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Tierallergie

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    Bei einer Tierallergie sind es nicht die Haare, die eine allergische Reaktion auslösen, sondern Eiweiße, die etwa in Hautschuppen, Schweiß oder Speichel der Tiere vorkommen. Meist kommt es zu einem allergischen Schnupfen und Niesen. Den Kontakt zu dem jeweiligen Tier zu meiden, kann helfen ebenso Medikamente.

    Einleitung

    Viele Menschen sprechen von einer „Tierhaarallergie“, wenn sie mit Schnupfen oder Niesen auf eine Katze oder einen Hund reagieren. Doch es sind nicht die Haare, die eine allergische Reaktion auslösen, sondern Eiweiße, die in Hautschuppen, Schweiß, Talg, Speichel und Ausscheidungen der Tiere vorkommen.

    Diese Allergieauslöser (Allergene) können sich im Fell der Tiere festsetzen und von dort zum Beispiel auf Teppiche oder Polstermöbel gelangen. Mit Eiweiß behaftete Partikel verbreiten sich aber auch über die Luft. Die Allergene werden über die Atemwege oder durch Körperkontakt aufgenommen.

    Symptome

    Die typischen Allergiesymptome treten meist sofort nach Kontakt mit dem Allergen auf. Am häufigsten sind Atemwegsbeschwerden, die durch das Einatmen der allergenhaltigen Partikel ausgelöst werden. Meist kommt es zu allergischem Schnupfen mit laufender oder verstopfter Nase und Niesen. Aus einem allergischen Schnupfen kann sich nach einigen Jahren Asthma entwickeln.

    Tierallergene können auch zu Augenjucken und -tränen führen. Seltener sind Quaddelbildung (Nesselsucht) und Hautausschlag.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Die folgende Tabelle zeigt, welche Tiere am häufigsten Allergien auslösen und über welchen Weg sich ihre Allergene meistens verbreiten:

     

    Tiere Verbreitung von Allergenen vor allem über:
    Katzen Fell, Speichel
    Hunde Fell, Speichel
    Meerschweinchen Urin
    Pferde Fell
    Vögel Federn, Ausscheidungen

    Die Allergene können sich auch durch Tierhaare auf Gegenständen wie Matratzen, Polstermöbeln, Teppichen und Kleidungsstücken verbreiten. Nutztiere wie Rinder, Schafe und Hühner können ebenfalls Allergien verursachen.

    Allergene können zudem an Orten auftreten, an denen sich gar kein Tier aufgehalten hat. Dies gilt besonders für Katzenallergene. Sie werden über winzige Partikel verbreitet, die gut schweben und leicht über die Luft weitertransportiert werden – zum Beispiel auf Kleidung und von dort auf Möbelstücke. Sie sind sehr langlebig und können auch nach Monaten oder Jahren noch zu Beschwerden führen. Deshalb lohnt es sich, vor Einzug in eine neue Wohnung zu fragen, ob die Vormieter eine Katze hatten.

    Diagnose

    Allergiesymptome können viele Ursachen haben. Ohne eine ärztliche Untersuchung lässt sich oft nicht sicher sagen, ob sie durch Allergene eines Haustiers oder beispielsweise von Hausstaubmilben verursacht werden.

    Bei Haut- und Bluttests wird die Reaktion auf verschiedene Allergene getestet. Beim Hauttest (Prick-Test) werden mögliche Allergene mit etwas Abstand voneinander auf den Unterarm aufgetragen. Anschließend wird die Haut an diesen Stellen leicht eingeritzt, damit die Substanzen in die Haut gelangen. Dann wird beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen. Bei der Blutuntersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt, ob sich Antikörper gegen Tierallergene gebildet haben.

    Zusätzlich kann eine Blutuntersuchung oder ein sogenannter Provokationstest notwendig sein. Bei einem Provokationstest werden Allergen-Extrakte mit einem Spray oder in Tropfenform auf die Nasenschleimhaut oder die Augenbindehaut aufgetragen. Wenn die Schleimhaut anschwillt, man niesen muss und die Nase anfängt zu laufen, spricht dies für einen allergischen Schnupfen.

    Vorbeugung

    Auf ein Haustier zu verzichten, schützt in der Regel nicht davor, eine Tierallergie zu entwickeln. So haben zum Beispiel manche Menschen eine Katzenallergie, obwohl sie nie eine Katze hatten. Bei Menschen, die anfälliger für eine Tierallergie sind, kann die Anschaffung eines Haustiers jedoch dazu führen, dass zum ersten Mal Beschwerden auftreten.

    Auf der anderen Seite wird vermutet, dass das Zusammenleben mit Tieren einer Allergie auch vorbeugen könnte. Dies könnte damit zu tun haben, dass der häufige enge Kontakt mit Allergenen und Mikroben das Immunsystem so trainiert, dass es harmlose Substanzen besser von schädlichen unterscheiden kann. Ein solcher Zusammenhang ist bislang aber nicht wissenschaftlich geklärt. Ob das Zusammenleben mit Tieren das Allergierisiko überhaupt beeinflusst, kann unter anderem davon abhängen, um welches Tier es sich handelt und wie eng der Kontakt ist.

    Behandlung

    Wenn feststeht, welches Tierallergen der Auslöser ist, hilft es zunächst, den Kontakt zu dem Tier zu vermeiden. Es kann auch sinnvoll sein, Kleidungs- und Einrichtungsgegenstände gründlich zu reinigen oder zu entfernen. Ob es nötig ist, sich von einem Haustier zu trennen, hängt von der Stärke der Beschwerden und den Behandlungsmöglichkeiten ab.

    Die Beschwerden lassen sich mit Medikamenten lindern. Gegen allergischen Schnupfen gibt es antiallergische Nasensprays oder Tabletten. Hautausschläge können mit kortisonhaltigen Präparaten wie Salben behandelt werden.

    Eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) ist beispielsweise bei einer Katzenallergie möglich. Für Hundeallergien ist die Wirksamkeit noch nicht so gut untersucht. Eine Hyposensibilisierung kommt bei besonders starken Beschwerden infrage und wenn sich der Kontakt mit dem Tier nicht vermeiden lässt. Bei einer Hyposensibilisierung wird dem Körper über mindestens drei Jahre regelmäßig eine kleine Dosis des Allergens zugeführt. Dadurch soll das Immunsystem unempfindlicher gegen das Allergen werden.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Biedermann T, Heppt W, Renz H, Röcken M (Ed). Allergologie. Berlin: Springer; 2016.

    Brozek JL, Bousquet J, Agache I, Agarwal A, Bachert C, Bosnic-Anticevich S et al. Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma (ARIA) guidelines - 2016 revision. J Allergy Clin Immunol 2017; 140(4): 950-958.

    Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Allergieprävention (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 061-016. 07.2014.

    Trautmann A, Kleine-Tebbe J. Allergologie in Klinik und Praxis. Stuttgart: Thieme; 2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Mehr Wissen: Welche Medikamente können allergischen Schnupfen lindern?

    Menschen mit saisonalem Heuschnupfen haben oft sehr starke, aber vorübergehende Beschwerden – zum Beispiel während der Flugzeit der Gräserpollen. Andere reagieren allergisch auf Hausstaubmilben oder Tiere und haben das ganze Jahr über Beschwerden. Unabhängig vom Allergieauslöser können Medikamente bei einem allergischen Schnupfen Linderung verschaffen.

    Medikamente gegen allergischen Schnupfen können zwar Nebenwirkungen haben, sind aber meist gut verträglich. Es gibt verschiedene Mittel, die die Beschwerden verringern können. Welches Medikament geeignet ist, kann gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.

    Die Wahl des Medikaments kann von der Schwere und Art des allergischen Schnupfens (ganzjährig oder saisonal) abhängen sowie von persönlichen Vorlieben und Erfahrungen. Manche Menschen nehmen beispielsweise lieber Tabletten ein, als Nasenspray zu verwenden. Andere werden durch bestimmte Mittel müde und weichen dann auf ein anderes aus. Auch zusätzliche Erkrankungen können bei der Wahl der Allergiemedikamente eine Rolle spielen.

    Menschen mit saisonalem Heuschnupfen haben oft sehr starke, aber vorübergehende Beschwerden – zum Beispiel während der Flugzeit der Gräserpollen. Andere reagieren allergisch auf Hausstaubmilben oder Tiere und haben das ganze Jahr über Beschwerden. Unabhängig vom Allergieauslöser können Medikamente bei einem allergischen Schnupfen Linderung verschaffen.

    Medikamente gegen allergischen Schnupfen können zwar Nebenwirkungen haben, sind aber meist gut verträglich. Es gibt verschiedene Mittel, die die Beschwerden verringern können. Welches Medikament geeignet ist, kann gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.

    Die Wahl des Medikaments kann von der Schwere und Art des allergischen Schnupfens (ganzjährig oder saisonal) abhängen sowie von persönlichen Vorlieben und Erfahrungen. Manche Menschen nehmen beispielsweise lieber Tabletten ein, als Nasenspray zu verwenden. Andere werden durch bestimmte Mittel müde und weichen dann auf ein anderes aus. Auch zusätzliche Erkrankungen können bei der Wahl der Allergiemedikamente eine Rolle spielen.

    Welche Medikamente stehen zur Verfügung?

    Bei einem allergischen Schnupfen kommen folgende Mittel infrage:

    • Antihistaminika
    • Kortikosteroide
    • Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten
    • Chromone
    • abschwellende Nasentropfen und -sprays

    Kortisonsprays oder neuere Antihistaminika bieten sich als erste Wahl an. Viele Antihistaminika und einzelne Kortisonsprays sind ohne Rezept in Apotheken erhältlich. Höher dosierte Kortisonsprays sind jedoch verschreibungspflichtig.

    Antihistaminika

    Wenn das Immunsystem auf einen Auslöser allergisch reagiert, setzt der Körper den Botenstoff Histamin frei. Histamin bewirkt Reaktionen wie Niesen, tränende Augen und Hautausschlag. Antihistaminika unterdrücken diese Wirkung. Bei allergischem Schnupfen können Antihistaminika in Tablettenform oder als Nasenspray angewendet werden. Tabletten wirken innerhalb der ersten Stunde, Nasensprays innerhalb der ersten 15 Minuten nach Anwendung.

    Studien zeigen, dass sowohl Tabletten als auch Nasensprays die Beschwerden lindern können. Meist werden sie gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen der Tabletten sind Müdigkeit und Kopfschmerzen. Sie können unter Umständen das Autofahren und andere Tätigkeiten beeinträchtigen. Wie sehr sie müde machen, kann auch vom Wirkstoff abhängen. Deshalb ist es wichtig, die Anwendungshinweise zu beachten und sich vorher zu den verschiedenen Medikamenten beraten zu lassen. Nasensprays können einen bitteren Geschmack im Mund verursachen.

    Kortikosteroide

    Kortikosteroide enthalten das entzündungshemmende Hormon Kortison. Kortisonhaltige Sprays lassen die Schleimhäute abschwellen und lindern Beschwerden wie eine laufende oder verstopfte Nase. Da durch Nasensprays nur geringe Mengen Kortison in das Blut gelangen, ist die Anwendung risikoarm. Sie können über längere Zeit angewendet werden, dann ist aber eine regelmäßige ärztliche Kontrolle sinnvoll.

    Eine Wirkung ist nicht sofort, aber oft innerhalb der ersten zwölf Stunden spürbar. Die volle Wirkung tritt nach wenigen Tagen ein. Es können leichtere Nebenwirkungen auftreten wie Nasenbluten, Kopfschmerzen oder Geschmacksstörungen.

    Kombinationspräparate

    Manche Nasensprays enthalten sowohl ein Antihistaminikum als auch Kortison. Diese Kombination ist wirksamer als die Behandlung mit nur einem der Wirkstoffe. Sie ist dann geeignet, wenn die Behandlung mit einem einzelnen Wirkstoff nicht ausreichend hilft.

    Kombinations-Nasensprays sind im Gegensatz zu vielen Präparaten mit nur einem Wirkstoff rezeptpflichtig.

    Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten

    Diese Medikamente blockieren die Leukotriene – Botenstoffe, die eine wichtige Rolle bei der Entzündungsreaktion in den Atemwegen spielen. Neben Asthma können sie auch Heuschnupfen-Beschwerden lindern – allerdings nicht so gut wie Antihistaminika oder Kortison-Nasenspray. Die Medikamente sind meist gut verträglich. Manchmal kommt es zu vorübergehenden Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen.

    Chromone (Mastzellenstabilisatoren)

    Mastzellenstabilisatoren verhindern den Austritt von Histamin aus bestimmten Körperzellen, den Mastzellen. Dadurch mindern sie allergische und entzündliche Reaktionen. Sie werden als Nasenspray und meist vorbeugend angewendet, können aber auch Beschwerden lindern. Mögliche Nebenwirkungen sind Reizungen der Nasenschleimhaut und ein unangenehmer Geschmack im Mund.

    Nasentropfen und -sprays mit abschwellenden Wirkstoffen (Dekongestiva)

    Diese Nasentropfen und -sprays führen zum Abschwellen der Schleimhäute in der Nase und in den Nasennebenhöhlen. Dies soll die Nasenatmung verbessern. Abschwellende Nasentropfen sind aber nicht zur Dauertherapie von allergischem Schnupfen geeignet. Sie bewirken zwar, dass die Nase freier wird und man besser durchatmen kann. Schon nach kurzer Anwendungszeit kann es jedoch zu einer Gewöhnung kommen und es tritt der gegenteilige Effekt ein: Die Schleimhaut schwillt wieder an und die Nasenatmung ist erschwert. Zudem können die Mittel Nebenwirkungen wie Nasenbluten hervorrufen. Aus diesen Gründen wird empfohlen, abschwellende Nasentropfen höchstens über 5 bis 7 Tage anzuwenden.

    Gibt es Medikamente, die besser helfen als andere?

    Häufig werden als erste Behandlungsmöglichkeit Kortison-Nasensprays empfohlen. Sie sind ähnlich gut verträglich wie andere Mittel und wirksamer als beispielsweise Antihistaminika-Tabletten.

    Falls sich die Beschwerden nicht ausreichend bessern, gibt es die Möglichkeit, das Medikament zu wechseln oder zwei Medikamente miteinander zu kombinieren: beispielsweise ein Kortison-Nasenspray mit Antihistaminika-Tabletten. Oder man wendet ein Nasenspray an, das beide Wirkstoffe (Kortison und Antihistaminikum) enthält.

    Quellen

    Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ). Treatments for seasonal allergic rhinitis. 07.2013. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 10).

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    Debbaneh PM, Bareiss AK, Wise SK, McCoul ED. Intranasal Azelastine and Fluticasone as Combination Therapy for Allergic Rhinitis: Systematic Review and Meta-analysis. Otolaryngol Head Neck Surg 2019; 161(3): 412-418.

    Feng S, Fan Y, Liang Z, Ma R, Cao W. Concomitant corticosteroid nasal spray plus antihistamine (oral or local spray) for the symptomatic management of allergic rhinitis. Eur Arch Otorhinolaryngol 2016; 273(11): 3477-3486.

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    Liu G, Zhou X, Chen J, Liu F. Oral Antihistamines Alone vs in Combination with Leukotriene Receptor Antagonists for Allergic Rhinitis: A Meta-analysis. Otolaryngol Head Neck Surg 2018; 158(3): 450-458.

    Seresirikachorn K, Chitsuthipakorn W, Kanjanawasee D, Khattiyawittayakun L, Snidvongs K. Effects of H1 antihistamine addition to intranasal corticosteroid for allergic rhinitis: a systematic review and meta-analysis. Int Forum Allergy Rhinol 2018; 8(10): 1083-1092.

    Wei C. The efficacy and safety of H1-antihistamine versus Montelukast for allergic rhinitis: A systematic review and meta-analysis. Biomed Pharmacother 2016; 83: 989-997.

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    Mehr Wissen: Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) bei allergischem Schnupfen

    Menschen mit Heuschnupfen, Hausstaub- oder Tierallergie können sich gegen ihre Allergie hyposensibilisieren lassen. Diese Behandlung gewöhnt das Immunsystem an die Allergieauslöser. Dadurch können die Beschwerden nachlassen.

    Das Ziel einer Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) ist es, die Allergiesymptome mittel- und langfristig zu verringern. Sie dauert etwa drei Jahre. Eine Hyposensibilisierung ist sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen möglich.

    Menschen mit Heuschnupfen, Hausstaub- oder Tierallergie können sich gegen ihre Allergie hyposensibilisieren lassen. Diese Behandlung gewöhnt das Immunsystem an die Allergieauslöser. Dadurch können die Beschwerden nachlassen.

    Das Ziel einer Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) ist es, die Allergiesymptome mittel- und langfristig zu verringern. Sie dauert etwa drei Jahre. Eine Hyposensibilisierung ist sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen möglich.

    Wie funktioniert eine Hyposensibilisierung?

    Der Begriff Hyposensibilisierung beschreibt das Ziel der Behandlung: Sie soll das Immunsystem an die Allergieauslöser (Allergene) gewöhnen. Wer gegen etwas allergisch ist, reagiert nämlich überempfindlich auf einen eigentlich harmlosen Stoff. Der Organismus produziert Antikörper, um sich zu schützen – vor dem irrtümlich für schädlich gehaltenen Allergen. Die Antikörper sind Teil einer Kettenreaktion, die zu den allergischen Beschwerden führt.

    Bei der Hyposensibilisierung werden dem Körper Extrakte mit dem Allergen zugeführt. Dadurch versucht man, dem Körper beizubringen, anders zu reagieren: Es ist in etwa so, als würde man gegen die eigene Allergie „geimpft“. Die Allergenextrakte können gespritzt oder als Tablette oder Tropfen eingenommen werden.

    Bei welchen Allergien ist eine Hyposensibilisierung möglich?

    Die Hyposensibilisierung eignet sich nicht für jede Allergie. Zugelassene Therapie-Allergene gibt es für

    • Gräser-, Getreide- und Kräuterpollen,
    • Baumpollen,
    • Hausstaubmilben sowie
    • Wespen- und Bienengift.

    Eine Hyposensibilisierung ist aber auch mit Therapie-Allergenen möglich, die nicht zugelassen sind – etwa bei einer Allergie gegen Katzen oder Schimmel. Anders als bei den zugelassenen Therapie-Allergenen kann aber nicht garantiert werden, dass hierbei immer mit ausreichend wirksamen Zusammensetzungen behandelt wird.

    Woraus besteht die Behandlung?

    Bei einer Hyposensibilisierung wird einem Menschen wiederholt eine winzige Menge des Allergens verabreicht. Um dem Körper zu helfen, sich an das Allergen zu gewöhnen, ist die zugeführte Menge des Extrakts zunächst sehr klein. Die Dosis wird schrittweise erhöht, bis eine persönliche Höchstdosis erreicht ist, die dann in regelmäßigen Abständen gegeben wird.

    Es gibt zwei Formen der Hyposensibilisierung:

    • Die subkutane Immuntherapie (SCIT): Die Allergene werden mithilfe von Spritzen (Injektionen) verabreicht.
    • Die sublinguale Immuntherapie (SLIT): Die Allergene werden als Tropfen oder Tablette unter die Zunge (sublingual) gegeben, dort 1 bis 2 Minuten gehalten und dann geschluckt.

    Für eine Hyposensibilisierung mithilfe von Spritzen sind regelmäßige Arztbesuche nötig. Das Allergen wird dem Körper zunächst wöchentlich oder alle zwei Wochen zugeführt, später dann in größeren Abständen von meist vier Wochen. Bei einer sublingualen Immuntherapie werden die Tropfen oder Tabletten in der Regel täglich selbst eingenommen.

    Kann eine Hyposensibilisierung helfen?

    Beide Formen der Hyposensibilisierung – also das Spritzen und die Einnahme unter die Zunge – sind wirksame Behandlungen. Viele Studien zeigen, dass sie die Beschwerden und den Medikamentenbedarf bei allergischem Schnupfen verringern können. Eine Besserung von Niesreiz, verstopfter Nase, Augenjucken und -tränen ist schon im ersten Jahr möglich. Normalerweise dauert es aber mindestens 2 bis 3 Jahre, bis die Behandlung ihre volle Wirkung zeigt.

    Die Hyposensibilisierung wirkt bei Heuschnupfen und bei ganzjährigem allergischem Schnupfen. Das heißt, die Behandlung eignet sich sowohl für Menschen, die gegen Baum-, Pflanzen- oder Gräserpollen allergisch sind, als auch für Menschen mit einer Allergie gegen Hausstaubmilben. Ihr Nutzen bei einer Schimmel- oder Tierallergie ist weniger gut untersucht. Einige Studien weisen aber darauf hin, dass die Therapie auch bei einer Katzenallergie wirksam sein kann.

    Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht: Bei einigen Menschen kann die Therapie die Beschwerden nicht lindern. Manchmal verstärken sich die Symptome nach Ende der Behandlung auch wieder.

    Die Hyposensibilisierung hat aber wichtige Vorteile gegenüber allen anderen antiallergischen Behandlungen: Sie kann verhindern, dass sich die ursprüngliche Allergie auf neue Allergene ausweitet (Kreuzallergie) oder sich ein Asthma entwickelt. Zudem ist sie die einzige Therapie, die direkt an den Ursachen der Beschwerden ansetzt. Nach einer erfolgreichen Behandlung sind deshalb weniger oder gar keine Medikamente mehr nötig.

    Welche Nebenwirkungen gibt es?

    Leichtere Nebenwirkungen treten bei über der Hälfte der Behandelten auf. Dies ist zu erwarten, wenn dem Körper eine Substanz zugeführt wird, auf die er normalerweise allergisch reagiert. Dazu gehören:

    • leichter Hautausschlag an der Einstichstelle
    • allergische Reaktionen wie Niesen, tränende Augen oder leichte asthmatische Beschwerden
    • Juckreiz und Schwellungen im Mund
    • Müdigkeit und Kopfschmerzen

    Meist sind diese Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend, nur selten ist eine Behandlung erforderlich.

    Falls starke Nebenwirkungen auftreten, wird die Dosis verringert. Dann ist es sinnvoll, auch andere mögliche Ursachen abzuklären. Kann eine andere Ursache für die Beschwerden gefunden und beseitigt werden, lässt sich die Dosis möglicherweise wieder steigern.

    Eine Hyposensibilisierung kann auch während der Pollensaison begonnen werden. Manche befürchten, dass die Behandlung dann belastender ist und zu mehr Allergiebeschwerden führt. Studien zeigen aber, dass die Nebenwirkungen vergleichbar sind mit einer Hyposensibilisierung, die im Winter gestartet wird.

    Sehr selten: Die anaphylaktische Reaktion

    In Ausnahmefällen kann eine Hyposensibilisierung eine heftige allergische Reaktion auslösen – die anaphylaktische Reaktion. Dabei kann es unter anderem zu starkem Juckreiz, Übelkeit sowie Atem- und Kreislaufbeschwerden bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen. Diese Symptome müssen sofort ärztlich behandelt werden. Dann wird der Wirkstoff Adrenalin gespritzt, der die gefährliche Überreaktion des Körpers schnell eindämmen kann.

    Eine anaphylaktische Reaktion ist bei ansonsten gesunden Menschen sehr selten. In Studien trat nach weniger als 1 von 1000 Spritzen eine Reaktion auf, die mit Adrenalin behandelt werden musste. Dieses geringe Risiko ist jedoch der Grund für eine Vorsichtsmaßnahme: Nach jeder Behandlung mit einem Allergen-Extrakt muss man mindestens 30 Minuten in der Arztpraxis bleiben. Außerdem ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt die Symptome einer anaphylaktischen Reaktion genau erklärt und auch Angehörige mit einbezieht. Falls sie zu einem späteren Zeitpunkt auftritt, kann dann sofort ärztliche Hilfe geholt werden.

    Das Risiko einer anaphylaktischen Reaktion ist für manche Menschen höher: So können bestimmte Herzprobleme das Risiko erhöhen und Betablocker die Behandlung möglicher Nebenwirkungen erschweren. Eine Hyposensibilisierung ist bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen daher normalerweise nur möglich, wenn Betablocker durch andere Medikamente ersetzt werden können. Für Menschen mit schwerem Asthma kommt eine Hyposensibilisierung infrage, wenn das Asthma gut kontrolliert und stabil ist. Wer schon einmal allergisch auf eine Spritze reagiert hat, sollte die Ärztin oder den Arzt vor Beginn einer Hyposensibilisierung darüber informieren.

    Was hilft besser: Spritzen, Tropfen oder Tabletten?

    Studien deuten darauf hin, dass die Behandlung mit Spritzen die Beschwerden etwas besser lindern könnte als das Verabreichen des Wirkstoffs als Tablette oder Tropfen unter die Zunge. Da die Behandlungen aber zumindest ähnlich gut wirken, ist es bei der Wahl der Therapieform möglich, nach persönlichen Vorlieben oder Abneigungen zu entscheiden.

    Quellen

    Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ). Treatments for seasonal allergic rhinitis. 07.2013. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 10).

    Calderon MA, Alves B, Jacobson M, Hurwitz B, Sheikh A, Durham S. Allergen injection immunotherapy for seasonal allergic rhinitis. Cochrane Database Syst Rev 2007; (1): CD001936.

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    Dhami S, Nurmatov U, Arasi S, Khan T, Asaria M, Zaman H et al. Allergen immunotherapy for allergic rhinoconjunctivitis: A systematic review and meta-analysis. Allergy 2017; 72(11): 1597-1631.

    Di Bona D, Frisenda F, Albanesi M, Di Lorenzo G, Caiaffa MF, Macchia L. Efficacy and safety of allergen immunotherapy in patients with allergy to molds: A systematic review. Clin Exp Allergy 2018; 48(11): 1391-1401.

    Englert L, May S, Kaul S, Vieths S. [The therapy allergens ordinance ("Therapieallergene-Verordnung"). Background and effects]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2012; 55(3): 351-357.

    Feng B, Xiang H, Jin H, Gao J, Huang S, Shi Y et al. Efficacy of Sublingual Immunotherapy for House Dust Mite-Induced Allergic Rhinitis: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Allergy Asthma Immunol Res 2017; 9(3): 220-228.

    Pfaar O, Bachert C, Bufe A, Buhl R, Ebner C, Eng P et al. Leitlinie zur (allergen-) spezifischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 061-004. Allergo J Int 2014; 23(8): 28-67.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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