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Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

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    Wer ständig antriebslos ist, einen niedrigen Puls hat und über Verstopfung klagt, fragt sich, woran das liegen mag. Solche Beschwerden können viele Ursachen haben, sind aber auch typisch für eine Schilddrüsenunterfunktion. Mit einem Bluttest lässt sich die Erkrankung sicher feststellen.

    Einleitung

    Die Schilddrüse hat eine lebenswichtige Aufgabe: Sie produziert Hormone, die den Stoffwechsel regeln und im Gleichgewicht halten. Die Schilddrüsenhormone steuern sehr viele Vorgänge im Körper.

    Wenn die Schilddrüse (Thyroidea) zu wenig Hormone herstellt, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion. Der Fachbegriff hierfür lautet Hypothyreose. Dies kann zu verschiedensten Beschwerden führen. So verlangsamt eine Schilddrüsenunterfunktion den Stoffwechsel, was zum Beispiel Müdigkeit, Antriebsschwäche oder Verstopfung auslösen kann.

    Bei den meisten Menschen wird eine Schilddrüsenunterfunktion durch eine chronische Entzündung der Schilddrüse verursacht. Die Unterfunktion lässt sich leicht behandeln, indem man täglich eine Tablette mit Schilddrüsenhormon einnimmt. Durch den Hormonersatz verschwinden die Beschwerden in der Regel.

    Symptome

    Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, verlangsamt das den Stoffwechsel. Dies kann viele Teile des Körpers betreffen und ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen. Dazu gehören:

    • Erschöpfung, Schwäche und Müdigkeit
    • niedriger Puls
    • Kälteempfindlichkeit und verminderte Schweißproduktion
    • Atemnot bei Anstrengung
    • leichte bis mäßige Gewichtszunahme
    • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, geistige oder sprachliche Verlangsamung
    • Verstopfung
    • trockene Haut und Haare, Haarausfall
    • gelbliche Hautverfärbungen
    • tiefe, heisere Stimme
    • vergrößerte Zunge
    • teigige Verdickungen und Schwellungen der Haut
    • vergrößerte Schilddrüse (auch Struma oder Kropf genannt)
    • Schwerhörigkeit
    • Muskel- oder Gelenkschmerzen
    • verlangsamte Reflexe
    • starke Regelblutungen oder Störungen des Menstruationszyklus, eingeschränkte Fruchtbarkeit
    • Erektionsstörungen
    • Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
    • Depressionen oder andere psychische Auffälligkeiten

    Viele dieser Symptome können auch andere Ursachen haben. Gerade bei älteren Menschen kann es passieren, dass eine Schilddrüsenunterfunktion mit altersbedingten Veränderungen wie beispielsweise einer beginnenden Demenz verwechselt wird. Um die Erkrankung sicher festzustellen, ist daher eine Blutuntersuchung erforderlich.

    Ursachen

    Erkrankungen der Schilddrüse und andere Faktoren können dazu führen, dass nicht mehr genug Schilddrüsenhormone gebildet werden. Dazu gehören:

    • Hashimoto-Thyreoiditis: Bei dieser Autoimmunerkrankung der Schilddrüse hält das Abwehrsystem des Körpers die Zellen der Schilddrüse irrtümlich für fremd und greift sie an. Es entwickelt sich eine Entzündung, die aber auf die Schilddrüse begrenzt bleibt. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion.
    • Entfernung der Schilddrüse oder Strahlentherapie: Bei bestimmten Erkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenkrebs wird die Schilddrüse bestrahlt oder in einer Operation teilweise oder ganz entfernt. Auch bei einer vergrößerten Schilddrüse (Struma) werden Teile entfernt. Dann werden zu wenig oder gar keine Schilddrüsenhormone mehr produziert. Wurde die Schilddrüse bestrahlt, kann sich eine Unterfunktion sehr langsam entwickeln und erst nach einigen Jahren auftreten.
    • ausgeprägter Jodmangel: Das Spurenelement Jod wird zur Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt. Jod kann der Körper nicht selbst produzieren. Wenn die Nahrung dauerhaft zu wenig Jod enthält, kann es daher zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen. Dies ist in den Industrieländern heute aber sehr selten.
    • Medikamente: Bestimmte Medikamente können die Bildung von Schilddrüsenhormonen hemmen. Dazu gehören zum Beispiel eine Reihe von Krebsmedikamenten sowie der Wirkstoff Lithium, der zur Behandlung bestimmter psychischer Erkrankungen eingesetzt wird. Auch Medikamente, die bei einer Überfunktion der Schilddrüse eingesetzt werden, hemmen die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Wenn sie zu hoch dosiert sind, kann dies eine Unterfunktion auslösen.
    • zentrale Schilddrüsenunterfunktion: Bei weniger als 1 % der Betroffenen wird eine Schilddrüsenunterfunktion von einer Erkrankung der Hirnanhangsdrüse oder des Hypothalamus im Zwischenhirn verursacht. Beide Organe bilden Hormone, die wiederum die Hormonproduktion der Schilddrüse steuern und zum zentralen Nervensystem gehören.

    Verlauf

    Wie eine Schilddrüsenunterfunktion verläuft, hängt von ihrer Ursache ab. Bei Erwachsenen entwickelt sie sich oft schleichend, da sie meist durch die Hashimoto-Erkrankung verursacht wird. Diese führt normalerweise zu einem langsamen Abbau des Schilddrüsengewebes.

    Das restliche Schilddrüsengewebe kann den Verlust lange ausgleichen, indem es mehr Hormone herstellt und den Körper so weiterhin ausreichend versorgt. Wenn jedoch so viel Gewebe abgebaut wurde, dass nicht mehr ausreichend Hormone produziert werden können, kommt es zu Beschwerden.

    Die fehlenden Schilddrüsenhormone können durch Tabletten leicht ersetzt werden. Dann normalisiert sich der Stoffwechsel und die Beschwerden verschwinden. Unbehandelt kann eine Schilddrüsenunterfunktion jedoch verschiedene Probleme auslösen. Im (seltenen) Extremfall kann sie bis hin zu einem lebensbedrohlichen Koma führen.

    Diagnose

    Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst nach den Beschwerden fragen und die Schilddrüse abtasten. Wenn es Hinweise auf eine Schilddrüsenunterfunktion gibt, wird ein Bluttest gemacht, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können.

    Zunächst wird gemessen, ob der TSH-Wert erhöht ist. TSH steht für Thyroidea-stimulierendes Hormon, was so viel bedeutet wie „Schilddrüsen anregendes Hormon“. Es wird in der Hirnanhangsdrüse produziert und regelt die Bildung der Schilddrüsenhormone. Leicht erhöhte TSH-Werte können das erste Anzeichen für eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion sein. Denn die Hirnanhangsdrüse reagiert auf einen Mangel an Schilddrüsenhormonen und regt mit verstärkter TSH-Produktion die Schilddrüse an.

    Fachleute sind sich nicht einig, ab wann der TSH-Wert als eindeutig erhöht gelten sollte. Für viele ist erst ein TSH-Wert von über 4 bis 5 Millieinheiten pro Liter (mU/L) auffällig, für manche bereits ein Wert von über 2,5 mU/L. Manchmal ist er nur vorübergehend erhöht und normalisiert sich von selbst wieder. Daher wiederholt man die Messung am besten. Ist der TSH-Wert dann immer noch erhöht, misst man die Menge des „freien“ Schilddrüsenhormons Thyroxin im Blut, den sogenannten fT4-Wert.

    Von einer Schilddrüsenunterfunktion spricht man, wenn

    • typische Beschwerden bestehen und
    • der Thyroxin-Wert (fT4-Wert) zu niedrig ist.

    Der normale Bereich für den Thyroxin-Wert wird jeweils von dem Labor vorgegeben, in dem die Blutprobe untersucht wird. Der Grund dafür ist, dass Labore aufgrund unterschiedlicher Messmethoden leicht abweichende Normbereiche haben können.

    Früherkennung

    Für Säuglinge und Kinder ist es besonders wichtig, dass ihre Schilddrüse normal funktioniert. Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen kann die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes stark beeinträchtigen. Daher werden die Schilddrüsenhormonwerte bei allen Neugeborenen routinemäßig gemessen. Die Wahrscheinlichkeit für eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion ist aber insgesamt sehr gering: Nur etwa eins von 4000 Neugeborenen kommt mit einem Schilddrüsenproblem zur Welt.

    Bei Erwachsenen gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine Messung des Hormonspiegels zur Früherkennung einen Nutzen hat. Sie hat aber unterschiedliche Risiken. Relativ viele Menschen haben leicht erhöhte TSH-Werte, Schätzungen zufolge sind das etwa 5 bis 10 % der Bevölkerung. Wenn der TSH-Wert erhöht ist, aber ausreichend Schilddrüsenhormone produziert werden, spricht man von „latenter“ Schilddrüsenunterfunktion.

    Erhöhte TSH-Werte bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass eine Schilddrüsenunterfunktion mit Beschwerden bevorsteht. Pro Jahr entwickeln im Durchschnitt 3 bis 4 von 100 Menschen mit erhöhten TSH-Werten Beschwerden, die behandelt werden müssen. Das Risiko hierfür steigt, wenn der TSH-Wert deutlich erhöht ist oder das Blut bestimmte Antikörper enthält. Frauen haben ein höheres Risiko als Männer.

    Da TSH-Werte allein wenig aussagen, könnte eine routinemäßige Untersuchung unnötige Behandlungen und Sorgen nach sich ziehen.

    Noch andere Gründe sprechen gegen eine routinemäßige Messung des TSH-Werts ohne konkreten Verdacht: So gibt es bislang keine allgemein anerkannte Grenze, ab wann ein TSH-Wert „zu hoch“ ist. Zudem unterliegen die Hormonwerte natürlichen Schwankungen. Leicht erhöhte TSH-Werte bilden sich sogar relativ oft zurück, manchmal auch nach längerer Zeit. Ein abweichender Wert bedeutet also noch keine Erkrankung.

    Mit dem Alter steigt der TSH-Spiegel etwas an. Daher wird diskutiert, ob bei älteren Menschen andere Grenzwerte sinnvoll wären als bei jüngeren. Auch im Kindes- und Jugendalter sind die TSH-Werte oft etwas höher, weil sich der Körper noch in der Entwicklung befindet.

    Vorbeugung

    Einer Schilddrüsenunterfunktion durch Jodmangel lässt sich durch eine ausreichende Jodversorgung vorbeugen, insbesondere durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz. Auch manche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Jod. In Deutschland ist Jodmangel heute nur noch sehr selten die Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion.

    Erwachsenen wird insgesamt eine tägliche Jodzufuhr von 200 Mikrogramm (µg) empfohlen – mehr als 500 µg sollten es aber nicht sein. Kinder benötigen weniger als 200 µg Jod pro Tag, schwangere und stillende Frauen etwas mehr.

    Die Jodversorgung von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre wurde 2007 durch das Robert Koch-Institut untersucht. Dabei zeigte sich, dass etwa 85 % der unter 18-Jährigen ausreichend oder mehr als ausreichend mit Jod versorgt sind. Zur Jodversorgung von Erwachsenen gibt es keine umfassenden Daten.

    Dauerhaft zu viel Jod erhöht das Risiko für eine Schilddrüsenüberfunktion. Eine Überdosierung durch Lebensmittel ist aber kaum möglich. Eine Ausnahme sind getrocknete Algen, insbesondere Seetang. Sie enthalten so viel Jod, dass ihr Verzehr zu einer Überschreitung des empfohlenen Höchstwertes von 500 µg täglich führen kann. Auch die tägliche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann problematisch sein, wenn sie mehr als 100 µg Jod enthalten.

    Behandlung

    Das fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin wird durch ein Medikament ersetzt, das dem körpereigenen Hormon entspricht. Der Wirkstoff wird auch als Levothyroxin oder L-Thyroxin bezeichnet. Das Medikament bringt die Hormonwerte in den normalen Bereich. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel vollständig. Je nach Ursache wird eine Unterfunktion vorübergehend oder dauerhaft – also zeitlebens – behandelt.

    Thyroxin wird einmal am Tag als Tablette eingenommen. Oft wird empfohlen, sie mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück einzunehmen. Der Körper soll den Wirkstoff dann besser aufnehmen können. Man kann die Tablette aber auch abends vor dem Schlafengehen einnehmen. Vielen Menschen fällt dies leichter, weil sie dann ohnehin längere Zeit nichts essen.

    Nebenwirkungen treten bei richtiger Dosierung praktisch nicht auf. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht. Wenn nötig, wird sie anhand der Beschwerden und der Schilddrüsenwerte nach zwei bis drei Monaten angepasst. Solange dauert es, bis sich der Hormonspiegel im Körper eingependelt hat. Wenn die Werte über längere Zeit gut eingestellt sind, reicht es meist aus, sie einmal im Jahr zu kontrollieren.

    Die Behandlung mit Thyroxin kann zu einer Gewichtsabnahme führen. Wer abnehmen möchte, könnte daher in Versuchung geraten, mehr Thyroxin zu nehmen als nötig. Dies ist aber keine gute Idee, denn zu viel Thyroxin kann Nebenwirkungen wie Herzrasen, Zittern und Erregbarkeit auslösen und birgt langfristig ernsthafte Risiken.

    Bei einer latenten Schilddrüsenunterfunktion ist nur der TSH-Wert erhöht. Der Hormonspiegel ist noch normal. Fachleute sind unterschiedlicher Meinung, wann sie behandelt werden soll. In der Regel ist eine sofortige Behandlung aber nicht nötig.

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Latente Schilddrüsenunterfunktion behandeln: Ja oder nein?

    Bei einer latenten Schilddrüsenunterfunktion werden noch genug Schilddrüsenhormone gebildet. Bestimmte Blutwerte können allerdings auf einen beginnenden Hormonmangel hinweisen. Fachleute sind unterschiedlicher Meinung, ob man eine latente Unterfunktion behandeln soll. Wann dies Vorteile hat, ist bisher noch unklar.

    Bei Menschen mit einer bereits spürbaren (manifesten) Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse nicht mehr genug Schilddrüsenhormone. Das wichtigste Schilddrüsenhormon ist Thyroxin. Es regelt sehr viele Körpervorgänge und hält den Stoffwechsel im Gleichgewicht. Wenn zu wenig Thyroxin produziert wird, können verschiedene gesundheitliche Probleme auftreten. Die Symptome reichen von kalten Händen bis hin zu körperlicher Schwäche, Konzentrationsstörungen und Depressionen. Eine Schilddrüsenunterfunktion lässt sich durch die tägliche Einnahme einer Hormontablette behandeln. Dadurch wird das fehlende körpereigene Thyroxin ersetzt. Die Symptome verschwinden dann normalerweise vollständig.

    Eine latente Schilddrüsenunterfunktion bemerkt man nicht, da sie keine Beschwerden verursacht. Der sogenannte TSH-Wert ist erhöht, es werden aber noch ausreichend Schilddrüsenhormone gebildet. TSH steht für „Thyroidea stimulierendes Hormon“. Dieses Hormon wird in der Hirnanhangsdrüse produziert und regt die Schilddrüse (Thyroidea) an, Schilddrüsenhormone zu bilden. Leicht erhöhte TSH-Werte können das erste Anzeichen für eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion sein. Denn die Hirnanhangsdrüse reagiert auf einen Mangel an Schilddrüsenhormonen und regt mit verstärkter TSH-Produktion die Schilddrüse an.

    Man schätzt, dass ungefähr 5 von 100 Menschen eine latente Schilddrüsenunterfunktion haben. Leicht erhöhte TSH-Werte werden meist zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Sie stellen jedoch allein kein gesundheitliches Risiko dar. Oft sind die Werte auch nur vorübergehend erhöht, etwa nach starker körperlicher Anstrengung. Unter Fachleuten ist daher umstritten, wann eine latente Schilddrüsenunterfunktion behandelt werden soll.

    Bei einer latenten Schilddrüsenunterfunktion werden noch genug Schilddrüsenhormone gebildet. Bestimmte Blutwerte können allerdings auf einen beginnenden Hormonmangel hinweisen. Fachleute sind unterschiedlicher Meinung, ob man eine latente Unterfunktion behandeln soll. Wann dies Vorteile hat, ist bisher noch unklar.

    Bei Menschen mit einer bereits spürbaren (manifesten) Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse nicht mehr genug Schilddrüsenhormone. Das wichtigste Schilddrüsenhormon ist Thyroxin. Es regelt sehr viele Körpervorgänge und hält den Stoffwechsel im Gleichgewicht. Wenn zu wenig Thyroxin produziert wird, können verschiedene gesundheitliche Probleme auftreten. Die Symptome reichen von kalten Händen bis hin zu körperlicher Schwäche, Konzentrationsstörungen und Depressionen. Eine Schilddrüsenunterfunktion lässt sich durch die tägliche Einnahme einer Hormontablette behandeln. Dadurch wird das fehlende körpereigene Thyroxin ersetzt. Die Symptome verschwinden dann normalerweise vollständig.

    Eine latente Schilddrüsenunterfunktion bemerkt man nicht, da sie keine Beschwerden verursacht. Der sogenannte TSH-Wert ist erhöht, es werden aber noch ausreichend Schilddrüsenhormone gebildet. TSH steht für „Thyroidea stimulierendes Hormon“. Dieses Hormon wird in der Hirnanhangsdrüse produziert und regt die Schilddrüse (Thyroidea) an, Schilddrüsenhormone zu bilden. Leicht erhöhte TSH-Werte können das erste Anzeichen für eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion sein. Denn die Hirnanhangsdrüse reagiert auf einen Mangel an Schilddrüsenhormonen und regt mit verstärkter TSH-Produktion die Schilddrüse an.

    Man schätzt, dass ungefähr 5 von 100 Menschen eine latente Schilddrüsenunterfunktion haben. Leicht erhöhte TSH-Werte werden meist zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Sie stellen jedoch allein kein gesundheitliches Risiko dar. Oft sind die Werte auch nur vorübergehend erhöht, etwa nach starker körperlicher Anstrengung. Unter Fachleuten ist daher umstritten, wann eine latente Schilddrüsenunterfunktion behandelt werden soll.

    Wie wird eine latente Schilddrüsenunterfunktion festgestellt?

    Schilddrüsenwerte wie der TSH-Wert werden durch Bluttests ermittelt. Da ein einzelner Test irreführend sein kann, werden zwei Tests im Abstand von 2 bis 3 Monaten gemacht. Dabei wird das Blut jeweils zur selben Tageszeit abgenommen, weil die Werte im Tagesverlauf schwanken können. Von einer latenten Schilddrüsenunterfunktion spricht man, wenn die TSH-Werte bei beiden Messungen erhöht sind, das Schilddrüsenhormon Thyroxin aber im normalen Bereich liegt.

    Fachleute sind sich allerdings nicht einig, ab wann der TSH-Wert als erhöht gelten sollte. Für manche ist bereits ein TSH-Wert von über 2,5 Millieinheiten pro Liter (mU/L) auffällig, für andere erst ein Wert von über 4 bis 5 mU/L.

    Bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei älteren Menschen, ist der TSH-Wert höher als im mittleren Lebensalter. Es wird daher diskutiert, ob für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen ein höherer Grenzwert festgelegt werden sollte. Auch starkes Übergewicht und bestimmte Medikamente können den TSH-Wert erhöhen. In der Schwangerschaft kann der TSH-Wert etwas schwanken.

    Wie verläuft eine latente Schilddrüsenunterfunktion?

    Wie sich eine latente Hypothyreose entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem von der Höhe des TSH-Werts: Leicht erhöhte TSH-Werte zwischen 5 und 10 mU/L normalisieren sich häufig von selbst. Menschen mit stark erhöhten Werten über 15 mU/L entwickeln dagegen innerhalb von einigen Monaten oder Jahren oft eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion mit Beschwerden.

    In einer Studie wurden Menschen mit erhöhten TSH-Werten über etwa 2 bis 3 Jahre beobachtet. Sie hatten keine Beschwerden und auch keine bekannte Erkrankung der Schilddrüse. Die Teilnehmenden wurden nach ihrem TSH-Wert in drei Gruppen eingeteilt. In Zahlen ausgedrückt, sahen die Ergebnisse der Studie so aus:

    • leicht erhöhter TSH-Wert (zwischen 5 und 10 mU/L): In dieser Gruppe entwickelten pro Jahr 2 % der Teilnehmenden eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion.
    • mäßig erhöhter TSH-Wert (zwischen 10 und 15 mU/L): In dieser Gruppe entwickelten pro Jahr 20 % eine Schilddrüsenunterfunktion mit Beschwerden.
    • stark erhöhter TSH-Wert (über 15 mU/L): In dieser Gruppe entwickelten pro Jahr 73 % der Teilnehmenden eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion.

    Leicht und auch mäßig erhöhte TSH-Werte müssen nicht unbedingt behandelt werden. Manche Menschen mit einem erhöhten TSH-Wert bekommen nie Beschwerden. Auch bei Kindern und Jugendlichen normalisieren sich erhöhte TSH-Werte sehr oft.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einer latenten eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion entwickelt, ist höher, wenn die Schilddrüse vergrößert ist und Schilddrüsen-Antikörper im Blut nachweisbar sind. Frauen haben allgemein ein höheres Risiko als Männer.

    Schilddrüsen-Antikörper weisen in der Regel auf eine sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis hin. Diese Autoimmunerkrankung der Schilddrüse ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Aber auch Schilddrüsen-Antikörper im Blut bedeuten nicht, dass sich zwangsläufig eine Unterfunktion entwickelt.

    Hat eine Thyroxin-Behandlung bei erhöhten TSH-Werten Vorteile?

    Einige Ärztinnen und Ärzte raten Menschen mit einer latenten Schilddrüsenunterfunktion direkt zu einer Behandlung. Der Grund: Es gibt Hinweise, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei TSH-Werten über 10 mU/L längerfristig etwas steigen könnte. Bei leicht erhöhten TSH-Werten unter 10 mU/L ist ein solcher Zusammenhang aber nicht beobachtet worden.

    Bislang gibt es nur wenige gute Studien zur Frage, welche Vor- und Nachteile eine Thyroxin-Behandlung bei einer latenten Unterfunktion hat. An der bislang größten und aussagekräftigsten Studie nahmen knapp 800 Menschen über 65 Jahre teil. Zur Beantwortung der Frage, ob eine Thyroxin-Behandlung das Risiko für Folgeerkrankungen senkt, war die Studie nicht groß genug. Es gab auch keine Hinweise auf andere Vorteile einer Behandlung: Ohne Thyroxin entwickelten Menschen ähnlich selten Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion wie mit Thyroxin.

    Auch bei Kindern und Jugendlichen ist nicht durch Studien belegt, dass die Behandlung einer latenten Schilddrüsenunterfunktion Vorteile hat. Nicht selten sind erhöhte TSH-Werte bei Jugendlichen eine Folge von Übergewicht. Eine Behandlung mit Medikamenten ist dann meist nicht sinnvoll.

    Hat eine Thyroxin-Behandlung Nebenwirkungen?

    Die Nebenwirkungen einer Thyroxin-Behandlung bei Menschen mit latenter Schilddrüsenunterfunktion sind bisher nur schlecht untersucht. Thyroxin gilt aber grundsätzlich als sehr gut verträgliches Medikament. Da das Hormon normalerweise vom Körper selbst gebildet wird, treten bei richtiger Dosierung keine Probleme auf. Zu hoch dosiert, sind Nebenwirkungen aber nicht ausgeschlossen. Dazu gehören zum Beispiel Herzprobleme wie Vorhofflimmern oder Herzrasen.

    Ist eine Behandlung in der Schwangerschaft sinnvoll?

    Auch bei Schwangeren wird eine latente Unterfunktion manchmal behandelt. Um sie festzustellen, wird Schwangeren mitunter eine Früherkennungsuntersuchung als IGeL-Leistung angeboten.

    Es gibt Hinweise, dass eine latente Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft das Risiko für Fehl- und Frühgeburten erhöht. Dass eine Thyroxin-Behandlung dieses Risiko bei Frauen mit erhöhten TSH-Werten oder Schilddrüsen-Antikörpern senken kann, ist aber nicht nachgewiesen. Die bislang größte Studie zeigt keinen Vorteil einer Thyroxin-Behandlung in der Schwangerschaft – weder in Bezug auf das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt noch was die Entwicklung des Kindes angeht.

    Behandlung: Ja oder nein?

    Bei Menschen, die nur einen leicht erhöhten TSH-Wert und keine Beschwerden haben, ist in der Regel keine Behandlung nötig. Viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen sie, wenn der TSH-Wert deutlicher erhöht ist und über 10 mU/L liegt. Auch andere Faktoren können bei der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung eine Rolle spielen – zum Beispiel, wie hoch das Risiko eines Menschen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt ist.

    Bei Menschen mit erhöhten Schilddrüsen-Antikörpern (Hashimoto-Thyreoiditis) wird eine Behandlung manchmal bereits bei einem TSH-Wert über 6 mU/L empfohlen. Damit möchte man das Fortschreiten von einer latenten zu einer manifesten Unterfunktion verhindern. Ob eine Behandlung dies leisten kann, ist aber bisher kaum untersucht.

    Ob man sich für oder gegen eine Behandlung entscheidet, ist angesichts der noch offenen Fragen eine Sache der persönlichen Abwägung. Manche Menschen verzichten lieber darauf, Hormone zu nehmen, wenn es nicht unbedingt nötig ist – auch wenn eine Thyroxin-Behandlung bei richtiger Dosierung als problemlos gilt. Vor allem, wenn man keine Beschwerden hat und die Wirkung des Medikaments daher nicht spürt, kann es schwerfallen, täglich Thyroxin-Tabletten einzunehmen.

    Manche Menschen mit Beschwerden wie zum Beispiel Erschöpfung oder Verstopfung probieren eine Behandlung aus, weil sie vermuten, dass die latente Unterfunktion dafür verantwortlich ist – obwohl sie eigentlich keine Beschwerden auslöst. Solche Symptome können aber viele andere Ursachen haben.

    Wenn Beschwerden durch eine Behandlung nicht verschwinden, sind sie wahrscheinlich nicht auf eine Schilddrüsenunterfunktion zurückzuführen. Dann kann man in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt das Medikament wieder absetzen.

    Quellen

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