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Schizophrenie

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    Eine Schizophrenie äußert sich in psychotischen Phasen, in denen der Bezug zur Wirklichkeit verloren geht. Typisch sind Wahnideen, Stimmen hören und das Gefühl, beobachtet oder beeinflusst zu werden. Medikamente können die Symptome lindern, wichtig sind aber auch Psychotherapie und psychosoziale Unterstützungsangebote.

    Einleitung

    Menschen mit einer Schizophrenie durchleben akute Psychosen – Phasen, in denen sie die Welt oft ganz anders wahrnehmen als sie es normalerweise tun. Sie hören Stimmen, fühlen sich verfolgt oder von anderen Menschen beeinflusst. Auch ihr Verhalten verändert sich, viele sprechen unzusammenhängend. Manche verlieren den Bezug zur Realität fast völlig.

    Psychosen treten meist in vorübergehenden Phasen auf. Einige Betroffene erleben nur einmal oder wenige Male eine psychotische Phase. Andere haben dauerhafte Beschwerden und benötigen viel Unterstützung.

    Der Begriff Schizophrenie bedeutet „gespaltener Geist“. Mit dem Begriff wird oft die Vorstellung einer „gespaltenen Persönlichkeit“ verbunden. Dies ist jedoch falsch und befördert Vorurteile gegenüber Menschen mit Schizophrenie: Zwar sind ihre Wahrnehmung und ihr Verhalten phasenweise stark verändert, sie haben aber keine andersartige Persönlichkeit. Zudem sind die Beschwerden, die Ursachen und der Verlauf der Erkrankung oft sehr unterschiedlich.

    Symptome

    Man unterscheidet verschiedene Formen der Schizophrenie mit jeweils typischen Beschwerden. Am häufigsten sind folgende:

    • Paranoide Schizophrenie: Sie äußert sich durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen (typischerweise Stimmen hören) sowie das Gefühl, von anderen beobachtet und beeinflusst zu werden. Sie ist die häufigste Form und beginnt meist im Alter zwischen 25 und 35 Jahren.
    • Schizophrenes Residuum: Diese Form beschreibt chronische Beschwerden, die meist nach einer akuten psychotischen Phase auftreten. Die Betroffenen sind dann sehr passiv, antriebslos und wirken bedrückt. Sie haben wenig Interesse an Aktivitäten und ziehen sich sozial zurück. Gesichtsausdruck und Sprache wirken emotionslos. Zudem kann es zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen kommen.
    • Hebephrene Schizophrenie: Typisch sind ein auffälliges Gefühlsleben mit kaum veränderlicher, oft nicht zur Situation passender Stimmung, fahriges Denken und unangemessenes Verhalten. Diese Form beginnt meist im Alter zwischen 15 und 25 Jahren.
    • Katatone Schizophrenie: Bei dieser selteneren Form stehen Bewegungsauffälligkeiten wie zielloser Bewegungsdrang, Erstarren oder Grimassieren im Vordergrund. Auch sie beginnt meist zwischen 15 und 25.

    Akute Psychosen deuten sich oft lange vorher an. In den Wochen oder Monaten davor spüren die Betroffenen und meist auch Angehörige, dass sich etwas verändert. Oft sind Menschen vor einer akuten Psychose ruhelos und angespannt, schlafen schlecht und haben Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Sie können auch schon leichte Halluzinationen haben oder das Gefühl, von anderen beobachtet und beeinflusst zu werden.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Die genauen Ursachen der Schizophrenie sind bislang ungeklärt. Wahrscheinlich spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die sich gegenseitig beeinflussen können. Man weiß, dass manche Menschen anlagebedingt ein höheres Risiko haben – vor allem, wenn ein Eltern- oder Geschwisterteil bereits an einer Schizophrenie erkrankt ist. Etwa 12 % der Kinder von Müttern oder Vätern mit Schizophrenie erkranken später ebenfalls.

    Auch Veränderungen im Gehirn, Schlafstörungen, Drogenkonsum, traumatische Erfahrungen, Entwicklungsstörungen im Mutterleib oder in der Kindheit können eine Rolle spielen und eine Psychose begünstigen.

    Eine Psychose tritt häufig im Zusammenhang mit größeren Veränderungen im Leben auf wie etwa Trennungen, Ortswechsel oder dem Start ins Berufsleben. Zu den Risikofaktoren gehört zudem eine Familienatmosphäre, in der Kinder viel kritisiert und stark bevormundet werden.

    Häufigkeit

    Es wird geschätzt, dass bei etwa einem von 100 Menschen im Laufe des Lebens eine Schizophrenie festgestellt wird. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.

    Statistisch gesehen erkranken Menschen niedriger sozialer Schichten und Alleinstehende häufiger an einer Schizophrenie. Sozialer Abstieg und Einsamkeit sind allerdings oft auch Folgen der Erkrankung.

    Verlauf

    Zur ersten akuten Erkrankungsphase kommt es meist im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Häufig kündigt sie sich schon Jahre zuvor durch zunehmende Beschwerden an, die sich nicht klar zuordnen lassen. Dazu gehören Ruhelosigkeit, depressive Verstimmung, Launenhaftigkeit, Selbstzweifel, Ängste oder Konzentrationsprobleme. Viele haben plötzlich Probleme in der Schule oder im Studium, lassen sich äußerlich gehen und ziehen sich von Freunden und Angehörigen zurück.

    Männer erleben ihre erste Episode im Durchschnitt einige Jahre früher als Frauen. Die Ursache für diesen Geschlechterunterschied ist unklar. Nur sehr selten beginnt eine Schizophrenie bereits im Kindesalter.

    Bei etwa einem Viertel der Menschen bleibt es bei einer einzigen Episode. Etwa 60 von 100 Betroffenen erleben nach einer ersten akuten Psychose innerhalb von zwei Jahren einen Rückfall. Eine akute Psychose kann Wochen bis Monate andauern, bis sie abklingt. Häufig dauert es anschließend noch einige Zeit, bis es möglich ist, wieder normal den Alltag zu gestalten. Bei etwa einem Viertel der Betroffenen klingen die Beschwerden nie ganz ab, sondern nehmen langsam zu und bleiben dann dauerhaft bestehen. Diese Menschen haben oft sehr starke Symptome, die schwer zu behandeln sind.

    Folgen

    Die Erfahrung einer Psychose wirkt oft für lange Zeit nach, selbst wenn keine Krankheitssymptome bleiben. Die Erkrankung kann verunsichern und das Selbstwertgefühl verringern. Dennoch finden sich manche Menschen nach einer psychotischen Phase wieder gut im Alltag zurecht und leben ein normales Leben.

    Andere sind durch die Erkrankung dauerhaft eingeschränkt und benötigen intensive Hilfe. Viele haben vor allem Probleme, den Alltag allein zu bewältigen und beruflich Fuß zu fassen. Sie haben Schwierigkeiten, Freunde zu finden, haben eher Konflikte mit anderen und leben oft zurückgezogen. Schul- oder Studienabbruch, Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg durch Jobs mit geringerem Einkommen oder Frühberentungen sind häufiger. Die Diagnose „Schizophrenie“ kann zudem sehr stigmatisierend sein.

    Menschen mit Schizophrenie sterben im Schnitt etwa zehn Jahre früher als der Durchschnitt der Bevölkerung. Vor allem Menschen mit häufigen Rückfällen sterben früher. Für die verringerte Lebenserwartung gibt es viele Gründe: Sie sind zum Beispiel häufiger suchtkrank und konsumieren mehr Alkohol, Nikotin und Drogen. Zudem erkranken sie öfter an Infektionen, Herzkrankheiten oder Diabetes. Solche körperlichen Erkrankungen können Folge des Lebensstils, aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten gegen psychotische Beschwerden sein. Wenn eine Schizophrenie gut behandelt wird, steigt die Lebenserwartung.

    Etwa 5 % der Betroffenen nehmen sich das Leben. Häufiger sind es junge Männer, die zum ersten Mal eine akute Psychose haben, und bereits sehr lange und schwer Erkrankte. Kritisch sind unbehandelte akute psychotische Phasen und die Zeit direkt nach der Entlassung aus einer Klinik.

    Diagnose

    Die Diagnose Schizophrenie wird erst gestellt, wenn typische Beschwerden mindestens einen Monat lang andauern. Dabei werden Wahnvorstellungen oder anhaltendes Hören von Stimmen bei der Diagnose stärker gewichtet – wirres Reden, zielloser Bewegungsdrang oder andere Halluzinationen als Stimmen hören sind dagegen weniger bedeutsam, weil sie nicht ganz so typisch für eine Schizophrenie sind.

    Um einen Verdacht auf Schizophrenie abzuklären, wird das Verhalten eines Betroffenen beobachtet und es werden Gespräche mit ihm und Angehörigen geführt. Körperliche und neurologische Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren dienen vor allem dazu, andere Ursachen der Symptome auszuschließen. Dazu können zum Beispiel Erkrankungen des Nervensystems oder Alkohol- und Drogenkonsum gehören.

    Nicht alle Anzeichen lassen sich immer eindeutig von „normalem“ Verhalten oder nachvollziehbaren Reaktionen auf bestimmte Erfahrungen abgrenzen. Bei Jugendlichen kann es schwer sein, schizophrene Beschwerden von schweren Entwicklungsproblemen zu unterscheiden. Zudem können bestimmte Symptome auch unter Drogeneinfluss oder anderen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen auftreten. Eine sorgfältige Untersuchung bei Fachärztinnen und -ärzten für Psychiatrie und Psychotherapie ist deshalb sehr wichtig.

    Behandlung

    Die Behandlung sollte sich in erster Linie an den Bedürfnissen eines Betroffenen orientieren. Bei einer ersten akuten Psychose ist dies aber oft nur begrenzt möglich. Die weitere Behandlung gemeinsam zu planen, gelingt eher, wenn die akuten Beschwerden abklingen. Je früher und besser Beschwerden behandelt werden, desto größer sind die Chancen für einen günstigen Verlauf.

    Folgende Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es:

    • Unterstützung durch Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen: Sie können emotional zur Seite stehen, im Alltag behilflich sein und für ein stabiles soziales Umfeld sorgen.
    • Medikamente: Antipsychotika können die akuten Beschwerden zum Abklingen bringen und langfristig vor Rückfällen schützen. Sie sind wirksam, können aber belastende Nebenwirkungen haben.
    • Psychotherapie: Sie kann die Beschwerden verbessern und helfen, mit der Erkrankung umzugehen. Gängige Behandlungen sind die kognitive Verhaltenstherapie und die Familientherapie. Eine Psychotherapie kann in allen Phasen der Erkrankung hilfreich sein, auch schon während einer akuten Psychose.
    • Psychoedukation: Dabei erlernen Erkrankte und ihre Angehörigen alles Wichtige zu Anzeichen, Behandlung und Umgang mit der Erkrankung. Zudem ermöglicht sie den Austausch mit anderen Betroffenen.
    • Soziotherapie: Verschiedene Angebote können helfen, sich beruflich und sozial wieder einzugliedern und ein möglichst eigenständiges Leben zu führen. Dies kann manchmal auch die Symptome der Krankheit lindern.

    Die Behandlung kann ambulant oder in einer Klinik erfolgen. In einer akuten Krankheitsphase wird häufig in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Oft erkennen Betroffene nicht, dass sie eine akute Psychose haben und lehnen eine Behandlung unter Umständen ab. Dann kann es zu einer Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik kommen. Dies ist rechtlich aber nur möglich, wenn jemand akut gefährdet ist – zum Beispiel durch Suizidgedanken oder sehr aggressives Verhalten – und die Gefahr nicht anders abgewendet werden kann.

    Es gibt die Möglichkeit, mit Ärztinnen und Ärzten für solche Situationen eine Behandlungsvereinbarung zu treffen. Dort wird beispielsweise festgelegt, wie man im Fall einer akuten Psychose behandelt werden möchte. Es wird vereinbart, wie mit Medikamenten und vielleicht unvermeidlichen Zwangsmaßnahmen umzugehen ist und welche weiteren Formen der Unterstützung gewünscht werden. Es kann auch sinnvoll sein, zu diesen Fragen eine Patientenverfügung sowie eine Vorsorgevollmacht anzufertigen, in der bestimmt wird, wer für einen entscheidet, wenn man selbst nicht dazu in der Lage ist.

    Weitere Informationen

    Die Telefonseelsorge bietet Unterstützung bei akuten Problemen und vermittelt auch weitere Hilfen. Darüber hinaus stehen verschiedene Beratungsangebote zur Verfügung.

    Die Bundespsychotherapeutenkammer bietet auf ihrer Internetseite eine Therapeutensuche an. Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen helfen, einen Termin in einer fachärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis zu bekommen.

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Leucht S, Vauth R, Olbrich HM, Jäger M. Schizophrenien und andere psychotische Störungen. In: Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    Owen MJ, Sawa A, Mortensen PB. Schizophrenia. Lancet 2016; 388(10039): 86-97.

    Robert Koch-Institut (RKI). Schizophrenie. 15.07.2010. (Gesundheitsberichterstattung des Bundes; Band 50).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie zeigt sich eine Schizophrenie?

    Eine Schizophrenie äußert sich in psychotischen Phasen. Diese können ganz unterschiedlich verlaufen. Typisch sind Wahnideen, Stimmen hören und das Gefühl, beobachtet oder beeinflusst zu werden. Eine Psychose kann relativ unkompliziert verlaufen, jedoch auch dramatische Folgen haben.

    Betroffene erleben die Krankheit zum Teil sehr unterschiedlich. Sowohl die Ursachen als auch der Verlauf können stark variieren. Fast immer verläuft sie jedoch in Phasen, in denen die Beschwerden deutlich stärker werden – bis hin zur ausgeprägten akuten Psychose. Auch zwischen den akuten Phasen können Beschwerden auftreten.

    Eine Schizophrenie äußert sich in psychotischen Phasen. Diese können ganz unterschiedlich verlaufen. Typisch sind Wahnideen, Stimmen hören und das Gefühl, beobachtet oder beeinflusst zu werden. Eine Psychose kann relativ unkompliziert verlaufen, jedoch auch dramatische Folgen haben.

    Betroffene erleben die Krankheit zum Teil sehr unterschiedlich. Sowohl die Ursachen als auch der Verlauf können stark variieren. Fast immer verläuft sie jedoch in Phasen, in denen die Beschwerden deutlich stärker werden – bis hin zur ausgeprägten akuten Psychose. Auch zwischen den akuten Phasen können Beschwerden auftreten.

    Was sind die Symptome einer Schizophrenie?

    Typische Beschwerden reichen von Stimmen hören bis zu Konzentrationsstörungen. Häufig treten mehrere der folgenden Symptome gleichzeitig auf:

    • Halluzinationen: Meist hören Menschen mit Schizophrenie Stimmen. Seltener sehen, schmecken oder fühlen sie Dinge, die nicht da sind. Die Stimmen können freundlich oder bedrohlich sein, sie können zu bekannten Personen „gehören“ oder nicht. Oft kommentieren die Stimmen das eigene Verhalten, oder sie unterhalten sich über einen. Die Stimmen können auch zu bestimmten Taten drängen.
    • Wahn: Oft entwickelt sich ein Verfolgungswahn oder das starke Gefühl, zu etwas Ungewöhnlichem berufen zu sein. Normale Dinge erscheinen plötzlich sonderbar. Betroffene beziehen alles auf sich und sehen überall „Zeichen“, die ihre Wahrnehmung bestätigen. Oder sie haben das Gefühl, dass sich andere gegen sie verschworen haben.
    • Ich-Störung: Der Begriff „Ich-Störung“ meint, dass die Grenze zwischen der eigenen Person und der Umwelt verschwimmt. Es kann zum Beispiel das Gefühl entstehen, das eigene Erleben und Denken werde durch andere gesteuert – oder andere könnten die eigenen Gedanken lesen.
    • Beeinträchtigung von Sprache und Denken: Das Denken wird fahrig und wirr, Sätze sind grammatikalisch falsch und unverständlich. Dieselben Gedanken werden ständig wiederholt.
    • Auffälliges Gefühlsleben: Dies kann sich als innere Leere, Abstumpfung und sozialer Rückzug äußern, manchmal auch als depressive Verstimmung. Plötzliche Stimmungswechsel oder völlig unpassendes Verhalten können ebenfalls vorkommen – zum Beispiel Lachen bei traurigen Anlässen.
    • Bewegungsauffälligkeiten: Manche Menschen haben einen ziellosen Bewegungsdrang, andere ahmen Bewegungen nach, grimassieren oder erstarren in teils ungewöhnlichen Gesten oder Körperhaltungen.
    • Eingeschränkte Denkleistung: Die Aufmerksamkeit, die Konzentration und das Gedächtnis sind gestört. Das Lösen komplexerer Aufgaben (beispielsweise, sich auf eine Stelle zu bewerben) bereitet starke Probleme.

    Während einer akuten psychotischen Phase bestehen überwiegend Beschwerden wie Halluzinationen, Wahn, Ich-Störung oder Bewegungsauffälligkeiten. Nach Abklingen der akuten Psychose kommt es eher zu Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, sozialem Rückzug und Antriebslosigkeit.

    Wie verläuft die Erkrankung?

    Eine Schizophrenie kann unterschiedlich verlaufen. Die häufigsten Verläufe sind:

    • Es kommt nur zu einer einzigen oder wenigen akuten psychotischen Phasen. Danach treten keine Beschwerden mehr auf. Etwa 25 % der Betroffenen haben nur einmal im Leben eine akute Psychose.
    • Innerhalb einiger Jahre entwickeln sich wiederholt akute Psychosen, danach nicht mehr. Es sind jedoch anhaltende leichtere Beschwerden spürbar.
    • Es treten in gewissen Abständen regelmäßig akute Psychosen auf. In der Zwischenzeit zeigen sich zunächst kaum oder nur geringe Beschwerden, die sich aber über die Jahre verstärken.
    • Die Beschwerden nehmen langsam zu, halten dauerhaft an und sind zum Teil sehr stark.

    Kann man während einer akuten Psychose sich und andere in Gefahr bringen?

    Oft wird angenommen, dass Menschen während einer akuten Psychose anderen gefährlich werden könnten. Dies ist jedoch die Ausnahme. Es ist zwar möglich, dass sie im Wahn aggressiver werden oder jemandem schaden wollen – aber die meisten Menschen mit einer akuten Psychose werden anderen gegenüber nicht gewalttätig.

    Wahrscheinlicher ist, dass sie selbst Opfer von Gewalt oder Unfällen werden – zum Beispiel, wenn sie in einer psychotischen Phase die Kontrolle über sich verlieren und riskanten Wahnideen folgen.

    Wie erleben Betroffene selbst ihre Erkrankung?

    Die oben genannten Symptome sind typisch für eine Schizophrenie – dennoch kann die persönliche Wahrnehmung der Erkrankung sehr unterschiedlich sein. Dies hängt zum Beispiel davon ab, wie stark die Beschwerden sind, aber auch davon, wie gut die Behandlung anschlägt und die Unterstützung durch andere funktioniert.

    Stimmen hören

    Menschen empfinden das Hören von Stimmen unterschiedlich. Für einige sind die Stimmen bedrohlich und auf Dauer extrem erschöpfend, zudem können sie den Wahn massiv verstärken. Das Stimmen hören kann Angst, Verwirrung und Selbstzweifel auslösen. Andere Betroffene finden eher einen Weg, mit den Stimmen umzugehen und fühlen sich durch sie nicht wesentlich beeinträchtigt.

    Manche sehen sich auch gar nicht als krank an, sondern empfinden „ihre“ Stimmen als Teil ihrer Persönlichkeit. Wieder andere verheimlichen, dass sie Stimmen hören – aus Angst davor, als krank eingestuft oder gegen ihren Willen behandelt zu werden.

    Auch wenn Menschen mit Schizophrenie ähnliche Beschwerden haben, können sie den Symptomen unterschiedliche Bedeutungen geben und verschiedene Ursachen vermuten. Dies beeinflusst ihren Umgang mit den Beschwerden. Oft finden sie ganz verschiedene Antworten auf folgende Fragen:

    • Empfinde ich die Stimmen als bedrohlich, nur etwas lästig oder sogar als Bereicherung?
    • Sehe ich etwas darin, das mir mehr über mich verrät?
    • Warum höre ich bestimmte Stimmen?

    Für viele Betroffene ist es sehr wichtig, dass andere sich für ihre Wahrnehmungen interessieren und sie nicht gleich bewerten, sondern ihnen erst einmal zuhören.

    Bestimmte Menschen empfinden ihre Stimmen und Halluzinationen als Teil spiritueller oder übersinnlicher Erfahrungen, die beweisen, dass andere Realitäten existieren (zum Beispiel eine Welt der Toten oder außerirdisches Leben). Oder psychotische Erfahrungen werden als Ausdruck einer Sinnkrise empfunden.

    Wahn

    Auch Wahnvorstellungen können sich ganz unterschiedlich äußern. Das Gefühl, „berufen“ zu sein, lässt manche Menschen zum Beispiel glauben, sie müssten die Welt von etwas Bösem befreien oder davor bewahren. Dies kann sich in teils absurden Fantasien ausdrücken, in denen häufig berühmte Personen vorkommen, mit denen sie zusammenarbeiten oder gegen die sie vorgehen müssen. Manche Betroffene bewegen sich in Film- oder Literaturwelten oder glauben, dass Radio- oder Fernsehbeiträge geheime, an sie gerichtete Botschaften enthalten. Einige Menschen haben das Gefühl, verfolgt zu werden oder glauben, dass sich andere gegen sie verschworen haben – zum Beispiel die Regierung, Geheimdienste oder die eigenen Nachbarn.

    In einer wahnhaften Phase sind Betroffene oft sehr energiegeladen und rastlos. Sie haben manchmal extrem positive Gefühle, sind sehr kreativ und euphorisch. Andere erleben wiederum starke Angst bis hin zu Verfolgungswahn (Paranoia) und fürchten, „verrückt zu werden“. Oft wechseln sich positive und negative Gefühle ab.

    Schlaflosigkeit

    Für viele Betroffene ist Schlaflosigkeit ein großes Problem. Sie wachen nachts auf, haben Albträume oder von vornherein Angst, einzuschlafen. Oft glauben sie nicht mehr, dass sie irgendwann wieder gut schlafen können – haben aber den starken Wunsch danach, da sie den schlechten Schlaf als Ursache für viele Probleme sehen, wie Erschöpfung und Konzentrationsprobleme.

    Schlafprobleme können das Anzeichen für eine Psychose sein, können aber auch mit Stress im Alltag und Suchtmittelkonsum zusammenhängen.

    Diagnose

    Die Diagnose „Schizophrenie“ empfinden viele Menschen als stigmatisierend. Sie sorgen sich, von anderen abgewertet und benachteiligt zu werden. Aus Angst, „abgestempelt“ zu werden, ziehen sich viele zurück und erzählen anderen auch nicht von der Diagnose. Oft wissen sie sehr wenig über Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten ihrer Erkrankung. Viele vermissen auch die Möglichkeit, mit Fachleuten über ihr persönliches Erleben zu sprechen.

    Auf der anderen Seite betonen manche, dass erst die Diagnose es ihnen ermöglicht hat, ihre Situation besser zu verstehen, die eigenen Beschwerden ernst zu nehmen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

    Quellen

    Chiu VW, Ree M, Janca A, Waters F. Sleep in Schizophrenia: Exploring Subjective Experiences of Sleep Problems, and Implications for Treatment. Psychiatr Q 2016; 87(4): 633-648.

    Faulkner S, Bee P. Experiences, perspectives and priorities of people with schizophrenia spectrum disorders regarding sleep disturbance and its treatment: a qualitative study. BMC Psychiatry 2017; 17(1): 158.

    Kalhovde AM, Elstad I, Talseth AG. "Sometimes I walk and walk, hoping to get some peace." Dealing with hearing voices and sounds nobody else hears. Int J Qual Stud Health Well-being 2014; 9: 23069.

    Leucht S, Tardy M, Komossa K, Heres S, Kissling W, Davis JM. Maintenance treatment with antipsychotic drugs for schizophrenia. Cochrane Database Syst Rev 2012; (5): CD008016.

    Leucht S, Vauth R, Olbrich HM, Jäger M. Schizophrenien und andere psychotische Störungen. In: Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    Mestdagh A, Hansen B. Stigma in patients with schizophrenia receiving community mental health care: a review of qualitative studies. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 2014; 49(1): 79-87.

    Owen MJ, Sawa A, Mortensen PB. Schizophrenia. Lancet 2016; 388(10039): 86-97.

    Pyle M, Morrison AP. "It's just a very taboo and secretive kind of thing": Making sense of living with stigma and discrimination from accounts of people with psychosis. Psychosis 2014; 6(3): 195-205.

    The British Psychological Society (BPS). Understanding Psychosis and Schizophrenia. Leicester: British Psychological Society; 2017.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente bei Schizophrenie

    Antipsychotika (Neuroleptika) lindern die Symptome einer Psychose und beugen Rückfällen vor. Allerdings haben sie teils belastende Nebenwirkungen. Ob ihre Einnahme sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation und der Krankheitsphase ab.

    Antipsychotika hemmen die Aktivität bestimmter Nervenzellen im Gehirn. Dadurch wirken sie beruhigend und mildern Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Die häufig auch Neuroleptika genannten Medikamente gehören zur Gruppe der Psychopharmaka. Sie können die Erkrankung zwar nicht heilen, sind aber manchmal die einzige Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern und erneuten akuten Psychosen vorzubeugen.

    Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) können bei starker Unruhe und Schlafstörungen vorübergehend helfen. Sie werden dann meist zusätzlich zu Antipsychotika eingenommen. Antidepressiva kommen infrage, um depressive Beschwerden zu behandeln.

    Manche Menschen nehmen Antipsychotika (als Tabletten oder Tropfen) nur kurz ein, andere über viele Jahre oder sogar lebenslang. Eine Alternative sind sogenannte Depotspritzen, die über einen längeren Zeitraum wirken. Sie enthalten denselben Wirkstoff und werden regelmäßig im Abstand von wenigen Wochen oder Monaten in den Muskel gespritzt. Ihr Vorteil ist, dass man nicht täglich daran denken muss, die Tabletten einzunehmen.

    Antipsychotika (Neuroleptika) lindern die Symptome einer Psychose und beugen Rückfällen vor. Allerdings haben sie teils belastende Nebenwirkungen. Ob ihre Einnahme sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation und der Krankheitsphase ab.

    Antipsychotika hemmen die Aktivität bestimmter Nervenzellen im Gehirn. Dadurch wirken sie beruhigend und mildern Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Die häufig auch Neuroleptika genannten Medikamente gehören zur Gruppe der Psychopharmaka. Sie können die Erkrankung zwar nicht heilen, sind aber manchmal die einzige Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern und erneuten akuten Psychosen vorzubeugen.

    Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) können bei starker Unruhe und Schlafstörungen vorübergehend helfen. Sie werden dann meist zusätzlich zu Antipsychotika eingenommen. Antidepressiva kommen infrage, um depressive Beschwerden zu behandeln.

    Manche Menschen nehmen Antipsychotika (als Tabletten oder Tropfen) nur kurz ein, andere über viele Jahre oder sogar lebenslang. Eine Alternative sind sogenannte Depotspritzen, die über einen längeren Zeitraum wirken. Sie enthalten denselben Wirkstoff und werden regelmäßig im Abstand von wenigen Wochen oder Monaten in den Muskel gespritzt. Ihr Vorteil ist, dass man nicht täglich daran denken muss, die Tabletten einzunehmen.

    Wie gut helfen Antipsychotika bei einer akuten Psychose?

    Antipsychotika wirken vor allem gegen Wahrnehmungsveränderungen wie Stimmen hören und Wahnvorstellungen sowie gegen Erregungszustände. Gegen Beschwerden wie Antriebslosigkeit, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprobleme oder Depressionen sind sie weniger wirksam, aber auch diese können sich bessern.

    In verschiedenen Studien zeigte sich:

    • Bei etwa 30 von 100 Menschen bessern sich die Symptome innerhalb von sechs Wochen, wenn sie ein Scheinmedikament (Placebo) einnehmen.
    • Bei etwa 50 von 100 Menschen bessern sich die Symptome innerhalb von sechs Wochen, wenn sie Antipsychotika einnehmen.

    Das heißt: Bei etwa 20 von 100 Menschen konnten die Medikamente die Symptome einer akuten Psychose innerhalb von sechs Wochen eindämmen. Zudem hatten einige Menschen wieder eine bessere Lebensqualität und konnten früher ihren normalen Alltag leben.

    Oft braucht es etwas Geduld, bis die Medikamente wirken: Häufig tritt die Wirkung innerhalb weniger Stunden bis Tage ein – es kann aber auch einige Wochen dauern, bis sie spürbar wird. Wenn sich die Beschwerden trotz erhöhter Dosis nicht innerhalb von 2 bis 4 Wochen bessern, ist es unwahrscheinlich, dass das Medikament danach noch etwas bewirkt. Dann sollte der Wirkstoff gewechselt werden.

    Wie gut Antipsychotika wirken, hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist letztlich sehr individuell. Es kann aber eine Rolle spielen,

    • ob jemand zum ersten oder zum wiederholten Mal eine akute Psychose hat,
    • welche Beschwerden auftreten und wie stark sie sind,
    • welcher Wirkstoff in welcher Dosis genommen wird.

    Wie gut beugen Antipsychotika Rückfällen vor?

    Mehrere Studien zeigten, dass es innerhalb eines Jahres zu einem Rückfall kam bei

    • etwa 64 von 100 Menschen, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen und
    • etwa 26 von 100 Menschen, die Antipsychotika einnahmen.

    Das heißt: Bei etwa 38 von 100 Menschen konnten Antipsychotika einen Rückfall verhindern. Sie mussten deshalb auch seltener in einem Krankenhaus behandelt werden. Allerdings lässt sich nicht sicher vorhersagen, welche Menschen auch ohne Medikamente keinen Rückfall mehr bekommen.

    Wie lange die Medikamente angewendet werden, hängt unter anderem davon ab, wie viele akute Psychosen bereits aufgetreten sind und wie schwer diese waren. Antipsychotika sollten nicht plötzlich abgesetzt werden, da es sonst leichter zu einem Rückfall kommt. Wenn die Behandlung beendet werden soll, ist es deshalb wichtig, das genaue Vorgehen mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen.

    Welche Nebenwirkungen haben Antipsychotika?

    Mögliche Nebenwirkungen von Antipsychotika sind:

    • Bewegungsstörungen (Zittern, Muskelsteifheit, Bewegungsarmut)
    • unwillkürliche Bewegungen wie Schmatzen, Grimassieren und Kopfbewegungen
    • Schluckstörungen
    • Stoffwechselprobleme
    • innere Unruhe
    • Gewichtszunahme
    • erhöhtes Diabetes-Risiko
    • Mundtrockenheit
    • Blasenentleerungsstörungen
    • Sehstörungen (zum Beispiel verschwommenes Sehen)
    • Schwindel und Kopfschmerzen
    • Müdigkeit und Antriebsarmut

    Selten kann es auch zu Herzrhythmusstörungen und ernsten Problemen bei der Blutbildung kommen. Deshalb wird regelmäßig das Blut untersucht.

    Manche Bewegungsstörungen entwickeln sich erst nach längerer Einnahme, manchmal erst nach Jahren. Diese halten dann oft lange an und sind schwer zu behandeln.

    Ob Nebenwirkungen auftreten und wenn ja, welche, hängt vom jeweiligen Wirkstoff und der Dosis ab.

    Die Folgen einer langfristigen Einnahme von Antipsychotika sind noch nicht ausreichend erforscht. So wird beispielsweise vermutet, dass die Einnahme über viele Jahre zur Veränderung bestimmter Hirnbereiche führen könnte. Welche Folgen dies hat, ist jedoch noch unklar.

    Worin unterscheiden sich typische und atypische Antipsychotika?

    Es werden folgende antipsychotische Wirkstoffe unterschieden:

    • typische Antipsychotika (der 1. Generation)
    • atypische Antipsychotika (der 2. Generation)

    Sie wirken an unterschiedlichen Nervenzellen im Gehirn, lindern die Krankheitssymptome aber ähnlich gut. Die wesentlichen Unterschiede sind:

    • Typische Antipsychotika lösen häufiger Bewegungsstörungen aus.
    • Atypische Antipsychotika führen häufiger zu Übergewicht und Stoffwechselstörungen.
    • Einige atypische Antipsychotika wirken etwas besser gegen Antriebslosigkeit und Konzentrationsstörungen.

    Die Unterschiede hängen zum Teil eher vom einzelnen Wirkstoff ab und weniger davon, welcher Gruppe sie angehören. Wie bedeutsam die Unterschiede sind, ist umstritten und konnte bislang noch nicht vollständig geklärt werden.

    Worin unterscheiden sich hochpotente und niedrigpotente Antipsychotika?

    Innerhalb der typischen Antipsychotika unterscheidet man wiederum

    • hochpotente Antipsychotika und
    • niedrigpotente Antipsychotika.

    Beide Gruppen sind ähnlich wirksam, unterscheiden sich aber in Dosierung und Nebenwirkungen:

    • Bei den hochpotenten Antipsychotika reicht eine niedrigere Dosierung aus, um die gleiche Wirkung zu erzielen wie niedrigpotente Mittel. Sie führen allerdings häufiger zu Bewegungsstörungen (Muskelsteifheit, Zittern, Zappeligkeit) und unwillkürlichen Bewegungen (Kauen, Schmatzen, Kopfbewegungen).
    • Niedrigpotente Antipsychotika machen eher müde und wirken beruhigend. Sie führen auch eher zu Störungen des vegetativen Nervensystems mit Mundtrockenheit und Verdauungsstörungen.

    Wonach richtet sich die Wahl des Medikaments?

    In welcher Situation welches Medikament am besten geeignet ist, lässt sich nicht allgemein sagen. So empfehlen verschiedene Ärztinnen und Ärzte zum Teil unterschiedliche Medikamente. Dies liegt auch daran, dass in den meisten Studien keine großen Unterschiede in der Wirksamkeit der einzelnen Mittel beobachtet wurden.

    Ohnehin muss immer individuell geprüft werden, wie jemand auf ein Medikament anspricht. Ziel ist es, die jeweils wirksamste Dosis mit den wenigsten Nebenwirkungen zu finden. Wenn ein Medikament nicht ausreichend wirkt, kann die Dosis erhöht oder der Wirkstoff gewechselt werden.

    Ärztinnen und Ärzte beginnen meist mit einer niedrigen Dosis und erhöhen diese dann Schritt für Schritt. Bei einer akuten Psychose wird auch manchmal mit einer hohen Dosis begonnen, um Beschwerden schnell zu lindern.

    Häufig werden Medikamente kombiniert. Es ist aber unklar, ob dies Vorteile bringt – zumal mit jedem zusätzlichen Medikament das Risiko für Wechselwirkungen steigt.

    Sind Antipsychotika bei einer Schizophrenie immer sinnvoll?

    Antipsychotika können die Beschwerden und Folgen einer Schizophrenie mildern. Allerdings können ihre Nebenwirkungen unangenehm sein, und nicht immer ist eine Einnahme notwendig. Deshalb ist es wichtig, ihre Vor- und Nachteile genau abzuwägen. Dazu spielen folgende Fragen eine Rolle:

    • Was ist das Behandlungsziel?
    • Wie ausgeprägt sind die Symptome?
    • Um welche Krankheitsphase handelt es sich?
    • Welche Folgen hätte eine erneute akute Psychose?
    • Welche Folgen hätte es, das Medikament zu wechseln?
    • Welche Folgen hätte es, auf Medikamente zu verzichten?
    • Wie schwer sind die Nebenwirkungen?
    • Kann die Dosis so angepasst werden, dass die Nebenwirkungen erträglich werden?
    • Wie wirksam waren bisherige Behandlungen?
    • Welche anderen Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

    Auch wenn Medikamente eine akute Psychose lindern und Rückfällen vorbeugen: Dies ist nicht für alle Betroffenen das wichtigste Behandlungsziel. Entscheidend ist vielmehr, wie sehr sie selbst und auch Angehörige oder Freunde unter den Beschwerden und ihren Folgen leiden oder gefährdet sind.

    Bei einer akuten Psychose sehen Ärztinnen und Ärzte Antipsychotika meist als notwendig an. Sind die Symptome nur leicht, kann aber manchmal auf Medikamente verzichtet oder mit sehr niedrigen Dosen behandelt werden. Das kann auch möglich sein, wenn sich Auswirkungen einer psychotischen Phase in Grenzen halten und Betroffene in dieser Zeit gut von anderen unterstützt werden. Gleiches gilt, wenn ein Rückfall wenig wahrscheinlich ist – auch wenn sich dies nicht sicher vorhersagen lässt.

    Wichtig ist, dass Menschen mit Schizophrenie in die Planung ihrer Behandlung einbezogen und ihre Wünsche berücksichtigt werden. Dies ist aber häufig nicht der Fall und in einer akuten Phase unter Umständen auch schwierig. Es kann einfacher sein, wenn die akuten Beschwerden abgeklungen sind. Nach einiger Zeit lässt sich dann auch besprechen, ob die Einnahme irgendwann beendet werden kann.

    Um gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten eine informierte Entscheidung treffen zu können, ist eine umfassende Aufklärung über die Folgen der Medikamenteneinnahme nötig. Dies hilft auch, sich über die persönlichen Behandlungsziele klar zu werden.

    Quellen

    Galling B, Roldan A, Hagi K, Rietschel L, Walyzada F, Zheng W et al. Antipsychotic augmentation vs. monotherapy in schizophrenia: systematic review, meta-analysis and meta-regression analysis. World Psychiatry 2017; 16(1): 77-89.

    Huhtaniska S, Jääskeläinen E, Hirvonen N, Remes J, Murray GK, Veijola J et al. Long-term antipsychotic use and brain changes in schizophrenia - a systematic review and meta-analysis. Hum Psychopharmacol 2017; 32(2).

    Leucht S, Leucht C, Huhn M, Chaimani A, Mavridis D, Helfer B et al. Sixty Years of Placebo-Controlled Antipsychotic Drug Trials in Acute Schizophrenia: Systematic Review, Bayesian Meta-Analysis, and Meta-Regression of Efficacy Predictors. Am J Psychiatry 2017; 174(10): 927-942.

    Leucht S, Tardy M, Komossa K, Heres S, Kissling W, Davis JM. Maintenance treatment with antipsychotic drugs for schizophrenia. Cochrane Database Syst Rev 2012; (5): CD008016.

    Leucht S, Vauth R, Olbrich HM, Jäger M. Schizophrenien und andere psychotische Störungen. In: Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    McDonagh MS, Dana T, Selph S, Devine EB, Cantor A, Bougatsos C et al. Treatments for Schizophrenia in Adults: A Systematic Review. 10.2017. (AHQR Comparative Effectiveness Reviews; Band 198).

    Ortiz-Orendain J, Castiello-de Obeso S, Colunga-Lozano LE, Hu Y, Maayan N, Adams CE. Antipsychotic combinations for schizophrenia. Cochrane Database Syst Rev 2017; (6): CD009005.

    Vermeulen J, van Rooijen G, Doedens P, Numminen E, van Tricht M, de Haan L. Antipsychotic medication and long-term mortality risk in patients with schizophrenia; a systematic review and meta-analysis. Psychol Med 2017; 47(13): 2217-2228.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung bei Schizophrenie

    Psychotherapie und psychosoziale Unterstützungsangebote sind für Menschen mit einer Schizophrenie sehr wichtig. Sie können die Beschwerden mildern und das Risiko für Rückfälle verringern. Einige Angebote beziehen auch Familienmitglieder mit ein.

    Eine Schizophrenie wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus, deshalb benötigen Betroffene und ihre Angehörigen eine umfassende Unterstützung. Medikamente können zwar wichtig sein, reichen aber in der Regel nicht aus. Neben psychosozialen Unterstützungsangeboten kann auch eine Psychotherapie helfen, besser mit den Folgen der Erkrankung zurechtzukommen.

    Oft sind Betroffenen und Angehörigen die verschiedenen Angebote gar nicht bekannt. Sich darüber zu informieren und beraten zu lassen, ist in Arztpraxen, Kliniken, sozialpsychiatrischen Zentren und bei den Krankenkassen möglich.

    Die meisten Angebote können ambulant oder im Rahmen eines Klinikaufenthalts wahrgenommen werden.

    Menschen mit einer Schizophrenie haben oft noch weitere Probleme, wie Suchterkrankungen oder körperliche Erkrankungen. Die Unterstützung beschränkt sich deshalb nicht nur auf die unmittelbaren Folgen der Psychosen.

    Psychotherapie und psychosoziale Unterstützungsangebote sind für Menschen mit einer Schizophrenie sehr wichtig. Sie können die Beschwerden mildern und das Risiko für Rückfälle verringern. Einige Angebote beziehen auch Familienmitglieder mit ein.

    Eine Schizophrenie wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus, deshalb benötigen Betroffene und ihre Angehörigen eine umfassende Unterstützung. Medikamente können zwar wichtig sein, reichen aber in der Regel nicht aus. Neben psychosozialen Unterstützungsangeboten kann auch eine Psychotherapie helfen, besser mit den Folgen der Erkrankung zurechtzukommen.

    Oft sind Betroffenen und Angehörigen die verschiedenen Angebote gar nicht bekannt. Sich darüber zu informieren und beraten zu lassen, ist in Arztpraxen, Kliniken, sozialpsychiatrischen Zentren und bei den Krankenkassen möglich.

    Die meisten Angebote können ambulant oder im Rahmen eines Klinikaufenthalts wahrgenommen werden.

    Menschen mit einer Schizophrenie haben oft noch weitere Probleme, wie Suchterkrankungen oder körperliche Erkrankungen. Die Unterstützung beschränkt sich deshalb nicht nur auf die unmittelbaren Folgen der Psychosen.

    Was ist eine Psychoedukation?

    Sogenannte psychoedukative Angebote (edukativ = erzieherisch) vermitteln zunächst einmal Wissen über die Erkrankung. Ein besseres Verständnis der Schizophrenie soll helfen, die Behandlung selbst mitzugestalten. Zudem sollen negative Selbstbilder und Ängste abgebaut werden. Es werden außerdem Möglichkeiten vermittelt, mit den Beschwerden zurechtzukommen.

    Eine Psychoedukation kann in Einzel- oder Gruppengesprächen stattfinden, unter Umständen zusammen mit Familienangehörigen. Gruppengespräche ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen.

    Die Krankheit zu verstehen, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, sie zu bewältigen. Studien zeigen, dass die Psychoedukation dazu beitragen kann, dass Beschwerden und Beeinträchtigungen im Alltag nachlassen. Auch das Risiko für einen Rückfall sinkt, wenn jemand an solchen Angeboten teilnimmt. Dies kann beispielsweise daran liegen, dass die Betroffenen dann frühzeitiger Hilfe aufsuchen, weil sie Anzeichen einer akuten Psychose besser erkennen – oder lernen, bestimmte Stresssituationen zu vermeiden.

    Was bewirkt eine Psychotherapie?

    Eine Psychotherapie kann dabei helfen, besser mit einer Schizophrenie und ihren Folgen umzugehen. Ein Ziel ist, die Erkrankung zu verstehen und Selbsthilfestrategien zu entwickeln. Dazu gehört, ein positiveres Selbstbild und das Gefühl zu entwickeln, die Krankheit bewältigen zu können. Für viele Menschen ist es wichtig, in der Therapie offen über ihre Situation zu sprechen und ihre teils extremen Erfahrungen einordnen zu können. Eine Psychotherapie kann auch schon während einer akuten Psychose begonnen werden.

    Im Rahmen der Therapie ist es möglich, herauszufinden, was einen besonders belastet und in welchen Situationen es zu Problemen kommt. Nicht zuletzt geht es darum, Wege zu finden, wie sich Krisensituationen bewältigen lassen.

    Betroffene können lernen, Warnzeichen für eine akute Psychose zu erkennen, frühzeitig zu reagieren und gegenzusteuern. Zusammen mit der Therapeutin oder dem Therapeuten erarbeiten sie bei Bedarf verschiedene Strategien, mit denen sie auf Wahrnehmungsveränderungen und wahnhafte Ideen reagieren können – zum Beispiel mit Ablenkungs- und Entspannungstechniken. Zudem kann eine Psychotherapie dabei helfen, im Beruf und Privatleben besser zurechtzukommen.

    Eine Psychotherapie kann in Einzel- oder Gruppengesprächen stattfinden, auch Familienangehörige können mit einbezogen werden. Wirksam ist die kognitive Verhaltenstherapie. Auch eine psychodynamische Therapie ist möglich. Allerdings gibt es bislang nicht ausreichend gute Studien, die den Nutzen dieser Therapieform bei Menschen mit einer Schizophrenie untersucht haben.

    Studien zeigen, dass eine kognitive Verhaltenstherapie die Beschwerden lindern kann und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert. Für den Erfolg einer Psychotherapie ist ein gutes Vertrauensverhältnis zur Therapeutin oder zum Therapeuten entscheidend.

    Wie kann ein Training sozialer Fertigkeiten helfen?

    Programme zum Training sozialer Fertigkeiten konzentrieren sich auf zwei Bereiche: Zum einen stärken sie die Fähigkeit, den Alltag möglichst unabhängig zu bewältigen – vor allem in den Bereichen Wohnen, Freizeit, Beruf und Familie. Dabei werden zum Beispiel bestimmte Strategien vermittelt, um praktische Lösungen für Alltagsprobleme zu finden.

    Zum anderen gibt es Programme, die auf die Kommunikation mit anderen Menschen und das soziale Miteinander abzielen. Sie sollen dabei helfen, Mitmenschen besser wahrzunehmen und angemessen mit ihnen umzugehen. Es geht auch darum, realistische Ansprüche an andere zu formulieren und Wege zu finden, sich daran zu halten. Solche Ziele können zum Beispiel in Rollenspielen trainiert werden.

    Die Programme werden meist als Gruppentherapie angeboten. Studien zeigen, dass soziale Trainingsprogramme helfen können, mit Anforderungen im Alltag besser umzugehen. Auch die Krankheitsbeschwerden können abnehmen.

    Was bewirkt ein kognitives Training?

    Viele Menschen mit Schizophrenie haben Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme. Dies führt unter anderem zu Schwierigkeiten beim Lernen und beim Lösen komplexer Aufgaben. Solche Probleme lassen sich durch ein kognitives Training jedoch bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Es ist aber nicht das Ziel eines Wahrnehmungs- und Gedächtnistrainings, alle vorhandenen Defizite auszugleichen. Es geht eher darum, die geistigen Fähigkeiten zu stärken, die im Alltag besonders wichtig sind – beispielsweise, um einen Beruf ausüben zu können.

    Studien weisen darauf hin, dass vor allem eine spezielle Trainingsmethode wirksam ist: die sogenannte kognitive Remediationstherapie. Dabei werden beispielsweise am Computer Gedächtnis- und Problemlösungsaufgaben geübt. Die Therapie kann Beschwerden wie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie Antriebslosigkeit mindern und die Fähigkeit verbessern, alltägliche Anforderungen zu bewältigen.

    Wie wirkt eine Familientherapie?

    Die Familie kann wichtige Unterstützung bieten. Unter bestimmten Umständen kann das Familienklima den Krankheitsverlauf aber auch ungünstig beeinflussen. Zu Problemen kann es kommen, wenn Familienmitglieder durch die Erkrankung überfordert sind und es zu Schuldzuweisungen oder Konflikten kommt. Dies kann für den Verlauf einer Psychose eine wichtige Rolle spielen: So weiß man, dass das Risiko für einen Rückfall erhöht ist, wenn das Familienleben durch häufige Kritik, Abwertung oder Überfürsorglichkeit geprägt ist. Dabei tragen beide Seiten – Betroffene und Angehörige – zum Familienklima bei.

    Eine Familientherapie soll dem vorbeugen und allen Angehörigen helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen. Während der Therapie wird Wissen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten vermittelt. Schuld- und Schamgefühle sowie Ängste sollen abgebaut werden. Zudem werden konkrete Lösungen für familiäre Probleme erarbeitet und es wird nach Möglichkeiten gesucht, wie sich die Familienmitglieder besser unterstützen können.

    Studien zeigen, dass das Risiko für eine erneute akute Psychose in den ersten Jahren nach einer Familientherapie verringert ist. Auch Krankheitsbeschwerden können sich bessern.

    Was bietet eine gemeindepsychiatrische Versorgung?

    Gemeindepsychiatrie bedeutet, dass psychisch kranke Menschen zu Hause leben können und in ihrem direkten Lebensumfeld Unterstützung erhalten. Eine gemeindepsychiatrische Versorgung von Menschen mit Schizophrenie soll zum Beispiel dazu beitragen, Klinikaufenthalte möglichst zu vermeiden. Zu den Angeboten gehören:

    • ambulante gemeindepsychiatrische Teams, die Hausbesuche machen
    • teilstationäre Einrichtungen, die tagsüber Beratung und Therapie anbieten
    • Wohngruppen
    • Tagesstätten
    • Beratungsstellen
    • berufliche Rehabilitationseinrichtungen

    In der gemeindepsychiatrischen Versorgung arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen, zum Beispiel Fachkräfte aus Psychiatrie, Psychotherapie, Sozialarbeit, Sozio- und Ergotherapie. In manchen Städten gibt es auch ambulante Kriseninterventionsteams, die in akuten Notsituationen zu Hause helfen.

    Die Versorgung im häuslichen Umfeld kann die Eigenständigkeit und die soziale Integration nachweislich stärken. Voraussetzung ist jedoch, dass vor Ort gute Angebote zur Verfügung stehen. Studien zeigen, dass umfangreiche Unterstützungsprogramme dazu beitragen, dass an Schizophrenie erkrankte Menschen unabhängiger leben können und seltener arbeitslos werden.

    Hilft die Früherkennung von Psychosen?

    Eine psychotische Phase kündigt sich oft schon Jahre vorher an. Die typischen Anzeichen werden jedoch oft nicht erkannt. Spezialisierte Früherkennungs- und Therapiezentren sind erste Anlaufstellen für Menschen, die Anzeichen für eine Psychose bemerken. Hier wird nach einer gründlichen Untersuchung geprüft, welche Hilfen nötig sind. Früherkennungszentren gibt es bislang jedoch nur in wenigen größeren Städten. Ansonsten kann man sich auch an jede Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie wenden.

    Frühzeitige Unterstützungsangebote sollen die Folgen einer Psychose mildern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Zudem vermitteln sie weitere Hilfen (zum Beispiel eine psychiatrische Behandlung) und beraten zum Umgang mit der Erkrankung sowie zu Alltagsproblemen. Die Angebote beinhalten oft Elemente aus der kognitiven Verhaltenstherapie und der Psychoedukation.

    Die erste akute Psychose fällt oft mit dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts zusammen – etwa nach Auszug aus dem Elternhaus, zu Berufs- oder Studienbeginn, einer Trennung oder neuen Partnerschaft. Solche Umbruchphasen werden oft als große Herausforderung erlebt und erfordern dann eine intensive Unterstützung. Vor allem die erste akute Psychose hinterlässt Spuren; meist wird sie als dramatisch und beängstigend erlebt. Kommt es zu einer Zwangseinweisung, kann dies zu einem traumatischen Erlebnis werden.

    Studien zeigen, dass frühe Unterstützungsprogramme die Lebensqualität und den Umgang mit den Beschwerden verbessern können. Nicht zuletzt können sie das Risiko für Rückfälle senken.

    Quellen

    Jürgensen M, Patzelt C, Meyer T. "Dass man also frei bleibt, aber immer das Gefühl hat: Da ist diese Haltestange, die ich brauch." ["That you stay free, but always know there is this support rod that I need."]. Psychiatr Prax 2014; 41(1): 29-36.

    Leucht S, Vauth R, Olbrich HM, Jäger M. Schizophrenien und andere psychotische Störungen. In: Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    McDonagh MS, Dana T, Selph S, Devine EB, Cantor A, Bougatsos C et al. Treatments for Schizophrenia in Adults: A Systematic Review. 10.2017. (AHQR Comparative Effectiveness Reviews; Band 198).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Selbsthilfe bei Schizophrenie

    Menschen mit Schizophrenie haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Behandlung mitzugestalten und mit kritischen Situationen besser umzugehen. Zu wissen, dass man sich ein Stück weit auch selbst helfen kann, unterstützt bei der Bewältigung von Psychosen.

    Einige Menschen mit Schizophrenie fühlen sich nicht ausreichend in Entscheidungen über ihre Behandlung einbezogen. Manchmal haben sie zu dem, was ihnen wichtig ist, auch andere Vorstellungen als Fachleute. Manche Betroffene haben das Gefühl, mit ihren Gedanken allein zu sein und mit niemandem offen sprechen zu können. Dabei haben viele das starke Bedürfnis, ihre Krankheitserfahrungen zu ordnen und Wege zu finden, damit umzugehen.

    Ein weiterer häufiger Wunsch ist der nach konkreter Unterstützung im Alltag, um mit den Folgen der Erkrankung besser umgehen und ein möglichst eigenständiges Leben führen zu können.

    Menschen mit Schizophrenie haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Behandlung mitzugestalten und mit kritischen Situationen besser umzugehen. Zu wissen, dass man sich ein Stück weit auch selbst helfen kann, unterstützt bei der Bewältigung von Psychosen.

    Einige Menschen mit Schizophrenie fühlen sich nicht ausreichend in Entscheidungen über ihre Behandlung einbezogen. Manchmal haben sie zu dem, was ihnen wichtig ist, auch andere Vorstellungen als Fachleute. Manche Betroffene haben das Gefühl, mit ihren Gedanken allein zu sein und mit niemandem offen sprechen zu können. Dabei haben viele das starke Bedürfnis, ihre Krankheitserfahrungen zu ordnen und Wege zu finden, damit umzugehen.

    Ein weiterer häufiger Wunsch ist der nach konkreter Unterstützung im Alltag, um mit den Folgen der Erkrankung besser umgehen und ein möglichst eigenständiges Leben führen zu können.

    Welche Hilfen gibt es?

    Es gibt verschiedene Stellen, an die sich Menschen mit Schizophrenie und ihre Angehörigen wenden können:

    • Sozialpsychiatrische Dienste bieten Beratung, Unterstützung im Alltag und Hilfe in Krisensituationen an.
    • Psychiatrische Praxen und psychiatrische Institutsambulanzen, die an Kliniken angeschlossen sind: Dort kann die Diagnose gestellt und eine Behandlung angeboten werden.
    • Ärztliche oder psychologische Praxen können Psychotherapien anbieten, wenn die Therapeutinnen oder Therapeuten die Zusatzbezeichnung „Psychotherapeut/in“ haben.
    • Selbsthilfegruppen ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen.
    • Die Telefonseelsorge bietet anonyme Beratung rund um die Uhr an und kann auch weitere Hilfen vermitteln.
    • Psychiatrische Kliniken bieten rund um die Uhr Hilfe in Notfällen an, wenn sofort behandelt werden muss.

    Darüber hinaus steht eine ganze Reihe psychosozialer Angebote zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe lernt man Strategien kennen, sich im Alltag selbst zu helfen und mit der Erkrankung zurechtzukommen. Andere sollen vor allem dabei unterstützen, Probleme in der Familie oder im Beruf zu lösen.

    Eine Schizophrenie kann es erschweren, beruflich Fuß zu fassen oder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Verschiedene Beratungsangebote helfen bei beruflichen Problemen. Eine wichtige Anlaufstelle ist zum Beispiel die Agentur für Arbeit. Neben der persönlichen Beratung vermittelt sie auch Wiedereingliederungsmaßnahmen und Weiterbildungen.

    Was bietet eine Behandlungsvereinbarung?

    Eine Behandlungsvereinbarung ist ein schriftliches Dokument, in dem formuliert wird, wie man bei einer erneuten akuten Psychose behandelt werden möchte. Die Vereinbarung wird deshalb mit der behandelnden Klinik abgeschlossen. Das Dokument wird gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten und einer Pflegefachkraft ausgefüllt, unter Umständen auch mit Angehörigen oder einem gesetzlich Betreuenden.

    In der Behandlungsvereinbarung lässt sich beispielsweise festlegen,

    • von wem oder in welcher Klinik man behandelt werden möchte,
    • ob die Psychose mit Medikamenten behandelt werden soll,
    • welche Medikamente eingesetzt werden sollen und in welcher Dosierung,
    • ob und wenn ja, auf welche weiteren Hilfen zurückgegriffen werden soll (zum Beispiel solche, die bereits in vorherigen Krisensituationen geholfen haben),
    • welche Behandlungen man nicht wünscht,
    • wer in einer akuten Krankheitsphase benachrichtigt werden soll – aber auch, mit wem man keinen Kontakt haben möchte,
    • wie mit Zwangsmaßnahmen umzugehen ist und
    • welche persönlichen Angelegenheiten zu regeln sind (Wohnung, Arbeitgeber, Finanzen, Versorgung von Angehörigen, wichtige Termine).

    Ärztinnen und Ärzte können allerdings von den Festlegungen in der Behandlungsvereinbarung abweichen, wenn eine andere Situation eintritt als in der Vereinbarung beschrieben oder eine Gefahr nicht anders abwendbar ist.

    Was kann man tun, wenn man Anzeichen für eine akute Psychose spürt?

    Da sich eine akute Psychose schon einige Zeit vorher ankündigen kann, ist es möglich, auf typische Situationen und Anzeichen zu reagieren und gegenzusteuern. Zu akuten Psychosen kommt es häufig bei starkem Stress, zum Beispiel in Zeiten großer Lebensveränderungen. Sie können durch besonders starke Gefühle wie ausgeprägte Angst begünstigt werden. Vermutlich kann schlechter Schlaf das Risiko weiter erhöhen.

    Deshalb kann es sinnvoll sein, mögliche Einflussfaktoren zu prüfen: Wo erlebe ich gerade besonderen Stress? Wie kann ich diesen verringern? Was macht mir Angst? Was kann mir helfen, besser zu schlafen? Welche Hobbys tun mir gut? Habe ich gerade Konflikte mit anderen Menschen? Wie kann ich diese lösen? Kann ich mich an Freunde und Familie wenden und ihnen von meinen Problemen berichten? Oder wende ich mich lieber an Fachleute oder eine Selbsthilfegruppe?

    Weitere Möglichkeiten, auf Anzeichen einer akuten Psychose zu reagieren, sind:

    • Zur Psychotherapeutin oder zum Psychotherapeuten gehen: Ist man in psychotherapeutischer Behandlung, sind sie wichtige Ansprechpartner, um zu klären, welche Schritte sinnvoll sind. Es ist aber auch möglich, die psychotherapeutische Sprechstunde einer Praxis aufzusuchen, die man noch nicht kennt.
    • Zur Ärztin oder zum Arzt gehen: Am besten ist, sich an jemanden zu wenden, der einen schon länger behandelt, die eigene Situation kennt und zu dem ein gutes Verhältnis besteht. Mit ihr oder ihm lässt sich dann auch besprechen, ob es sinnvoll ist, Medikamente einzunehmen und ob ein Klinikaufenthalt ratsam ist.
    • Psychosoziale Krisendienste in Anspruch nehmen: Solche Dienste sind in manchen Städten vorhanden und können bei akuten Problemen helfen.
    • Erlernte Strategien anwenden, um Symptome zu lindern: Im Rahmen einer Psychotherapie oder in Schulungsprogrammen werden bestimmte unterstützende Techniken vermittelt, die helfen können, Beschwerden zu begrenzen.

    Bei Anzeichen für eine akute Psychose kann man sich an jede Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie wenden. Zudem gibt es in einigen Städten spezialisierte Früherkennungszentren für Psychosen.

    Was kann im Alltag noch helfen?

    Die Probleme der Erkrankung beschränken sich nicht nur auf akute psychotische Phasen. Viele spüren die Folgen auch dann, wenn sie gerade keine akute Psychose haben. Sie sind dann beispielsweise sehr antriebslos und haben Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Manche ziehen sich sozial zurück und haben Probleme, beruflich Fuß zu fassen und ihren Alltag ohne fremde Hilfe zu bewältigen. Menschen mit Schizophrenie berichten, dass ihnen ganz unterschiedliche Dinge im Alltag helfen:

    • aktiv sein
    • sich Hobbys suchen
    • Sport und Bewegung
    • Yoga, Entspannungsübungen
    • in eine Gruppe eingebunden sein, etwa in einem Chor oder Sportverein
    • den Alltag klar strukturieren
    • lesen
    • sich mit religiösen oder philosophischen Fragen beschäftigen
    • sich beruflich einbringen
    • sich ehrenamtlich engagieren

    Viele betonen, dass es ihnen wichtig ist, ein Selbstbild unabhängig von ihrer Erkrankung zu entwickeln: Sie wollen nicht als schizophren wahrgenommen werden, sondern genauso vielfältig wie andere Menschen auch. Empathie und Zuwendung von anderen werden als besonders wertvoll empfunden – ebenso Gesprächspartner und Menschen, denen man vertraut, mit denen man sich wohl fühlt und mit denen man sich austauschen kann. Neben der Familie, Freunden und Bekannten können dies andere Betroffene oder auch Fachleute aus Sozialarbeit oder Psychotherapie sein. Das Leben trotz der Erkrankung als sinnvoll zu empfinden und das Gefühl zu haben, sich selbst helfen zu können, ist eine wichtige Stütze bei der Bewältigung der Erkrankung.

    Soll man anderen Menschen von der Erkrankung erzählen?

    Dies kann eine schwierige Entscheidung sein, die jeder für sich selbst treffen muss. Viele Menschen mit Schizophrenie stellen sich zum Beispiel die Frage, ob sie Kollegen davon erzählen sollen. Ein offener Umgang mit der Erkrankung kann den Vorteil haben, dass andere Menschen dann mehr Verständnis für die eigene Situation entwickeln und sich darauf einstellen können.

    Auf der anderen Seite kann man auf Vorurteile stoßen und riskiert, in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden. Vor einer solchen Entscheidung kann es hilfreich sein, sich zum Beispiel mit anderen Betroffenen oder psychotherapeutischen Fachleuten auszutauschen.

    Quellen

    Chiu VW, Ree M, Janca A, Waters F. Sleep in Schizophrenia: Exploring Subjective Experiences of Sleep Problems, and Implications for Treatment. Psychiatr Q 2016; 87(4): 633-648.

    Gooding PA, Littlewood D, Owen R, Johnson J, Tarrier N. Psychological resilience in people experiencing schizophrenia and suicidal thoughts and behaviours. J Ment Health 2017 [Epub ahead of print].

    Leucht S, Vauth R, Olbrich HM, Jäger M. Schizophrenien und andere psychotische Störungen. In: Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban und Fischer; 2015.

    Mestdagh A, Hansen B. Stigma in patients with schizophrenia receiving community mental health care: a review of qualitative studies. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 2014; 49(1): 79-87.

    Rastad C, Martin C, Asenlöf P. Barriers, benefits, and strategies for physical activity in patients with schizophrenia. Phys Ther 2014; 94(10): 1467-1479.

    The British Psychological Society (BPS). Understanding Psychosis and Schizophrenia. Leicester: British Psychological Society; 2017.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.