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Prostatakrebs

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    Prostatakrebs ist die bei Männern am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung. Er zählt aber zu den Krebsarten mit den größten Heilungschancen. Prostatakrebs wächst oft langsam und lässt sich daher meist gut behandeln. Lesen Sie über Risikofaktoren, Früherkennung, Diagnose und Behandlung.

    Einleitung

    Prostatakrebs entsteht, wenn Zellen in der Prostata beginnen, sich unkontrolliert zu teilen. Dies kann passieren, wenn das Erbgut der Zellen verändert ist. Normalerweise hält das körpereigene Abwehrsystem solche Zellen in Schach. Krebs entsteht, wenn sich zu viele veränderte Zellen vermehren und zu einem Tumor heranwachsen.

    Die Diagnose Prostatakrebs ist für die meisten Männer und ihre Angehörigen erst einmal ein Schock. Die beruhigende Nachricht ist aber, dass Prostatakrebs zu den Krebsarten mit den größten Heilungschancen gehört. Denn er wächst oft sehr langsam und lässt sich daher meist gut behandeln.

    Symptome

    Prostatakrebs löst normalerweise erst Beschwerden aus, wenn er weiter fortgeschritten ist. Dann kann er zu Problemen wie einem verstärkten Harndrang oder einem schwächeren Harnstrahl führen. Meist werden Probleme beim Wasserlassen aber nicht durch Krebs, sondern durch eine gutartige Vergrößerung der Prostata verursacht. Sie ist bei Männern über 50 sehr häufig.

    Selten kann auch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit auf Prostatakrebs hindeuten. Wenn der Krebs sehr weit fortgeschritten ist, kann er sich über die Lymphbahnen oder den Blutkreislauf in andere Körperregionen ausbreiten, wie zum Beispiel die Knochen. Dies kann Symptome wie Knochenschmerzen auslösen.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Die genauen Ursachen für Prostatakrebs sind nicht bekannt. Es gibt jedoch bestimmte Faktoren, von denen man weiß, dass sie das Krebsrisiko erhöhen. Die wichtigsten sind:

    • das Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Prostatakrebs.
    • die Abstammung: Männer mit schwarzer Hautfarbe sind etwas häufiger von Prostatakrebs betroffen als Männer mit einer anderen Hautfarbe.
    • Verwandte ersten Grades: Wer einen Vater oder Bruder hat, der an Prostatakrebs erkrankt ist, hat selbst ein etwas höheres Risiko. Sind Vater und mehrere Brüder erkrankt, ist das Risiko stärker erhöht.
    • hohe Dosen an Vitamin E: Nahrungsergänzungsmittel mit viel Vitamin E erhöhen nachweislich das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, wenn man sie jahrelang einnimmt.

    Häufig werden auch bestimmte Lebensmittel wir rotes Fleisch oder Tomaten mit Krebs in Verbindung gebracht – mal als Ursache und mal als Möglichkeit der Vorbeugung. Dass Männer ihr Risiko für Prostatakrebs durch eine bestimmte Ernährung senken können, ist jedoch nicht durch aussagekräftige Studien belegt.

    Häufigkeit

    Die Zahl der Prostatakrebs-Diagnosen hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, ist aber mittlerweile wieder leicht rückläufig. Ein Grund für den Anstieg war die steigende Lebenserwartung: Denn das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu. Bei Männern unter 50 Jahren tritt Prostatakrebs sehr selten auf.

    Der zweite Grund hat damit zu tun, dass mehr Männer an Untersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs teilnehmen. Bei diesen Untersuchungen werden heute vermehrt kleine Krebsknoten gefunden, die früher nicht entdeckt wurden, weil sie bei vielen Männern zeitlebens keine Beschwerden auslösen. Die Früherkennung erhöht somit die Zahl der Diagnosen.

    Die folgenden Tabellen zeigen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Mann in einem bestimmten Alter in den nächsten zehn Jahren seines Lebens die Diagnose Prostatakrebs erhält und ob er daran stirbt. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte. Das individuelle Risiko eines Mannes hängt auch davon ab, ob und welche Risikofaktoren er hat.

     

    Tabelle: Risiko eines Mannes, in den nächsten 10 Jahren die Diagnose Prostatakrebs zu erhalten:
    Heutiges Alter Anteil der Männer, bei denen in den nächsten 10 Jahren Prostatakrebs festgestellt wird
    45 4 von 1000
    55 25 von 1000
    65 59 von 1000
    75 59 von 1000

    Quelle: RKI 2015

    Tabelle: Risiko eines Mannes, in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs zu sterben
    Heutiges Alter Anteil der Männer, die in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs sterben
    45 weniger als 1 von 1000
    55 2 von 1000
    65 7 von 1000
    75 19 von 1000

    Quelle: RKI 2015

    Verlauf

    Prostatakrebs kann unterschiedlich verlaufen. Die meisten Männer mit dieser Diagnose haben gute Heilungschancen. Denn oft ist der Prostatakrebs örtlich (lokal) begrenzt und hat noch keine Absiedlungen (Metastasen) gebildet. Über 90 % der Männer, bei denen ein Prostatakrebs entdeckt wird, leben fünf Jahre danach noch. Betrachtet man nur Männer mit örtlich begrenztem Prostatakrebs, sind es sogar 99 %.

    In den letzten Jahrzehnten haben mehrere Studien gezeigt, dass viele Männer kleine Krebsknoten in der Prostata haben, die keine Beschwerden verursachen. In diesen Studien wurden Männer untersucht, die an anderen Ursachen gestorben sind. Mit anderen Worten: Sie starben nicht an, sondern mit Prostatakrebs. Solche Knoten werden auch als latente Tumore bezeichnet und sind bei Männern über 50 relativ häufig: Schätzungen zufolge haben 30 bis 70 % von ihnen einen latenten Prostatakrebs.

    Es gibt allerdings auch aggressive Krebsformen, die schnell wachsen und die Lebenszeit verkürzen können. Wenn ein Krebs festgestellt wird, lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie er sich in Zukunft entwickelt. Durch eine Gewebeprobe und andere Tests lässt sich aber abschätzen, ob ein Tumor eher aggressiv ist (Hoch-Risiko-Krebs) oder nur sehr langsam wächst (Niedrig-Risiko-Krebs). Dies ist – neben anderen Faktoren wie zum Beispiel dem Alter des Mannes – wichtig für die Behandlungsentscheidung.

    Diagnose

    Bei einem Verdacht auf Prostatakrebs fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach vorhandenen Beschwerden, um die Symptome grob einzuordnen und Hinweise auf mögliche Ursachen zu bekommen (Anamnese). Danach kommen verschiedene Untersuchungen infrage:

    • Tastuntersuchung: Durch das Abtasten der Prostata über den Enddarm mit einem Finger kann die Größe, Festigkeit und Oberfläche der Prostata beurteilt werden. Diese Untersuchung wird als digital-rektale Untersuchung bezeichnet (vom lateinischen „digitus“ = Finger). Manche Männer empfinden die Untersuchung als unangenehm, schmerzhaft ist sie aber normalerweise nicht.
    • PSA-Test: Der PSA-Test ist eine Blutuntersuchung auf ein bestimmtes Eiweiß. PSA steht für „Prostata-spezifisches Antigen“, ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet wird und in geringen Mengen ins Blut übertritt. Ein erhöhter PSA-Wert kann, muss aber nicht auf Prostatakrebs hindeuten. Der Wert kann auch aus anderen Gründen erhöht sein.
    • transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS): Mit einem Ultraschallgerät lässt sich die Form und Größe der Prostata beurteilen. Hierzu wird eine etwa fingerdicke Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt.
    • Gewebeentnahme (Biopsie): Ob sich in der Prostata Krebsgewebe befindet, lässt sich nur durch eine Gewebeentnahme sicher feststellen. In der Regel werden zehn bis zwölf Gewebeproben aus der Prostata entnommen und anschließend unter einem Mikroskop auf Krebszellen untersucht. Üblicherweise wird eine Stanzbiopsie gemacht. Dazu wird wie bei der TRUS ein Ultraschallgerät in den Enddarm eingeführt, in das eine feine Hohlnadel integriert ist. Mit der Nadel wird durch die Wand des Enddarms in die Prostata gestochen, um die Gewebeproben zu entnehmen. Der Ultraschall hilft dabei, die Nadel an die richtigen Stellen zu führen. Die Untersuchung findet unter lokaler Betäubung statt, in Ausnahmefällen ist auch eine kurze Narkose möglich.

    Anhand der Gewebeproben lässt sich die „Aggressivität“ des Tumors einschätzen. Damit ist gemeint, wie stark sich das Gewebe verändert hat, wie wahrscheinlich es ist, dass der Krebs wächst und wie schnell er sich im Körper ausbreitet. Dazu wird von einem Facharzt für Pathologie der sogenannte Gleason-Score bestimmt. Bei Prostatakrebs liegt der Gleason-Score zwischen 6 und 10. Bei einem Wert von 6 ist die Aggressivität des Tumors gering, ab einem Wert von 8 hoch.

    Früherkennung

    Drei der beschriebenen Diagnosemethoden werden auch zur Früherkennung von Prostatakrebs angeboten: die Tastuntersuchung, der PSA-Test und die transrektale Ultraschalluntersuchung.

    Sie werden oft auch als Untersuchungen zur Vorsorge bezeichnet. Der Begriff Vorsorge erweckt den Eindruck, dass eine Untersuchung verhindern kann, dass ein Krebs entsteht. Das kann aber keine der Untersuchungen. Ihr Ziel ist vielmehr, einen Prostatakrebs früher zu entdecken, damit er besser behandelt werden kann.

    Die Tastuntersuchung ist als Früherkennungsuntersuchung Leistung der gesetzlichen Krankenkassen: Alle Männer ab 45 Jahre haben einmal jährlich Anspruch darauf. Ein Nutzen ist aber nicht nachgewiesen. Es gibt zum Beispiel keine Belege, dass Männer seltener an Prostatakrebs sterben, wenn sie regelmäßig an der Tastuntersuchung teilnehmen.

    Der transrektale Ultraschall ist zur Früherkennung von Prostatakrebs nicht geeignet. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Ultraschalluntersuchung nur bei Beschwerden oder Verdacht auf eine Erkrankung der Prostata, zum Beispiel bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata.

    Der Nutzen des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs wurde in großen Studien untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass möglichen Vorteilen auch ernstzunehmende Nachteile wie Überdiagnosen gegenüberstehen. Vor einer Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test lohnt es sich, das Für und Wider abzuwägen.

    Behandlung

    Welche Behandlung für einen Mann mit Prostatakrebs infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören:

    • das Ausmaß der Zellveränderungen (Aggressivität des Tumors)
    • die Ausbreitung (Stadium) des Tumors
    • der PSA-Wert
    • persönliche Aspekte wie das Alter des Mannes, sein sonstiger Gesundheitszustand und seine persönliche Abwägung der Vor- und Nachteile

    Bei Männern mit einem Hoch-Risiko-Prostatakrebs wird die Prostata normalerweise operativ entfernt oder bestrahlt. Es gibt zwei Möglichkeiten der Bestrahlung: von außen (externe Strahlentherapie) oder innen (interne Strahlentherapie, Brachytherapie).

    Die häufigsten Nebenwirkungen von Bestrahlung und Entfernung der Prostata sind ungewollter Urinabgang (Harninkontinenz) und Erektionsstörungen. Insbesondere die externe Bestrahlung kann zu Durchfall führen, teilweise auch zu Darmentzündungen, die mit Blut im Stuhl und Krämpfen verbunden sein können.

    Solange der Krebs klein, auf die Prostata begrenzt und nicht aggressiv ist (Niedrig-Risiko-Prostatakrebs), kann sich ein Mann auch für folgende Behandlungsalternativen entscheiden:

    • aktive Überwachung („active surveillance“): Bei dieser Strategie wird der Prostatakrebs zunächst nur beobachtet und nicht direkt behandelt. Sie berücksichtigt, dass ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs meist nur sehr langsam oder gar nicht wächst. Oft zeigt sich auch Jahre nach der Diagnose noch kein Fortschreiten der Erkrankung. Statt einer Behandlung wird die Prostata in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Nur wenn der Tumor doch wächst, wird „heilend“ (kurativ) behandelt. Diese Strategie hat den Vorteil, dass den Männern, bei denen der Krebs nicht wächst, die Nebenwirkungen einer Operation oder Strahlentherapie erspart bleiben. Der mögliche Nachteil: Manchmal wird zu spät festgestellt, dass ein Krebs fortschreitet. Er kann dann bereits Metastasen gebildet haben. Außerdem kann es psychisch belastend sein, mit dem Wissen zu leben, dass man Krebs im Körper hat.
    • abwartendes Beobachten („watchful waiting“): Auch bei dieser Strategie wird der Prostatakrebs zunächst nur beobachtet. Falls der Tumor wächst, werden jedoch nur die Beschwerden behandelt, nicht der Tumor selbst (lindernde oder „palliative“ Behandlung). Diese Strategie kommt vor allem für ältere Männer infrage, die vielleicht noch andere Erkrankungen haben. Denn bei ihnen könnten die Risiken und Belastungen durch Operation oder Strahlentherapie schwerer wiegen als der mögliche Nutzen dieser Behandlungen.

    Für Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs gibt es keine „richtige“ oder „falsche“ Entscheidung. Welche Behandlungsstrategie ein Mann wählt, ist zum großen Teil eine Frage der persönlichen Abwägung: Für den einen ist es wichtiger, Nebenwirkungen wie Impotenz oder Inkontinenz möglichst zu vermeiden. Der andere will so sicher wie möglich sein, dass der Krebs entfernt wurde und nimmt dafür die Risiken der Behandlung in Kauf.

    Wenn Prostatakrebs weiter fortgeschritten ist, kommen verschiedene Varianten der Hormon- und Chemotherapie infrage, die sein Wachstum abbremsen sollen.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Weitere Informationen über Prostatakrebs, zum Beispiel über die Kriterien, mit denen die Aggressivität von Tumoren beurteilt wird, und über Behandlungsmöglichkeiten finden sich beim Krebsinformationsdienst des deutschen Krebsforschungszentrums.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Register-Nr.: 043/022OL. 12.2016. (Leitlinienprogramm Onkologie).

    Klein EA, Thompson IM, Jr., Tangen CM, Crowley JJ, Lucia MS, Goodman PJ et al. Vitamin E and the risk of prostate cancer: the Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT). Jama 2011; 306(14): 1549-1556.

    Pron G. Prostate-Specific Antigen (PSA)-Based Population Screening for Prostate Cancer: An Evidence-Based Analysis. Ont Health Technol Assess Ser 2015; 15(10): 1-64.

    Robert Koch-Institut (RKI). Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Berlin: Ruksal Druck; 2016.

    Robert Koch-Institut (RKI), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID). Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin: RKI; 2015.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Niedrig-Risiko-Prostatakrebs: Beobachten, bestrahlen, operieren?

    Männer mit einem örtlich begrenzten, nicht aggressiven Prostatakrebs haben drei Behandlungsmöglichkeiten: neben Bestrahlung und Operation auch die sogenannte aktive Überwachung. Eine große Studie hat untersucht, wie die drei Methoden im Vergleich abschneiden.

    Um die Beschaffenheit eines Tumors beurteilen zu können, werden Gewebeproben entnommen, mikroskopisch untersucht und nach festgelegten Kriterien klassifiziert. Viele Männer, deren Tumor durch einen PSA-Test im Rahmen der Krebsfrüherkennung entdeckt wurde, haben einen Niedrig-Risiko-Prostatakrebs. Dieser wächst oft sehr langsam, deshalb kommt als Alternative zu Operation oder Bestrahlung auch eine „aktive Überwachung“ infrage (active surveillance). Dabei wird der Krebs regelmäßig kontrolliert und nur dann bestrahlt oder operiert, wenn er wächst, die Krebszellen aggressiver werden oder Beschwerden auftreten.

    Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass Männern, bei denen der Krebs nicht wächst, eine Operation oder Strahlentherapie und deren mögliche Nebenwirkungen erspart bleibt. Der Nachteil ist, dass manchmal zu spät festgestellt wird, wenn ein Krebs doch fortschreitet. Außerdem sind viele Kontrollen nötig und es kann psychisch belastend sein, zu wissen, dass man Krebszellen im Körper hat.

    Die für die Behandlung von Männern mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs bislang wichtigste Studie ist die sogenannte ProtecT-Studie. Sie hat untersucht, wie die aktive Überwachung im Vergleich zu Operation und Strahlentherapie abschneidet. Die Abkürzung ProtecT steht für den englischen Namen der Studie: „Prostate testing for cancer and treatment trial“ (Studie zur Untersuchung und Behandlung von Prostatakrebs).

    Die ProtecT-Studie

    An der ProtecT-Studie nahmen Männer im Alter von 50 bis 69 Jahren teil, bei denen erhöhte PSA-Werte auf einen Prostatakrebs hingewiesen hatten. Alle Männer mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wurden gefragt, ob sie bereit wären, sich nach dem Zufallsprinzip einer von drei Behandlungsgruppen zuteilen zu lassen:

    • aktive Überwachung: Die Männer in dieser Gruppe wurden nicht oder nicht sofort behandelt. Sie machten im ersten Jahr der Studie alle drei Monate, später alle sechs bis zwölf Monate einen PSA-Test. Bei auffälligen PSA-Werten oder wenn Symptome wie Probleme beim Wasserlassen auftraten, wurden sie weiter untersucht und beispielsweise eine Gewebsentnahme vorgeschlagen. Bei Anzeichen eines Krebswachstums wurde die Behandlungsstrategie überdacht.
    • Strahlentherapie: Bei den Teilnehmern in dieser Gruppe wurde der Krebs von außen bestrahlt, um die Krebszellen abzutöten (externe Strahlentherapie).
    • operative Entfernung der Prostata: Bei den Männern in dieser Gruppe wurde die gesamte Prostata mitsamt der Bläschendrüse operativ entfernt.

    Insgesamt 1643 Freiwillige mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs ließen sich einer der drei Behandlungsgruppen zuteilen. Dies entspricht ungefähr 550 Männern pro Gruppe.

    Die Behandlungsergebnisse wurden über einen Zeitraum von durchschnittlich zehn Jahren erfasst und am Ende der Studie miteinander verglichen. Die verlinkte Tabelle zeigt, was Männer von den drei Behandlungsmöglichkeiten in Bezug auf für sie wichtige Aspekte erwarten können: das Überleben, die Notwendigkeit von Behandlungen und die Häufigkeit von Nebenwirkungen.

    Bei der Betrachtung der Studiendaten ist zu berücksichtigen, dass der Beobachtungszeitraum bislang auf zehn Jahre beschränkt ist. Abschließend lassen sich die Vor- und Nachteile möglicherweise erst nach 15 oder 20 Jahren beurteilen. Außerdem unterscheiden sich die Kontrolluntersuchungen in der Studie etwas von der heute üblichen Versorgung: In Deutschland wird Männern im Rahmen einer aktiven Überwachung zusätzlich eine regelmäßige Kontroll-Biopsie angeboten, auch wenn der PSA-Test unauffällig war und keine Beschwerden aufgetreten sind. Das soll die Überwachung noch sicherer machen, ist aber auch belastender.

    Vor- und Nachteile gut abwägen

    Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs, für die eine aktive Überwachung infrage kommt, können die Vor- und Nachteile der Behandlungen ohne Zeitdruck abwägen. Beim aktiven Überwachen besteht die Chance, dass sich eine Operation oder Bestrahlung und ihre möglichen Nebenwirkungen ganz vermeiden oder zumindest hinauszögern lassen. Auf der anderen Seite besteht ein höheres Risiko für das Fortschreiten des Tumors und ein etwas höheres Risiko für die Bildung von Metastasen. Daher sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig.

    Bei der Entscheidung für eine Behandlung spielen auch persönliche Faktoren wie der Gesundheitszustand und das Alter eine wichtige Rolle. Ein junger und ansonsten gesunder Mann, der noch eine lange Lebenserwartung hat, wägt die Vor- und Nachteile der möglichen Alternativen vermutlich anders ab als ein älterer Mann, der womöglich zusätzliche Erkrankungen und eine kürzere Lebenserwartung hat.

    Die Vor- und Nachteile der Behandlungen in der eigenen Situation bespricht man am besten gemeinsam mit seinen Ärztinnen und Ärzten.

    Quellen

    Donovan JL, Hamdy FC, Lane JA, Mason M, Metcalfe C, Walsh E et al. Patient-Reported Outcomes after Monitoring, Surgery, or Radiotherapy for Prostate Cancer. N Engl J Med 2016; 375(15): 1425-1437.

    Hamdy FC, Donovan JL, Lane JA, Mason M, Metcalfe C, Holding P et al. 10-Year Outcomes after Monitoring, Surgery, or Radiotherapy for Localized Prostate Cancer. N Engl J Med 2016; 375(15): 1415-1424.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs

    Wer sich über den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs informiert, stößt auf widersprüchliche Informationen und Empfehlungen. Der Grund ist, dass weder die Vor- noch die Nachteile des Tests eindeutig überwiegen. Ob man sich testen lassen möchte oder nicht, ist deshalb eine Frage der persönlichen Abwägung.

    Früherkennungsuntersuchungen sollen Prostatakrebs entdecken, bevor er Beschwerden verursacht. Eine frühe Diagnose und Behandlung kann die Heilungschancen verbessern und das Risiko für Metastasen senken.

    Die Früherkennung hat aber klare Nachteile: Dabei werden auch kleine Tumore entdeckt, die keinen Krankheitswert haben. Denn bei den meisten Männern wächst Prostatakrebs sehr langsam, und vielen bereitet er zu Lebzeiten gar keine Probleme. Männer, bei denen ein solcher Krebs im Rahmen der Früherkennung entdeckt wird, werden unnötig den Belastungen und Nebenwirkungen von Diagnose und Behandlung ausgesetzt. Die Diagnose einer Erkrankung, die sich ohne Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte, nennt man Überdiagnose.

    Wer sich über den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs informiert, stößt auf widersprüchliche Informationen und Empfehlungen. Der Grund ist, dass weder die Vor- noch die Nachteile des Tests eindeutig überwiegen. Ob man sich testen lassen möchte oder nicht, ist deshalb eine Frage der persönlichen Abwägung.

    Früherkennungsuntersuchungen sollen Prostatakrebs entdecken, bevor er Beschwerden verursacht. Eine frühe Diagnose und Behandlung kann die Heilungschancen verbessern und das Risiko für Metastasen senken.

    Die Früherkennung hat aber klare Nachteile: Dabei werden auch kleine Tumore entdeckt, die keinen Krankheitswert haben. Denn bei den meisten Männern wächst Prostatakrebs sehr langsam, und vielen bereitet er zu Lebzeiten gar keine Probleme. Männer, bei denen ein solcher Krebs im Rahmen der Früherkennung entdeckt wird, werden unnötig den Belastungen und Nebenwirkungen von Diagnose und Behandlung ausgesetzt. Die Diagnose einer Erkrankung, die sich ohne Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte, nennt man Überdiagnose.

    Der PSA-Test zur Früherkennung

    Die bisher einzige Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs, die in großen Studien erforscht wurde, ist der PSA-Test. Zur Früherkennung ist der PSA-Test allerdings keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Viele Arztpraxen bieten ihn aber als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) an, die Männer selbst bezahlen müssen. Die Kosten für den Test betragen zwischen 15 und 20 Euro. Wenn noch ein aufklärendes Gespräch und ergänzende Untersuchungen hinzukommen, ist mit etwa 50 Euro zu rechnen.

    Mit dem Test wird die Menge an „Prostata-spezifischem Antigen“ (PSA) im Blut bestimmt. Dies ist ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Es dient dazu, die Samenflüssigkeit zu verdünnen, damit sich die Spermien besser bewegen können.

    Um den PSA-Wert zu bestimmen, wird in der Arztpraxis eine Blutprobe aus einer Armvene entnommen und an ein Labor geschickt. Bis die Testergebnisse zurückkommen, kann es ein paar Tage dauern. Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter Blut angegeben (ng/ml).

    Was sagt der PSA-Wert aus?

    Da die Prostata sehr gut durchblutet ist, gelangen bei jedem Mann ständig kleine Mengen PSA ins Blut. Ein PSA-Wert unter 3 Nanogramm pro ml (ng/ml) gilt als unauffällig. Die Grauzone ist jedoch groß. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten – er kann aber auch viele andere Ursachen haben. Denn wenn sich die Prostata verändert oder das Gewebe gereizt wird, gelangt automatisch etwas mehr PSA ins Blut. Der PSA-Wert kann zum Beispiel erhöht sein:

    • bei einer Entzündung der Prostata (Prostatitis),
    • bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata (Benigne Prostatahyperplasie),
    • bei einer Harnwegsentzündung,
    • wenn Druck auf die Prostata ausgeübt wurde, zum Beispiel nach dem Fahrradfahren oder nach einer Tast- oder Ultraschalluntersuchung der Prostata.
    • nach einem Samenerguss.

    Es ist sinnvoll, die Ärztin oder den Arzt über solche Einflüsse zu informieren, damit sie oder er den Test richtig bewerten oder verschieben kann.

    Auf der anderen Seite garantiert ein unauffälliger PSA-Test nicht, dass ein Mann keinen Krebs hat: In seltenen Fällen kann der PSA-Wert trotz Prostatakrebs im normalen Bereich liegen.

    Bei einem sehr hohen PSA-Wert, zum Beispiel über 10 ng/ml, besteht allerdings eine hohe Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs. So hohe Werte sind aber selten.

    Welche Probleme können bei einer Gewebeentnahme (Biopsie) auftreten?

    Weil ein erhöhter PSA-Wert viele Ursachen haben kann, ist ein auffälliges Testergebnis noch keine Krebsdiagnose. Um festzustellen, ob ein Krebs der Grund für den erhöhten Wert ist, schließt sich meist eine Gewebeentnahme an.

    Zur Entnahme von Gewebe aus der Prostata wird zuerst eine etwa fingerdicke Sonde in den Darm eingeführt. Von dort wird mit einer feinen Hohlnadel durch die Darmwand in die Prostata gestochen, um dort mehrere Gewebeproben zu entnehmen. Per Ultraschall wird kontrolliert, ob die Nadel an die richtige Stelle geführt wird. In der Regel werden zehn bis zwölf Proben entnommen.

    Um Infektionen vorzubeugen, erhalten die Männer vor der Untersuchung ein Antibiotikum. Eine örtliche Betäubung hilft gegen die Schmerzen. Nach der Biopsie ist oft noch einige Tage Blut im Urin oder Sperma sichtbar. Bei etwa 40 von 1000 Männern kommt es vorübergehend zu Fieber. Etwa 10 von 1000 Männer gehen nach einer Biopsie wegen einer fiebrigen Entzündung in ein Krankenhaus.

    Wann wird eine Biopsie empfohlen?

    Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ab welchem PSA-Wert einem Mann eine Gewebeentnahme empfohlen werden sollte. Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland haben sich darauf geeinigt, dass eine Biopsie sinnvoll ist, wenn

    • der PSA-Wert über 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt und eine zweite Messung diesen Wert bestätigt oder
    • der PSA-Wert im Laufe mehrerer Messungen deutlich ansteigt.

    Was zeigen Studien zu den Vor- und Nachteilen des PSA-Tests?

    Welche Vor- und Nachteile die PSA-Früherkennung für Männer hat, wurde in einer großen europäischen Studie untersucht. Es nahmen 162.000 Männer im Alter von 55 bis 69 Jahren teil. Etwa der Hälfte dieser Männer wurden insgesamt zwei bis drei PSA-Tests angeboten, die meisten nahmen die Untersuchungen auch in Anspruch. Der Abstand zwischen den Tests lag in der Regel bei vier Jahren. Lag der PSA-Wert über 3 ng/ml, wurde eine Gewebeprobe entnommen. Die andere Hälfte der Männer bekam kein Angebot zur Früherkennung. Seit mittlerweile 13 Jahren verfolgen die Forscherinnen und Forscher, bei wie vielen Männern in beiden Gruppen Prostatakrebs gefunden wird und wie viele Männer daran sterben.

    Allerdings wurde in der Studie ein anderer PSA-Grenzwert verwendet als in Deutschland üblich. Daher können die Ergebnisse nur als ungefähre Schätzungen dafür dienen, was Männer in Deutschland vom PSA-Test erwarten können.

    Der PSA-Test in Zahlen: Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

    Was ein Mann von der Früherkennung erwarten kann, lässt sich mithilfe von Daten aus der großen europäischen Studie zur Früherkennung von Prostatakrebs abschätzen.

    Wenn 1000 Männer zwischen 55 und 69 über 13 Jahre an der PSA-Früherkennung teilnehmen, sind folgende Ergebnisse zu erwarten:

    • Bei etwa 760 Männern sind die Werte unauffällig.
    • Bei etwa 240 Männern wird ein erhöhter PSA-Wert gefunden. Die meisten dieser Männer lassen sich dann Gewebe aus der Prostata entnehmen, um das Organ auf Krebszellen zu untersuchen.
    • Bei etwa 140 dieser Männer wird in der Biopsie dann doch kein Prostatakrebs gefunden. Der PSA-Test hat falschen Alarm geschlagen.
    • Bei etwa 100 Männern mit auffälligem PSA-Wert werden Krebszellen gefunden. Je nach Größe und Aggressivität des Tumors kommen verschiedene Behandlungen infrage: in der Regel „aktive Überwachung“, Strahlentherapie oder Operation.

    Wie groß sind Nutzen und Schaden der PSA-Früherkennung?

    • Wenn 1000 Männer am PSA-Screening teilnehmen, werden 1 bis 2 von ihnen vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahrt.
    • Etwa 3 von 1000 Männer werden vor Metastasen bewahrt.
    • Es werden auch Tumoren und Zellveränderungen entdeckt, die sich sonst nie bemerkbar gemacht hätten. Schätzungsweise 30 von 1000 Männern, die an der Früherkennung teilnehmen, erhalten eine Überdiagnose und vielleicht eine unnötige Behandlung.

    Die folgende Grafik zeigt die Vor- und Nachteile der PSA-Früherkennung auf einen Blick. 

    Grafik: Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer untersucht werden? Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer untersucht werden?

    Diese Zahlen sind – wie erwähnt – Schätzungen. Zum einen werden in Deutschland etwas andere PSA-Werte empfohlen. Zum anderen wurden die Männer in der Studie im Durchschnitt nur über 13 Jahre nachbeobachtet. Eine längere Nachbeobachtung könnte zu etwas anderen Ergebnissen führen.

    Sich entscheiden

    Ob für einen Mann die möglichen Vorteile oder die möglichen Nachteile eines PSA-Tests zur Früherkennung überwiegen, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Bei der Entscheidung für oder gegen die Tests kann man sich Zeit lassen. Kein Mann muss sich zur Früherkennung von Prostatakrebs gedrängt fühlen, denn es gibt gute Gründe sowohl für als auch gegen die Früherkennung.

    Quellen

    Chou R, Croswell JM, Dana T, Bougatsos C, Blazina I, Fu R et al. Screening for prostate cancer: a review of the evidence for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med 2011; 155(11): 762-771.

    Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Register-Nr.: 043/022OL. 12.2016. (Leitlinienprogramm Onkologie).

    Fenton JJ, Weyrich MS, Durbin S, Liu Y, Bang H, Melnikow J. Prostate-Specific Antigen–Based Screening for Prostate Cancer: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. 04.2017. (AHRQ Evidence Syntheses; Band 154).

    Loeb S, Vellekoop A, Ahmed HU, Catto J, Emberton M, Nam R et al. Systematic review of complications of prostate biopsy. Eur Urol 2013; 64(6): 876-892.

    Schröder FH, Hugosson J, Roobol MJ, Tammela TL, Zappa M, Nelen V et al. Screening and prostate cancer mortality: results of the European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) at 13 years of follow-up. Lancet 2014; 384(9959): 2027-2035.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Was ist ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs und wie wird er behandelt?

    Ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wächst oft nur sehr langsam oder gar nicht. Als Behandlung kommt deshalb neben einer Bestrahlung oder Operation auch die sogenannte „aktive Überwachung“ infrage. Dabei wird der Krebs regelmäßig kontrolliert und nur bestrahlt oder operiert, wenn er wächst oder aggressiver wird.

    Die Diagnose Prostatakrebs ist für die meisten Männer und ihre Angehörigen ein Schock. Die gute Nachricht ist aber, dass die Heilungschancen in der Regel gut sind. Denn wenn ein Prostatakrebs entdeckt wird, ist er meist noch klein und örtlich (lokal) begrenzt.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen örtlich begrenzten Prostatakrebs zu behandeln. Jede dieser Therapien hat ihre Vor- und Nachteile – deshalb ist es sinnvoll, sich gut zu informieren und die Alternativen gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten zu besprechen. Auch Studienergebnisse können helfen, eine persönlich passende Entscheidung für eine der Behandlungsmöglichkeiten zu treffen.

    Wichtig: Die unten beschriebene Behandlungsalternative „aktive Überwachung“ kommt nur für Männer mit einem örtlich begrenzten Prostatakrebs infrage, der als nicht aggressiv eingeschätzt wird. Das bedeutet, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit nur sehr langsam oder gar nicht wächst. Ein solcher Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wird häufiger bei Männern entdeckt, bei denen im Rahmen einer Früherkennung der PSA-Wert erhöht war.

    Ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wächst oft nur sehr langsam oder gar nicht. Als Behandlung kommt deshalb neben einer Bestrahlung oder Operation auch die sogenannte „aktive Überwachung“ infrage. Dabei wird der Krebs regelmäßig kontrolliert und nur bestrahlt oder operiert, wenn er wächst oder aggressiver wird.

    Die Diagnose Prostatakrebs ist für die meisten Männer und ihre Angehörigen ein Schock. Die gute Nachricht ist aber, dass die Heilungschancen in der Regel gut sind. Denn wenn ein Prostatakrebs entdeckt wird, ist er meist noch klein und örtlich (lokal) begrenzt.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen örtlich begrenzten Prostatakrebs zu behandeln. Jede dieser Therapien hat ihre Vor- und Nachteile – deshalb ist es sinnvoll, sich gut zu informieren und die Alternativen gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten zu besprechen. Auch Studienergebnisse können helfen, eine persönlich passende Entscheidung für eine der Behandlungsmöglichkeiten zu treffen.

    Wichtig: Die unten beschriebene Behandlungsalternative „aktive Überwachung“ kommt nur für Männer mit einem örtlich begrenzten Prostatakrebs infrage, der als nicht aggressiv eingeschätzt wird. Das bedeutet, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit nur sehr langsam oder gar nicht wächst. Ein solcher Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wird häufiger bei Männern entdeckt, bei denen im Rahmen einer Früherkennung der PSA-Wert erhöht war.

    Wie werden Tumorstadium und Progressionsrisiko bestimmt?

    Um den Prostatakrebs beurteilen und abschätzen zu können, mit welcher Wahrscheinlichkeit er fortschreiten würde (sogenanntes Progressionsrisiko), werden verschiedene Untersuchungen gemacht. Dazu gehören ein Bluttest, das Abtasten der Prostata, eine Ultraschalluntersuchung und eine Gewebeentnahme (Stanzbiopsie). Bei der Stanzbiopsie werden 10 bis 12 kleine Gewebeproben aus der Prostata entnommen und mikroskopisch untersucht.

    Auf Basis der Untersuchungsergebnisse wird das Tumorstadium ermittelt. Dazu verwenden Ärztinnen und Ärzte die sogenannte TNM-Klassifikation. Das T beschreibt die Ausbreitung des Tumors, das N, ob Lymphknoten betroffen sind und das M, ob sich Metastasen gebildet haben. Bei einem fortgeschrittenen Krebs können weitere bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie folgen, um mögliche Absiedlungen (Metastasen) des Prostatakrebses im Körper zu suchen.

    Das Tumorstadium allein sagt noch nichts über die Wahrscheinlichkeit aus, dass der Tumor weiterwachsen wird (Progessionsrisiko).

    Um das Progressionsrisiko einzuschätzen, werden zusätzlich der PSA-Wert und der sogenannte Gleason-Score bestimmt:

    • PSA-Wert: Das „Prostata-spezifische Antigen“ im Blut wird mit dem PSA-Test bestimmt. Das Antigen ist ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet wird und in geringen Mengen ins Blut übertritt. Männer mit Prostatakrebs haben meist erhöhte PSA-Werte.
    • Gleason-Score: Der Gleason-Score ist das Ergebnis der mikroskopischen Untersuchung der entnommenen Gewebeproben. Er gibt Aufschluss darüber, wie stark sich die Prostatazellen verändert haben. Der niedrigste Gleason-Score für einen Prostatakrebs liegt bei 6, der höchste bei 10. Tumore mit einem niedrigen Score-Wert wachsen langsamer als Tumore mit einem höheren Wert. Um ihn zu bestimmen, werden die beiden am stärksten veränderten Gewebeproben nach ihrer Aggressivität beurteilt (Gleason-Grad). Wenn beispielsweise die erste Probe einen Gleason-Grad von 4 und die zweite einen Gleason-Grad von 3 hat, liegt der Gleason-Score bei 7.

    Werden TNM-Tumorstadium, PSA-Wert und Gleason-Score zusammen ausgewertet, lässt sich das Progressionsrisiko eines Prostatakrebses einschätzen.

    Wann spricht man von Niedrig-Risiko-Prostatakrebs?

    Von einem Tumor mit niedrigem Progressionsrisiko (Niedrig-Risiko-Prostatakrebs) spricht man bei einem örtlich begrenzten Krebs, der folgende Kriterien erfüllt:

    • PSA-Wert: nicht höher als 10 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml).
    • Gleason-Score: nicht höher als 6.
    • Stadium: Tumorausbreitung bis T2a ohne Lymphknotenbefall (N0) und ohne Metastasen (M0)
    • Anzahl der betroffenen Gewebeproben: Von den 10 bis 12 Gewebeproben enthalten nicht mehr als zwei Proben Krebszellen.
    • Tumoranteil in den auffälligen Gewebeproben: In diesen ein oder zwei auffälligen Proben besteht nicht mehr als 50 % des Gewebes aus Krebszellen.

    Mithilfe dieser Angaben können die Ärztinnen und Ärzte genaue Auskunft über das Krebsstadium und Progressionsrisiko geben.

    Wie kann ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs behandelt werden?

    Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs haben drei Behandlungsmöglichkeiten: aktive Überwachung, Strahlentherapie und operative Entfernung der Prostata.

    • Bei der aktiven Überwachung (active surveillance) wird der Prostatakrebs beobachtet und nur behandelt, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass der Krebs fortschreitet. Diese Strategie berücksichtigt, dass ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs oft nur sehr langsam oder gar nicht wächst und daher auch nicht immer behandelt werden muss.
    • Bei einer Strahlentherapie werden die Tumorzellen mit Strahlen zerstört. Dies kann von außen (externe Strahlentherapie) oder von innen (Brachytherapie) erfolgen.
    • Bei einer Operation (radikale Prostatektomie) wird der Tumor zusammen mit der gesamten Prostata, der Bläschendrüse und der äußeren Kapsel entfernt.

    Die aktive Überwachung hat den Vorteil, dass den Männern, bei denen der Krebs nicht wächst, eine Operation oder Strahlentherapie erspart bleibt. Ihr Nachteil ist, dass manchmal zu spät festgestellt wird, wenn ein Krebs fortschreitet. Er kann dann bereits Metastasen gebildet haben. Außerdem kann es psychisch belastend sein, mit dem Wissen zu leben, dass man Krebs im Körper hat.

    Die aktive Überwachung erfordert viele Kontrolluntersuchungen. In Deutschland empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften im Rahmen der aktiven Überwachung:

    • In den ersten zwei Jahren alle drei bis sechs Monate eine PSA-Bestimmung und Tastuntersuchung der Prostata.
    • In den ersten drei Jahren insgesamt drei Gewebeentnahmen: Eine Biopsie nach 6 Monaten, eine zweite etwa 12 bis 18 Monate nach der ersten und eine dritte am Ende der drei Jahre. Danach soll nur noch alle drei Jahre eine Biopsie erfolgen.

    Wenn ein Mann einen Niedrig-Risiko-Prostatakrebs hat und seine restliche Lebenserwartung unter 10 Jahren liegt, ist es unwahrscheinlich, dass der Krebs bei ihm noch deutlich wächst. In diesem Fall kann eine weniger intensive Überwachung ohne Kontroll-Biopsien sinnvoll sein. Man spricht dann von „watchful waiting“ oder „abwartendem Beobachten“.

    Strahlentherapie und Prostataentfernung werden auch als „heilende“ (kurative) Therapien bezeichnet, da man damit versucht, alle Tumorzellen zu entfernen. Allerdings können trotzdem einzelne Krebszellen im Körper bleiben oder sich neue Krebszellen bilden. Deshalb werden auch nach einer Strahlentherapie oder radikalen Operation regelmäßige Kontrollen des PSA-Werts empfohlen. Bestrahlung und Operation sind vergleichbar wirksam. Die Therapien unterscheiden sich allerdings in ihren Nebenwirkungen.

    Aktive Überwachung, Bestrahlung und Operation im Vergleich

    In der sogenannten ProtecT-Studie (engl. = Prostate testing for cancer and treatment trial) wurden die drei Behandlungsmöglichkeiten verglichen. An dieser Studie nahmen 1643 Männer im Alter von 50 bis 69 Jahren mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs teil. Sie waren bereit, sich zufällig zu einer der drei Behandlungsgruppen Aktive Überwachung, Strahlentherapie oder Operative Entfernung der Prostata zuteilen zu lassen. Die Behandlungsergebnisse wurden über durchschnittlich zehn Jahre erfasst und am Ende der Studie miteinander verglichen.

    Im Ergebnis zeigte sich über einen Zeitraum von zehn Jahren

    • kein Unterschied der Sterblichkeit zwischen aktiver Überwachung, Strahlentherapie und Prostataentfernung,
    • eine etwas häufigere Metastasenbildung bei Männern, die aktiv beobachtet wurden,
    • ein deutlich größeres Risiko für ungewollten Harnabgang (Harninkontinenz) bei Männern, die operiert wurden,
    • ein deutlich größeres Risiko für Erektionsstörungen bei Männern, die bestrahlt oder operiert wurden (bei der Bestrahlung vor allem in den ersten sechs Monaten nach der Therapie),
    • ein etwas größeres Risiko für ungewollten Stuhlabgang (Stuhlinkontinenz) bei Männern, die bestrahlt wurden.

    Andere Behandlungsmöglichkeiten

    Andere Behandlungen wie der „Hochintensive Fokussierte Ultraschall“ (HIFU), die Kryotherapie (Vereisung) oder die Hyperthermie (Erwärmung) sind noch nicht ausreichend geprüft. Sie werden von den medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland daher nicht oder nur im Rahmen von Studien empfohlen.

    Sich für eine Behandlung entscheiden

    Bei der Entscheidung für eine Behandlung spielen neben den Vor- und Nachteilen der einzelnen Therapien auch persönliche Faktoren wie der Gesundheitszustand und das Alter eine wichtige Rolle. Ein junger und ansonsten gesunder Mann, der noch eine lange Lebenserwartung hat, wägt die Vor- und Nachteile der möglichen Alternativen vermutlich anders ab als ein älterer Mann, der womöglich zusätzliche Erkrankungen und eine kürzere Lebenserwartung hat.

    Die Vor- und Nachteile der infrage kommenden Behandlungen bespricht man am besten gemeinsam mit seinen Ärztinnen und Ärzten. Ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wächst sehr langsam, sodass in jedem Fall ausreichend Zeit bleibt, um sich in Ruhe zu entscheiden.

    Weitere Informationen zur Behandlung des örtlich begrenzten Prostatakrebses liefert der Patientenratgeber der medizinischen Leitlinie zur Behandlung von Prostatakrebs.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Register-Nr.: 043/022OL. 12.2016. (Leitlinienprogramm Onkologie).

    Donovan JL, Hamdy FC, Lane JA, Mason M, Metcalfe C, Walsh E et al. Patient-Reported Outcomes after Monitoring, Surgery, or Radiotherapy for Prostate Cancer. N Engl J Med 2016; 375(15): 1425-1437.

    Hamdy FC, Donovan JL, Lane JA, Mason M, Metcalfe C, Holding P et al. 10-Year Outcomes after Monitoring, Surgery, or Radiotherapy for Localized Prostate Cancer. N Engl J Med 2016; 375(15): 1415-1424.

    Ramsay CR, Adewuyi TE, Gray J, Hislop J, Shirley MD, Jayakody S et al. Ablative therapy for people with localised prostate cancer: a systematic review and economic evaluation. Health Technol Assess 2015; 19(49): 1-490.

    Wolff RF, Ryder S, Bossi A, Briganti A, Crook J, Henry A et al. A systematic review of randomised controlled trials of radiotherapy for localised prostate cancer. Eur J Cancer 2015; 51(16): 2345-2367.

    Xiong T, Turner RM, Wei Y, Neal DE, Lyratzopoulos G, Higgins JP. Comparative efficacy and safety of treatments for localised prostate cancer: an application of network meta-analysis. BMJ Open 2014; 4(5): e004285.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Prostatakrebs - Erfahrungsbericht - Horst

    "Ich weiß, dass viele Männer von diesen Untersuchungen keinen Gebrauch machen, aber ich habe im Kollegenkreis immer dafür geworben, die Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Wir haben uns diesbezüglich auch untereinander ausgetauscht. Ich rede offen über solche Dinge.“

    Horst,  67 Jahre

    „Manche empfinden die Tastuntersuchung und den Ultraschall als unangenehm. Ich habe da bereits Erfahrungen, da ich durch eine chronische Erkrankung Entzündungen im Analbereich hatte und es macht mir nicht mehr so viel aus.“

    Ich hatte vor einigen Jahren Probleme mit häufigem Wasserlassen. Das wollte ich mit einem Urologen besprechen. Dieser hat dann eine Prostatavergrößerung festgestellt. Im Zusammenhang mit dieser Untersuchung haben wir die Früherkennungsuntersuchungen auf Prostatakrebs besprochen.

    Ich interessiere mich generell für medizinische Themen und hatte mich schon vorher erkundigt, da es ja ab einem bestimmten Alter Früherkennungsuntersuchungen gibt. Der Arzt hat mir dann unter anderem auch den PSA-Test empfohlen. Es war nach meinen Vorrecherchen auch mein Wunsch, diesen Test durchzuführen.

    Der PSA-Wert war bei mir im Normbereich. Ich weiß, dieser Test ist umstritten. Aber ich denke schon, dass er für mich sinnvoll ist. Das Ergebnis des PSA-Tests steht ja nicht allein da, sondern mein Arzt macht auch ergänzend eine Tastuntersuchung und einen Ultraschall.

    Meine Frau ist Vorbild für mich

    Ich mache mir schon Gedanken über ein mögliches auffälliges Ergebnis dieser Untersuchungen, aber ich gehe jetzt viel gelassener und offener mit so etwas um als früher. Meine Frau hatte Brustkrebs. Und sie hatte die ganze Zeit eine sehr positive Einstellung zum Leben. Ich schätze ihre Haltung sehr und habe sehr viel von ihr gelernt. Sie ist mir ein Vorbild. Wenn es ein auffälliges Ergebnis geben würde, dann müsste ich versuchen, das Beste daraus zu machen. Ich werde bald 70 und habe gelernt, dass mein Leben begrenzt ist.

    Ich spreche mit meiner Frau über die Untersuchungen. Damit gehen wir nach der Krebserkrankung meiner Frau viel offener um als vorher. Wir reden auch mit unseren Kindern über diese Dinge. Wir versuchen, diese Offenheit auch an sie weiter zu geben.

    Manche empfinden die Tastuntersuchung und den Ultraschall als unangenehm. Ich habe da bereits Erfahrungen, da ich durch eine chronische Erkrankung Entzündungen im Analbereich hatte und es macht mir nicht mehr so viel aus. Aber es ist schon schwierig, besonders wenn man mit dem Gedanken hingeht, dass die Untersuchung unangenehm ist. Dann ist man eher verspannt und das ist dann nicht so angenehm. Es ist eine unangenehme Berührung und ich finde es auch nicht gut, wenn eine Arzthelferin während der Untersuchung im Raum ist. Also da nimmt der Urologe, bei dem ich bin, Rücksicht und schickt die Arzthelferin immer aus dem Raum.

    Ich finde, das Verhalten der Ärzte ist ganz entscheidend! Es gibt Ärzte, die sind empfindsam und es gibt Ärzte, die sollten sprichwörtlich lieber im Schlachthaus arbeiten. Wenn ich mit einem Arzt nicht zurechtkomme, ich mit seiner Arbeitsweise nicht zufrieden bin oder er mir unsympathisch ist, dann gehe ich einfach zu einem anderen. Dann wechsle ich die Praxis, wenn ich mich nicht angenommen fühle.

    Mein Arzt und ich, wir unterhalten uns bei den Untersuchungen und zur Auswertung der Ergebnisse machen wir immer einen Termin. Mein Arzt ist sehr offen und das ist sehr wichtig für mich. Er weist mich auch auf kritische Aspekte von Untersuchungen hin, auch dass er mich bei Unsicherheiten in ein spezielles Zentrum überweisen würde. Er erklärt mir auch die Untersuchungen. Ich vertraue ihm. Ein Arzt, der nicht mit mir redet und nicht auf meine Fragen eingeht, der würde für mich nicht infrage kommen.

    Unter Kollegen haben wir uns ausgetauscht

    Ich weiß, dass viele Männer von diesen Untersuchungen keinen Gebrauch machen, aber ich habe im Kollegenkreis immer dafür geworben, die Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Wir haben uns diesbezüglich auch untereinander ausgetauscht. Ich rede offen über solche Dinge.

    Ich hatte vor ein paar Jahren ein sogenanntes Burnout-Syndrom. Das hat mich sehr erschüttert und mich in meiner Lebenseinstellung sehr verändert. Seitdem gehe ich mit solchen Dingen viel offener um und rede darüber. Ich habe danach einfach mehr Verantwortung für mich übernommen. Für mich ist es wichtig, für seinen Körper Sorge zu tragen und dies nicht nur den Ärzten zu überlassen oder irgendwelchen Zufallserscheinungen.

    Ich finde es wichtig, dass man sich informiert und auf das Gespräch mit dem Arzt vorbereitet und sich aktiv einbringt. Das ist für mich ein Zeichen, dass man sich und die eigene Gesundheit wertschätzt.

    Danksagung

    Die hier veröffentlichten Erfahrungsberichte sind Teile von Lebensgeschichten. Sie wurden im Rahmen von Interviews gesammelt. Unser herzlicher Dank gilt allen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern. Alle Interviewpartnerinnen und Interviewpartner haben der Veröffentlichung der Erfahrungsberichte zugestimmt.

    Die im Rahmen der Erfahrungsberichte veröffentlichten Aussagen sind Erfahrungen und Meinungen von einzelnen Personen. Sie stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Prostatakrebs - Erfahrungsbericht - Jörg

    „Für mich ist es immer ein Hinweis, wenn die Kosten für eine medizinische Leistung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden: dass dann diese Untersuchung meiner Meinung nach auch nicht erforderlich ist und vermutlich nicht als gut genug angesehen wird.“

    Jörg, 58 Jahre

    „Für mich ist es immer ein Hinweis, wenn die Kosten für eine medizinische Leistung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden: dass dann diese Untersuchung meiner Meinung nach auch nicht erforderlich ist und vermutlich nicht als gut genug angesehen wird.“

    Über meinen Beruf habe ich das erste Mal von Früherkennungsuntersuchungen auf Prostatakrebs erfahren. Später hat mich ein Arzt bei einer Routineuntersuchung darauf hingewiesen, dass ich mal zu einem Urologen gehen und meine Prostata untersuchen lassen könnte.

    Das habe ich dann auch gemacht. Der Urologe meinte, dass er einen PSA-Test bei mir machen würde, aber das wäre eine „individuelle Gesundheitsleistung“, die ich selber bezahlen müsste. Ich bin grundsätzlich gegen diese IGeL. Das habe ich diesem Arzt auch gesagt.

    Über den PSA-Test habe ich mich informiert

    Ich habe dann noch zwei andere Ärzte dazu befragt. Sie haben mich gefragt, ob ich schon mal eine Erkrankung an der Prostata hatte oder Beschwerden habe. Dies hatte ich nicht und beide haben mir gesagt, dass ich den PSA-Test nicht machen lassen sollte. Die Prostata kann auch anders untersucht werden, ohne dass ich dafür bezahlen muss. Damit war für mich klar, dass ich keinen PSA-Test machen lasse.

    Der Urologe hatte mir noch weitere IGeL empfohlen. Wie schon gesagt, ich bin kein Fan dieser Leistungen. Zu diesem Arzt bin ich bis heute nicht mehr gegangen und habe auch anderen Personen abgeraten, diesen Arzt aufzusuchen.

    Ich habe vor einiger Zeit in Zeitungen gelesen, dass die IGeL oft nicht erforderlich sind. Dazu habe ich dann einen befreundeten Arzt befragt, der mir dies bestätigt hat. Das hat mich in meiner Skepsis bestärkt.

    Der Arzt, der mir damals den PSA-Test empfohlen hat, hat mir die anderen beiden Möglichkeiten der Tastuntersuchung, die ja von der Krankenkasse übernommen wird, und des Ultraschalls der Prostata gar nicht angeboten. Diese Untersuchungen habe ich dann von einem befreundeten Mediziner machen lassen und beide Ergebnisse waren unauffällig. Wenn in einer dieser Untersuchungen auffällige Ergebnisse herausgekommen wären, hätte ich immer noch einen PSA-Test machen lassen können.

    Die Untersuchungen waren nicht unangenehm

    Um die möglichen Ergebnisse dieser Früherkennungsuntersuchungen mache ich mir keine Sorgen. Wenn es so ist, dann ist es so. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Die Tastuntersuchung und der Ultraschall waren auch nicht unangenehm und liefen schnell ab. Ich kannte ja den Arzt und das war sicher von Vorteil.

    Ich bin nach wie vor von meiner Entscheidung gegen den PSA-Test überzeugt. Für mich ist es immer ein Hinweis, wenn die Kosten für eine medizinische Leistung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden: dass dann diese Untersuchung meiner Meinung nach auch nicht erforderlich ist und vermutlich nicht als gut genug angesehen wird. Ich finde, dass viele Untersuchungen unnötig gemacht werden. Oft sind die Preise für die IGeL bei verschiedenen Ärzten unterschiedlich. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Ärzte mit diesen Leistungen gar kein medizinisches Interesse verbinden, sondern eher ein finanzielles. Das schreckt mich eher ab.

    Ich finde, wer gern einen PSA-Test machen lassen will, der sollte sich bei mehreren Ärzten erkundigen, was der Test kostet und nochmal fragen, ob er wirklich erforderlich ist.

    Danksagung

    Die hier veröffentlichten Erfahrungsberichte sind Teile von Lebensgeschichten. Sie wurden im Rahmen von Interviews gesammelt. Unser herzlicher Dank gilt allen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern. Alle Interviewpartnerinnen und Interviewpartner haben der Veröffentlichung der Erfahrungsberichte zugestimmt.

    Die im Rahmen der Erfahrungsberichte veröffentlichten Aussagen sind Erfahrungen und Meinungen von einzelnen Personen. Sie stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.