Gesundheitslexikon

Sprunggelenkbruch

Überblick

    Überblick

    Wenn der Fuß sehr stark umknickt, kann das obere Sprunggelenk mit Pech auch brechen. Dies ist eine ernsthaftere Verletzung, bei der ein oder mehrere Knochen betroffen sein können. Ist dann immer eine Operation nötig? Und welche Nachbehandlungen unterstützen die Heilung des Sprunggelenks am besten?

    Einleitung

    Wenn man mit dem Fuß umknickt, kann es zu einer Verstauchung des Sprunggelenks kommen. Das bedeutet, die Muskeln und das weiche Gewebe um das Sprunggelenk – den Knöchel – herum sind verletzt. Manchmal bricht das Sprunggelenk aber auch. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einer Sprunggelenkfraktur. Dies ist eine ernsthaftere Verletzung, bei der ein oder mehrere Knochen des Sprunggelenks betroffen sein können. Wenn das Sprunggelenk gebrochen ist, sind oft auch die Bänder gerissen und der Knorpel beschädigt. Meist verheilt ein solcher Bruch ohne Probleme – es dauert aber einige Zeit.

    Symptome

    Bei einem Sprunggelenkbruch schwillt der Fuß an, tut weh und man kann nicht mehr auftreten. Es bilden sich Blutergüsse (Hämatome) und der Fuß lässt sich kaum noch bewegen. Manchmal verschieben sich auch die Knochen, was zu einer Fehlstellung führen kann.

    Ursachen

    Zu einem Sprunggelenkbruch kommt es meist beim Sport. Der Fuß kann beispielsweise umknicken und brechen, wenn man unglücklich stürzt oder nach einem Sprung schlecht aufsetzt. Das kann aber auch beim Laufen auf unebenem Boden oder durch einen Fehltritt passieren.

    Verlauf

    Es dauert mehrere Tage oder Wochen, bis die Schwellung abgeklungen ist. Bis sich das Sprunggelenk vollständig von dem Bruch erholt hat, können Monate  vergehen. Bis dahin ist der Fuß nur eingeschränkt beweglich und belastbar.

    Wenn der Fuß zu schnell wieder belastet wird, kann dies den Heilungsprozess stören, sodass der Knochenbruch nicht richtig verheilt. Dann können erneute Behandlungen notwendig werden. Auf der anderen Seite kann der Fuß an Beweglichkeit und Kraft verlieren, wenn er zu lange ruhiggestellt bleibt.

    Meist verheilt ein Sprunggelenkbruch gut. Als Langzeitfolge kann sich jedoch eine Arthrose entwickeln. Zudem kann das Sprunggelenk instabil bleiben, was das Risiko für ein erneutes Umknicken erhöht.

    Grafik: Bruch am Innen- und Außenknöchel, Ansicht von oben Bruch am Innen- und Außenknöchel

    Diagnose

    Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt, wie der Unfall passiert ist, untersucht Fuß und Knöchel und prüft, wie stark die Verletzung ist. Bei Verdacht auf einen Bruch wird das Sprunggelenk geröntgt. Manchmal lässt das Röntgenbild keine eindeutige Diagnose zu. Dann kommen zur weiteren Abklärung eine Computertomografie (CT), manchmal auch eine Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, MRT) infrage. Verletzungen der Bänder und des Gelenkknorpels lassen sich durch eine MRT oft besser erkennen.

    Behandlung

    Fuß und Knöchel werden zunächst ruhiggestellt, hochgelagert und bei Bedarf gekühlt. Die Ruhigstellung soll das Gelenk schützen und für einen ungestörten Heilungsprozess sorgen. Wenn sich Knochen verschoben haben oder aus dem Gelenk gerutscht sind, können sie eingerenkt werden. Bandagen, Schienen, Orthesen und Gipsverbände werden im Allgemeinen etwa sechs Wochen lang getragen.

    Nach einiger Zeit kann man beginnen, das Gelenk allmählich wieder zu belasten und zu kräftigen. Wann dazu geraten wird, mit leichten Bewegungsübungen oder Physiotherapie (Krankengymnastik) zu beginnen, hängt vom Ausmaß der Verletzung ab: Manchmal sind leichte Übungen bereits wenige Tage nach dem Unfall oder der Operation möglich, manchmal erst nach Abnahme der Schiene oder des Gipsverbands. Da der Fuß anfangs ruhiggestellt wird, kann eine Thrombose-Vorbeugung mit Spritzen sinnvoll sein.

    Ein Sprunggelenkbruch muss nicht unbedingt operiert werden. Ob eine Operation nötig ist oder nicht, hängt unter anderem davon ab,

    • wie ausgeprägt der Bruch ist,
    • an welcher Stelle der Knöchel gebrochen ist,
    • ob es sich um einen offenen Bruch handelt,
    • ob Gefäße oder Nerven verletzt sind und
    • ob sich die Knochenteile gegeneinander verschoben haben.

    Bei einer Operation können zum Beispiel Schrauben und Platten eingesetzt werden, die die gebrochenen Knochen zusammenhalten, damit sie wieder zusammenwachsen können.

    Auch nach einer Operation wird das Sprunggelenk durch eine Bandage, Schiene oder einen Gipsverband ruhiggestellt. Einige Bandagen und Schienen sind abnehmbar, dann kann schon während der Zeit der Ruhigstellung mit leichten Bewegungsübungen begonnen werden. Wenn der Bruch verheilt und die Knochen zusammengewachsen sind, können die Schrauben und Platten je nach Situation wieder entfernt werden.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S3-Leitlinie: Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE). AWMF-Registernr.: 003-001. 15.10.2015.

    Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Überarbeitete Leitlinie S2-e: Sprunggelenkfraktur. AWMF-Registernr.: 012-003. 12.05.2015. (Leitlinien Unfallchirurgie).

    Goost H, Wimmer MD, Barg A, Kabir K, Valderrabano V, Burger C. Fractures of the ankle joint: investigation and treatment options. Dtsch Arztebl Int 2014; 111(21): 377-388.

    Lin CW, Donkers NA, Refshauge KM, Beckenkamp PR, Khera K, Moseley AM. Rehabilitation for ankle fractures in adults. Cochrane Database Syst Rev 2012; (11): CD005595.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Sprunggelenkbruch: Was hilft, wieder auf die Beine zu kommen?

    Nach der Operation eines Sprunggelenkbruchs kann es kurzfristig Vorteile haben, eine abnehmbare Bandage oder Schiene zu tragen und bereits nach einigen Tagen vorsichtig mit Bewegungsübungen oder Physiotherapie zu beginnen. Zu frühe Bewegung kann aber auch zu Problemen bei der Wundheilung führen.

    Wenn man mit dem Fuß umknickt, bricht manchmal das obere Sprunggelenk. Dies ist eine ernsthaftere Verletzung, bei der auch das Schienbein und / oder das Wadenbein betroffen sind. Oft sind dann auch die Bänder gerissen und der Knorpel beschädigt. Fuß und Knöchel werden dick, tun weh und man kann nicht mehr auftreten. Es dauert mehrere Tage oder Wochen, bis die Schwellung abgeklungen ist. Bis sich das Sprunggelenk vollständig von dem Bruch erholt hat, können Monate vergehen.

    Studien zur Wirkung von Methoden zur Nachbehandlung

    Wissenschaftlerinnen des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration sind der Frage nachgegangen, welche Formen der Nachbehandlung die Heilung nach einem Sprunggelenkbruch am besten unterstützen. Wann ist beispielsweise der beste Zeitpunkt, um mit Bewegung und Belastung zu beginnen? Welche Übungen eignen sich am besten? Könnten Behandlungen wie etwa eine Elektrotherapie oder Hypnose helfen?

    Die Wissenschaftlerinnen suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, um herauszufinden, durch welche Maßnahmen das Sprunggelenk wieder schneller beweglich wird, und wie sie im Vergleich zu anderen abschneiden. Die Cochrane-Forscherinnen schlossen insgesamt 38 Studien in ihre Bewertung ein. Die Studien hatten aber teilweise nur wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer und waren zudem nicht gut gemacht. Daher ist ihre Aussagekraft beschränkt. Die Teilnehmenden waren erwachsene Männer und Frauen aller Altersgruppen. Die einzelnen Studien prüften die Vor- und Nachteile von

    • Maßnahmen während der Ruhigstellung (Immobilisationsphase): Bei der Auswertung dieser Studien unterschieden die Forscherinnen, ob der Knöchel vor der Ruhigstellung operiert wurde oder nicht. Untersucht wurden Methoden wie das Tragen verschiedener Schienen und Hypnosetherapie.
    • Maßnahmen im Anschluss an die Ruhigstellung: Diese Studien prüften Maßnahmen wie Physiotherapie, Stretching oder Elektrotherapie. Die Methoden wurden erst eingesetzt, nachdem Schiene, Bandage oder Gipsverband entfernt worden waren. An den Studien nahmen operierte und nicht operierte Menschen teil.

    Maßnahmen während der Ruhigstellung

    Bei konservativer Behandlung

    Drei Studien gingen der Frage nach, welche Methoden am besten helfen, wenn nicht operiert wurde (konservative Behandlung). In zwei Studien wurden die Vor- und Nachteile des Tragens zweier verschiedener Schienen miteinander verglichen. Die dritte Studie verglich den Einsatz von Hypnosetherapie mit Physiotherapie. Physiotherapie (Krankengymnastik) ist bei einem Sprunggelenkbruch die Standardtherapie. Die Studienergebnisse zeigten keine eindeutigen Unterschiede zwischen den verschiedenen Maßnahmen.

    Nach einer Operation

    30 Studien untersuchten verschiedene Methoden nach einer Operation wie das Tragen einer Bandage oder Schiene, zum Teil kombiniert mit Bewegungsübungen oder einer Elektrotherapie. Da viele Studien sehr klein waren und zum Teil unterschiedliche Behandlungen verglichen, lassen sich nur bei einigen die Vor- und Nachteile beurteilen.

    Zehn dieser Studien prüften die Wirkung von frühzeitigen Bewegungsübungen. Sie geben Hinweise, dass das Sprunggelenk etwas früher wieder beweglich wird, wenn Menschen nach der Operation eine abnehmbare Bandage oder Schiene tragen und früh mit Bewegungsübungen beginnen. Durch die frühzeitige Bewegung verringerte sich auch das Thromboserisiko. In einigen Studien konnten die Teilnehmenden mit abnehmbarer Bandage oder Schiene zudem ihre alltäglichen Aktivitäten früher wieder aufnehmen als die Teilnehmenden mit fester Schiene, die später mit Bewegungsübungen begannen. Allerdings waren am Ende beide Teilnehmergruppen vergleichbar aktiv und beweglich.

    Die frühzeitige Bewegung nach einer Operation führte jedoch auch zu kleinen Problemen, meist bei der Wundheilung:

    • Ohne frühe Physiotherapie betraf dies ungefähr 7 von 100 Teilnehmenden, die ihren Knöchel erst später bewegten.
    • Mit früher Physiotherapie berichteten etwa 16 von 100 Teilnehmenden, die bereits nach ein paar Tagen mit leichten Bewegungsübungen begannen, von Problemen.

    Dies bedeutet, dass geschätzt etwa 9 von 100 Teilnehmenden durch die frühe Bewegung Probleme bekamen. Ernste unerwünschte Wirkungen wie ein erneuter Bruch des Knöchels waren jedoch selten.

    Maßnahmen im Anschluss an die Ruhigstellung

    Fünf Studien untersuchten, ob eine besonders intensive Physiotherapie in Kombination mit Dehnübungen, Elektrotherapie oder Bewegungsübungen im Vergleich zu der üblichen Physiotherapie einen Vorteil hat. Keine dieser Methoden führte dazu, dass das Gelenk beweglicher wurde als durch die übliche Physiotherapie. An diesen Studien nahmen sowohl operierte als auch nicht operierte Menschen teil.

    Quellen

    Keene DJ, Williamson E, Bruce J, Willett K, Lamb SE. Early ankle movement versus immobilization in the postoperative management of ankle fracture in adults: a systematic review and meta-analysis. J Orthop Sports Phys Ther 2014; 44(9): 690-701.

    Lin CW, Donkers NA, Refshauge KM, Beckenkamp PR, Khera K, Moseley AM. Rehabilitation for ankle fractures in adults. Cochrane Database Syst Rev 2012; (11): CD005595.

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