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Mandelentzündung

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    Akute Mandelentzündungen sind mit Beschwerden wie Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und Mattigkeit verbunden. Wenn sich die Mandeln in kurzen Abständen immer wieder entzünden, kann das sehr belastend sein und selten auch zu Komplikationen führen.

    Einleitung

    Halsschmerzen können viele Ursachen haben. Meist sind sie Folge einer Rachenentzündung durch Erkältungsviren, bei der dann auch die Mandeln mit betroffen sein können. Seltener ist eine bakterielle Entzündung der Gaumenmandeln. Welcher Erreger die Entzündung ausgelöst hat, ist allerdings nicht leicht zu erkennen. Kinder und Jugendliche erkranken sehr viel häufiger an einer Mandelentzündung als Erwachsene.

    Eine Entzündung der Mandeln (Tonsillitis) tritt plötzlich auf und heilt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder ab. Eine Mandelentzündung kann innerhalb eines Jahres aber auch mehrmals wiederkehren. Dies kann belastend sein, führt aber nur selten zu Komplikationen.

    Es ist wichtig, eine Mandelentzündung von einer anhaltenden Mandelvergrößerung (Tonsillenhyperplasie) zu unterscheiden. Dies sind zwei verschiedene Erkrankungen. Bei der Mandelvergrößerung kann neben den Gaumenmandeln auch die Rachenmandel betroffen sein.

    Symptome

    Typische Symptome einer akuten Mandelentzündung sind:

    • Halsschmerzen
    • geschwollene und stark gerötete Mandeln mit gelblichem Belag
    • Schluckbeschwerden
    • geschwollene und schmerzende Halslymphknoten
    • Fieber über 38° C
    • Kopfschmerzen
    • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
    • Appetitlosigkeit
    • Mundgeruch

    Wenn Viren die Ursache der Entzündung sind, wird sie zudem häufig von Erkältungsbeschwerden wie Husten und Schnupfen begleitet.

    Oft ist außer den Mandeln auch der Rachen entzündet (Pharyngitis). Von einer Mandelentzündung spricht man, wenn die Entzündung vorwiegend die Mandeln betrifft.

    Besonders bei Kindern kann sich die Erkrankung auch durch untypische Zeichen wie Bauchschmerzen äußern. Manchmal ist ihnen zudem übel und sie müssen sich übergeben.

     

    Grafik: Blick in den Mund: Geschwollene, entzündete Mandeln mit Belag Blick in den Mund: Geschwollene, entzündete Mandeln mit Belag

    Ursachen

    Bakterien und Viren können durch Tröpfcheninfektion übertragen werden – das heißt, sie werden beim Sprechen oder Niesen in winzigen Tröpfchen in die Luft gesprüht und gelangen so auf die Schleimhäute eines anderen Menschen, wo sie sich vermehren.

    Bakterielle Mandelentzündungen werden meist durch bestimmte Streptokokken ausgelöst. Aber nicht jeder, der die Bakterien im Körper hat, bekommt eine Mandelentzündung.

    Eine Mandelentzündung kann im Rahmen einer Scharlach-Infektion auftreten, die ebenfalls von Bakterien verursacht wird. Auch Virusinfektionen wie das Pfeiffersche Drüsenfieber können mit einer Entzündung der Mandeln einhergehen.

    Verlauf

    Bei einer akuten Mandelentzündung klingen Beschwerden wie Halsschmerzen und Fieber innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab. Das Fieber lässt oft etwas eher nach als die Halsschmerzen. Es kann aber länger dauern, bis die Mandeln abgeschwollen sind.

    Folgen

    Komplikationen sind selten. Die häufigste Komplikation ist eine Eiteransammlung um die Mandeln herum – ein sogenannter Peritonsillarabszess. Dieser kann im Rahmen einer bakteriellen Mandelentzündung entstehen und von selbst wieder abheilen. Es besteht aber das Risiko, dass sich die Entzündung in das umliegende Gewebe im Hals- und Brustbereich ausbreitet oder sich eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickelt. Das kann zu schweren Komplikationen führen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass ein Abszess behandelt wird. Folgende Symptome können auf einen Peritonsillarabszess hinweisen:

    • sehr starke einseitige Halsschmerzen und Beschwerden beim Schlucken
    • allgemeine Schwäche und Fieber
    • Ohrenschmerzen (vor allem einseitige)
    • das Gefühl, beim Sprechen einen Kloß im Hals zu haben
    • Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen

    Schätzungen gehen davon aus, dass sich bei höchstens 1 bis 10 von 1000 Menschen, die wegen Beschwerden wie Halsschmerzen ärztlich behandelt wurden, ein Abszess bildet. Ähnlich selten entsteht aus einer Mandelentzündung eine Mittelohrentzündung.

    Eine sehr seltene Komplikation ist das rheumatische Fieber. Dabei handelt es sich um schmerzhafte Entzündungen mehrerer Gelenke, des Herzmuskels und der Herzklappen. Rheumatisches Fieber tritt nur nach einer Infektion mit bestimmten Streptokokken auf und war früher deutlich häufiger als heute. Zumindest in den Industrieländern ist es mittlerweile eine Ausnahme. Es wird geschätzt, dass in Deutschland pro Jahr weniger als 1 von 100.000 Kindern daran erkrankt. Auch Nierenentzündungen sind sehr seltene Komplikationen einer bestimmten Streptokokken-Infektion: Laut Schätzungen erkranken pro Jahr 6 von 100.000 Kindern daran.

    Diagnose

    Bei Halsschmerzen kann eine ärztliche Untersuchung helfen, folgende Fragen zu beantworten:

    • Ist eine Mandelentzündung die Ursache der Beschwerden?
    • Wie stark ist die Entzündung?
    • Handelt es sich um eine bakterielle Mandelentzündung?
    • Wird sie voraussichtlich auch ohne Behandlung mit Antibiotika rasch abklingen?
    • Ist das Risiko für Komplikationen erhöht?
    • Ist eine Antibiotikatherapie nötig?

    Die Ärztin oder der Arzt wird den Rachen untersuchen und nach den genauen Beschwerden fragen. Für eine bakterielle Mandelentzündung spricht es, wenn die Mandeln geschwollen und belegt sind und man Fieber hat, aber keinen Husten.

    Zusätzlich kann ein sogenannter Schnelltest gemacht werden. Für Kinder bis zum 16. Lebensjahr wird er von den Krankenkassen bezahlt. Dabei wird ein Abstrich von den Mandeln genommen und auf Streptokokken untersucht. Das Ergebnis liegt innerhalb weniger Minuten vor, ist aber nicht immer richtig. Wenn der Abstrich ins Labor geschickt wird, fällt das Testergebnis genauer aus, ist aber erst nach 1 bis 2 Tagen da.

    Nur in Ausnahmen wird Blut abgenommen und untersucht, beispielsweise um andere Erkrankungen auszuschließen.

    Behandlung

    Die Behandlung soll in erster Linie die Beschwerden lindern und Komplikationen vorbeugen. Bei einer akuten Mandelentzündung kommen dazu folgende Medikamente infrage:

    • schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol
    • bei bakterieller Mandelentzündung Antibiotika

    Antibiotika können die Krankheitsdauer etwas verkürzen. Zudem ist man nach spätestens 24 Stunden nach Behandlungsbeginn nicht mehr ansteckend. Sie können auch das Risiko von Komplikationen reduzieren – allerdings sind diese ohnehin die Ausnahme. Da Antibiotika nur begrenzt gegen die Beschwerden helfen und Nebenwirkungen haben, kann man häufig auf eine Einnahme verzichten.

    Viele Menschen empfinden es als wohltuend, Halsbonbons zu lutschen oder die Beschwerden mit Hausmitteln zu lindern, etwa mit Halswickeln und Gurgeln mit Salzwasser oder Tee.

    Wiederkehrende Mandelentzündungen können ebenfalls mit Schmerzmitteln oder Antibiotika behandelt werden. Bei häufigen Beschwerden ist es auch möglich, die Mandeln operativ entfernen zu lassen.

    Um zu klären, ob eine Operation infrage kommt, kann unsere Entscheidungshilfe verwendet werden. Sie fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zusammen.

    Weitere Informationen

    Die Haus- oder Kinderarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Halsschmerzen. DEGAM-Leitlinie Nr. 14 (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 053-010. 10.2009.

    Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC). Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 017-024. 08.2015.

    Georgalas CC, Tolley NS, Narula PA. Tonsillitis. BMJ Clin Evid 2014: pii: 0503.

    Kenealy T. Sore throat. BMJ Clin Evid 2014: pii: 1509.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Verschwinden Halsschmerzen schneller durch Antibiotika?

    Antibiotika können die Beschwerden bei Halsentzündungen im Schnitt um einen halben bis einen Tag verkürzen. Sie können aber Nebenwirkungen haben, zudem macht ein zu häufiger Antibiotika-Einsatz die Bakterien widerstandsfähiger.

    Halsschmerzen sind ein häufiger Grund für Arztbesuche – vor allem in der Erkältungszeit. Die Ursache ist oft eine einfache Erkältung, manchmal aber auch eine Rachen- oder Mandelentzündung. Dann kann sich die Frage stellen: Nehme ich ein Antibiotikum ein oder nicht? Die meisten Menschen haben von Antibiotika jedoch keinen Vorteil: Erkältungsbedingte Halsschmerzen werden meist durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika nicht wirken. Antibiotika helfen nur Menschen mit einer bakteriellen Entzündung, wie zum Beispiel einer bakteriellen Mandelentzündung. Die meisten Halsschmerzen klingen aber auch ohne eine besondere Behandlung innerhalb einer Woche ab.

    Bestimmte Krankheitszeichen können Hinweise geben, ob Bakterien oder Viren die Ursache der Halsschmerzen sind. Fieber, aber kein Husten, geschwollene und belegte Mandeln können auf eine bakterielle Mandelentzündung hindeuten. Um zu klären, ob es sich um Bakterien handelt, kann ein Abstrich aus dem Rachen oder von den Mandeln entnommen und sofort untersucht werden. Dieser sogenannte Schnelltest ist jedoch nicht sehr genau. Etwas genauer ist es, wenn der Abstrich ins Labor geschickt und dort untersucht wird. In der Praxis wird diese Untersuchung aber kaum gemacht, da das Ergebnis erst nach 2 bis 3 Tagen vorliegt. Deshalb werden Antibiotika meist allein aufgrund der Beschwerden verordnet, also „auf Verdacht“. Daher nehmen nicht wenige Menschen Antibiotika ein, die ihnen nicht helfen können, weil ihre Halsentzündung durch Viren ausgelöst wurde.

    Nutzen der Antibiotikatherapie

    Da man bei der Einnahme von Antibiotika gegen Halsentzündungen also häufig nicht sicher weiß, ob tatsächlich Bakterien der Auslöser sind, stellt sich die Frage nach dem Nutzen der Medikamente. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration werteten insgesamt 27 Studien aus, an denen mehr als 12.800 Personen teilgenommen haben. In den Studien erhielt eine Teilnehmergruppe Antibiotika, eine andere Gruppe nur ein Scheinmedikament (Placebo). Die meisten Teilnehmenden hatten Beschwerden, die auf eine bakterielle Ursache hindeuteten. Für Menschen mit leichteren, vermutlich durch Viren ausgelösten Beschwerden gelten die folgenden Zahlen nicht.

    Die Studien zeigen, dass die Einnahme von Antibiotika die Heilung etwas beschleunigen kann:

    • Ohne Antibiotika hatten nach drei Tagen noch etwa 80 von 100 Personen Halsschmerzen.
    • Mit Antibiotika hatten nach drei Tagen noch etwa 55 von 100 Personen Halsschmerzen.

    Nach einer Woche zeigte sich:

    • Ohne Antibiotika hatten noch etwa 40 von 100 Personen Halsschmerzen.
    • Mit Antibiotika hatten noch etwa 20 von 100 Personen Halsschmerzen.

    Bei einigen Teilnehmenden wurden durch einen Abstrich bestimmte Bakterien nachgewiesen, die eine bakterielle Mandelentzündung auslösen können. In dieser Gruppe war der Nutzen der Antibiotika etwas größer.

    Die Studien zeigten zudem, dass die Antibiotika Komplikationen wie zum Beispiel Mittelohrentzündungen vorbeugen können. Auch Eiteransammlungen im Rachen (Peritonsillarabszess) treten wahrscheinlich seltener auf. Solche und andere Komplikationen sind aber bei ansonsten gesunden Personen auch ohne Antibiotika-Behandlung selten. Sie treten bei höchstens etwa einem bis 10 von 1000 Menschen auf, die wegen ihrer Beschwerden ärztlich behandelt wurden.

    Nebenwirkungen von Antibiotika

    Eine Antibiotika-Behandlung hat aber auch unerwünschte Wirkungen: Aus weiteren Studien lässt sich schließen, dass bei etwa 10 von 100 Erwachsenen während oder nach der Einnahme von Antibiotika Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Durchfälle und Hautausschläge. Hinzu kommt, dass sich durch einen übermäßigen Einsatz von Antibiotika auch bei leichten Erkrankungen Resistenzen bilden. Das heißt, dass die Erreger mit der Zeit unempfindlich gegen die Mittel werden. Dadurch können viele ernste Krankheiten nicht mehr so gut behandelt werden wie zuvor.

    Quellen

    Spinks A, Glasziou PP, Del Mar CB. Antibiotics for sore throat. Cochrane Database Syst Rev 2013; (11): CD000023.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Mandelentzündung: Wann ist eine Mandeloperation bei Kindern sinnvoll?

    Die meisten Kinder haben nur ab und zu eine Mandelentzündung. Eine Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillitis) ist zwar unangenehm, bessert sich aber meist nach einigen Tagen wieder. Wenn jedoch über Jahre hinweg immer wieder Mandelentzündungen auftreten, stellt sich oft die Frage, ob es sinnvoll ist, die Mandeln operativ entfernen zu lassen.

    Akute Mandelentzündungen sind mit Beschwerden wie Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und Mattigkeit verbunden. Wenn sich die Mandeln in kurzen Abständen immer wieder entzünden, kann das sehr belastend sein.

    Kinder und Jugendliche erkranken sehr viel häufiger an einer Mandelentzündung als Erwachsene. Manche Kinder haben 4- bis 8-mal im Jahr eine Mandelentzündung, die 1 bis 2 Wochen andauern kann. Das bedeutet, dass sie immer wieder in der Schule fehlen – und ihre Eltern oft zu Hause bleiben müssen, um sie zu betreuen.

    Es kann sein, dass Schmerzmittel und Antibiotika nicht ausreichend helfen, oder dass man nicht zu häufig Medikamente anwenden möchte. Nicht zuletzt können Komplikationen wie eine Eiteransammlung um die Mandeln herum (Peritonsillarabszess) ein Grund sein, über eine Operation nachzudenken.

    Dabei gilt es abzuwägen: Auf der einen Seite steht die Hoffnung, dass es seltener oder gar nicht mehr zu Entzündungen kommt. Auf der anderen Seite stehen die Risiken des Eingriffs und die Frage, ob er tatsächlich helfen kann.

    Die meisten Kinder haben nur ab und zu eine Mandelentzündung. Eine Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillitis) ist zwar unangenehm, bessert sich aber meist nach einigen Tagen wieder. Wenn jedoch über Jahre hinweg immer wieder Mandelentzündungen auftreten, stellt sich oft die Frage, ob es sinnvoll ist, die Mandeln operativ entfernen zu lassen.

    Akute Mandelentzündungen sind mit Beschwerden wie Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und Mattigkeit verbunden. Wenn sich die Mandeln in kurzen Abständen immer wieder entzünden, kann das sehr belastend sein.

    Kinder und Jugendliche erkranken sehr viel häufiger an einer Mandelentzündung als Erwachsene. Manche Kinder haben 4- bis 8-mal im Jahr eine Mandelentzündung, die 1 bis 2 Wochen andauern kann. Das bedeutet, dass sie immer wieder in der Schule fehlen – und ihre Eltern oft zu Hause bleiben müssen, um sie zu betreuen.

    Es kann sein, dass Schmerzmittel und Antibiotika nicht ausreichend helfen, oder dass man nicht zu häufig Medikamente anwenden möchte. Nicht zuletzt können Komplikationen wie eine Eiteransammlung um die Mandeln herum (Peritonsillarabszess) ein Grund sein, über eine Operation nachzudenken.

    Dabei gilt es abzuwägen: Auf der einen Seite steht die Hoffnung, dass es seltener oder gar nicht mehr zu Entzündungen kommt. Auf der anderen Seite stehen die Risiken des Eingriffs und die Frage, ob er tatsächlich helfen kann.

    Welchen Nutzen hat eine Mandeloperation?

    Eine vollständige Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) kann dazu beitragen, dass Halsentzündungen seltener auftreten. Wenn die Gaumenmandeln entfernt wurden, können sie sich nicht mehr entzünden – es kann aber sein, dass sich das Gewebe um die Mandeln herum weiterhin entzündet.

    Kindern mit stärkeren Beschwerden durch wiederholte Mandelentzündungen kann ein Eingriff am ehesten helfen. Von „stärkeren Beschwerden“ spricht man, wenn ein Kind mindestens 3- bis 5-mal im Jahr eine Mandelentzündung hat, mit Antibiotika behandelt wird, die Beschwerden jeweils mehrere Tage andauern und die Halsschmerzen begleitet werden von

    • Fieber über 38° C,
    • einer Vergrößerung oder Verhärtung der Halslymphknoten,
    • eitrig belegten Mandeln,
    • einem Nachweis bestimmter Bakterien.

    Studien zeigen, dass Kinder mit stärkeren Beschwerden nach einem Eingriff etwas seltener Halsschmerzen haben:

    • Im ersten Jahr nach einer Mandeloperation hatten Kinder im Schnitt 3-mal Halsschmerzen. Allerdings war eine dieser Episoden durch den Eingriff bedingt.
    • Kinder, die nicht operiert wurden, hatten im selben Zeitraum durchschnittlich 4-mal über mehrere Tage Halsschmerzen.

    In anderen Worten: Im ersten Jahr konnte eine Operation im Durchschnitt einmal Halsschmerzen vorbeugen. Im Schnitt waren die Kinder pro Jahr fünf Tage weniger krank.

    Welche Gründe sprechen gegen eine Operation?

    Bei vielen Kindern werden Mandelentzündungen mit den Jahren auch ohne besondere Behandlung seltener oder treten gar nicht mehr auf. Allerdings lässt sich nicht vorhersagen, bei welchem Kind sich die Neigung zu Mandelentzündungen einfach „auswachsen“ wird.

    Eine Entfernung der Mandeln bringt Belastungen und Risiken mit sich: Nach der Operation kann die Wunde wehtun und das Schlucken schmerzhaft sein. Etwa 20 bis 50 von 100 Kindern berichten von starken Schmerzen nach der Operation. Vorübergehend können Übelkeit und Erbrechen, Schluckbeschwerden und Geschmacksstörungen auftreten. Zudem kann es zu Komplikationen wie Blutungen kommen (siehe unten). Die Wundschmerzen klingen meist nach ein paar Tagen ab.

    Gegen eine Mandeloperation kann außerdem sprechen, dass ihr Nutzen begrenzt ist. Ob und wie sehr eine Operation hilft, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind und ob die Entzündungen vorwiegend von den Mandeln ausgehen oder vom umliegenden Gewebe.

    Manche Eltern befürchten, dass eine Operation bei ihrem Kind langfristig das Immunsystem schwächt und beispielsweise Allergien oder Atemwegsinfekte begünstigen könnte. Ob dies zutrifft, ist wissenschaftlich jedoch nicht geklärt. Die Mandeln spielen aber in den ersten Lebensjahren eine wichtigere Rolle für das Immunsystem als später.

    Welche Komplikationen kann eine Mandeloperation nach sich ziehen?

    Es kann sein, dass die Wunde nach der Operation erneut zu bluten anfängt. Solche Blutungen können in den ersten 24 Stunden nach der Operation auftreten (primäre Blutung) oder bis zu 28 Tage danach (sekundäre Blutung). Zu den meisten Nachblutungen kommt es innerhalb der ersten Woche nach dem Eingriff. Wenn ein Kind das Blut herunterschluckt, fällt die Blutung zunächst oft nicht auf. Später kann es das Blut dann erbrechen, oder es kann Blut in die Luftröhre gelangen. Eine Nachblutung gilt als Notfall, da es zu großen Blutverlusten kommen kann. Deshalb ist es dann wichtig, sofort ein Krankenhaus aufzusuchen oder über die Notrufnummer 112 einen Rettungsdienst zu verständigen. Die Blutung geht zwar manchmal von allein zurück, es können aber auch Bluttransfusionen und vielleicht eine erneute Operation nötig sein.

    Wie hoch das Risiko für Nachblutungen ist, hängt von verschiedenen Dingen ab: Beispielsweise vom Operationsverfahren, dem Alter der Patientinnen und Patienten und davon, ob sie bestimmte Vorerkrankungen haben. Studien zeigen:

    • Bei etwa 5 von 100 Kindern kommt es zu einer Nachblutung.
    • Etwa 2 von 100 Kindern werden erneut operiert.

    Außerdem gibt es wie bei allen Eingriffen allgemeine Risiken, zum Beispiel durch die Narkose.

    Wie läuft eine Mandeloperation ab?

    Der Eingriff findet meist in einem Krankenhaus statt. Kinder bekommen vor der Operation eine Vollnarkose.

    Die Mandeln werden mithilfe spezieller Instrumente entfernt. Der Eingriff dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Im Anschluss daran ist meist noch ein mehrtägiger Klinikaufenthalt nötig.

    Welche Operationsverfahren gibt es?

    Es gibt heute viele verschiedene Methoden, die Mandeln zu entfernen. Grob unterscheidet man zwei Verfahren:

    • Tonsillektomie: Die Mandeln werden vollständig entfernt. Dieser Eingriff findet in einem Krankenhaus statt.
    • Tonsillotomie: Die Mandeln werden teilweise entfernt. Dieser Eingriff wird manchmal auch ambulant angeboten.

    Zudem gibt es verschiedene Operationstechniken:

    • Eingriffe mit Hitzeentwicklung (Diathermie): Dabei werden die Mandeln mithilfe eines Radiofrequenz-Geräts entfernt, das starke Hitze entwickelt. Die Hitze soll die Wunde direkt verschließen. Neuere Verfahren arbeiten mit einer weniger starken Hitzeeinwirkung (sogenannte Coblation).
    • Eingriffe ohne Hitzeentwicklung (Dissektion): Hier werden die Mandeln mithilfe von Instrumenten (Schere, Schlinge) entfernt.

    Was ist besser: Eine teilweise oder vollständige Mandelentfernung?

    Bei häufig wiederkehrenden, bakteriellen Mandelentzündungen schlagen Ärztinnen und Ärzte derzeit meist vor, die Mandeln vollständig zu entfernen (Tonsillektomie). Dies liegt daran, dass der Nutzen der Teilentfernung noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht wurde.

    Die Teilentfernung (Tonsillotomie) hat den Vorteil, etwas schonender zu sein, weil weniger Gewebe entfernt wird und die Wunde kleiner bleibt. In den Tagen nach diesem Eingriff haben Kinder deutlich weniger Schmerzen und können früher wieder essen als nach einer vollständigen Mandelentfernung. Zudem ist das Risiko für Nachblutungen vermutlich geringer. Allerdings ist unklar, wie wirksam die Teilentfernung erneute Mandelentzündungen verhindern kann. Es gibt bislang kaum Studien, die geprüft haben, wie nützlich die Teilentfernung im Vergleich zur vollständigen Entfernung der Mandeln ist. Deshalb erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Tonsillotomie derzeit in der Regel noch nicht.

    Was kann man nach einer Operation tun, um Beschwerden zu lindern?

    Schmerzen sind die Beschwerden, die nach einer Mandelentfernung am meisten belasten. Meist klingen sie nach ein paar Tagen ab. Bis dahin können die Schmerzen mit Medikamenten in Form von Tabletten, Zäpfchen, Tropfen, Infusionen oder Lidocain-Spray behandelt werden. Auch gegen Übelkeit und Erbrechen stehen Medikamente zur Verfügung.

    Bestimmte Verhaltensweisen sollen dazu beitragen, dass man sich schneller erholt und das Risiko für Nachblutungen sinkt. So wird geraten, sich in den ersten Tagen nach der Operation körperlich zu schonen und erst nach einigen Wochen wieder Sport zu treiben. Sinnvoll ist es außerdem, zuerst nur weiches Essen zu sich zu nehmen, um die Wunde zu schonen. Scharfe Zutaten und Säuren, also auch Fruchtsäfte und Zitrusfrüchte, können die Wundfläche reizen. Dies gilt ebenfalls für das Gurgeln von Mundwasser.

    Kinder kommen manchmal nur schlecht damit zurecht, dass ihnen das Sprechen und Essen nach der Operation schwerfällt. Dann ist es wichtig, dass ihre Eltern, andere Bezugspersonen oder Pflegekräfte für sie da sind. Gespräche, gemeinsames Lesen oder Fernsehen können ein Kind ablenken, sodass es leichter zur Ruhe kommen kann. Wichtig ist, Kindern vor der Operation zu erklären, welche Beschwerden danach möglich sind und wie man damit umgehen kann.

    Im Zweifel kann eine zweite Meinung helfen

    Ob eine Mandeloperation sinnvoll ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Wie häufig kommt es zu Entzündungen? Wie stark sind die Beschwerden? Wie sind die Erfolgsaussichten des Eingriffs? Wie wahrscheinlich ist es, dass Mandelentzündungen auch ohne Eingriff seltener werden?

    Es kann sein, dass Ärztinnen und Ärzte unterschiedliche Empfehlungen geben. Wird Ihrem Kind eine Mandeloperation empfohlen, kann es sinnvoll sein, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen – das heißt, sich in einer anderen Praxis oder Klinik beraten zu lassen. Zur Unterstützung kann unsere Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst.

    Quellen

    Burton MJ, Glasziou PP, Chong LY, Venekamp RP. Tonsillectomy or adenotonsillectomy versus non-surgical treatment for chronic/recurrent acute tonsillitis. Cochrane Database Syst Rev 2014; (11): CD001802.

    Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC). Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 017-024. 08.2015.

    Fedorowicz Z, van Zuuren EJ, Nasser M, Carter B, Al Langawi JH. Oral rinses, mouthwashes and sprays for improving recovery following tonsillectomy. Cochrane Database Syst Rev 2013; (9): CD007806.

    Francis DO, Fonnesbeck C, Sathe N, McPheeters M, Krishnaswami S, Chinnadurai S. Postoperative Bleeding and Associated Utilization following Tonsillectomy in Children. Otolaryngol Head Neck Surg 2017; 156(3): 442-455.

    Idvall E, Holm C, Runeson I. Pain experiences and non-pharmacological strategies for pain management after tonsillectomy: a qualitative interview study of children and parents. J Child Health Care 2005; 9(3): 196-207.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Tonsillotomie bei rezidivierender akuter Tonsillitis und bei Hyperplasie der Tonsillen: Abschlussbericht; Auftrag N15-11. 06.01.2017. (IQWiG-Berichte; Band 475).

    Lock C, Baker R, Brittain K. 'I've just taken you to see the man with the CD on his head': the experience and management of recurrent sore throat in children. J Child Health Care 2010; 14(1): 95-110.

    Morad A, Sathe NA, Francis DO, McPheeters ML, Chinnadurai S. Tonsillectomy Versus Watchful Waiting for Recurrent Throat Infection: A Systematic Review. Pediatrics 2017; 139(2).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mandelentzündung – Erfahrungsbericht – Tanja

    „Die Symptome waren sehr stark: Ich hatte ein starkes Kloßgefühl im Hals, hohes Fieber, Schluckbeschwerden, fühlte mich schwer und matt. Ich war so schlapp, dass ich im Bett bleiben musste, was mir nur selten passiert.“

    Tanja, 38 Jahre

    „Die Symptome waren sehr stark: Ich hatte ein starkes Kloßgefühl im Hals, hohes Fieber, Schluckbeschwerden, fühlte mich schwer und matt. Ich war so schlapp, dass ich im Bett bleiben musste, was mir nur selten passiert.“

    Als meine Kinder etwa zwei und vier Jahre alt waren, hatte ich meine erste Mandelentzündung als Erwachsene. Meine Tochter hat vermutlich die Streptokokken vom Kindergarten mit nach Hause gebracht.

    Die Symptome waren sehr stark: Ich hatte ein starkes Kloßgefühl im Hals, hohes Fieber, Schluckbeschwerden, fühlte mich schwer und matt. Ich war so schlapp, dass ich im Bett bleiben musste, was mir nur selten passiert. Ich war richtig krank und mir war klar, dass ich zu einem Arzt gehen sollte. Ich habe auch bei einem Blick in den Spiegel gesehen, dass meine Mandeln gelblich belegt waren und vermutet, dass ich eine bakterielle Mandelentzündung habe.

    Verschreibung von Antibiotika

    Ich habe von meinem Arzt ein Antibiotikum verordnet bekommen und es auch regelmäßig und wie verschrieben eingenommen. Ich bin überhaupt kein Fan von Antibiotika und vermeide sie, wo es geht. Aber bei Streptokokken wollte ich kein Risiko eingehen. Ich hatte aber auch keine Nebenwirkungen und habe die Tabletten sehr gut vertragen. Zusätzlich habe ich mit Salbeitee gegurgelt und viel Tee getrunken.

    Die Kinder waren noch klein und ich konnte mich nicht einfach ins Bett legen

    Nachdem ich das Antibiotikum nach der vorgeschriebenen Einnahmezeit abgesetzt hatte, habe ich wieder Fieber bekommen und auch sonst die gleichen Symptome gehabt, nur nicht ganz so stark wie beim ersten Mal. Mir war eigentlich sofort klar, dass es schon wieder eine Mandelentzündung war. Damals waren die Kinder noch klein und ich habe sie zu Hause versorgt. Dadurch konnte ich mich nicht einfach ins Bett legen.

    Ich hatte dann mehrmals hintereinander solche Entzündungen. Vor etwa vier Jahren hatte ich dann die Nase voll und habe meiner HNO-Ärztin vorgeschlagen, mir die Mandeln zu entfernen.

    Ich habe mich über die Vor- und Nachteile der Operation informiert

    Ich hatte mich vor dieser Entscheidung erkundigt und gelesen, dass man eine Entfernung der Mandeln wegen der Nachblutungsgefahr nicht mehr so häufig macht wie früher. Zudem werden sie unter Narkose entfernt und da gibt es ja auch ein gewisses Risiko. Das muss man sich alles schon gut vorher überlegen. Ich habe aber gemerkt, dass es so für mich nicht weitergeht und ich den Alltag mit den ständigen Erkrankungen nicht weiter bestreiten kann. Ich war jedes Mal verzweifelt, wenn ich wieder mit Fieber aufgewacht bin. Ich war auch moralisch am Ende.

    Ich hatte als Kind schon Infektionen

    Ich gehe davon aus, dass ich als Kind auch schon Mandelentzündungen hatte, weiß das aber nicht genau. Meine HNO-Ärztin meinte nur wegen des Zustands meiner Mandeln, dass ich als Kind schon einige Infektionen durchgemacht haben muss. Meine Mutter konnte sich daran nicht genau erinnern, sie sagte nur, dass ich als Kind sehr oft krank war. Ich selber kann mich nicht mehr daran erinnern. Aber als Jugendliche hatte ich keine Probleme mehr damit. Erst als meine Kinder die Keime vom Kindergarten mit nach Hause gebracht haben, ging es wieder los.

    In meinen zerklüfteten Mandeln konnten sich die Keime vermutlich besser einnisten. Ich hatte auch Sorge, dass die wiederholten Infektionen mit Streptokokken zu gefährlichen Spätfolgen führen könnten, wie zum Beispiel einer Herzentzündung.

    Die Mandeln wurden stationär entnommen

    Meine Ärztin war mit der Entfernung der Mandeln einverstanden, die Operation wurde geplant und die Mandeln wurden mir im Krankenhaus entfernt. Im Krankenhaus habe ich vor der Operation ein Informationsschreiben bekommen, in dem stand, wie ich mich nach der Operation verhalten soll. Beispielsweise stand da, dass ich nicht schwer heben soll und versuchen soll, normal weiter zu essen. Das sei ganz wichtig, damit die Wundflächen nicht so verkrusten. Und dass man eben auch Schmerzmedikamente bekommt. Mir sind dann die Mandeln unter Vollnarkose entfernt worden.

    Die Operation ist gut gegangen

    Es war die erste Vollnarkose in meinem Leben. Es ist alles gut gegangen. Nach der Operation war mir übel und ich musste mich auch übergeben, was aber nicht so schlimm war. Ich habe ein Medikament gegen die Übelkeit bekommen und es ging mir damit rasch wieder besser. Insgesamt war ich sechs Tage im Krankenhaus.

    In dieser Woche im Krankenhaus ging es mir ganz gut. Ich habe fleißig gegessen, trotz der Schmerzen. Ich habe Schmerztabletten bekommen, hatte aber immer noch Schmerzen. Im Nachhinein habe ich mir gedacht, dass ich um mehr Schmerzmittel hätte bitten sollen. Die Schmerztabletten waren vielleicht auch nicht ausreichend dosiert. Ich wurde aber auch nicht danach gefragt, ob ich noch Schmerzen habe, da hätte ich schon selber etwas sagen müssen. Ich bin in den Tagen im Krankenhaus viel spazieren gegangen und habe gelesen. Ich muss sagen, ich habe die Zeit regelrecht genossen.

    Die ersten Tage zu Hause waren schwierig

    Aber dann bin ich entlassen worden und ich kann jedem, der kleine Kinder hat und sich nicht ins Bett legen kann, raten, die Kinder für zwei bis drei Tage woanders unterzubringen. Nach ein paar Tagen lösten sich die Verkrustungen im Hals und das war sehr unangenehm. Ich hatte zu Hause zwei bis drei Tage sehr, sehr starke und unangenehme Schmerzen. Das waren eher so stechende Schmerzen. Beim Schlucken war es so ein bisschen, als würde hinten im Hals ein kleines Messer stechen oder bohren. Also die Halsschmerzen wie bei einer Mandelentzündung, aber nochmal deutlich verstärkt, ein richtiger Wundschmerz, der vor allem beim Schlucken richtig stark war.

    Das war wirklich heftig und ich musste mich trotzdem um die Kinder kümmern. Zudem hatten wir noch Handwerker im Haus und das war einfach zu viel für mich. Es war dann so, dass sich permanent Speichel im Mund gesammelt hat und es ging mit dem Essen auch lange nicht so gut wie im Krankenhaus. Aber nach etwa drei Tagen wurde es deutlich besser.

    In der zweiten Woche nach der Operation ist es wieder besser geworden. Es sind keine Nachblutungen oder sonstigen Komplikationen aufgetreten. Eine Wundfläche hat sich ein wenig entzündet, aber das ist gut abgeheilt. Nach etwa drei Wochen hatte ich alles gut überstanden.

    Es war die richtige Entscheidung für mich

    Im Nachhinein bin ich heilfroh, dass mir die Mandeln entfernt worden sind. Ich bin seitdem viel weniger krank. Ich habe keine Halsschmerzen mehr und bin fast nie erkältet. Ich würde es wieder machen, trotz der Schmerzen. Es war die absolut richtige Entscheidung für mich.

    Sicherlich sollte man sich solch eine Operation gründlich überlegen. Es besteht ja unter anderem die Gefahr einer Nachblutung. Aber ich habe mir gedacht, dass man als Erwachsener merkt, wenn es im Hals blutet. Dann wäre ich zur Klinik gefahren, die hätten es verödet und somit war das Risiko für mich kalkulierbar.

    Bei Kindern ist es etwas anders

    Wenn bei meinen Kindern eine solche Entscheidung anstehen würde, dann würde ich nochmal in mich gehen, ob das wirklich notwendig ist. Bei Kindern ist die Gefahr bei Nachblutungen ja, dass sie das Blut runterschlucken und vielleicht nichts sagen. Bei ihnen fallen die Nachblutungen manchmal erst auf, wenn sie erbrechen. Dann können sie aber schon jede Menge Blut verloren haben und das kann lebensgefährlich sein. Da sollte man das schon anders abwägen als bei Erwachsenen. Man darf auch nicht vergessen, dass die Entfernung der Mandeln eine Operation ist. Mit Vollnarkose und dem Narkoserisiko, wie bei jeder Operation.

    Ich habe mich im Vorfeld recht gut über die Operation im Internet informiert. Ich denke, es ist sehr wichtig, sich zu informieren. Natürlich sollten einen die Ärzte beraten, aber bei mir hielt sich die Beratung in Grenzen. Ich finde, sich selber zu informieren ist sehr wichtig, um zu wissen, was einen erwartet. Gerade im Hinblick auf die Schmerzen. Ich fand es wichtig zu wissen, dass die Schmerzen nach der Operation ganz normal sind. Und dass man Schmerzmittel einfordern soll. Ich finde, man kann mit diesem Wissen mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein in einem Krankenhaus auftreten. Das finde ich enorm wichtig.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.