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Diabetes Typ 2

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    Überblick

    Die Diagnose Diabetes Typ 2 kommt manchmal völlig unerwartet: Zum Beispiel, wenn bei einer Routineuntersuchung ein erhöhter Blutzuckerwert auffällt. Um ihn zu senken, brauchen einige Menschen nur ihre Ernährung anzupassen und etwas Gewicht abzunehmen. Andere benötigen dauerhaft Medikamente.

    Einleitung

    Typ-2-Diabetes (Diabetes mellitus) ist eine Erkrankung des Stoffwechsels, die dazu führt, dass sich im Blut Zucker ansammelt. Ein Diabetes kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein: Nach der Diagnose brauchen manche Menschen nur wenig in ihrem Leben zu ändern. Schon eine geringe Gewichtsabnahme und etwas mehr Bewegung reichen für sie aus, um ihren Diabetes in den Griff zu bekommen. Andere Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen eine dauerhafte Behandlung mit Tabletten oder Insulin. Für sie ist es besonders wichtig, ihre Erkrankung zu verstehen und zu wissen, was sie selbst für ihre Gesundheit tun können.

    Es gibt zwei Haupttypen des Diabetes. Typ-1-Diabetes tritt in der Regel schon im Kindes- oder Jugendalter auf. Zu einem Typ-1-Diabetes kommt es, weil die Bauchspeicheldrüse geschädigt ist und kein oder nur sehr wenig Insulin produziert.

    Beim Typ-2-Diabetes dagegen wird das Insulin von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Er wird auch „Altersdiabetes“ genannt, weil er sich oft erst in einem höheren Lebensalter bemerkbar macht. Typ-2-Diabetes ist wesentlich häufiger als Typ-1-Diabetes. Etwa 90 % der Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes.

    Symptome

    Bei einem unbehandelten Typ-2-Diabetes sind die Blutzuckerwerte dauerhaft erhöht. Dies ist anfangs nicht immer spürbar. Ein Typ-2-Diabetes kann sich über Jahre entwickeln, ohne dass Symptome auftreten. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann aber folgende Symptome verursachen:

    • starkes Durstgefühl
    • häufiges Wasserlassen
    • Müdigkeit und Antriebsschwäche
    • Übelkeit
    • Schwindel

    Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.

    Ursachen

    Der Stoffwechsel wandelt die Nahrung in Energie um, die der Körper verwerten kann. Damit dies richtig funktioniert, braucht der Stoffwechsel unter anderem Insulin.

    Insulin ist ein Hormon oder chemischer Botenstoff. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) hergestellt und zum Beispiel nach einer Mahlzeit ins Blut abgegeben, wenn der Blutzuckerspiegel ansteigt. Es bewirkt dann, dass die Zellen zum Beispiel in Leber und Muskeln den Zucker im Blut aufnehmen können. Wenn der Insulin-Stoffwechsel gestört ist, kann der Blutzucker (Glukose) nicht richtig verwertet werden. Als Folge davon steigt der Zuckerspiegel im Blut an. Einen zu hohen Blutzuckerspiegel bezeichnet man als Hyperglykämie.

    Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zwar eigentlich genug Insulin her, es wirkt aber nicht mehr richtig an den Geweben und Zellen des Körpers. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet „Insulinresistenz“. Eine Zeit lang kann die Bauchspeicheldrüse dies ausgleichen, indem sie mehr Insulin produziert. Irgendwann kommt das Organ aber an seine Grenzen. Dann steigt der Blutzuckerspiegel an.

    Risikofaktoren

    Verschiedene Faktoren können die Entstehung von Typ-2-Diabetes begünstigen:

    • Übergewicht und zu wenig körperliche Bewegung
    • Rauchen
    • ballaststoffarme, fett- und zuckerreiche Ernährung
    • bestimmte Medikamente, die den Zucker-Stoffwechsel verschlechtern
    • ein genetisch erhöhtes Risiko: In manchen Familien tritt die Erkrankung gehäuft auf.

    Folgen

    Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Probleme mit der Durchblutung der Beine und Füße (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK). Sie zählen zu den „makrovaskulären“ Komplikationen des Diabetes. „Makrovaskulär“ bedeutet, dass die großen Blutgefäße betroffen sind. Dieses Risiko ist besonders dann erhöht, wenn man außerdem einen zu hohen Blutdruck hat.

    Wenn das Blut über lange Jahre zu viel Zucker enthält, können auch die kleinen Blutgefäße der Augen, Nerven und Nieren geschädigt werden. Dies sind die sogenannten mikrovaskulären Komplikationen des Diabetes. „Mikrovaskulär“ bedeutet, dass die kleinen Blutgefäße betroffen sind. Die Fachbegriffe für diese Diabetesfolgen lauten Retinopathie (geschädigte Augennetzhaut), Neuropathie (Nervenschädigung) und Nephropathie (Nierenschädigung). Je älter man ist, wenn man an Typ-2-Diabetes erkrankt, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich bis zum Lebensende noch solche Probleme entwickeln.

    Ein typisches Beispiel für die Folgen diabetesbedingter Nervenschäden und Durchblutungsstörungen ist der „diabetische Fuß“. Dabei sind die Nerven so stark geschädigt, dass Schmerzen am Fuß kaum noch wahrgenommen werden. Aus einer Druckstelle oder kleinen Verletzung entsteht dann schnell eine Wunde, die nur schwer heilt. Denn auch die schlechte Durchblutung der Beine und Füße stört und verlangsamt die Wundheilung. Durch die Nervenschäden kann sich zudem die Fußmuskulatur zurückbilden und der Fuß verformen.

    Schäden an der Augennetzhaut machen sich anfangs nicht bemerkbar. Mit der Zeit lässt jedoch die Sehkraft nach – bis zur Erblindung. Das Sehvermögen ist besonders gefährdet, wenn die kleinen Blutgefäße im Bereich des schärfsten Sehens, der Makula, Schaden nehmen. Dort kann sich dann Flüssigkeit ansammeln und ein Makulaödem bilden. Einige Augenarztpraxen bieten zur Diagnose und Behandlung eines Makulaödems eine optische Kohärenztomografie (OCT) als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) an. Da der Nutzen der optischen Kohärenztomografie fraglich ist, wird sie nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

    Diagnose

    Da sich der Typ-2-Diabetes langsam entwickelt, treten häufig zunächst keine oder nur geringe Beschwerden auf. Oft wird ein erhöhter Blutzuckerwert im Blut oder Urin erst bei einer Routineuntersuchung festgestellt. Bei einem Verdacht auf Typ-2-Diabetes fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und nach anderen Erkrankungen. Eine körperliche Untersuchung und eine Blutzuckermessung schließen sich an. Um zu prüfen, wie hoch der Blutzucker vor der ersten Mahlzeit am Tag und im Tagesverlauf ist, wird mehrmals Blut abgenommen und in einem Labor untersucht. Außerdem wird der sogenannte HbA1c-Wert im Blut gemessen. Dieser Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war.

    Wenn der Blutzuckerspiegel so hoch ist, dass er typische Beschwerden verursacht, kann normalerweise auch im Urin Zucker nachgewiesen werden. Um den Zuckergehalt des Urins zu testen, sind in Deutschland einfach anzuwendende Teststreifen in Arztpraxen und Apotheken erhältlich.

    Vorbeugung

    Es gibt viele Empfehlungen zur Vorbeugung von Diabetes. Die Wichtigsten betreffen den Lebensstil: sich ausgewogen zu ernähren, ausreichend in Bewegung zu bleiben und so auch auf das Gewicht zu achten.

    Bei Personen mit einem erhöhten Risiko, an Diabetes zu erkranken, kann eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung tatsächlich die Diagnose um einige Jahre aufschieben. Ob sich ein Typ-2-Diabetes mit der „richtigen“ Ernährung und viel Bewegung völlig vermeiden lässt, wie manche Experten hoffen, ist aber noch unklar.

    Behandlung

    Welche Behandlung bei Typ-2-Diabetes sinnvoll und angemessen ist, hängt von vielen Einflüssen ab: Dazu zählen unter anderem das Alter, die körperliche Verfassung, andere Erkrankungen, die Lebenssituation und die persönlichen Ziele.

    Manchmal kann schon eine Änderung des Lebensstils viel bewirken: Gewicht abzunehmen und sich mehr zu bewegen, kann die Wirkung des Insulins verbessern und den Blutzuckerspiegel senken. Das Rauchen aufzugeben hilft, Herz-Kreislauf-Risiken zu verringern. Manchen Menschen gelingt es, ihre Erkrankung und die damit verbundenen Risiken allein mit solchen Verhaltensänderungen in den Griff zu bekommen.

    Falls es nicht gelingt abzunehmen, kann bei sehr starkem Übergewicht (Adipositas) auch eine Operation infrage kommen – zum Beispiel eine Magenverkleinerung.

    Manche Menschen sind auf Medikamente angewiesen, um ihren Blutzucker in den Griff zu bekommen. Einige nehmen Tabletten ein, andere spritzen Insulin oder sogenannte Inkretin-Mimetika (hormonähnliche Wirkstoffe, die die körpereigene Insulinproduktion anregen sollen). Es ist außerdem möglich, Tabletten und Spritzen zu kombinieren. Die gebräuchlichsten Medikamente zur Behandlung des Typ-2-Diabetes (Antidiabetika) sind Metformin und Sulfonylharnstoffe. Es gibt auch neuere Antidiabetika – zu ihrer Wirkung sind aber noch viele Fragen offen.

    Je nachdem, welche Beschwerden und Erkrankungen jemand zusätzlich hat, kommen unterschiedliche Medikamente gegen bestimmte Risiken und Komplikationen infrage. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes haben beispielsweise einen erhöhten Blutdruck.

    Die wichtigsten Arzneimittel, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern können,

    • senken den Blutdruck (Antihypertensiva),
    • hemmen die Blutgerinnung (ASS) oder
    • senken den Cholesterinspiegel (Statine).

    Leben und Alltag

    Menschen mit Typ-2-Diabetes können einiges tun, um ohne Medikamente auszukommen. Wichtig ist vor allem eine wenigstens leichte Gewichtsabnahme – auch wenn das im Alltag schwierig sein kann. Schon etwas mehr körperliche Aktivität kann sich ebenfalls positiv auswirken: zum Beispiel, wenn man sich angewöhnt, öfter zu Fuß zu gehen.

    Wenn das nicht reicht, kommen Medikamente infrage, die dann aber regelmäßig über lange Zeit eingenommen werden. Sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass man ein Leben lang Medikamente benötigt, fällt vielen schwer – besonders wenn man sich gar nicht krank fühlt und die Medikamente keine unmittelbar spürbaren Vorteile haben. Mit der Behandlung eines Typ-2-Diabetes zurechtzukommen, kann vor allem anfangs eine Herausforderung sein. Wer über seine Krankheit gut Bescheid weiß, kann den Umgang mit dem Diabetes aber zu einem ganz normalen Bestandteil seines Alltags machen und eine gute Lebensqualität erhalten.

    Weitere Informationen

    Unabhängig von der gewählten Behandlung liegt der Schlüssel für die Beherrschung eines Diabetes darin, die Erkrankung gut zu verstehen und zu wissen, was man selbst zum Schutz seiner Gesundheit tun kann. Wichtig ist dabei die Unterstützung einer Ärztin oder eines Arztes und anderer Fachleute, zum Beispiel aus der Diabetes- und Ernährungsberatung sowie aus der medizinischen Fußpflege (Podologie).

    In Deutschland gibt es darüber hinaus ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer leicht zu finden. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen.

    Eine andere Möglichkeit ist es, an einem „Disease-Management-Programm“ teilzunehmen. Diabetes-Schulung, Beratung und umfassende ärztliche Betreuung liegen hier in der Hand von Diabetes-Fachleuten.

    Quellen

    American Diabetes Association. Standards of medical care in diabetes - 2017. (Diabetes Pro. Professional Resources Online).

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie: Therapie des Typ-2-Diabetes (S3). AWMF-Registernr.: nvl-001g. 11.2014.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Optische Kohärenztomografie bei neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration sowie beim Makulaödem im Rahmen der diabetischen Retinopathie: Abschlussbericht; Auftrag D15-01. 07.07.2017. (IQWiG-Berichte; Band 507).

    Yan Y, Sha Y, Yao G, Wang S, Kong F, Liu H et al. Roux-en-Y Gastric Bypass Versus Medical Treatment for Type 2 Diabetes Mellitus in Obese Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Medicine (Baltimore) 2016; 95(17): e3462.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Hilft eine hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fuß?

    Bei einer hyperbaren Sauerstofftherapie wird in einer Druckkammer reiner Sauerstoff eingeatmet. Studien weisen darauf hin, dass diese Behandlung bei Menschen mit Diabetes die Heilung von Wunden am Fuß verbessern kann. Welche Vor- und Nachteile die Therapie im Einzelnen hat, lässt sich aber noch nicht sicher beurteilen.

    Ein Diabetes mellitus kann nach Jahren oder Jahrzehnten die kleinen Blutgefäße und Nerven der Füße schädigen. Dadurch lassen das Tastgefühl, Druck- und Schmerzempfinden nach. Menschen mit Diabetes bemerken dann oft nicht mehr, wenn sich durch schlecht sitzende Schuhe Druckstellen bilden oder sie sich verletzen, zum Beispiel beim Barfuß laufen oder Nägel schneiden.

    Außerdem heilen auch kleine Wunden bei ihnen schlechter. Werden sie nicht rechtzeitig behandelt, können sich Gewebe und Knochen im Wundbereich entzünden. Das Gewebe kann auch absterben. Diese Veränderungen werden „diabetischer Fuß“ oder „diabetisches Fußsyndrom“ genannt.

    Menschen mit einem diabetischen Fuß haben häufig über mehrere Monate damit zu tun. Sie sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt, weil sie den Fuß nur wenig belasten dürfen. Die Wunde muss außerdem sorgfältig behandelt werden – je nach Größe, Tiefe und genauem Ort am Fuß beispielsweise mit Medikamenten, Verbänden und gründlicher Wundreinigung. Lässt sich die Wunde nicht erfolgreich behandeln, besteht die Gefahr, dass der Fuß amputiert werden muss.

    Die hyperbare Sauerstofftherapie wird nur unter bestimmten Voraussetzungen von den Krankenkassen bezahlt. In der Regel kommt sie nur dann infrage, wenn andere Behandlungen erfolglos geblieben sind und eine Amputation des Fußes droht. Sie wird zudem nur in wenigen Kliniken oder Behandlungszentren angeboten.

    Wie funktioniert eine hyperbare Sauerstofftherapie?

    Bei einer hyperbaren Sauerstofftherapie wird mehr Sauerstoff eingeatmet als mit der normalen Atemluft. Ziel ist es, so die Sauerstoffversorgung im Gewebe und dadurch letztlich die Wundheilung zu verbessern.

    Die Behandlung findet in einer Druckkammer statt, in der der Luftdruck auf 2 bis 3 Bar erhöht ist (der normale Luftdruck beträgt etwa 1 Bar). Es gibt Druckkammern für eine Person, in denen die Raumluft mehr Sauerstoff enthält. Häufiger sind aber Druckkammern für mehrere Personen. Sie sind mit Atemmasken ausgestattet, über die reiner Sauerstoff eingeatmet wird.

    Eine hyperbare Sauerstofftherapie findet täglich über mehrere Wochen bis Monate statt. Eine einzelne Behandlung dauert in der Regel 1 bis 2 Stunden. Diese Therapie findet immer zusätzlich zur normalen Wundbehandlung statt; sie kann eine sorgfältige Wundversorgung und Entlastung des Fußes also nicht ersetzen.

    Welche Vor- und Nachteile hat eine hyperbare Sauerstofftherapie?

    Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben die Vor- und Nachteile einer hyperbaren Sauerstofftherapie bei diabetischem Fuß untersucht. Dazu hat die Forschergruppe insgesamt neun Studien analysiert, in denen jeweils zwei Teilnehmergruppen verglichen wurden: Eine erhielt die herkömmliche Wundbehandlung, die Vergleichsgruppe zusätzlich eine hyperbare Sauerstofftherapie.

    Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich bei zusätzlicher hyperbarer Sauerstofftherapie Wunden besser verschließen als bei herkömmlichen Wundbehandlungen:

    • Mit herkömmlicher Wundbehandlung: Bei etwa 24 von 100 Personen schließt sich die Wunde.
    • Mit hyperbarer Sauerstofftherapie: Bei etwa 38 von 100 Personen schließt sich die Wunde.

    In anderen Worten: Nach einer hyperbaren Sauerstofftherapie schließt sich die Wunde bei zusätzlich 14 von 100 Personen.

    Für andere Folgen eines diabetischen Fußes zeigten die Studien weder Vor- noch Nachteile der Sauerstofftherapie. Es gab keine Hinweise, dass eine hyperbare Sauerstofftherapie die Zahl der nötigen Amputationen verringert, die Lebensqualität verbessert, die Aufenthaltsdauer in einem Krankenhaus verkürzt oder die Lebenserwartung erhöht. Ob die Sauerstofftherapie im Vergleich zur herkömmlichen Wundversorgung Schmerzen besser lindern oder Pflegebedürftigkeit vorbeugen kann, bleibt offen. Diese Aspekte wurden in den Studien nicht ausreichend untersucht.

    Die Studien zeigten keine Hinweise auf mehr Nebenwirkungen der hyperbaren Sauerstofftherapie. Wenn der Druckausgleich im Ohr nicht funktioniert, kann der hohe Luftdruck allerdings das Trommelfell verletzen. Dieses sogenannte Barotrauma ist schmerzhaft und kann mit Schwindel und Übelkeit einhergehen.

    Insgesamt lassen sich die Vor- und Nachteile einer zusätzlichen hyperbaren Sauerstofftherapie aber nicht sicher beurteilen. Der Grund: Entweder enthielten die Studien keine Daten zu einem bestimmten Therapieergebnis oder sie zeigten keinen bedeutsamen Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen. Außerdem wiesen viele Studien methodische Schwächen auf, die ihre Aussagekraft verringern.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom: Abschlussbericht; Auftrag N15-02. 20.04.2016. (IQWiG-Berichte; Band 382).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Was Studien sagen: Hilft die Proteomanalyse, eine diabetesbedingte Nierenerkrankung zu verzögern?

    Menschen mit Diabetes mellitus und Bluthochdruck haben ein erhöhtes Risiko für eine Folgeerkrankung der Nieren. Eine bestimmte Urinuntersuchung, die Proteomanalyse, soll Nierenschäden früher erkennen als bisher, um sie besser behandeln zu können. Bisher ist der tatsächliche Nutzen der Untersuchung aber nicht überprüfbar, da Studien fehlen.

    Viele Menschen mit Diabetes mellitus haben nicht nur einen erhöhten Blutzucker, sondern auch einen zu hohen Blutdruck. Dieser verstärkt das Risiko für Diabetes-Komplikationen wie eine Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankung.

    Diabetes und Bluthochdruck können auf Dauer die feinen Gefäße der Niere schädigen. Mit der Zeit kann diese ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen, Abfallprodukte des Stoffwechsels aus dem Körper zu transportieren. Man spricht dann von einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz). Eine dauerhafte (chronische) Nierenschwäche entwickelt sich über viele Jahre und kann im Endstadium zu Nierenversagen führen. Dann ist eine Dialysebehandlung notwendig. Die Dialyse reinigt das Blut – das heißt, sie unterstützt oder ersetzt die Arbeit der Nieren.

    Standard-Diagnose einer diabetischen Nierenerkrankung

    Eine diabetische Nierenerkrankung (diabetische Nephropathie) verursacht anfangs normalerweise keine Beschwerden. Allerdings scheidet der Körper bereits mehr Eiweiß mit dem Urin aus. Mit einem Urintest wird der Gehalt am Eiweiß Albumin oder das Verhältnis von Albumin zu Kreatinin, einem Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels, gemessen. Sind die Werte leicht erhöht (Mikroalbuminurie), spricht dies für eine geschädigte Niere, die aber noch ihre Aufgaben erfüllen kann. Deutlich erhöhte Werte (Makroalbuminurie) signalisieren eine verringerte Nierenfunktion.

    Auch wenn die Albuminwerte im Urin normal sind und es keine Anzeichen für eine Nierenschädigung gibt, werden Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck grundsätzlich behandelt, damit Blutzucker und Blutdruck möglichst niedrig bleiben. Dies soll einer diabetischen Nierenerkrankung vorbeugen.

    Proteomanalyse zur Diagnose einer Nierenschädigung

    Die Proteomanalyse beschränkt sich nicht auf das Eiweiß Albumin, sondern bestimmt viele weitere Eiweißstoffe im Urin, um den Gesundheitszustand der Nieren einzuschätzen. Diese neuere Methode soll eine Schädigung der Niere früher erkennen als der Standardtest – also noch bevor sich im Urin mehr Albumin als normal nachweisen lässt. Dies soll helfen, eine diabetische Nierenerkrankung früher und gezielter behandeln zu können oder sie sogar ganz zu vermeiden.

    Keine geeigneten Studien zur Proteomanalyse

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) stellten sich die Frage, welche Vor- und Nachteile es hat, die Proteomanalyse zur Diagnose von Personen mit Diabetes mellitus und Bluthochdruck einzusetzen. Sie wollten prüfen, ob die Proteomanalyse bei Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck eine Schädigung der Nieren früher erkennen kann als die Standarduntersuchung. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie sich der Test auf die Behandlung und den Behandlungserfolg auswirkt, etwa ob es seltener zu Nierenversagen kommt oder weniger Krankenhausaufenthalte nötig sind. Die Wissenschaftlergruppe interessierte auch, ob sich die Lebensqualität verbessert und die Sterblichkeit sinkt.

    Allerdings fanden sich zu keiner dieser Fragen geeignete Studien. Deshalb bleibt derzeit unklar, ob die Proteomanalyse für Menschen mit Diabetes mellitus und Bluthochdruck nützlich ist. Die Kosten einer Proteomanalyse werden derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Proteomanalyse im Urin zur Erkennung einer diabetischen Nephropathie bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus und arteriellem Hypertonus: Abschlussbericht; Auftrag D13-01. 17.09.2015. (IQWiG-Berichte; Band 325).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Typ-2-Diabetes: Hat die Zucker-Selbstmessung Vorteile für Menschen, die kein Insulin spritzen?

    Manche Menschen mit Typ-2-Diabetes messen regelmäßig ihre Zuckerwerte, auch wenn sie kein Insulin anwenden. Ob die Selbstmessung ihnen tatsächlich helfen kann, diabetesbedingten Erkrankungen vorzubeugen, weiß man nicht.

    Es gibt zwei bewährte Verfahren, mit denen man eigenständig seine Zuckerwerte bestimmen kann: die Messung des Blutzuckers und die des Urinzuckers. Beide Messverfahren zeigen an, wie hoch der Blutzucker zum Zeitpunkt der Messung ist. Der Zuckerspiegel kann jedoch im Tagesverlauf schwanken. Er hängt beispielsweise davon ab, was man isst, wie viel man sich bewegt und welche Medikamente man einnimmt.

    Um zu prüfen, ob der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum im Durchschnitt zu hoch ist, wird der HbA1c-Wert im Blut gemessen. Dieser Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war. Der HbA1c-Wert wird in der Regel durch eine Ärztin oder einen Arzt festgestellt und nicht durch eine Selbstmessung. Die Bestimmung dieses Wertes ist auch für Menschen mit Diabetes sinnvoll, die kein Insulin spritzen.

    Welchen Nutzen hat die Selbstmessung des Blutzuckers?

    Für Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, die Insulin spritzen, ist die Selbstmessung des Blutzuckers ein wichtiger Teil der Behandlung: Anhand der Messwerte wird die Insulindosis angepasst. Ob die Selbstmessung allerdings auch Menschen mit Typ-2-Diabetes hilft, die kein Insulin anwenden, ist umstritten. Folgende Fragen stellen sich:

    • Lässt sich der Blutzuckerspiegel nach einer Selbstmessung unmittelbar beeinflussen, etwa durch Ernährung oder Tabletten? Wenn ja, in welchem Umfang?
    • Können durch eine Selbstmessung Behandlungsziele erreicht oder Folgeerkrankungen verhindert werden?
    • Kann die Selbstmessung helfen, Unterzuckerungen zu vermeiden?
    • Kann die Selbstmessung eine aktive Mitarbeit bei der Behandlung fördern und so zu ihrem Erfolg beitragen? Oder wird sie als belastend empfunden?

    Diese Fragen wurden in mehreren Studien untersucht. In diesen wurden Menschen, die ihren Blutzucker mehrmals pro Woche selbst messen, mit solchen verglichen, die dies nicht tun.

    In den verschiedenen Studien maßen sie unterschiedlich häufig ihren Blutzucker, meistens an einigen Tagen pro Woche zu den Mahlzeiten. In allen Studien wurde die Selbstmessung im Rahmen eines Schulungs- und Behandlungsprogramms untersucht. Die Behandlung bestand aus unterschiedlichen blutzuckersenkenden Tabletten und Diäten.

    Die Studien liefen über sechs bis zwölf Monate. Dies ist jedoch zu kurz, um mögliche Diabetes-Langzeitfolgen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle untersuchen zu können.

    Kein bedeutsamer Unterschied bei der Blutzucker-Einstellung

    Alle Studien haben untersucht, wie sich die regelmäßige Blutzucker-Selbstmessung auf die Einstellung des Blutzuckers auswirkt. Dies wurde anhand des HbA1c-Werts geprüft. Die Auswertung zeigte, dass die Selbstmessung wenig bewirkte: Zwar waren die Werte in der Gruppe mit Selbstmessung durchschnittlich etwas niedriger als in der Gruppe ohne Selbstmessung. Der sehr geringe Unterschied ließ aber keine gesundheitlichen Vorteile erwarten.

    Zudem reicht der HbA1c-Wert allein nicht aus, um den Nutzen der Selbstmessung zu bewerten. Denn je stärker der Blutzucker und damit der HbA1c-Wert gesenkt wird, desto eher kann es zu Unterzuckerungen kommen. Unterzuckerungen können unangenehm sein und im Einzelfall zu schweren Komplikationen führen. Deshalb sollten Veränderungen des HbA1c-Wertes immer im Zusammenhang mit möglichen Unterzuckerungen gesehen und bewertet werden. Die ausgewerteten Studien waren dafür jedoch ungeeignet. Sie ließen keine Aussage darüber zu, ob Unterzuckerungen bei einer regelmäßigen Selbstmessung seltener oder häufiger auftreten.

    Auf das Körpergewicht hat die Zucker-Selbstmessung offenbar keinen Einfluss: Im Studienzeitraum verloren die Teilnehmenden beider Gruppen im Durchschnitt ähnlich viel Gewicht. Einige Studien erfassten zudem, wie zufrieden die Teilnehmenden mit ihrer Behandlung und ihrer Lebensqualität waren. Die Ergebnisse waren widersprüchlich und die Daten nicht sehr aussagekräftig. Von daher lässt sich nicht sagen, ob die Selbstmessung die Behandlungs-Zufriedenheit und die Lebensqualität beeinflusst.

    Daten zu langfristigen Folgen der Zucker-Selbstmessung fehlen

    Zur Frage, ob die Selbstmessung dabei helfen kann, Folgeerkrankungen zu vermeiden, fanden sich keine aussagekräftigen Studien. Daher bleibt offen, ob eine regelmäßige Selbstmessung zum Beispiel Herzinfarkten, Schlaganfällen, Sehverlusten oder Nierenerkrankungen vorbeugen kann. Es gibt auch kaum Daten zu möglichen Nebenwirkungen der Selbstmessung und zum langfristigen Einfluss auf die Lebensqualität.

    Es sind mehr Studien nötig, um die offenen Fragen beantworten und den Einfluss auf Lebensqualität und Behandlungs-Zufriedenheit besser beurteilen zu können. Zur Urinzucker-Selbstmessung fehlen generell aussagekräftige Studien. Deshalb lässt sich nicht sagen, wie sinnvoll diese überhaupt ist – auch im Vergleich zur Blutzucker-Selbstmessung.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Urin- und Blutzuckerselbstmessung bei Diabetes mellitus Typ 2: Abschlussbericht; Auftrag A05-08. 14.10.2009. (IQWiG-Berichte; Band 65).

    Malanda UL, Welschen LM, Riphagen II, Dekker JM, Nijpels G, Bot SD. Self-monitoring of blood glucose in patients with type 2 diabetes mellitus who are not using insulin. Cochrane Database Syst Rev 2012; (1): CD005060.

    Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vorbehalten. Der G-BA bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des G-BA erhalten Sie auf dessen Website.

    Was Studien sagen: Typ-2-Diabetes: Ist es nötig, den Blutzucker auf nahezu normale Werte zu senken?

    Menschen mit Typ-2-Diabetes können Folgeerkrankungen vorbeugen, wenn sie es schaffen, ihre erhöhten Blutzuckerwerte dauerhaft abzusenken. Oft wird sogar empfohlen, nahezu normale Blutzuckerwerte anzustreben. Studien zeigen jedoch, dass eine starke Senkung des Blutzuckers auch Nachteile haben kann.

    Fachleute sind sich einig, dass eine Blutzuckersenkung für viele Menschen mit Typ-2-Diabetes nützlich sein kann. Allerdings gibt es seit Jahren Diskussionen darüber, wie weit der Blutzucker abgesenkt werden soll. Einerseits sollen Diabetes-Folgeschäden vermieden, andererseits Nebenwirkungen der Behandlung möglichst gering gehalten werden.

    Um zu beurteilen, ob der Blutzucker langfristig gut eingestellt ist, messen Ärztinnen und Ärzte den HbA1c-Wert. Dieser Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war. Bei Menschen ohne Diabetes liegt der HbA1c-Wert in der Regel unter 6 %.

    Menschen mit Diabetes wird oft geraten, ihren Blutzucker auf einen HbA1c-Wert unter 6,5 % abzusenken. Andere Empfehlungen zielen auf Werte zwischen 6,5 und 7,5 %, in bestimmten Fällen auch höher. Der „Zielwert“ hängt unter anderem davon ab, wie alt ein Mensch ist und welche Begleiterkrankungen er hat. Bei älteren Menschen, die noch keine Diabetes-typischen Beschwerden haben, gelten höhere Werte eher als vertretbar als bei jungen Menschen mit Typ-2-Diabetes.

    Als eine Nebenwirkung der Behandlung mit Medikamenten kann der Blutzucker so stark abfallen, dass es zu einer Unterzuckerung kommt. Leichte Unterzuckerungen gehen zum Beispiel mit Zittern, plötzlichem Heißhunger, Schweißausbrüchen oder Kribbeln der Finger und Lippen einher. Sie können in der Regel selbst behoben werden, indem man etwas Süßes zu sich nimmt. Schwere Unterzuckerungen sind selten. Sie können aber Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, Atem- und Kreislaufstörungen und andere, teils lebensbedrohliche Komplikationen zur Folge haben.

    Studien zur Blutzuckersenkung

    In einer Übersichtsarbeit wurde der Nutzen einer normnahen Blutzucker-Einstellung im Vergleich zu einer weniger starken Blutzuckersenkung untersucht. Es wurden sieben Studien mit insgesamt fast 28.000 Teilnehmenden ausgewertet. Der Altersdurchschnitt lag je nach Studie zwischen 47 und 66 Jahren. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten seit mehreren Jahren Typ-2-Diabetes. Die meisten waren übergewichtig.

    In den Studien sollte jeweils eine Teilnehmergruppe versuchen, den HbA1c-Wert auf unter 7,5 % zu senken. Bei der anderen Gruppe waren auch höhere Werte erlaubt. Im Einzelnen wurde untersucht, welche Behandlung zu weniger Diabetes-Folgeerkrankungen führte und weniger Nebenwirkungen hatte. Außerdem wurde verglichen, wie viele Teilnehmende während der Studiendauer gestorben waren.

    Keine Unterschiede bei wichtigen Behandlungszielen

    Die Studienergebnisse zeigten, dass keine Behandlung der anderen wirklich überlegen war: Bei einer weniger starken Blutzuckersenkung starben nicht mehr Menschen als bei einer Senkung auf einen nahezu normalen Wert. Es kam auch nicht häufiger zu Schlaganfällen, tödlichen Herzinfarkten, Nierenversagen oder Amputationen. Zu anderen Diabetes-Folgeerkrankungen und zur Lebensqualität gab es nicht genügend Daten.

    Die Studien geben aber einen Hinweis darauf, dass eine normnahe Einstellung das Risiko für nicht tödliche Herzinfarkte etwas senken kann. Diese traten bei einer normnahen Blutzucker-Einstellung seltener auf als bei einer weniger starken Blutzuckersenkung. Andererseits zeigen die Studien, dass die normnahe Einstellung häufiger zu schweren Unterzuckerungen und anderen Komplikationen führt. Je stärker der Blutzucker gesenkt wurde, desto häufiger traten ernsthafte Nebenwirkungen auf.

    Auf Basis einer der großen Studien lässt sich schätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Ereignisse in einem Zeitraum von vier Jahren eintreten:

    • Durch die normnahe Blutzuckersenkung kann bei einem von 100 Menschen ein nicht tödlicher Herzinfarkt verhindert werden.
    • Zugleich kommt es dadurch bei etwa 8 von diesen 100 Personen zu schweren Unterzuckerungen.

    Diese Zahlen sind zwar nur eine grobe Schätzung, verdeutlichen aber die Vor- und Nachteile der Behandlung: Einerseits lässt sich durch eine strengere Blutzucker-Einstellung das Risiko für nicht tödliche Herzinfarkte senken, andererseits erhöht sich das Risiko für schwere Unterzuckerungen.

    Einen deutlich und dauerhaft erhöhten Blutzucker zu senken, ist für Menschen mit Typ-2-Diabetes grundsätzlich von Vorteil. Wie stark er aber bei einem einzelnen Menschen gesenkt werden sollte, lässt sich nur entsprechend seines allgemeinen Gesundheitszustands und seiner persönlichen Situation entscheiden.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nutzenbewertung einer langfristigen normnahen Blutzuckersenkung bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2: Rapid Report; Auftrag A05-07. 06.06.2011. (IQWiG-Berichte; Band 87).

    Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vorbehalten. Der G-BA bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des G-BA erhalten Sie auf dessen Website.

    Mehr Wissen: Über- und Unterzuckerung bei Typ-2-Diabetes

    Wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch ist, kommt es zu einer Überzuckerung. Sie ist die Folge eines unzureichend behandelten Diabetes mellitus. Eine Unterzuckerung tritt bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel ein. Sie ist meist eine Nebenwirkung der Behandlung mit blutzuckersenkenden Medikamenten.

    Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit. Bei einem Typ-2-Diabetes reicht die in das Blut abgegebene Insulinmenge nicht aus oder kann nicht ausreichend genutzt werden. Bei einem Typ-1-Diabetes kann der Körper nur sehr wenig oder gar kein Insulin produzieren.

    Ohne das lebenswichtige Hormon Insulin kann der Zucker im Blut vom Körper nicht verwertet werden und sammelt sich dort an. Eine sehr hohe Zuckerkonzentration im Blut (Hyperglykämie) verursacht eine Reihe von Beschwerden. Wenn der Blutzucker zu niedrig ist, nennt man dies Unterzuckerung (Hypoglykämie).

    Wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch ist, kommt es zu einer Überzuckerung. Sie ist die Folge eines unzureichend behandelten Diabetes mellitus. Eine Unterzuckerung tritt bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel ein. Sie ist meist eine Nebenwirkung der Behandlung mit blutzuckersenkenden Medikamenten.

    Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit. Bei einem Typ-2-Diabetes reicht die in das Blut abgegebene Insulinmenge nicht aus oder kann nicht ausreichend genutzt werden. Bei einem Typ-1-Diabetes kann der Körper nur sehr wenig oder gar kein Insulin produzieren.

    Ohne das lebenswichtige Hormon Insulin kann der Zucker im Blut vom Körper nicht verwertet werden und sammelt sich dort an. Eine sehr hohe Zuckerkonzentration im Blut (Hyperglykämie) verursacht eine Reihe von Beschwerden. Wenn der Blutzucker zu niedrig ist, nennt man dies Unterzuckerung (Hypoglykämie).

    Wann spricht man von Über- und Unterzuckerung?

    Leichte Schwankungen des Blutzuckerspiegels sind völlig normal und kommen auch bei Gesunden täglich vor. Bei ihnen liegt der Blutzuckerspiegel, abhängig von der Nahrungsaufnahme, zwischen etwa 60 und 140 Milligramm Zucker pro Deziliter (mg/dl) Blut. Dies entspricht 3,3 bis 7,8 mmol/l. Die Maßeinheit Millimol pro Liter (mmol/l) ist die international gebräuchliche Einheit zur Blutzuckermessung. Sie gibt die Menge eines Stoffes als Teilchen pro Liter an.

    Für einen unbehandelten Typ-1-Diabetes sind stark erhöhte Blutzuckerspiegel typisch, die 27,8 mmol/l (500 mg/dl) übersteigen können. So deutlich erhöhte Werte sind bei einem Typ-2-Diabetes aber eher selten. Bei einer Unterzuckerung liegt der Blutzuckerspiegel unter 3,3 mmol/l (60 mg/dl). Wie die folgende Grafik zeigt, sind die Übergänge zwischen dem normalen Blutzuckerbereich und einer Über- oder Unterzuckerung fließend.

     

    Grafik: Blutzucker - Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung, wie im Text beschrieben Blutzucker: Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung

    Anzeichen für eine Überzuckerung

    Menschen mit Typ-2-Diabetes spüren eine Überzuckerung nicht immer gleich. Die Erkrankung kann sich schrittweise über einige Jahre entwickeln, ohne dass körperliche Beschwerden auftreten. Ein stark erhöhter Blutzuckerspiegel kann aber folgende Symptome verursachen:

    • starkes Durstgefühl
    • häufiges Wasserlassen
    • Müdigkeit
    • Antriebsschwäche
    • Übelkeit
    • Schwindel

    Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.

    Was tun bei Überzuckerung?

    Wenn sich eine Überzuckerung durch die oben genannten Beschwerden bemerkbar macht, ist es wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Dann können die Medikamente so angepasst werden, dass der Blutzucker absinkt. Möglicherweise ist ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll, um den Blutzucker einzustellen. Bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit, sollte unter der Nummer 112 der Rettungsdienst gerufen werden.

    Anzeichen für eine Unterzuckerung

    Zu einer Unterzuckerung kann es vor allem bei Menschen kommen, die sich mit Insulin oder bestimmten blutzuckersenkenden Tabletten behandeln. So können zum Beispiel ungeplante körperliche Anstrengung, der längere Aufschub einer Mahlzeit oder zu viel Alkohol dazu führen, dass die gespritzte Insulinmenge zu hoch ist und der Blutzucker deshalb zu stark absinkt.

    Folgende Anzeichen können auf eine Unterzuckerung hindeuten:

    • schneller Puls
    • kalter Schweiß
    • blasse Gesichtsfarbe
    • Kopfschmerzen
    • Heißhunger
    • Zittern, weiche Knie
    • Unruhe und Nervosität, Angstgefühle
    • Konzentrationsstörungen bis zu Verwirrtheit

    Wie stark diese Symptome auftreten, hängt vom Blutzucker ab und kann sich von Person zu Person unterscheiden. Die Beschwerden treten auch nicht alle gleichzeitig auf. Wer unsicher ist, ob es sich um eine Unterzuckerung handelt, kann den Blutzucker messen, um sicherzugehen. Eine leichte Unterzuckerung hat in der Regel keine schädlichen Folgen.

    Was tun bei Unterzuckerung?

    Es ist wichtig, rechtzeitig auf eine Hypoglykämie zu reagieren und schnell etwas zu sich zu nehmen, etwa Traubenzucker oder eine zuckerhaltige Limonade (keine Süßstoff-Limonade!).

    Bei einer deutlichen Unterzuckerung können starke Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit auftreten. Dann können Angehörige das Hormon Glukagon spritzen. Ist dies nicht möglich, ist es wichtig, umgehend die Notfallnummer 112 zu wählen und ärztliche Hilfe anzufordern.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie: Therapie des Typ-2-Diabetes (S3). AWMF-Registernr.: nvl-001g. 11.2014.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie man Blutzucker und Zucker im Urin selbst misst

    Viele Menschen mit Diabetes mellitus messen eigenständig ihren Blutzucker. Für diejenigen, die mehrmals täglich Insulin spritzen, ist die Kontrolle des Zuckerwerts mit einem Blutzuckermessgerät sogar ein wichtiger Teil ihrer täglichen Behandlung.

    Die Menge an Insulin, die zu den Mahlzeiten gespritzt wird, hängt unter anderem davon ab, wie hoch der gemessene Blutzuckerwert ist. Zur Messung des Zuckerspiegels in Blut oder Urin stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Zusätzlich kann auch der Zuckerspiegel im Gewebe gemessen werden.

    Viele Menschen mit Diabetes mellitus messen eigenständig ihren Blutzucker. Für diejenigen, die mehrmals täglich Insulin spritzen, ist die Kontrolle des Zuckerwerts mit einem Blutzuckermessgerät sogar ein wichtiger Teil ihrer täglichen Behandlung.

    Die Menge an Insulin, die zu den Mahlzeiten gespritzt wird, hängt unter anderem davon ab, wie hoch der gemessene Blutzuckerwert ist. Zur Messung des Zuckerspiegels in Blut oder Urin stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Zusätzlich kann auch der Zuckerspiegel im Gewebe gemessen werden.

    Blutzucker-Selbstmessung

    Der Blutzuckerwert kann mit einem elektronischen Messgerät selbst bestimmt werden. Dazu gewinnt man mit einer kleinen Lanze einen Tropfen Blut aus der Fingerspitze und trägt ihn auf einen Teststreifen auf. Zur Messung wird der Teststreifen in das Blutzuckermessgerät eingeführt. Das Display zeigt dann nach kurzer Zeit die Höhe des Blutzuckers an. Bei der Messung geht man so vor:

    • Zunächst alle Materialien, die für die Messung benötigt werden, bereitlegen. Diese sind: Blutzuckermessgerät, eine Stechhilfe mit einer feinen Nadel (Lanzette) und ein Teststreifen.
    • Vor dem Messen die Hände waschen, denn Schmutz und andere Rückstände können sich mit dem Blut mischen und das Messergebnis verzerren.
    • Einen Teststreifen aus der Verpackung nehmen und in das Messgerät stecken.
    • Ein kleiner Tropfen Blut reicht für die Messung schon aus. Er sollte gerade das Testfeld ausfüllen. Wenn man seitlich und nicht in die Mitte der Fingerkuppe sticht, ist der Einstich weniger zu spüren. Die richtige Menge tritt nach leichtem Druck auf das obere Fingerglied automatisch aus.
    • Danach den Blutstropfen vorsichtig auf den Teststreifen auftragen, ohne ihn zu verwischen.
    • Nach kurzer Wartezeit zeigt das Messgerät den Blutzuckerwert an. In modernen Geräten können die Werte nach Tag und Uhrzeit abgespeichert und auf einen Computer oder ein Smartphone übertragen werden. Wenn dies nicht möglich ist, ist es sinnvoll, die Messwerte beispielsweise in einem entsprechenden Tagebuch festzuhalten.

    Bei häufigen Messungen ist der Einstich zur Blutentnahme weniger unangenehm, wenn man regelmäßig die Einstichstelle oder den Finger wechselt.

    Vor der Anschaffung eines neuen Geräts ist es hilfreich, sich über die verschiedenen Modelle und ihre Handhabung gut zu informieren. Wichtig ist, dass man mit dem Gerät auch im Alltag gut zurechtkommt.

    Was bedeutet das Messergebnis?

    Leichte Schwankungen des Blutzuckerspiegels sind völlig normal und kommen auch bei Gesunden täglich vor. Der Zuckeranteil im Blut hängt beispielsweise davon ab, welche und wie viele Lebensmittel und Getränke man zu sich nimmt, wie viel man sich bewegt und welche Medikamente man einnimmt. Je nachdem, ob man nüchtern ist oder direkt nach einer Mahlzeit den Blutzucker misst, schwankt der Blutzuckerspiegel bei Gesunden zwischen 3,3 bis 7,8 mmol/l (etwa 60 bis 140 mg/dl). Die Übergänge zwischen einem normalen Blutzucker und einer Über- beziehungsweise Unterzuckerung sind fließend.

     

    Grafik: Blutzucker - Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung, wie im Text beschrieben Blutzucker: Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung

    Urinzucker-Selbstmessung

    Ein anderer Test, der ebenfalls selbst durchgeführt werden kann, ist die Messung der Zuckermenge im Urin. Wenn sich Zucker im Urin nachweisen lässt, ist der Blutzuckerspiegel meist stark erhöht. In der Regel wird der überschüssige Zucker im Blut erst ab einem Spiegel von ungefähr 10 mmol/l (180 mg/dl) oder mehr über die Nieren ausgeschieden und ist dann im Urin nachweisbar. Für die Messung des Zuckergehalts im Urin benötigt man einen Urin-Teststreifen und einen Auffangbecher.

    Es ist wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, zu welcher Tageszeit der Test gemacht werden soll, und ob besser vor oder nach dem Essen. Für die Zucker-Selbstmessung wird Urin verwendet, der vorher noch nicht lange in der Blase war. Morgenurin, der sich über Nacht in der Blase angesammelt hat, eignet sich zum Beispiel nicht. Üblich ist vielmehr, etwa eine Stunde nach dem letzten Toilettengang erneut Wasser zu lassen, um eine Urinprobe zu nehmen. Den Teststreifen taucht man dann in den Becher. Nach etwa zwei Minuten lässt sich das Ergebnis auf dem Farbfeld des Streifens ablesen.

    Was bedeutet das Messergebnis?

    Um das Ergebnis zu bewerten, wird die Verfärbung auf dem Teststreifen mit der Farbskala auf der Packung verglichen. Verfärbt sich das Feld nicht, enthält der Urin keinen Zucker. Je mehr es sich verfärbt, desto mehr Zucker ist im Urin und damit auch im Blut. Der Test kann jedoch keinen genauen Blutzuckerwert angeben. Mit dem Urintest lässt sich nur ein deutlich erhöhter Zuckerspiegel im Blut nachweisen. Denn bei normalem oder zu niedrigem Blutzuckerspiegel wird in der Regel kein Zucker über den Urin ausgeschieden. Wenn sich Zucker im Urin befindet, sollte man sich einen Arzttermin geben lassen.

    Blutzucker-Messung im Labor

    Anhand einer Blutprobe, die aus einer Vene entnommen wird, kann der Blutzucker im Labor viel genauer gemessen werden. Der Blutzucker wird manchmal im Rahmen von routinemäßen Blutuntersuchungen im Krankenhaus oder in der Arztpraxis mitgemessen. Auch bei einem Glukosetoleranztest wird Blut zur Zuckermessung abgenommen, um zu sehen, wie der Körper größere Zuckermengen verarbeitet.

    Bei den meisten Menschen mit Diabetes mellitus wird in regelmäßigen Abständen auch der HbA1c-Wert im Blut bestimmt. Der HbA1c-Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten acht bis zwölf Wochen im Durchschnitt war. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, wie gut der Blutzucker eingestellt ist und ob die Behandlung des Diabetes vielleicht verändert werden sollte.

    Zusätzliche Messung des Gewebezuckers

    Eine zusätzliche Möglichkeit zur Kontrolle bieten Geräte, die den Zuckergehalt im Unterhautfettgewebe messen. Dies wird kontinuierliche Glukosemessung (CGM) genannt. Ein CGM-Gerät misst den Zuckerwert im Gewebe alle paar Minuten und gibt bei zu hohen oder zu niedrigen Werten Alarm. CGM-Geräte sind auch in Kombination mit einer Insulinpumpe erhältlich. Für Menschen mit einem Typ-2-Diabetes kommen sie in der Regel nur infrage, wenn der Blutzucker sonst nicht ausreichend kontrolliert werden kann.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie: Therapie des Typ-2-Diabetes (S3). AWMF-Registernr.: nvl-001g. 11.2014.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Kontinuierliche interstitielle Glukosemessung (CGM) mit Real-Time-Messgeräten bei insulinpflichtigem Diabetes mellitus: Dokumentation und Würdigung der Anhörung zum Vorbericht; Auftrag D12-01. 25.03.2015.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Vorbeugung von Typ-2-Diabetes

    Wer ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes hat, kann durch eine Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung und mäßige Gewichtsabnahme die Diagnose zumindest um einige Jahre hinauszögern. Ob Lebensstil-Änderungen gleichzeitig auch Komplikationen wie etwa Herzinfarkten vorbeugen können, ist noch offen.

    Die Diagnose Typ-2-Diabetes bedeutet zum einen, dass der Blutzucker über einem festgelegten Wert liegt. Ein erhöhter Blutzucker ist oft nicht spürbar. Er kann aber im Laufe der Zeit die kleinen Blutgefäße an Augen, Nerven und Nieren schädigen und die Funktion dieser Organe beeinträchtigen. Zudem treten bei Menschen mit erhöhtem Blutzucker Krankheiten wie zum Beispiel Herzinfarkte häufiger und in jüngeren Jahren auf als bei Personen mit niedrigeren Zuckerwerten. Bei der Behandlung und auch Vorbeugung von Typ-2-Diabetes geht es deshalb vor allem darum, das Risiko für Folgeerkrankungen so gut es geht zu senken.

    Zum anderen hat die Diagnose Diabetes eine sofort spürbare Bedeutung: Wer sie erhält, gilt ab diesem Zeitpunkt als chronisch krank. Ärztinnen und Ärzte schlagen Schulungen vor, man erhält Empfehlungen zum Lebensstil und zu Medikamenten. Die Diagnose kann das Leben also schlagartig verändern.

    Diese Unterscheidung ist auch wichtig, wenn man Empfehlungen zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes prüft. Eine „gute“ Vorbeugung soll nicht nur vermeiden, dass die Diagnose überhaupt gestellt wird. Sie soll auch das Risiko für Herzinfarkte und andere langfristige Komplikationen senken.

    Wer ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes hat, kann durch eine Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung und mäßige Gewichtsabnahme die Diagnose zumindest um einige Jahre hinauszögern. Ob Lebensstil-Änderungen gleichzeitig auch Komplikationen wie etwa Herzinfarkten vorbeugen können, ist noch offen.

    Die Diagnose Typ-2-Diabetes bedeutet zum einen, dass der Blutzucker über einem festgelegten Wert liegt. Ein erhöhter Blutzucker ist oft nicht spürbar. Er kann aber im Laufe der Zeit die kleinen Blutgefäße an Augen, Nerven und Nieren schädigen und die Funktion dieser Organe beeinträchtigen. Zudem treten bei Menschen mit erhöhtem Blutzucker Krankheiten wie zum Beispiel Herzinfarkte häufiger und in jüngeren Jahren auf als bei Personen mit niedrigeren Zuckerwerten. Bei der Behandlung und auch Vorbeugung von Typ-2-Diabetes geht es deshalb vor allem darum, das Risiko für Folgeerkrankungen so gut es geht zu senken.

    Zum anderen hat die Diagnose Diabetes eine sofort spürbare Bedeutung: Wer sie erhält, gilt ab diesem Zeitpunkt als chronisch krank. Ärztinnen und Ärzte schlagen Schulungen vor, man erhält Empfehlungen zum Lebensstil und zu Medikamenten. Die Diagnose kann das Leben also schlagartig verändern.

    Diese Unterscheidung ist auch wichtig, wenn man Empfehlungen zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes prüft. Eine „gute“ Vorbeugung soll nicht nur vermeiden, dass die Diagnose überhaupt gestellt wird. Sie soll auch das Risiko für Herzinfarkte und andere langfristige Komplikationen senken.

    Empfehlungen zur Diabetes-Vorbeugung

    Es gibt viele Empfehlungen und Vorschläge zur Vorbeugung von Diabetes. Sie lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

    • Umstellung der Ernährung
    • Sport / mehr Bewegung
    • Medikamente zum Abnehmen
    • blutzuckersenkende Medikamente

    Keine dieser Empfehlungen wurde bisher für gesunde Menschen ausreichend wissenschaftlich überprüft. Studien, die zum Beispiel bei gesunden Erwachsenen oder Kindern erproben, wie man Diabetes im höheren Alter verhindern könnte, sind allerdings kaum machbar: Sie müssten Jahrzehnte dauern.

    Was bringen Abnehmen, Ernährungsumstellung und mehr Bewegung?

    Was es gibt, sind Studien vor allem mit Frauen und Männern, die bereits über 45 Jahre alt sind und zusätzlich ein erhöhtes Risiko haben, an Diabetes zu erkranken. Dazu zählen zum Beispiel Personen mit Übergewicht oder leicht erhöhten Blutzuckerwerten. Solche Studien zeigen, dass eine Umstellung der Ernährung sowie mehr Bewegung das Risiko verringern können, in den nächsten Jahren eine Diabetes-Diagnose zu erhalten.

    Ein Beispiel ist eine große US-amerikanische Studie mit etwa 3200 Frauen und Männern. Ein Teil von ihnen wurde geschult, beim Essen auf Kalorien und Fettgehalt zu achten und mehr Gemüse und Obst zu essen. Das wurde kombiniert mit 2 bis 3 Stunden Bewegung pro Woche – zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder eine andere Sportart. Ernährungsumstellung und Training zusammen sollten zu einer Gewichtsabnahme von etwa sechs Kilogramm führen.

    Wenn man die vorhandenen Studien zur Diabetes-Vorbeugung gemeinsam betrachtet, lässt sich abschätzen, wie viele Teilnehmende pro Jahr die Diagnose Typ-2-Diabetes erhielten:

    • Ohne Lebensstil-Programm: etwa 11 von 100 Teilnehmenden.
    • Mit Lebensstil-Programm: etwa 6 von 100 Teilnehmenden.

    Pro Jahr konnten eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung also 5 von 100 Frauen und Männern helfen, eine Diabetes-Diagnose zu vermeiden.

    Die US-Studie zeigte zudem, dass die Frauen und Männer, die ihre Lebensgewohnheiten umstellten, eine Diabetes-Diagnose im Durchschnitt um etwa vier Jahre aufschieben konnten. Da die Studie nach insgesamt zehn Jahren endete, lässt sich allerdings nicht sicher sagen, ob und wenn ja, wie viele Personen sich durch die Änderung ihrer Lebensgewohnheiten dauerhaft vor Diabetes schützen konnten.

    In der Studie gelang es vielen Teilnehmenden, zugleich ihre Ernährung umzustellen, sich mehr zu bewegen und Gewicht abzunehmen. Auch wenn die Gewichtsabnahme zusätzlich durch Medikamente unterstützt wird, kann das den Blutzucker senken. In Deutschland ist nur der Wirkstoff Orlistat (Handelsname Xenical) zur Behandlung von starkem Übergewicht (Adipositas, ab einem Body-Mass-Index von 30) zugelassen. Orlistat hemmt teilweise die Aufnahme von Fetten aus dem Darm. Bei Einnahme des Mittels muss eine Diät eingehalten werden, um Nebenwirkungen wie starken Durchfall zu vermeiden. Die Kosten des Medikaments werden nicht von den Krankenkassen gezahlt.

    Insgesamt lassen aber alle Studien eine entscheidende Frage unbeantwortet: Ob Abnehmen und Änderungen des Lebensstils auch helfen, Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist unklar. Nur zwei Studien haben die Wirkungen von Lebensstil-Änderungen zum Beispiel auf Herzinfarkte und andere Komplikationen von Diabetes gemessen. In diesen Studien zeigte sich nach 10 bis 20 Jahren kein Unterschied zwischen Personen, die ihren Lebensstil verändert hatten und solchen, die weiter lebten wie gewohnt. Auch die Frage, wie die zum Teil umfangreichen Veränderungen die Lebensqualität beeinflussen, ist bisher nicht beantwortet.

    Können blutzuckersenkende Medikamente vor Typ-2-Diabetes schützen?

    Eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten und mehr Bewegung gehören zu den ersten Maßnahmen gegen erhöhte Blutzuckerwerte. Zur Behandlung von Typ-2-Diabetes gibt es zudem viele unterschiedliche blutzuckersenkende Medikamente. Davon wurden bisher nur wenige auch zur Vorbeugung erprobt. Zudem werden Medikamente in aller Regel erst nach einer Diabetes-Diagnose verschrieben.

    In Studien wurde zum Beispiel Metformin an Personen mit erhöhtem Diabetes-Risiko geprüft. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Personen, die Metformin einnehmen, seltener Diabetes festgestellt wird. Aus den Studien lässt sich aber nicht ableiten, ob der Blutzucker nach Absetzen der Medikamente niedrig bleibt oder ob er wieder ansteigt. Außerdem geben die Studien keine Antwort auf die Frage, ob die Einnahme der Medikamente langfristig hilft, Komplikationen zu vermeiden. In Deutschland ist zudem kein Medikament zur Vorbeugung von Diabetes zugelassen.

    Grundsätzlich gilt: Würden Medikamente zur Vorbeugung von Diabetes eingenommen, müsste man auch mit ihren Nachteilen und Nebenwirkungen rechnen.

    Was kann Vorbeugung erreichen?

    Wer einen erhöhten Blutzucker hat, macht sich meist Sorgen um seine Gesundheit. Aber nicht bei allen Menschen mit leicht erhöhten Blutzuckerwerten steigt der Blutzucker weiter an, bis sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Bei manchen normalisieren sich die Werte von selbst wieder.

    Andere können zumindest die Diagnose aufschieben, wenn sie ihre Ernährung ändern, sich mehr bewegen und auf ihr Gewicht achten.

    Was Vorbeugung gegen Diabetes leisten kann, ist durchaus umstritten: Manche Forscherinnen und Forscher vermuten, dass sich ein Typ-2-Diabetes mit der „richtigen“ Ernährung und viel Bewegung fast immer vermeiden ließe. Andere gehen davon aus, dass bei vielen Menschen der Stoffwechsel allein altersbedingt irgendwann an Grenzen stößt und sie einen Typ-2-Diabetes nicht völlig vermeiden können.

    Die bisherigen Studien sprechen dafür, dass sich Diabetes durch Änderungen des Lebensstils eher aufschieben als völlig vermeiden lässt.

    Wichtig ist ohnehin, nicht nur auf die Vorbeugung und Behandlung des Blutzuckers zu schauen. Ein wesentliches Ziel der Vorbeugung ist es ja, vorzeitige Folgen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden. Neben einem erhöhten Blutzuckerspiegel können auch ein erhöhter Blutdruck oder erhöhte Cholesterinwerte auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle hinweisen. Daher ist es sinnvoll, das Gesamtbild im Auge zu behalten.

    Quellen

    Dunkley AJ, Charles K, Gray LJ, Camosso-Stefinovic J, Davies MJ, Khunti K. Effectiveness of interventions for reducing diabetes and cardiovascular disease risk in people with metabolic syndrome: systematic review and mixed treatment comparison meta-analysis. Diabetes Obes Metab 2012; 14(7): 616-625.

    Gillett M, Royle P, Snaith A, Scotland G, Poobalan A, Imamura M et al. Non-pharmacological interventions to reduce the risk of diabetes in people with impaired glucose regulation: a systematic review and economic evaluation. Health Technol Assess 2012; 16(33): 1-236, iii-iv.

    LeBlanc E, O'Connor E, Whitlock EP, Patnode C, Kapka T. Screening for and management of obesity and overweight in adults. (Evidence Syntheses; Band 89).

    Merlotti C, Morabito A, Pontiroli AE. Prevention of type 2 diabetes; a systematic review and meta-analysis of different intervention strategies. Diabetes Obes Metab 2014; 16(8): 719-727.

    Phung OJ, Baker WL, Tongbram V, Bhardwaj A, Coleman CI. Oral antidiabetic drugs and regression from prediabetes to normoglycemia: a meta-analysis. Ann Pharmacother 2012; 46(4): 469-476.

    Rajpathak SN, Kumbhani DJ, Crandall J, Barzilai N, Alderman M, Ridker PM. Statin therapy and risk of developing type 2 diabetes: a meta-analysis. Diabetes Care 2009; 32(10): 1924-1929.

    Schellenberg ES, Dryden DM, Vandermeer B, Ha C, Korownyk C. Lifestyle interventions for patients with and at risk for type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. Ann Intern Med 2013; 159(8): 543-551.

    Stevens JW, Khunti K, Harvey R, Johnson M, Preston L, Woods HB et al. Preventing the progression to type 2 diabetes mellitus in adults at high risk: a systematic review and network meta-analysis of lifestyle, pharmacological and surgical interventions. Diabetes Res Clin Pract 2015; 107(3): 320-331.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente bei Typ-2-Diabetes

    Menschen mit Typ-2-Diabetes haben unter anderem ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Je nach Alter und Lebensstil können unterschiedliche Medikamente und Behandlungsziele wichtig sein. Dies hängt auch davon ab, ob noch andere Gesundheitsprobleme bestehen.

    Weil ein hoher Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) das Kennzeichen eines Typ-2-Diabetes ist, scheint es erst einmal logisch, Medikamente zur Blutzuckersenkung einzusetzen. Dies ist aber nicht immer notwendig. Medikamente sind erst dann sinnvoll, wenn sich der Blutzuckerspiegel nicht auf andere Weise kontrollieren lässt – etwa durch eine Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung.

    Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel kann Gefäß- und Nervenschäden verursachen. Dies kann Erkrankungen der Augennetzhaut, der Nieren und Füße zur Folge haben. Auch das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte kann erhöht sein. Dies hängt aber unter anderem davon ab, in welchem Alter der Diabetes zuerst auftritt. Vielen älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes bereitet ihr erhöhter Blutzuckerspiegel keine Schwierigkeiten. Bei ihnen stehen oft andere Gesundheitsprobleme im Vordergrund, wie beispielsweise ein erhöhter Blutdruck.

    Wenn ein Mensch mit Typ-2-Diabetes jedoch erst um die 40 ist, hat er meist noch viele Lebensjahre vor sich. Über eine lange Zeit kann dann selbst ein nur mäßig erhöhter Blutzuckerspiegel zu Folgeschäden führen. Für jüngere Menschen mit Diabetes ist es daher sehr wichtig, ihren Blutzuckerspiegel niedrig zu halten.

    Menschen mit Typ-2-Diabetes haben unter anderem ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Je nach Alter und Lebensstil können unterschiedliche Medikamente und Behandlungsziele wichtig sein. Dies hängt auch davon ab, ob noch andere Gesundheitsprobleme bestehen.

    Weil ein hoher Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) das Kennzeichen eines Typ-2-Diabetes ist, scheint es erst einmal logisch, Medikamente zur Blutzuckersenkung einzusetzen. Dies ist aber nicht immer notwendig. Medikamente sind erst dann sinnvoll, wenn sich der Blutzuckerspiegel nicht auf andere Weise kontrollieren lässt – etwa durch eine Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung.

    Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel kann Gefäß- und Nervenschäden verursachen. Dies kann Erkrankungen der Augennetzhaut, der Nieren und Füße zur Folge haben. Auch das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte kann erhöht sein. Dies hängt aber unter anderem davon ab, in welchem Alter der Diabetes zuerst auftritt. Vielen älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes bereitet ihr erhöhter Blutzuckerspiegel keine Schwierigkeiten. Bei ihnen stehen oft andere Gesundheitsprobleme im Vordergrund, wie beispielsweise ein erhöhter Blutdruck.

    Wenn ein Mensch mit Typ-2-Diabetes jedoch erst um die 40 ist, hat er meist noch viele Lebensjahre vor sich. Über eine lange Zeit kann dann selbst ein nur mäßig erhöhter Blutzuckerspiegel zu Folgeschäden führen. Für jüngere Menschen mit Diabetes ist es daher sehr wichtig, ihren Blutzuckerspiegel niedrig zu halten.

    Mittel, die das Risiko für Herzkrankheiten senken

    Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten. Oft kommen aber bei Menschen mit Diabetes noch andere Risikofaktoren hinzu, wie zum Beispiel ein erhöhter Blutdruck. Dann ist es gut möglich, dass eine medikamentöse Behandlung dieser anderen Faktoren das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall stärker senken kann als eine Senkung des Blutzuckers. Die wichtigsten Arzneimittel sind:

    • blutdrucksenkende Medikamente (Antihypertensiva)
    • Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) zur Vorbeugung von Blutgerinnseln
    • Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels

    All diese Medikamente können Nebenwirkungen haben. Deshalb ist es wichtig, die Einnahme mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen. Das gilt auch für Mittel wie ASS, die ohne Rezept erhältlich sind.

    Wer Folgeerkrankungen des Typ-2-Diabetes hat, wie zum Beispiel Schäden an der Augennetzhaut, benötigt möglicherweise weitere Medikamente, um diese Erkrankungen gezielt zu behandeln.

    Tabletten zur Senkung des Blutzuckers (Antidiabetika)

    Die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes müssen sich kein Insulin spritzen. Wenn sie ihren Blutzucker nicht durch eine Umstellung ihres Lebensstils in den Griff bekommen, können sie auch Tabletten einnehmen. Diese werden Antidiabetika genannt. Wenn ein Medikament nicht reicht, ist es möglich, verschiedene blutzuckersenkende Tabletten zu kombinieren.

    Studien zeigen, dass bei einem gut eingestellten Blutzucker seltener Schäden an den kleinen Blutgefäßen auftreten, vor allem der Augen. Unklar ist jedoch, wie gut Antidiabetika dabei helfen, Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle vorzubeugen. Hierzu gibt es kaum Langzeitstudien. Zudem ist nicht ausreichend untersucht, wie die verschiedenen Medikamente im Vergleich zueinander abschneiden.

    Alle Antidiabetika können dazu führen, dass der Blutzuckerspiegel manchmal zu stark abfällt: Dann kommt es zu einer Unterzuckerung, auch Hypoglykämie genannt.

    Die am längsten gebräuchlichen Medikamente zur Behandlung des Typ-2-Diabetes sind:

    • Metformin: Dieser Wirkstoff verringert die vom Körper hergestellte Glukosemenge und wird schon lange verwendet. Metformin ist am besten in Studien untersucht und mit am verträglichsten. Deshalb wird meist empfohlen, die Behandlung mit Metformin zu beginnen. Mögliche Nebenwirkungen sind Unwohlsein und Durchfall, vor allem wenn Metformin auf nüchternen Magen eingenommen wird.
    • Sulfonylharnstoffe: Sie helfen dem Körper, mehr Insulin zu produzieren. Auch diese Mittel werden schon lange eingesetzt. Während einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen treten häufiger Unterzuckerungen auf als bei Metformin. Manche Menschen nehmen auch zu, wenn sie mit der Behandlung beginnen. Andere reagieren allergisch auf Sulfonylharnstoffe.

    Neuere Antidiabetika sind:

    • Glitazone: Diese Mittel bewirken, dass die Körperzellen das Insulin wieder besser verwerten. Der Wirkstoff Rosiglitazon wurde 2010 vom Markt genommen, da er wahrscheinlich das Risiko für Herzinfarkte erhöht. Heute ist nur noch Pioglitazon zugelassen. Im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen treten bei Pioglitazon seltener Unterzuckerungen auf. Mögliche Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Knochenbrüche, Wassereinlagerungen und Herzschwäche. Die europäische Zulassungsbehörde weist darauf hin, dass Pioglitazon möglicherweise das Risiko für Blasenkrebs geringfügig erhöht. Wegen der möglichen Nebenwirkungen wird Pioglitazon nicht als Medikament der ersten Wahl und nur bei ausgewählten Patientinnen und Patienten eingesetzt.
    • Glinide: Hier gibt es die beiden Wirkstoffe Nateglinid und Repaglinid. Sie steigern die körpereigene Insulinproduktion. Im Vergleich zu Metformin kommt es bei Gliniden eher zu leichten und moderaten Unterzuckerungen. Glinide können zur Gewichtszunahme führen.
    • Gliptine (Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitoren): Sie regen ebenfalls die Insulinproduktion an. Zu den Gliptinen gehören die Wirkstoffe Linagliptin, Saxagliptin, Vildagliptin oder Sitagliptin.
    • Flozine (SGLT-2-Hemmer): Zu den Flozinen gehören die Wirkstoffe Dapagliflozin, Empagliflozin und Canagliflozin. Sie bewirken, dass vermehrt Zucker über den Urin ausgeschieden wird. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel.

    Nur noch selten werden Alpha-Glucosidasehemmer bei Typ-2-Diabetes eingesetzt. Sie verlangsamen die Aufnahme von Glukose im Darm. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff dieser Medikamentengruppe heißt Acarbose. Er hat zahlreiche Nebenwirkungen, insbesondere Blähungen und Durchfall. Seine blutzuckersenkende Wirkung ist vergleichsweise gering.

    Sehr selten – pro Jahr bei etwa einem von 10.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes – kommt es während der Behandlung mit Metformin zu einer Übersäuerung des Blutes. Dies kann zu Atembeschwerden, Übelkeit oder zu einem Schock führen. Eine Übersäuerung kann verschiedene Ursachen haben. Man vermutet jedoch, dass Metformin dazu beiträgt. Menschen, deren Nierenfunktion eingeschränkt ist, die eine Herzschwäche haben oder alkoholabhängig sind, dürfen diese Antidiabetika deshalb nicht nehmen oder nur unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen.

    Insulin

    Menschen mit Typ-1-Diabetes sind auf Insulinspritzen angewiesen. Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen meist erst dann Insulin, wenn sie ihren Blutzucker durch Tabletten nicht ausreichend in den Griff bekommen. Ihnen stehen zwei Insulintypen zur Verfügung: Humaninsulin oder Insulinanaloga. Beide sind gentechnisch hergestellt, unterscheiden sich aber in ihrer chemischen Struktur. Kurzwirksame Insulinanaloga senken den Blutzucker etwas schneller als Humaninsuline. Dass dies auch gesundheitliche Vorteile hat, ist jedoch nicht nachgewiesen. Typ-2-Diabetes lässt sich mit Humaninsulin und Insulinanaloga vergleichbar gut behandeln.

    In einigen Studien wurde untersucht, ob Insulin oder eine Kombination verschiedener Antidiabetika sinnvoll ist, wenn sich der Blutzucker durch einzelne Antidiabetika sowie Bewegung und Ernährung nicht ausreichend kontrollieren lässt. Die Ergebnisse zeigten:

    • keine Unterschiede, was Langzeitfolgen wie Herzerkrankungen betrifft.
    • Insulin konnte den Blutzucker stärker senken.
    • Mit Antidiabetika traten seltener Unterzuckerungen auf, dafür häufiger andere Nebenwirkungen, in erster Linie Magen-Darm-Probleme. 

    Inkretin-Mimetika

    Inkretin-Mimetika sind hormonähnliche Medikamente, die zusätzlich zur Einnahme von Metformin- und / oder Sulfonylharnstoff-Tabletten gespritzt werden können. Sie sind nicht dafür gedacht, Antidiabetika-Tabletten zu ersetzen. Sie werden statt oder in Ergänzung zu Insulin angewendet. Das Mittel wird mit einer vordosierten Injektionshilfe (Pen) unter die Haut gespritzt. Inkretin-Mimetika regen die Bauchspeicheldrüse an, mehr Insulin herzustellen. Es ist bislang unklar, ob die Behandlung mit Inkretin-Mimetika langfristige Vorteile haben kann. Zu den Inkretin-Mimetika gehören die Wirkstoffe Liraglutid, Dulaglutid, Lixisenatid, Exenatide und Albiglutid. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen.

    Wonach richtet sich die Auswahl der Medikamente?

    Blutzuckersenkende Medikamente sind nicht für jeden Menschen von Nutzen. Ob überhaupt Antidiabetika eingenommen werden müssen, welche Medikamente sich jeweils am besten eignen und wie stark der Blutzucker gesenkt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

    • dem Behandlungsziel,
    • dem Alter,
    • dem Gewicht,
    • dem allgemeinen Gesundheitszustand,
    • anderen Erkrankungen,
    • der Einnahme weiterer Medikamente,
    • wie gut die Vor- und Nachteile eines Medikaments in Studien untersucht wurden,
    • davon, wie gut ein Medikament bei einer Person wirkt, wie sie es verträgt und
    • wie gut sie mit der Behandlung ihres Diabetes zurechtkommt.

    Bei der Wahl der Behandlung ist nicht zuletzt die Frage wichtig, wie hoch das Risiko für starke Unterzuckerungen ist. Um diese gefürchtete Nebenwirkung zu vermeiden, kann es besonders für ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes eine gute Entscheidung sein, etwas höhere Blutzuckerwerte in Kauf zu nehmen.

    Quellen

    Anyanwagu U, Mamza J, Donnelly R, Idris I. Comparison of cardiovascular and metabolic outcomes in people with type 2 diabetes on insulin versus non-insulin glucose-lowering therapies (GLTs): A systematic review and meta-analysis of clinical trials. Diabetes Res Clin Pract 2016; 121: 69-85.

    Bolen S, Tseng E, Hutfless S, Segal JB, Suarez-Cuervo C, Berger Z et al. Diabetes Medications for Adults With Type 2 Diabetes: An Update. 04.2016. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 173).

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie: Therapie des Typ-2-Diabetes (S3). AWMF-Registernr.: nvl-001g. 11.2014.

    European Medicines Agency (EMA). European Medicines Agency clarifies opinion on pioglitazone and the risk of bladder cancer. 21.10.2011.

    Kim JY, Yang S, Lee JI, Chang MJ. Cardiovascular Effect of Incretin-Based Therapy in Patients with Type 2 Diabetes Mellitus: Systematic Review and Meta-Analysis. PLoS One 2016; 11(4): e0153502.

    Li J, Tong Y, Zhang Y, Tang L, Lv Q, Zhang F et al. Effects on All-cause Mortality and Cardiovascular Outcomes in Patients With Type 2 Diabetes by Comparing Insulin With Oral Hypoglycemic Agent Therapy: A Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Clin Ther 2016; 38(2): 372-386.

    Peterson S, Barry A. Effect of glucagon-like peptide-1 receptor agonists on all-cause mortality and cardiovascular outcomes: A meta-analysis. Curr Diabetes Rev 2017; 14 [Epub ahead of print].

    Rehman MB, Tudrej BV, Soustre J, Buisson M, Archambault P, Pouchain D et al. Efficacy and safety of DPP-4 inhibitors in patients with type 2 diabetes: Meta-analysis of placebo-controlled randomized clinical trials. Diabetes Metab 2017; 43(1): 48-58.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Typ-2-Diabetes - Erfahrungsbericht - Klara

    „Ich denke, man kann mit dem Diabetes ganz normal weiterleben.“

    Klara, 63 Jahre

    „Ich denke, man kann mit dem Diabetes ganz normal weiterleben.“

    Vor vier Jahren wurde festgestellt, dass ich Diabetes habe. Ich hatte immer so eine Trockenheit im Mund und habe dies meinem Hausarzt erzählt. Er hat dann einen Labortest machen lassen und es wurde festgestellt, dass ich zu hohe Blutzuckerwerte habe. Ich denke, dass ich zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon lange zu hohe Blutzuckerwerte hatte. Die Anzeichen habe ich ja schon länger beobachtet.

    Die ersten drei Jahre habe ich Tabletten genommen, zwei Stück täglich. Ich habe dann aber gemerkt, dass die Tabletten nicht mehr ausreichen. Ich hatte wieder eine ständige Trockenheit im Mund und Schwächegefühle.

    Als ich dann ein neues Kniegelenk im Krankenhaus bekam, hat man mich auf meinen Blutzucker angesprochen. Sie haben große Schwankungen bei den Blutzuckerwerten festgestellt und mich gefragt, ob ich nicht Insulin spritzen möchte.

    Bin regelmäßig zu Schulungen gegangen

    Mir wurde dann in den Gesprächen erklärt, wie ich das mit dem Spritzen machen könnte. Am Anfang bin ich regelmäßig zu Schulungsgesprächen gegangen, dann alle 14 Tage und jetzt in größeren Abständen. Ich habe viel über Diabetes gelesen und seitdem ich die regelmäßigen Besuche bei meinen Ärzten mache, fühle ich mich wohler. Die haben mich sehr gut ausgebildet. Ich bin sehr zufrieden.

    Ich habe mir dann das Insulin selber mit einem Pen gespritzt. Es war keine große Umstellung. Ich wurde auf Langzeitinsulin eingestellt, was ich mir am Morgen und am Abend spritze. Zusätzlich dazu spritze ich mir herkömmliches Kurzzeitinsulin (Anm. d. Red.: Humaninsulin) vor jeder Mahlzeit. Die Dosierung hängt dann davon ab, was ich esse. Ich muss das dann ganz normal hochrechnen.

    Ich habe zwei Hauptmahlzeiten am Tag. Ich messe davor meinen Blutzucker, dann spritze ich und esse gleich hinterher. Ich halte keinen Abstand zwischen Spritzen und Essen ein und komme gut damit klar. Manchmal esse ich etwas Kleines zwischen den Hauptmahlzeiten, aber nicht regelmäßig und auch nicht jeden Tag. Ich spritze dann kein Insulin, sondern kalkuliere das, was ich gegessen habe, insgesamt mit ein.

    Ich kann den Diabetes kontrollieren

    Es fällt mir auch nicht schwer, mich zu spritzen. Manche haben Scheu davor. Das war bei mir nicht so. Ich spritze mich mal in den Bauch und mal in den Oberschenkel. Das geht gut. Ich habe keine Probleme damit. Ich kann den Diabetes kontrollieren. Die Tabletten waren nicht so wirkungsvoll. Ich fühle mich jetzt mit dem Spritzen von Insulin besser.

    Meine Mutter hatte auch Alterszucker. Sie hat darunter nicht gelitten. Meine Geschwister haben keinen Diabetes. Meine Brüder hatten nie Probleme mit dem Gewicht, wobei ich nach der Geburt meines Kindes immer Probleme mit dem Gewicht hatte. Ich habe es nie richtig herunterbekommen. Es ist schon sehr lange mein Ziel, abzunehmen. Ich esse sehr gerne und gut. Das Thema Ernährung war für mich immer sehr wichtig. Jetzt esse ich weniger Süßes, ich greif zwar auch mal nach einem Stück Schokolade, aber dann reicht es auch. Damit komme ich gut klar. Ich habe bis jetzt nicht abgenommen, halte jetzt aber schon mein Gewicht seit zwei Jahren.

    Ich esse ganz normal. Ich esse keine Diätprodukte, weil mir das einerseits zu teuer ist und andererseits kann man sich das auch so einrichten. Ich führe mein Buch, in dem ich aufschreibe, was ich esse, und meine Blutzuckerwerte notiere. Damit fühle ich mich sehr wohl.

    Ich esse auch mal Marmelade, ganz normale Marmelade, die ich auch selber gerne koche.

    Am Anfang war es für mich ein wenig problematisch, dass Obst so viele Broteinheiten hat. Ich esse sehr gern Obst. Das ist so das Einzige, was für mich problematisch ist. Ich esse jetzt trotzdem Obst, aber man muss dann eben das andere Essen darauf abstimmen.

    Wenn ich eingeladen bin, in der Weihnachtszeit, wenn ich mit meinen Enkeln backe, dann esse ich auch mal etwas mehr. Nun gut, dann muss man eben auch mal damit leben.

    Wenn ich unterzuckert bin, dann spüre ich das. Dann geht es mir schlechter. Dann bekomme ich wieder diese Mundtrockenheit, fange an zu zittern und habe so ein Gefühl der Schwäche. Dann muss ich sofort etwas essen.

    Die Vorsorgeuntersuchungen nehme ich regelmäßig wahr. Man hat bei mir eine Neuropathie festgestellt. Ich kann dadurch in der Nacht schlecht schlafen, weil die Füße und Beine kribbeln und schmerzen. Und die Haut ist sehr trocken. Ich werde manchmal nachts wach und muss meine Füße und meine Beine bis zum Knie einreiben, weil ich sonst nicht schlafen kann.

    Vor zehn Tagen wurde bei mir ein Grauer Star auf der linken Seite operiert. Es ist jetzt wunderbar. Am Tag nach der Operation wurde ein Sehtest durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass ich jetzt die doppelte Sehfähigkeit habe. Ich sehe jetzt wie mit Adleraugen.

    Spritze mich manchmal sogar im Restaurant

    Mittlerweile hat das Insulin für mich eine große Bedeutung. Am Anfang war mir das ein wenig lästig. Je nachdem, wo man hinging, habe ich mich zum Spritzen auf eine Toilette zurückgezogen. Jetzt mach ich das manchmal sogar so, dass ich mich im Restaurant spritze, so dass man es nicht merkt. Manche Toiletten sind ja auch nicht so sauber. Dann ist es mir lieber, wenn jemand schief hinschaut.

    Ich denke, man kann mit dem Diabetes ganz normal weiterleben. Man sollte sein Leben nicht total auf den Diabetes ausrichten und das Ganze auch mit ein wenig Humor sehen. Man soll alles das machen, was man sich vorgenommen hatte. Ich bin ein Mensch, der gerne etwas unternimmt. In meinem alltäglichen Leben und in meiner Freizeit hat sich durch den Diabetes nicht so viel verändert. Mir geht es sehr gut.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Typ-2-Diabetes - Erfahrungsbericht - Konrad

    „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich in meinem Leben auf etwas Bestimmtes durch den Diabetes verzichten muss.“

    Konrad, 56 Jahre

    „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich in meinem Leben auf etwas Bestimmtes durch den Diabetes verzichten muss“

    Mir war eigentlich schon immer klar, dass ich Diabetes bekommen könnte: Meine beiden Eltern haben auch Diabetes Typ 2.

    Vor zehn Jahren, da war ich 46 Jahre alt, wurde bei mir zum ersten Mal Diabetes vom Typ 2 festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt war ich etwa 20 Kilogramm schwerer als jetzt. Nach der Diagnose habe ich unter medizinischer Aufsicht circa 30 Kilogramm abtrainiert. Danach waren die Blutzuckerwerte wieder in Ordnung.

    Auf einmal musste ich nachts viel trinken

    Vor etwa drei oder vier Jahren musste ich plötzlich nachts sehr viel trinken. Das kann ja ein Hinweis für Diabetes sein. Ich bin dann zu meiner Hausärztin gegangen. In einer Laboruntersuchung wurden erhöhte Blutzuckerwerte bei mir festgestellt. Die Hausärztin und ich haben uns dann geeinigt, dass ich zu einem Diabetologen gehe, um die Werte näher analysieren zu lassen.

    Im Gespräch mit dem Diabetologen kam dann der Vorschlag, Insulin zu spritzen. In den darauf folgenden drei bis sechs Monaten wurde ausprobiert, welche Kombination ideal ist. Ich benutze zwei verschiedene Pens, weil ich zwei verschiedene Insulinsorten benutze. Das muss man aber nicht.

    Die Einheiten berechne ich immer daraus, was ich plane zu essen. Das ist für mich ganz einfach und ich kann damit sehr gut leben.

    Das erste Mal musste ich mich überwinden, mich zu stechen und mich zu spritzen. Nach ein paar Tagen hatte ich das aber ganz gut heraus. Ich glaube, damit kann man gut klarkommen. Das ist nicht so dramatisch.

    Es ist nicht so, dass ich wirklich grammgenau die Kartoffeln oder ähnliches abwiegen würde. Ich habe im Lauf der Zeit eine gewisse Vorstellung darüber entwickelt, wie viel Einheiten eine bestimmte Menge Kartoffeln oder andere Nahrungsmittel haben. Die Kohlenhydrate kann man ja relativ einfach berechnen. Das ist kein Problem, sondern nur eine Frage des Umrechnungsfaktors. Man kann das sehr gut über den Tag hochrechnen. Das ist in meinen Augen kein Problem. Man muss einfach dieses Rechnen verinnerlichen.

    Meine Blutzuckerwerte waren nie extrem. Ich habe nur sehr selten Unterzuckerungen. Die größte Schwierigkeit ist für mich, nachts die richtige Dosis zu bestimmen. Man hat ja immer nachts irgendwann Tiefpunkte in den Blutzuckerwerten und die muss man entsprechend ausgleichen können – das Langzeitinsulin muss entsprechend dosiert sein. Am besten findet man das heraus, indem man ab und zu nachts misst. Und für Notfälle habe ich immer ein Stück Traubenzucker oder etwas ähnliches in der Tasche.

    Am Anfang, kurz nach der Diagnose, musste ich mich darauf einstellen, dass ich jetzt von einem Medikament abhängig bin. Dafür habe ich eine gewisse Zeit gebraucht.

    Die Familie stand hinter mir

    Für mich war es wichtig, dass das Umfeld stimmt, dass die Familie hinter mir stand. Schon allein wegen der Umstellung der Ernährung.

    Für mich war auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe sehr wichtig: die Gespräche mit Menschen, die ebenfalls an Diabetes Typ 2 erkrankt sind und schon länger Erfahrung mit dieser Erkrankung haben. Diese Gespräche waren für mich besonders während der Einstellungsphase in den ersten drei bis sechs Monaten wichtig. Ich fand es für mich wichtig, mit anderen Betroffenen zu sprechen und nicht irgendwo allein zu kämpfen.

    Mit meinem Diabetologen verstehe ich mich sehr gut. Unsere Sitzungen, die mittlerweile in einem Abstand von etwa drei Monaten stattfinden, sind eher Gespräche über Ergebnisse und Tendenzen. Ich habe in der Sprechstunde mit dem Arzt immer alles erfragt, was für mich unklar war. Aber das liegt sicherlich an meiner Art zu leben und zu denken.

    Hilfestellung statt Einschränkung

    Wenn man eine solche Erkrankung hat, dann muss man natürlich regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Das ist klar. Man muss die Füße untersuchen lassen und die Augen und die Nieren. Aber ich sehe das nicht als Einschränkung für mich an, sondern als Hilfestellung. Ich muss damit rechnen, wenn ich nicht darauf achte, dass ich Probleme mit den Augen, den Füßen oder den Nieren bekomme. Ich gehe ja zu diesen Untersuchungen, weil ich etwas für mich und meine Gesundheit machen möchte.

    Bei meiner Berufstätigkeit sehe ich durch die Erkrankung keine Einschränkungen. Ich bin selbstständig und habe keinen Acht-Stunden-Tag und das geht trotzdem ganz gut. Es ist sicherlich eine Sache der Lebensauffassung, ob man das positiv sieht oder nicht. Als ich vor Jahren noch bei einer großen Firma angestellt war, war meine Erkrankung auch für den Arbeitgeber nicht problematisch und ich habe keine Einschränkungen erlebt. Aber diese Ängste gibt es schon.

    Ich habe nicht das Gefühl, dass ich in meinem Leben auf etwas Bestimmtes durch den Diabetes verzichten muss. Ich muss ein wenig bewusster essen. Wenn man Appetit auf Schokolade oder ein Eis hat, dann kann man auch etwas davon essen. Aber eben in Maßen. Ich glaube nicht, dass ich wirklich etwas vermisse. Ich achte jetzt ein bisschen mehr auf meinen Körper und auf das, was in meinem Körper passiert. Ich sehe die Krankheit nicht unbedingt als negativ für mich an.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.