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Akute Blasenentzündung

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    Blasenentzündungen sind bei Frauen sehr häufig. Die Ursache ist eine Infektion mit Bakterien. Sie macht sich normalerweise als brennender Schmerz beim Wasserlassen bemerkbar, oft verbunden mit gesteigertem Harndrang. Eine unkomplizierte Blasenentzündung lässt sich gut behandeln und heilt meistens ohne Probleme aus.

    Einleitung

    Viele Frauen kennen die Anzeichen einer Blasenentzündung nur zu gut: Sie müssen sehr oft zur Toilette, es sticht und brennt beim Wasserlassen. Die Beschwerden sind häufig sehr unangenehm, lassen sich aber gut behandeln.

    Eine unkomplizierte Blasenentzündung (Zystitis) heilt meistens ohne Probleme aus. Antibiotika helfen gut, sind jedoch nicht immer notwendig.

    Leider gibt es aber kein Patentrezept, um Blasenentzündungen zuverlässig zu verhindern. Zudem sind viele Tipps zur Vorbeugung wissenschaftlich noch nicht untersucht.

    Symptome

    Wer eine Blasenentzündung hat, muss oft Wasser lassen und kann dabei stechende Schmerzen oder ein Brennen verspüren. Man muss also nicht nur häufiger zur Toilette, es kann auch sehr unangenehm sein.

    Bei vielen Frauen nehmen die Schmerzen zu, wenn ihre Blase fast oder ganz leer ist. Häufig kommt der Harndrang sehr schnell, sodass sie plötzlich zur Toilette müssen – trotzdem gehen dann meist nur geringe Mengen Urin ab. Manche Frauen haben Schwierigkeiten, den Harn zu halten, was sehr belastend sein kann. Der Urin kann trübe verfärbt sein und auffällig riechen, manchmal ist auch Blut zu sehen.

    Die Schmerzen können in den ganzen Unterleib oder in den Rücken ausstrahlen. Eine starke Blasenentzündung kann dazu führen, dass man sich insgesamt krank und abgeschlagen fühlt, reizbar ist und schlecht schläft.

    Es kann auch sein, dass keine Symptome bestehen – aber in einem Urintest Bakterien nachgewiesen werden. Dann spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Diese ist in der Regel harmlos.

    Ursachen

    Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung entzündet sich die Schleimhaut der Harnblase. Die Entzündung wird normalerweise von Bakterien verursacht, die über die Harnröhre in die Blase aufsteigen und sich dort vermehren.

    Risikofaktoren

    Geschlechtsverkehr erhöht das Risiko für eine Blasenentzündung, weil dabei Bakterien in die Harnröhre gelangen können. Spermienabtötende Verhütungscremes und -gele sowie Diaphragmen können das Risiko ebenfalls etwas erhöhen.

    Schwangere Frauen bekommen häufiger Blasenentzündungen. Auch Menschen, die einen Blasenkatheter tragen, haben ein erhöhtes Risiko – außerdem Menschen mit anatomischen Veränderungen im Harnwegsbereich, mit Diabetes mellitus, Multipler Sklerose oder urologischen Erkrankungen.

    Frauen, die schon einmal eine Blasenentzündung hatten, erkranken mit höherer Wahrscheinlichkeit wieder daran. Ab den Wechseljahren sind Blasenentzündungen häufiger.

    Häufigkeit

    Frauen bekommen viel öfter eine Blasenentzündung als Männer, da bei ihnen die Harnröhre kürzer ist. Bakterien gelangen deshalb leichter bis in die Blase. Etwa 10 von 100 Frauen bekommen mindestens einmal im Jahr eine Blasenentzündung. Die Hälfte dieser Frauen bekommt innerhalb eines Jahres eine weitere.

    Folgen

    Von einer unkomplizierten Blasenentzündung spricht man, wenn sich die Beschwerden auf den unteren Harntrakt – also auf Harnblase und Harnröhre – beschränken und es keine Risikofaktoren für einen schweren Verlauf oder Folgeschäden gibt. Sie kann leicht behandelt werden und heilt meist problemlos ab.

    Von einer komplizierten Blasenentzündung spricht man, wenn ein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht.  Ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben beispielsweise Männer, Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem oder mit bereits geschädigten Nieren. Veränderungen oder anatomische Besonderheiten im Bereich der Harnwege können ebenfalls einen komplizierten Verlauf begünstigen. Auch wenn das Risiko erhöht ist, dass die Entzündung auf die Nieren übertritt, handelt es sich um eine komplizierte Entzündung. Zu einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) kann es kommen, wenn Bakterien über die Harnleiter weiter nach oben bis in die Nieren aufsteigen.

    Wenn folgende Symptome hinzukommen, sollte rasch eine Arztpraxis oder eine Klinik aufgesucht werden:

    • Schmerzen in der Nierengegend (Flankenschmerzen)
    • Fieber
    • Übelkeit und Erbrechen

    Diese Beschwerden können darauf hindeuten, dass sich das Nierenbecken entzündet hat. Eine Nierenbeckenentzündung kann gefährlich sein und sollte rasch behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden. Sie ist jedoch sehr selten.

    Diagnose

    Anhand der Beschwerden und der Krankheitsgeschichte kann eine Ärztin oder ein Arzt abschätzen, ob es sich um eine unkomplizierte Blasenentzündung handelt oder nicht. Zusätzlich kann man in der Arztpraxis eine Urinprobe abgeben, die mit einem Teststreifen untersucht wird. Weitergehende Urintests sind bei eindeutigen Beschwerden in der Regel nicht notwendig.

    Mit einem Ultraschallgerät kann die Ärztin oder der Arzt die Nieren und die Harnblase untersuchen (Sonografie). Diese Untersuchung ist in der Regel nur bei komplizierten oder wiederkehrenden Blasenentzündungen sinnvoll. Ebenfalls sehr selten sind eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) oder eine Röntgenuntersuchung nötig – beispielsweise bei schweren Blasenentzündungen, die immer wiederkehren. Bei einer Blasenspiegelung wird ein Schlauch mit einer kleinen Kamera am Ende (Endoskop) durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Die Kamera liefert Bilder, die mögliche Veränderungen an der Blasenwand zeigen.

    Häufig reicht der Besuch in einer Hausarztpraxis aus. Es kann aber auch eine gynäkologische oder urologische Praxis aufgesucht werden.

    Vorbeugung

    Manche Blasenentzündungen kommen „aus heiterem Himmel“, ohne dass dafür eine Ursache erkennbar ist. Frauen, die häufiger an Blasenentzündungen erkranken, können im Alltag darauf achten, was bei ihnen eine Blasenentzündung begünstigt. Wenn sich diese Auslöser nicht abstellen lassen und Blasenentzündungen trotzdem häufig auftreten, gibt es auch die Möglichkeit, Medikamente zur Vorbeugung zu nehmen.

    Diese Mittel können Blasenentzündungen vorbeugen – allerdings ist es dafür nötig, sie regelmäßig anzuwenden. Allerdings haben sie auch Nebenwirkungen.

    Behandlung

    Für viele Frauen ist eine Blasenentzündung eine einmalige, unangenehme Sache. Anderen machen sie immer wieder zu schaffen. Antibiotika helfen bei akuten Blasenentzündungen normalerweise recht schnell und verkürzen die Krankheitsdauer. Dennoch sind sie nicht immer notwendig. Denn unkomplizierte Blasenentzündungen heilen bei 30 bis 50 von 100 Frauen auch ohne Antibiotika innerhalb einer Woche ab – und Komplikationen sind durch den Verzicht in der Regel nicht zu erwarten. Bei komplizierten Blasenentzündungen sind Antibiotika jedoch unverzichtbar. Ob Antibiotika sinnvoll sind, kann mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

    Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können bei leichten oder mittelstarken Beschwerden eine Alternative zu Antibiotika sein. Sie lindern die Schmerzen bis der Körper die Bakterien selbst bekämpft hat. Darüber hinaus gibt es einige Hausmittel, die die Beschwerden lindern sollen – zum Beispiel viel trinken oder Wärme.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Brennen beim Wasserlassen. S3-Leitlinie und Anwenderversion der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen. AWMF-Registernr.: 053-001. 07.2018. (DEGAM-Leitlinie Nr. 1).

    Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Aktualisierung 2017. AWMF-Registernr.: 043-044. 04.2017.

    Falagas ME, Kotsantis IK, Vouloumanou EK, Rafailidis PI. Antibiotics versus placebo in the treatment of women with uncomplicated cystitis: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Infect 2009; 58(2): 91-102.

    Malterud K, Baerheim A. Peeing barbed wire. Symptom experiences in women with lower urinary tract infection. Scand J Prim Health Care 1999; 17(1): 49-53.

    Zalmanovici Trestioreanu A, Green H, Paul M, Yaphe J, Leibovici L. Antimicrobial agents for treating uncomplicated urinary tract infection in women. Cochrane Database Syst Rev 2010; (10): CD007182.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Wie gut helfen Antibiotika bei akuter Blasenentzündung?

    Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung sorgt eine Antibiotika-Therapie fast immer dafür, dass die Beschwerden rasch nachlassen. Meist reicht eine Behandlungsdauer von drei Tagen aus. Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung sind Antibiotika aber nicht immer erforderlich.

    Unkomplizierte Blasenentzündungen sind bei Frauen sehr häufig. Die Ursache ist eine Infektion mit Bakterien. Sie macht sich normalerweise als brennender Schmerz beim Wasserlassen bemerkbar, oft verbunden mit gesteigertem Harndrang. Diese Beschwerden können sehr unangenehm sein, lassen sich aber mit Antibiotika gut behandeln. Eine unkomplizierte Blasenentzündung heilt meistens ohne Probleme aus.

    Antibiotika sind sehr wirksam

    Antibiotika können bei Blasenentzündungen die Beschwerden schnell lindern und die Entzündung beseitigen, indem sie die Bakterien abtöten. Das haben Studien belegt, in denen eine Teilnehmergruppe Antibiotika erhielt, eine andere Gruppe dagegen ein Scheinmedikament (Placebo). In den Studien ging es den Teilnehmenden, die Antibiotika einnahmen, deutlich schneller wieder besser: Die Schmerzen und das Brennen ließen bei ihnen rasch nach – meistens innerhalb von ein bis drei Tagen. Nach einer Woche zeigt sich:

    • Etwa 26 von 100 Frauen waren beschwerdefrei, wenn sie ein Scheinmedikament einnahmen.
    • Etwa 60 von 100 Frauen hatten keine Beschwerden mehr, wenn sie Antibiotika einnahmen.

    Bei einigen Frauen traten bei der Einnahme von Antibiotika Nebenwirkungen auf. Dazu zählten Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit und Durchfall, Kopfschmerzen, Hautausschlag und Juckreiz.

    Kann auf Antibiotika auch verzichtet werden?

    In leichteren Fällen ja – das ist letztendlich aber eine persönliche Abwägung. Möchte man möglichst rasch beschwerdefrei sein, bieten sich Antibiotika an. Kommt eine Frau mit den Beschwerden auch so zurecht und möchte nicht unbedingt Antibiotika einnehmen, kann sie darauf auch verzichten.

    Unkomplizierte Blasenentzündungen heilen bei etwa 30 bis 50 von 100 Frauen auch ohne Antibiotika innerhalb einer Woche ab. Eine Frau geht auch kein Risiko ein, wenn sie zunächst auf Antibiotika verzichtet, denn Nachteile sind bei einer unkomplizierten Blasenentzündung nicht zu erwarten. Bei komplizierten Blasenentzündungen sind Antibiotika jedoch unverzichtbar, da sich die Infektion zum Beispiel auf die Nieren ausbreiten kann. Ob Antibiotika sinnvoll sind, kann mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

    Verschiedene Antibiotika wirken ähnlich gut

    In mehreren Studien wurde untersucht, wie effektiv die verschiedenen Antibiotika bei einer Blasenentzündung im Vergleich zueinander sind. Das Fazit: Alle analysierten Mittel lindern die Beschwerden ähnlich gut. Welches Medikament im Einzelfall angebracht ist, hängt unter anderem von folgenden Fragen ab:

    • Spricht etwas gegen die Einnahme bestimmter Antibiotika, beispielsweise Allergien, Unverträglichkeiten oder eine Schwangerschaft?
    • Gibt es ein erhöhtes Risiko für Komplikationen? Hat jemand Begleiterkrankungen oder einen Blasenkatheter?
    • Welche Nebenwirkungen treten bei einzelnen Antibiotika häufiger oder seltener auf als bei anderen?
    • Wie empfindlich sind die Erreger gegen verschiedene Antibiotika?

    Manche Bakterien sind resistent, das heißt unempfindlich gegen bestimmte Antibiotika. Resistente Bakterien können sich unter anderem bilden, wenn Antibiotika zu häufig eingesetzt werden.

    Wie lange Antibiotika einnehmen?

    Zur Linderung der Beschwerden reicht meist eine einzige Antibiotika-Dosis mit einem speziellen Wirkstoff aus. Alternativ kann eine Behandlung über 3, 5 oder 7 Tage gewählt werden.

    Studien zeigten: Eine ein- bis dreitägige Behandlung genügte den meisten Frauen mit einer unkomplizierten Blasenentzündung, um die Beschwerden zu lindern. Eine längere Antibiotika-Einnahme half nicht besser, führte jedoch häufiger zu Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Problemen oder Hautausschlag.

    Während einer Blasenentzündung lassen sich Bakterien im Urin nachweisen. Nach einer fünftägigen Therapie war der Urin fast aller Frauen bakterienfrei. Nach einer dreitägigen Antibiotika-Therapie waren bei einigen Frauen zwar immer noch Bakterien zu finden. Zu mehr Rückfällen kam es dadurch aber nicht.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Brennen beim Wasserlassen. S3-Leitlinie und Anwenderversion der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen. AWMF-Registernr.: 053-001. 07.2018. (DEGAM-Leitlinie Nr. 1).

    Falagas ME, Kotsantis IK, Vouloumanou EK, Rafailidis PI. Antibiotics versus placebo in the treatment of women with uncomplicated cystitis: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Infect 2009; 58(2): 91-102.

    Milo G, Katchman E, Paul M, Christiaens T, Baerheim A, Leibovici L. Duration of antibacterial treatment for uncomplicated urinary tract infection in women. Cochrane Database Syst Rev 2005; (2): CD004682.

    Zalmanovici Trestioreanu A, Green H, Paul M, Yaphe J, Leibovici L. Antimicrobial agents for treating uncomplicated urinary tract infection in women. Cochrane Database Syst Rev 2010; (10): CD007182.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Blasenentzündungen vorbeugen

    Ein Patentrezept zur Vorbeugung von Blasenentzündungen gibt es nicht. Es kann sich aber lohnen, im Alltag auf bestimmte Dinge zu achten. Medikamente, die vorbeugend wirken, müssen lange eingenommen werden und haben häufig Nebenwirkungen. Andere Mittel sind unwirksam oder nicht ausreichend erforscht.

    Auch wenn eine Blasenentzündung (Zystitis) normalerweise unproblematisch ist: Die Beschwerden können sehr unangenehm sein. Manchen Frauen ist eine Blasenentzündung außerdem peinlich. Wer häufig wiederkehrende Blasenentzündungen hat, scheut sich, an Freizeitaktivitäten wie Schwimmen teilzunehmen und hat vielleicht weniger Lust auf Sex. Vielen Frauen ist es daher sehr wichtig, einer Blasenentzündung möglichst vorzubeugen.

    Ein Patentrezept zur Vorbeugung von Blasenentzündungen gibt es nicht. Es kann sich aber lohnen, im Alltag auf bestimmte Dinge zu achten. Medikamente, die vorbeugend wirken, müssen lange eingenommen werden und haben häufig Nebenwirkungen. Andere Mittel sind unwirksam oder nicht ausreichend erforscht.

    Auch wenn eine Blasenentzündung (Zystitis) normalerweise unproblematisch ist: Die Beschwerden können sehr unangenehm sein. Manchen Frauen ist eine Blasenentzündung außerdem peinlich. Wer häufig wiederkehrende Blasenentzündungen hat, scheut sich, an Freizeitaktivitäten wie Schwimmen teilzunehmen und hat vielleicht weniger Lust auf Sex. Vielen Frauen ist es daher sehr wichtig, einer Blasenentzündung möglichst vorzubeugen.

    Vorbeugung im Alltag

    Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen sollen, Blasenentzündungen vorzubeugen. Da durch Geschlechtsverkehr mehr Bakterien in die Harnröhre gelangen können, wird häufig geraten, danach auf die Toilette zu gehen und Wasser zu lassen, damit die Bakterien aus der Harnröhre gespült werden. Auch die Wahl des Verhütungsmittels spielt eine Rolle: So können spermienabtötende Mittel und Diaphragmen Blasenentzündungen begünstigen. Es kann deshalb einen Versuch wert sein, andere Verhütungsmethoden wie zum Beispiel Kondome auszuprobieren.

    Auch eine gute Intimhygiene wird immer wieder als Tipp genannt – dabei reicht Waschen mit warmem Wasser und Seife aus, Intimsprays sind überflüssig. Wichtig ist darauf zu achten, dass möglichst keine Darmbakterien in Scheide und Harnröhre geraten. Damit ist zum Beispiel gemeint, nach dem Stuhlgang mit dem Toilettenpapier immer von vorn nach hinten zu wischen.

    Häufig wird empfohlen, darauf zu achten, dass Füße und Unterleib nicht kalt werden. Oder viel zu trinken. Manchmal werden zudem allgemeine Ratschläge zur Stärkung der Abwehrkräfte gegeben, wie ausreichend schlafen und Stress vermeiden. Selbst wenn diese Tipps nachvollziehbar klingen und sich im Alltag umsetzen lassen: Wissenschaftlich konnte bisher nicht gezeigt werden, dass solche Maßnahmen helfen.

    Cranberry-Produkte und Probiotika

    Manchmal werden Cranberry-Produkte zur Vorbeugung von Blasenentzündungen empfohlen. In Apotheken und Drogerien sind Zubereitungen aus den Beeren in Form von Säften, Pulver, Kapseln und Tabletten erhältlich. Bislang ist offen, ob Cranberries Blasenentzündungen tatsächlich vorbeugen können. Die bisherigen Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Wenn es einen Vorteil gibt, ist dieser nur klein. Viele Frauen tun sich zudem schwer damit, Cranberry- Produkte über einen langen Zeitraum regelmäßig einzunehmen.

    Auch Probiotika wird manchmal eine vorbeugende Wirkung nachgesagt. Sie gibt es in Form von Zäpfchen, Saft oder Tablette. Für kein Produkt ist aber bislang eine Wirkung gegen Blasenentzündungen nachgewiesen.

    Antibiotika

    Frauen, die immer wieder Blasenentzündungen haben, können Antibiotika in einer niedrigen Dosierung vorbeugend einnehmen. Dies müssen sie dann jedoch über einen langen Zeitraum tun, häufig über 3 bis 6 Monate.

    Zwar bekommen Frauen dann weniger Blasenentzündungen, sie haben aber recht häufig Nebenwirkungen wie Verdauungsstörungen, Hautausschlag und Pilzinfektionen in der Scheide. Viele Frauen brechen die Einnahme deshalb nach einiger Zeit ab. Zudem erhöht eine zu häufige Einnahme von Antibiotika die Gefahr, dass Bakterien unempfindlich gegen Antibiotika werden und die Mittel nicht mehr wirken (Resistenzbildung).

    Hormone

    Ab den Wechseljahren produziert der Körper weniger vom weiblichen Geschlechtshormon Östrogen. Bei manchen Frauen wird dadurch die Schleimhaut der Scheide dünner und trockener, weshalb sich dort leichter Keime ansiedeln und auch Blasenentzündungen auslösen können. Östrogenpräparate zum Einführen in die Scheide – zum Beispiel als Zäpfchen, Creme oder Tablette – sollen dem vorbeugen.

    Örtlich angewendete Östrogenpräparate können manchen Frauen helfen, die Zahl der Blasenentzündungen zu verringern. Allerdings können die Mittel Nebenwirkungen wie Jucken und Brennen im Vaginalbereich haben. Zudem weiß man noch nicht viel über die Folgen, wenn Frauen die Mittel über einen längeren Zeitraum (mehr als acht Monate) anwenden.

    Östrogentabletten zum Einnehmen können Blasenentzündungen dagegen nicht vorbeugen. Zudem können sie nach einigen Monaten zu Nebenwirkungen führen wie Spannungsgefühlen in den Brüsten, leichten Scheidenblutungen und Hautausschlag.

    Weitere Behandlungen

    Seit 2004 ist eine Impfung gegen Blasenentzündungen auf dem Markt (StroVac-Impfung). Der Impfstoff enthält mehrere inaktive Bakterienstämme. Der Hersteller gibt an, dass der Körper durch die Impfung lerne, sich gegen die Erreger besser zur Wehr zu setzen. Ob diese Impfung sinnvoll ist, ist jedoch nicht sicher nachgewiesen. Von den gesetzlichen Krankenkassen wird sie nicht bezahlt.

    Unklar ist auch, ob die Einnahme von Kapseln mit einem Extrakt aus abgetöteten Escherichia-coli-Bakterien Vorteile hat. Auch sie sollen dem Körper helfen, bei einer Infektion schneller und wirksamer zu reagieren. An den bisherigen Studien haben aber zu wenige Menschen teilgenommen, die Forschungsergebnisse sind deshalb noch unsicher. Die Kosten für die Kapseln werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

    Quellen

    Albert X, Huertas I, Pereiro I, Sanfélix J, Gosalbes V, Perrotta C. Antibiotics for preventing recurrent urinary tract infection in non-pregnant women. Cochrane Database Syst Rev 2004; (3): CD001209.

    Beerepoot MA, Geerlings SE, van Haarst EP, van Charante NM, ter Riet G. Nonantibiotic prophylaxis for recurrent urinary tract infections: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. J Urol 2013; 190(6): 1981-1989.

    Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Brennen beim Wasserlassen. S3-Leitlinie und Anwenderversion der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen. AWMF-Registernr.: 053-001. 07.2018. (DEGAM-Leitlinie Nr. 1).

    Fu Z, Liska D, Talan D, Chung M. Cranberry Reduces the Risk of Urinary Tract Infection Recurrence in Otherwise Healthy Women: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Nutr 2017; 147(12): 2282-2288.

    Jepson RG, Williams G, Craig JC. Cranberries for preventing urinary tract infections. Cochrane Database Syst Rev 2012; (10): CD001321.

    Ng QX, Peters C, Venkatanarayanan N, Goh YY, Ho CY, Yeo WS. Use of Lactobacillus spp. to prevent recurrent urinary tract infections in females. Med Hypotheses 2018; 114: 49-54.

    Perrotta C, Aznar M, Mejia R, Albert X, Ng CW. Oestrogens for preventing recurrent urinary tract infection in postmenopausal women. Cochrane Database Syst Rev 2008; (2): CD005131.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Behandlung einer akuten Blasenentzündung

    Antibiotika können bei einer akuten Blasenentzündung die Beschwerden rasch lindern und die Infektion beseitigen – sie sind bei leichteren Beschwerden jedoch nicht immer notwendig. Darüber hinaus gibt es einige Hausmittel und pflanzliche Präparate. Allerdings ist deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

    Unkomplizierte Blasenentzündungen sind sehr häufig. Die Ursache ist eine Infektion mit Bakterien. Sie macht sich normalerweise als brennender Schmerz beim Wasserlassen bemerkbar, oft verbunden mit gesteigertem Harndrang. Diese Beschwerden können sehr unangenehm sein, lassen sich aber gut behandeln. Eine unkomplizierte Blasenentzündung heilt meistens ohne Probleme aus.

    Frauen gehen mit Blasenentzündungen ganz unterschiedlich um. Manche warten ein paar Tage ab, ob die Beschwerden von selbst wieder verschwinden oder beherzigen gängige Tipps, wie viel zu trinken. Viele entscheiden sich aber wegen der unangenehmen Beschwerden dafür, Antibiotika einzunehmen.

    Antibiotika können bei einer akuten Blasenentzündung die Beschwerden rasch lindern und die Infektion beseitigen – sie sind bei leichteren Beschwerden jedoch nicht immer notwendig. Darüber hinaus gibt es einige Hausmittel und pflanzliche Präparate. Allerdings ist deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

    Unkomplizierte Blasenentzündungen sind sehr häufig. Die Ursache ist eine Infektion mit Bakterien. Sie macht sich normalerweise als brennender Schmerz beim Wasserlassen bemerkbar, oft verbunden mit gesteigertem Harndrang. Diese Beschwerden können sehr unangenehm sein, lassen sich aber gut behandeln. Eine unkomplizierte Blasenentzündung heilt meistens ohne Probleme aus.

    Frauen gehen mit Blasenentzündungen ganz unterschiedlich um. Manche warten ein paar Tage ab, ob die Beschwerden von selbst wieder verschwinden oder beherzigen gängige Tipps, wie viel zu trinken. Viele entscheiden sich aber wegen der unangenehmen Beschwerden dafür, Antibiotika einzunehmen.

    Wie gut helfen Antibiotika?

    Für Antibiotika ist nachgewiesen, dass sie bei einer unkomplizierten Blasenentzündung rasch und gut helfen. Die Schmerzen und das Brennen lassen meist schon innerhalb von ein bis drei Tagen nach und sind kurze Zeit später vollständig verschwunden. Manchmal kann auf Antibiotika auch verzichtet werden. Sie sind dann nicht unbedingt notwendig, wenn die Beschwerden auszuhalten und keine Komplikationen zu erwarten sind.

    Wie lange ein Antibiotikum eingenommen werden muss, hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab:  in der Regel ein, 3, 5 oder 7 Tage, selten länger.  Bei den meisten Frauen genügt eine ein- bis dreitägige Behandlung, um die Beschwerden zu verringern. Eine längere Einnahme lindert die Beschwerden meist nicht besser, führt aber häufiger zu Nebenwirkungen wie Pilzinfektionen der Scheide, Magen-Darm-Problemen und Hautausschlag.

    Welches Antibiotikum infrage kommt, kann mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden. Es hängt davon ab, ob bestimmte Begleiterkrankungen bestehen und ob das Risiko für Komplikationen erhöht ist. Zudem spielt es eine Rolle, wie verbreitet resistente Bakterien sind, die auf bestimmte Antibiotika nicht mehr ansprechen. In jedem Fall ist es wichtig, das Präparat so wie im Beipackzettel beschrieben einzunehmen und die Therapie nicht vorzeitig zu beenden.

    Was kann ich bei einer Blasenentzündung noch tun?

    Bei einer akuten Blasenentzündung lassen sich die brennenden Schmerzen beim Wasserlassen auch mit Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen dämpfen. Wenn das bei leichten oder mittelstarken Beschwerden schon ausreicht, kann man auf Antibiotika auch verzichten.

    Viele Frauen trinken reichlich Wasser oder Tee und versuchen so, die Bakterien aus der Blase zu spülen. Auch Wärme (etwa als Wärmflasche, Heizdecke oder heißes Bad) wird zur Schmerzlinderung und Entspannung angewendet. Es gibt aber keine Studien dazu, ob diese Hausmittel wirksam sind.

    Auch für die Wirksamkeit von pflanzlichen und homöopathischen Mitteln sowie Produkten mit Cranberries oder Moosbeeren gibt es keine Belege.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Brennen beim Wasserlassen. S3-Leitlinie und Anwenderversion der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen. AWMF-Registernr.: 053-001. 07.2018. (DEGAM-Leitlinie Nr. 1).

    Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Aktualisierung 2017. AWMF-Registernr.: 043-044. 04.2017.

    Falagas ME, Kotsantis IK, Vouloumanou EK, Rafailidis PI. Antibiotics versus placebo in the treatment of women with uncomplicated cystitis: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Infect 2009; 58(2): 91-102.

    Jepson RG, Mihaljevic L, Craig JC. Cranberries for treating urinary tract infections. Cochrane Database Syst Rev 2000; (2): CD001322.

    Zalmanovici Trestioreanu A, Green H, Paul M, Yaphe J, Leibovici L. Antimicrobial agents for treating uncomplicated urinary tract infection in women. Cochrane Database Syst Rev 2010; (10): CD007182.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.