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Sodbrennen und Refluxkrankheit

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    Überblick

    Viele Menschen kennen Sodbrennen - brennenden Schmerz, der vom Oberbauch bis in den Hals ausstrahlt. Bei einer Refluxkrankheit sind solche Beschwerden jedoch häufig und stark. Schluckbeschwerden oder ein schlechter Geschmack im Mund können dazukommen. Lesen Sie, wie man eine Refluxkrankheit in den Griff bekommt.

    Einleitung

    Nach einer üppigen Mahlzeit haben viele Menschen schon einmal Sodbrennen, ein unangenehmes Brennen hinter dem Brustbein. Auch nach dem Essen manchmal aufzustoßen, ist normal. In den westlichen Ländern haben bis zu 20 von 100 Menschen immer wieder Beschwerden wie Sodbrennen oder Aufstoßen. Beides kann zwar unangenehm sein, hat aber gewöhnlich keine weiteren Folgen. Wer allerdings sehr häufiges oder starkes Sodbrennen hat und oft aufstößt, könnte eine Refluxkrankheit haben. Sie wird auch „gastroösophageale Refluxerkrankung“, kurz GERD, genannt. Der Begriff „gastroösophageal“ bedeutet, dass der Magen und die Speiseröhre betroffen sind.

    Normalerweise ist der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen geschlossen. Er öffnet sich nur, wenn dort mit Speichel vermischte Nahrung angelangt ist. Hat der Magen die Nahrung aufgenommen, verschließt er sich wieder, damit der Mageninhalt nicht zurückfließt.

    Wenn der Magen stark gedehnt wird, beispielsweise nach üppigem Essen, kann es vorkommen, dass sich der Verschluss am Mageneingang vorübergehend lockert. Dann lässt er mitunter Luft oder etwas Mageninhalt nach oben durch. Manchmal öffnet sich der Verschluss auch ohne erkennbaren Anlass. Der aufsteigende Magensaft reizt die Schleimhaut der Speiseröhre, was sich als Sodbrennen bemerkbar macht. Wenn Magensaft länger auf die Schleimhaut der Speiseröhre einwirkt, kann sie sich entzünden und schmerzen.

    Symptome

    Bei einigen Menschen fließt oft oder vergleichsweise viel Mageninhalt in die Speiseröhre zurück. Von einer Refluxkrankheit spricht man, wenn dieser Rückfluss dazu führt, dass häufiges oder starkes Sodbrennen oder Aufstoßen die Lebensqualität beeinträchtigt oder die Speiseröhre sich entzündet hat.

    Sodbrennen äußert sich als brennendes Gefühl, das vom Oberbauch oder aus der Region hinter dem Brustbein nach oben zum Hals strahlt. Neben Aufstoßen und Sodbrennen kann eine Refluxkrankheit auch mit Schluckbeschwerden einhergehen. Weitere mögliche Beschwerden sind ein Brennen im Rachen, ein schlechter Geschmack im Mund und Magengeräusche. Oft kommen ein starkes Völlegefühl, teilweise auch Übelkeit und Brechreiz hinzu.

    Eine Refluxkrankheit kann außerdem zu Beschwerden wie etwa Reizhusten, Asthmaanfällen, belegter Stimme und Heiserkeit oder Zahnschmerzen führen. Sie treten auf, wenn der zurücklaufende Magensaft in die Luftröhre gerät und die Atemwege reizt, oder bis in den Mund aufsteigt und die Zähne angreift.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Kurz vor der Magenöffnung verengt sich die Speiseröhre. Diese Engstelle wird normalerweise von Muskeln der Speiseröhre und des Zwerchfells verschlossen. Bei der Refluxkrankheit funktioniert dieser „Verschluss“ nicht richtig. Woran dies liegt, bleibt oft unklar.

    Bei manchen Menschen ist ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) die Ursache. Das Zwerchfell ist eine Muskelplatte, die Brust- und Bauchraum voneinander trennt. Die Speiseröhre zieht von oben durch eine schmale Lücke im Zwerchfell und mündet direkt dahinter in den Magen. Bei einem Zwerchfellbruch rutscht der Magen durch die entstandene Lücke ein Stück nach oben in den Brustraum. Dadurch kann das Zwerchfell den Verschluss am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen nicht mehr unterstützen.

    Es wird diskutiert, ob auch Übergewicht, Rauchen und Alkohol den Verschluss beeinträchtigen oder zu Reflux und Sodbrennen beitragen können. Viele Betroffene machen die Erfahrung, dass Stress ihre Beschwerden auslöst oder verstärkt – oder der Verzehr bestimmter Lebensmittel. Die Beschwerden können auch nach körperlicher Anstrengung sowie durch eine bestimmte Körperhaltung zunehmen, etwa beim Vorbeugen oder Hinlegen.

    Möglicherweise werden Refluxbeschwerden und Sodbrennen auch durch eine Störung der Speiseröhre verursacht – etwa wenn die Speiseröhre den aufsteigenden Magensaft nicht schnell genug in den Magen zurückbefördert oder sehr empfindlich reagiert. Auch Medikamente wie bestimmte Mittel gegen Bluthochdruck und die „Pille“ können die Beschwerden verstärken.

     

    Animierte Reflux-Grafik: Etwas Speisebrei fließt zurück in die Speiseröhre

    Verlauf

    Eine Refluxkrankheit bleibt meist dauerhaft bestehen und tritt in der Regel in Schüben auf. Das heißt, beschwerdefreie Phasen und Zeiten mit stärkerem Sodbrennen und anderen Beschwerden wechseln sich ab.

    Nicht immer entzündet sich die Speiseröhre: Bei bis zu 2 von 3 Personen mit Reflux-Symptomen ist die Schleimhaut der Speiseröhre nicht angegriffen.

    Folgen

    Viele Menschen mit Reflux und Sodbrennen machen sich Sorgen über mögliche Komplikationen. Normalerweise schreitet die Krankheit aber nicht fort. Sie kann manchmal dazu führen, dass sich am unteren Ende der Speiseröhre die Schleimhaut verändert. Diese Veränderung wird „Barrett-Ösophagus“ genannt. Nach Schätzungen entsteht sie bei 5 von 100 Personen mit Reflux im Laufe der Jahre.

    Bei einem Barrett-Ösophagus ist das Risiko für Speiseröhrenkrebs etwas erhöht. Von 1000 Personen mit Reflux erkranken in den nächsten zehn Jahren schätzungsweise an Speiseröhrenkrebs:

    • höchstens eine Person ohne Barrett-Ösophagus, aber
    • 10 Personen mit Barrett-Ösophagus.

    Eine Verengung der Speiseröhre ist eine weitere mögliche Komplikation. Sie entsteht, wenn eine stärkere Entzündung der Speiseröhre eine Narbe hinterlassen hat. Das Narbengewebe kann die Öffnung der Speiseröhre einengen und das Schlucken teils deutlich erschweren.

    Diagnose

    Die Erkrankung lässt sich an den typischen Symptomen erkennen. Daher ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt die Beschwerden genau zu beschreiben und zu sagen, wann und wie häufig sie auftreten. Bei einem Verdacht auf Refluxkrankheit kann eine Probebehandlung gemacht werden. Dazu nimmt man zwei Wochen ein Medikament ein, das die Magensäure hemmt (Protonenpumpenhemmer). Wenn die Medikamente die Beschwerden lindern können, handelt es sich sehr wahrscheinlich tatsächlich um eine Refluxkrankheit.

    Behandlung

    Menschen mit starkem Sodbrennen oder einer Refluxkrankheit hilft es manchmal, einige Gewohnheiten zu verändern, zum Beispiel auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten oder weniger Alkohol zu trinken. Dies ist nicht immer leicht, kann sich aber lohnen. Darüber hinaus gibt es Medikamente, die die Beschwerden lindern können. Reicht dies nicht aus, kann eine Operation eine Möglichkeit sein.

    Leben und Alltag

    Reflux und Sodbrennen können eine starke Belastung sein. Die Beschwerden können den Schlaf stören und dazu führen, dass man Essen und Trinken nicht mehr richtig genießen kann. Eine Refluxkrankheit kann das allgemeine Wohlbefinden und das tägliche Leben beeinträchtigen. Manche Menschen ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück und melden sich häufig krank.

    Eine Behandlung ist zwar nicht immer angenehm und kann Geduld erfordern. Doch viele Betroffene berichten, dass es ihnen anschließend besser geht und sie ihre Erkrankung als weniger belastend empfinden.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Dent J, Jones R, Kahrilas P, Talley NJ. Management of gastro-oesophageal reflux disease in general practice. BMJ 2001; 322(7282): 344-347.

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    Koop H, Fuchs KH, Labenz J, Lynen Jansen P, Messmann H, Miehlke S et al. Gastroösophageale Refluxkrankheit (S2k-Leitinie). AWMF-Registernr.: 021-013. 05.2014.

    Moayyedi P, Talley NJ. Gastro-oesophageal reflux disease. Lancet 2006; 367(9528): 2086-2100.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie wird eine Refluxkrankheit festgestellt?

    Bei Verdacht auf eine Refluxkrankheit kann versuchsweise mit Medikamenten behandelt werden. Bessern sich dadurch die Beschwerden, liegt sehr wahrscheinlich ein Reflux vor. Bei unklaren Ergebnissen kommen auch weitere Untersuchungen infrage.

    Viele Menschen haben nach einer üppigen Mahlzeit Sodbrennen. Auch nach dem Essen manchmal aufzustoßen, ist normal. Sehr häufiges, starkes Sodbrennen oder Aufstoßen kann jedoch Anzeichen für eine Refluxkrankheit sein. Dabei fließt Mageninhalt in die Speiseröhre zurück, weil sich der Mageneingang nicht richtig schließt.

    Meist sind solche typischen Beschwerden der Anlass, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen. Manchmal kommt es auch vor, dass bei einer Untersuchung wegen anderer Symptome zufällig eine Entzündung der Speiseröhre festgestellt wird. Die Speiseröhre kann sich entzünden, wenn ihre Schleimhaut häufig dem sauren Magensaft ausgesetzt ist.

    Für die Diagnose ist es zunächst einmal wichtig, alle Symptome möglichst gut zu beschreiben:

    • Welche Beschwerden treten auf? Wo genau?
    • Wie häufig sind sie?
    • Kommt es nach dem Essen zu Beschwerden oder bei nüchternem Magen?
    • Nehmen sie in Rückenlage zu?

    Diese Angaben können der Ärztin oder dem Arzt dabei helfen, festzustellen, ob es sich tatsächlich um einen Reflux handelt – oder ob die Beschwerden eine andere Ursache haben.

    Manchmal sind die Symptome nicht eindeutig, etwa wenn Sodbrennen oder Aufstoßen fehlen, nur selten auftreten oder schwach ausgeprägt sind. Oder es stehen andere Symptome im Vordergrund wie Schluckbeschwerden, Heiserkeit oder Husten.

    Bei Verdacht auf eine Refluxkrankheit kann versuchsweise mit Medikamenten behandelt werden. Bessern sich dadurch die Beschwerden, liegt sehr wahrscheinlich ein Reflux vor. Bei unklaren Ergebnissen kommen auch weitere Untersuchungen infrage.

    Viele Menschen haben nach einer üppigen Mahlzeit Sodbrennen. Auch nach dem Essen manchmal aufzustoßen, ist normal. Sehr häufiges, starkes Sodbrennen oder Aufstoßen kann jedoch Anzeichen für eine Refluxkrankheit sein. Dabei fließt Mageninhalt in die Speiseröhre zurück, weil sich der Mageneingang nicht richtig schließt.

    Meist sind solche typischen Beschwerden der Anlass, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen. Manchmal kommt es auch vor, dass bei einer Untersuchung wegen anderer Symptome zufällig eine Entzündung der Speiseröhre festgestellt wird. Die Speiseröhre kann sich entzünden, wenn ihre Schleimhaut häufig dem sauren Magensaft ausgesetzt ist.

    Für die Diagnose ist es zunächst einmal wichtig, alle Symptome möglichst gut zu beschreiben:

    • Welche Beschwerden treten auf? Wo genau?
    • Wie häufig sind sie?
    • Kommt es nach dem Essen zu Beschwerden oder bei nüchternem Magen?
    • Nehmen sie in Rückenlage zu?

    Diese Angaben können der Ärztin oder dem Arzt dabei helfen, festzustellen, ob es sich tatsächlich um einen Reflux handelt – oder ob die Beschwerden eine andere Ursache haben.

    Manchmal sind die Symptome nicht eindeutig, etwa wenn Sodbrennen oder Aufstoßen fehlen, nur selten auftreten oder schwach ausgeprägt sind. Oder es stehen andere Symptome im Vordergrund wie Schluckbeschwerden, Heiserkeit oder Husten.

    Probebehandlung

    Bei einem Verdacht auf Refluxkrankheit kann ein sogenannter PPI-Test gemacht werden. Dazu nimmt man für ungefähr zwei Wochen einen „Protonenpumpenhemmer“ (PPI) ein. Protonenpumpenhemmer sind Medikamente, die die Bildung von saurem Magensaft hemmen. Wenn die Medikamente die Beschwerden wie zum Beispiel Sodbrennen lindern, handelt es sich sehr wahrscheinlich tatsächlich um einen Reflux. Dann wird die Behandlung mit Protonenpumpenhemmern in der Regel fortgesetzt.

    Welche weiteren Untersuchungen gibt es?

    Weitere Untersuchungen sind normalerweise nur nötig, wenn

    • die Probebehandlung die Symptome nicht spürbar lindern konnte,
    • Beschwerden auftreten, die auf Speiseröhrenkrebs oder eine verengte Speiseröhre hindeuten oder
    • es Hinweise gibt, dass andere Erkrankungen die Ursache für die Beschwerden sein könnten.

    Wenn es im Zusammenhang mit der Refluxkrankheit zu einer Darmblutung, starkem Gewichtsverlust oder häufigem Erbrechen kommt, kann dies auf ernsthafte Komplikationen hinweisen. Auch dann sind zur Abklärung weitere Untersuchungen notwendig.

    Mögliche Zusatzuntersuchungen sind vor allem eine Endoskopie und eine pH-Metrie. Beide Untersuchungen sind auch ambulant möglich.

    Endoskopie

    Eine Endoskopie kann Veränderungen an der Innenwand der Speiseröhre sichtbar machen, beispielsweise Entzündungen, Verengungen der Speiseröhre oder einen Barrett-Ösophagus. Dies geschieht mithilfe eines Endoskops, eines dünnen, beweglichen Schlauchs mit einer winzigen Kamera an der Spitze. Das Endoskop wird durch Nase oder Mund durch die Speiseröhre bis zum Mageneingang geführt. Während der Untersuchung liefert die Kamera Bilder der Speiseröhren-Schleimhaut. Es können auch kleine Gewebeproben schmerzlos entnommen werden.

    pH-Metrie

    Bei einer pH-Metrie wird mindestens 24 Stunden lang gemessen, wie hoch der Säuregehalt im unteren Abschnitt der Speiseröhre ist. Dazu führt die Ärztin oder der Arzt einen sehr dünnen Schlauch durch die Nase bis zum Ende der Speiseröhre ein. Der Schlauch wird mit einem kleinen tragbaren Messgerät verbunden und mit einem Pflaster an der Nase fixiert, damit er nicht verrutscht. In der Regel kann man dann mit dem Gerät nach Hause gehen und muss am nächsten Tag zur Entfernung des Schlauches wiederkommen.

    Quellen

    Fox M, Forgacs I. Gastro-oesophageal reflux disease. BMJ 2006; 332(7533): 88-93.

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    Moayyedi P, Talley NJ. Gastro-oesophageal reflux disease. Lancet 2006; 367(9528): 2086-2100.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie wird Reflux behandelt?

    Die typischen Beschwerden einer Refluxkrankheit, wie Sodbrennen und Aufstoßen, lassen sich manchmal durch eine Ernährungsumstellung lindern. Außerdem gibt es wirksame Medikamente. Für manche Menschen kann auch eine Operation sinnvoll sein.

    Wer sehr häufig aufstoßen muss, starkes Sodbrennen hat und sich im Alltag dadurch sehr beeinträchtigt fühlt, könnte eine Refluxkrankheit haben. Dabei fließt Mageninhalt in die Speiseröhre zurück, weil sich der Mageneingang nicht richtig schließt.

    Die typischen Beschwerden einer Refluxkrankheit, wie Sodbrennen und Aufstoßen, lassen sich manchmal durch eine Ernährungsumstellung lindern. Außerdem gibt es wirksame Medikamente. Für manche Menschen kann auch eine Operation sinnvoll sein.

    Wer sehr häufig aufstoßen muss, starkes Sodbrennen hat und sich im Alltag dadurch sehr beeinträchtigt fühlt, könnte eine Refluxkrankheit haben. Dabei fließt Mageninhalt in die Speiseröhre zurück, weil sich der Mageneingang nicht richtig schließt.

    Was kann man selbst tun, um die Beschwerden zu lindern?

    Ob und wie Verhaltensänderungen gegen Sodbrennen und saures Aufstoßen helfen können, ist nicht gut untersucht. Es kann jedoch einen Versuch wert sein, bestimmte Gewohnheiten zu ändern: Vielleicht bessern sich die Beschwerden, wenn man nicht mehr raucht oder weniger Alkohol trinkt.

    Wer den Eindruck hat, dass bestimmte Lebensmittel Refluxbeschwerden auslösen, kann ausprobieren, ob es hilft, diese wegzulassen. Häufig sind es einzelne Lebensmittel, die nicht vertragen werden, wie Kaffee, Schokolade, besonders fettige oder stark gewürzte Speisen, Zitrusfrüchte oder kohlensäurehaltige Getränke. Es braucht oft etwas Zeit und Geduld, um herauszufinden, welche Lebensmittel man nicht so gut verträgt. Vielleicht zeigt sich auch, dass das Essen kaum Einfluss auf die Beschwerden hat.

    Menschen mit Übergewicht wird häufig geraten, abzunehmen, denn zu viele Pfunde können das Verdauungssystem belasten und auf Speiseröhre und Magen drücken. Dies beeinträchtigt womöglich den Verschluss der Engstelle am Ende der Speiseröhre. Auch besonders fetthaltige und kalorienreiche Mahlzeiten oder große Portionen können Beschwerden hervorrufen. Allerdings können auch dünne Menschen, die eher fettarm essen, Reflux und Sodbrennen haben. Es gibt also keine Garantie dafür, dass sich die Beschwerden durch Abnehmen oder eine Ernährungsumstellung bessern.

    Viele Menschen wachen nachts mehrmals mit Schmerzen und Brennen in der Speiseröhre auf. Manche verzichten dann auf späte Mahlzeiten oder legen sich erst frühestens drei Stunden nach dem Essen hin. Andere lagern den Oberkörper beim Schlafen höher. Es kann auch hilfreich sein, sich auf die linke Körperseite zu drehen, da der Magenverschluss dann oben liegt.

    Welche Medikamente können helfen?

    Wenn es nicht gelingt, die Refluxbeschwerden durch eine Änderung des Lebensstils zu lindern, kommen zusätzlich Medikamente infrage. Es stehen verschiedene Mittel zur Verfügung, von denen einige die Beschwerden sehr wirksam lindern können – allerdings nur solange, wie die Medikamente eingenommen werden.

    Protonenpumpenhemmer (PPI)

    Protonenpumpenhemmer (PPI) unterdrücken die Bildung von Magensaft, indem sie ein Enzym hemmen. Sie können typische Beschwerden wie Sodbrennen lindern. In Studien wurde untersucht, wie wirksam diese Mittel sind. Dabei zeigte sich:

    • 25 von 100 Personen, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen, hatten nach 2 bis 8 Wochen kaum noch Sodbrennen.
    • 70 von 100 Personen, die einen PPI einnahmen, hatten nach 2 bis 8 Wochen kaum noch Sodbrennen.

    Das heißt: Die Medikamente konnten das Sodbrennen bei 45 von 100 Personen deutlich lindern.

    Studien zeigen, dass Protonenpumpenhemmer die Beschwerden oder eine Entzündung der Speiseröhre gewöhnlich besser lindern können als andere Medikamente (sogenannte H2-Rezeptorblocker). Es kann aber sein, dass PPI die Ausschüttung von Magensäure in der Nacht nicht ausreichend unterdrücken können. Dann können nachts trotz der Medikamente Refluxbeschwerden auftreten. PPI sind in geringer Dosierung und begrenzter Anzahl frei verkäuflich, in höherer Dosis sind sie rezeptpflichtig.

    H2-Rezeptorblocker (H2R-A)

    H2-Rezeptorblocker verhindern, dass größere Mengen an Magensaft ausgeschüttet werden, indem sie die Bindung des Hormons Histamin im Magen blockieren. Studien zeigen, dass diese Mittel Refluxbeschwerden lindern können:

    • 41 von 100 Personen, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen, hatten nach 2 bis 6 Wochen kaum noch Sodbrennen.
    • 55 von 100 Personen, die einen H2-Rezeptorblocker einnahmen, hatten nach 2 bis 6 Wochen kaum noch Sodbrennen.

    Anders ausgedrückt: Die Medikamente konnten das Sodbrennen bei 14 von 100 Personen lindern.

    Andere Mittel

    Früher wurden häufiger Antazida eingenommen. Das sind Präparate, die die Magensäure binden sollen. Diese Medikamente können den sauren Magensaft in der Speiseröhre und im Magen neutralisieren. Es gibt aber keine guten Studien, die zeigen, dass sie bei einer Refluxkrankheit helfen. Gleiches gilt für alginathaltige Mittel. Alginat nimmt im Magen eine gelartige Konsistenz an, was den Rückfluss von Mageninhalt bremsen soll.

    Prokinetika sollen die Entleerung des Mageninhalts fördern und ebenfalls den Rückfluss in die Speiseröhre hemmen. Auch bei diesen Mitteln ist unklar, ob sie gegen Sodbrennen und Reflux helfen.

    Antazida, Alginatpräparate oder Prokinetika sind vielleicht eine Möglichkeit, wenn jemand nur leichtes Sodbrennen hat oder die oben genannten Medikamente nicht verträgt. Sie sind in der Apotheke ohne Rezept erhältlich.

    Welche Nebenwirkungen haben die Medikamente?

    Insgesamt haben etwa 2 von 100 Personen, die Protonenpumpenhemmer einnehmen, Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Schluckbeschwerden oder Kopfschmerzen. Manchmal lassen sich solche Nebenwirkungen verhindern, indem man einen anderen PPI anwendet oder die Dosis verändert.

    Die langfristige Einnahme von PPI kann das Risiko für Knochenbrüche erhöhen. Dieses Risiko ist vor allem erhöht, wenn die Mittel über mehr als ein Jahr in hohen Dosierungen eingenommen werden. Es wird diskutiert, ob die Mittel außerdem möglicherweise zu einer schwerwiegenden Darminfektion, einer Lungenentzündung oder Herz-Kreislauf-Problemen beitragen können.

    H2-Rezeptorblocker führen bei weniger als einer von 100 Personen zu Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Kopfschmerzen.

    Wann kann eine Operation angebracht sein?

    Nicht jeder schafft es, über Jahre täglich Medikamente einzunehmen. Es kann auch sein, dass die medikamentöse Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt oder die Beschwerden sehr stark sind. Dann überlegen manche Menschen, ob sie sich operieren lassen sollen.

    Ziel einer Anti-Reflux-Operation (Fundoplikatio) ist zu verhindern, dass Säure vom Magen in die Speiseröhre zurückfließt. Bei dieser Operation wird der obere Teil des Magens um das untere Ende der Speiseröhre gelegt und dort an Zwerchfell, Magen oder Speiseröhre festgenäht. Das stärkt den Verschluss am unteren Ende der Speiseröhre (den Ösophagussphinkter) und soll so Sodbrennen und Reflux verhindern.

    Heute wird meist laparoskopisch operiert. Dabei führt die Ärztin oder der Arzt die Operationsinstrumente durch kleine Hautschnitte in die Bauchhöhle ein.

    Eine Fundoplikatio kann auf zwei Arten stattfinden, je nachdem ob ein Teil des Magens vollständig oder nur teilweise um die Speiseröhre gelegt wird. Ummantelt der Magen die Speiseröhre ganz, spricht man von einer Fundoplikatio nach Nissen und Rosetti. Bei der Fundoplikatio nach Toupet umschließt der Magen die Speiseröhre nur teilweise. Diese Operationstechnik wird beispielsweise bevorzugt, wenn die Bewegung der Speiseröhre gestört ist (sogenannte Motilitätsstörung). 

    Grafik: Fundoplikatio nach Nissen: Ein Teil der Magenkuppel wird wie eine Manschette um das untere Ende der Speiseröhre gelegt

    Was bringt eine Anti-Reflux-Operation?

    Um sagen zu können, ob eine Anti-Reflux-Operation besser lindern kann als Medikamente, sind mehr Studien nötig. Es gibt aber Hinweise, dass sich operierte Personen weniger durch Sodbrennen und Reflux eingeschränkt fühlen als Personen, die Medikamente einnehmen. Allerdings lässt sich das nur für das erste Jahr nach der Operation sagen. Ob die OP gegenüber Medikamenten auch langfristig besser abschneidet, ist nicht gut untersucht.

    Welche Nachteile hat eine Anti-Reflux-Operation?

    Jede Operation ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Relativ viele Menschen haben nach einer Anti-Reflux-Operation Symptome wie Blähungen und Aufstoßen. Solche Beschwerden können jedoch auch durch die Krankheit selbst und nicht durch die Operation verursacht werden. Bei einigen Personen löst die Operation Schluckbeschwerden aus oder verstärkt sie. In Studien traten solche Beschwerden bei bis zu 23 von 100 operierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf.

    Mögliche ernstere Komplikationen einer Operation sind zum Beispiel Blutungen, Organverletzungen und Infektionen. Zu Blutungen kommt es bei bis zu 2 von 100 Personen, zu Verletzungen des Verdauungstrakts bei etwa einer von 100 Personen.

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Sodbrennen - Erfahrungsbericht - Ernst

    „Das Sodbrennen war anfangs für mich recht harmlos und ich habe ihm nicht so viel Bedeutung beigemessen. Mit der Zeit trat es aber immer häufiger auf und meine Beschwerden haben sich verschlimmert, bis hin zu einem sauren Aufstoßen.“

    Ernst, 69 Jahre

    „Das Sodbrennen war anfangs für mich recht harmlos und ich habe ihm nicht so viel Bedeutung beigemessen. Mit der Zeit trat es aber immer häufiger auf und meine Beschwerden haben sich verschlimmert, bis hin zu einem sauren Aufstoßen. Ich hatte auch zunehmend Schmerzen im Brustbereich.“

    Ich lebe jetzt schon mehr als 20 Jahre mit der Refluxkrankheit. Das Sodbrennen war anfangs für mich recht harmlos und ich habe ihm nicht so viel Bedeutung beigemessen. Mit der Zeit trat es aber immer häufiger auf und meine Beschwerden haben sich verschlimmert, bis hin zu einem sauren Aufstoßen. Ich hatte auch zunehmend Schmerzen im Brustbereich. Daraufhin habe ich einen Arzt aufgesucht. Der hat eine Magenspiegelung veranlasst, bei der festgestellt wurde, dass ich einen Kaskadenmagen habe (Anmerkung der Redaktion: eine veränderte Form und Lage des Magens), der wohl zu einer Refluxkrankheit geführt hat. Ich habe daraufhin Medikamente verschrieben bekommen, die die Säureproduktion des Magens hemmen sollten und die ich bis heute einnehme.

    Manches in meinem Leben habe ich geändert

    Zusätzlich zur Einnahme von Medikamenten habe ich auch meine Ernährung und generell meinen Lebensstil umgestellt. Einfach nur Medikamente einzunehmen, reichte mir persönlich nicht aus. Meine Schlafgewohnheiten habe ich auch verändert: Ich schlafe jetzt auf der linken Seite und mit erhöhtem Kopfteil, damit kann ich den Säurerückfluss ein wenig steuern und besser schlafen.

    Ich vertrage keine alkoholischen Getränke und keine scharfen Gewürze und vermeide diese. Meine Frau hat sich beim Kochen darauf eingestellt. Sie kocht jetzt auch anders, vor allem würzt sie nicht mehr so stark und arbeitet eher mit Kräutern. Und sie dünstet häufiger. Fettige Gerichte wie Bratkartoffeln bekommen mir nicht so gut. Aber wenn man beispielsweise auswärts essen geht, dann lässt sich das nicht immer vermeiden.

    Ich esse jetzt sehr bedächtig, in Ruhe und auch immer in kleinen Mengen, denn auf eine große Nahrungsmenge reagiert mein Magen empfindlich. Ich schlinge die Speisen nicht mehr. Das habe ich gelernt. Das war zu Berufszeiten anderes. Da stand ich unter Zeitdruck und habe oft sehr schnell gegessen. Dazu kam, dass das Kantinenessen nicht das Richtige für mich war.

    Mit der Ernährung muss ich generell sehr vorsichtig sein. Wenn ich mal einen Wein trinke, dann achte ich sehr auf die Qualität. Biere und andere alkoholische Getränke meide ich ganz. So habe ich mich auf diese Krankheit eingestellt.

    Schmerzen im Brustbereich hatten nichts mit dem Herzen zu tun

    Die Beschwerden wurden auch heftiger, wenn ich beispielsweise beruflichen Stress oder Ärger hatte. Da hat mein Magen schnell reagiert. Das war schon ein großer Einschnitt in meinem Alltag. Jetzt als Rentner und zu Hause stört mich das nicht mehr so. Ich komme ganz gut zurecht und kann mir meinen Alltag einteilen. Ich lasse alles etwas ruhiger angehen.

    Letztens hatte ich wieder diese Schmerzen im Brustbereich. Die Beschwerden in der Speiseröhre verursachen dann ein Druckgefühl in der Brust, die sich verspannt. Früher habe ich dahinter eine Herzattacke befürchtet. Das hat aber nichts mit meinem Herzen zu tun. Inzwischen weiß ich das, denn ich habe das abklären lassen: Mein Herz ist gesund. Ich weiß jetzt, dass die Beschwerden von der Speiseröhre kommen.

    Manchmal befürchte ich, besonders wenn diese Schmerzen stärker werden, dass es ein Tumor in der Speiseröhre sein könnte. Dann gehe ich lieber zum Arzt. Man kann Veränderungen in der Speiseröhre durch eine Magenspiegelung erkennen, eine Gewebeprobe entnehmen und untersuchen. Wenn alles gut aussieht, bin ich erleichtert.

    Von der Untersuchung selber bekomme ich gar nichts mit, weil ich mir immer eine Betäubungsspritze geben lasse. Ich schlafe dann und spüre gar nichts. Früher waren diese Untersuchungen immer ein Problem für mich. Das war sehr schmerzhaft und unangenehm. Das Vorgehen bei der Untersuchung ist über die Jahre aber viel angenehmer geworden. Ein Nachteil ist allerdings für mich, dass ich nichts von der Untersuchung sehen kann und zu diesem Zeitpunkt auch nicht mit dem Arzt reden kann. Aber ich bekomme hinterher einen Bericht und der Arzt erklärt mir die Ergebnisse.

    Heute habe ich die Beschwerden gut im Griff

    Eine Operation kam für mich bisher nicht infrage, da ich die Beschwerden mit den Medikamenten und der Ernährungsumstellung ganz gut im Griff habe. Allerdings muss ich sagen, dass die Medikamente Nebenwirkungen haben. So bekomme ich manchmal Durchfall, die Mundschleimhaut und die Augen sind trocken. Da steuere ich wieder mit anderen Medikamenten dagegen. Aber damit kann ich gut leben.

    Mit der derzeit verschriebenen Dosis komme ich gut zurecht. Wenn es jedoch mal zu akuten Beschwerden im Oberbauch oder Brustbereich kommt, dann steigere ich schon mal die Dosis. In der Regel nehme ich meine Medikamente am Abend. Wenn es akuter wird, dann nehme ich auch am Morgen und am Mittag noch eine Tablette. Wenn ich starke Schmerzen habe, nehme ich auch mal ein Schmerzmittel.

    Einmal hatte ich ein Geschwür am Zwölffingerdarm und einmal am Magen. Seitdem ich die Medikamente einnehme, habe ich aber kein Geschwür mehr gehabt.

    Ich gehe regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. Mein Arzt macht einmal pro Jahr eine Magenspiegelung, um zu kontrollieren, ob es Folgeschäden gibt. Er entnimmt dabei auch Gewebeteile, die im Labor untersucht werden.

    Gerne setze ich mich aufs Rad

    Für mich ist körperliche Bewegung ganz wichtig. Da habe ich allerdings noch Defizite. Wenn jetzt mit dem Frühling und Sommer das Wetter besser wird, setze ich mich schon häufiger auf das Fahrrad. Im Winter vernachlässige ich das leider immer ein wenig. Das muss ich noch verbessern. Denn wenn ich mich bewege, geht es mir spürbar besser.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Sodbrennen - Erfahrungsbericht - Herbert

    „Ich habe jahrelang im Schichtdienst gearbeitet, hatte viel Stress und ich glaube, dass ich mir dadurch den Magen kaputt gemacht habe.“

    Herbert, 63 Jahre

    „Ich habe jahrelang im Schichtdienst gearbeitet, hatte viel Stress und ich glaube, dass ich mir dadurch den Magen kaputt gemacht habe. Ich bekam außerdem Geschwüre am Zwölffingerdarm. Daraufhin habe ich den Arbeitgeber gewechselt, um den Stress nicht mehr zu haben. Ich hatte dann zwar keinen Schichtdienst mehr, dafür aber wiederum anderen Stress.“

    Ich hatte oft Bauchschmerzen und immer wieder Sodbrennen. Ich bekam Akupunktur, habe die damals üblichen Rollkuren (Anmerkung der Redaktion: früher übliche Behandlungsmethode, bei der man ein Arzneimittel einnahm und sich dann in kurzen Abständen in die Bauch-, Rücken- und Seitenlage drehte) gemacht und viele verschiedene Medikamente eingenommen.

    Dieses Brennen in der Speiseröhre, das war sehr unangenehm. Besonders, wenn die Säure vom Magen aus so hochsteigt. Sie verätzt ja regelrecht die Speiseröhre. Das Sodbrennen war besonders schlimm, wenn ich mich hingelegt habe. Aber manchmal hatte ich es auch im Stehen oder Sitzen. Es kam darauf an, was ich gegessen hatte. Auf bestimmte Sachen habe ich schnell reagiert: Alkohol ging gar nicht oder roher Fisch, wie Hering. Das hat meine Lebensqualität schon stark beeinträchtigt.

    Alkohol war für mich passé

    Die anderen haben sich da schon gewundert, warum ich nach Feierabend keinen Alkohol getrunken habe. Wenn ich mal Alkohol getrunken hatte, dann konnte ich nicht schlafen. Dann bin ich in der Nacht gewandert und am Morgen musste ich ja wieder arbeiten. Das war schon sehr belastend.

    Irgendwann wurde das so schlimm mit dem Reflux, dass ich nur noch im Sitzen schlafen konnte. Wir haben uns dann Betten gekauft, die man hochstellen kann. So konnte ich im Sitzen schlafen, denn die Magensäure konnte dadurch nicht nach oben fließen.

    Es wurde dann eine Magenspiegelung durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass der Schließmechanismus zwischen Magen und Speiseröhre nicht mehr richtig funktionierte und ich eine Refluxkrankheit hatte. Die Ärzte rieten mir im Anschluss daran zu einer Operation, einer sogenannten Fundoplikatio. Das bedeutet, dass der Magen angehoben und ein Teil von ihm um die Speiseröhre vernäht wird. Das war damals noch ein großer Eingriff: Bei mir wurde ein Bauchschnitt gemacht. Heutzutage macht man das eher minimal-invasiv, mit einem sehr kleinen Schnitt. Generell werden wohl heute eher Medikamente gegeben als operiert.

    Auf der Fernreise habe ich scharfe Speisen gut vertragen

    Kurz nach der Operation haben meine Frau und ich eine Fernreise gemacht. Und das mit dem Essen dort war überhaupt kein Problem! Ich habe scharf und alles das gegessen, auf das ich Appetit hatte. Ohne Folgen. Das war toll, wie ein neues Leben! Seit dieser Operation geht es mir sehr gut, bis heute.

    Es ist schon noch so, dass ich es merke, wenn ich mal etwas Falsches esse. Aber dann nehme ich eine Tablette, und es ist auch schnell wieder weg.

    Durch den Reflux habe ich auch so einige Dinge in meinem Leben geändert: Was mir beim Essen nicht gut tut, lasse ich weg. Ich schaue sehr viele Gesundheitssendungen, lese viel, bilde mich weiter. Während meiner Berufstätigkeit hatte ich keine Zeit für Sport. Aber heute bin ich im Sportverein, mache ein wenig Kraftsport, um Muskeln aufzubauen, und auch Ausdauertraining. Ich versuche mich generell gesund zu ernähren, mit viel Obst und Gemüse. Als Pensionär habe ich auch mehr Zeit, aber heute achte ich viel mehr auf meine Gesundheit als früher.

     

    Danksagung

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    Sodbrennen - Erfahrungsbericht - Ruth

    „Mitte der 1990er Jahre hatte ich zum ersten Mal ein unangenehmes Brennen im Hals. Ich konnte mir damals nicht erklären, woher das kam, da ich keine Halsschmerzen oder Ähnliches hatte."

    Ruth, 63 Jahre

    „Ich kann gar nicht genau sagen, wann die Beschwerden bei mir angefangen haben. Ich glaube, so Mitte der 90er Jahre hatte ich zum ersten Mal ein unangenehmes Brennen im Hals. Ich konnte mir damals nicht erklären, woher das kam, da ich keine Halsschmerzen oder Ähnliches hatte. Es ist dann auch von allein wieder weggegangen. Aber mit der Zeit kam es immer wieder."

    Irgendwann schilderte mir jemand in einem Gespräch ähnliche Symptome und sprach von Sodbrennen. Den Begriff kannte ich zwar, wusste bis dahin aber nichts damit anzufangen. Mein Vater hatte auch Probleme mit Sodbrennen. Ich habe das aber gar nicht gewusst, sondern erst später von meiner Mutter erfahren.

    Die Beschwerden traten mit der Zeit immer häufiger auf und wurden auch immer unangenehmer. Ich konnte mir das überhaupt nicht erklären. Ich hatte es manchmal, dann aber auch wieder eine Zeit lang nicht. Ich habe gedacht, dass ich mich gesund ernähre und war etwas ratlos.

    Sodbrennen – das sagte mir damals nichts

    Irgendwann bin ich zu meinem Hausarzt gegangen. Er meinte, dass ich unter Sodbrennen leiden würde und auf meine Ernährung achten sollte, mich beispielsweise nicht so fettig ernähren. Er erwähnte auch, dass manche Menschen von Süßigkeiten Sodbrennen bekommen würden.

    Ich habe dann meine Ernährung beobachtet und hatte den Eindruck, dass es etwas damit zu tun haben könnte. Ich habe versucht, auf manche Sachen zu verzichten, aber ich mag manches eben sehr gern. Ich habe auch eine Zeit lang auf alle Süßigkeiten verzichtet. Die Beschwerden waren dann weniger und zeitweise sogar wochenlang weg. Aber irgendwann kamen sie wieder.

    Ich bin dann wieder zum Arzt gegangen und habe gesagt, dass irgendwas bei mir nicht stimmt. Ich fand dieses Brennen einfach sehr unangenehm, regelrecht widerlich. Er meinte dann, dass die Beschwerden vom Magen kommen und hat mir Tabletten zum Kauen verschrieben. Diese Tabletten hatte ich immer bei mir und wenn die Beschwerden auftraten, habe ich sie gekaut und dann ging es mir wieder gut. Ich war dann mit meiner Situation zufrieden. Ich wollte ja nur diese Beschwerden nicht mehr haben.

    Süßes und Rotwein vertrage ich nicht

    Mein Hausarzt hat dann seine Praxis an einen Nachfolger übergeben und dieser meinte, dass man die Beschwerden anders und langfristig behandeln müsste. Er hat mir andere Medikamente verschrieben, die mir aber nicht geholfen haben. So habe ich dann wieder auf die Kautabletten zurückgegriffen.

    Bei einer Magenspiegelung wurde dann festgestellt, dass ich eine Refluxkrankheit habe. Die Refluxkrankheit war noch nicht weit vorangeschritten und es bestand kein weiterer Behandlungsbedarf. Und das ist bis heute so geblieben. Ich nehme die Kautabletten bei Bedarf und das klappt prima.

    Die Beschwerden haben bei mir eindeutig etwas mit der Ernährung zu tun. Wenn ich bestimmte Dinge gegessen oder getrunken habe, dann habe ich öfters Beschwerden. Zum Beispiel vertrage ich Schokolade, bestimmte Bonbons und auch bestimmte Rotweinsorten nicht. Aber sonst kann ich alles essen, auch scharfe Sachen.

    Vor allem abends schmerzt es

    Wenn ich mal nicht aufpasse, süße Sachen esse oder bei den Weinsorten nicht darauf achte, dann bekomme ich die Quittung. Früher war das bei Feiern manchmal schon schwierig, wenn ich gesagt habe, dass ich dieses oder jenes nicht trinke. Um dann nicht ausgefragt zu werden, war es manchmal einfacher für mich, einen Schluck vom Wein zu nehmen und dafür die Folgen in Kauf zu nehmen. Das habe ich manchmal schon gemacht.

    Bis die Beschwerden dann eintreten, dauert es eine Weile. Ich merke es meistens erst, wenn ich mich am Abend hinlege. Es brennt dann am Ende vom Hals und im oberen Brustkorb, wo die Speiseröhre beginnt. Das ist sehr unangenehm. Ich kann das auch nicht wegdenken oder mich ablenken. Auch wenn ich etwas trinke oder schlucke, gehen die Beschwerden nicht weg.

    Ich habe immer sehr flach geschlafen, bis der Arzt mir sagte, dass ich den Oberkörper etwas höher lagern sollte. Wenn ich das mache, dann kann ich gut schlafen. Im Ganzen habe ich mich auf die Refluxkrankheit eingestellt und kann mittlerweile ganz gut damit leben.

     

    Danksagung

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