedrig-Risiko-Prostatakrebs behandelt werden?

    Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs haben vier Möglichkeiten: aktive Überwachung, externe Strahlentherapie, interne Strahlentherapie und operative Entfernung der Prostata.

    • Bei der aktiven Überwachung (englisch: „active surveillance“) wird der Prostatakrebs beobachtet und nur behandelt, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass der Krebs fortschreitet. Diese Strategie berücksichtigt, dass ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs oft nur sehr langsam oder gar nicht wächst und daher oft nicht behandelt werden muss.
    • Bei einer externen Strahlentherapie werden die Tumorzellen von außen durch die Haut bestrahlt.
    • Bei der inneren Strahlentherapie (Brachytherapie) wird der Krebs mithilfe von schwach radioaktiven, reiskorngroßen Stiften von innen bestrahlt.
    • Bei einer Operation wird der Tumor zusammen mit der gesamten Prostata, der Bläschendrüse und der äußeren Kapsel entfernt (Prostatektomie).

    Strahlentherapie und Prostataentfernung werden auch als „heilende“ (kurative) Therapien bezeichnet, da man damit versucht, alle Tumorzellen zu entfernen. Allerdings können trotzdem einzelne Krebszellen im Körper bleiben oder sich neue Krebszellen bilden. Deshalb werden auch nach einer Strahlentherapie oder Operation regelmäßige Kontrollen des PSA-Werts empfohlen.

    Was passiert bei einer aktiven Überwachung?

    Die aktive Überwachung hat einen großen Vorteil: Männern, bei denen der Krebs nicht wächst, wird eine Operation oder Strahlentherapie und deren Nebenwirkungen erspart. Ihr Nachteil ist, dass manchmal erst spät festgestellt wird, wenn ein Krebs fortschreitet. Er kann dann bereits Metastasen gebildet haben. Außerdem kann es psychisch belastend sein, mit dem Wissen zu leben, dass man Krebs im Körper hat.

    Ein weiterer Nachteil der aktiven Überwachung ist, dass sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen erfordert. In Deutschland empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften:

    • In den ersten zwei Jahren alle 3 bis 6 Monate eine PSA-Bestimmung und Tastuntersuchung.
    • In den ersten 3 Jahren insgesamt 3 Gewebeentnahmen:
      • Eine Biopsie nach 6 Monaten,
      • eine zweite etwa 12 bis 18 Monate nach der ersten und
      • eine dritte am Ende der 3 Jahre.

    Danach soll alle drei Jahre eine Biopsie erfolgen.

    Was versteht man unter „abwartendem Beobachten“?

    Bei Männern, die älter sind oder schwere Erkrankungen haben, können die Risiken und Belastungen durch Operation oder Strahlentherapie schwerer wiegen als der mögliche Nutzen einer Behandlung. Manche möchten auch keine belastende Behandlung mehr auf sich nehmen. Dann ist ein „abwartendes Beobachten“ möglich. Hierbei behandelt man nicht den Krebs, sondern nur mögliche Folgebeschwerden.

    Diese Strategie wird auch „watchful waiting“ genannt. Sie unterscheidet sich von der „aktiven Überwachung“ dadurch, dass keine belastenden Kontrolluntersuchungen gemacht werden. Abwartendes Beobachten oder „watchful waiting“ kommt vor allem für Männer infrage, deren restliche Lebenserwartung unabhängig vom Prostatakrebs unter zehn Jahren liegt. Bei ihnen ist es unwahrscheinlich, dass der Krebs noch deutlich wächst.

    Wie schneiden die Behandlungen im Vergleich ab?

    Die für die Behandlung von Männern mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs bislang wichtigste Studie ist die sogenannte ProtecT-Studie (englisch = Prostate testing for cancer and treatment trial). Sie hat drei Möglichkeiten verglichen: aktive Überwachung, äußere Strahlentherapie und Entfernung der Prostata. An dieser Studie nahmen 1643 Männer im Alter von 50 bis 69 Jahren teil, die bereit waren, sich zufällig zu einer der drei Behandlungsgruppen zuteilen zu lassen. Etwa zwei Drittel von ihnen hatten Niedrig-Risiko-Prostatakrebs. Die Behandlungsergebnisse wurden über durchschnittlich zehn Jahre erfasst und am Ende der Studie miteinander verglichen.

    Im Ergebnis zeigte sich über einen Zeitraum von zehn Jahren

    • kein Unterschied in der Sterblichkeit zwischen aktiver Überwachung, Strahlentherapie und Prostataentfernung,
    • ein etwas höheres Risiko für Metastasen bei Männern, die aktiv beobachtet wurden,
    • ein deutlich größeres Risiko für ungewollten Harnabgang (Harninkontinenz) bei Männern, die operiert wurden,
    • ein deutlich größeres Risiko für Erektionsstörungen bei Männern, die bestrahlt oder operiert wurden (bei der Bestrahlung vor allem in den ersten sechs Monaten nach der Therapie),
    • ein etwas größeres Risiko für ungewollten Stuhlabgang (Stuhlinkontinenz) bei Männern, die bestrahlt wurden.

    Auf Basis dieser und weiterer Studienergebnisse haben wir eine Entscheidungshilfe entwickelt, die Männern mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs helfen kann, die Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten abzuwägen – zum Beispiel gemeinsam mit ihren Angehörigen und ihren Ärztinnen und Ärzten.

    Welche Fragen sind noch offen?

    Die ProtecT-Studie hat eine wichtige Einschränkung: Der Beobachtungszeitraum ist bislang auf zehn Jahre beschränkt. Die Vor- und Nachteile der drei Möglichkeiten lassen sich aber erst nach 15 oder 20 Jahren abschließend vergleichen.

    Bislang gibt es nur für die Operation aussagekräftige Langzeitdaten – mittlerweile für einen Zeitraum von 23 Jahren. Sie kommen aus einer skandinavischen Studie, in der die Entfernung der Prostata mit einem „abwartendem Beobachten“ verglichen wurde. In dieser Studie hatten aber nur etwa ein Drittel der Männer Niedrig-Risiko-Prostatakrebs. Daher kann sie auch nicht sicher beantworten, was Männer mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs langfristig von den heute üblichen Behandlungsalternativen erwarten können.

    Eine weitere Einschränkung der ProtecT-Studie ist, dass sich die Kontrolluntersuchungen im Rahmen der aktiven Überwachung von der heute üblichen Versorgung unterschieden: In der ProtecT-Studie machten die Männer im ersten Jahr alle 3 Monate, später alle 6 bis 12 Monate einen PSA-Test. Nur bei auffälligen PSA-Werten oder wenn Symptome wie Probleme beim Wasserlassen auftraten, wurden sie weiter untersucht. In Deutschland werden auch bei unauffälligen PSA-Werten regelmäßige Kontroll-Biopsien empfohlen. Das soll die Überwachung sicherer machen, ist aber auch belastender.

    Trotz dieser Einschränkungen liefert die ProtecT-Studie die zurzeit beste Entscheidungsgrundlage für Männer mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs.

    Gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten?

    Andere Behandlungen wie der „Hochintensive Fokussierte Ultraschall“ (HIFU), die Kryotherapie (Vereisung) oder die Hyperthermie (Erwärmung) sind noch nicht ausreichend geprüft. Sie werden von den medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland daher nicht oder nur im Rahmen von Studien empfohlen.

    Wie entscheiden?

    Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs können die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten ohne Zeitdruck abwägen. Dafür kann eine Entscheidungshilfe hilfreich sein.

    Bei der Entscheidung spielen neben den Vor- und Nachteilen der einzelnen Therapien auch persönliche Faktoren wie der Gesundheitszustand und das Alter eine wichtige Rolle. Ein junger und ansonsten gesunder Mann, der noch eine hohe Lebenserwartung hat, wägt vermutlich anders ab als ein älterer Mann, der zusätzliche Erkrankungen und eine geringere Lebenserwartung hat.

    Die Vor- und Nachteile der Behandlungen bespricht man am besten mit seinen Ärztinnen und Ärzten.

    Weitere Informationen zur Behandlung von Prostatakrebs bieten die Patientenratgeber der medizinischen Leitlinie zur Behandlung von Prostatakrebs  und der Krebsinformationsdienst.

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Krebshilfe (DKH). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Registernr.: 043-022OL. 05.2019. (Leitlinienprogramm Onkologie).

    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutschen Krebshilfe (DKH). Prostatakrebs I: Lokal begrenztes Prostatakarzinom; ein evidenzbasierter Patientenratgeber zur S3-Leitlinie; Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Patientenleitlinie. 2018. (Leitlinienprogramm Onkologie).

    Bill-Axelson A, Holmberg L, Garmo H, Taari K, Busch C, Nordling S et al. Radical prostatectomy or watchful waiting in prostate cancer: 29-year follow-up. N Engl J Med 2018; 379(24): 2319-2329.

    Donovan JL, Hamdy FC, Lane JA, Mason M, Metcalfe C, Walsh E et al. Patient-reported outcomes after monitoring, surgery, or radiotherapy for prostate cancer. N Engl J Med 2016; 375(15): 1425-1437.

    Hamdy FC, Donovan JL, Lane JA, Mason M, Metcalfe C, Holding P et al. 10-year outcomes after monitoring, surgery, or radiotherapy for localized prostate cancer. N Engl J Med 2016; 375(15): 1415-1424.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Interstitielle Low-Dose-Rate-Brachytherapie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom: Rapid Report; Auftrag N17-04. 19.10.2018. (IQWiG-Berichte; Band 675).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Prostatakrebs - Erfahrungsbericht - Horst

    "Ich weiß, dass viele Männer von diesen Untersuchungen keinen Gebrauch machen, aber ich habe im Kollegenkreis immer dafür geworben, die Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Wir haben uns diesbezüglich auch untereinander ausgetauscht. Ich rede offen über solche Dinge.“

    Horst,  67 Jahre

    „Manche empfinden die Tastuntersuchung und den Ultraschall als unangenehm. Ich habe da bereits Erfahrungen, da ich durch eine chronische Erkrankung Entzündungen im Analbereich hatte und es macht mir nicht mehr so viel aus.“

    Ich hatte vor einigen Jahren Probleme mit häufigem Wasserlassen. Das wollte ich mit einem Urologen besprechen. Dieser hat dann eine Prostatavergrößerung festgestellt. Im Zusammenhang mit dieser Untersuchung haben wir die Früherkennungsuntersuchungen auf Prostatakrebs besprochen.

    Ich interessiere mich generell für medizinische Themen und hatte mich schon vorher erkundigt, da es ja ab einem bestimmten Alter Früherkennungsuntersuchungen gibt. Der Arzt hat mir dann unter anderem auch den PSA-Test empfohlen. Es war nach meinen Vorrecherchen auch mein Wunsch, diesen Test durchzuführen.

    Der PSA-Wert war bei mir im Normbereich. Ich weiß, dieser Test ist umstritten. Aber ich denke schon, dass er für mich sinnvoll ist. Das Ergebnis des PSA-Tests steht ja nicht allein da, sondern mein Arzt macht auch ergänzend eine Tastuntersuchung und einen Ultraschall.

    Meine Frau ist Vorbild für mich

    Ich mache mir schon Gedanken über ein mögliches auffälliges Ergebnis dieser Untersuchungen, aber ich gehe jetzt viel gelassener und offener mit so etwas um als früher. Meine Frau hatte Brustkrebs. Und sie hatte die ganze Zeit eine sehr positive Einstellung zum Leben. Ich schätze ihre Haltung sehr und habe sehr viel von ihr gelernt. Sie ist mir ein Vorbild. Wenn es ein auffälliges Ergebnis geben würde, dann müsste ich versuchen, das Beste daraus zu machen. Ich werde bald 70 und habe gelernt, dass mein Leben begrenzt ist.

    Ich spreche mit meiner Frau über die Untersuchungen. Damit gehen wir nach der Krebserkrankung meiner Frau viel offener um als vorher. Wir reden auch mit unseren Kindern über diese Dinge. Wir versuchen, diese Offenheit auch an sie weiter zu geben.

    Manche empfinden die Tastuntersuchung und den Ultraschall als unangenehm. Ich habe da bereits Erfahrungen, da ich durch eine chronische Erkrankung Entzündungen im Analbereich hatte und es macht mir nicht mehr so viel aus. Aber es ist schon schwierig, besonders wenn man mit dem Gedanken hingeht, dass die Untersuchung unangenehm ist. Dann ist man eher verspannt und das ist dann nicht so angenehm. Es ist eine unangenehme Berührung und ich finde es auch nicht gut, wenn eine Arzthelferin während der Untersuchung im Raum ist. Also da nimmt der Urologe, bei dem ich bin, Rücksicht und schickt die Arzthelferin immer aus dem Raum.

    Ich finde, das Verhalten der Ärzte ist ganz entscheidend! Es gibt Ärzte, die sind empfindsam und es gibt Ärzte, die sollten sprichwörtlich lieber im Schlachthaus arbeiten. Wenn ich mit einem Arzt nicht zurechtkomme, ich mit seiner Arbeitsweise nicht zufrieden bin oder er mir unsympathisch ist, dann gehe ich einfach zu einem anderen. Dann wechsle ich die Praxis, wenn ich mich nicht angenommen fühle.

    Mein Arzt und ich, wir unterhalten uns bei den Untersuchungen und zur Auswertung der Ergebnisse machen wir immer einen Termin. Mein Arzt ist sehr offen und das ist sehr wichtig für mich. Er weist mich auch auf kritische Aspekte von Untersuchungen hin, auch dass er mich bei Unsicherheiten in ein spezielles Zentrum überweisen würde. Er erklärt mir auch die Untersuchungen. Ich vertraue ihm. Ein Arzt, der nicht mit mir redet und nicht auf meine Fragen eingeht, der würde für mich nicht infrage kommen.

    Unter Kollegen haben wir uns ausgetauscht

    Ich weiß, dass viele Männer von diesen Untersuchungen keinen Gebrauch machen, aber ich habe im Kollegenkreis immer dafür geworben, die Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Wir haben uns diesbezüglich auch untereinander ausgetauscht. Ich rede offen über solche Dinge.

    Ich hatte vor ein paar Jahren ein sogenanntes Burnout-Syndrom. Das hat mich sehr erschüttert und mich in meiner Lebenseinstellung sehr verändert. Seitdem gehe ich mit solchen Dingen viel offener um und rede darüber. Ich habe danach einfach mehr Verantwortung für mich übernommen. Für mich ist es wichtig, für seinen Körper Sorge zu tragen und dies nicht nur den Ärzten zu überlassen oder irgendwelchen Zufallserscheinungen.

    Ich finde es wichtig, dass man sich informiert und auf das Gespräch mit dem Arzt vorbereitet und sich aktiv einbringt. Das ist für mich ein Zeichen, dass man sich und die eigene Gesundheit wertschätzt.

    Danksagung

    Die hier veröffentlichten Erfahrungsberichte sind Teile von Lebensgeschichten. Sie wurden im Rahmen von Interviews gesammelt. Unser herzlicher Dank gilt allen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern. Alle Interviewpartnerinnen und Interviewpartner haben der Veröffentlichung der Erfahrungsberichte zugestimmt.

    Die im Rahmen der Erfahrungsberichte veröffentlichten Aussagen sind Erfahrungen und Meinungen von einzelnen Personen. Sie stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Prostatakrebs - Erfahrungsbericht - Jörg

    „Für mich ist es immer ein Hinweis, wenn die Kosten für eine medizinische Leistung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden: dass dann diese Untersuchung meiner Meinung nach auch nicht erforderlich ist und vermutlich nicht als gut genug angesehen wird.“

    Jörg, 58 Jahre

    „Für mich ist es immer ein Hinweis, wenn die Kosten für eine medizinische Leistung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden: dass dann diese Untersuchung meiner Meinung nach auch nicht erforderlich ist und vermutlich nicht als gut genug angesehen wird.“

    Über meinen Beruf habe ich das erste Mal von Früherkennungsuntersuchungen auf Prostatakrebs erfahren. Später hat mich ein Arzt bei einer Routineuntersuchung darauf hingewiesen, dass ich mal zu einem Urologen gehen und meine Prostata untersuchen lassen könnte.

    Das habe ich dann auch gemacht. Der Urologe meinte, dass er einen PSA-Test bei mir machen würde, aber das wäre eine „individuelle Gesundheitsleistung“, die ich selber bezahlen müsste. Ich bin grundsätzlich gegen diese IGeL. Das habe ich diesem Arzt auch gesagt.

    Über den PSA-Test habe ich mich informiert

    Ich habe dann noch zwei andere Ärzte dazu befragt. Sie haben mich gefragt, ob ich schon mal eine Erkrankung an der Prostata hatte oder Beschwerden habe. Dies hatte ich nicht und beide haben mir gesagt, dass ich den PSA-Test nicht machen lassen sollte. Die Prostata kann auch anders untersucht werden, ohne dass ich dafür bezahlen muss. Damit war für mich klar, dass ich keinen PSA-Test machen lasse.

    Der Urologe hatte mir noch weitere IGeL empfohlen. Wie schon gesagt, ich bin kein Fan dieser Leistungen. Zu diesem Arzt bin ich bis heute nicht mehr gegangen und habe auch anderen Personen abgeraten, diesen Arzt aufzusuchen.

    Ich habe vor einiger Zeit in Zeitungen gelesen, dass die IGeL oft nicht erforderlich sind. Dazu habe ich dann einen befreundeten Arzt befragt, der mir dies bestätigt hat. Das hat mich in meiner Skepsis bestärkt.

    Der Arzt, der mir damals den PSA-Test empfohlen hat, hat mir die anderen beiden Möglichkeiten der Tastuntersuchung, die ja von der Krankenkasse übernommen wird, und des Ultraschalls der Prostata gar nicht angeboten. Diese Untersuchungen habe ich dann von einem befreundeten Mediziner machen lassen und beide Ergebnisse waren unauffällig. Wenn in einer dieser Untersuchungen auffällige Ergebnisse herausgekommen wären, hätte ich immer noch einen PSA-Test machen lassen können.

    Die Untersuchungen waren nicht unangenehm

    Um die möglichen Ergebnisse dieser Früherkennungsuntersuchungen mache ich mir keine Sorgen. Wenn es so ist, dann ist es so. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Die Tastuntersuchung und der Ultraschall waren auch nicht unangenehm und liefen schnell ab. Ich kannte ja den Arzt und das war sicher von Vorteil.

    Ich bin nach wie vor von meiner Entscheidung gegen den PSA-Test überzeugt. Für mich ist es immer ein Hinweis, wenn die Kosten für eine medizinische Leistung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden: dass dann diese Untersuchung meiner Meinung nach auch nicht erforderlich ist und vermutlich nicht als gut genug angesehen wird. Ich finde, dass viele Untersuchungen unnötig gemacht werden. Oft sind die Preise für die IGeL bei verschiedenen Ärzten unterschiedlich. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Ärzte mit diesen Leistungen gar kein medizinisches Interesse verbinden, sondern eher ein finanzielles. Das schreckt mich eher ab.

    Ich finde, wer gern einen PSA-Test machen lassen will, der sollte sich bei mehreren Ärzten erkundigen, was der Test kostet und nochmal fragen, ob er wirklich erforderlich ist.

    Danksagung

    Die hier veröffentlichten Erfahrungsberichte sind Teile von Lebensgeschichten. Sie wurden im Rahmen von Interviews gesammelt. Unser herzlicher Dank gilt allen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern. Alle Interviewpartnerinnen und Interviewpartner haben der Veröffentlichung der Erfahrungsberichte zugestimmt.

    Die im Rahmen der Erfahrungsberichte veröffentlichten Aussagen sind Erfahrungen und Meinungen von einzelnen Personen. Sie stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)