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Reizdarmsyndrom

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    Bauchschmerzen, Verstopfung und Durchfall sind typische Symptome eines Reizdarmsyndroms (RDS), auch nervöser Darm genannt. Zwar ist ein Reizdarmsyndrom nicht gefährlich, die Beschwerden können aber sehr schmerzhaft und lästig sein. Wir informieren über verschiedene Behandlungen und was man von ihnen erwarten kann.

    Einleitung

    Bauchschmerzen, Verstopfung und Durchfall sind typische Symptome eines Reizdarmsyndroms (RDS), auch nervöser Darm oder Reizkolon genannt. Ein Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich, doch die Beschwerden können sehr schmerzhaft und lästig sein. Die meisten Betroffenen haben eine milde Form, mit der sie ohne Behandlung gut zurechtkommen. Bei manchen Menschen sind die Beschwerden allerdings so stark, dass sie das tägliche Leben erheblich einschränken und zu einer seelischen Belastung werden. Ein Reizdarmsyndrom lässt sich nicht heilen. Aber viele Menschen finden mit der Zeit heraus, was ihrem Darm guttut und was nicht. Zudem gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Beschwerden zu lindern.

    Symptome

    Zu den typischen Beschwerden des Reizdarmsyndroms gehören anhaltende Bauch- oder Unterleibsschmerzen, Krämpfe sowie ein veränderter Stuhl. Dabei haben Frauen eher mit Verstopfung zu tun, Männer eher mit Durchfall. Manche Menschen haben sowohl Durchfall als auch Verstopfung. Völlegefühl, Blähungen oder schleimiger Ausfluss können weitere Anzeichen eines Reizdarmsyndroms sein. Bei vielen Menschen verläuft die Erkrankung schubweise: Beschwerdefreie Episoden wechseln sich mit Phasen stärkerer Beschwerden ab.

    Ursachen

    Vom Reizdarmsyndrom ist meist der Dickdarm betroffen. Hier befördert die Darmmuskulatur den anfangs noch dünnflüssigen Nahrungsbrei langsam aber stetig vorwärts. Dabei wird ihm das Wasser entzogen und die unverdaulichen Teile der Nahrung werden zu Stuhl verdickt.

    Wenn die Muskulatur den Nahrungsbrei zu schnell durch den Darm befördert, bleibt zu viel Wasser im Stuhl und es kommt zu Durchfall. Wird der Nahrungsbrei zu langsam transportiert, kann eine Verstopfung die Folge sein. Wenn sich die Darmmuskulatur stark zusammenzieht, können schmerzhafte Krämpfe auftreten.

     

    Grafik: Das Verdauungssystem - wie im Text beschrieben Das Verdauungssystem

     

    Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind bislang noch nicht eindeutig geklärt – es gibt jedoch viele Theorien dazu. Unter anderem wird vermutet, dass überempfindliche Darmnerven, Störungen der Darmmuskulatur und Entzündungen der Darmwand eine Rolle spielen könnten. Außerdem hat man beobachtet, dass das Reizdarmsyndrom bei Menschen, die eine Darminfektion mit Fieber und heftigem Durchfall hatten, häufiger auftritt. Eine erbliche Veranlagung könnte ebenfalls eine Rolle spielen. Auch psychische Belastungen und Stress, Ernährungsgewohnheiten und Lebensmittelunverträglichkeiten werden als mögliche Auslöser gesehen. Bei vielen dieser Faktoren ist allerdings unklar, ob sie eher Ursache oder Folge eines Reizdarmsyndroms sind – und inwiefern sie tatsächlich zu den Beschwerden beitragen.

    Häufigkeit

    Ein Reizdarmsyndrom tritt meist bei Menschen zwischen 35 und 50 Jahren auf. Wenn man leichte Formen mitzählt, haben etwa 14 von 100 Frauen und 9 von 100 Männern damit zu tun.

    Diagnose

    Es gibt verschiedene medizinische Kriterien, um ein Reizdarmsyndrom festzustellen. Nach der aktuellen Definition der deutschen Fachgesellschaften spricht man von einem Reizdarm, wenn

    • Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Blähungen länger als drei Monate anhalten und in der Regel mit einem veränderten Stuhlgang einhergehen wie beispielsweise häufigerem oder seltenerem Stuhlgang, Durchfall oder Verstopfung.
    • die Beschwerden die Lebensqualität spürbar verschlechtern und
    • es keine Hinweise darauf gibt, dass die Beschwerden durch eine andere Erkrankung verursacht werden.

    Solche Symptome können allerdings auch andere Ursachen haben, wie etwa eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktoseintoleranz) oder Gluten (Zöliakie oder Sprue). Gluten ist ein Eiweiß, das in verschiedenen Getreidesorten vorkommt und in vielen Lebensmitteln enthalten ist. Durch Bluttests und andere Untersuchungen können diese Unverträglichkeiten als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden. Sie können aber auch zusammen mit einem Reizdarmsyndrom vorkommen.

    Wenn folgende Beschwerden hinzukommen, deutet das eher auf eine andere Darmerkrankung hin:

    • deutlicher Gewichtsverlust
    • Blut im Stuhl
    • Fieber
    • Blutarmut

    Diese Anzeichen können zum Beispiel auf eine entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn hinweisen. Möglich ist auch eine Divertikulitis – eine Entzündung, bei der sich Kot in Taschen in der Darmwand festsetzt. Plötzliche starke Bauchschmerzen können zudem durch Gallensteine verursacht werden.

    Wenn Verdauungsbeschwerden zusammen mit Anzeichen wie zum Beispiel Blut im Stuhl auftreten, kann auch Darmkrebs eine mögliche Ursache sein. Er ist aber bei Menschen unter 50 sehr selten.

    Behandlung

    Es gibt eine Vielzahl von Empfehlungen dazu, was gegen ein Reizdarmsyndrom helfen kann. Zu den allgemeinen Ratschlägen gehören vor allem bestimmte Ernährungstipps und Bewegung. Die meisten dieser Empfehlungen wurden bisher allerdings nicht in aussagekräftigen Studien überprüft. Wenn man verschiedene Menschen mit einem Reizdarm fragt, zeigt sich: Was der eine hilfreich findet, scheint die Beschwerden bei einem anderen eher zu verschlechtern. Am besten probiert man daher selbst aus, ob einem etwas hilft.

    Wer beispielsweise das Gefühl hat, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden verstärken, kann testen, ob es hilft, darauf zu verzichten. Einige Menschen haben weniger Beschwerden, wenn sie ihre Mahlzeiten in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt zu sich nehmen. Wer herausfinden möchte, ob bestimmte Maßnahmen wie das Vermeiden von Lebensmitteln oder mehr Bewegung einen Einfluss haben, kann ein Tagebuch führen. Dort wird über einen längeren Zeitraum eingetragen, was man gegessen hat, wann man körperlich aktiv war, ob man sich gestresst gefühlt hat und wie stark die Beschwerden jeweils waren. So lassen sich mit der Zeit vielleicht bestimmte Muster erkennen.

    Auch Behandlungen, die die Beschwerden lindern sollen, gibt es viele. Da die Ursachen des Reizdarmsyndroms bislang kaum geklärt sind, ist es schwierig, geeignete Behandlungen zu finden. Zumindest zu einigen Mitteln und Maßnahmen liefern Studien aber Hinweise, dass sie helfen können. Zu den bei Reizdarmsyndrom eingesetzten Behandlungen gehören:

    • Ballaststoff-Präparate wie Mittel aus Flohsamen
    • Pfefferminzöl
    • Probiotika
    • krampflösende Mittel
    • Mittel gegen Durchfall oder Verstopfung
    • verschiedene Arzneimittel wie Antibiotika und Antidepressiva
    • psychologische Verfahren wie Stressbewältigung und Hypnose

    Da insbesondere Arzneimittel eine Reihe von Nebenwirkungen haben können und die Beschwerden manchmal auch verstärken, lohnt es sich, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen.

    Leben und Alltag

    Mit einem leichten Reizdarmsyndrom kommen die meisten Menschen gut zurecht. Bei einigen sind die Beschwerden aber so stark, dass sie die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Manche wissen nie genau, wann sie eine Toilette benötigen und haben dann das Gefühl, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren. Dies kann den Alltag sehr erschweren, zum Beispiel weil Mahlzeiten und Termine genau aufeinander abgestimmt werden müssen. Spontan zu sein, ist dann unmöglich.

    Hinzu kommen oft Schamgefühle. Niemand spricht gerne über Darmprobleme und viele Menschen schämen sich, wenn sie oft zur Toilette gehen müssen oder Blähungen haben. Zudem wird das Reizdarmsyndrom von Außenstehenden, aber auch von Ärztinnen und Ärzten nicht immer ernst genommen – vielleicht weil es keine schwere Erkrankung ist oder weil sie es für eine „Kopfsache“ halten. Für Betroffene kann dies verletzend sein.

    Die meisten Menschen finden aber Mittel und Wege, mit einem Reizdarmsyndrom zu leben, ohne sich allzu sehr einzuschränken. Es können Kleinigkeiten sein, die den Alltag erleichtern und helfen, sich nicht ständig Gedanken zu machen: Zum Beispiel zu einer Party eigenes Essen mitzubringen, sich frühzeitig zu erkundigen, wo die Toiletten sind, oder sich im Kino an den Gang zu setzen.

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was hilft bei Reizdarm – und was nicht?

    Behandlungen, die Reizdarm-Beschwerden lindern sollen, gibt es viele – es fehlt allerdings an aussagekräftiger Forschung. Da die Ursachen des Reizdarmsyndroms bislang kaum geklärt sind, ist es schwierig, geeignete Behandlungen zu finden. Zumindest zu einigen Mitteln und Maßnahmen liefern Studien aber Hinweise, dass sie helfen können.

    Bauchschmerzen, Verstopfung und Durchfall sind die Hauptbeschwerden bei einem Reizdarmsyndrom. Die meisten Menschen haben nur leichte Beschwerden, mit denen sie ohne Behandlung zurechtkommen – sie lernen mit der Zeit, die Signale ihres Körpers zu verstehen. Bei manchen Menschen sind die Beschwerden allerdings so stark, dass sie das tägliche Leben erheblich einschränken und zu einer seelischen Belastung werden. Dann können verschiedene Behandlungen infrage kommen.

    Behandlungen, die Reizdarm-Beschwerden lindern sollen, gibt es viele – es fehlt allerdings an aussagekräftiger Forschung. Da die Ursachen des Reizdarmsyndroms bislang kaum geklärt sind, ist es schwierig, geeignete Behandlungen zu finden. Zumindest zu einigen Mitteln und Maßnahmen liefern Studien aber Hinweise, dass sie helfen können.

    Bauchschmerzen, Verstopfung und Durchfall sind die Hauptbeschwerden bei einem Reizdarmsyndrom. Die meisten Menschen haben nur leichte Beschwerden, mit denen sie ohne Behandlung zurechtkommen – sie lernen mit der Zeit, die Signale ihres Körpers zu verstehen. Bei manchen Menschen sind die Beschwerden allerdings so stark, dass sie das tägliche Leben erheblich einschränken und zu einer seelischen Belastung werden. Dann können verschiedene Behandlungen infrage kommen.

    Forschungsergebnisse zu Reizddarm-Behandlungen

    Leider haben viele Studien zur Behandlung des Reizdarmsyndroms nur eine begrenzte Aussagekraft. Da sie oft nur wenige Wochen dauerten, ist unklar, ob die geprüften Behandlungen auch über einen längeren Zeitraum oder bei längerfristiger Anwendung helfen. Außerdem lässt sich noch nicht einschätzen, ob die Art der Beschwerden oder die Schwere der Symptome für den Behandlungserfolg eine Rolle spielt. So könnte es einen Unterschied bedeuten, ob jemand eher mit Durchfall zu tun hat oder mit Verstopfung. Diese Frage ist in vielen Studien bislang nicht ausreichend berücksichtigt worden. Trotzdem liefern die Forschungsergebnisse Hinweise darauf, bei welchen Behandlungen es sich lohnt, sie auszuprobieren – und welche am verträglichsten und sichersten sind.

    Welche Rolle spielt die Ernährung?

    Viele Menschen mit einem Reizdarmsyndrom machen die Erfahrung, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden begünstigen oder lindern. Leider gibt es zum Einfluss der Ernährung nur sehr wenig gute Forschung – was nicht bedeutet, dass sie keine Rolle spielt. Wie Menschen auf bestimmte Lebensmittel reagieren, ist aber sehr individuell – und meist braucht es eine Weile, um herauszufinden, was guttut und was nicht.

    Dabei kann es helfen, über einige Wochen ein Ernährungs-Tagebuch zu führen. Darin notiert man, was man im Laufe des Tages gegessen hat, ob und welche Beschwerden an dem Tag auftraten und welche anderen Faktoren hinzukamen, die die Beschwerden erklären könnten (zum Beispiel Stress bei der Arbeit). Nach einer Weile lassen sich dann vielleicht bestimmte Muster erkennen, die dabei helfen, Unverträglichkeiten zu erkennen. Mithilfe des Tagebuchs kann man dann mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel sinnvoll ist.

    Was bringt der Verzicht auf fermentierbare Kohlenhydrate (FODMAP-Diät)?

    In den letzten Jahren wurde das Reizdarmsyndrom öfter mit Lebensmitteln in Verbindung gebracht, die fermentierbare (vergärbare) Kohlenhydrate enthalten. Diese werden als FODMAPs bezeichnet und sind in vielen Lebensmitteln enthalten, zum Beispiel in Fruchtzucker (Einfachzucker), Milchzucker und Stärke (Mehrfachzucker) oder Süßstoffen (Zuckeralkohole). Man vermutet, dass die Aufnahme von FODMAPs dazu führt, dass mehr Wasser in den Darm gelangt und Durchfall begünstigt. Durch die Gärung (Fermentierung) bildet sich auch mehr Luft im Darm, was zu Blähungen führen kann. Zudem wird die Zusammensetzung der Darmbakterien durch die Ernährung beeinflusst.

    Bei einer FODMAP-Diät wird auf alle Lebensmittel verzichtet, in denen diese Zucker enthalten sind. Dabei besteht allerdings das Risiko einer Mangelernährung, weil es schwierig wird, genug Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen. Außerdem ist es schwer, eine so strenge Diät im Alltag einzuhalten.

    Bislang gibt es keine aussagekräftigen Studien, die nachweisen, dass die FODMAP-Diät Reizdarm-Beschwerden lindern kann. Medizinische Fachgesellschaften sprechen zurzeit keine allgemeine Empfehlung für diese Diät aus.

    Können zusätzliche Ballaststoffe helfen?

    Menschen mit einem Reizdarmsyndrom wird oft empfohlen, mehr Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Es gibt zwei verschiedene Arten von Ballaststoffen:

    • lösliche Ballaststoffe, die Wasser im Darm binden, wie etwa Flohsamen
    • nicht lösliche Ballaststoffe, die kaum Wasser binden, wie etwa Kleie

    Dies sind auch die beiden Ballaststoffe, deren Nutzen am besten untersucht ist. Während Kleie in Studien Reizdarm-Beschwerden nicht lindern konnte, gibt es für Mittel aus Flohsamen Hinweise auf einen Nutzen: So besserten sich die Beschwerden bei 14 von 100 Personen, die täglich etwa 20 Gramm Flohsamen zu sich nahmen.

    Können Nahrungsergänzungsmittel die Beschwerden lindern?

    Pfefferminzöl

    Viele Menschen nehmen Kapseln mit Pfefferminzöl ein. Dies soll die Darmmuskulatur entspannen und dadurch den Darm beruhigen. Tatsächlich zeigen einige Studien, dass manche Menschen zumindest kurzfristig von Pfefferminzöl profitieren: Es linderte die Reizdarm-Beschwerden bei etwa 32 von 100 Personen.

    Das Pfefferminzöl wurde in den Studien in magensaftresistenten Kapseln eingenommen. Die Dosierung lag zwischen 500 und 800 mg pro Tag. Es ist unklar, ob auch andere Darreichungsformen wie Lösungen oder Tropfen helfen können.

    Bei einigen Teilnehmenden lösten die Pfefferminzkapseln leichte Nebenwirkungen wie Sodbrennen oder Aufstoßen aus. In den Studien hatten 9 von 100 Personen mit solchen Beschwerden zu tun.

    Probiotika

    In der Darmflora befinden sich verschiedene Bakterien, die für die Funktion des Darms eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören zum Beispiel Milchsäurebakterien (Laktobazillen) und Bifidobakterien. Bei manchen Menschen mit einem Reizdarm ist die Darmflora verändert. Daher – so die Theorie – könnten probiotische Mittel mit solchen Bakterien helfen.

    Einige Studien liefern Hinweise darauf, dass Probiotika bei einem Reizdarmsyndrom helfen können: Sie linderten die Beschwerden bei 14 von 100 Personen. Es ist jedoch mehr Forschung nötig, um beurteilen zu können, welche Bakterienart am nützlichsten ist und welche Dosis am besten wirkt. Im Allgemeinen sind Probiotika gut verträglich: In Studien hatten etwa 3 von 100 Teilnehmenden aufgrund von Probiotika mit leichten Nebenwirkungen wie Blähungen zu tun. Bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem können Probiotika manchmal selbst Infektionen auslösen.

    Welche Medikamente helfen bei einem Reizdarmsyndrom?

    Krampflösende Mittel

    Menschen, die vor allem mit Krämpfen zu tun haben, setzen oft krampflösende Medikamente ein, die die Darmmuskulatur entspannen und dadurch Schmerzen lindern sollen. Krampflösende Medikamente werden auch Spasmolytika genannt. Viele dieser Mittel sind zur Anwendung beim Reizdarmsyndrom noch nicht ausreichend untersucht. Für vier der Wirkstoffe gibt es aber Hinweise, dass sie helfen können: Butylscopolamin, Cimetropium, Pinaverium und Otilonium. Für den in Deutschland oft verschriebenen Krampflöser Mebeverin lässt sich mangels Studienergebnissen nicht sagen, ob er bei einem Reizdarmsyndrom hilft.

    Von den krampflösenden Medikamenten, die sich als nützlich erwiesen haben, ist nur Butylscopolamin in Deutschland erhältlich. Dieses Mittel konnte die Beschwerden eines Reizdarmsyndroms in einer Studie bei 12 von 100 Personen lindern. Butylscopolamin ist ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

    Zu den möglichen Nebenwirkungen von Krampflösern gehören ein trockener Mund, Schwindel und eine verschwommene Sicht. In Studien berichteten etwa 5 von 100 Personen von solchen Nebenwirkungen. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf.

    Mittel gegen Durchfall oder Verstopfung

    Je nachdem, ob sich ein Reizdarm vorwiegend durch Verstopfung oder Durchfall äußert, kommen auch Mittel gegen diese Symptome infrage. Wie gut sie die Beschwerden bei einem Reizdarm lindern können, ist bislang aber kaum untersucht. Viele Abführmittel (Laxantien) und Durchfallmedikamente (Antidiarrhoika) sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

    Ein Nachteil dieser Medikamente ist, dass sie möglicherweise nur ein Problem gegen ein anderes tauschen: So kann ein Mittel gegen Durchfall Verstopfungen auslösen, wenn es zu stark wirkt. Umgekehrt können Mittel gegen Verstopfung zu Durchfall führen. Wenn sich Durchfälle und Verstopfungen abwechseln, ist es deshalb besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Medikamente die Beschwerden nicht noch verstärken.

    Antibiotika

    Wenn das Reizdarmsyndrom Durchfall oder Blähungen verursacht, kommen manchmal Antibiotika als Behandlung infrage. Am besten untersucht ist das Antibiotikum Rifaximin. Dieses Medikament ist in Deutschland nur zur Behandlung von Reisedurchfall zugelassen. Trotzdem kann eine Ärztin oder ein Arzt es nach ausführlicher Aufklärung „off-label“ verordnen. „Off-Label-Use“ bedeutet, dass ein Arzneimittel gegen eine Krankheit eingesetzt wird, für die das Medikament von den Zulassungsbehörden keine Genehmigung hat. Wenn ein Medikament off-label verordnet wird, übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür nur in bestimmten Fällen.

    In Studien konnte Rifaximin die Beschwerden eines Reizdarms bei 13 von 100 Menschen lindern. Allerdings ist bislang unklar, ob die Wirkung auch längerfristig anhält. Nach aktuellen Empfehlungen sollen Antibiotika zurückhaltend eingesetzt werden, da sie verschiedene Nebenwirkungen haben wie allergische Reaktionen, Übelkeit und Pilzinfektionen. Zudem kann der übermäßige und unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika dazu führen, dass Bakterien Resistenzen entwickeln und die Medikamente dann in Zukunft nicht mehr so gut wirken. Außerdem beeinflussen Antibiotika selbst die Darmflora, was bei manchen Menschen die Beschwerden verstärken könnte.

    Antidepressiva

    Manchmal wird ein Reizdarmsyndrom mit Medikamenten behandelt, die normalerweise bei Depressionen eingesetzt werden. Dazu gehören sogenannte trizyklische Antidepressiva und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig. Auch sie sind in Deutschland nicht zur Behandlung beim Reizdarmsyndrom zugelassen und können daher nur off-label eingesetzt werden.

    Es gibt verschiedene Annahmen, warum bestimmte Antidepressiva bei einem Reizdarm helfen könnten. So wird einigen dieser Medikamente eine schmerzlindernde Wirkung zugesprochen. Außerdem beeinflussen sie teilweise die Muskulatur des Magen-Darm-Trakts.

    Studien zeigen, dass trizyklische Antidepressiva und SSRI bei einem Reizdarmsyndrom helfen können: Sie linderten die Beschwerden bei etwa 22 von 100 Menschen, die eins dieser Mittel nahmen. Sie werden in der Regel aber nur in Erwägung gezogen, wenn andere Therapien nicht geholfen haben.

    Antidepressiva können verschiedene Nebenwirkungen haben. In den Studien hatten 15 von 100 Personen mit Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit und Übelkeit sowie sexueller Unlust und Orgasmusstörungen zu tun. Manche Antidepressiva können selbst zu Verstopfung oder Durchfall führen.

    Weitere Medikamente

    In einigen Ländern sind zur Behandlung des Reizdarmsyndroms Arzneimittel aus der Gruppe der 5-HT3-Antagonisten und der 5-HT4-Antagonisten zugelassen. Hierzu gehören die Medikamente Alosetron und Cilansetron, die vor allem beim Reizdarmsyndrom mit Durchfall untersucht wurden, sowie Tegaserod, das vor allem beim Reizdarmsyndrom mit Verstopfung erprobt wurde.

    In Deutschland sind diese Medikamente zurzeit nicht zugelassen. Es bestehen Sicherheitsbedenken, da sie mit ernsthaften Nebenwirkungen wie Herzinfarkten, Schlaganfällen und Durchblutungsstörungen des Darms in Verbindung gebracht werden.

    Ein weiterer 5-HT4-Antagonist ist Prucaloprid. Es ist in Deutschland seit 2009 zur Behandlung von chronischer Verstopfung bei Frauen zugelassen, wenn herkömmliche Abführmittel nicht helfen.

    Was kann man von Akupunktur, Reflexzonenmassagen und Darmspülungen erwarten?

    Zu den weiteren Behandlungen, die beim Reizdarmsyndrom eingesetzt werden, gehören unter anderem Akupunktur, Reflexzonenmassagen und Darmspülungen (auch Colon-Hydro-Therapie genannt).

    Viele Betroffene berichten, dass sie sich nach einer Akupunktur besser fühlen. Eine Reihe von Studien zeigt jedoch, dass das nicht an einer spezifischen Wirkung der Akupunktur liegt: Gegenüber einer Scheinbehandlung zeigte die Akupunktur keine Vorteile.

    Reflexzonenmassagen und Darmspülungen sind bei Menschen mit einem Reizdarmsyndrom bislang kaum wissenschaftlich untersucht worden. Ob sie einen Nutzen haben, ist also unklar. Bei Darmspülungen sind die Risiken zu bedenken: Dazu gehören etwa Störungen des Elektrolythaushalts, Infektionen, Verletzungen der Darmwand und sogar Darmdurchbrüche.

    Kommen auch psychologische Behandlungen oder Hypnose infrage?

    Da vermutet wird, dass Stress und psychische Belastungen zu einem Reizdarmsyndrom beitragen können, werden manchmal Entspannungstechniken und Methoden zur Stressbewältigung eingesetzt. Ob diese Verfahren helfen können, ist wissenschaftlich unzureichend untersucht. Einige Studien liefern jedoch Hinweise darauf, dass eine Kombination aus Entspannungstherapie, Stressbewältigung und Biofeedback helfen könnte.

    Auch psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) werden beim Reizdarmsyndrom eingesetzt. Ziel einer solchen Behandlung ist es, zu lernen, mit den Beschwerden besser umzugehen. Es gibt Hinweise, dass eine kognitive Verhaltenstherapie Menschen mit einem Reizdarm tatsächlich helfen kann: Ungefähr 30 von 100 Personen hatten nach einer Verhaltenstherapie weniger Beschwerden. Allerdings erfordert eine KVT Geduld und ausreichend Motivation. Sie kommt daher vor allem für Menschen mit ausgeprägten Beschwerden infrage.

    Manche Menschen mit Reizdarmsyndrom probieren eine Hypnosebehandlung (Hypnotherapie) aus. Während einer Hypnosesitzung geht es darum, sich so sehr auf eine bestimmte Vorstellung zu konzentrieren, dass man nichts anderes mehr wahrnimmt und für Gedanken empfänglich wird, die die Therapeutin oder der Therapeut vorgibt. Beim Reizdarmsyndrom kann dies zum Beispiel die Vorstellung sein, einen gesunden, normal funktionierenden Darm zu haben. Es gibt Hinweise, dass eine Hypnotherapie die Beschwerden bei manchen Menschen für einige Monate lindern kann. In Studien besserte die Hypnotherapie die Beschwerden zumindest kurzfristig bei ungefähr 23 von 100 Teilnehmenden.

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