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Rheumatoide Arthritis

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    Überblick

    Entzündete Gelenke, Schmerzen und nachlassende Beweglichkeit können auf eine rheumatoide Arthritis hinweisen, aber auch auf Arthrose. Wir geben einen Überblick über typische Anzeichen für Rheuma, die Ursachen, den Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Erkrankung.

    Einleitung

    Es gibt eine Vielzahl von rheumatischen Erkrankungen. Wenn von „Rheuma“ gesprochen wird, ist meist die rheumatoide Arthritis gemeint. Bei dieser Erkrankung sind in der Regel mehrere Gelenke dauerhaft entzündet. Dadurch können sie sich allmählich verformen und versteifen. Mit der Zeit nimmt auch die Muskelkraft ab.

    Bei fortgeschrittenem Rheuma können einfache Tätigkeiten wie die Körperpflege, das Essen mit Messer und Gabel oder das Schließen von Knöpfen schwerfallen. Auch andere Beschwerden wie Schmerzen und Abgeschlagenheit können sehr belastend werden. Die Erkrankung kann zudem andere Bereiche des Körpers beeinträchtigen, etwa die Blutgefäße oder bestimmte Organe.

    Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran. Verschiedene Behandlungen können die Schmerzen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Sie möglichst früh zu erkennen und zu behandeln hilft, Gelenkschäden vorzubeugen. Die rheumatoide Arthritis wird manchmal auch chronische Polyarthritis genannt und ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung.

    Symptome

    Typische erste Anzeichen für Rheuma sind Schwellungen an einzelnen Gelenken, die zu Gelenkschmerzen und -steife führen, vor allem an den Fingermittel- und Fingergrundgelenken. Mit der Zeit können weitere rheumatypische Beschwerden wie Kraftlosigkeit hinzukommen. Allerdings macht sich die Erkrankung bei manchen Menschen zunächst eher durch allgemeine Beschwerden bemerkbar, zum Beispiel durch Müdigkeit oder Appetitlosigkeit, manchmal auch leichtes Fieber.

    Zu den rheumatypischen Symptomen gehören:

    • Warme, geschwollene Gelenke: In der Regel schwellen auf beiden Seiten des Körpers die gleichen Gelenke an, zum Beispiel die Fingergelenke der rechten und der linken Hand. 
    • Schmerzende Gelenke
    • Steife Gelenke:Nach längeren Ruhepausen, besonders morgens nach dem Aufstehen, sind die Gelenke steif. In der Regel werden sie erst nach über einer Stunde oder nach längerer Aktivität wieder beweglich.
    • Kraftlosigkeit: Schmerzende, steife Gelenke werden häufig nicht mehr so viel bewegt. Dadurch kann mit der Zeit auch die Muskulatur schwächer werden.
    • Erschöpfung: Rheuma ist eine entzündliche Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft. Daher führt sie oft zu Müdigkeit, allgemeinem Schwächegefühl und manchmal zu tiefgehender Erschöpfung („Fatigue“).
    • Rheumaknoten: Wenn die Erkrankung fortschreitet, bilden sich manchmal kleine harte Knötchen unter der Haut. Diese Rheumaknoten sind meist unempfindlich gegenüber Druck oder Berührungen.

    Die rheumatypischen Symptome sind nicht bei allen Menschen gleich: So können verschiedene Gelenke betroffen sein, oder es sind jeweils andere Beschwerden, die am meisten Probleme verursachen.

    Verdickte oder steife Fingerendgelenke sind sehr häufig. Sie sind aber in der Regel Anzeichen für eine bestimmte Form von Arthrose. Rheumatoide Arthritis und Arthrose werden häufig verwechselt. Doch die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung, während Arthrose durch Verschleiß bedingt ist. Auch die Behandlung und der Verlauf der beiden Erkrankungen unterscheiden sich deutlich voneinander.

     

    Grafik: häufig von Rheuma betroffene Gelenke Rheuma: häufig betroffene Gelenke

    Ursachen

    Die rheumatoide Arthritis gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Davon spricht man, wenn das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Das Abwehrsystem unterscheidet normalerweise zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen, Organismen und Stoffen. Dadurch schützt es den Körper vor Krankheitserregern und anderen schädlichen Substanzen. Bei Menschen mit einer Autoimmunerkrankung funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr richtig: Das Abwehrsystem bewertet bestimmte körpereigene Zellen irrtümlich als Fremdstoffe und greift sie an. Entzündungsreaktionen sind die Folge. Bei Menschen mit rheumatoider Arthritis sind insbesondere die Gelenke von einer Autoimmunreaktion betroffen.

    Ob jemand eine rheumatoide Arthritis bekommt oder nicht, hängt unter anderem wahrscheinlich mit der genetischen Veranlagung zusammen. Es gibt auch Theorien, nach denen Autoimmunreaktionen durch eine Infektion mit bestimmten Viren oder Bakterien ausgelöst werden können. Die Krankheitsprozesse bei Rheuma sind jedoch sehr kompliziert und bislang noch nicht vollständig verstanden.

    Rauchen trägt zur Entstehung einer rheumatoiden Arthritis bei und kann den Verlauf der Erkrankung ungünstig beeinflussen. Andere Risikofaktoren, die sich durch das eigene Verhalten beeinflussen lassen, sind nicht bekannt.

    Häufigkeit

    In Deutschland haben etwa 1 % aller Erwachsenen eine rheumatoide Arthritis. Frauen erkranken doppelt so häufig daran wie Männer. Meist entwickelt sich die Krankheit nach dem 50. Lebensjahr. Vor allem Frauen bekommen aber öfter schon in jüngeren Jahren Rheuma. Manchmal tritt die Erkrankung auch schon im Jugendalter auf.

    Verlauf

    In der Regel zeigt sich Rheuma zunächst an den Finger-, Hand- oder Zehengelenken, manchmal auch an den Ellbogen, Knöcheln oder Knien. Meistens sind dabei beide Seiten des Körpers betroffen. Auch rumpfnahe Gelenke können sich entzünden, zum Beispiel die Schultern oder das Schlüsselbein.

    Eine rheumatoide Arthritis kann unterschiedlich verlaufen. So berichteten in einer Studie, an der Menschen mit rheumatoider Arthritis teilnahmen, zehn Jahre nach Beginn ihrer Erkrankung

    • knapp 50 % der Teilnehmenden von leichten Einschränkungen durch die rheumatoide Arthritis,
    • gut 40 % von mittelschweren Einschränkungen und
    • etwa 10 % von erheblichen Einschränkungen im Alltag.

    Gemeint sind zum Beispiel Schwierigkeiten beim Aufstehen, Anziehen oder bei der Zubereitung von Essen, etwa beim Öffnen von Verpackungen, Flaschen oder Gläsern.

    Die Beschwerden können mit der Zeit langsam zunehmen oder sich lange Zeit nicht verändern. Sie können aber auch in Schüben auftreten. Das heißt, dass Entzündung und Schmerzen plötzlich stärker werden, aber nach einer Zeit wieder nachlassen.

    Folgen

    Im Spätstadium der Erkrankung können neben den Gelenken auch andere Bereiche des Körpers betroffen sein. Die Entzündungsprozesse können außerdem die Blutgefäße schädigen und dadurch Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Dies ist allerdings relativ selten und hängt auch davon ab, ob aus anderen Gründen bereits ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht – etwa aufgrund von Übergewicht oder Bluthochdruck.

    Auch die Tränen- oder Speicheldrüsen können sich entzünden. Das führt zu einer verminderten Tränen- oder Speichelbildung. Sehr selten können Organe wie die Lunge, Leber oder Nieren beeinträchtigt werden.

    Diagnose

    Nach einem ausführlichen Gespräch wird die Ärztin oder der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung vornehmen. Dabei achtet sie oder er vor allem darauf, welche Gelenke geschwollen sind. Typisch für eine rheumatoide Arthritis ist die Entzündung bestimmter Gelenke an den Fingern und Zehen. Aber auch wenn große Gelenke wie die Schultern oder Knie schmerzhaft und geschwollen sind, kann dies auf Rheuma hinweisen. Wichtig ist zudem, wie viele Gelenke entzündet sind und seit wann.

    Durch die Untersuchung einer Blutprobe lassen sich bestimmte Antikörper feststellen und Entzündungsreaktionen nachweisen. Dies hat aber nur eine begrenzte Aussagekraft, weil Blutwerte auch aus anderen Gründen verändert sein können.

    Eine rheumatoide Arthritis frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein, weil die Beschwerden in den ersten Wochen bis Monaten oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch sind. Fachärztinnen und Fachärzte für Rheumatologie sind auf Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis spezialisiert und bei einem Verdacht auf eine solche Erkrankung gute Ansprechpartner. Eine schon länger bestehende rheumatoide Arthritis ist leichter zu diagnostizieren, weil neben typischen körperlichen Symptomen oft bereits Veränderungen an den Gelenken erkennbar sind oder durch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall sichtbar gemacht werden können. In den ersten Wochen oder Monaten sind solche Veränderungen nicht immer zu sehen.

    Behandlung

    Eine rheumatoide Arthritis kann mit Medikamenten und nichtmedikamentösen Verfahren wie Physiotherapie (Krankengymnastik) behandelt werden. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel, die Alltagstätigkeiten erleichtern sollen. Welche Behandlungen infrage kommen, hängt zum Beispiel davon ab, wie stark die Entzündung und die Beschwerden sind, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, wie ihr Verlauf eingeschätzt wird – und wie gut bisherige Behandlungen geholfen haben.

    Medikamente können

    • die Entzündung hemmen und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern,
    • Symptome wie Schmerzen und Schwellungen lindern sowie
    • die Gelenkfunktion verbessern oder zumindest möglichst lange erhalten.

    Heilen lässt sich Rheuma bislang aber nicht.

    Physiotherapie und Sport sollen helfen, die Beweglichkeit, Kraft und Gelenkfunktion zu verbessern oder zu erhalten. Für Menschen mit Rheuma eignen sich viele Sportarten wie etwa Radfahren, Walking, Tanzen, Gymnastik, Kräftigungsübungen, Schwimmen und Wassergymnastik. In einer Ergotherapie geht es vor allem darum, die Beweglichkeit und Muskelkraft der Hände zu erhalten und zu lernen, wie man im Alltag mit der Erkrankung zurechtkommen kann.

    Manchmal werden auch psychologische Verfahren eingesetzt, die dabei helfen, Schmerzen und Einschränkungen im alltäglichen Leben besser zu bewältigen. Außerdem sollen sie krankheitsbedingte Ängste und Depressionen lindern, mit denen manche Menschen zu tun haben.

    Es gibt zudem Hilfsmittel, die körperliche Einschränkungen ausgleichen und bei alltäglichen Tätigkeiten helfen sollen. Dazu gehören zum Beispiel orthopädische Einlagen, Greifhilfen und speziell geformtes Besteck.

    Rehabilitation

    Wenn eine rheumatoide Arthritis über längere Zeit nicht in den Griff zu bekommen war und es aufgrund der Erkrankung längere Zeit nicht möglich war zu arbeiten, ist eine Rehabilitation eine Möglichkeit. Sie soll dabei helfen, mit der Krankheit im Alltag besser zurechtzukommen, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Eine Reha kommt aber auch für Rentnerinnen und Rentner infrage. Ziel ist dann, ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen und Pflegebedürftigkeit vorzubeugen.

    Bei einer Rehabilitation arbeiten verschiedene Fachkräfte zusammen, zum Beispiel aus Medizin (Rheumatologie), Physio- und Ergotherapie, Sozialarbeit und Psychologie. Eine Reha dauert in der Regel drei Wochen. Bei einer stationären Reha wohnt man während dieser Zeit in der Klinik. Wer ganztags eine ambulante Reha macht, wohnt zu Hause und kommt tagsüber in die Klinik.

    Je nachdem, welches Ziel eine Rehabilitation hat und wie man versichert ist, werden die Kosten von der gesetzlichen Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung getragen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass eine Ärztin oder ein Arzt feststellt, dass eine Rehabilitation erforderlich ist und der Reha-Antrag durch den Kostenträger genehmigt wird.

    Leben und Alltag

    Rheuma und damit verbundene Probleme wie Schmerzen, Erschöpfung, Nebenwirkungen von Medikamenten und körperliche Einschränkungen können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Viele Menschen mit Rheuma benötigen für Alltagstätigkeiten mehr Zeit und müssen sich öfter und länger ausruhen als andere. Häufige Arztbesuche, die korrekte Einnahme von Medikamenten, das Besorgen von Hilfsmitteln – all das braucht viel Zeit. Die Erschöpfung kann zudem dazu führen, dass Betroffene ein größeres Schlafbedürfnis haben, sich nicht so gut konzentrieren können und es ihnen schwerfällt, aktiv zu werden. Die Erkrankung kann mit Gefühlen wie Angst vor der Zukunft, Trauer, aber auch Wut über die Erkrankung verbunden sein. All das ist für andere manchmal schwer nachvollziehbar.

    Viele Menschen lernen aber dennoch, so mit der Erkrankung umzugehen, dass ihre Beschwerden in den Hintergrund rücken und trotz aller Einschränkungen ein erfülltes Leben möglich ist.

    Weitere Informationen

    Für Menschen mit rheumatoider Arthritis gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh). Management der frühen rheumatoiden Arthritis. 08.2011. (AWMF-Leitlinien; Band 060 - 002).

    Klarenbeek NB, Kerstens PJ, Huizinga TW, Dijkmans BA, Allaart CF. Recent advances in the management of rheumatoid arthritis. BMJ 2010; 341: c6942.

    Peterson K, McDonagh M, Thakurta S, Dana T, Roberts C, Chou R et al. Drug class review: nonsteroidal antiinflammatory drugs (NSAIDs): final update 4 report. Portland: Oregon Health and Science University; 2010.

    Robert Koch-Institut (RKI). Entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Berlin: RKI; 2010.

    Scott DL, Wolfe F, Huizinga TW. Rheumatoid arthritis. Lancet 2010; 376(9746): 1094-1108.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Was kann man von Biologika erwarten?

    Arzneimittel aus der Gruppe der Biologika können das Fortschreiten einer rheumatoiden Arthritis aufhalten und Beschwerden wie Gelenkschwellungen, Schmerzen und Erschöpfung lindern. Als Nebenwirkung kann es vermehrt zu Infektionen kommen.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis sind meist mehrere Gelenke dauerhaft entzündet. Dies kann zu Schmerzen, Schwellungen, Kraftlosigkeit, Gelenksteifigkeit und Funktionseinschränkungen führen. Zunächst sind oft die kleinen Gelenke an Händen, Fingern und Füßen betroffen. Es können sich aber auch die großen Gelenke entzünden, also die Knie-, Hüft- oder Schultergelenke. Häufig schwächen die Entzündungen den ganzen Körper. Das kann dazu führen, dass man sich allgemein unwohl, müde und abgeschlagen fühlt.

    Unterschiedliche Behandlungen können rheumatische Beschwerden lindern. Sogenannte krankheitsmodifizierende Medikamente sollen zudem das Fortschreiten der Erkrankung verzögern, manchmal auch aufhalten und dadurch bleibenden Gelenkschäden vorbeugen. Diese Mittel werden auch Basistherapie oder kurz „DMARDs“ (Abkürzung der englischen Bezeichnung „Disease-Modifying Antirheumatic Drugs“) genannt.

    Anwendung krankheitsmodifizierender Medikamente

    Es gibt viele verschiedene krankheitsmodifizierende Medikamente, die sich in ihrer Wirkung, ihrer Anwendung und ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Ferner unterscheidet man zwischen „klassischen“ krankheitsmodifizierenden Medikamenten und biotechnologisch hergestellten. Diese werden auch Biologika genannt. Sie kommen für Menschen infrage, denen eine Behandlung mit klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamenten nicht ausreichend hilft.

    In Deutschland werden vor allem folgende klassische krankheitsmodifizierende Medikamente verschrieben:

    • Leflunomid
    • Methotrexat (MTX)
    • Sulfasalazin
    • Hydroxychloroquin

    Die in Deutschland zugelassenen Biologika sind:

    • Abatacept
    • Adalimumab
    • Anakinra
    • Certolizumab pegol
    • Etanercept
    • Golimumab
    • Infliximab
    • Rituximab
    • Tocilizumab

    Studien zu Biologika

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben untersucht, was Menschen mit rheumatoider Arthritis von Biologika in der sogenannten Zweitlinientherapie erwarten können. Damit ist eine Behandlung bei Menschen gemeint, bei denen die bisherige Behandlung mit mindestens einem krankheitsmodifizierenden Antirheumatikum ohne Erfolg blieb. Die Wissenschaftlergruppe wertete die Ergebnisse von 35 Studien mit insgesamt gut 13.000 Teilnehmenden aus. Es wurden nur Studien berücksichtigt, in denen die Biologika so angewendet wurden, wie sie in Deutschland zugelassen sind.

    In den meisten Studien wurden die Biologika zusätzlich zu einer Behandlung mit Methotrexat eingesetzt. In fast allen Studien wendeten die Teilnehmenden der Vergleichsgruppe Methotrexat und ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff (Placebo) an. Nur eine Studie verglich zwei Biologika direkt miteinander. Dabei handelte es sich um Adalimumab und Tocilizumab.

    Der Nutzen der Medikamente wurde anhand verschiedener Kriterien gemessen:

    • Remission der Arthritis: Hiervon spricht man, wenn keine oder kaum noch Krankheitszeichen und Beschwerden vorhanden sind. Dies wird unter anderem anhand der Zahl der geschwollenen und schmerzhaften Gelenke sowie der persönlichen Einschätzung des Gesundheitszustands ermittelt.
    • Arthritis-Beschwerden: Hierzu gehören insbesondere Schmerzen, Morgensteifigkeit und Erschöpfung (Fatigue).
    • Gelenkveränderungen: Verformungen und Versteifungen der Gelenke sowie verkrümmte Gelenke.
    • Allgemeine körperliche Funktion einschließlich Aktivitäten des täglichen Lebens.
    • Teilhabe am beruflichen und sozialen Leben.
    • Gesundheitsbezogene Lebensqualität.
    • Lebenserwartung.
    • Nebenwirkungen, insbesondere Infektionen.

    Nutzen bei fünf Wirkstoffen klar belegt

    Für fünf Wirkstoffe weisen die Studien nach, dass sie Gelenkschmerzen und Schwellungen lindern, eine Remission herbeiführen und den körperlichen Funktionsstatus verbessern können, wenn man sie zusätzlich zu Methotrexat einsetzt: Abatacept, Adalimumab, Certolizumab pegol, Golimumab und Tocilizumab.

    Was man von den Medikamenten genau erwarten kann, lässt sich anhand des Wirkstoffs Adalimumab verdeutlichen:

    • Ungefähr 7 von 100 Menschen, die mit Methotrexat allein behandelt wurden, hatten innerhalb eines Jahres deutlich weniger Beschwerden oder waren beschwerdefrei.
    • Etwa 23 von 100 Menschen, die mit Methotrexat und zusätzlich Adalimumab behandelt wurden, hatten innerhalb eines Jahres deutlich weniger Beschwerden oder waren beschwerdefrei.

    Mit anderen Worten: Etwa 16 von 100 Menschen, die Adalimumab zusätzlich zur Basistherapie anwendeten, konnte das Mittel helfen.

    Die Ergebnisse waren bei Abatacept, Certolizumab pegol, Golimumab und Tocilizumab ähnlich. Weitere Ergebnisse waren zum Beispiel:

    • Abatacept und Adalimumab reduzierten die Morgensteifigkeit.
    • Adalimumab und Tocilizumab linderten die Erschöpfung.
    • Abatacept, Adalimumab und Tocilizumab verbesserten die Lebensqualität.
    • Adalimumab, Certolizumab pegol, Golimumab und Tocilizumab verringerten allgemeine Schmerzen, die mit einer Arthritis verbunden sind.
    • Für Abatacept, Adalimumab, Certolizumab pegol und Tocilizumab stuften die behandelten Menschen die Krankheitsaktivität als geringer ein.

    Es lagen aber nicht für alle Wirkstoffe und zu allen Kriterien Daten vor. Auswirkungen auf die Schlafqualität und den allgemeinen Gesundheitszustand der Teilnehmenden wurden zum Beispiel kaum untersucht. Zu Gelenkveränderungen fanden sich in den Studien keine Angaben.

    Nebenwirkungen von Biologika

    Biologika können verschiedene Nebenwirkungen haben. Zu den Nebenwirkungen gehören insbesondere Infektionen: Sie können häufiger auftreten, weil Biologika das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken. Für Adalimumab, Certolizumab pegol und Tocilizumab sind diese Nebenwirkungen belegt oder es fand sich zumindest ein Hinweis auf mehr Nebenwirkungen.

    Je nach Schweregrad unterscheidet man nicht schwerwiegende von schwerwiegenden Infektionen. Von einer schwerwiegenden Infektion spricht man, wenn die Infektion lebensbedrohlich ist, eine Klinikeinweisung nötig macht oder bleibende Folgen hat – etwa eine Lungenentzündung mit schwerem Verlauf.

    In den Studien waren Infektionen insgesamt relativ häufig – unabhängig davon, ob die Menschen nur Methotrexat oder zusätzlich ein Biologikum nahmen. Die Studien zu Adalimumab zeigten zum Beispiel:

    • Bei ungefähr 45 von 100 Teilnehmenden, die mit Methotrexat behandelt wurden, trat eine Infektion auf.
    • Bei etwa 54 von 100 Teilnehmenden, die mit Methotrexat und Adalimumab behandelt wurden, trat eine Infektion auf.

    Die durch Adalimumab verursachte Schwächung des Abwehrsystems führte also zusätzlich bei etwa 9 von 100 Menschen zu einer Infektion.

    Schwerwiegende Infektionen waren wesentlich seltener: Hiervon waren mit Methotrexat etwa einer von 100 Teilnehmenden betroffen, mit Methotrexat und Adalimumab ungefähr 3 von 100 Teilnehmenden.

    Teilnehmende, die nur Methotrexat nahmen, brachen in 3 von 100 Fällen die Behandlung ab. Von denjenigen, die Tocilizumab und Methotrexat nahmen, waren es rund 8 von 100.

    Für die anderen untersuchten Wirkstoffe waren keine eindeutigen Unterschiede in der Häufigkeit von Nebenwirkungen feststellbar.

    Vergleich unterschiedlicher Biologika

    Nur eine Studie verglich zwei Biologika direkt miteinander: Adalimumab und Tocilizumab. An dieser Studie nahmen Personen teil, für die eine Behandlung mit Methotrexat nicht infrage kam, weil sie das Mittel nicht vertrugen oder es bei ihnen nicht gewirkt hatte. Die Studie ergab einen Hinweis darauf, dass bei dieser Personengruppe durch Tocilizumab häufiger eine Remission erreicht wird als durch Adalimumab. In Bezug auf andere Behandlungsergebnisse lässt sich nicht ableiten, welches der beiden Medikamente schlechter oder besser ist.

    Ob es Unterschiede zwischen den anderen Biologika gibt, ist aufgrund fehlender Studien bislang unklar.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel in der Zweitlinientherapie bei der rheumatoiden Arthritis: Abschlussbericht; Auftrag A10-01. 28.06.2013. (IQWiG-Berichte; Band 180).

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    Was Studien sagen: Helfen psychologische Verfahren und Patientenschulungen beim Umgang mit Rheuma?

    Patientenschulungen, psychologische Verfahren und die kognitive Verhaltenstherapie können helfen, im Alltag besser mit Rheuma zurechtzukommen. Häufig werden verschiedene Maßnahmen kombiniert, wie Entspannungstechniken, Stressbewältigung und das Erlernen von Strategien zur Einteilung der Kräfte und Planung im Alltag.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis können bestimmte Gelenke langfristig oder dauerhaft entzündet sein. Dies kann zu Schmerzen, Schwellungen, Gelenksteifigkeit und Kraftlosigkeit führen. Hiervon sind zunächst oft die kleinen Gelenke an Händen, Fingern und Füßen betroffen. Es können sich aber auch die großen Gelenke entzünden, etwa die Knie-, Hüft- oder Schultergelenke.

    Häufig schwächen die Entzündungen den Körper. Es kommt zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl, das mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Appetitverlust einhergehen kann. Eine rheumatoide Arthritis kann alltägliche Tätigkeiten erschweren und viele Lebensbereiche beeinträchtigen. Dies kann psychisch belastend sein, Ängste und depressive Verstimmungen auslösen. Manche Menschen fühlen sich zunehmend hilflos – oft sind sie wegen ihrer Beschwerden außerstande, alltägliche Aufgaben im Haushalt zu erledigen oder an sozialen Aktivitäten teilzunehmen.

    Strategien zum Umgang mit der Erkrankung

    Es gibt verschiedene psychologische und psychotherapeutische Verfahren, die Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Rheuma helfen sollen, mit Schmerzen und anderen Beschwerden zurechtzukommen. Dazu gehören insbesondere

    • Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder autogenes Training und
    • Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie.

    In einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) lernen Menschen, gedankliche Muster und Verhaltensweisen zu erkennen, die den Umgang mit der Erkrankung erschweren können, um diese dann gezielt zu verändern. In einer KVT geht es auch um praktische Hilfen: Zum Beispiel wird geübt, wie man sich die Kraft einteilen und Ziele setzen kann, die sich trotz Erkrankung erreichen lassen. Verhaltenstherapeutische Behandlungen werden häufig mit anderen Methoden wie Entspannungstechniken kombiniert. Auch im Rahmen von Patientenschulungen werden oft verschiedene Methoden angeboten.

    Studien zu psychologischer Unterstützung bei rheumatoider Arthritis

    Eine Wissenschaftlergruppe der Universität Leiden in den Niederlanden suchte nach Studien, die den Nutzen der zuvor beschriebenen Maßnahmen untersucht haben. Sie wertete die Ergebnisse von insgesamt 27 Studien aus, an denen zusammen gut 1600 Menschen mit Rheuma teilgenommen hatten.

    Betrachtet man alle Studien zusammen, zeigt sich, dass die untersuchten Verfahren Schmerzen etwas lindern konnten und die Teilnehmenden körperlich aktiver waren. Zudem hatten sie auch etwas weniger depressive Symptome. Auch nach mehreren Monaten hielten diese günstigen Wirkungen noch an. Die Forschungsarbeit einer anderen Wissenschaftlergruppe liefert Hinweise, dass die Behandlungen auch gegen Erschöpfung helfen können. Mögliche Nebenwirkungen der Unterstützungsmaßnahmen wurden nicht untersucht.

    Gegen depressive Stimmungen scheinen besonders Methoden der sogenannten Selbstregulation zu helfen. Darunter fallen Strategien, bei denen Menschen lernen, eigenständig mit den Beschwerden und Gefühlen umzugehen, die eine Erkrankung hervorruft. Das heißt sie lernen, sich persönliche Ziele zu setzen, diese umzusetzen und zu überprüfen, wie erfolgreich die Umsetzung war.

    Quellen

    Cramp F, Hewlett S, Almeida C, Kirwan JR, Choy EH, Chalder T et al. Non-pharmacological interventions for fatigue in rheumatoid arthritis. Cochrane Database Syst Rev 2013; (8): CD008322.

    Knittle K, Maes S, de Gucht V. Psychological interventions for rheumatoid arthritis: examining the role of self-regulation with a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Arthritis Care 2010; 62(10): 1460-1472.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Wie wird eine frühe rheumatoide Arthritis festgestellt?

    Eine rheumatoide Arthritis frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein. Denn in den ersten Wochen bis Monaten sind die Symptome oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch. Dennoch wird versucht, Rheuma möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Man geht davon aus, dass sich das Fortschreiten der Erkrankung bei einem frühen Behandlungsbeginn eher aufhalten lässt.

    Zu den eher unbestimmten Beschwerden im Frühstadium gehören zum Beispiel allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Eine leicht erhöhte Körpertemperatur sowie Muskel- und Knochenschmerzen können ebenfalls erste Krankheitszeichen sein. Es können aber auch schon rheumatypische Beschwerden wie geschwollene Gelenke auftreten.

    Wer sich wegen eher unbestimmter Beschwerden Sorgen macht, kann mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen. Eine genauere Untersuchung auf Rheuma wird spätestens dann empfohlen, wenn

    • drei oder mehr Gelenke seit mindestens sechs Wochen geschwollen sind,
    • auf beiden Körperseiten die gleichen Gelenke geschwollen sind und / oder
    • die Gelenke morgens mindestens eine Stunde steif sind.

    Eine rheumatoide Arthritis frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein. Denn in den ersten Wochen bis Monaten sind die Symptome oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch. Dennoch wird versucht, Rheuma möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Man geht davon aus, dass sich das Fortschreiten der Erkrankung bei einem frühen Behandlungsbeginn eher aufhalten lässt.

    Zu den eher unbestimmten Beschwerden im Frühstadium gehören zum Beispiel allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Eine leicht erhöhte Körpertemperatur sowie Muskel- und Knochenschmerzen können ebenfalls erste Krankheitszeichen sein. Es können aber auch schon rheumatypische Beschwerden wie geschwollene Gelenke auftreten.

    Wer sich wegen eher unbestimmter Beschwerden Sorgen macht, kann mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen. Eine genauere Untersuchung auf Rheuma wird spätestens dann empfohlen, wenn

    • drei oder mehr Gelenke seit mindestens sechs Wochen geschwollen sind,
    • auf beiden Körperseiten die gleichen Gelenke geschwollen sind und / oder
    • die Gelenke morgens mindestens eine Stunde steif sind.

    Wie erkennt man Rheuma im Frühstadium?

    Wenn es Anzeichen für eine rheumatoide Arthritis gibt, kommen folgende Untersuchungen infrage, um den Verdacht abzuklären:

    • Bluttest auf Antikörper: Bestimmte Antikörper im Blut können auf eine rheumatoide Arthritis hinweisen. Dazu gehören die sogenannten Rheumafaktoren und die „Antikörper gegen citrullinierte Peptide / Proteine“ (ACPA).
    • Bluttest auf akute Entzündungsreaktionen: Zum einen lässt sich das C-reaktive Protein (CRP) bestimmen. Dieses Eiweiß setzt der Körper bei Entzündungen in erhöhtem Maße frei. Zum anderen kann die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) gemessen werden. Sie gibt an, wie schnell sich die roten Blutkörperchen in einem Reagenzglas am Boden absetzen. Bei Entzündungen sinken die roten Blutkörperchen schneller ab.
    • Bildgebende Verfahren: Eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung kann zeigen, ob bereits Gelenke verändert sind. Unter Umständen werden auch Verfahren wie die Magnetresonanztherapie oder Szintigrafie angewendet. Im Frühstadium sind aber häufig noch keine Gelenkveränderungen sichtbar.

    Entzündete Gelenke oder auffällige Werte aus Blutuntersuchungen allein haben zur Diagnose einer frühen rheumatoiden Arthritis nur eine begrenzte Aussagekraft. Sie können auch andere Ursachen haben. Wenn mehrere Anzeichen zusammenkommen, ist es wahrscheinlicher, dass es sich tatsächlich um eine rheumatoide Arthritis handelt.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh). Management der frühen rheumatoiden Arthritis. 08.2011. (AWMF-Leitlinien; Band 060 - 002).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente bei rheumatoider Arthritis

    Bei einer rheumatoiden Arthritis sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Sie können schmerzen, anschwellen und allmählich versteifen. Die Erkrankung schreitet meist über viele Jahre langsam voran. Ziel der medikamentösen Behandlung von Rheuma ist, die Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung möglichst aufzuhalten.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis (umgangssprachlich auch „Rheuma“) werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt, um die Symptome zu lindern, die entzündlichen Prozesse zu hemmen und die Funktion der Gelenke möglichst lange zu erhalten. Es wird zwischen einer krankheitsmodifizierenden Behandlung und einer symptomatischen Therapie unterschieden:

    • Krankheitsmodifizierende Behandlung: Diese Medikamente werden unabhängig von akuten Beschwerden regelmäßig und dauerhaft angewendet und daher oft auch als Basistherapie bezeichnet. Nach der englischen Bezeichnung „Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs“ werden sie manchmal auch kurz „DMARDs“ genannt. Krankheitsmodifizierende Medikamente hemmen die Entzündungsprozesse, die bei Rheuma in den Gelenken stattfinden. Dadurch können sie das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder zumindest verzögern und dadurch Gelenkschäden vorbeugen. Die Wirkung von DMARDs ist oft erst nach etwa ein bis vier Monaten spürbar. Es wird zwischen „klassischen“ und „biologischen“ krankheitsmodifizierenden Medikamenten unterschieden.
    • Symptomatische Therapie: Medikamente zur symptomatischen Behandlung sollen akute Schmerzen und Entzündungen lindern. Dazu eignen sich insbesondere nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Paracetamol und Kortison (Glukokortikoide).

    Bei einer rheumatoiden Arthritis sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Sie können schmerzen, anschwellen und allmählich versteifen. Die Erkrankung schreitet meist über viele Jahre langsam voran. Ziel der medikamentösen Behandlung von Rheuma ist, die Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung möglichst aufzuhalten.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis (umgangssprachlich auch „Rheuma“) werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt, um die Symptome zu lindern, die entzündlichen Prozesse zu hemmen und die Funktion der Gelenke möglichst lange zu erhalten. Es wird zwischen einer krankheitsmodifizierenden Behandlung und einer symptomatischen Therapie unterschieden:

    • Krankheitsmodifizierende Behandlung: Diese Medikamente werden unabhängig von akuten Beschwerden regelmäßig und dauerhaft angewendet und daher oft auch als Basistherapie bezeichnet. Nach der englischen Bezeichnung „Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs“ werden sie manchmal auch kurz „DMARDs“ genannt. Krankheitsmodifizierende Medikamente hemmen die Entzündungsprozesse, die bei Rheuma in den Gelenken stattfinden. Dadurch können sie das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder zumindest verzögern und dadurch Gelenkschäden vorbeugen. Die Wirkung von DMARDs ist oft erst nach etwa ein bis vier Monaten spürbar. Es wird zwischen „klassischen“ und „biologischen“ krankheitsmodifizierenden Medikamenten unterschieden.
    • Symptomatische Therapie: Medikamente zur symptomatischen Behandlung sollen akute Schmerzen und Entzündungen lindern. Dazu eignen sich insbesondere nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Paracetamol und Kortison (Glukokortikoide).

    Wie wirken klassische DMARDs?

    Klassische krankheitsmodifizierende Medikamente werden bereits seit Jahrzehnten eingesetzt. Die verschiedenen Mittel unterscheiden sich deutlich in ihrem Wirkungsmechanismus, und sie wirken auch nicht bei jedem Menschen gleich. Wenn ein Medikament nicht anschlägt oder nicht vertragen wird, ist eins der anderen oft eine Alternative. Die Mittel unterscheiden sich zudem in ihren möglichen Nebenwirkungen.

    Alle genannten Faktoren spielen bei der Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Medikament eine Rolle. In Deutschland werden überwiegend folgende klassische DMARDs eingesetzt:

    • Azathioprin
    • Ciclosporin A
    • Goldsalze
    • (Hydroxy)Chloroquin
    • Leflunomid
    • Methotrexat (MTX)
    • Sulfasalazin

    Von allen klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamenten ist Methotrexat langfristig wahrscheinlich am besten verträglich. Daher ist es in der Regel das „Mittel der ersten Wahl“. Methotrexat unterdrückt unter anderem die Aktivität von Abwehrzellen und hemmt daher auch die Entzündungsreaktionen bei Rheuma. In viel höherer Dosierung wird es sonst vor allem in der Krebstherapie eingesetzt. Methotrexat kann einmal pro Woche als Tablette eingenommen oder als Lösung gespritzt werden.

    Einige Medikamente können während einer Schwangerschaft eingesetzt werden, andere nicht. Da letztere, wie beispielsweise Methotrexat oder Leflunomid, zu Fehlbildungen beim Ungeborenen führen können, ist es wichtig, während ihrer Einnahme sicher zu verhüten. Frauen mit Rheuma, die sich ein Kind wünschen, sprechen am besten schon vor einer Schwangerschaft mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Ein Gespräch ist spätestens dann nötig, wenn eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist.

    Bestimmte Mittel können die Fruchtbarkeit bei Männern senken, solange sie eingenommen werden.

    Was zeigen Studien zu klassischen DMARDs?

    Studienergebnisse zeigen, dass klassische krankheitsmodifizierende Medikamente Gelenkschäden vorbeugen und Beschwerden lindern können. In Studien zum Nutzen von Rheumamitteln geht man davon aus, dass die Behandlung hilft, wenn die Gelenkschwellungen zurückgehen und mindestens drei der folgenden Verbesserungen eintreten:

    • die Schmerzen lassen nach
    • Entzündungsreaktionen gehen zurück
    • die Gelenkfunktion verbessert sich
    • der Gesundheitszustand wird insgesamt besser bewertet

    Eine Auswertung von Studien zu Methotrexat über einen Zeitraum von einem Jahr zeigt zum Beispiel folgende Ergebnisse:

    • Bei 23 von 100 Menschen, die Methotrexat nahmen, gingen die Beschwerden um mindestens die Hälfte zurück.
    • Bei 8 von 100 Menschen, die zum Vergleich ein Scheinmedikament (Placebo) nahmen, gingen die Beschwerden im gleichen Ausmaß zurück.

    Die Behandlung mit Methotrexat bewirkte also, dass es 15 von 100 Menschen deutlich besser ging. Auch Beschwerden wie Morgensteifigkeit ließen bei deutlich mehr Menschen nach, wenn sie ein klassisches krankheitsmodifizierendes Medikament nahmen.

    Ob ein bestimmtes Mittel aus der Gruppe der klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamente besser hilft als andere, ist nicht gut untersucht. Führt ein Wirkstoff aus dieser Gruppe nicht zu einer Besserung, kann es sich durchaus lohnen, einen anderen auszuprobieren.

    Nebenwirkungen

    Klassische krankheitsmodifizierende Medikamente können je nach Mittel verschiedene Nebenwirkungen haben, zum Beispiel bei

    • Methotrexat: Magenverstimmungen, Übelkeit, Benommenheit und Entzündung der Mundschleimhaut
    • Sulfasalazin: Magenverstimmungen, Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Hautausschlag, Juckreiz und Kopfschmerzen
    • Leflunomid: Durchfall, Haarausfall und Hautausschlag
    • (Hydroxy)Chloroquin: Magenverstimmungen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen
    • Goldsalze: Hautausschlag und Jucken, Entzündungen der Magenschleimhaut

    Magen-Darm-Probleme treten gerade zu Beginn der Einnahme bei vielen Wirkstoffen recht häufig auf. In Studien verursachte Methotrexat solche Beschwerden bei 4 von 100 Personen. Wer Methotrexat nahm, hatte auch häufiger mit Infektionen zu tun. Dazu kam es in einer größeren Studie über ein Jahr bei 12 von 100 Personen. Etwa 5 von 100 Menschen hatten während der Einnahme von Methotrexat Haarausfall.

    Einige dieser Nebenwirkungen werden dadurch verursacht, dass Methotrexat die Wirkung von Folsäure im Körper hemmt. Das Risiko für Nebenwirkungen von Methotrexat lässt sich senken, wenn man zusätzlich einmal pro Woche niedrig dosierte Folsäure (5 bis 10 mg) einnimmt.

    Methotrexat kann auch unter die Haut oder in den Muskel gespritzt werden. Dabei ist es wichtig, zwischen den Behandlungen einen Abstand von einer Woche einzuhalten. Die Häufigkeit von Nebenwirkungen wie Übelkeit und Durchfall ist bei dieser Anwendungsform geringer als bei Tabletten. Außerdem wirkt das Mittel dann etwas besser.

    Sehr selten können die Medikamente ernsthafte Nebenwirkungen haben wie etwa Entzündungen, Blutbildveränderungen oder Leberschäden. Um solche Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen, werden während der Einnahme regelmäßig Blut- und Urinwerte kontrolliert. Grundsätzlich ist es wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen, wenn Nebenwirkungen auftreten.

    Wie wirken Biologika?

    Biologika, manchmal auch biologische DMARDs genannt, werden aus lebenden Zellkulturen gewonnen. Sie hemmen zum Beispiel bestimmte Signalstoffe des körpereigenen Abwehrsystems und beeinflussen dadurch die rheumatischen Entzündungsprozesse. Biologika kommen für Menschen infrage, denen eine Behandlung mit klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamenten nicht ausreichend hilft. In der Regel werden die Mittel mit Methotrexat kombiniert. Wer Methotrexat nicht verträgt, kann die Behandlung auch direkt mit einem Biologikum beginnen. Alle bislang zugelassenen Biologika werden gespritzt oder als Infusion gegeben. Man kann sich diese Medikamente auch selbst unter die Haut spritzen.

    Die in Deutschland zugelassenen biologischen krankheitsmodifizierenden Medikamente sind:

    • Abatacept
    • Adalimumab
    • Anakinra
    • Certolizumab pegol
    • Etanercept
    • Golimumab
    • Infliximab
    • Rituximab
    • Tocilizumab

    Biologika können Schmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit lindern und helfen bei Abgeschlagenheit. Auch sie können allerdings verschiedene Nebenwirkungen haben. An den Einstichstellen der Spritze oder Infusion kann es zu Hautausschlag, Juckreiz oder Schmerzen kommen. Infektionen sind ebenfalls möglich. Da die Medikamente noch nicht sehr lange zugelassen sind, ist nicht so viel über ihre langfristige Sicherheit bekannt wie bei den Basistherapeutika.

    Welche Medikamente können die Beschwerden zusätzlich lindern?

    Neben den krankheitsmodifizierenden Medikamenten gibt es eine Reihe von Mitteln, die die Symptome einer rheumatoiden Arthritis lindern können. Diese Medikamente können zusätzlich eingesetzt werden.  

    Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR)

    NSAR sind entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente. Sie können Gelenkschmerzen lindern und Schwellungen verringern. Häufig bei Rheuma eingesetzte NSAR sind Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Zwei weitere, relativ oft eingesetzte Medikamente aus dieser Gruppe sind Celecoxib und Etoricoxib. In ihrer Wirksamkeit unterscheiden sich die NSAR nicht grundsätzlich voneinander. Allerdings wirkt nicht jedes Mittel bei allen Menschen gleich.

    Schmerzmittelbedingten Magengeschwüren vorbeugen

    NSAR können bei langfristiger Einnahme Magengeschwüre verursachen. Ein Magengeschwür macht sich in der Regel durch drückende Schmerzen im Oberbauch bemerkbar, die vor allem nach dem Essen auftreten, wenn der Magen mehr Säure produziert. Manchmal bleibt ein Geschwür aber auch unbemerkt und wird erst festgestellt, wenn es zu ernsthaften Komplikationen wie einer Magenblutung kommt.

    Magengeschwüre oder Blutungen treten bei ungefähr ein bis zwei von 100 Personen auf, die über ein Jahr NSAR nehmen. Dies ist jedoch nur ein Durchschnittswert. Bei jüngeren Menschen ohne Risikofaktoren ist diese Gefahr wesentlich geringer. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, die

    • über 65 Jahre alt sind,
    • bereits ein Magengeschwür hatten,
    • ein bestimmtes Medikament gegen Depressionen nehmen (Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI),
    • Kortison nehmen oder
    • mehrere NSAR anwenden, zum Beispiel auch ASS zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Das Risiko für Komplikationen des Magen-Darm-Trakts lässt sich deutlich senken, wenn NSAR zusammen mit Mitteln zum Schutz der Magenschleimhaut eingenommen werden. Dazu gehören insbesondere Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol und Pantoprazol.

    Celecoxib und Etoricoxib führen wesentlich seltener zu Magengeschwüren als die anderen in Deutschland zugelassenen NSAR. Dies gilt allerdings nur für Menschen, die nicht zusätzlich ASS nehmen.

    NSAR bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nierenschwäche

    Mit Ausnahme von ASS können NSAR das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte erhöhen. Von allen NSAR hat Naproxen das geringste Risiko. Daher wird dieses Mittel empfohlen, wenn außer Rheuma auch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung besteht.

    Für Menschen mit Nierenerkrankungen können NSAR unter Umständen ebenfalls problematisch sein. Wer NSAR in Erwägung zieht, kann mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, welches Mittel sich im Einzelfall eignet.

    Paracetamol

    Das Schmerzmittel Paracetamol hat nur eine schwache entzündungshemmende Wirkung. Es gilt als gut verträglich und kann insbesondere für Menschen eine Alternative sein, für die NSAR nicht infrage kommen. Allerdings kann Paracetamol in höherer Dosierung Leber und Nieren schädigen. Daher sollen Erwachsene laut Beipackzettel nicht mehr als höchstens 4 Gramm (4000 mg) pro Tag einnehmen. Dies entspricht zum Beispiel 8 Tabletten mit je 500 mg Paracetamol. Zudem wird empfohlen, zwischen der Einnahme der Tabletten einen Abstand von mindestens sechs Stunden einzuhalten. Die maximale Tagesdosis wäre also erreicht, wenn jemand über einen Tag verteilt im Abstand von sechs Stunden jeweils zwei Tabletten mit je 500 mg Paracetamol einnimmt.

    Glukokortikoide (Kortison)

    Glukokortikoide wie zum Beispiel Prednisolon (auch Prednison genannt) wirken entzündungshemmend. Sie helfen bei Schmerzen und Gelenkschwellungen. Ihre Wirkung setzt schnell ein und ist stärker als die von NSAR. Glukokortikoide können allerdings auch eine Reihe von ernsthaften Nebenwirkungen haben, wenn sie längerfristig eingenommen werden. Unter anderem können sie dann das Risiko für Knochenbrüche erhöhen und Infektionen auslösen. Um Knochenbrüche zu vermeiden, werden sie mit anderen Mitteln kombiniert, etwa mit Kalzium- oder Vitamin-D-Präparaten.

    Wegen ihrer möglichen Nebenwirkungen werden Glukokortikoide möglichst niedrig dosiert. In höheren Dosierungen werden sie nur kurzfristig über einige Wochen bis Monate angewendet. Sie können zum Beispiel helfen, die Zeit zu überbrücken, bis die Basistherapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten wirkt. Sie können auch zur vorübergehenden Behandlung von Rheumaschüben eingesetzt werden.

    Glukokortikoide werden auch in Kombination mit DMARDs eingesetzt, weil sie deren entzündungshemmende Wirkung möglicherweise verstärken. Die Studien zur Wirkung dieser Kombination sind jedoch nicht eindeutig. Unklar ist zudem, wie lange und in welcher Dosierung eine zusätzliche Behandlung mit Glukokortikoiden sinnvoll ist.

    Glukokortikoide können auch als örtliche Behandlung in einzelne Gelenke gespritzt werden, um stärker entzündete Gelenke gezielt zu behandeln. Das Risiko von Nebenwirkungen, die den gesamten Körper betreffen, ist bei dieser Anwendung geringer. Trotzdem können örtliche Nebenwirkungen auftreten, wie eine Infektion im betroffenen Gelenk. Leider gibt es bislang nur wenige aussagekräftige Studien, in denen die Vor- und Nachteile solcher Spritzen untersucht wurden. Daher lässt sich nicht genau sagen, was Menschen mit Rheuma von ihnen erwarten können.

    Wie werden die Medikamente eingesetzt?

    Welche Medikamente für jemanden infrage kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Zum Beispiel davon, wie der Verlauf der rheumatoiden Arthritis eingeschätzt wird, wie weit sie fortgeschritten ist und ob bestimmte Mittel nicht eingenommen werden können, etwa wegen anderer Erkrankungen.

    In der Regel beginnt die Behandlung als Basistherapie mit Methotrexat. Üblicherweise wird dieses klassische krankheitsmodifizierende Medikament einmal pro Woche in einer Dosierung von 15 mg eingenommen. Da es einige Zeit dauern kann, bis Methotrexat wirkt, werden die Beschwerden anfangs häufig mit dem Glukokortikoid Prednisolon gelindert. Nach einigen Wochen wird kontrolliert, ob die Behandlung hilft und vielleicht die Dosierung angepasst. Dazu werden körperliche Untersuchungen, Bluttests und manchmal auch Röntgenbilder gemacht.

    Wenn sich bei einer erneuten Kontrolle herausstellt, dass die Gelenke noch immer stark entzündet sind, kann Methotrexat mit einem anderen klassischen krankheitsmodifizierenden Medikament kombiniert werden. Zeigt sich nach einigen Monaten, dass auch dies nicht ausreicht, kommt eine Behandlung mit Methotrexat und einem Medikament aus der Gruppe der Biologika infrage. Auch das Biologikum kann gewechselt werden, wenn es sich als unwirksam erweist. Falls die Methotrexat-Therapie nicht fortgesetzt werden kann, weil das Mittel nicht vertragen wird, lässt sich die Behandlung auch mit einem Biologikum allein fortsetzen.

    Die langfristige Behandlung mit einem krankheitsmodifizierenden Medikament soll Gelenkschäden möglichst verhindern oder lange hinauszögern. Manche Menschen müssen irgendwann das Mittel wechseln, weil sie es nicht gut vertragen oder weil es nicht mehr ausreichend wirkt. Einigen Menschen helfen krankheitsmodifizierende Medikamente aber auch nicht spürbar, sodass sie die Therapie mit diesen Mitteln beenden.

    NSAR, Paracetamol und Glukokortikoide werden vor allem eingesetzt, um akute Beschwerden wie Schmerzen zu lindern. Oft werden sie nur vorübergehend angewendet, zum Beispiel bei akuten Schüben. Wenn jemand die Erkrankung durch krankheitsmodifizierende Medikamente gut im Griff hat, wird die Behandlung mit symptomlindernden Medikamenten meist soweit wie möglich reduziert.

    Umgang mit Medikamenten

    Viele Menschen haben Angst, dass eine langfristige Medikamenteneinnahme dem Körper schaden könnte. Sie fürchten etwa, dass die Medikamente sich im Körper ansammeln oder abhängig machen könnten. Für solche Befürchtungen gibt es medizinisch jedoch keinen Grund. Der Körper verfügt über Mechanismen, um Medikamente abzubauen. Zudem machen die Mittel, die bei Rheuma eingesetzt werden, nicht abhängig.

    Nicht alle Menschen vertragen die Medikamente gleich gut. Ernsthafte Nebenwirkungen lassen sich nicht immer ausschließen, auch wenn das Risiko hierfür sehr gering ist. Viele Menschen akzeptieren dies, weil sie merken, dass ihnen die Behandlung hilft und sie im Alltag mit der Erkrankung besser zurechtkommen. Das zeigt sich auch in Studien zu krankheitsmodifizierenden Medikamenten: Menschen, die diese Mittel nehmen, setzen die Behandlung häufiger fort als Menschen, die ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff anwenden.

    Quellen

    Coxib and traditional NSAID Trialists' (CNT) Collaboration, Bhala N, Emberson J, Merhi A, Abramson S, Arber N, Baron JA et al. Vascular and upper gastrointestinal effects of non-steroidal anti-inflammatory drugs: meta-analyses of individual participant data from randomised trials. Lancet 2013; 382(9894): 769-779.

    Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh). Management der frühen rheumatoiden Arthritis. 08.2011. (AWMF-Leitlinien; Band 060 - 002).

    Gotzsche PC. NSAIDs. BMJ Clin Evid 2010.

    Hazlewood G, van der Heijde DM, Bombardier C. Paracetamol for the management of pain in inflammatory arthritis: a systematic literature review. J Rheumatol Suppl 2012; 90: 11-16.

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    McGettigan P, Henry D. Cardiovascular risk with non-steroidal anti-inflammatory drugs: systematic review of population-based controlled observational studies. PLoS Med 2011; 8(9): e1001098.

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    Rostom A, Dube C, Wells G, Tugwell P, Welch V, Jolicoeur E et al. Prevention of NSAID-induced gastroduodenal ulcers. Cochrane Database Syst Rev 2002; (4): CD002296.

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Hilfsmittel für Menschen mit rheumatoider Arthritis

    Von Gehhilfen über Anziehhilfen bis hin zu speziellem Besteck: Für Menschen mit Rheuma gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die das tägliche Leben erleichtern können. In vielen Fällen können die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Sie können anschwellen, schmerzen und mit der Zeit Fehlstellungen entwickeln oder versteifen. Mit der Zeit lässt dadurch auch die Muskelkraft nach. Dies äußert sich zum Beispiel dadurch, dass die Finger schwächer werden und sich die Faust nicht mehr richtig schließen lässt. Dann ist es unter Umständen nicht mehr möglich, Gegenstände in der Hand zu halten. Die entzündeten Gelenke können sich zudem allmählich verformen, was die Beweglichkeit weiter einschränkt oder sogar unmöglich macht. Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran. Selbst einfache Tätigkeiten wie das Anziehen oder Essen und Trinken können beschwerlich werden.

    Um das Leben mit Rheuma zu erleichtern, wurde eine ganze Reihe von Hilfsmitteln entwickelt. Sie sollen körperliche Einschränkungen ausgleichen und bei alltäglichen Verrichtungen helfen. Ergotherapeutinnen und -therapeuten beraten zu verschiedenen Hilfsmitteln und helfen auch dabei, den Umgang mit ihnen zu erlernen. Auch Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie kennen sich mit Hilfsmitteln aus. Reha-Kliniken geben ebenfalls Informationen zu Hilfsmitteln. Dort kann man sie auch ausleihen und ausprobieren, denn nicht jedes Hilfsmittel eignet sich für jeden Menschen mit Rheuma gleich gut.

    Von Gehhilfen über Anziehhilfen bis hin zu speziellem Besteck: Für Menschen mit Rheuma gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die das tägliche Leben erleichtern können. In vielen Fällen können die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Sie können anschwellen, schmerzen und mit der Zeit Fehlstellungen entwickeln oder versteifen. Mit der Zeit lässt dadurch auch die Muskelkraft nach. Dies äußert sich zum Beispiel dadurch, dass die Finger schwächer werden und sich die Faust nicht mehr richtig schließen lässt. Dann ist es unter Umständen nicht mehr möglich, Gegenstände in der Hand zu halten. Die entzündeten Gelenke können sich zudem allmählich verformen, was die Beweglichkeit weiter einschränkt oder sogar unmöglich macht. Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran. Selbst einfache Tätigkeiten wie das Anziehen oder Essen und Trinken können beschwerlich werden.

    Um das Leben mit Rheuma zu erleichtern, wurde eine ganze Reihe von Hilfsmitteln entwickelt. Sie sollen körperliche Einschränkungen ausgleichen und bei alltäglichen Verrichtungen helfen. Ergotherapeutinnen und -therapeuten beraten zu verschiedenen Hilfsmitteln und helfen auch dabei, den Umgang mit ihnen zu erlernen. Auch Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie kennen sich mit Hilfsmitteln aus. Reha-Kliniken geben ebenfalls Informationen zu Hilfsmitteln. Dort kann man sie auch ausleihen und ausprobieren, denn nicht jedes Hilfsmittel eignet sich für jeden Menschen mit Rheuma gleich gut.

    Welche Hilfsmittel gibt es?

    Hilfsmittel haben ganz verschiedene Aufgaben und können bei unterschiedlichen Tätigkeiten eingesetzt werden:

    • Gehen und Stehen: Orthopädische Hilfsmittel wie Schuheinlagen und spezielle orthopädische Schuhe sollen die Fußstellung im Schuh verändern und dadurch die Fußgelenke entlasten. Gehhilfen wie gut zu greifende Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren können die Fortbewegung in und außerhalb der Wohnung erleichtern.
    • Essen und Trinken: Messer, Gabeln und Löffel mit besonders großen Griffen aus Gummi oder Schaumstoff, lassen sich leichter greifen und festhalten. Abgewinkelte Messer können das Schneiden erleichtern, speziell geformte Dosen- und Flaschenöffner das Öffnen. Es werden auch spezielle Trinkgefäße sowie Halter für Becher und Gläser angeboten.
    • Anziehen: Verschiedene Arten von Anziehhilfen sollen dabei helfen, Socken, Strümpfe und Hosen anzuziehen. Es gibt auch Knöpfhilfen und an der Wand zu montierende Gestelle, um Oberteile leichter anziehen zu können.
    • Körperpflege: Duschhocker oder Badewannenlifter können die Körperpflege vereinfachen. Für Menschen mit Bewegungseinschränkungen gibt es auch Kämme, Bürsten und Badeschwämme mit langen Griffen.
    • Arbeiten: Ein Keilkissen für den Schreibtischstuhl soll die Wirbelsäule entlasten. Auch spezielle Tastaturen und Schreibhilfen sollen Menschen mit Bewegungseinschränkungen die Büroarbeit erleichtern.

    Griffaufsätze und -verlängerungen gibt es für viele verschiedene Dinge, etwa für Besteck, Schlüssel, Türklinken, Kugelschreiber und Wasserhähne. Sie werden auf Gegenstände gesteckt, um das Greifen, Halten oder Bedienen zu erleichtern. Außerdem sind spezielle Greifhilfen erhältlich. Rutschfeste Unterlagen verhindern zum Beispiel das Wegrutschen von Tellern oder Schneidbrettern in der Küche, Matten das Ausrutschen in Küche und Bad. 

    Wer übernimmt die Kosten für Hilfsmittel?

    Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kann die Kosten für Hilfsmittel bis auf einen begrenzten Eigenanteil übernehmen. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist, dass das Hilfsmittel von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet und von der Krankenkasse genehmigt wurde. Die Krankenkasse prüft zum Beispiel, ob das Hilfsmittel geeignet ist, eine Beeinträchtigung auszugleichen. Genehmigte Hilfsmittel kann man in der Regel über Sanitätshäuser und Apotheken beziehen, die einen Hilfsmittel-Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse haben. Über Bezugsadressen informiert die Krankenkasse.

    Das GKV-Hilfsmittelverzeichnis kann einen ersten Überblick liefern. Es enthält Hilfsmittel, die grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden können. Auf der Internetseite des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen lässt sich das Hilfsmittelverzeichnis durchsuchen.

    Wenn jemand pflegebedürftig ist und in eine Pflegestufe eingestuft wurde, kann auch die Pflegeversicherung die Kosten für Hilfsmittel übernehmen. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein Hilfsmittel dazu dient, die Sicherheit in der Wohnung oder im Wohnumfeld zu verbessern, wie zum Beispiel die Montage von Handläufen im Flur. Der Einbau eines Treppenlifts kann einen Umzug vermeiden helfen.

    Hilfsmittel, die die Teilhabe am Arbeitsleben erhalten sollen, können unter anderem von der Rentenversicherung bezahlt werden – etwa eine spezielle Computer-Tastatur. Auch für solche Hilfsmittel muss ein Antrag gestellt werden, zum Beispiel über eine Reha-Servicestelle. Eine Liste dieser Servicestellen stellt die Deutsche Rentenversicherung bereit.

    Unter bestimmten Voraussetzungen können auch andere Träger wie das Sozialamt oder die Unfallversicherung die Kosten für Hilfsmittel übernehmen.

    Ärztinnen und Ärzte, Kranken- und Pflegekassen beraten und informieren darüber, welcher Kostenträger im Einzelfall zuständig ist.

     

    Quellen

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Bewegung und Sport bei rheumatoider Arthritis

    Viele Menschen mit Rheuma vermeiden Bewegung, weil sie befürchten, ihren Gelenken zu schaden oder ihre Beschwerden zu verstärken. Es gibt aber durchaus Sportarten, die trotz Rheuma ausgeübt werden können – und gute Gründe, körperlich aktiv zu bleiben: Bewegung und Sport verbessern Fitness und Beweglichkeit, außerdem helfen sie gegen rheumabedingte Erschöpfung.

    Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. Sie führt zu Gelenkschmerzen und -schwellungen, Einschränkungen der Beweglichkeit und Kraftlosigkeit. Allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit und Erschöpfung können hinzukommen. Oft sind zunächst die Finger, Handgelenke und Füße betroffen, manchmal aber auch große Gelenke wie die Knie, Hüften oder Schultern.

    Gelenkschäden sind bei Rheuma ein zentrales Problem, Eine häufige Befürchtung ist deshalb, dass viel Bewegung – oder die falsche Art von Bewegung – Krankheitsschübe auslösen, die Erschöpfung verstärken oder die Gelenke noch mehr schädigen könnte. Außerdem können Schmerzen und Erschöpfung sportliche Aktivitäten erschweren. Es gibt aber eine ganze Reihe von Übungen, die auch für Menschen mit Rheuma infrage kommen. Dazu gehören insbesondere:

    • Kräftigungsübungen: Zum Beispiel Übungen mit leichten Gewichten zur Stärkung von Beinen, Armen und Rücken.
    • Ausdauertraining: Sportarten zur Stärkung von Herz und Lunge wie Walking, Radfahren, Schwimmen und Tanzen.
    • Gymnastik und Wassergymnastik
    • Tai Chi (Schattenboxen): Ursprünglich eine chinesische Kampfkunst, deren Übungen aus langsamen, fließenden Bewegungen bestehen.
    • Yoga: Körper- und Atemübungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination sowie zur Entspannung.

    Grundsätzlich kommen für Menschen mit Rheuma alle Aktivitäten infrage, die die Gelenke nicht übermäßig belasten. Welche Übungen im Einzelfall geeignet sind, lässt sich am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt klären. Wer eine Ergotherapie oder Physiotherapie macht, kann auch hier besprechen, welche Übungen über die Therapie hinaus geeignet sind. Wichtig ist, die Gelenke bei akuten Krankheitsschüben oder nach einer Operation zunächst zu schonen und die Belastung langsam zu steigern.

    Viele Menschen mit Rheuma vermeiden Bewegung, weil sie befürchten, ihren Gelenken zu schaden oder ihre Beschwerden zu verstärken. Es gibt aber durchaus Sportarten, die trotz Rheuma ausgeübt werden können – und gute Gründe, körperlich aktiv zu bleiben: Bewegung und Sport verbessern Fitness und Beweglichkeit, außerdem helfen sie gegen rheumabedingte Erschöpfung.

    Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. Sie führt zu Gelenkschmerzen und -schwellungen, Einschränkungen der Beweglichkeit und Kraftlosigkeit. Allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit und Erschöpfung können hinzukommen. Oft sind zunächst die Finger, Handgelenke und Füße betroffen, manchmal aber auch große Gelenke wie die Knie, Hüften oder Schultern.

    Gelenkschäden sind bei Rheuma ein zentrales Problem, Eine häufige Befürchtung ist deshalb, dass viel Bewegung – oder die falsche Art von Bewegung – Krankheitsschübe auslösen, die Erschöpfung verstärken oder die Gelenke noch mehr schädigen könnte. Außerdem können Schmerzen und Erschöpfung sportliche Aktivitäten erschweren. Es gibt aber eine ganze Reihe von Übungen, die auch für Menschen mit Rheuma infrage kommen. Dazu gehören insbesondere:

    • Kräftigungsübungen: Zum Beispiel Übungen mit leichten Gewichten zur Stärkung von Beinen, Armen und Rücken.
    • Ausdauertraining: Sportarten zur Stärkung von Herz und Lunge wie Walking, Radfahren, Schwimmen und Tanzen.
    • Gymnastik und Wassergymnastik
    • Tai Chi (Schattenboxen): Ursprünglich eine chinesische Kampfkunst, deren Übungen aus langsamen, fließenden Bewegungen bestehen.
    • Yoga: Körper- und Atemübungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination sowie zur Entspannung.

    Grundsätzlich kommen für Menschen mit Rheuma alle Aktivitäten infrage, die die Gelenke nicht übermäßig belasten. Welche Übungen im Einzelfall geeignet sind, lässt sich am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt klären. Wer eine Ergotherapie oder Physiotherapie macht, kann auch hier besprechen, welche Übungen über die Therapie hinaus geeignet sind. Wichtig ist, die Gelenke bei akuten Krankheitsschüben oder nach einer Operation zunächst zu schonen und die Belastung langsam zu steigern.

    Was zeigt die Forschung zur Wirkung von Bewegung bei Rheuma?

    Körperliche Aktivität hat insgesamt günstige Wirkungen – zum Beispiel kann sie die Fitness, Kraft und allgemeine Beweglichkeit verbessern. Eine zusammenfassende Auswertung von Studien zeigt außerdem, dass körperliche Aktivität rheumabedingte Erschöpfung lindern kann.

    Kräftigungsübungen

    Eine Reihe von Studien hat die Wirkung von Kräftigungsübungen untersucht, insbesondere zur Stärkung der Arm- und Beinmuskulatur. Dabei trainierten die Teilnehmenden zwei- bis dreimal pro Woche 30 bis 60 Minuten mit leichten Gewichten oder Geräten. Das Training konnte ihre Kraft verbessern und die Beeinträchtigung durch Rheuma etwas verringern. Dadurch fielen ihnen alltägliche Aktivitäten wie etwa Ankleiden, Waschen oder das Hantieren mit Besteck und Geschirr beim Essen leichter. Auf ihre Schmerzen hatte das Training jedoch keinen Einfluss.

    Ausdauertraining

    Andere Studien untersuchten die Wirkung von Ausdauertraining bei Rheuma. Auch hier fand das Training in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche statt und dauerte meist zwischen 45 und 60 Minuten. Es wurden verschiedene Arten von Ausdauersport erprobt, zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen, oft in Kombination mit anderen Übungen. Dabei handelte es sich um moderates Ausdauertraining, das den Puls nicht zu stark beschleunigen sollte. Auch das Ausdauertraining zeigte günstige Wirkungen: Es verbesserte die Lebensqualität, konnte offenbar auch Einschränkungen im alltäglichen Leben verringern sowie Schmerzen etwas lindern.

    Wassergymnastik

    Menschen mit Gelenkerkrankungen wird häufig Wassergymnastik empfohlen, da bei Übungen im Wasser kaum Druck auf den Gelenken lastet. Die Wirkung von Wassergymnastik wurde in einigen Studien untersucht. Die Forschungsergebnisse reichen aber bislang nicht aus, um zu beurteilen, ob Wassergymnastik rheumatische Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern kann. Die Teilnehmenden einiger Studien berichteten aber, dass ihnen die Übungen gutgetan hätten.

    Tai Chi und Yoga

    Die Wirkungen von Tai Chi und Yoga auf Rheuma-Beschwerden sind weniger gut untersucht als die von Ausdauertraining und Kräftigungsübungen. Daher lässt sich ihre Wirkung wissenschaftlich bislang noch nicht beurteilen.

    Bei der Wahl einer Sportart spielen die eigenen Vorlieben eine wichtige Rolle. Denn um etwas bewirken zu können, muss man regelmäßig trainieren. Bewegung zu einem festen Bestandteil des Alltags zu machen, gelingt viel leichter, wenn die Sportart Freude macht und man sich danach wohl fühlt. Wenn es schwerfällt, allein zu Hause zu üben, hilft es vielleicht, sich einer Sportgruppe anzuschließen.

    Bringt Sport für Menschen mit Rheuma Risiken mit sich?

    In den Studien kam es nur selten vor, dass ein Training zu Gelenkschäden führte. Bei Rheuma im Frühstadium oder bei nur langsam fortschreitender Erkrankung ist es insgesamt eher unwahrscheinlich, dass körperliche Aktivität die Gelenke schädigt. Nur in einer Studie zeigten sich bei einigen Teilnehmenden, die trainierten, mehr Gelenkschäden. An dieser Studie hatten aber vor allem Menschen teilgenommen, bei denen große Gelenke wie etwa die Schulter bereits zu Studienbeginn stark geschädigt waren. Da die Studien längstens zwei Jahre dauerten, sind längerfristige Auswirkungen der untersuchten Sportarten schwer einzuschätzen.

    Nur an wenigen Studien nahmen Menschen mit einer stark fortgeschrittenen Erkrankung teil. Daher lässt sich nicht sicher sagen, welche Bewegungsart für sie am besten geeignet ist. Sportarten wie Tennis oder Joggen, bei denen die Gelenke verdreht werden oder viele Stöße abbekommen, sind besonders belastend. Wassergymnastik und Schwimmen hingegen gelten als besonders gelenkschonend, da im Wasser kaum Gewicht auf den Gelenken lastet.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Leben und Umgang mit Erschöpfung (Fatigue)

    Bei einer rheumatoiden Arthritis (umgangssprachlich auch „Rheuma“) sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Die Entzündungsprozesse im Körper können zu einem allgemeinen Schwächegefühl, zu Abgeschlagenheit und Erschöpfung führen. Diese tiefgehende Müdigkeit wird „Fatigue“ genannt. Für manche Menschen ist sie die größte Belastung, die mit der Krankheit einhergeht.

    Typische rheumatische Beschwerden sind Gelenkschmerzen und -schwellungen, später Gelenkversteifung und Kraftlosigkeit. Unbestimmte Beschwerden wie Abgeschlagenheit treten oft schon früher auf. Eine rheumatoide Arthritis kann sich aber sehr unterschiedlich äußern und verlaufen. Zudem gehen Menschen ganz verschieden mit Erkrankungen um. So sehr sich das Erleben der Beschwerden und der Umgang mit der Erkrankung aber unterscheiden, gibt es doch Erfahrungen, die viele Menschen mit rheumatoider Arthritis teilen.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis (umgangssprachlich auch „Rheuma“) sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Die Entzündungsprozesse im Körper können zu einem allgemeinen Schwächegefühl, zu Abgeschlagenheit und Erschöpfung führen. Diese tiefgehende Müdigkeit wird „Fatigue“ genannt. Für manche Menschen ist sie die größte Belastung, die mit der Krankheit einhergeht.

    Typische rheumatische Beschwerden sind Gelenkschmerzen und -schwellungen, später Gelenkversteifung und Kraftlosigkeit. Unbestimmte Beschwerden wie Abgeschlagenheit treten oft schon früher auf. Eine rheumatoide Arthritis kann sich aber sehr unterschiedlich äußern und verlaufen. Zudem gehen Menschen ganz verschieden mit Erkrankungen um. So sehr sich das Erleben der Beschwerden und der Umgang mit der Erkrankung aber unterscheiden, gibt es doch Erfahrungen, die viele Menschen mit rheumatoider Arthritis teilen.

    Wie kann Fatigue das Leben verändern?

    Fatigue ist etwas anderes als normale Müdigkeit. Betroffene beschreiben sie als überwältigend und unkontrollierbar. Sie fühlen sich ausgezehrt und energielos, manchmal sogar apathisch. Die Erschöpfung kann auch in Schüben auftreten und zu einigen Zeiten weniger, zu anderen besonders belastend sein. Eine Fatigue kann das Schlafbedürfnis erhöhen, zu Konzentrationsproblemen und Antriebsschwäche führen. Sich dauernd erschöpft zu fühlen und nicht mehr so aktiv leben zu können wie zuvor, kann außerdem auf das Gemüt schlagen: Viele Betroffene fühlen sich auch niedergeschlagen, reizbar oder ängstlich. Für andere ist das manchmal schwer nachvollziehbar.

    Die Stärke der Beschwerden kann bei Rheuma stark schwanken. Viele Menschen empfinden diese Unsicherheit als zusätzliche Belastung: Nicht zu wissen, wie sie sich am nächsten Tag fühlen werden, ob es ihnen besser oder schlechter geht, macht es schwierig, das Leben zu planen. Menschen mit Rheuma haben daher manchmal das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Wenn die Erschöpfung zu groß wird, kann auch für einfache Alltagstätigkeiten oder zum Spielen mit Kindern oder Enkeln die Energie fehlen. Termine müssen abgesagt, liebgewonnene Aktivitäten manchmal aufgegeben werden.

    Diese Krankheitsfolgen können auch das Selbstbild und die Rolle in Partnerschaft, Familie und Beruf verändern. Für viele Menschen ist gegenseitiges Geben und Nehmen ein wichtiger Teil familiärer Beziehungen und Freundschaften. Die Krankheit kann es jedoch erschweren, sich wie gewohnt um andere zu kümmern – und dazu führen, dass man selbst zunehmend auf Hilfe angewiesen ist. Eine Fatigue kann auch die Partnerschaft belasten, weil es schwieriger wird, gemeinsame Pläne umzusetzen. Mit der Erschöpfung kann zudem die Lust auf Sex abnehmen.

    Auch bei der Arbeit kann es schwer sein, damit zurechtzukommen, dass man nicht mehr so belastbar ist wie zuvor. Dies kann zum Beispiel mehr Pausen oder eine neue Aufgabenteilung erforderlich machen und zu Konflikten führen.

    Wie gehen Menschen mit der Erschöpfung um?

    Viele Menschen lernen mit der Zeit, ihre Energie besser einzuteilen und die Veränderungen zu akzeptieren, die mit der Erkrankung einhergehen. Sie nehmen die Zeichen ihres Körpers stärker wahr und passen ihre Aktivitäten an – je nachdem, ob die Beschwerden gerade besonders belastend sind oder nicht. Denn neben Phasen, in denen die Krankheit im Vordergrund steht, gibt es meist auch Zeiten, in denen ein weitgehend normales Leben möglich ist. Vielen Menschen hilft es, die Erkrankung als Teil ihres Lebens zu betrachten und sich neue Ziele zu setzen, die sie trotz Krankheit erreichen können. Manche Menschen berichten auch, dass sie durch die Erkrankung gelernt haben, bewusster zu leben.

    Menschen mit Rheuma haben in Interviews von verschiedenen praktischen Maßnahmen berichtet, die ihnen helfen, mit der Fatigue zurechtzukommen:

    • Lernen, auch mal nein zu sagen. Sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Die eigenen Ziele überdenken und anpassen.
    • Aktivitäten gut planen, sich Zeit lassen, Anstrengendes über die Woche verteilen.
    • Pausen einlegen, bevor die Erschöpfung zu groß wird.
    • Früh ins Bett gehen, einen Mittagsschlaf machen, Entspannungstechniken erlernen.
    • Nicht zu den Stoßzeiten unterwegs sein, ob zum Einkaufen oder auf Reisen.
    • Mit anderen Menschen über die Erkrankung sprechen, damit sie ihre Auswirkungen besser verstehen können.
    • Sich mit anderen Betroffenen austauschen, um aus ihren Erfahrungen zu lernen.

    Hilft körperliche Aktivität gegen Fatigue?

    Manche Menschen mit Fatigue versuchen, ihre Ausdauer durch leichtes körperliches Training zu verbessern und dadurch die Müdigkeit zu überwinden. Dabei kommen verschiedene Aktivitäten infrage, zum Beispiel Gymnastik, Kräftigungsübungen, Yoga, Tai Chi, zügiges Gehen, Radfahren, Wassergymnastik oder Schwimmen. Dies kann auch im Rahmen einer Bewegungstherapie geschehen.

    Eine zusammenfassende Auswertung von Studien zu verschiedenen Bewegungsarten zeigt, dass körperliche Aktivität bei Fatigue helfen kann: Etwa 15 von 100 Menschen fühlten sich durch das Training weniger erschöpft. Welche Form der Bewegung sich am besten eignet, ist jedoch bislang unklar.

    Welche Behandlungen können bei Fatigue helfen?

    Manchmal bleibt die Fatigue trotz Anpassungen im Alltag, körperlichem Training und Unterstützung durch andere eine große Belastung. Dann kann professionelle Unterstützung infrage kommen, etwa im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung oder einer Ergotherapie. Für Menschen, die aufgrund von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma mit Fatigue zu tun haben, wurden spezielle Programme entwickelt. Sie sollen zum Beispiel helfen, Aktivitäten zu planen und die eigenen Kräfte vorausschauend einzuteilen.

    Auch im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) kann man Strategien erlernen, die beim Umgang mit Fatigue helfen. Dabei geht es unter anderem darum, Gedanken, Überzeugungen und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern, die einem das Leben mit der Erkrankung erschweren.

    Studien zu nichtmedikamentösen Behandlungen zeigen, dass solche Methoden aus der Ergotherapie und Psychotherapie bei Erschöpfung helfen können.

    Quellen

    Cramp F, Hewlett S, Almeida C, Kirwan JR, Choy EH, Chalder T et al. Non-pharmacological interventions for fatigue in rheumatoid arthritis. Cochrane Database Syst Rev 2013; (8): CD008322.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Leben und Alltag mit rheumatoider Arthritis

    Eine rheumatoide Arthritis (umgangssprachlich „Rheuma“) kann zu Gelenkschmerzen und -schwellungen, Einschränkungen der Beweglichkeit und Kraftlosigkeit führen. Allgemeine Schwäche, Schlafstörungen und Erschöpfung kommen oft hinzu. All diese Beschwerden können das Alltagsleben und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen.

    Mit Rheuma zu leben ist auch deshalb nicht immer einfach, weil die Symptome oft unberechenbar sind: Ob die Beschwerden morgen stärker oder schwächer sein werden, ist kaum einzuschätzen. Ein schlechter Tag mit Rheuma kann sehr belastend sein und manche Menschen haben dann das Gefühl, in ein tiefes Loch zu fallen. Hinzu kommen oft Sorgen um die Zukunft, denn es lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie sich die Erkrankung bei einem Menschen entwickeln wird. Verschiedene Behandlungen können das Fortschreiten der Erkrankung aber aufhalten oder verlangsamen.

    Eine rheumatoide Arthritis (umgangssprachlich „Rheuma“) kann zu Gelenkschmerzen und -schwellungen, Einschränkungen der Beweglichkeit und Kraftlosigkeit führen. Allgemeine Schwäche, Schlafstörungen und Erschöpfung kommen oft hinzu. All diese Beschwerden können das Alltagsleben und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen.

    Mit Rheuma zu leben ist auch deshalb nicht immer einfach, weil die Symptome oft unberechenbar sind: Ob die Beschwerden morgen stärker oder schwächer sein werden, ist kaum einzuschätzen. Ein schlechter Tag mit Rheuma kann sehr belastend sein und manche Menschen haben dann das Gefühl, in ein tiefes Loch zu fallen. Hinzu kommen oft Sorgen um die Zukunft, denn es lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie sich die Erkrankung bei einem Menschen entwickeln wird. Verschiedene Behandlungen können das Fortschreiten der Erkrankung aber aufhalten oder verlangsamen.

    Wie kann Rheuma den Alltag verändern?

    Viele Menschen mit Rheuma haben morgens steife Gelenke und Schmerzen, sodass es ihnen schwer fällt, aufzustehen und den Tag zu beginnen. Alltägliche Aufgaben wie Kochen, Waschen, Putzen, aber auch Gartenarbeit oder Freizeitaktivitäten können mit der Zeit immer mehr zu einer Herausforderung werden. Verschiedene Hilfsmittel können solche Tätigkeiten erleichtern. Zudem entwickeln viele Menschen mit der Zeit Strategien, um mit Alltagstätigkeiten besser zurechtzukommen. Ein Beispiel: Wer Wäsche wäscht, muss nicht unbedingt die ganze Waschmaschinenladung auf einmal aufhängen. Man kann auch mit einem Teil der feuchten, schweren Wäsche beginnen und den Rest später erledigen.

    Die meisten Menschen mit Rheuma möchten ihren Alltag trotz Erkrankung meistern. Die Unterstützung von Familienangehörigen und Freunden ist hierfür besonders wichtig. Wichtig ist auch, dass sie Verständnis für die Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen haben.

    Wie kann sich Rheuma auf das Arbeitsleben auswirken?

    Auch abgesehen von der Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen, ist Arbeit für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebens. Eine einigermaßen zufriedenstellende Arbeitssituation vorausgesetzt, wird die eigene Berufstätigkeit in der Regel als sinnstiftend, anregend und für das Selbstwertgefühl bedeutsam empfunden. Neben finanzieller Unabhängigkeit ist oft auch das soziale Umfeld bei der Arbeit sehr wichtig.

    Ihrer Arbeit nachzugehen, kann erkrankte Menschen aber auch von Beschwerden ablenken und ihnen das Gefühl geben, dass sich nicht alles in ihrem Leben um die Krankheit dreht. Manche Menschen mit Rheuma berichten sogar, dass der Beruf seit ihrer Erkrankung für sie wichtiger geworden ist und sie lieber Einschränkungen in der Freizeit in Kauf nehmen, als den Job aufzugeben.

    Wenn die Erkrankung die Arbeit beeinträchtigt, kann es hilfreich sein, mit Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen offen darüber zu sprechen. Der Arbeitgeber kann unter Umständen Unterstützung bieten, beispielsweise bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes, der Anpassung von Pausenzeiten oder zeitlichen Vorgaben für bestimmte Aufgaben. Wenn es notwendig ist, den Arbeitsplatz umzugestalten, beteiligt sich unter Umständen die Rentenversicherung an den Kosten.

    Menschen, die aufgrund ihrer rheumatoiden Arthritis stark eingeschränkt sind, können einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Ab einem bestimmten Grad der Behinderung ist ein Schwerbehindertenausweis mit besonderen Rechten verbunden. So haben schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Beispiel einen besonderen Kündigungsschutz und Anspruch auf Zusatzurlaub. Dies soll Nachteile durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgleichen.

    Kann ich trotz Rheuma weiter Auto fahren?

    Für viele Menschen mit Rheuma bleibt das Autofahren wichtig. Es gibt ihnen das Gefühl, weiterhin unabhängig und mobil zu sein. Zudem ermöglicht es die Teilhabe am sozialen Leben – vor allem, wenn jemand auf dem Land wohnt.

    Viele Menschen können auch mit Rheuma noch Auto fahren. Mit der Zeit kann es jedoch sein, dass die Beschwerden das Fahren zunehmend erschweren. Schnell über die Schulter zu blicken, das Fahrzeug sicher zu steuern, zu schalten oder schnell auf eine brenzlige Verkehrssituation zu reagieren – all das kann Probleme bereiten. Dann können vielleicht spezielle Fahrzeugumbauten helfen, etwa zusätzliche Spiegel für Menschen, die ihren Kopf nicht mehr so gut drehen können. Auch ein Auto mit Automatikschaltung lässt sich leichter fahren. Außerdem sollte der Einstieg nicht zu niedrig sein. Unter Umständen ist auch der behindertengerechte Umbau des Fahrzeugs eine Möglichkeit.

    Viele Menschen mit Rheuma verändern ihre Fahrgewohnheiten. Sie achten darauf, dass sie nicht gerade zur Hauptverkehrszeit unterwegs sind und fahren nicht, wenn sie einen „schlechten Tag“ haben. Für Menschen mit schwerer Gehbehinderung kann es eine Erleichterung sein, sich einen Schwerbehindertenausweis mit dem Hinweis „außergewöhnliche Gehbehinderung“ zu besorgen: Er erlaubt das Parken auf speziell ausgewiesenen Parkplätzen.

    Sind die Einschränkungen durch das Rheuma zu stark geworden, um ein Auto sicher steuern zu können, kann es nötig werden, das Fahren aufzugeben. Um diese persönliche Entscheidung verantwortlich treffen zu können, ist es wichtig, sich über die körperlichen Einschränkungen klar zu werden und ehrlich mit sich selbst zu sein. Wenn sicheres Fahren nicht mehr möglich ist, gefährdet man nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

    Wer unsicher ist, ob er noch gut genug fährt, kann dies mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen. Man kann sich auch beim Straßenverkehrsamt beraten und die Fahrtauglichkeit prüfen lassen. Die Kosten übernimmt möglicherweise die Krankenkasse.

    Was bedeutet Rheuma für das Selbstbild?

    An rheumatoider Arthritis erkranken relativ oft junge Frauen. Die Einschränkungen durch rheumatische Beschwerden können gerade in einem Lebensabschnitt, in dem die meisten anderen Menschen bei guter Gesundheit sind, sehr belastend sein.

    Manche Mütter haben Angst, dass sie ihren Kindern oder ihrem Partner nicht mehr gerecht werden können. Junge Frauen mit Rheuma fragen sich häufig, ob sie überhaupt Kinder bekommen sollen. Rheuma schließt eine Schwangerschaft nicht aus. Zu bedenken ist aber, dass vor und während einer Schwangerschaft nicht alle Medikamente eingenommen werden können. Wenn eine Frau schwanger werden möchte, ist es sinnvoll, dies möglichst in einer beschwerdearmen Zeit zu tun. Es kann auch hilfreich sein, sich frühzeitig in einer rheumatologischen und frauenärztlichen Praxis beraten zu lassen. Auch Männer, die Vater werden möchten, müssen eine Zeitlang bestimmte Rheuma-Medikamente vermeiden.

    Vielen Frauen sind ihr Aussehen und ihre Attraktivität wichtig. Vor allem die Auswahl von Schuhen kann ein Problem sein: Viele modische Schuhe kommen nicht infrage, da sie nicht passen oder sich nicht zum Tragen von Einlagen eignen. Wenn die Füße rheumatisch verändert sind, können unter Umständen auch orthopädische Schuhe notwendig werden. Manche Frauen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich Schuhe kaufen, die ihnen gefallen, in die aber keine Schuheinlagen passen und die für die veränderten Füße eigentlich nicht gut sind. Einige Frauen meiden auch bestimmte Kleidungsstücke wie Röcke, weil sie befürchten, dass sie ihre Erkrankung sichtbar machen – etwa wenn die Kniegelenke oder Füße betroffen sind. Sind die Hände betroffen, ist auch ihr Aussehen einigen Frauen unangenehm. Solche Einschränkungen können dazu führen, dass eine Frau sich weniger anziehend und weiblich fühlt.

    Schmerzen und der Verlust von Kraft können auch bei Männern das Selbstbild verändern. Schwäche zu zeigen und Hilfe anzunehmen, fällt ihnen oft besonders schwer. Manche haben Angst um ihren Status, wenn sie ihren Beruf aufgeben oder wechseln müssen. Nicht wenige Männer versuchen die Krankheit möglichst auszublenden, weil sie nicht in ihr Selbstbild passt. Sie wollen die Kontrolle behalten und so gut es geht weiter ihr gewohntes Leben führen. Dies kann jedoch körperlich und emotional belastend sein. Manchmal führt dieses Verhalten auch zu depressiven Gedanken, Frust und Aggressionen.

    Solche Gefühle müssen jedoch nicht das ganze Leben bestimmen. Vielen Menschen gelingt es, ihre persönlichen Ziele anzupassen oder sich neue Ziele zu setzen, die sie auch mit der Erkrankung erreichen können. Wie bei vielen chronischen Erkrankungen gibt es bessere und weniger gute Phasen. In manchen steht die Erkrankung im Vordergrund – in anderen tritt sie hinter andere Lebensbereiche zurück. Menschen, die durch ihre Erkrankung psychisch stark belastet sind, können sich durch eine psychologische Behandlung unterstützen lassen.

    Was bedeutet Rheuma für Partnerschaft und Sexualität?

    Eine rheumatoide Arthritis verändert nicht nur den Alltag oder das Berufsleben, sondern auch die Partnerschaft und Sexualität. Die Erkrankung kann verschiedenste Bereiche der Partnerschaft beeinflussen: etwa die Rollenverteilung, die Arbeitsteilung im Haushalt, gemeinsame Pläne und Freizeitaktivitäten. Der Verzicht auf die Teilnahme an Feiern und Ausflügen oder auf gemeinsame sportliche Aktivitäten kann zu Enttäuschungen und Einschränkungen im Miteinander führen.

    Manchmal haben Menschen mit Rheuma das Gefühl, dass ihre Partnerin oder ihr Partner nicht genug Verständnis für ihre Situation hat. Aber auch Angehörige müssen erst lernen, was die Erkrankung bedeutet – und auch für sie kann die Krankheit belastend sein. Sie verändert das Leben beider Partner. Den anderen in Schmerzen zu sehen, Einschränkungen in Kauf zu nehmen und mehr Aufgaben übernehmen zu müssen, ist nicht immer leicht. Wichtig ist, weder anderen noch sich selbst Vorwürfe zu machen, denn an der Krankheit und ihren Folgen ist niemand „Schuld“.

    Manche Paare sprechen wenig über ihre Probleme. Offene Gespräche über Belastungen, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste können aber hilfreich sein, um die Erfahrungen des anderen mit der Erkrankung besser nachvollziehen zu können. Vielleicht lässt sich gemeinsam auch besser überlegen, wie bestimmte Gewohnheiten verändert werden können, etwa indem man Freizeitaktivitäten eher kurz- als langfristig plant, bei Ausflügen häufiger Pausen einlegt und die Aufgaben im Alltag neu verteilt.

    Schmerzende Gelenke, Erschöpfung und eine eingeschränkte Beweglichkeit können sich auf die Sexualität auswirken. Sie können den Geschlechtsverkehr erschweren und manchmal unmöglich machen. Auch trockene Schleimhäute können ein Problem darstellen, dem sich aber durch Gleitmittel und Feuchtigkeitscremes abhelfen lässt.

    Durch die Erkrankung verändert sich auch das Körpergefühl. Das kann zentrale Bereiche der Weiblichkeit oder Männlichkeit betreffen. Daher ist es nicht ungewöhnlich, wenn mit dem Fortschreiten der Erkrankung die Lust auf Sex abnimmt. Manche Menschen fühlen sich zunehmend unattraktiv und ziehen sich deswegen sexuell zurück.

    Aber auch wenn die Energie fehlt und die Lust ausbleibt, bleiben körperliche Nähe und Zärtlichkeit für die meisten Menschen wichtig und wohltuend. Sie können Paaren helfen, sich weiterhin eng miteinander verbunden zu fühlen.

    Quellen

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    Rheumatoide Arthritis - Erfahrungsbericht - Elke

    "Sehr wichtig finde ich den Austausch mit anderen Patienten. Dadurch merke ich, dass viele Menschen mit dieser Erkrankung leben und auch gut damit leben können. Das hat mir meine Ängste ein wenig genommen."

    Elke, 54 Jahre

    „Sehr wichtig finde ich den Austausch mit anderen Patienten. Dadurch merke ich, dass viele Menschen mit dieser Erkrankung leben und auch gut damit leben können. Das hat mir meine Ängste ein wenig genommen."

    Die ersten Anzeichen meiner Erkrankung habe ich mit Anfang 20 gespürt. Aber eine Diagnose habe ich erst mit etwa 40 Jahren erhalten.

    Ich hatte immer wieder Rückenschmerzen und auch Beschwerden in der Hüfte. Das wurde schleichend über die Jahre schlimmer, bis es fast unerträglich war. Ich war sehr stark in meiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.

    Die Ärzte haben auf Hexenschuss getippt

    Eines Tages konnte ich mich gar nicht mehr richtig bewegen. Das kam ganz plötzlich und ich hatte wahnsinnige Schmerzen. Ich wurde dann vier Wochen intensiv stationär im Krankenhaus behandelt. Die Ärzte haben zunächst auf einen schweren Hexenschuss getippt. Ich habe alle möglichen Behandlungen bekommen, aber es wurde immer nur kurzfristig besser. Das Schlimmste für mich war, dass ich nicht mehr sitzen konnte.

    Ich wurde schließlich in eine Klinik für Wirbelsäulenerkrankungen überwiesen. Dort wurde dann festgestellt, dass ich höchstwahrscheinlich an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, an einer Arthritis leide. Ob es sich um eine rheumatoide oder um eine psoriatische Arthritis handelt, war jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz eindeutig feststellbar.

    Ich musste sehr oft die Medikamente wechseln

    Nachdem mir die Diagnose mitgeteilt wurde, wusste ich aber noch nicht, was das konkret für mich bedeutet. Zunächst bekam ich ein immunsuppressives Basismedikament, das ich aber nicht vertragen habe. Bereits am zweiten Tag verschlechterten sich meine Leberwerte massiv, sodass die Ärzte dieses Medikament wieder absetzen mussten, und ich bekam eine Zeit lang nur Kortison, was die Leber nicht belastet. Da die meisten Schmerzmittel ebenfalls über die Leber abgebaut werden, kamen sie als zusätzliche Therapieoption für mich nicht infrage. Als die Leberwerte wieder besser waren, wurde ein neues Medikament ausprobiert. Dieses Medikament habe ich zum Glück ganz gut vertragen, aber es hat mehrere Monate gedauert, bis es die erwünschte Wirkung gezeigt hat. Damals war mir noch nicht bewusst, dass ich die Medikamente als Basistherapie langfristig einnehmen muss. Ich dachte, dass die Behandlung nur vorübergehend nötig wäre, bis die Krankheit wieder vorüber ist. Dass es sich um eine lebenslange, schwere und chronische Erkrankung handelt, davon ahnte ich zum damaligen Zeitpunkt noch nichts! Bei mir mussten die Medikamente immer wieder umgestellt werden, weil ich sie entweder nicht vertragen habe, oder sie nicht ausreichend wirksam waren. Seit vielen Jahren muss ich dauerhaft zusätzlich auch Kortison einnehmen.

    Ich glaube, es gibt kaum ein Rheumamedikament, das ich in den letzten Jahren nicht ausprobiert habe. Bei den neueren Medikamenten mache ich mir besonders Sorgen, weil es hierzu noch keine Langzeiterfahrungen gibt, und ich auch von den anderen Medikamenten, die ich einnehmen muss, schon genug Nebenwirkungen, und auch Wechselwirkungen habe.

    Auch andere Gelenke sind mittlerweile betroffen

    Mittlerweile sind die Beschwerden in nahezu allen Gelenken aufgetreten. Am problematischsten ist es bei mir an der Verbindung von Brust- und Schlüsselbein, am Sternoclavikulargelenk. Mittlerweile habe ich bereits sechs Gelenkoperationen hinter mir. An den Schultern bin ich mehrfach operiert worden und auch am Kiefergelenk. Demnächst steht eine weitere Operation am Sprunggelenk und am Fersenbein an.

    Ich hatte bis jetzt zehn Knochenbrüche an der Wirbelsäule, im Bereich des Beckens und insbesondere an den Füßen, ohne dass es eine äußere Ursache gegeben hätte. Durch die langjährige Kortisoneinnahme hat sich eine schwere Osteoporose entwickelt. Hinzu kam noch eine weitere, schwere Immunerkrankung, die auch mit meiner rheumatischen Erkrankung in Verbindung steht.

    Aufgrund dieser Einschränkungen wurde ich bereits im Alter von 46 Jahren berentet. Das war ganz bitter für mich. Fast schlimmer als die Diagnose an sich. Das hat mich damals schwer getroffen, auch heute noch habe ich Tage, an denen mich das mit voller Konsequenz noch einmal einholt.

    Ich muss mein Leben selbst in die Hand nehmen

    In den ersten Jahren habe ich versucht, meine Erkrankung zu ignorieren. Es gab für mich ein Leben mit Krankheit und ein Leben, das ich gern ohne die Krankheit geführt hätte, und ich habe versucht, beide Leben parallel nebeneinander zu führen. Das konnte natürlich nicht funktionieren.

    Irgendwann habe ich festgestellt, dass es das wichtigste für mich ist, selbst dafür zu sorgen, dass es mir gut geht. Mit allen Mitteln, die ich zur Verfügung hatte, wollte ich mich von da ab ganz intensiv um mein Wohlbefinden kümmern, um wieder Freude am Leben zu finden. Ich habe das bildlich für mich so gesehen: In Zeiten, wo es mir gut geht, stelle ich mir eine Schatzkiste zusammen, die ich dann öffnen kann, wenn es mir schlecht geht. Zum Beispiel steckt in einer Schublade der Kiste: Schön Kaffee trinken zu gehen, das ist etwas Besonderes für mich, oder ich rufe jemanden an, gehe ins Kino oder besuche ein Konzert oder ein Theaterstück. Da ich sehr musikalisch bin, bedeuten Konzerte Balsam für meine Seele. In jeder Schublade steckt etwas, das etwas ganz Besonderes für mich bedeutet, und das mir hilft, wenn es mir schlecht geht. Diese Schatzkiste kann ich nicht erst dann „füllen“, wenn ich sie brauche, das schaffe ich in einem schlechten Zustand nicht mehr, sie muss für den Ernstfall parat stehen.

    Das Umdenken, dass ich nicht der Krankheit hilflos ausgeliefert bin, sondern dass ich diejenige bin, die etwas tun muss, und auch tun kann, hat mir sehr geholfen. Ich bin für mich eigenverantwortlich. Niemand kann mir die Auseinandersetzung mit meiner Krankheit abnehmen.

    Ich engagiere mich ehrenamtlich

    Ich habe, nachdem ich berentet wurde, mein Leben umstrukturiert und arbeite jetzt sehr intensiv im ehrenamtlichen Bereich. Ich bin beispielsweise in der Selbsthilfe aktiv. Ich wollte meiner Krankheit einen Sinn geben. Es gibt immer irgendwo einen Weg, man muss manchmal nur etwas suchen, bis man ihn findet.

    Ich arbeite auch deshalb ehrenamtlich, um einen normalen Tagesablauf zu haben. Ich brauche eine Aufgabe und das Gefühl, gebraucht zu werden. Ich wollte mit der Berentung nicht plötzlich in ein tiefes Loch fallen. Außerdem sollten mein Wissen und meine Erfahrung nicht einfach ungenutzt bleiben.

    Der Schmerz hat seinen Platz, ist aber nicht die Nummer 1

    Der Schmerz sitzt bei mir in den Knochen, Gelenken, Sehnen und Muskeln, manchmal kann ich den Schmerzpunkt gar nicht richtig benennen, weil die Schmerzen ausstrahlen, beispielsweise vom Handgelenk in den Unterarm, oder von der Schulter in den Ellenbogen oder vom Knie in die Hüfte. Besonders schmerzhaft sind die Entzündungen der Sehnenansätze. Manchmal sind das permanent ziehende, manchmal auch pulsierende, oder auch einschießende Schmerzen, die mich richtig zermürben.

    Sehr schwer fällt mir, für eine längere Zeit zu sitzen. Ich muss dann oft aufstehen und einige Schritte laufen oder meine Position verändern. Wenn ich zu Hause bin und es schlimmer wird, dann lege ich mich mal hin, höre Musik oder lese etwas. Sehr gerne löse ich auch Rätsel, insbesondere nachts, wenn ich nicht mehr schlafen kann, oder ich stehe auf und koche mir einen Tee.

    Ich spiele mehrere Blasinstrumente, und spare gerade auf ein weiteres eigenes Instrument, das ich mir gerne kaufen möchte, das ist auch eins meiner Ziele. Das bedeutet ein "Highlight" in meinem Leben, dadurch kann ich Abstand zur Krankheit gewinnen und die nötige Kraft neu schöpfen. Darüber kann ich dann einfach auch mal "die Welt vergessen!"

    Der Umgang mit permanenten Schmerzen ist bei mir auch ein wichtiges Thema. Aufgrund meiner Leberschädigung kann ich kaum, und schon gar nicht  regelmäßig, Schmerzmedikamente einnehmen. Mir stehen nur einige wenige Schmerzmedikamente zur Verfügung, die ich im Akutfall einnehmen kann. Daher bin ich gewohnt, meine oft sehr starken Schmerzen überwiegend auszuhalten.

    Ich habe gelernt, mich nicht auf den Schmerz zu konzentrieren, sondern ihm den Platz in meinem Leben einzuräumen, den er braucht, genauso wie meine Erkrankung selbst. Sie hat zwar ihren Platz in meinem Leben, ist aber bestimmt nicht die Nummer 1.

    Ich musste lernen, mit den Einschränkungen umzugehen

    Ich musste viele Monate lang, und auch immer wieder, eine Schiene am Fuß tragen, damit falle ich natürlich auf und werde von den Leuten oft schief angeschaut. Am Anfang fiel mir das oft sehr schwer, dass die Leute so auf mich gestarrt haben, aber heute sage ich mir, dass es sicher nur eine gewisse Neugier ist. Den Menschen ist nicht bewusst, wie unangenehm das für die Betroffenen sein kann. Man muss erst lernen, damit umzugehen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.

    Depressive Gedanken kenne ich leider auch sehr gut. Meine Berentung hat mich damals ziemlich tief runtergezogen, und immer wieder werde ich auch heute noch von depressiven Stimmungen eingeholt. Beispielsweise wenn wieder akute Probleme, Therapieumstellungen oder auch erneute Operationen anstehen. Keiner kann einem Gewissheit geben, dass der Eingriff erfolgreich sein wird. Mit all diesen Sorgen und Nöten steht man alleine da und muss für sich selber die möglichst beste Entscheidung treffen. Ich brauche dann immer etwas Zeit, bis ich neue Situationen für mich annehmen und letztlich auch akzeptieren kann.

    Der Austausch mit anderen Patienten ist für mich sehr wichtig

    Mir hat die Selbsthilfe viel geholfen. Ich kann mit Leuten sprechen, die auch erkrankt sind und mich verstehen. Ich fühle mich dort mit meiner Erkrankung angenommen und verstanden. Es ist ein Ort, wo meine Erkrankung Platz hat. Es muss auch nicht unbedingt immer eine Selbsthilfegruppe sein, sondern beispielsweise im Wartezimmer beim Arzt, das Gespräch mit anderen Patienten, die ein ähnliches Schicksal haben. So habe ich damals in der Rehabilitation Leute kennengelernt, mit denen ich heute noch eng befreundet bin. Am Anfang war ich sehr skeptisch und wollte mir die Krankengeschichten von anderen Erkrankten nicht auch noch anhören. Doch heute weiß ich, dass ein ähnliches Schicksal auch verbinden kann.

    Hilfsmittel helfen mir im Alltag

    Ich benötige inzwischen viele Hilfsmittel. Das für einen persönlich richtige Hilfsmittel zu finden, das man wirklich braucht, ist gar nicht so einfach. Deshalb ist es hilfreich, eine Hilfsmittelberatung in Anspruch zu nehmen, beispielsweise während einer Rehabilitation, oder durch die Ergotherapie. Man kann sich sogar zu seiner Büroausstattung beraten lassen: angefangen vom Computer, über den Bildschirm bis hin zu Büromöbeln.

    Ich möchte beispielsweise nicht mehr auf meinen langen Schuhlöffel verzichten, er ist ein Segen! Ich muss mich nicht mehr bücken, und ohne ihn bekomme ich meinen Fuß nur schwer in den Schuh. Auch Öffner für Schraubverschlüsse sind sehr praktisch, oder dickere Stifte zum besseren Greifen. Nicht zuletzt auch Hilfsmittel zur Handgymnastik oder Verbesserung der Beweglichkeit, wie Bälle zur Hand- und Fingergymnastik, ein Sitzkissen oder auch ein Theraband.

    Miteinander zu sprechen finde ich sehr wichtig

    Durch die Erkrankung gibt es oft Kommunikationsprobleme, auch innerhalb der Familie. Oft wird vieles falsch gedeutet. Wichtig finde ich, dass man viel miteinander spricht und seine Gefühle auch offen äußert. Gerade der eigenen Familie fällt es schwer, zusehen zu müssen, aber nicht helfen zu können. Das ist nur schwer auszuhalten. Oft bleibt lange Zeit ein Unverständnis, oder man spricht einfach nicht mehr miteinander. Es fällt oft beiden Seiten schwer, sich seine Gefühle einzugestehen.

    Ich lebe viel bewusster und nehme auch Hilfe an

    Ich lebe seit meiner Erkrankung sehr viel bewusster. Ich halte oft inne und denke viel nach, was ich früher nicht so bewusst getan habe. Ich setze mich auch mit dem Tod auseinander. Das gehört für mich mit zum Leben. Ich genieße jeden Tag. Alles Schöne, das ich haben kann. Wenn mal ein Tag nicht so gut ist, dann sage ich mir: "Morgen ist ein neuer Tag."

    Ich finde es ganz wichtig, sich über die Erkrankung, die Medikamente und andere Therapiemöglichkeiten zu  informieren. Insbesondere der Austausch mit anderen betroffenen Patienten ist wichtig. Denn gleiches Schicksal verbindet, zeigt einem, wie man gut mit der Erkrankung leben kann, und auch, dass man nicht alleine damit ist. Das schafft Selbstvertrauen und nimmt Ängste, denn oft verändert diese Krankheit das Leben mit einem Schlag: Nichts ist mehr wie vorher!

    Bei Schwierigkeiten sollte man sich Hilfe holen. Man kann und muss nicht immer alles alleine schaffen. Auch ich bin jemand, der nicht gerne um Hilfe bittet. Aber man kann lernen, die Unterstützung anderer anzunehmen.

    Rheuma ist eine Erkrankung, die nicht nur die Gelenke betrifft. Sie betrifft den ganzen Menschen mit seinem gesamten Umfeld, mit seinen Interessen, mit seinen Fähigkeiten, seinen Möglichkeiten und Lebensperspektiven. Nichts ist mehr wie vorher. Aber es kommt immer auch ein wenig auf die Perspektive jedes Einzelnen an. Ich versuche, meine Krankheit in einem anderen Blickwinkel zu sehen: Manches kann ich inzwischen nicht mehr, aber dafür haben sich andere Türen geöffnet. Auch bin ich sehr dankbar dafür, dass ich vor meiner Erkrankung vieles tun konnte, das nicht selbstverständlich war. Heute kann ich mich daran erfreuen, auch wenn ich inzwischen mit vielen Einschränkungen leben muss. Ich habe viel nachgedacht und bin sehr viel dankbarer geworden für das, was ich habe. Wer garantiert mir, dass ich es morgen noch tun kann? 

    Ich sehe mein Leben heute als ein Geschenk an.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Rheumatoide Arthritis - Erfahrungsbericht - Jutta

    Mein Arzt hat den geschwollenen Finger geröntgt, nichts feststellen können und mir eine Salbe verschrieben. Aber es wurde nicht besser. Im Gegenteil, mit der Zeit sind auch die Handgelenke angeschwollen.

    Jutta, 58 Jahre

    „Mein Arzt hat den geschwollenen Finger geröntgt, nichts feststellen können und mir eine Salbe verschrieben. Aber es wurde nicht besser. Im Gegenteil, mit der Zeit sind auch die Handgelenke angeschwollen.“

    Mit etwa 45 Jahren, hatte ich nach einer Erkrankung, die ich mir im Urlaub zugezogen hatte, einen geschwollenen Ringfinger. Zuerst dachte ich, es ist noch eine Nachwirkung dieser Erkrankung. Damals war die Jagd mein Hobby und ich habe intensiv Tennis gespielt. Das war mit dem geschwollenen Finger jedoch schwierig. Deswegen bin ich zum Arzt gegangen.

    Mein Arzt meinte, dass der Finger verstaucht ist. Er hat ihn geröntgt, nichts feststellen können und mir eine Salbe verschrieben. Aber es wurde nicht besser. Im Gegenteil, mit der Zeit sind auch die Handgelenke angeschwollen. Mein Arzt hat mich an eine Universitätsklinik überwiesen, da er den Verdacht auf Borreliose hatte. Das hat sich aber nicht bestätigt.

    Ich habe zuerst Kortison bekommen

    Die Schmerzen und Beschwerden wurden jedoch immer schlimmer und mein Arzt hat mich deshalb zu einem Rheumatologen überwiesen, der dann recht schnell die Diagnose „Rheumatoide Arthritis“ gestellt hat. Ich hatte am Anfang bei den Blutwerten gar keinen erhöhten Rheumafaktor. Dieser Wert erhöhte sich erst später.

    Ich habe zuerst Kortison verschrieben bekommen. Das half nicht lange und ich habe dann zusätzlich Methotrexat bekommen. Dies half aber auch nicht lange und die Dosis wurde immer weiter gesteigert.

    Der Arzt hat mir dann eine Behandlung mit einem neuen Medikament, Rituximab, empfohlen. Während der ersten Infusion mit Rituximab ging es mir sehr schlecht. Die Ärzte hatten versäumt, mir vorab Kortison zu geben, was wohl empfohlen wird. Die Infusion musste abgebrochen werden, weil ich starke Schmerzen und Blutungen im Hals bekam. Später haben sie die Behandlung wiederholt und mir vorab Kortison gegeben, das hat dann sehr gut funktioniert. Seitdem bekomme ich zweimal im Jahr diese Infusion. Dazu nehme ich jede Woche Methotrexat und auch jeden Tag Kortison. Zudem mache ich regelmäßig Krankengymnastik und auch Ergotherapie. Das hilft mir gut.

    Infusionen belasten mich seelisch

    Die Infusionen belasten mich seelisch ganz schön. Jedes Mal vier bis fünf Stunden in der Arztpraxis zu liegen, mit den anderen Patienten um mich herum, ist für mich nicht ganz so einfach. Nach der Infusion bin ich immer ganz geschafft. Aber am nächsten Tag habe ich total viel Energie und könnte die ganze Wohnung umräumen. Ich weiß nicht, was mich da so aufputscht.

    Durch die vielen Medikamente hat meine Leber gelitten. Ich versuche, möglichst keine Schmerztabletten einzunehmen und trinke keinen Alkohol, um meine Leber nicht noch mehr zu schädigen.

    Ich lege mir die Medikamente für jede Woche zurecht

    Am Anfang war der Umgang mit den vielen Medikamenten gar nicht so einfach. Ich hatte beispielsweise eine Zeitlang auch ein Medikament, das man kühlen musste. Damals waren wir auf Reisen und mussten uns immer um Eis kümmern, damit wir das Medikament kühlen konnten. Das war schon aufwendig. Die Medikamente lege ich mir für jede Woche zurecht, sowohl für meinen an Demenz erkrankten Mann als auch für mich. Ich habe auch alles ganz genau aufgeschrieben: Welche Operation ich wann hatte und welche Medikamente ich einnehme. Damit, falls  mir etwas passieren sollte, die Informationen da sind.

    Ich finde es wichtig, die Medikamente regelmäßig und auch in der verschriebenen Dosis zu nehmen und die Arzttermine wahrzunehmen. Da bin ich konsequent. Aber sonst versuche ich, mich mehr meinem Leben zu widmen als meiner Krankheit.

    Jedes Vierteljahr muss ich zur Kontrolluntersuchung. Ich habe eine Freundin, die auch an Rheuma erkrankt ist und auch bei meinem Arzt in Behandlung ist. Wir fahren immer zusammen zu den Untersuchungen. Auf diese gemeinsame Fahrt freuen wir uns immer.

    Mittlerweile kenne ich mich mit Blutwerten ganz gut aus

    Mittlerweile kenne ich mich ganz gut aus mit den Blutwerten. Ich habe mir mit der Zeit Wissen darüber angeeignet und das hat mir Spaß gemacht. Als ich nach 40 Arbeitsjahren in Rente ging, war es mir nach einem Vierteljahr etwas langweilig und ich habe angefangen, mich mit meiner Erkrankung intensiver zu beschäftigen. Ich habe mir Bücher gekauft und viel gelesen.

    Nach jeder Blutentnahme lasse ich mir die Werte geben und führe Buch darüber. Ich habe einen sehr guten Kontakt zu meinem Rheumatologen. Ich fühle mich bei ihm sehr gut aufgehoben.

    Ich habe mittlerweile viele Operationen hinter mir, vor allem an den Händen wurde ich oft operiert. Außerdem am Fuß, am Schienbein und ich habe ein neues Kniegelenk bekommen. Alle Operationen sind bei mir gut verlaufen. Ich habe immer große Erleichterung danach verspürt. Beispielsweise waren meine Füße sehr stark geschädigt. Bei jedem Schritt dachte ich, ich laufe auf Glas. Es waren schlimme Schmerzen. Aber nach der Operation waren die vorbei. Auch meine Knieoperation habe ich wunderbar überstanden.

    Die Schübe sind irgendwann weniger geworden

    Ich hatte oft Krankheitsschübe. Die Schmerzen waren fast nicht auszuhalten und die Gelenke waren rot und geschwollen. Solche Schübe hatte ich so ein- bis dreimal im Monat. Ich konnte nicht mal einen Druckknopf öffnen. Ich habe dann Kortison in sehr hohen Dosen verordnet bekommen. Das hat zwar geholfen, aber ich habe als Nebenwirkung Wassereinlagerungen vor allem im Gesicht gehabt. Das fand ich nicht so gut. Die Schübe wurden dann irgendwann weniger, vermutlich durch die Medikamenteneinnahme. Ich habe jetzt weniger Schmerzen, aber ich muss die Medikamente regelmäßig einnehmen. Was ich ganz deutlich spüre, sind Wetterwechsel, besonders wenn Stürme kommen oder starker Regen. Dann habe ich Schmerzen.

    Mein Mann und ich ergänzen uns ganz gut

    Mein Mann ist an einer Demenz erkrankt und ich habe aufgrund der Verformungen an den Händen die Pflegestufe 1 und bin auf Hilfe angewiesen. Wir ergänzen uns eigentlich ganz gut. Mein Mann hilft mir, soweit er kann. Er schält zum Beispiel Kartoffeln, das kann ich nicht mehr so gut. Dafür übernehme ich das, was er mit dem Kopf nicht mehr kann. Wir haben uns arrangiert. Ich habe mich mit meiner Erkrankung abgefunden und mich in meinem Leben darauf eingestellt. Ich habe mit meinem Mann viele Reisen unternommen und wir hatten ein tolles Leben, trotz dieser Behinderungen.

    Ich habe großes Glück, dass es in meinem sozialen Umfeld so viele Menschen gibt, die mir helfen. Zuerst konnte ich überhaupt keine Hilfe annehmen. Ich habe immer alles allein gemacht. Und dann auf einmal jemanden zu bitten, im Restaurant mein Fleisch klein zu schneiden, das konnte ich lange gar nicht. Heute fällt mir das aber nicht mehr schwer. Dass mich andere unterstützen, ist im Alltag eine riesengroße Sicherheit für mich. Mein Bruder und Neffe kommen gern zu Hilfe, eine meiner Nachbarinnen bügelt mir die Sachen, die andere bessert mir die Sachen aus. Mit Hilfe dieser Menschen komme ich mit meiner Krankheit ganz gut zurecht.

    Ich finde es wichtig, sich das soziale Umfeld zu erhalten

    Wichtig finde ich, dass man sich das soziale Umfeld erhält. Denn wenn man Schmerzen hat, wird man auch leicht mürrisch oder launisch. Und es ist auch wichtig, die Leute nicht vor den Kopf zu stoßen, wie man das manchmal vor lauter Schmerzen vielleicht machen würde.

    Was ich nicht gut leiden kann ist, wenn andere mich damit aufmuntern wollen, dass es anderen Menschen noch schlechter geht. Das kann ich nicht haben. Ich weiß, dass es anderen schlechter geht als mir, aber ich denke, für jeden Menschen ist das, was er selber empfindet, schlimm genug. Ich wehre mich auch gegen alle möglichen Tipps und Empfehlungen anderer. Ich will mich damit nicht belasten. Früher habe ich mir das alles angehört, das mache ich heute nicht mehr. Da bin ich stärker geworden.

    Für die Hand habe ich eine Schiene von einer Schmuckdesignerin

    Ich bin mit meinem Leben einigermaßen zufrieden, obwohl ich ziemliche Verkrüppelungen an den Händen habe. Es sieht schlimm aus, aber auch damit habe ich mich abgefunden. An der linken Hand trage ich eine Schiene. Allerdings habe ich keine der üblichen Schienen, sondern habe mir eine von einer Schmuckdesignerin, die sich darauf spezialisiert hat, anfertigen lassen. Die ist aus Silber und sieht wirklich toll aus. Ich werde oft darauf angesprochen. Ich trage die Schiene ständig, dadurch ist, denke ich, meine Hand auch gerade geblieben.

    Von dieser Schmuckdesignerin habe ich mir auch gleich meine Ketten umändern und mir Magnetverschlüsse anbringen lassen. Dadurch brauche ich keine Hilfe, wenn ich eine Kette an- oder ablegen möchte. Mit meinen Fingern bin ich mit den normalen Verschlüssen nicht mehr klar gekommen.

    Ich habe ziemlich viele Hilfsmittel und ein behindertengerechtes Bad

    Ich kann auch keine Knöpfe mehr benutzen oder Reißverschlüsse schließen. Ich trage nur Hosen mit Rundumgummi und lasse mir von der Schneiderin immer Ösen an die Hose machen, damit kann ich mir dann mit den Daumen die Hosen hochziehen. Ich habe auch Strumpfanzieher, weil ich die Strümpfe so nicht mehr hochziehen kann.

    Ich nutze auch ein besonderes Besteck: Zum Beispiel hat das Messer zum Schneiden einen dickeren Griff. Zum Öffnen von Flaschen und Dosen habe ich verschiedene Geräte und auch eine Schere mit einem Spezialgriff. Ich habe ziemlich viele solcher Hilfsmittel.

    Wir haben unser Bad auch behindertengerecht umgebaut. Ich kam ja nicht mehr in die Badewanne. Dazu haben wir von der Krankenkasse Zuschüsse bekommen. Mir fällt es auch schwer, Toilettenpapier zu benutzen. Deswegen haben wir uns eine Toilette einbauen lassen, die automatisch wäscht und föhnt.

    Oft hört man, dass behinderte Menschen allein gelassen werden. Ich finde das nicht, sondern eher, dass sehr viel für behinderte Menschen in unserem Land getan wird. Man muss sich aber ein wenig erkundigen und lesen und Dinge beantragen. Mein Rheumatologe hilft mir dabei sehr. Ich fühle mich wirklich gut aufgehoben.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.