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Alterssichtigkeit (Presbyopie)

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    Überblick

    Die Alterssichtigkeit macht sich bei den meisten Menschen mit Mitte 40 bemerkbar. Dabei verschlechtert sich das Sehen im Nahbereich: Um etwa ein Buch lesen zu können, muss man es immer weiter weghalten. Rückgängig machen lässt sich die Alterssichtigkeit zwar nicht. Aber es gibt gute Möglichkeiten, sie auszugleichen.

    Einleitung

    Bei jedem Menschen ist es irgendwann soweit: Um ohne Anstrengung lesen zu können und die Buchstaben klar zu erkennen, muss die Zeitung oder das Buch immer weiter weggehalten werden.

    Der normale Alterungsprozess der Augen verschlechtert das Sehen im Nahbereich. Bemerkbar macht sich die Alterssichtigkeit, auch Presbyopie genannt, meist mit Mitte 40.

    Die Presbyopie lässt sich zwar nicht wirksam behandeln, aber ausgleichen – am besten und einfachsten mit einer Lesebrille.

    Symptome

    Meist macht sich eine beginnende Alterssichtigkeit beim Lesen bemerkbar. Auch der Blick auf Uhr oder Handy, das Entziffern von Preisschildern im Supermarkt oder das Erkennen von Personen auf Bildern fällt schwerer.

    Zunächst fallen solche Schwierigkeiten vor allem auf, wenn man müde ist oder bei schwachem Licht. Oft klappt zum Beispiel ein kurzer Blick in die Zeitung noch. Längeres Lesen wird aber allmählich anstrengend, weil die Buchstaben dann verschwimmen. Die Augen lassen sich nur mit Mühe scharf stellen und brennen, nach einiger Zeit können auch Kopfschmerzen auftreten.

    Ursachen

    Das Auge kann sich auf „nah“ und „fern“ einstellen. Das gelingt, indem die Augenlinse ihre Form verändert. Dabei ändert die Linse ihre Brechkraft: Beim Betrachten von Dingen in der Ferne ist die Linse flach. Damit man nahe Objekte scharf sehen kann, wölbt sie sich mithilfe eines Muskels im Auge. Diese Anpassung wird medizinisch Akkommodation genannt.

    Mit zunehmendem Alter wird die Linse starrer und vermutlich auch der Augenmuskel schwächer. Dadurch kann sie sich schlechter wölben. Das Nahsehen klappt nicht mehr so gut. Das Weitsehen ist ungestört. Deshalb wird die Alterssichtigkeit auch Altersweitsichtigkeit genannt.

     

    Grafik: Anpassung an Nah- und Fernrsicht - wie im Text beschrieben Anpassung an Nah- und Fernsicht

    Risikofaktoren

    Manche Menschen bemerken die nachlassende Sehschärfe beim Lesen oder Betrachten naher Dinge schon mit Anfang 40, andere erst viele Jahre später. Wovon diese Unterschiede abhängen, ist nicht klar. Bei bestimmten Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder multipler Sklerose kann es aber früher zu Alterssichtigkeit kommen.

    Dass Frauen oft früher eine Lesebrille benutzen als Männer, liegt vor allem daran, dass sie sich eher darum kümmern. Einen Unterschied zwischen Frauen und Männern, wann die Alterssichtigkeit beginnt, gibt es nicht.

    Häufigkeit und Verlauf

    Fachleute gehen davon aus, dass weltweit über eine Milliarde Menschen alterssichtig sind und ihre Anzahl künftig noch ansteigen wird.

    Kleinkinder können auch Gegenstände noch scharf sehen, die sich dicht vor ihren Augen befinden. Diese Fähigkeit nimmt mit den Jahren ab. Bei Erwachsenen gelten etwa 35 Zentimeter als normale Leseentfernung. Diese vergrößert sich ab Anfang 40 allmählich, und mit 45 brauchen die meisten Menschen eine Lesebrille. Ab etwa 65 bis 70 Jahren schreitet der Prozess der Alterssichtigkeit in der Regel nicht mehr weiter fort.

    Menschen, die kurzsichtig sind und Probleme haben, entfernte Gegenstände scharf zu sehen, merken die Alterssichtigkeit meist etwas schwächer und später. Sie können die Alterssichtigkeit ausgleichen, indem sie ihre Fernbrille abnehmen.

    Wer weitsichtig ist, fühlt sich durch die starrer werdende Linse mehr gestört, weil sich die Anpassungsprobleme für den Nahbereich dadurch noch verstärken.

    Diagnose

    Eine Diagnose ist in einer Augenarztpraxis oder einem Optikergeschäft möglich. Dabei wird zunächst mit einem kleinen Gerät (Autorefraktometer) die Brechkraft des Auges gemessen und bei einem anschließenden Sehtest die Stärke der erforderlichen Fern- und Nahkorrektur geprüft. Hierbei schaut man auf sogenannte Sehprobentafeln, eine Leinwand oder einen Bildschirm. Darauf sind Buchstaben, Zahlen oder an einer Stelle offene Ringe in abnehmender Größe zu erkennen. Um die (meist unterschiedliche) Sehkraft beider Augen feststellen zu können, wird jeweils ein Auge abgedeckt. Dieser Test ermittelt, mit welchen Brillengläsern die Augen am besten sehen.

    Die sogenannte Brechkraft der Brillengläser wird ebenso wie die Brechkraft der natürlichen Linse oder einer Kontaktlinse in Dioptrien (dpt) angegeben.

    Vorbeugung

    Manchmal werden Sehübungen zur Vorbeugung von Alterssichtigkeit empfohlen. Meist sind es Übungen, die die Augenmuskulatur trainieren sollen. Auch wenn es zahlreiche Anleitungen für Sehübungen im Internet oder in Büchern gibt: Alterssichtigkeit lässt sich dadurch nicht aufhalten. Ein Training der Muskeln kann nichts daran ändern, dass die Elastizität der Linse mit den Jahren abnimmt.

    Behandlung

    Alterssichtigkeit lässt sich zwar nicht wirksam behandeln, aber gut ausgleichen. Die einfachste Hilfe, um den Sehverlust im Nahbereich auszugleichen, ist eine Brille.

    Manchen Menschen hilft für eine Weile eine Fertigbrille, auch Lesehilfe genannt. Das Problem dabei: Fertigbrillen haben gleich starke Gläser – doch meistens ist die Sehstärke beider Augen unterschiedlich. Individuell angepasste Lesebrillen sind nur in Optikergeschäften erhältlich. Dort wird nach einem Sehtest eine genau auf die jeweilige Sehstärke angepasste Brille angefertigt.

    Unter Umständen ist auch eine Mehrstärkenbrille – etwa eine sogenannte Gleitsichtbrille – sinnvoll. Damit lässt sich zum Beispiel auch eine zusätzliche Kurzsichtigkeit ausgleichen.

     

    Grafik: Gleitsichtbrille mit stufenlosem Übergang (gleitend)

    Eine Alterssichtigkeit kann auch mit Kontaktlinsen ausgeglichen werden.

    Außerdem werden Laserbehandlungen oder operative Methoden zur Korrektur der Alterssichtigkeit angeboten. Ihr Vorteil ist jedoch im besten Falle, dass man dann keine Brille tragen muss. Dem stehen mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen der Eingriffe gegenüber.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    American Optometric Association (AOA). Optometric Clinical Practice Guideline: Care of the Patient with Presbyopia. 2010. (Band CPG17).

    Bourne RR, Flaxman SR, Braithwaite T, Cicinelli MV, Das A, Jonas JB et al. Magnitude, temporal trends, and projections of the global prevalence of blindness and distance and near vision impairment: a systematic review and meta-analysis. Lancet Glob Health 2017; 5(9): e888-e897.

    Charman WN. Developments in the correction of presbyopia I: spectacle and contact lenses. Ophthalmic Physiol Opt 2014; 34(1): 8-29.

    Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Kommission Refraktive Chirurgie (KRC), Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Bewertung und Qualitätssicherung refraktiv-chirurgischer Eingriffe durch die DOG und den BVA: KRC-Empfehlungen. 02.2019.

    Grehn F. Augenheilkunde. Berlin: Springer; 2012.

    Hickenbotham A, Roorda A, Steinmaus C, Glasser A. Meta-analysis of sex differences in presbyopia. Invest Ophthalmol Vis Sci 2012; 53(6): 3215-3220.

    Kelava L, Baric H, Busic M, Cima I, Trkulja V. Monovision Versus Multifocality for Presbyopia: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Adv Ther 2017; 34(8): 1815-1839.

    Lang G (Ed). Augenheilkunde. Stuttgart: Thieme; 2014.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Treating presbyopia by inserting an artificial lens in the cornea. 04.2013. (NICE interventional procedure guidance; Band 455).

    Tabernero J, Chirre E, Hervella L, Prieto P, Artal P. The accommodative ciliary muscle function is preserved in older humans. Sci Rep 2016; 6: 25551.

    Wang L, Moss H, Ventura BV, Padilha H, Hester C, Koch DD. Advances in Refractive Surgery. Asia Pac J Ophthalmol (Phila) 2013; 2(5): 317-327.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Mehr Wissen: Wie lässt sich die Alterssichtigkeit korrigieren?

    Bei der Alterssichtigkeit (Presbyopie) verschlechtert sich das Sehen im Nahbereich. Dies lässt sich zwar nicht rückgängig machen, aber gut ausgleichen. Das einfachste Hilfsmittel ist eine Lesebrille. Laserverfahren und Operationen haben kaum Vorteile, aber viele Risiken.

    Die Alterssichtigkeit macht sich bei den meisten Menschen mit Mitte 40 bemerkbar, oft zuerst beim Lesen. Wenn keine andere Sehschwäche besteht, schafft eine Lesebrille unkomplizierte Abhilfe. Wer bereits eine andere Sehschwäche hat, kann mit einer Gleitsicht- oder Mehrstärkenbrille das lästige Brillen-Wechseln vermeiden. Gutes Sehen im Nah- und Fernbereich ermöglichen auch Mehrstärken-Kontaktlinsen.

    Laserverfahren oder andere Eingriffe am Auge werden als Methoden der refraktiven Chirurgie bezeichnet. Sie verändern das Auge so, dass die Sehschwäche ausgeglichen wird. Viele Verfahren befinden sich aber noch in der Erprobung. Dem Vorteil, dass man keine Brille oder keine Kontaktlinsen tragen muss, stehen Risiken wie etwa Verschlechterungen beim räumlichen Sehen oder beim Sehen in der Ferne gegenüber. Die Kosten solcher Eingriffe werden in Deutschland nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und müssen selbst gezahlt werden.

    Bei der Alterssichtigkeit (Presbyopie) verschlechtert sich das Sehen im Nahbereich. Dies lässt sich zwar nicht rückgängig machen, aber gut ausgleichen. Das einfachste Hilfsmittel ist eine Lesebrille. Laserverfahren und Operationen haben kaum Vorteile, aber viele Risiken.

    Die Alterssichtigkeit macht sich bei den meisten Menschen mit Mitte 40 bemerkbar, oft zuerst beim Lesen. Wenn keine andere Sehschwäche besteht, schafft eine Lesebrille unkomplizierte Abhilfe. Wer bereits eine andere Sehschwäche hat, kann mit einer Gleitsicht- oder Mehrstärkenbrille das lästige Brillen-Wechseln vermeiden. Gutes Sehen im Nah- und Fernbereich ermöglichen auch Mehrstärken-Kontaktlinsen.

    Laserverfahren oder andere Eingriffe am Auge werden als Methoden der refraktiven Chirurgie bezeichnet. Sie verändern das Auge so, dass die Sehschwäche ausgeglichen wird. Viele Verfahren befinden sich aber noch in der Erprobung. Dem Vorteil, dass man keine Brille oder keine Kontaktlinsen tragen muss, stehen Risiken wie etwa Verschlechterungen beim räumlichen Sehen oder beim Sehen in der Ferne gegenüber. Die Kosten solcher Eingriffe werden in Deutschland nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und müssen selbst gezahlt werden.

    Was gleicht die Lesebrille aus?

    Lichtstrahlen treffen durch die Pupille auf die Linse. Sie ist außen mit feinen Fasern an einem ringförmigen Muskel (dem Ziliarmuskel) befestigt. Durch Zusammenziehen kann der Ziliarmuskel die Form der Linse verändern. Auf diese Weise kann sich das Auge auf „nah“ oder „weit“ einstellen: Um nahe Objekte scharf erkennen zu können, spannt sich der Ziliarmuskel an und die Linse wölbt sich – beim Betrachten von Dingen in der Ferne entspannt sich der Muskel und die Linse flacht ab. Durch diese Anpassung (Akkommodation) werden die einfallenden Lichtstrahlen so gebündelt (gebrochen), dass sie auf der Netzhaut ein scharfes Bild ergeben.

    Mit zunehmendem Alter wird die Linse starrer: Sie kann sich nicht mehr so stark wölben – das ist jedoch für das Nahsehen wichtig. Die Gläser einer Lesebrille korrigieren das: Sie brechen und bündeln die Lichtstrahlen, schon bevor sie auf die Linse fallen und gleichen so deren mangelnde Brechkraft aus. Auf diese Weise sieht man durch eine Lesebrille hindurch den Nahbereich vergrößert und kann wieder alles klar erkennen.

     

    Grafik: Korrektur der Alterssichtigkeit Korrektur der Alterssichtigkeit

    Die sogenannte Brechkraft der Linse wird in Dioptrien (dpt) angegeben. Dieser Wert ist zugleich die Maßeinheit für die nötige Korrektur einer Fehlsichtigkeit: Ausgehend von Null (keine Korrektur) gehen die dpt-Werte bei der Kurzsichtigkeit in den Minusbereich, bei der Weitsichtigkeit in den Plusbereich. Entsprechend gilt bei einer Alterssichtigkeit: Je größer der Pluswert, desto stärker muss korrigiert werden.

    Reicht eine Fertigbrille?

    Einfache, sogenannte Lesehilfen oder Fertigbrillen sind in verschiedenen Stärken beispielsweise in Drogeriemärkten erhältlich, aber auch in Optikergeschäften. Sie sind jedoch nur geeignet, wenn keine Hornhautverkrümmung besteht und beide Augen für die Ferne normalsichtig sind. Allerdings haben beide Augen nur selten die gleiche Brechkraft.

    Optiker fertigen Lesebrillen nach Maß an. Hier können die Brillengläser individuell an die nötige Sehstärke angepasst werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Lesebrillen in der Regel nicht.

    Viele Lesebrillen sind so schmal, dass man leicht über sie hinwegschauen kann, um auch in der Ferne scharf sehen zu können.

    Wie funktionieren Mehrstärkenbrillen?

    Wer bereits eine Sehschwäche hat und dann auch alterssichtig wird, bräuchte zwei Brillen. Wem das Wechseln der Brille zu lästig ist, kann sich mit einer Zweistärkenbrille (Bifokalbrille) helfen. Ihre Gläser haben zwei Zonen, eine untere für den Nahbereich und eine obere für den Fernbereich. Bei einer Bifokalbrille ist der Übergang zwischen Nah- und Fernbereich als Kante sichtbar, was manche Menschen stört. Außerdem ist mit einer Bifokalbrille kein deutliches Sehen in der mittleren Entfernung (etwa bei Bildschirm- oder Küchenarbeit) möglich.

    Die gängigste Mehrstärkenbrille ist die Gleitsichtbrille. Bei ihr ist das Glas im Übergang der Zonen so geschliffen, dass nahes und fernes Sehen ohne sichtbare Kante zwischen den Bereichen möglich ist. Dies erlaubt auch gutes Sehen im Mittelbereich.

     

    Grafik: Gleitsichtbrille mit stufenlosem Übergang (gleitend)

    Dreistärkenbrillen (Trifokalbrillen) kommen manchmal infrage, wenn auch der mittlere Sehbereich abgedeckt werden soll, eine Gleitsichtbrille aber nicht gewünscht wird. Trifokalgläser bestehen aus drei Zonen, die wie bei Bifokalgläsern durch Kanten abgesetzt sind: Jeweils eine für die Nahsicht, die Mittelsicht und die Fernsicht. Manche Menschen haben mit einer Trifokalbrille ähnliche Probleme wie bei der Bifokalbrille: Auch hier können die sichtbaren Kanten stören.

    Sich an eine Gleitsichtbrille zu gewöhnen, kann anfangs etwas schwierig sein, manchmal kommt es auch zu Kopfschmerzen und Schwindel. Da die verschiedenen Sehbereiche fließend ineinander übergehen, muss man sich erst einmal darauf einstellen, durch das jeweils richtige Sehfeld zu blicken und die unscharfen Randbereiche zu vermeiden. Dabei kann es helfen, den Kopf beim Umherschauen mitzubewegen.

    Wann sind Kontaktlinsen eine Alternative?

    Vor allem wenn eine Alterssichtigkeit zu einer anderen bestehenden Sehschwäche hinzukommt, können auch Kontaktlinsen sinnvoll sein. Sie liegen auf der Hornhaut auf, dabei gleiten sie auf einem Film aus Tränenflüssigkeit. Kontaktlinsen korrigieren die mangelnde Brechkraft der eigenen Augenlinsen ähnlich wie Brillengläser. Der Vorteil von Kontaktlinsen ist, dass sie das Aussehen nicht verändern und bei Freizeitaktivitäten wie etwa Sport nicht stören. Ihr Nachteil ist, dass sie Pflege brauchen, die Hornhaut reizen können und ein geringes Infektionsrisiko besteht. Sie müssen jeden Morgen eingesetzt und abends wieder rausgenommen werden – sofern man es verträgt, die Linsen den ganzen Tag zu tragen. Manche setzen Kontaktlinsen nur für einige Stunden ein und greifen dann zu einer Brille.

    Man unterscheidet harte und weiche Kontaktlinsen. Um Verunreinigungen und Austrocknung zu verhindern, werden Kontaktlinsen über Nacht in desinfizierenden Pflegelösungen aufbewahrt. Die Kosten für Linsen und Pflegemittel können sich je nach Anbieter unterscheiden. Weiche Linsen gibt es auch als Einmallinsen, die nach jedem Tragen weggeworfen werden. Pflegemittel sind dann nicht nötig.

    Um Kontaktlinsen anzupassen, ist eine Beratung in einer Augenarztpraxis oder einem Optikergeschäft nötig. Bei Alterssichtigkeit kommen auch Zwei- oder Mehrstärken-Kontaktlinsen infrage. Ähnlich wie bei den entsprechenden Brillen gibt es verschiedene Zonen für das Nah- und Fernsehen. Manchmal werden Kontaktlinsen als Monovisions-System angeboten. Dabei korrigiert eine Linse das sogenannte Führungsauge für die Ferne, eine andere Linse das zweite Auge für die Nähe. Bei vielen Menschen passt sich das Gehirn nach einiger Zeit an diese Umstellung an. Wenn der Seheindruck aber unangenehm bleibt, wird der Versuch mit den Monovisions-Linsen abgebrochen. Weil sich das räumliche Sehen bei Monovision verschlechtert, muss zum Beispiel beim Autofahren zusätzlich eine Brille getragen werden. Sie verhilft auch dem „Leseauge“ zu einer guten Sehqualität in der Ferne.

    Können Laserverfahren die Alterssichtigkeit beheben?

    Laserverfahren können bei Augenerkrankungen wie beispielsweise einem Grünen Star (Glaukom) oder bei Kurzsichtigkeit zur Behandlung eingesetzt werden. Zur Korrektur einer reinen Alterssichtigkeit sind sie bisher nicht geeignet. Einige der verschiedenen Verfahren werden zwar in Zeitschriften oder im Internet beworben und von manchen Augenärzten empfohlen. Sie sind aber noch nicht ausgereift oder haben sich nicht bewährt. Ein Laser-Eingriff kann zudem nicht rückgängig gemacht werden. Angeboten werden unter anderem:

    • Die Laser in situ Keratomileusis (LASIK) oder Photorefraktive Keratektomie (PRK): Diese Eingriffe kommen nur infrage, wenn bereits eine Kurz- oder Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung besteht. Bei beiden Verfahren werden bestimmte Bereiche der Hornhaut mit einem Laser so abgetragen, dass sich die Brechkraft des Auges verändert. Um die Alterssichtigkeit auszugleichen, wird in der Regel ein Auge für die Nahsicht und das andere Auge für die Fernsicht angepasst. Wie bei den Monovisions-Kontaktlinsen ist nach dem Eingriff das räumliche Sehen verschlechtert. Nicht immer gewöhnt sich das Gehirn an diese Umstellung. Andere Folgen können Schmerzen, eine Verschlechterung des Sehens in der Dämmerung und bei Nacht sein.
    • INTRACOR: Bei diesem Eingriff werden mit einem Laser Ringe in die Hornhaut geschnitten. Dies soll eine minimale Umformung der Hornhaut auslösen und so die Alterssichtigkeit korrigieren. Diese Methode ist ebenfalls nicht gut untersucht. Nach bisherigen Erfahrungen ist die Änderung der Brechkraft nur gering. Deshalb brauchen die meisten Menschen nach dem Eingriff immer noch eine Lesebrille, zudem verschlechtert sich bei manchen die Fernsicht. Das Sehvermögen kann zusätzlich durch eine Narbenbildung der Hornhaut eingeschränkt werden. Auch eine Verschlechterung des gesamten Sehvermögens kann Folge des Eingriffs sein.

    Kann eine Operation dauerhaft helfen?

    Für operative Methoden zur Behandlung der Alterssichtigkeit gilt ähnlich wie für Laserverfahren: Sie sind noch nicht gut untersucht und den kosmetischen oder praktischen Vorteilen stehen verschiedene Risiken gegenüber. Bisher sind folgende Operationen möglich:

    • Einsatz von Kunststofflinsen: Dieses Verfahren kommt vor allem infrage, wenn eine Linsentrübung und zusätzlich eine Kurz- oder Weitsichtigkeit oder eine Hornhautverkrümmung besteht. Bei dem Eingriff wird wie bei der Operation des Grauen Stars der Augapfel am Rand der Hornhaut geöffnet, die Augenlinse entfernt und durch eine multifokale Kunststofflinse ersetzt. Die Operation hat mögliche Nachteile: So kann sich das Sehvermögen in der Dämmerung oder bei Nacht verschlechtern. Lichtquellen können besonders blenden oder verschwommen erscheinen. Nach Monaten oder Jahren kann es zu einer Eintrübung hinter der künstlichen Linse kommen (Nachstar), die eine ambulante, schmerzlose Laserbehandlung nötig macht. Bei der Operation selbst besteht ein geringes Risiko, dass Keime in das Auge gelangen und eine Infektion auslösen.
    • Einsatz eines Hornhautimplantats: Bei dieser Operation wird ein Implantat aus Kunststoff (KAMRA) in die Hornhaut des nicht dominanten Auges eingesetzt, um dessen Schärfentiefe zu erhöhen. Dieses Auge soll dann als „Leseauge“ benutzt werden. Nach dem Eingriff ist eine Lesebrille meist dennoch unverzichtbar. Mögliche Risiken und unerwünschte Folgen können Infektion, Narbenbildung auf der Hornhaut und eine Verschlechterung des Sehvermögens in der Dämmerung und bei Nacht sein. Zudem können die Augen trocken werden.

    Quellen

    American Optometric Association (AOA). Optometric Clinical Practice Guideline: Care of the Patient with Presbyopia. 2010. (Band CPG17).

    Charman WN. Developments in the correction of presbyopia I: spectacle and contact lenses. Ophthalmic Physiol Opt 2014; 34(1): 8-29.

    Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Kommission Refraktive Chirurgie (KRC), Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Bewertung und Qualitätssicherung refraktiv-chirurgischer Eingriffe durch die DOG und den BVA: KRC-Empfehlungen. 02.2019.

    Grehn F. Augenheilkunde. Berlin: Springer; 2012.

    Kelava L, Baric H, Busic M, Cima I, Trkulja V. Monovision Versus Multifocality for Presbyopia: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Adv Ther 2017; 34(8): 1815-1839.

    Lang G (Ed). Augenheilkunde. Stuttgart: Thieme; 2014.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Treating presbyopia by inserting an artificial lens in the cornea. 04.2013. (NICE interventional procedure guidance; Band 455).

    Wang L, Moss H, Ventura BV, Padilha H, Hester C, Koch DD. Advances in Refractive Surgery. Asia Pac J Ophthalmol (Phila) 2013; 2(5): 317-327.

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    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
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