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Spannungskopfschmerzen

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    Überblick

    Spannungskopfschmerzen sind dumpfe, drückende Schmerzen, die immer mal wieder auftreten. Sie sind harmlos und lassen sich mit rezeptfreien Schmerzmitteln lindern. Damit sie nicht so oft auftreten, kann es sich lohnen, Ausdauersport oder Entspannungsübungen auszuprobieren.

    Einleitung

    Wenn man Kopfschmerzen hat, handelt es sich oft um Spannungskopfschmerzen. Viele Menschen haben diese dumpfen, drückenden, leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen immer mal wieder.

    Spannungskopfschmerzen sind weniger stark als Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen. Wenn sie länger andauern, können sie dennoch belastend sein. Wer sich stark beeinträchtigt fühlt, kann die Schmerzen mit rezeptfreien Schmerzmitteln lindern. Wichtig ist, dabei im Blick zu behalten, wie oft man zu diesen Mitteln greift. Denn eine zu häufige und regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann dazu führen, dass die Kopfschmerzen öfter auftreten.

    Anders als der Name vermuten lässt, sind Muskelverspannungen nicht die typische Ursache von Spannungskopfschmerzen. Warum es zu Spannungskopfschmerzen kommt, ist nicht bekannt. Deshalb zählt diese Art der Kopfschmerzen wie die Migräne und der Cluster-Kopfschmerz zu den primären Kopfschmerzen.

    Symptome

    Spannungskopfschmerzen werden meist als dumpf und drückend empfunden. Bei vielen tut der gesamte Kopf weh, bei manchen schmerzt vor allem der Stirnbereich. Andere beschreiben ihre Schmerzen wie einen drückenden Ring um den Schädel – als ob sie einen zu engen Hut auf dem Kopf hätten.

    Spannungskopfschmerzen sind leicht bis mittelstark. Sie können nach wenigen Minuten verschwinden, dauern manchmal aber auch bis zu einer Woche an. Sie werden nicht stärker, wenn man körperlich aktiv ist – zum Beispiel beim Treppen steigen oder beim Sport. Begleitsymptome wie Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit fehlen.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Die Ursachen für Spannungskopfschmerzen sind unbekannt. Es gibt aber manchmal bestimmte Auslöser für die Schmerzen – etwa Stress.

    Spannungskopfschmerzen kommen in manchen Familien gehäuft vor. Außerdem gelten einige Erkrankungen als Risikofaktoren – zum Beispiel Depressionen.

    Häufigkeit

    Spannungskopfschmerzen sind sehr häufig: Wahrscheinlich hat sie jeder Mensch im Laufe seines Lebens irgendwann einmal.

    Mehr als 40 von 100 Menschen haben immer wieder Spannungskopfschmerzen. Bei etwa einem von 100 Menschen sind die Beschwerden über einen längeren Zeitraum sehr häufig oder sogar dauerhaft.

    Spannungskopfschmerzen sind in jedem Alter möglich, treten aber meist zum ersten Mal im jungen Erwachsenenalter auf. Bei Frauen sind Spannungskopfschmerzen etwas häufiger als bei Männern.

    Verlauf

    Bei den meisten treten die Spannungskopfschmerzen in unregelmäßigen Abständen auf. Fachleute bezeichnen das als episodischen Verlauf.

    Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum sehr häufig sind, spricht man von chronischen Spannungskopfschmerzen. Das bedeutet, die Schmerzen treten

    • innerhalb von drei Monaten an 15 oder mehr Tagen pro Monat auf oder
    • an mehr als 180 Tagen pro Jahr und
    • sie dauern jeweils über Stunden an oder hören gar nicht mehr auf.

    Diagnose

    Wer öfter Kopfschmerzen hat, bespricht dies am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt. Bereits durch das Gespräch (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung lässt sich feststellen, ob es sich um Spannungskopfschmerzen handelt. Dabei werden im Rahmen einer neurologischen Untersuchung zum Beispiel Muskelkraft und Sinneswahrnehmungen geprüft.

    Ist danach nicht ganz klar, ob vielleicht eine andere Erkrankung hinter den Schmerzen steckt, können noch weitere Untersuchungen sinnvoll sein.

    Vorbeugung

    Menschen mit Spannungskopfschmerzen können verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, die dazu beitragen können, dass die Schmerzen nicht so oft auftreten. Dazu gehören etwa regelmäßiger leichter Ausdauersport, Entspannungsübungen und nach Anleitung Biofeedback.

    Bei chronischen Spannungskopfschmerzen können auch eine Verhaltenstherapie oder eine multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein, bei der verschiedene Behandlungen miteinander kombiniert werden. Auch mit einigen Medikamenten lässt sich häufigen Attacken vorbeugen – vor allem mit dem Medikament Amitriptylin. Der Wirkstoff kann allerdings selten Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Mundtrockenheit oder eine Gewichtszunahme hervorrufen.

    Behandlung

    Bei leichten Spannungskopfschmerzen kommen viele Menschen ohne Medikamente aus. Manche können ihre Schmerzen lindern, wenn sie sich auf Stirn, Schläfen oder Nacken Pfefferminzöl tupfen oder an der frischen Luft spazieren gehen.

    Als Medikamente kommen rezeptfreie Schmerzmittel (Analgetika) aus der Apotheke infrage. Diese Mittel können die Schmerzen lindern. Sie können aber auch Nebenwirkungen haben, etwa Magenprobleme. Bei zu häufiger Einnahme können sie dazu führen, dass die Kopfschmerzen häufiger auftreten. Wichtig ist deshalb, darauf zu achten, wie oft man die Schmerzmittel einnimmt – zum Beispiel mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs. Wer feststellt, dass er regelmäßig an mehr als zehn Tagen pro Monat Medikamente einnimmt, wendet sich am besten an eine Ärztin oder einen Arzt.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Berlit P (Ed). Klinische Neurologie. Berlin: Springer; 2013.

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    Derry S, Wiffen PJ, Moore RA, Bendtsen L. Ibuprofen for acute treatment of episodic tension-type headache in adults. Cochrane Database Syst Rev 2015; (7): CD011474.

    Göbel H, Heinze A, Heinze-Kuhn K, Göbel A, Göbel C. Oleum menthae piperitae (Pfefferminzöl) in der Akuttherapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp. Schmerz 2016; 30(3): 295-310.

    Haag G, Diener HC, May A, Meyer C, Morck H, Straube A et al. Self-medication of migraine and tension-type headache: summary of the evidence-based recommendations of the Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), the Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), the Österreichische Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) and the Schweizerische Kopfwehgesellschaft (SKG). J Headache Pain 2011; 12(2): 201-217.

    Hacke W (Ed). Neurologie. Berlin: Springer; 2016.

    International Headache Society (IHS). The International Classification of Headache Disorders 3rd edition (Beta version). 2016.

    Law S, Derry S, Moore RA. Naproxen with or without an antiemetic for acute migraine headaches in adults. Cochrane Database Syst Rev 2013; (10): CD009455.

    Stephens G, Derry S, Moore RA. Paracetamol (acetaminophen) for acute treatment of episodic tension-type headache in adults. Cochrane Database Syst Rev 2016; (6): CD011889.

    Straube A. Therapie des episodischen und chronischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp und anderer chronischer täglicher Kopfschmerzen (S1-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 030-077. 28.10.2014. (Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Welche Medikamente helfen bei Spannungskopfschmerzen?

    Spannungskopfschmerzen sind dumpfe, drückende Kopfschmerzen, die immer mal wieder auftreten können. Sie lassen sich mit rezeptfreien Schmerzmitteln lindern. Diese Mittel können aber auch zu Nebenwirkungen führen.

    Spannungskopfschmerzen gehören wie Migräne und Cluster-Kopfschmerzen zu den primären Kopfschmerzen – das heißt, ihre Ursache ist nicht bekannt. Die meisten Menschen mit Spannungskopfschmerzen haben immer wieder mal Beschwerden. Sie können dann eine halbe Stunde bis mehrere Tage andauern. Häufig sind Spannungskopfschmerzen nicht so stark, dass Medikamente benötigt werden. Wenn doch, können rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol und nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) und Naproxen eingenommen werden.

    Spannungskopfschmerzen sind dumpfe, drückende Kopfschmerzen, die immer mal wieder auftreten können. Sie lassen sich mit rezeptfreien Schmerzmitteln lindern. Diese Mittel können aber auch zu Nebenwirkungen führen.

    Spannungskopfschmerzen gehören wie Migräne und Cluster-Kopfschmerzen zu den primären Kopfschmerzen – das heißt, ihre Ursache ist nicht bekannt. Die meisten Menschen mit Spannungskopfschmerzen haben immer wieder mal Beschwerden. Sie können dann eine halbe Stunde bis mehrere Tage andauern. Häufig sind Spannungskopfschmerzen nicht so stark, dass Medikamente benötigt werden. Wenn doch, können rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol und nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) und Naproxen eingenommen werden.

    Helfen Ibuprofen und ASS gegen akute Spannungskopfschmerzen?

    Studien zeigen, dass Ibuprofen die Beschwerden bei einigen Menschen zum Abklingen bringen kann:

    • Bei 13 von 100 Personen mit Spannungskopfschmerzen, die ein Mittel ohne Wirkstoff (Placebo) eingenommen hatten, waren die Kopfschmerzen nach zwei Stunden weg.
    • Bei 20 von 100 Personen mit Spannungskopfschmerzen, die Ibuprofen in einer Dosis von 400 Milligramm eingenommen hatten, waren die Kopfschmerzen nach zwei Stunden weg.

    Durch Ibuprofen verschwanden die Kopfschmerzen also bei zusätzlich 7 Personen innerhalb von zwei Stunden vollständig.

    ASS hilft wahrscheinlich ebenfalls gegen Spannungskopfschmerzen – es gibt aber nicht genügend Daten, die das für diese Schmerzform belegen.

    Eine zu häufige Einnahme von NSAR wie Ibuprofen oder ASS bei Spannungskopfschmerzen kann zu arzneimittelbedingten Kopfschmerzen führen. Deshalb ist es wichtig, diese Mittel nicht zu oft einzunehmen. Außerdem können sie Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Magengeschwüre oder Blutungen auslösen. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bei Nierenschäden können hoch dosierte NSAR zudem das Risiko für Komplikationen erhöhen.

    Kann Paracetamol akute Spannungskopfschmerzen lindern?

    Andere Studien haben Paracetamol untersucht und zeigen, dass auch dieser Wirkstoff bei Spannungskopfschmerzen helfen kann:

    • Bei 18 von 100 Personen, die ein Placebo eingenommen hatten, waren die Kopfschmerzen nach zwei Stunden weg.
    • Bei 23 von 100 Personen, die Paracetamol in einer Dosis von 1000 Milligramm eingenommen hatten, waren die Kopfschmerzen nach zwei Stunden weg.

    Durch Paracetamol verschwanden die Schmerzen also bei zusätzlich 5 Personen innerhalb von zwei Stunden vollständig.

    Auch Paracetamol kann zu einem Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch führen, wenn es zu häufig eingenommen wird. Paracetamol wird über die Leber abgebaut und kann bei zu hoher Dosierung akute Leberschäden hervorrufen.

    Ist der Zusatz von Koffein hilfreich?

    Manche rezeptfreien Schmerzmittel enthalten zusätzlich Koffein. Ob solche Mittel besser gegen Spannungskopfschmerzen wirken als Mittel ohne Koffein, ist unklar. Zu dieser Frage gibt es bisher noch keine ausreichend aussagekräftigen Studien. Koffein kann zusätzliche Nebenwirkungen wie Nervosität oder Schwindel hervorrufen.

    Sind andere Medikamente sinnvoll?

    Auch verschreibungspflichtige Schmerzmittel wie Metamizol gelten zwar als wirksam, sind aber meist nicht nötig, da Spannungskopfschmerzen in der Regel durch die oben genannten Mittel ausreichend gelindert werden können. Metamizol kann zu Nebenwirkungen wie Hautausschlag oder niedrigem Blutdruck führen und in seltenen Fällen eine lebensbedrohliche Blutbildungsstörung (Agranulozytose) oder einen Schock hervorrufen.

    Quellen

    Derry CJ, Derry S, Moore RA. Caffeine as an analgesic adjuvant for acute pain in adults. Cochrane Database Syst Rev 2014; (12): CD009281.

    Derry S, Wiffen PJ, Moore RA. Aspirin for acute treatment of episodic tension-type headache in adults. Cochrane Database Syst Rev 2017; (1): CD011888.

    Derry S, Wiffen PJ, Moore RA, Bendtsen L. Ibuprofen for acute treatment of episodic tension-type headache in adults. Cochrane Database Syst Rev 2015; (7): CD011474.

    Haag G, Diener HC, May A, Meyer C, Morck H, Straube A et al. Self-medication of migraine and tension-type headache: summary of the evidence-based recommendations of the Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), the Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), the Österreichische Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) and the Schweizerische Kopfwehgesellschaft (SKG). J Headache Pain 2011; 12(2): 201-217.

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    Stephens G, Derry S, Moore RA. Paracetamol (acetaminophen) for acute treatment of episodic tension-type headache in adults. Cochrane Database Syst Rev 2016; (6): CD011889.

    Straube A. Therapie des episodischen und chronischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp und anderer chronischer täglicher Kopfschmerzen (S1-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 030-077. 28.10.2014. (Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie).

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