Gesundheitslexikon

Brustkrebs

Überblick Mehr Wissen Erfahrungsberichte

    Überblick

    Die Diagnose Brustkrebs löst bei den meisten betroffenen Frauen große Ängste aus. Erstmals aufgetretener, lokal begrenzter Brustkrebs kann heute jedoch mit guten Chancen auf Heilung behandelt werden. Und es gibt vielfältige Möglichkeiten der Unterstützung im Alltag, beim Wiedereinstieg in den Beruf und bei der seelischen Bewältigung der Erkrankung.

    Einleitung

    Die Diagnose Brustkrebs ist für viele Frauen zunächst ein Schock und löst große Ängste und Sorgen aus. An Krebs zu erkranken, stellt das eigene Leben oft für eine gewisse Zeit auf den Kopf. Gut zu wissen ist, dass ein erstmals aufgetretener, lokal begrenzter Brustkrebs mit guten Chancen auf Heilung behandelt werden kann. Und dass es vielfältige Möglichkeiten der Unterstützung im Alltag, beim Wiedereinstieg in den Beruf und bei der seelischen Bewältigung der Erkrankung gibt.

    Symptome

    Brustkrebs in einem frühen Stadium macht sich normalerweise nicht durch Schmerzen bemerkbar. Dennoch gibt es einige Anzeichen, die auf einen Tumor in der Brust – aber auch auf einen gutartigen Knoten – hindeuten können. Wenn

    • sich eine Brust in Form oder Größe verändert,
    • ein Knoten in Brust oder Achselhöhle tastbar ist,
    • die Brustwarze oder ein anderer Teil der Brusthaut sich nach innen zieht,
    • die Brusthaut sich rötet oder schuppt und nicht verheilt oder
    • eine Brustwarze klare oder blutige Flüssigkeit absondert,

    ist es sehr wichtig, dies rasch von einer Ärztin oder einem Arzt abklären zu lassen.

    Es ist auch möglich, dass bei der Tast-Früherkennungsuntersuchung, beim Ultraschall oder bei der Mammografie eine verdächtige Stelle in einer Brust gefunden wird, die dann mit weiteren Verfahren genauer untersucht wird.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Brustkrebs kann entstehen, wenn sich die genetischen Informationen von Zellen so verändern, dass sie sich unkontrolliert zu teilen beginnen. Mit der Zeit bilden sich dann Knoten oder Wucherungen im Brustgewebe. Wie es zu solchen Veränderungen kommt und wie sich die Zellen entwickeln, hängt von vielen Faktoren ab, die sich wechselseitig beeinflussen können. Dazu gehören vor allem das Alter einer Frau, das familiäre Risiko und hormonelle Einflüsse. Manchmal kommt es aber auch ohne besonderen Grund zu Erbgutveränderungen.

    In manchen Familien tritt Brustkrebs gehäuft auf. Wenn die Mutter oder Schwester (Verwandte 1. Grades) an Brustkrebs erkrankt ist, verdoppelt sich das eigene Risiko. Erkrankt eine entferntere Verwandte, ist das eigene Risiko dagegen kaum erhöht.

    Etwa 5 bis 10 % aller Brustkrebs-Erkrankungen werden durch nachweisbare Genveränderungen (Mutationen) verursacht, die auf einen „familiären Brustkrebs“ hinweisen. Sie betreffen vor allem die Gene BRCA-1 oder BRCA-2. Die Abkürzung „BRCA“ steht für „Breast Cancer Gene“ (englisch für „Brustkrebsgen“). Etwa 45 bis 65 % aller Frauen mit diesen Genveränderungen erkranken vor ihrem siebzigsten Lebensjahr.

    Manche Frauen sorgen sich, dass sie mit ihrer Lebensweise dazu beigetragen haben könnten, dass sie an Krebs erkrankt sind. Insgesamt spielt der Lebensstil jedoch nur eine geringe Rolle. Es wird auch immer wieder einmal über Theorien berichtet, nach denen bestimmte Persönlichkeitseigenschaften eine Krebserkrankung begünstigen sollen. Solche Vermutungen wurden jedoch nie bewiesen und gelten heute als überholt: Niemand ist schuld an einer so schweren Erkrankung. Krebs kann jeden treffen, unabhängig von Lebenswandel und Charaktereigenschaften.

    Häufigkeit

    Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Sie wird meist in einem höheren Alter entdeckt: Mehr als die Hälfte der Frauen mit Brustkrebs sind älter als 60 Jahre, wenn die Erkrankung festgestellt wird. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, was allerdings nur selten vorkommt: 0,5 bis 1 Prozent aller Brustkrebserkrankungen betrifft Männer.

    Die Häufigkeit von Brustkrebs ist vor allem abhängig vom Alter. Die folgende Tabelle soll das Risiko verdeutlichen: Sie zeigt, wie viele von 1000 Frauen im angegebenen Alter in den nächsten 10 Jahren an Brustkrebs erkranken und wie viele Frauen daran sterben.

     

    Alter der Frau Wie viele Frauen bekommen in den nächsten 10 Jahren Brustkrebs? Wie viele Frauen sterben in den nächsten 10 Jahren an Brustkrebs?
    40 Jahre 15
    von 1000
    2
    von 1000
    50 Jahre 25
    von 1000
    4
    von 1000
    60 Jahre 36
    von 1000
    7
    von 1000
    70 Jahre 34
    von 1000
    10
    von 1000

    Im Laufe ihres Lebens sterben etwa 35 von 1000 Frauen an Brustkrebs.

    Verlauf

    Wie gut die Chancen sind, den Brustkrebs erfolgreich zu behandeln, hängt von vielen Faktoren ab. Sie werden beispielsweise davon beeinflusst,

    • wie groß der Tumor ist,
    • ob er nur im Brustgewebe aufgetreten ist und wo in der Brust er liegt,
    • ob das Wachstum des Tumors durch Hormone beeinflusst wird,
    • ob sich auf den Krebszellen Wachstumsfaktor-Rezeptoren (HER2-Rezeptoren) finden,
    • wie stark die Krebszellen verändert sind,
    • wie viele „Krankheitsherde“ es gibt,
    • ob die Krebszellen sich über die Lymphbahnen der Haut ausgebreitet haben (inflammatorischer Brustkrebs),
    • ob das gesamte Tumorgewebe entfernt werden kann,
    • ob es bereits Fernmetastasen gibt und
    • ob eine Frau schon einmal an Brustkrebs erkrankt war.

    Manchmal wird ein Brustkrebs erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Dann beschränkt sich der Krebs häufig nicht mehr nur auf die Brust und umgebendes Gewebe, sondern kann Tochtertumore (Metastasen) ausbilden, zum Beispiel in den Knochen oder in den Lymphknoten. Aber auch dann kann die Erkrankung noch behandelt werden.

    Wenn ein Tumor vollständig entfernt werden kann und es keine Fernmetastasen gibt, ist eine Heilung von Brustkrebs möglich. Dies gilt auch für einen erneut auftretenden Brustkrebs (Rezidiv).

    Häufigkeit und Verlauf

    Diagnose

    Die Ärztin oder der Arzt ist der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf Brustkrebs. Nach einem ausführlichen Gespräch über frühere und / oder aktuelle Erkrankungen (die Krankengeschichte) folgt eine körperliche Untersuchung. Zu den Untersuchungen können gehören:

    • Tastuntersuchung der Brust sowie der Achselhöhlen
    • Röntgenuntersuchung der Brust (Mammografie)
    • Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
    • Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie)
    • Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) und Untersuchung im Labor

    Wenn ein Tumor in der Brust festgestellt wird, prüft die Ärztin oder der Arzt außerdem, ob sich der Krebs auch in der anderen Brust oder anderswo im Körper ausgebreitet hat. Dies kann unter anderem mit einer Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung der anderen Brust, einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax), einer Knochenszintigrafie, einem Ultraschall der Leber oder mittels Computertomografie (CT) geschehen. Zeigen sich bei diesen Untersuchungen Auffälligkeiten, wird die jeweilige Körperregion genauer untersucht.

    Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, wird der Brustkrebs klassifiziert. Dabei wird nach einem bestimmten Schema angegeben, wie groß der Tumor ist, ob Lymphknoten betroffen sind und ob es Metastasen gibt. Außerdem wird eingeschätzt, wie schnell die Tumorzellen wachsen und ob ihr Wachstum von Hormonen oder bestimmten Wachstumsfaktoren beeinflusst werden kann. Diese Einstufung ist für die Wahl der Behandlung wichtig.

    Früherkennung

    Ab dem Alter von 30 Jahren haben alle gesetzlich versicherten Frauen einen Anspruch auf eine kostenlose jährliche Tastuntersuchung der Brust. Diese Untersuchung wird in der Frauenarztpraxis oft Krebsvorsorge genannt. Der Begriff Vorsorge ist jedoch missverständlich: Keine der verschiedenen Untersuchungen zur Früherkennung kann verhindern, dass sich Brustkrebs entwickelt. Ihr Ziel ist es, Brustkrebs möglichst früh zu erkennen, um ihn besser behandeln zu können und die Heilungschancen zu erhöhen. Bislang ist aber nur für die Mammographie nachgewiesen, dass sie das Risiko verringern kann, an Brustkrebs zu sterben.

    Frauen zwischen 50 und 69 Jahren haben alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammographie-Früherkennungsuntersuchung. Sie wird auch Mammographie-Screening genannt. Um eine hohe Qualität der Untersuchungen zu sichern, finden sie nur in spezialisierten Einrichtungen statt, die zum deutschen Mammographie-Screening-Programm gehören. Die Teilnahme ist freiwillig, die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Wie alle Früherkennungsuntersuchungen hat die Mammographie Vorteile, aber auch Nachteile: Sie kann zum Beispiel zu unnötigen Brustkrebs-Behandlungen führen. Bei Fragen zur Teilnahme an diesem Programm kann die vertraute Frauenärztin oder der Frauenarzt beraten und unterstützen.

    Behandlung

    Welche Behandlung infrage kommt, ist abhängig von der Art des Tumors, seiner Größe und Ausbreitung, dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin und nicht zuletzt von ihren Wünschen. Ein Brustkrebs kann operiert, bestrahlt und mit Medikamenten behandelt werden. Oft werden die Behandlungsansätze kombiniert.

    Die Standardtherapie besteht darin, den Tumor durch eine Operation möglichst vollständig zu entfernen. Manchmal werden dabei auch benachbarte Lymphknoten entnommen. Bei einem kleinen Tumor stehen viele Frauen vor der Entscheidung: Soll die Brust erhaltend operiert oder vollständig entfernt werden? Bei vielen Frauen ist heute eine brusterhaltende Operation möglich. Manchmal ist eine Entfernung der Brust (Mastektomie) jedoch nötig, um alles Tumorgewebe entfernen zu können.

    Um einen großen Tumor besser operieren zu können, kann unter Umständen auch zuerst eine Chemotherapie eingesetzt werden, um ihn zu verkleinern. Eine solche Behandlung wird „neoadjuvante Therapie“ genannt.

    Grundsätzlich kann eine Chemotherapie auch im Anschluss an die Operation sinnvoll sein. Bei Frauen mit einem hormonempfindlichen Tumor ist eine sogenannte Antihormontherapie möglich. Diese soll das Wachstum des Tumorgewebes bremsen.

    Das umliegende Gewebe wird nach einer brusterhaltenden Operation wenn möglich bestrahlt, um vielleicht noch vorhandene Tumorzellen zu zerstören. Manchmal ist dies auch nach einer Brustentfernung erforderlich. Auch wenn der Tumor nicht operiert werden kann, wird wahrscheinlich eine Strahlentherapie angeboten.

    Die Therapieverfahren können sehr belasten und teils schwere Nebenwirkungen haben, manchmal auch zu Folgeerkrankungen führen. Die unerwünschten Wirkungen unterscheiden sich je nach Art der Therapie, können jedoch ihrerseits oft gut behandelt werden. Die Behandlung der Nebenwirkungen gehört zur unterstützenden Therapie (Supportivtherapie).

    Vor der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung ist normalerweise Zeit, sich bei der Ärztin oder dem Arzt über die Chancen und die zu erwartenden Nebenwirkungen zu informieren und mit Angehörigen und nahestehenden Menschen zu sprechen. Bei einigen Frauen kann auch ein Biomarker-Test die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie unterstützen. Man hat zudem immer das Recht, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen und Behandlungen auch abzulehnen.

    Rehabilitation

    Eine Anschlussheilbehandlung (AHB) oder Anschlussrehabilitation (ARH) kann direkt im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt in Anspruch genommen werden. Eine Rehabilitation oder Kur ist auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Solche Maßnahmen werden sowohl ambulant als auch stationär angeboten. Ihr Ziel ist, den Behandlungserfolg zu sichern, den körperlichen und seelischen Zustand zu verbessern und den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern. Meist dauert eine Reha-Maßnahme drei Wochen. Sie muss ärztlich verschrieben und vom Kostenträger genehmigt werden. Der Kliniksozialdienst kann beim Antrag auf eine Anschlussrehabilitation unterstützen.

    Reha-Servicestellen bieten Beratung zu den Reha-Maßnahmen verschiedener Träger an. Adressen sind bei der Krankenkasse oder Rentenversicherung erhältlich.

    Das „Hamburger Modell“ bietet die Möglichkeit der stufenweisen Wiedereingliederung für Menschen, die nach längerer Krankheit wieder in den Beruf zurückkehren möchten. Dabei können die Arbeitszeiten flexibel angepasst werden. Voraussetzung ist die Zustimmung des Arbeitgebers und der Krankenkasse. Weitere Informationen zu dieser Möglichkeit des beruflichen Wiedereinstiegs bietet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

    Leben und Alltag

    Eine lebensbedrohende Erkrankung, deren Therapie immer wieder körperliche Belastungen mit sich bringt, zieht unweigerlich auch die Psyche in Mitleidenschaft. Fast jeder Mensch erlebt in einer solchen Situation Phasen der Niedergeschlagenheit.

    Viele Frauen berichten, dass sie es entlastend finden, Ängste, Sorgen und Verzweiflung zuzulassen und mit Nahestehenden darüber zu reden. Neben Gesprächen mit Angehörigen, Freundinnen und Freunden sind eine psychosoziale Beratung oder der Austausch in einer Selbsthilfegruppe weitere Möglichkeiten.

    In Selbsthilfegruppen finden Patientinnen Kontakte zu anderen Frauen, die die mit der Erkrankung verbundenen Gefühle und praktischen Probleme aus eigener Erfahrung kennen. Dort ist es möglich, Themen anzusprechen, die mit nicht krebskranken Menschen oft schwierig zu erörtern sind. Das kann eine große Entlastung sein. Viele Frauen berichten, dass ihnen die Solidarität und Hilfsbereitschaft in einer Gruppe Kraft gibt. Selbsthilfegruppen machen oft auch weitere Angebote, etwa Sportgruppen oder Hilfe in sozialrechtlichen Fragen.

    Im Rahmen einer Krebstherapie wird heute meist auch eine psychoonkologische Behandlung angeboten. Psychoonkologinnen oder -onkologen sind speziell ausgebildete psychologische, medizinische und / oder sozialpädagogische Fachkräfte, die Patientinnen und ihre Angehörigen bei der seelischen und sozialen Bewältigung der Erkrankung unterstützen, wenn dies gewünscht ist.

    Für Frauen mit Brustkrebs ist es sehr wichtig, auf das eigene Wohlbefinden zu achten. Einige Möglichkeiten, die Behandlung aktiv zu begleiten und sich etwas Gutes zu tun, sind:

    • sich wenn möglich regelmäßig zu bewegen,
    • zu essen, was man mag und wonach einem ist,
    • auf das richtige Maß von Aktivität und Entspannung zu achten,
    • für einen möglichst erholsamen Schlaf zu sorgen und
    • generell Dinge zu tun, die einem in dieser schwierigen Situation guttun.

    Weitere Informationen

    Zur Erstellung des Therapieplans und zur Behandlung kommen vor allem zertifizierte Brustzentren oder Tumorzentren sowie onkologische Schwerpunktpraxen infrage. Hier arbeiten spezialisierte Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen, die sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen der Erkrankung und Behandlung auf Körper und Psyche auseinandersetzen. Eine Behandlung ist aber auch in einem nicht zertifizierten Krankenhaus oder einer gynäkologischen Praxis möglich. Möglicherweise kann die Frauenärztin oder der Hausarzt auch bestimmte Behandlungs- und Nachsorgeschritte übernehmen.

    Menschen mit oder nach einer Brustkrebserkrankung stehen vielfältige Hilfen und Leistungen zu – dazu gehören zum Beispiel das Krankengeld sowie Hilfen für Haushalt oder Pflege. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die dazu beraten und bei einer Antragstellung helfen können.

    Sowohl bei persönlichen Entscheidungen als auch in finanziellen und sozialrechtlichen Fragen können Fachkräfte unterstützen. Eine individuelle Beratung – telefonisch oder persönlich – gibt es beispielsweise bei

    • dem Krebsinformationsdienst,
    • den Krebsberatungsstellen verschiedener Träger,
    • der Kranken- und Rentenversicherung sowie
    • örtlichen (psycho-)sozialen Beratungsstellen. Ansprechpartner kann das Sozial- und das Gesundheitsamt nennen.

    Adressen von Selbsthilfegruppen gibt es unter anderem beim Krebsinformationsdienst  oder beim örtlichen Gesundheitsamt.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. AWMF-Registernr.: 032–045OL. 08.2019.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Einladungsschreiben und Merkblatt zum Mammographie-Screening: Rapid Report; Auftrag P14-02. 20.03.2015. (IQWiG-Berichte; Band 288).

    Krebsinformationsdienst (KID). Brustkrebs: Informationen für Patientinnen, Angehörige und Interessierte. 14.08.2015.

    Robert Koch-Institut (RKI), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID). Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin: RKI; 2015.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Aromatasehemmer bei frühem Brustkrebs

    Bei Brustkrebs bildet sich von der Brustdrüse ausgehend neues, bösartiges Gewebe. Wenn sich der Tumor auf einen begrenzten Bereich der Brust beschränkt und keine Metastasen gebildet hat, spricht man von frühem Brustkrebs. Es können auch einige Lymphknoten der Brust betroffen sein.

    Für Frauen mit frühem Brustkrebs kommen je nach Art des Tumors, ihrer gesundheitlichen Situation und persönlichen Vorstellungen verschiedene Behandlungen infrage. Die Standardtherapie besteht darin, den Tumor durch eine Operation möglichst vollständig zu entfernen. Eventuell verbleibende Tumorzellen können im Rahmen einer zusätzlichen (adjuvanten) Therapie durch eine Bestrahlung, eine Hormontherapie oder eine Chemotherapie behandelt werden.

    Etwa Zweidrittel der Frauen mit Brustkrebs haben einen hormonempfindlichen Tumor. Das bedeutet, dass Hormone wie Östrogen beeinflussen, wie rasch das Tumorgewebe wächst. Wenn die Krebszellen Rezeptoren tragen, an denen die Hormone andocken können, bezeichnet man den Tumor als hormonrezeptor-positiv. Bei hormonrezeptor-positiven Tumoren ist eine Antihormontherapie möglich. Sie soll das Wachstum des Tumorgewebes bremsen.

    Eine Antihormontherapie ist zum Beispiel auf folgende Arten möglich:

    • Blockade der Hormon-Rezeptoren auf den Krebszellen: Der Wirkstoff Tamoxifen ähnelt dem Östrogen. Wenn er eingenommen wird, blockiert er bestimmte Hormon-Rezeptoren, die sich auch auf den Krebszellen befinden, sodass das körpereigene Östrogen dort nicht mehr wirken kann.
    • Hemmung der Östrogen-Herstellung: Östrogen entsteht bei Frauen nach den Wechseljahren vor allem in der Nebenniere und im Muskel- und Fettgewebe. Dort ist zur Herstellung ein Enzym nötig, das Aromatase heißt. Wirkstoffe wie Anastrozol, Exemestan und Letrozol blockieren die Aromatase und verhindern so, dass im Körper Östrogen entsteht. Sie werden deshalb Aromatasehemmer genannt. Bei Frauen vor den Wechseljahren werden Östrogene hingegen hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet. Dort wirken Aromatasehemmer nicht. Daher wird bei jüngeren Frauen vor den Wechseljahren zunächst auf den Wirkstoff Tamoxifen zurückgegriffen.

    Bewertung der Aromatasehemmer

    Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, wie Aromatasehemmer im Vergleich zu keiner Behandlung, einer Scheinbehandlung oder anderen Antihormon-Behandlungen abschneiden, zum Beispiel im Vergleich zu Tamoxifen. Es hat außerdem untersucht, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Aromatasehemmern gibt.

    Für folgende Therapien mit Aromatasehemmern fand das Institut geeignete Daten:

    • Upfronttherapie: Bei der Upfronttherapie werden nach der Brustoperation über einen Zeitraum von 5 Jahren Tamoxifen oder Aromatasehemmer eingenommen.
    • Switchtherapie: Bei der Switchtherapie wird im Anschluss an eine zwei- bis dreijährige Behandlung mit Tamoxifen ein Aromatasehemmer eingenommen. Die Gesamtdauer der Antihormontherapie beträgt 5 Jahre. Die Entscheidung, auf einen Aromatasehemmer zu wechseln, erfolgt nach der Behandlung mit Tamoxifen.
    • erweiterte Therapie: Bei der erweiterten Therapie wird im Anschluss an eine fünfjährige Behandlung mit Tamoxifen ein Aromatasehemmer eingenommen.

    Für folgende Therapien mit Aromatasehemmern liegen hingegen keine geeigneten oder praxisrelevanten Daten vor:

    • neoadjuvante Therapie: Bei der neoadjuvanten Therapie wird vor der Operation bereits mit einem Medikament behandelt, um den Krebs schrumpfen zu lassen und dadurch besser operieren zu können.
    • Sequenztherapie: Bei der Sequenztherapie werden über eine Gesamtdauer von 5 Jahren nacheinander Tamoxifen und ein Aromatasehemmer (oder umgekehrt) gegeben. Der Wechsel der Medikamente wird im Voraus festgelegt, also direkt nach der Brustoperation.

    Ob Aromatasehemmer bei diesen beiden Therapieansätzen Vor- oder Nachteile haben, bleibt deshalb unklar.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aromatasehemmer beim Mammakarzinom der Frau: Abschlussbericht; Auftrag A10-03. 20.09.2016. (IQWiG-Berichte; Band 437).

    Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.

    Was Studien sagen: Aromatasehemmer in der Upfronttherapie bei frühem Brustkrebs

    Bei einer Upfronttherapie werden nach der Brustoperation über einen Zeitraum von 5 Jahren Aromatasehemmer eingenommen. Für die Upfronttherapie sind in Deutschland die Aromatasehemmer Anastrozol und Letrozol zugelassen.

    Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Aromatasehemmer als Upfronttherapie für Frauen mit frühem Brustkrebs haben.

    Das Institut hat untersucht, wie Aromatasehemmer in der Upfronttherapie im Vergleich zu Standardtherapien wie Tamoxifen abschneiden. Für diese Fragestellungen identifizierte das Institut zwei Studien. Eine Studie mit 6241 Patientinnen verglich Anastrozol mit Tamoxifen. Die andere Studie verglich Letrozol mit Tamoxifen und konnte die Daten von 4922 Patientinnen auswerten. Die wesentlichen Ergebnisse sind im Folgenden dargestellt.

    Welche Vorteile haben Aromatasehemmer in der Upfronttherapie?

    • Lebenserwartung: Aus den Studien lässt sich ableiten, dass Aromatasehemmer verglichen mit Tamoxifen das Leben verlängern können: Etwa 23 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, starben innerhalb von 10 Jahren. Demgegenüber starben im gleichen Zeitraum etwa 21 von 100 Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen.
    • Leben ohne Rückfall: Aromatasehemmer können Rückfälle (Rezidive) verhindern: Von 100 Frauen, die Tamoxifen erhielten, bekamen innerhalb von ungefähr 10 Jahren etwa 30 ein Rezidiv oder sie starben. Demgegenüber waren es von den Frauen, die Aromatasehemmer erhielten, etwa 26 von 100.
    • schwere Nebenwirkungen: Während einer Behandlung mit Aromatasehemmern treten seltener schwere Nebenwirkungen auf als während einer Behandlung mit Tamoxifen. Etwa 30 von 100 der Frauen bekamen eine schwere Nebenwirkung, wenn sie Tamoxifen einnahmen. Wenn sie einen Aromatasehemmer einnahmen, waren es etwa 2 Frauen weniger, mit solch einer schweren Nebenwirkung.
    • Abbruch wegen Nebenwirkungen: Aus einer Studie lässt sich ableiten, dass Frauen, die Anastrozol einnehmen, seltener ihre Behandlung abbrechen: Etwa 14 von 100 Frauen, die Tamoxifen erhielten, brachen ihre Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Von den Frauen, die Anastrozol einnahmen, waren es etwa 11 von 100. Für Letrozol zeigte sich solch ein Unterschied im Vergleich zu Tamoxifen nicht.
    • schwere Thrombosen: Bei einer schweren Thrombose verschließt ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß, sodass es beispielsweise zu einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie kommt. Aus den Studien lässt sich ableiten, dass diese Nebenwirkung bei Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen, seltener auftrat. Zum Beispiel hatten bei der Behandlung mit Tamoxifen etwa 2 bis 3 von 100 Frauen eine schwere Thrombose der Beinvenen. Bei Behandlung mit einem Aromatasehemmer waren es etwa 1 bis 2 von 100.

    Welche Nachteile haben Aromatasehemmer als Upfronttherapie?

    • Knochenbrüche: Aus den Studien lässt sich ableiten, dass während einer Behandlung mit Aromatasehemmern häufiger Knochenbrüche auftreten als während einer Behandlung mit Tamoxifen: Etwa 7 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, bekamen Knochenbrüche. Von den Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen, waren es etwa 10 von 100.

    Wo zeigte sich kein Unterschied?

    • Schlaganfälle und Blutungen im Gehirn: Die Studien zeigten für schwer ausgeprägte zerebrovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle und Blutungen im Gehirn keinen Unterschied zwischen den Behandlungen.
    • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Auch hier zeigte sich kein Unterschied zwischen den Aromatasehemmern und der Standardbehandlung.

    Welche Fragen sind noch offen?

    • Beschwerden: Die Studien enthalten keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf die Beschwerden, die der Brustkrebs auslöst.
    • Lebensqualität: Die Studien enthalten überwiegend keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf die Lebensqualität der Frauen. Eine Studie zeigte im Vergleich zwischen Anastrozol und Tamoxifen keinen Unterschied in der Lebensqualität nach 2 Jahren.
    • hormonelle Erkrankungen: Die Behandlung von Brustkrebs kann eine Reihe von hormonellen Nebenwirkungen hervorrufen, zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung. Die Studien enthalten überwiegend keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf schwer ausgeprägte hormonelle Erkrankungen. Eine Studie zeigte jedoch im Vergleich zwischen Anastrozol und Tamoxifen keinen Unterschied nach 2 Jahren.
    • bösartige Neubildungen: Durch die Behandlung von Brustkrebs kann auch ein neuer Tumor entstehen. Die Studien enthalten keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf bösartige Neubildungen bei der Frau.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aromatasehemmer beim Mammakarzinom der Frau: Abschlussbericht; Auftrag A10-03. 20.09.2016. (IQWiG-Berichte; Band 437).

    Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.

    Was Studien sagen: Aromatasehemmer in der Switchtherapie bei frühem Brustkrebs

    Bei einer Switchtherapie wird im Anschluss an eine zwei- bis dreijährige Behandlung mit Tamoxifen ein Aromatasehemmer eingenommen. Die Gesamtdauer der Antiöstrogen-Therapie beträgt 5 Jahre. Die Entscheidung, auf einen Aromatasehemmer zu wechseln, erfolgt nach der Behandlung mit Tamoxifen. Für die Switchtherapie sind die Aromatasehemmer Anastrozol und Exemestan zugelassen.

    Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Aromatasehemmer in der Switchtherapie für Frauen mit frühem Brustkrebs haben.

    Das Institut hat untersucht, wie Aromatasehemmer in der Switchtherapie im Vergleich zu einer fortgeführten Therapie mit Tamoxifen abschneiden. Für diese Fragestellung identifizierte das Institut insgesamt sieben Studien. Fünf Studien mit insgesamt 4845 Teilnehmerinnen sind der Frage nachgegangen, wie Anastrozol verglichen mit Tamoxifen abschneidet. Die anderen beiden Studien mit insgesamt 4784 Teilnehmerinnen verglichen Exemestan mit Tamoxifen. Zuvor hatten alle Frauen 2 bis 3 Jahre Tamoxifen eingenommen. Die Ergebnisse sind im Folgenden dargestellt.

    Welche Vorteile haben Aromatasehemmer in der Switchtherapie?

    • Lebenserwartung: Aus den Studien lässt sich insgesamt ableiten, dass Aromatasehemmer verglichen mit Tamoxifen das Leben verlängern können: Etwa 17 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, starben innerhalb von 7 Jahren. Demgegenüber starben etwa 14 von 100 Frauen, die auf einen Aromatasehemmer wechselten.
    • Leben ohne Rückfall: Aus zwei Studien lässt sich ableiten, dass Aromatasehemmer Rückfälle (Rezidive) verhindern können: Zum Beispiel weist eine Studie darauf hin, dass von 100 Frauen, die Tamoxifen erhalten, innerhalb von 7 Jahren etwa 27 Frauen ein Rezidiv bekommen oder sterben. Demgegenüber sind es von den Frauen, die nach 2 bis 3 Jahren auf Exemestan wechseln, innerhalb von ungefähr 7 Jahren etwa 23 von 100 Frauen, die ein Rezidiv bekommen oder sterben.
    • schwere Nebenwirkungen: Aus den Studien lässt sich insgesamt ableiten, dass während einer Behandlung mit Aromatasehemmern seltener schwere Nebenwirkungen auftreten als während einer Behandlung mit Tamoxifen: Etwa 22 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, bekamen schwere Nebenwirkungen. Demgegenüber waren es etwa 18 von 100 Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen.

    Welche Nachteile haben Aromatasehemmer in der Switchtherapie?

    • Knochenbrüche: Die antiöstrogene Behandlung von Brustkrebs kann eine Reihe von Nebenwirkungen haben und zum Beispiel zu Knochenbrüchen führen. Aus den Studien lässt sich ableiten, dass während einer Behandlung mit Aromatasehemmern häufiger solche Knochenbrüche auftreten als während einer Behandlung mit Tamoxifen: Etwa 2 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, bekamen einen Knochenbruch. Von den Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen, waren es etwa 3 von 100. Das bedeutet, dass zusätzlich etwa 1 von 100 Frauen einen Knochenbruch bekommt, wenn sie einen Aromatasehemmer einnimmt.

    Wo zeigte sich kein Unterschied?

    • Lebensqualität: Zwei Studien haben den Einfluss von Aromatasehemmern auf die Lebensqualität der Frauen untersucht. Sie fanden keinen Unterschied zwischen einer Behandlung mit Aromatasehemmern und einer Behandlung mit Tamoxifen.
    • hormonelle Erkrankungen: Die Behandlung von Brustkrebs kann hormonelle Nebenwirkungen hervorrufen, zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung. Aus zwei Studien lässt sich ableiten, dass es zwischen Aromatasehemmern und Tamoxifen innerhalb von 2 Jahren keinen Unterschied im Auftreten schwer ausgeprägter hormoneller Erkrankungen gibt.

    Welche Fragen sind noch offen?

    • Beschwerden: Die Studien enthalten keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmer auf die Beschwerden der Frauen.
    • Abbruch wegen Nebenwirkungen: Ob Aromatasehemmer in der Switchtherapie zu mehr oder weniger Abbrüchen der Behandlung wegen Nebenwirkungen führen, ist unklar. Verschiedene Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
    • Die Studien enthalten außerdem keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf folgende schwere Nebenwirkungen der Behandlung:
      • neue Tumore
      • Schlaganfälle oder Blutungen im Gehirn
      • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
      • schwere Thrombosen. Bei eine schweren Thrombose verschließt ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß, sodass es beispielsweise zu einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie kommt.

    Das Institut hat außerdem untersucht, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Aromatasehemmern gibt. Für diesen Vergleich fand es keine geeignete Studie.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aromatasehemmer beim Mammakarzinom der Frau: Abschlussbericht; Auftrag A10-03. 20.09.2016. (IQWiG-Berichte; Band 437).

    Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.

    Was Studien sagen: Aromatasehemmer als erweiterte Therapie bei frühem Brustkrebs

    Bei einer erweiterten Therapie wird im Anschluss an eine fünfjährige Behandlung mit Tamoxifen ein Aromatasehemmer eingenommen.

    Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Aromatasehemmer als erweiterte Therapie für Frauen mit frühem Brustkrebs haben.

    Das Institut hat untersucht, wie Aromatasehemmer als erweiterte Therapie im Vergleich zu keiner Behandlung oder einer Scheinbehandlung abschneiden. Für diese Fragestellung identifizierte das Institut nur eine Studie mit dem Aromatasehemmer Letrozol. An der Studie nahmen insgesamt 5187 Frauen nach der Menopause teil. Die Hälfte der Frauen erhielt über einen Zeitraum von 5 Jahren 2,5 mg Letrozol pro Tag, die andere ein Scheinmedikament (Placebo). Alle Frauen waren zuvor über 5 Jahre mit Tamoxifen behandelt worden. Die Ergebnisse sind im Folgenden dargestellt.

    Welche Vorteile haben Aromatasehemmer als erweiterte Therapie?

    • Leben ohne Rückfall: Die Studie gibt einen schwachen Hinweis, dass Letrozol Rückfälle (Rezidive) verhindern kann: Etwa 9 von 100 Frauen, die nur zum Schein behandelt wurden, bekamen innerhalb von 2 Jahren einen Rückfall oder starben. Demgegenüber waren es von den Frauen, die Letrozol erhielten, etwa 6 von 100.

    Welche Nachteile haben Aromatasehemmer als erweiterte Therapie?

    • Abbruch wegen Nebenwirkungen: Die Studie weist darauf hin, dass Letrozol Therapieabbrüche fördert, die durch Nebenwirkungen hervorgerufen werden: Etwa 4 von 100 Frauen, die nur zum Schein behandelt wurden, brachen ihre Therapie wegen Nebenwirkungen ab. Demgegenüber waren es von den Frauen, die Letrozol erhielten, etwa 5 von 100.

    Wo zeigte sich kein Unterschied?

    • Lebenserwartung: Es zeigte sich kein Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Letrozol und einer Scheinbehandlung.
    • schwere Nebenwirkungen: Es zeigte sich auch kein Unterschied im Auftreten schwerer Nebenwirkungen. Etwa 15 von 100 Frauen hatten während der Behandlung damit zu tun.

    Welche Fragen sind noch offen?

    • Beschwerden und Lebensqualität: Die Studie enthält keine geeigneten Daten zum Einfluss von Letrozol auf die Beschwerden oder die Lebensqualität der Frauen.
    • Die Studie enthält außerdem keine geeigneten Daten zum Einfluss von Letrozol auf folgende schwere Nebenwirkungen der Behandlung:
      • Knochenbrüche
      • neue Tumore
      • Schlaganfälle oder Blutungen im Gehirn
      • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
      • hormonelle Erkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen
      • schwere Thrombosen. Bei einer schweren Thrombose verschließt ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß, sodass es beispielsweise zu einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie kommt.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aromatasehemmer beim Mammakarzinom der Frau: Abschlussbericht; Auftrag A10-03. 20.09.2016. (IQWiG-Berichte; Band 437).

    Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.

    Mehr Wissen: Risikofaktoren für Brustkrebs

    So gut wie alle Frauen haben bestimmte Risikofaktoren für Brustkrebs. Viele davon spielen aber nur eine geringe Rolle, wie etwa der Lebensstil. Den größten Einfluss haben eine genetische Veranlagung und das Alter einer Frau.

    Wissenschaftlergruppen haben in den letzten Jahrzehnten intensiv nach den Ursachen von Brustkrebs und anderen Krebsarten gesucht. Dadurch ist klar geworden: „Die“ Ursache von Brustkrebs gibt es nicht. Ob eine Frau daran erkrankt, wird vor allem von folgenden Einflüssen bestimmt:

    1. vom Alter und Vorerkrankungen. Mit den Jahren wird der Körper anfälliger für Krebs. Das Risiko für Erbgutveränderungen steigt, gleichzeitig lassen bestimmte Schutzmechanismen nach. Frauen, die schon einmal Brustkrebs hatten, haben ein erhöhtes Risiko, erneut zu erkranken.
    2. von einer erblich vorgegebenen Anfälligkeit. Krebs entsteht, wenn sich in einer Körperzelle das Erbgut verändert. Normalerweise kann der Körper solche Veränderungen verhindern oder reparieren. Bei Menschen mit einer erblich bedingten Anfälligkeit für Krebs sind diese Schutzmechanismen schwächer.
    3. von hormonellen Faktoren. Hormone können beeinflussen, wie sich Krebszellen vermehren. Bei Brustkrebs kann es deshalb zum Beispiel eine Rolle spielen, in welchem Alter eine Frau ihre Periode bekommen hat, wann sie ihr erstes Kind geboren hat und wie oft sie schwanger war.
    4. vom Lebensstil. Bestimmte Lebensumstände können sich auswirken, spielen insgesamt aber eine eher untergeordnete Rolle.

    Insgesamt gibt es so viele Risikofaktoren, dass die meisten Frauen gleich mehrere davon haben. Das ist aber normalerweise kein Grund zu besonderer Sorge. Denn die meisten dieser Faktoren erhöhen das Brustkrebsrisiko nur gering und sind sozusagen „normal“. Verschiedene Risikofaktoren zu haben, muss deshalb nicht bedeuten, mit hoher Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken. Zudem haben viele Frauen, die an Brustkrebs erkranken, dieselben Risikofaktoren wie Frauen, die nicht erkranken.

    Nicht zuletzt bestimmt auch der Zufall mit darüber, ob eine Frau Brustkrebs bekommt oder nicht: Denn manchmal entstehen Erbgutveränderungen spontan, ohne dass es einen besonderen Grund gibt.

    So gut wie alle Frauen haben bestimmte Risikofaktoren für Brustkrebs. Viele davon spielen aber nur eine geringe Rolle, wie etwa der Lebensstil. Den größten Einfluss haben eine genetische Veranlagung und das Alter einer Frau.

    Wissenschaftlergruppen haben in den letzten Jahrzehnten intensiv nach den Ursachen von Brustkrebs und anderen Krebsarten gesucht. Dadurch ist klar geworden: „Die“ Ursache von Brustkrebs gibt es nicht. Ob eine Frau daran erkrankt, wird vor allem von folgenden Einflüssen bestimmt:

    1. vom Alter und Vorerkrankungen. Mit den Jahren wird der Körper anfälliger für Krebs. Das Risiko für Erbgutveränderungen steigt, gleichzeitig lassen bestimmte Schutzmechanismen nach. Frauen, die schon einmal Brustkrebs hatten, haben ein erhöhtes Risiko, erneut zu erkranken.
    2. von einer erblich vorgegebenen Anfälligkeit. Krebs entsteht, wenn sich in einer Körperzelle das Erbgut verändert. Normalerweise kann der Körper solche Veränderungen verhindern oder reparieren. Bei Menschen mit einer erblich bedingten Anfälligkeit für Krebs sind diese Schutzmechanismen schwächer.
    3. von hormonellen Faktoren. Hormone können beeinflussen, wie sich Krebszellen vermehren. Bei Brustkrebs kann es deshalb zum Beispiel eine Rolle spielen, in welchem Alter eine Frau ihre Periode bekommen hat, wann sie ihr erstes Kind geboren hat und wie oft sie schwanger war.
    4. vom Lebensstil. Bestimmte Lebensumstände können sich auswirken, spielen insgesamt aber eine eher untergeordnete Rolle.

    Insgesamt gibt es so viele Risikofaktoren, dass die meisten Frauen gleich mehrere davon haben. Das ist aber normalerweise kein Grund zu besonderer Sorge. Denn die meisten dieser Faktoren erhöhen das Brustkrebsrisiko nur gering und sind sozusagen „normal“. Verschiedene Risikofaktoren zu haben, muss deshalb nicht bedeuten, mit hoher Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken. Zudem haben viele Frauen, die an Brustkrebs erkranken, dieselben Risikofaktoren wie Frauen, die nicht erkranken.

    Nicht zuletzt bestimmt auch der Zufall mit darüber, ob eine Frau Brustkrebs bekommt oder nicht: Denn manchmal entstehen Erbgutveränderungen spontan, ohne dass es einen besonderen Grund gibt.

    Welche Rolle spielt das Alter?

    Die folgende Tabelle zeigt, wie sich im Durchschnitt mit dem Alter das Risiko verändert, an Brustkrebs zu erkranken.

    Alter Zahl der Frauen, die in den nächsten 10 Jahren Brustkrebs bekommen
    30 Jahre 5
    von 1000
    40 Jahre 15
    von 1000
    50 Jahre 25
    von 1000
    60 Jahre 36
    von 1000
    70 Jahre 34
    von 1000

    Über das gesamte Leben betrachtet, bekommen heute etwa 130 von 1000 Frauen Brustkrebs. Auch einer von 1000 Männern erkrankt im Laufe des Lebens daran.

    Welche Rolle spielt die erbliche Anfälligkeit?

    Viele Frauen fragen sich, was es für sie bedeutet, wenn eine oder mehrere Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind. Und welche Rolle die Gene spielen können. Die Antworten hängen sehr von den Einzelheiten ab:

    • Wenn die Erkrankung zum Beispiel bei einer Großmutter oder Cousine auftritt (also eine Verwandte 2. Grades und höher), ist das eigene Risiko kaum erhöht.
    • Wenn die Erkrankung bei der Mutter oder einer Schwester auftritt (Verwandte 1. Grades), verdoppelt sich das eigene Risiko. Wenn nur eine nahe Verwandte erkrankt ist, ist das aber noch kein Beweis für eine vererbte Anfälligkeit durch eine Genveränderung. Gentests bringen hier normalerweise keine Ergebnisse.
    • Wenn beispielsweise mehrere nahe Verwandte an Brustkrebs erkranken, kann das tatsächlich auf Genveränderungen hinweisen. Dann kann ein Gentest sinnvoll sein. Etwa 5 bis 10 % aller Brustkrebs-Erkrankungen werden durch nachweisbare Genveränderungen (Mutationen) verursacht. Sie werden als „familiärer Brustkrebs“ bezeichnet. Vor allem Veränderungen an den Genen BRCA-1 oder BRCA-2 erhöhen das Risiko für Brustkrebs um ein Vielfaches: Etwa 65 % aller Frauen mit BRCA-1-Mutationen erkranken vor ihrem siebzigsten Lebensjahr, bei BRCA-2 sind es etwa 45 %. Beratung und Unterstützung bieten die derzeit 17 im Bundesgebiet verteilten Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs.

    Welche Rolle spielen Hormone?

    Die hormonellen Veränderungen während des Menstruationszyklus beeinflussen auch das Brustgewebe. Vor allem die Zellen im Drüsengewebe, die für die Milchbildung zuständig sind, teilen sich mit jedem Monatszyklus und bilden sich wieder zurück, wenn es zu keiner Schwangerschaft kommt.

    Die Teilung und das Verhalten der Zellen werden durch Sexualhormone wie Östrogene und Gestagene beeinflusst. Deshalb können Faktoren, die mit dem Hormonhaushalt zusammenhängen, auch das Brustkrebsrisiko beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel:

    • frühe erste Regelblutung
    • späte Wechseljahre
    • Einnahme von Hormonpräparaten
    • Einnahme der Antibabypille
    • Kinderlosigkeit
    • Alter bei Geburt des ersten Kindes über 30 Jahre

    Auch eine hohe Brustdichte – wenn die Brust vorwiegend aus Drüsengewebe besteht – kann das Brustkrebsrisiko beeinflussen. Wie das Brustgewebe einer Frau zusammengesetzt ist, hängt zwar nicht von Hormonen ab, kann aber von ihnen beeinflusst werden.

    Welchen Einfluss haben der Lebensstil und die Umwelt?

    Der Lebensstil beeinflusst das Brustkrebsrisiko nach derzeitigem Erkenntnisstand kaum. In Studien wurde festgestellt, dass Frauen, die körperlich sehr aktiv sind, ein etwas geringeres Brustkrebsrisiko haben. Es gibt auch erste Hinweise darauf, dass eine spezielle Ernährungsform – die mediterrane Diät – mit einem etwas geringeren Risiko einhergehen könnte. Ansonsten sprechen die bisherigen Studien dafür, dass es in der Regel keinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko hat, wie sich jemand ernährt.

    Eine Ausnahme ist der Alkoholkonsum: Frauen, die viel Alkohol trinken, bekommen häufiger Brustkrebs. Ob dies auch für das Rauchen gilt, ist noch nicht geklärt.

    Welche Rolle das Gewicht spielt, ist noch nicht abschließend geklärt. Studien zeigen, dass Frauen, die nach den Wechseljahren übergewichtig werden (BMI über 25), etwas häufiger an Brustkrebs erkranken. Vor den Wechseljahren ist es genau umgekehrt. In dieser Zeit haben übergewichtige Frauen sogar ein leicht geringeres Brustkrebsrisiko. Eine Erklärung dafür gibt es bislang nicht.

    Von einigen Faktoren wird mitunter behauptet, dass sie das Risiko erhöhen: zum Beispiel die Anwendung aluminiumhaltiger Deos, das Tragen (enger) BHs, Brustimplantate sowie Stress und frühere Abtreibungen. Für diese Annahmen gibt es jedoch keine wissenschaftliche Grundlage.

    Was bedeutet das eigentlich: „erhöhtes Risiko“?

    Aussagen wie „das Risiko ist erhöht“, „erkranken häufiger“ können leicht Befürchtungen wecken, wenn sie nicht genauer erklärt werden. Um einschätzen zu können, wie groß das eigene Risiko tatsächlich ist, muss man wissen, auf welches Ausgangsrisiko sich die Erhöhung bezieht.

    Die folgende Tabelle zeigt, wie viele fünfzigjährige Frauen in den nächsten 10 Jahren an Brustkrebs erkranken, wenn sie bestimmte Risikofaktoren haben:

    Risikofaktoren Von 1000 fünfzigjährigen Frauen erkranken in den nächsten 10 Jahren an Brustkrebs ...
    • keine weiteren bedeutenden Risikofaktoren und
    • sehr geringe Brustdichte
    10
    von 1000
    • Durchschnittsrisiko fünfzigjähriger Frauen
    25
    von 1000
    • hohe Brustdichte (Stufe 3) und
    • Mutter hatte Brustkrebs
    43
     von 1000
    • Auffälligkeiten der Brust, die schon einmal Anlass für eine Gewebeuntersuchung waren und
    • sehr hohe Brustdichte (Stufe 4) und
    • Mutter hatte Brustkrebs
    72
    von 1000

    Wie lässt sich das persönliche Risiko abschätzen?

    Das eigene Brustkrebsrisiko lässt sich mit Brustkrebsrechnern abschätzen. Diese stehen bislang nur auf Englisch zur Verfügung und beruhen auf Untersuchungen an US-amerikanischen Frauen. Die Daten können aber auch deutschen Frauen eine Orientierung geben. Die Rechner unterscheiden sich durch die Angaben, die zur Berechnung des Risikos verwendet werden. 

    Brustkrebsrechner des Breast Cancer Surveillance Consortium

    Verwendete Faktoren:

    • Brustkrebs in der Vergangenheit
    • Alter
    • Ethnie (zum Beispiel Hautfarbe)
    • Brustkrebs in der Familie
    • Auffälligkeiten der Brust, die Anlass für eine Gewebeuntersuchung waren
    • Brustdichte
    Brustkrebsrechner des National Cancer Institute

    Verwendete Faktoren:

    • Brustkrebs in der Vergangenheit
    • familiärer Brustkrebs
    • Alter
    • Alter bei der ersten Menstruation
    • Alter bei der ersten Geburt des Kindes
    • Brustkrebs in der Familie
    • Auffälligkeiten der Brust, die Anlass für eine Gewebeuntersuchung waren
    • Ethnie

    Quellen

    Albuquerque RC, Baltar VT, Marchioni DM. Breast cancer and dietary patterns: a systematic review. Nutr Rev 2014; 72(1): 1-17.

    American Cancer Society. Breast Cancer. What are the risk factors for breast cancer? 2015.

    Antoniou A, Pharoah PD, Narod S, Risch HA, Eyfjord JE, Hopper JL et al. Average Risks of Breast and Ovarian Cancer Associated with BRCA1 or BRCA2 Mutations Detected in Case Series Unselected for Family History: A Combined Analysis of 22 Studies. Am J Hum Genet 2003; 72(5): 1117–1130.

    Cancer Research UK. Breast cancer risk factors. 2016.

    Krebsinformationsdienst (KID). Risikofaktoren für Brustkrebs. 2015.

    Krebsinformationsdienst (KID). Risiko Brustkrebs: Veranlagung, Vererbung, Genetik. 2013.

    Krebsinformationsdienst (KID). Familiärer Brust- und Eierstockkrebs. 2016.

    Kyu HH, Bachman VF, Alexander LT, Mumford JE, Afshin A, Estep K et al. Physical activity and risk of breast cancer, colon cancer, diabetes, ischemic heart disease, and ischemic stroke events: systematic review and dose-response meta-analysis for the Global Burden of Disease Study 2013. BMJ 2016; 354: i3857.

    Mourouti N, Kontogianni MD, Papavagelis C, Panagiotakos DB. Diet and breast cancer: a systematic review. Int J Food Sci Nutr 2015; 66(1): 1-42.

    Nelson HD, Zakher B, Cantor A, Fu R, Griffin J, O'Meara ES et al. Risk factors for breast cancer for women aged 40 to 49 years: a systematic review and meta-analysis. Ann Intern Med 2012; 156(9): 635-648.

    Weir R, Day P, Ali W. Risk factors for breast cancer in women: a systematic review of the literature. New Zealand Health Technology Assessment; 2007.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Welche Rolle spielt die Brustdichte?

    Die weibliche Brust besteht aus Drüsen-, Fett- und Bindegewebe. Von einer hohen Brustdichte spricht man, wenn die Brust viel Drüsen- und Bindegewebe, aber wenig Fettgewebe enthält. Die Brustdichte kann das Brustkrebsrisiko beeinflussen. Eine sehr hohe Brustdichte erschwert es zudem, im Röntgenbild Brustkrebs zu entdecken.

    Der Anteil von Drüsen-, Fett- und Bindegewebe in der weiblichen Brust ist nicht immer gleich, sondern verändert sich abhängig vom Hormonspiegel. Deshalb kann die Brustdichte einer Frau auch während des Menstruationszyklus zu- und wieder abnehmen. Vor allem in den Wechseljahren bildet sich das Drüsengewebe bei vielen Frauen zurück, dann nimmt meist auch die Brustdichte ab. Durch die Einnahme von Östrogenpräparaten kann sich die Brustdichte jedoch erhöhen. Bei übergewichtigen Frauen ist die Brustdichte im Durchschnitt geringer.

    Die weibliche Brust besteht aus Drüsen-, Fett- und Bindegewebe. Von einer hohen Brustdichte spricht man, wenn die Brust viel Drüsen- und Bindegewebe, aber wenig Fettgewebe enthält. Die Brustdichte kann das Brustkrebsrisiko beeinflussen. Eine sehr hohe Brustdichte erschwert es zudem, im Röntgenbild Brustkrebs zu entdecken.

    Der Anteil von Drüsen-, Fett- und Bindegewebe in der weiblichen Brust ist nicht immer gleich, sondern verändert sich abhängig vom Hormonspiegel. Deshalb kann die Brustdichte einer Frau auch während des Menstruationszyklus zu- und wieder abnehmen. Vor allem in den Wechseljahren bildet sich das Drüsengewebe bei vielen Frauen zurück, dann nimmt meist auch die Brustdichte ab. Durch die Einnahme von Östrogenpräparaten kann sich die Brustdichte jedoch erhöhen. Bei übergewichtigen Frauen ist die Brustdichte im Durchschnitt geringer.

    Wie wird die Brustdichte beurteilt?

    Durch Tasten lässt sich die Brustdichte nicht feststellen. Sie hat auch nichts damit zu tun, wie groß oder fest eine Brust ist. Die Brustdichte lässt sich nur durch bildgebende Verfahren beurteilen, normalerweise während einer Röntgenuntersuchung der Brust (Mammografie). Eine Mammografie wird meist zur Früherkennung von Brustkrebs oder zur Abklärung einer Veränderung gemacht.

    Bei einer hohen Brustdichte sind auf dem Röntgenbild viele weiße Flächen zu sehen – sie zeigen Drüsen- oder Bindegewebe. Fettgewebe erscheint dagegen dunkel, deshalb bedeuten viele dunkle Flächen eine niedrige Brustdichte.

    Wie wird die Brustdichte eingeteilt?

    Es gibt unterschiedliche Einteilungen der Brustdichte. Meist wird sie in vier Kategorien eingeteilt:

    • Kategorie 1: Die Brust besteht überwiegend aus Fettgewebe. Die Brustdichte ist sehr niedrig.
    • Kategorie 2: Die Brust enthält einen großen Anteil Fettgewebe und vereinzelte Bereiche mit dichtem Drüsen- und Bindegewebe.
    • Kategorie 3: Die Brust enthält mehr Drüsen- und Bindegewebe als Fettgewebe.
    • Kategorie 4: Die Brust besteht fast vollständig aus Drüsen- und Bindegewebe. Das Brustgewebe ist extrem dicht.

    Bei Kategorie 3 und 4 wird meist von hoher Brustdichte gesprochen. Die Beurteilung der Brustdichte ist jedoch nicht besonders genau und kann je nach Ärztin oder Arzt, dem Zeitpunkt der Messung, der Art des bildgebenden Verfahrens und der eingesetzten Geräte unterschiedlich ausfallen. Das führt dazu, dass eine Frau von verschiedenen Fachleuten unterschiedliche Einstufungen erhalten kann.

    Wie viele Frauen haben eine hohe Brustdichte?

    Eine dichte Brust zu haben, ist normal: Etwa die Hälfte der Frauen über 40 Jahre hat eine hohe Brustdichte. Die meisten Frauen haben eine Brustdichte der Kategorie 2 oder 3:

    Brustdichte Häufigkeit bei Frauen über 40 Jahre Häufigkeit bei Frauen nach den Wechseljahren
    Kategorie 1 ~ 10 % ~ 10 %
    Kategorie 2 ~ 45 % ~ 60 %
    Kategorie 3 ~ 35 % ~ 27 %
    Kategorie 4 ~ 10 % ~ 3 %

    Welche Bedeutung hat eine hohe Brustdichte?

    Frauen mit einer hohen Brustdichte haben ein etwas höheres Brustkrebsrisiko als Frauen mit geringer Brustdichte. Nach den bisherigen Studien haben Frauen mit hoher Brustdichte aber kein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu sterben.

    Die Brustdichte ist nur einer von mehreren Risikofaktoren. Das Brustkrebsrisiko hängt vor allem vom Alter und von genetischen Einflüssen ab. Welches Brustkrebsrisiko eine Frau tatsächlich hat, lässt sich daher nur durch die Betrachtung aller bedeutsamen Risikofaktoren abschätzen.

    Bei hoher Brustdichte – vor allem der Kategorie 4 – ist es für Ärztinnen und Ärzte schwerer, im Röntgenbild Brustkrebs zu entdecken. Denn dichtes Brustgewebe kann auf dem Röntgenbild genauso weiß wie ein Tumor aussehen und ihn verdecken. Dagegen fällt eine Veränderung eher auf, wenn eine Brust vor allem aus „dunklem“ Fettgewebe besteht – also bei geringer Brustdichte.

    Wie hoch ist das Brustkrebsrisiko bei hoher Brustdichte?

    Im Durchschnitt erkranken etwa 25 von 1000 fünfzigjährigen Frauen in den nächsten 10 Jahren an Brustkrebs. Die folgende Tabelle zeigt den Einfluss unterschiedlicher Brustdichte auf das Brustkrebsrisiko:

    Brustdichte

    Von 1000 fünfzigjährigen Frauen erkranken in den nächsten 10 Jahren an Brustkrebs ...

    Kategorie 1

    10
    von 1000

    Kategorie 2 18
    von 1000
    Kategorie 3 27
    von 1000
    Kategorie 4 32
    von 1000

    Die Zahlen beziehen sich auf fünfzigjährige Frauen ohne weitere bedeutsame Risikofaktoren

    Die Zahlen zeigen: Das Risiko liegt bei einer Brustdichte der Kategorie 3 – also bei den meisten Frauen mit hoher Brustdichte – nur leicht über dem Durchschnittsrisiko aller Frauen. Bei einer Brustdichte der Kategorie 4 ist es stärker erhöht. Auf der anderen Seite liegt das Risiko von Frauen mit niedriger Brustdichte teils deutlich unter dem Durchschnitt.

    Wie gut kann die Mammografie Brustkrebs entdecken?

    Zunächst: Durch eine Mammografie können auch bei Frauen mit dichtem Brustgewebe viele Tumore erkannt werden. Während der Mammografie werden die Geräte so eingestellt, dass sie auch bei hoher Brustdichte möglichst gute Bilder liefern. Wenn sich eine Frau für die Früherkennung entscheidet, ist die Mammografie daher die Untersuchung der Wahl. In Deutschland wird allen Frauen zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre eine kostenlose Mammografie angeboten.

    Studien zeigen, dass die Ergebnisse der Mammografie-Früherkennung bei Frauen mit niedriger Brustdichte zuverlässiger sind als bei Frauen mit dichterem Brustgewebe: Veränderungen werden bei ihnen seltener übersehen. Die folgende Tabelle zeigt, wie viele Tumore durch die Teilnahme am Mammographie-Screening erkannt werden – je nach Brustdichte:

    Brustdichte Wie viele Tumore werden durch die Mammografie erkannt?
    Kategorie 1 fast 100 %
    Kategorie 2 ~ 83 %
    Kategorie 3 ~ 80 %
    Kategorie 4 ~ 50 %

    Es gibt vor allem zwei Gründe, warum ein Tumor in der Mammografie nicht gefunden wird. Der erste: Der Tumor bildet sich erst in den zwei Jahren zwischen den Röntgenuntersuchungen. Der zweite: Es wird tatsächlich ein Tumor übersehen, weil die Brust zu dicht ist.

    Sind bei hoher Brustdichte zusätzliche Früherkennungsuntersuchungen sinnvoll?

    Manche Ärztinnen und Ärzte empfehlen Frauen mit hoher Brustdichte deshalb zusätzlich zur Mammografie eine Ultraschalluntersuchung der Brust oder eine Magnetresonanztomografie (MRT). Durch diese Untersuchungen sollen Tumore entdeckt werden, die in der Mammografie vielleicht übersehen wurden. Ob diese zusätzlichen Untersuchungen sinnvoll sind, ist aber noch unklar. Sie sind kein fester Bestandteil der Früherkennung, da noch zu viele Fragen offen sind. So zeigen Studien zwar, dass durch diese ergänzenden Untersuchungen tatsächlich Tumore gefunden werden, die in der Mammografie nicht gesehen wurden. Allerdings werden auch öfter Auffälligkeiten entdeckt, bei denen es sich nicht um Krebs handelt. Solche auffälligen Befunde können belastend sein, weil sie Sorgen bereiten und weitere Untersuchungen zur Abklärung (Biopsien) nach sich ziehen.

    Zusätzliche Untersuchungen können aber auch zu Überdiagnosen führen. Damit ist die Diagnose und Behandlung von Tumoren gemeint, die ohne die Untersuchung ein Leben lang nicht aufgefallen wären – zum Beispiel, weil sie nicht weiter gewachsen wären und keine Beschwerden verursacht hätten. Zudem gibt es noch keine Studien, die zeigen, ob sich mit solchen Zusatzuntersuchungen das eigentliche Ziel der Früherkennung erreichen lässt: nämlich das Risiko zu senken, an Brustkrebs zu sterben.

    Aus diesen Gründen wird die Brustdichte im deutschen Mammographie-Screening-Programm in der Regel nicht geprüft und den Frauen auch nicht mitgeteilt. Teilnehmerinnen haben aber – wie bei allen Untersuchungen – die Möglichkeit, sich die Röntgenbilder nach der Begutachtung durch die Ärztinnen und Ärzte des Programms aushändigen zu lassen.

    Quellen

    American Cancer Society 2015. Breast density and your mammogram report. Juli 2015.

    Huo CW, Chew GL, Britt KL, Ingman WV, Henderson MA, Hopper JL et al. Mammographic density-a review on the current understanding of its association with breast cancer. Breast Cancer Res Treat 2014; 144(3): 479-502.

    Melnikow J, Fenton JJ, Whitlock EP, Miglioretti DL, Weyrich MS, Thompson JH et al. Supplemental screening for breast cancer in women with dense breasts: A systematic review for the U.S. Preventive Service Task Force. Rockville: Agency for Healthcare Research and Quality; 2016.

    Nelson HD, Zakher B, Cantor A, Fu R, Griffin J, O'Meara ES et al. Risk factors for breast cancer for women aged 40 to 49 years: a systematic review and meta-analysis. Ann Intern Med 2012; 156(9): 635-648.

    Nothacker M, Duda V, Hahn M, Warm M, Degenhardt F, Madjar H et al. Early detection of breast cancer: benefits and risks of supplemental breast ultrasound in asymptomatic women with mammographically dense breast tissue. A systematic review. BMC Cancer 2009; 9: 335.

    Weigel S, Heindel W, Heidrich J, Hense HW, Heidinger O. Digital mammography screening: sensitivity of the programme dependent on breast density. Eur Radiol 2016. [Epub ahead of print]

    Weir R, Day P, Ali W. Risk factors for breast cancer in women: a systematic review of the literature. New Zealand Health Technology Assessment; 2007.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Erneut auftretender Brustkrebs ohne Metastasen

    Wenn Brustkrebs erneut auftritt, ist das oft beängstigender als die Erstdiagnose. Doch auch wenn die Erkrankung zurückgekehrt ist, kann der Brustkrebs behandelt werden. Oft ist es möglich, den neuen Tumor zu entfernen und einer weiteren Ausbreitung des Krebses vorzubeugen. Um eine gute Lebensqualität zu erhalten, können Hilfe und Unterstützung im Alltag wichtig sein.

    Bei Brustkrebs bildet sich von der Brustdrüse ausgehend neues, unkontrolliert wachsendes Gewebe. Wenn Brustkrebs nach einer ersten, überstandenen Erkrankung zurückkehrt, spricht man von einem Rezidiv. Es bedeutet in der Regel, dass Krebszellen trotz der Behandlung im Körper verblieben sind und wieder zu wachsen begonnen haben. Das kann auch Jahre und sogar Jahrzehnte nach der Ersterkrankung geschehen. Manchmal bildet ein Brustkrebs außerdem Absiedlungen (Fernmetastasen) in anderen Teilen des Körpers.

    Bei einem örtlichen (lokalen) Rezidiv entsteht in der Brust, die schon einmal von Krebs betroffen war, ein neuer Tumor. Wurde die Brust entfernt, kann der neue Tumor an der Brustwand oder in der darüber liegenden Haut auftreten. „Lokoregionär“ meint, dass sich Krebszellen auch im die Brust umgebenden Gewebe ausgebreitet haben, beispielsweise in der Haut, Achselhöhle oder Schlüsselbeinregion. Der Tumor kann auch in den benachbarten Lymphknoten oder Blutgefäßen gewachsen sein. Wenn in der zuvor gesunden, anderen Brust ein Tumor entsteht, spricht man von einer Neuerkrankung.

    Wenn Brustkrebs erneut auftritt, ist das oft beängstigender als die Erstdiagnose. Doch auch wenn die Erkrankung zurückgekehrt ist, kann der Brustkrebs behandelt werden. Oft ist es möglich, den neuen Tumor zu entfernen und einer weiteren Ausbreitung des Krebses vorzubeugen. Um eine gute Lebensqualität zu erhalten, können Hilfe und Unterstützung im Alltag wichtig sein.

    Bei Brustkrebs bildet sich von der Brustdrüse ausgehend neues, unkontrolliert wachsendes Gewebe. Wenn Brustkrebs nach einer ersten, überstandenen Erkrankung zurückkehrt, spricht man von einem Rezidiv. Es bedeutet in der Regel, dass Krebszellen trotz der Behandlung im Körper verblieben sind und wieder zu wachsen begonnen haben. Das kann auch Jahre und sogar Jahrzehnte nach der Ersterkrankung geschehen. Manchmal bildet ein Brustkrebs außerdem Absiedlungen (Fernmetastasen) in anderen Teilen des Körpers.

    Bei einem örtlichen (lokalen) Rezidiv entsteht in der Brust, die schon einmal von Krebs betroffen war, ein neuer Tumor. Wurde die Brust entfernt, kann der neue Tumor an der Brustwand oder in der darüber liegenden Haut auftreten. „Lokoregionär“ meint, dass sich Krebszellen auch im die Brust umgebenden Gewebe ausgebreitet haben, beispielsweise in der Haut, Achselhöhle oder Schlüsselbeinregion. Der Tumor kann auch in den benachbarten Lymphknoten oder Blutgefäßen gewachsen sein. Wenn in der zuvor gesunden, anderen Brust ein Tumor entsteht, spricht man von einer Neuerkrankung.

    Wie häufig tritt Brustkrebs wieder auf?

    Wie hoch das Risiko ist, dass ein Brustkrebs nach einer erfolgreichen Erstbehandlung erneut auftritt, hängt unter anderem davon ab,

    • in wie vielen Lymphknoten bei der Ersterkrankung Tumorgewebe gewachsen ist,
    • wie groß der Tumor war,
    • wie schnell die Krebszellen gewachsen sind,
    • ob das Wachstum der Krebszellen durch Hormone beeinflusst wurde,
    • vom Lebensalter bei der Ersterkrankung und
    • ob die Krebszellen sich über die Lymphbahnen der Haut ausgebreitet hatten (inflammatorischer Brustkrebs).

    Bei etwa 5 bis 10 von 100 Brustkrebs-Patientinnen kommt es nach brusterhaltender Operation und Bestrahlung innerhalb von zehn Jahren nach der Ersterkrankung zu einem lokalen oder lokoregionären Rezidiv. Wenn bei der Erstbehandlung die Brust entfernt wurde, tritt bei etwa 5 von 100 Frauen innerhalb von zehn Jahren erneut ein örtlich begrenzter Tumor in der Achselhöhle oder Brustwand auf.

    Manche Frauen fragen sich, ob sie mit ihrer Lebensweise dazu beigetragen haben könnten, dass der Tumor zurückgekommen ist. Solche Sorgen sind jedoch unbegründet: Ob Brustkrebs erneut auftritt, hängt nicht von der Lebensweise, den Charaktereigenschaften oder psychischen Belastungen ab.

    Wie wird ein Rezidiv festgestellt?

    Viele Frauen sind nach einer überstandenen Brustkrebserkrankung sehr aufmerksam und achten selbst auf kleinste Veränderungen. Doch viele körperliche Veränderungen oder gesundheitliche Probleme haben nichts mit der vorherigen Krebserkrankung zu tun. Anzeichen für einen erneut auftretenden Brustkrebs können zum Beispiel ein Knoten in der Brust, im Narbengewebe oder im Brustbereich sowie entzündliche Veränderungen der Haut sein. Manche Frauen bemerken solche Veränderungen selbst, bei anderen werden sie bei einer ärztlichen Untersuchung festgestellt, etwa bei Nachsorgeuntersuchungen.

    Die Ärztin oder der Arzt ist der erste Ansprechpartner, wenn der Verdacht besteht, dass der Brustkrebs zurückgekehrt ist. Möglicherweise wird sie oder er für weitergehende Untersuchungen eine Überweisung an ein Krankenhaus, an ein Tumorzentrum oder zertifiziertes Brustzentrum ausstellen. Wer jetzt nicht mehr in der Praxis oder dem Zentrum ist, wo die Ersterkrankung behandelt wurde, sollte möglichst alle Informationen über die vorangegangene Behandlung mitbringen. Es ist auch möglich, einzuwilligen, dass Ärztinnen und Ärzte die betreffenden Informationen untereinander weitergeben.

    Nach einem ausführlichen Gespräch über die Krankengeschichte folgt eine körperliche Untersuchung insbesondere der Brust oder der Brustwandnarbe. Wenn Brustkrebs erneut auftritt, wird die Ärztin oder der Arzt außerdem prüfen, ob sich der Tumor auch in der anderen Brust oder anderswo im Körper ausgebreitet hat. Zeigen sich bei diesen Untersuchungen Auffälligkeiten, wird die jeweilige Körperregion genauer untersucht. Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, wird der Brustkrebs wie schon bei der Ersterkrankung nach einem bestimmten Schema klassifiziert.

    Welche Aussichten hat eine Behandlung?

    Wenn der Tumor vollständig entfernt werden kann und es keine Fernmetastasen gibt, ist auch bei der Diagnose „erneut auftretender Brustkrebs“ eine Heilung möglich.

    Wie gut die Chancen sind, den erneut aufgetretenen Brustkrebs zu kontrollieren, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Sie werden beispielsweise davon beeinflusst,

    • wie groß der Tumor ist,
    • ob er nur im Brustgewebe aufgetreten ist und wo in der Brust er liegt,
    • ob das Wachstum des Tumors durch Hormone beeinflusst wird,
    • ob sich auf den Krebszellen Wachstumsfaktor-Rezeptoren (HER2-Rezeptoren) finden,
    • wie stark die Krebszellen verändert sind,
    • wie viele „Krankheitsherde“ es gibt,
    • ob die Krebszellen sich über die Lymphbahnen der Haut ausgebreitet haben (inflammatorischer Brustkrebs),
    • ob das gesamte Tumorgewebe entfernt werden kann,
    • ob es bereits Fernmetastasen gibt und
    • wie lange die Ersterkrankung zurückliegt.

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Die Standardtherapie bei einem örtlich begrenzten Rezidiv besteht darin, den Tumor durch eine Operation möglichst vollständig zu entfernen. Manchmal werden dabei auch benachbarte Lymphknoten entnommen.

    Operation nach vorausgegangener brusterhaltender Behandlung

    Wenn bei der Ersterkrankung brusterhaltend operiert wurde und nun in derselben Brust wieder ein Tumor auftritt, wird meist empfohlen, die Brust vollständig zu entfernen (Mastektomie). Dabei wird das gesamte Brustdrüsengewebe mit umgebender Haut abgetragen, der Brustmuskel bleibt erhalten. Die Brustwarze kann ebenfalls erhalten werden, wenn sich hier keine Krebszellen finden und ein gleichzeitiger Wiederaufbau geplant ist. Meist werden auch auffällige oder befallene Lymphknoten entfernt.

    Bei kleinen, begrenzten Tumoren kann es möglich sein, erneut brusterhaltend zu operieren. Ob dies infrage kommt, hängt auch von der Lage des Tumors ab und davon, wie viel Zeit seit der Ersterkrankung vergangen ist. Bei einer brusterhaltenden Operation kann eine erneute Nachbestrahlung erforderlich sein.

    Oft besteht die Möglichkeit, die Brust nach einer Mastektomie wieder aufzubauen. Damit kann bereits während der Operation begonnen werden (Sofortrekonstruktion), aber auch erst zu einem späteren Zeitpunkt. Letzteres bietet die Chance, sich in Ruhe mit den Vor- und Nachteilen der möglichen Optionen auseinanderzusetzen. Ein späterer Wiederaufbau der Brust erfordert eine neue Operation und einen erneuten Krankenhausaufenthalt.

    Operation nach vorausgegangener Brustentfernung

    Ein Rezidiv nach Brustentfernung (Mastektomie) bedeutet, dass der Tumor erneut gewachsen ist: im Narbengewebe, an der Brustwand oder in benachbartem Gewebe. Auch dann wird versucht, ihn möglichst vollständig zu entfernen.

    Medikamentöse Therapie

    Wenn ein Tumor aufgrund seiner Größe nicht operativ entfernt werden kann, kann zunächst eine Chemotherapie eingesetzt werden, um ihn zu verkleinern. Eine solche Behandlung wird auch neoadjuvante Therapie genannt.

    Prinzipiell kann auch im Anschluss an die Operation eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein – ähnlich wie bei der Erstbehandlung. Normalerweise werden hier Medikamente eingesetzt, die noch nicht angewendet wurden. Bei Frauen mit einem hormonempfindlichen Tumor ist eine sogenannte Antihormontherapie möglich. Diese soll das Wachstum des Tumorgewebes bremsen.

    Strahlentherapie

    Wenn bei der Erstbehandlung keine Strahlentherapie eingesetzt wurde, kann nun das umliegende Gewebe bestrahlt werden, um vielleicht noch vorhandene Tumorzellen zu zerstören. Auch wenn der Tumor nicht operiert werden kann, wird wahrscheinlich eine Strahlentherapie angeboten. Bereits bestrahltes Gewebe kann erneut bestrahlt werden, wenn die erste Bestrahlung lange zurückliegt – eventuell mit einer niedrigeren Intensität. Wenn die erste Behandlung noch nicht lange zurückliegt, ist das Gewebe in der Regel zu empfindlich für eine erneute Bestrahlung.

    Behandlungsmöglichkeiten abwägen

    Vor der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung ist normalerweise Zeit, sich bei der Ärztin oder dem Arzt über die Chancen und die zu erwartenden Nebenwirkungen zu informieren und mit Angehörigen und nahestehenden Menschen zu sprechen. Man hat immer das Recht, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen und Behandlungen abzulehnen.

    Für die Erstellung des Therapieplans und die Behandlung von Brustkrebs kommen vor allem zertifizierte Brustzentren oder Tumorzentren sowie onkologische Schwerpunktpraxen infrage. Hier arbeiten spezialisierte Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen, die sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen der Erkrankung und Behandlung auf Körper und Psyche auseinandersetzen. Eine Behandlung ist aber auch in einem nicht zertifizierten Krankenhaus oder einer gynäkologischen Praxis möglich. Vielleicht kann auch die Frauenärztin oder der Hausarzt bestimmte Behandlungs- und Nachsorgeschritte übernehmen.

    Welche Folgen hat die Behandlung?

    Werden Lymphknoten im Bereich der betroffenen Brust und der Achsel entfernt, kann sich ein Lymphödem bilden. Dabei schwillt der Arm oder der Brustbereich der betroffenen Seite an, weil sich Lymphflüssigkeit (Lymphe) darin staut. Die rechtzeitige Behandlung von Lymphödemen ist wichtig, denn die Beschwerden können mit der Zeit zunehmen und sind dann schwieriger zu behandeln.

    Je nach Ausmaß der Operation kann es zu Schmerzen und einer verzögerten Wundheilung kommen, fast immer bleibt eine sichtbare Operationsnarbe zurück. Es ist möglich, dass die Empfindsamkeit der Haut und die Beweglichkeit der Schulter nach der Operation eingeschränkt sind. Eine häufige Nebenwirkung begleitender Krebstherapien ist die sogenannte Fatigue (französisch für Müdigkeit), eine lähmende körperliche und geistige Erschöpfung.

    Der Verlust einer oder beider Brüste ist für viele Frauen ein schwerwiegendes Ereignis. Die Brust ist ein Symbol für Weiblichkeit, sexuelle Attraktivität und Mütterlichkeit. Ihr Verlust kann Ängste hervorrufen, nicht mehr attraktiv zu sein, Sexualität nicht mehr genießen zu können oder gar den Partner zu verlieren. Es kann daher vor der Entscheidung für oder gegen einen operativen Eingriff sinnvoll sein, eine Zweitmeinung und weiterführende Informationen einzuholen. Bei einer Brustentfernung kann auch ein Wiederaufbau der Brust eine Möglichkeit sein. In der Regel ist es nicht nötig, die Entscheidung zu überstürzen.

    Was kann ich für mein Allgemeinbefinden tun?

    Für Frauen mit einer Brustkrebserkrankung ist es wichtig, auf das eigene Wohlbefinden zu achten. Einige Möglichkeiten, die Behandlung aktiv zu begleiten und sich etwas Gutes zu tun, sind

    • sich, wenn möglich, regelmäßig zu bewegen,
    • zu essen, was man gut verträgt und worauf man Appetit hat,
    • das richtige Maß von Aktivität und Entspannung zu finden,
    • für einen möglichst erholsamen Schlaf zu sorgen und
    • generell Dinge zu tun, die Freude machen.

    Ein angepasstes Bewegungsprogramm ist auch eine Möglichkeit, Erschöpfungszustände (Fatigue) zu mildern und besser zu schlafen, die Stimmung aufzuhellen und den eigenen Körper wieder positiver wahrzunehmen. Im Rahmen der Krebsnachsorge gibt es die Möglichkeit, an speziellen Sportangeboten teilzunehmen. Wichtig ist, Spaß an der Bewegung zu haben, sich dabei wohl zu fühlen und nicht zu überfordern.

    Viele Menschen glauben, dass bestimmte Ernährungsweisen oder Diäten Krebs vorbeugen oder zur Heilung beitragen könnten. Verlässliche Untersuchungen zum Einfluss der Ernährung auf Brustkrebs konnten bisher jedoch keine direkten Auswirkungen auf das Erkrankungsrisiko oder den Krankheitsverlauf finden.

    Wie gehe ich mit negativen Gefühlen um?

    Neue Ängste und Enttäuschung über den gesundheitlichen Rückschlag, aber auch Wut über die Ungerechtigkeit der Situation oder Neid auf Menschen, die gesund sind: All diese Gefühle sind normal und kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben. Auf Dauer ist es aber wahrscheinlich besser für das eigene Wohlbefinden, mit negativen Gefühlen und Gedanken so umgehen zu lernen, dass auch Raum für anderes bleibt.

    Viele Frauen berichten, dass sie es entlastend finden, Angst, Sorgen und Verzweiflung zuzulassen und mit Nahestehenden darüber zu reden. Neben Gesprächen mit dem Partner oder der Partnerin, mit Angehörigen, Freundinnen und Freunden kann die Beratung durch psychologisch geschulte Fachkräfte hilfreich sein. Seelsorgerische oder spirituelle Begleitung gibt es in der Gemeinde oder auch im Krankenhaus. Auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe ist möglich.

    Manchmal tut es auch gut, Ängste und Sorgen für eine Weile einfach wegzuschieben. Sich durch angenehme Dinge oder Aktivitäten abzulenken, kann helfen, Ängste und Anspannung auf ein erträgliches Maß zu verringern.

    Wie spreche ich mit meinen Angehörigen?

    Frauen mit Brustkrebs machen sich oft Gedanken, welchen Einfluss die Erkrankung auf ihre Partnerschaft und – wenn sie Mütter sind – auf ihre Kinder haben könnte. Die Belastungen der Behandlung lassen die Sexualität meist für eine Weile in den Hintergrund treten. Sie können den Alltag verändern und viele Absprachen erfordern. All das kann zu Konflikten führen. Wichtig ist, mit dem Partner oder der Partnerin im Gespräch zu bleiben. Wer an die eigenen Grenzen kommt, kann sich einzeln oder als Paar psychologisch beraten und unterstützen lassen.

    Ob die Kinder noch klein sind oder schon erwachsen – für viele Mütter ist es schwierig, mit ihren Kindern oder Enkelkindern über das erneute Auftreten ihrer Erkrankung zu sprechen. Erinnerungen an die Zeit der Ersterkrankung und die damit verbundenen Ängste werden wach, neue Sorgen kommen hinzu. Doch auch wenn man die Kinder am liebsten davor schützen würde: Kinder spüren, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Deshalb ist es sinnvoll, ehrlich mit ihnen darüber zu sprechen, dass die Krankheit zurückgekehrt ist, dass vielleicht weitere Behandlungen bevorstehen und wieder öfter eine Ruhepause nötig ist.

    Jüngere Kinder fürchten oft, dass sie schuld an der Erkrankung sein könnten. Dann ist es wichtig, ihnen immer wieder zu erklären, dass das nicht der Fall ist. Kinder brauchen in einer solchen Situation einen möglichst geregelten Alltag und viel liebevolle Zuwendung. Mitunter können Freunde und Verwandte hier einspringen, aber auch psychologische Fachkräfte können eine wertvolle Unterstützung sein. Für Mütter mit Brustkrebs gibt es auch die Möglichkeit, gemeinsam mit ihrem Kind oder ihren Kindern eine Rehabilitation zu machen.

    Wo bekomme ich Unterstützung?

    Die Diagnose „örtlich begrenztes Rezidiv“ zu verkraften und die damit zusammenhängenden existenziellen Ängste und Unsicherheiten zu verarbeiten, ist alles andere als einfach. Auch die erneute Krebsbehandlung kann körperlich und emotional sehr belastend sein. Daher wird heute bei einer guten Therapie auch eine psychoonkologische Behandlung angeboten. Psychoonkologinnen und -onkologen sind speziell ausgebildete psychologische, medizinische und / oder sozialpädagogische Fachkräfte, die Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen bei der Bewältigung der Erkrankung unterstützen, wenn sie dies wünschen.

    Im Krankenhaus übernehmen vor allem Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte die psychoonkologische Begleitung. Dies kann in Zusammenarbeit mit psychoonkologischen Diensten geschehen. Psychoonkologische Angebote gibt es auch im Rahmen der Rehabilitation. Wer (wieder) zu Hause ist, kann ambulante psychoonkologische Angebote in Anspruch nehmen.

    Bei länger anhaltenden Ängsten oder anderen negativen Gefühlen gehören auch verschiedene Formen der Psychotherapie zu den unterstützenden Angeboten. Eine Therapie oder Beratung ist einzeln, zusammen mit dem Partner, der Partnerin oder in einer Gruppe mit anderen Betroffenen möglich.

    Eine Methode, Stress abzubauen, mit Ängsten und mit den Auswirkungen der Behandlung besser zurechtzukommen, ist das Erlernen von Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Übungen zur Lenkung der Wahrnehmung. Entspannungskurse werden häufig in Rehakliniken, aber auch in ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxen angeboten. Wenn sie ärztlich verschrieben werden, übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

    In Selbsthilfegruppen finden Patientinnen Kontakte zu anderen Frauen, die die mit der Erkrankung verbundenen Gefühle und praktischen Probleme aus eigener Erfahrung kennen. Diese Erfahrung kennen Frauen mit erneut auftretendem Brustkrebs vielleicht schon von der Ersterkrankung: In einer Selbsthilfegruppe ist es möglich, Themen anzusprechen, die mit nicht krebskranken Menschen oft schwierig zu erörtern sind. Das kann eine große Entlastung sein. Viele Frauen berichten, dass ihnen die Solidarität und Hilfsbereitschaft in einer Gruppe Kraft gibt. Selbsthilfegruppen machen oft auch weitere Angebote, etwa Sportgruppen oder Hilfe in sozialrechtlichen Fragen.

    Für den Alltag stehen vielfältige Hilfen und finanzielle Leistungen zur Verfügung – dazu gehören zum Beispiel das Krankengeld sowie Hilfen bei der Pflege, aber auch im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die dazu beraten und bei einer Antragstellung helfen können. Sowohl bei persönlichen Entscheidungen als auch in finanziellen und sozialrechtlichen Fragen können Fachkräfte helfen. Eine individuelle Beratung – telefonisch oder persönlich – gibt es beispielsweise bei

    • dem Krebsinformationsdienst,
    • den Krebsberatungsstellen verschiedener Träger,
    • der Kranken- und Rentenversicherung sowie
    • örtlichen (psycho-)sozialen Beratungsstellen; Ansprechpartner kann das Sozial- und das Gesundheitsamt nennen.

    Auch der Kliniksozialdienst kann helfen, weitere soziale oder finanzielle Hilfen zu beantragen. Reha-Servicestellen informieren zu medizinischer und beruflicher Rehabilitation und helfen bei der Antragstellung. Adressen sind bei der Krankenkasse oder Rentenversicherung erhältlich.

    Wie kann ich mein Leben gestalten?

    Oft ist die Angst vor einem weiteren Fortschreiten der Erkrankung bei einem lokalen oder lokoregionären Rezidiv noch größer als bei einer Ersterkrankung. Doch so wie die Erkrankung und ihre Behandlung immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringen, kann sich auch der Umgang mit dem Brustkrebs immer wieder verändern. Es gibt kein Patentrezept, wie dies gelingen kann: Jeder Mensch geht anders mit einer solchen Erkrankung um und muss seinen ganz persönlichen Weg finden.

    Viele Frauen berichten, dass sie sich nach einer anfänglichen Phase der tiefen Niedergeschlagenheit allmählich neu orientieren, vieles anders bewerten und sich selbst oft reifer und bewusster als zuvor erleben. Sie versuchen, möglichst in der Gegenwart zu leben, jeden Tag zu nutzen und zu genießen. Manche Frauen verändern ihren Alltag und verfolgen neue Interessen. Andere finden Halt, indem sie so normal wie möglich weiterleben und versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen.  

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO). Diagnostik und Therapie primärer und metastasierter Mammakarzinome: Loko-regionäres Rezidiv. Empfehlungen der AGO Kommission Mamma. 01.2017.

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. AWMF-Registernr.: 032–045OL. 08.2019.

    Kenne Sarenmalm E, Thoren-Jönsson AL, Gaston-Johansson F, Ohlen J. Making sense of living under the shadow of death: adjusting to a recurrent breast cancer illness. Qual Health Res 2009; 19(8): 1116-1130.

    Krebsinformationsdienst (KID). Brustkrebs - was tun bei einem Lokalrezidiv? 28.01.2014.

    Krebsinformationsdienst (KID). Rehabilitation nach Krebs: Was hilft beim Gesundwerden? 13.07.2016.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Das deutsche Programm zur Mammographie-Früherkennung

    In Deutschland haben Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine kostenlose Mammographie-Untersuchung. Sie soll Brustkrebs möglichst früh entdecken, um ihn besser behandeln zu können und die Heilungschancen zu erhöhen. Allerdings hat die Früherkennungs-Untersuchung auch Nachteile: Sie kann zum Beispiel zu unnötigen Behandlungen führen.

    Die Mammographie-Früherkennung wird auch Mammographie-Screening genannt. Screening bedeutet, dass allen Menschen einer Altersgruppe eine bestimmte Untersuchung angeboten wird. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Jede Frau zwischen 50 und 69 erhält alle zwei Jahre von den sogenannten Zentralen Stellen des Mammographie-Programms ein Einladungsschreiben mit einem Terminvorschlag und einer Informationsbroschüre. Ob sie an der Untersuchung teilnehmen möchte oder nicht, entscheidet sie selbst.

    Bei der Mammographie wird die Brust geröntgt. Um eine hohe Qualität der Untersuchung zu sichern, findet sie nur in spezialisierten Einrichtungen statt, die zum deutschen Mammographie-Screening-Programm gehören.

    Wichtig zu wissen: Die Mammographie kann nicht verhindern, dass Brustkrebs entsteht.

    Vor der Untersuchung hat jede Frau das Recht auf eine persönliche Aufklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt des Mammographie-Programms. Dazu muss sie vorher einen eigenen Termin über die Zentrale Stelle vereinbaren. Bei der Mammographie selbst sind in der Regel keine Ärztinnen oder Ärzte anwesend.

    In Deutschland haben Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine kostenlose Mammographie-Untersuchung. Sie soll Brustkrebs möglichst früh entdecken, um ihn besser behandeln zu können und die Heilungschancen zu erhöhen. Allerdings hat die Früherkennungs-Untersuchung auch Nachteile: Sie kann zum Beispiel zu unnötigen Behandlungen führen.

    Die Mammographie-Früherkennung wird auch Mammographie-Screening genannt. Screening bedeutet, dass allen Menschen einer Altersgruppe eine bestimmte Untersuchung angeboten wird. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Jede Frau zwischen 50 und 69 erhält alle zwei Jahre von den sogenannten Zentralen Stellen des Mammographie-Programms ein Einladungsschreiben mit einem Terminvorschlag und einer Informationsbroschüre. Ob sie an der Untersuchung teilnehmen möchte oder nicht, entscheidet sie selbst.

    Bei der Mammographie wird die Brust geröntgt. Um eine hohe Qualität der Untersuchung zu sichern, findet sie nur in spezialisierten Einrichtungen statt, die zum deutschen Mammographie-Screening-Programm gehören.

    Wichtig zu wissen: Die Mammographie kann nicht verhindern, dass Brustkrebs entsteht.

    Vor der Untersuchung hat jede Frau das Recht auf eine persönliche Aufklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt des Mammographie-Programms. Dazu muss sie vorher einen eigenen Termin über die Zentrale Stelle vereinbaren. Bei der Mammographie selbst sind in der Regel keine Ärztinnen oder Ärzte anwesend.

    Was passiert, wenn man nicht teilnehmen möchte?

    Wenn eine Frau sich nicht untersuchen lassen möchte, wird sie nach zwei Jahren erneut eingeladen – es sei denn, sie lehnt künftige Einladungen ab. Für ihre Krankenversicherung hat dies keine Folgen: Sollte sie irgendwann einmal an Brustkrebs erkranken, übernimmt ihre Krankenkasse selbstverständlich die Behandlungskosten.

    Was geschieht bei der Mammographie?

    Die Untersuchung wird in dafür vorgesehenen Räumen einer Praxis oder Klinik in der Region angeboten, manchmal auch in speziell dafür ausgerüsteten Fahrzeugen. Diese Einrichtungen werden auch „Screening-Einheiten“ genannt.

    Die Untersuchung wird von einer Röntgenassistentin betreut. Sie macht von jeder Brust zwei Röntgenaufnahmen aus unterschiedlichen Richtungen. Dafür wird die Brust zwischen zwei Platten gedrückt. Das kann unangenehm oder schmerzhaft sein, schadet der Brust aber nicht. Je flacher die Brust gedrückt wird, desto weniger Röntgenstrahlung ist nötig und desto aussagekräftiger ist die Aufnahme.

    Die Mammographie-Aufnahmen werden in den folgenden Tagen sorgfältig ausgewertet. Zwei Ärztinnen oder Ärzte suchen unabhängig voneinander die Aufnahmen nach Veränderungen ab. Auffällige Befunde werden durch eine weitere Spezialistin oder einen Spezialisten begutachtet.

    Ein Brief mit dem Ergebnis wird in der Regel innerhalb von sieben Werktagen nach der Untersuchung zugesandt. Die meisten Frauen erhalten einen unauffälligen Befund.

    Wichtig ist: Auch wenn der Befund auffällig sein sollte, bedeutet das noch lange nicht, dass Brustkrebs gefunden wurde.

    Wie geht es nach einem auffälligen Befund weiter?

    Allein aufgrund der Röntgenbilder können auch Spezialistinnen und Spezialisten nicht immer sicher entscheiden, ob eine Auffälligkeit gut- oder bösartig ist. Es ist daher nötig, den Befund weiter untersuchen zu lassen.

    Dazu lädt die verantwortliche Ärztin oder der verantwortliche Arzt die Frau erneut ein. Bei der nächsten Untersuchung wird die Brust mit Ultraschall untersucht oder erneut geröntgt. Oft lässt sich so bereits ein Krebsverdacht ausschließen.

    Wenn das nicht möglich ist, wird die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) aus der Brust empfohlen. Dies geschieht unter lokaler Betäubung mit einer Hohlnadel. Das Gewebe wird anschließend von Fachärztinnen oder -ärzten unter dem Mikroskop begutachtet.

    Im Anschluss werden die Befunde dieser Untersuchungen von einer Ärztegruppe beraten. Das Ergebnis wird in der Regel innerhalb einer Woche mitgeteilt. In etwa der Hälfte der Fälle stellt sich heraus, dass es kein Brustkrebs ist.

    Was bedeutet es, wenn Brustkrebs festgestellt wird?

    Eine Brustkrebsdiagnose ist erstmal ein Schock. Die Heilungschancen können jedoch sehr gut sein. Sie hängen vor allem davon ab, wie weit der Krebs fortgeschritten ist.

    Den meisten Frauen wird eine Operation empfohlen. Dabei werden in der Regel entweder der Tumor und das umliegende Gewebe entfernt, seltener die gesamte Brust. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind Bestrahlung, Hormon- und Chemotherapie. Welche Behandlung infrage kommt, hängt auch von der genauen Diagnose ab.

    Die Mammographie-Früherkennung in Zahlen: Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

    Wenn man sich 1000 Frauen vorstellt, die in der nächsten Woche am Mammographie-Programm teilnehmen, sind in etwa diese Untersuchungsergebnisse zu erwarten:

    • Etwa 970 von 1000 Frauen erhalten nach der Untersuchung einen unauffälligen Befund. Das bedeutet für viele Frauen eine Erleichterung.
    • Etwa 30 von 1000 Frauen erhalten einen auffälligen Befund und einen Termin für weitere Untersuchungen.
    • Bei 24 der 30 Frauen mit auffälligem Befund stellt sich nach weiteren Untersuchungen heraus, dass sie keinen Brustkrebs haben. Die Nachricht, dass bei einer Mammographie eine Auffälligkeit gefunden wurde, macht oft Angst. Die Zeit bis zum endgültigen Ergebnis wird von den meisten Frauen als sehr belastend erlebt. Auch wenn sich ein Verdacht nicht bestätigt, kann diese Erfahrung nachwirken.
    • Bei 6 der 30 Frauen mit auffälligem Befund bestätigt sich der Verdacht. Sie erhalten die Diagnose Brustkrebs. Diese Frauen bekommen von der Ärztin oder dem Arzt der Mammographie-Screening-Einheit einen eigenen Termin, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Natürlich ist es auch möglich, sich an die eigene Frauenarztpraxis zu wenden.

    Nach der Untersuchung: Bei etwa 2 von 1000 Frauen wird innerhalb der zwei Jahre bis zur nächsten Einladung Brustkrebs festgestellt. Meistens handelt es sich um Krebs, der erst nach der letzten Untersuchung herangewachsen ist. Zudem können trotz aller Sorgfalt Tumore in der Mammographie übersehen werden. Dies ist aber selten.

    Diese Zahlen gelten für eine Untersuchung. Im Laufe des Früherkennungsprogramms kann eine Frau an bis zu zehn Mammographien teilnehmen. In jeder dieser Untersuchungen kann es zu einem Verdachtsbefund kommen.

     Grafik: Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Frauen untersucht werden?Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Frauen untersucht werden?

    Welche Formen von Brustkrebs werden festgestellt?

    Bei etwa 5 von 6 Frauen mit Brustkrebsdiagnose wird ein invasiver Tumor festgestellt. Ohne Behandlung breitet sich ein solcher Krebs oft im Körper aus.

    Bei etwa einer von 6 Frauen mit Brustkrebsdiagnose wird durch die Mammographie eine Veränderung der Brust gefunden, die Duktales Carcinoma in Situ (DCIS) genannt wird. Bei dieser Diagnose haben sich Zellen in den Milchgängen der Brust verändert. Sie liegen nur innerhalb der Milchgänge und haben sich nicht in anderes Gewebe ausgebreitet. Bei einem Teil der Frauen bleibt das DCIS harmlos, bei anderen entwickelt es sich zu einem invasiven Tumor weiter. Da sich bei keiner Frau vorhersagen lässt, ob das DCIS harmlos bleibt, wird in der Regel zur Behandlung geraten.

    Was sind Überdiagnosen?

    Bei einem Teil der Frauen wird Brustkrebs diagnostiziert, der ohne Früherkennungs-Untersuchung nie aufgefallen wäre. Ein Grund: Es gibt kleine Tumore, die langsam oder gar nicht wachsen. Manche Frauen sterben an anderen Ursachen, bevor sich ein Tumor bemerkbar machen kann. Die Diagnosen solcher Tumore werden Überdiagnosen genannt, weil sie zeitlebens keine Probleme verursacht hätten. Ob ein entdeckter Tumor weiter wächst, können Ärztinnen und Ärzte jedoch nicht sicher vorhersagen und raten in der Regel zur Behandlung.

    Überdiagnosen führen daher zu Operationen oder Bestrahlungen, die unnötig sind. Überdiagnosen sind etwas anderes als Auffälligkeiten im Röntgenbild, die sich bei weiteren Untersuchungen schließlich doch als harmlos herausstellen. Überdiagnosen können bei allen Früherkennungs-Untersuchungen auftreten.

    Regelmäßige Teilnahme: Was sind die Vor- und Nachteile?

    Mehrere Studien haben untersucht, was Frauen langfristig erwarten können, wenn sie regelmäßig an der Mammographie teilnehmen. Anhand dieser Studien lassen sich wichtige Vor- und Nachteile abschätzen.

    Ein wichtiger Vorteil: Bessere Heilungschancen. Die Mammographie kann Brustkrebs im Frühstadium entdecken. Dadurch sinkt das Risiko an Brustkrebs zu sterben.

    Ein wichtiger Nachteil: Risiko von Überdiagnosen. Die Mammographie kann zu unnötigen Brsutkrebsdiagnosen führen. Diese können unnötige Behandlungen wie Operationen und Bestrahlungen zur Folge haben.

    In Zahlen: Heilungschancen

    Die folgende Tabelle und Grafik fassen zusammen, welche Heilungschancen Frauen in etwa erwarten können, wenn sie zwischen 50 und 69 Jahren regelmäßig am Mammographie-Programm teilnehmen.

     Grafik: Wenn 1000 Frauen regelmäßig an der mammographie teilnehmen, werden etwa 2 bis 6 vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt.In Zahlen: Heilungschancen

    In Zahlen: Risiko von Überdiagnosen

    Die folgende Tabelle und Grafik fassen zusammen, wie viele Frauen in etwa eine Überdiagnose erhalten, wenn sie zwischen 50 und 69 Jahren regelmäßig am Mammographie-Programm teilnehmen.

     Grafik: Wenn 1000 Frauen regelmäßig an der Mammographie-Früherkennung teilnehmen, erhalten etwa 9 bis 12 eine Überdiagnose.In Zahlen: Risiko von Überdiagnosen

      

    Wie hoch ist die Strahlendosis?

    Bei der Mammographie werden Röntgenstrahlen eingesetzt. Je dichter das Brustgewebe ist, desto höher muss die Strahlendosis sein, um ein genaues Bild zu bekommen. Auch dann ist die Strahlendosis so niedrig, dass sie normalerweise keine Folgen hat. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass die regelmäßigen Röntgenuntersuchungen über einen Zeitraum von 20 Jahren bei höchstens 1 von 1000 Frauen zur Entstehung von Bustkrebs beitragen können.

    Gibt es Alternativen zum Mammographie-Früherkennungs-Programm?

    Manchen Frauen werden andere Angebote zur Früherkennung von Brustkrebs gemacht, wie Ultraschalluntersuchungen der Brust oder eine Magnetresonanztomografie (MRT). Ob diese Untersuchungen wie die Mammographie das Risiko verringern, an Brustkrebs zu sterben, ist jedoch unklar. Diese Untersuchungen können häufiger als die Mammographie zu Überdiagnosen führen und zu auffälligen Befunden, die sich als harmlos herausstellen.

    Die Mammographie darf zur Früherkennung nur im Rahmen des deutschen Programms eingesetzt werden, für das strenge Vorschriften zur Sicherung der Qualität gelten. Außerhalb des Programms dienen Mammographien dazu, auf andere Weise entdeckte Veränderungen der Brust zu untersuchen. Diese Mammographien unterliegen nicht denselben Qualitätsanforderungen. Zum Beispiel werden die Röntgenbilder nicht von zwei Fachärztinnen oder -ärzten ausgewertet.

    Die Grenzen der Früherkennung

    Eine regelmäßige Teilnahme an der Mammographie kann nicht verhindern, dass Brustkrebs entsteht. Sie soll Krebs aber früh genug finden.

    Die Mammographie kann nicht alle Tumore entdecken. Manche entwickeln sich wenige Monate nach einem Untersuchungstermin.

    Deshalb ist es wichtig, sich direkt an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden, wenn in der Zeit bis zur nächsten Mammographie Veränderungen in der Brust auffallen, wie etwa

    • tastbare Knoten, Dellen oder Verhärtungen der Haut,
    • sichtbare Verformungen, Hautveränderungen oder Einziehungen der Brustwarze,
    • Blutungen oder andere Absonderungen aus der Brustwarze.

    Überwiegen die Vorteile oder die Nachteile der Mammographie-Früherkennung?

    Frauen bewerten die Vor- und die Nachteile der Mammographie für sich unterschiedlich. Manche möchten die Früherkennung nutzen, da für sie die Vorteile überwiegen. Andere entscheiden sich dagegen, weil die Nachteile für sie schwerer wiegen.

    Die mit der Einladung zur Mammographie versendete Broschüre "Mammographie-Screening - eine Entscheidungshilfe" enthält am Ende eine Tabelle, die die wesentlichen Aussagen zum Mammographie-Programm noch einmal zusammenfasst. Wer möchte, kann mithilfe der Tabelle abwägen, was für oder gegen die Teilnahme spricht – oder vielleicht auch keine große Bedeutung hat. Die Tabelle lässt sich auch für ein Gespräch mit Ärzten nutzen. Die Entscheidungshilfe kann man auch beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) herunterladen.

    Was passiert mit den persönlichen Daten?

    Der Umgang mit persönlichen Daten unterliegt den deutschen Datenschutzgesetzen. Alle Daten werden im Mammographie-Programm genauso vertraulich behandelt wie in einer normalen Arztpraxis. Die Ärztinnen, Ärzte und das gesamte Personal unterliegen der Schweigepflicht.

    Die Ergebnisse der Untersuchungen werden regelmäßig zentral ausgewertet. Das ist wichtig, um die Qualität des Programms überwachen zu können. Für diese Auswertungen werden persönliche Daten wie Name oder Adresse nicht benötigt und nicht weitergegeben. Die Auswertungen können also nicht auf eine einzelne Frau hinweisen.

    Verantwortlich für den Umgang mit persönlichen Daten ist die „Zentrale Stelle“, die auch die Einladungsschreiben verschickt.

    Quellen

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G BA). Informationen zum Mammographie-Screening. Berlin, 8.11.2017.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Einladungsschreiben und Merkblatt zum Mammographie-Screening: Abschlussbericht; Auftrag P14-03. 16.09.2016 (IQWiG-Berichte; Band 435).

    Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Ergebnisse des Mammographie-Screening-Programms in Deutschland: Evaluationsbericht 2015. Berlin, November 2017.

    Robert Koch-Institut (RKI). Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung in Deutschland: Krebs in Deutschland 2011/2012 "Brustdrüse". Berlin. RKI, 2015.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Brustkrebs: Behandlung von Lymphödemen

    Der Arm fühlt sich schwer an, er kribbelt oder spannt, und Ringe sitzen eng am Finger: Nach einer Brustkrebs-Behandlung können dies Warnzeichen für ein Lymphödem sein. Es früh zu erkennen und rasch etwas gegen die Schwellung zu unternehmen, kann entscheidend sein. Denn mit der Zeit können sich die Beschwerden verstärken.

    In den Industrieländern treten Schwellungen infolge einer Stauung der Lymphflüssigkeit (Lymphödeme) am häufigsten bei Frauen auf, die wegen einer Brustkrebs-Erkrankung operiert oder bestrahlt worden sind. Doch auch Menschen, die wegen einer anderen Krebsart behandelt worden sind, können damit zu tun haben – und einige wenige Menschen haben ein Lymphödem, ohne jemals an Krebs erkrankt gewesen zu sein.

    Der Arm fühlt sich schwer an, er kribbelt oder spannt, und Ringe sitzen eng am Finger: Nach einer Brustkrebs-Behandlung können dies Warnzeichen für ein Lymphödem sein. Es früh zu erkennen und rasch etwas gegen die Schwellung zu unternehmen, kann entscheidend sein. Denn mit der Zeit können sich die Beschwerden verstärken.

    In den Industrieländern treten Schwellungen infolge einer Stauung der Lymphflüssigkeit (Lymphödeme) am häufigsten bei Frauen auf, die wegen einer Brustkrebs-Erkrankung operiert oder bestrahlt worden sind. Doch auch Menschen, die wegen einer anderen Krebsart behandelt worden sind, können damit zu tun haben – und einige wenige Menschen haben ein Lymphödem, ohne jemals an Krebs erkrankt gewesen zu sein.

    Was ist ein Lymphödem?

    Bei einem Lymphödem schwillt ein Körperteil an, weil sich Lymphflüssigkeit (Lymphe) darin staut. Die Lymphe ist eine klare Flüssigkeit, die durch den ganzen Körper fließt. „Ödem“ (griechisch) bedeutet Schwellung aufgrund einer Flüssigkeitseinlagerung.

    Das Lymphsystem ist ein wichtiger Teil des Abwehrsystems unseres Körpers: Es ist unter anderem für die Bekämpfung von Infektionen zuständig. Ein Lymphödem entsteht, wenn Lymphgefäße oder Lymphknoten geschädigt sind. Zuerst schwillt der betroffene Körperteil an, weil sich Flüssigkeit im Körpergewebe ansammelt und nicht mehr richtig abtransportiert werden kann. Wenn sich das Ödem verstärkt, ist das Infektionsrisiko erhöht. Bleibt die Schwellung über längere Zeit bestehen, kann das dazu führen, dass die Flüssigkeit sehr tief in das Gewebe eindringt. Das kann eine Fibrose hervorrufen – eine Verdichtung und Verhärtung des Gewebes, die sehr schwer zu behandeln ist.

     

     

    Wodurch entsteht ein Lymphödem?

    Operationen und Bestrahlungen können die Lymphgefäße unterbrechen. Bei einer Brustkrebsoperation kann es nötig sein, Lymphknoten aus der Achselhöhle zu entfernen, um festzustellen, ob sie Krebszellen enthalten. Manchmal ist die Schädigung der Lymphknoten auch ein nicht beabsichtigter Nebeneffekt der Behandlung. Dies lässt sich nicht immer vermeiden – auch wenn Chirurginnen und Chirurgen versuchen, so schonend wie möglich zu operieren.

    Direkt nach der Operation ist ein Lymphödem nicht ungewöhnlich. Normalerweise ist es eher schwach ausgeprägt und nach einigen Wochen oder Monaten wieder verschwunden. Man kann nicht genau vorhersagen, bei wem sich ein Lymphödem entwickeln wird und ob sich die Beschwerden später verstärken oder dauerhaft bestehen bleiben. Man weiß nur, dass Übergewicht das Risiko für ein Lymphödem erhöht.

    Ein Lymphödem kann auch noch Monate oder Jahre nach einer Krebsbehandlung auftreten. Etwa 6 bis 20 von 100 Frauen, die wegen Brustkrebs operiert oder bestrahlt wurden, entwickeln ein Lymphödem, meist im ersten oder zweiten Jahr nach der Krebsbehandlung. Nach einer Brustkrebs-Operation bildet sich ein Lymphödem meist im Arm, manchmal aber auch an der Hand oder im Brustbereich.

    Das Risiko für ein Lymphödem hängt davon ab, wie während der Operation vorgegangen wird. Früher wurden in der Regel zehn und mehr Achsel-Lymphknoten entfernt. Nach einem solchen Eingriff bildet sich bei etwa 20 von 100 Frauen ein Lymphödem. Gibt es nach Voruntersuchungen keinen Hinweis auf einen Befall der Achsel-Lymphknoten, wird mittlerweile nur noch der sogenannte Wächterlymphknoten entfernt und untersucht. In diesem Lymphknoten würden sich bei einer Ausbreitung des Tumors als erstes Krebszellen finden. Ist er nicht befallen, müssen die anderen Lymphknoten in der Achselhöhle nicht entfernt werden. Nach diesem Vorgehen bekommen etwa 6 von 100 operierten Frauen ein Lymphödem.  

    Wie entwickelt sich ein Lymphödem?

    Ein Lymphödem macht sich nach einer Brustkrebsoperation häufig zunächst durch folgende Anzeichen bemerkbar:

    • Der Arm auf der betroffenen Seite fühlt sich schwer und aufgedunsen an,
    • die Haut des Arms ist warm und angespannt,
    • die Hand und der Arm lassen sich schlechter bewegen und drehen; die Schulter schmerzt,
    • Kleidung und Schmuck sitzen zu eng und sind unbequem,
    • der Arm sieht angeschwollen aus.

    Ein Lymphödem entwickelt sich stufenweise. Zuerst fühlt sich die Schwellung weich an und verschwindet vielleicht wieder, wenn man den Arm ausruht oder hochlegt. Eine Delle bleibt zurück, wenn man mit dem Finger darauf drückt. Andere Menschen bemerken das Ödem möglicherweise gar nicht: Ein Arm ist in diesem Stadium nur geringfügig dicker, im Umfang oft nur ungefähr einen Zentimeter.

    Wenn die Schwellung über einige Zeit bestehen bleibt, verändert sich das Lymphödem, und der Arm sowie die Haut fühlen sich straff oder hart an. Es bleibt keine Delle mehr zurück, wenn die Schwellung mit dem Finger eingedrückt wird. Auch das Hochlegen bringt keine Erleichterung mehr.

    Wenn sich das Lymphödem weiter verstärkt, wird die Schwellung sehr auffällig und schmerzt oft stark. Jetzt kann sich der Arm taub anfühlen, Bewegungen können schwieriger werden. Die Haut verändert sich sichtbar: Es entstehen Stellen mit verdickter Haut und Bläschen. Möglicherweise steigt in diesem Stadium die Anfälligkeit für Infektionen und Entzündungen.

    Wie wird ein Lymphödem festgestellt?

    Nach einer Krebsbehandlung ist es für eine Ärztin oder einen Arzt oft sehr leicht, herauszufinden, ob ein Lymphödem die Ursache für eine Schwellung ist. Die einfachste Methode ist es, den Arm- oder Beinumfang zu messen.

    Vielleicht nimmt die Ärztin oder der Arzt auch einige Untersuchungen mit einem Ultraschallgerät vor. Dabei lässt sich feststellen, ob die Flüssigkeiten in den Blut- und Lymphgefäßen irgendwo gestaut sind. Auch andere sogenannte bildgebende Verfahren können zur Diagnose eingesetzt werden.

    Wie kann ein Lymphödem behandelt werden?

    Die Therapie eines Lymphödems besteht meist aus mehreren Elementen: Kompressionstherapie, Lymphdrainage, Bewegungsübungen und Hautpflege. Eine solche kombinierte Behandlung kann helfen, das Lymphödem zu verkleinern und die Beschwerden zu lindern.

    Kompressionstherapie: Kompressionsbandagen oder -armstrümpfe üben einen leichten Druck auf den Arm aus und erleichtern es den Lymphgefäßen, die Lymphflüssigkeit abzutransportieren. Man trägt sie tagsüber und zieht sie nachts aus, manche Menschen benutzen sie aber auch während der Nacht.

    Lymphdrainage: Diese spezielle, sanfte Massagetechnik soll helfen, die angestaute Flüssigkeit aus dem Körpergewebe abzutransportieren. Ob sie tatsächlich hilft, ist jedoch umstritten. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass die Lymphdrainage, wenn überhaupt, nur eine geringe Wirkung hat. Einige Untersuchungen stellen sogar infrage, ob sie zusätzlich zu Bewegungsübungen und Kompression überhaupt einen Nutzen hat.

    Bewegungsübungen: Ein Programm mit geeigneten Übungen wird genau auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut beobachtet außerdem, wie sich die Übungen auswirken. Früher wurde eher dazu geraten, sich nach einer Brustkrebs-Operation zu schonen. Man vermutete, dass Bewegung das Risiko für die Entstehung eines Lymphödems erhöht. Mittlerweile zeigen Untersuchungen, dass das nicht der Fall ist.

    Hautpflege: Ein Lymphödem zieht auch die Haut in Mitleidenschaft. Es ist deshalb wichtig, die Haut regelmäßig mit Feuchtigkeitscremes oder -lotionen zu pflegen. Therapeutische Fachkräfte können dabei helfen.

    Nebenwirkungen treten durch die kombinierte Behandlung mit Kompression, Bewegung, Lymphdrainage und Hautpflege kaum auf und sind eher leicht. Bei weniger als einer von 100 Frauen kommt es zu Hautirritationen, Arm- oder Kopfschmerzen.

    Kompressionspumpen können eine Ergänzung sein, wenn die kombinierte Behandlung nicht ausreichend hilft. Weitere Therapiemöglichkeiten sind zum Beispiel eine Laserbehandlung oder eine Operation. Wie gut diese helfen, lässt sich derzeit schlecht beurteilen.

    Was kann ich selbst tun?

    Meist zeigt die Therapeutin oder der Therapeut einige Bewegungsübungen und vielleicht auch Massagetechniken für die Anwendung zu Hause. Solange sich die Schwellung nach den Übungen oder auch nach bestimmten Sport- und Bewegungsarten nicht verstärkt, sollte es kein Problem sein, damit weiterzumachen. Auch ein Krafttraining mit Gewichten kann Menschen mit Brustkrebs nachgewiesenermaßen helfen, sich nach der Krebsbehandlung wieder besser zu fühlen.

    Einige Betroffene haben den Eindruck, dass bestimmte Nahrungsmittel – zum Beispiel Alkohol oder sehr salzige Lebensmittel – ihre Beschwerden verstärken. Ein Einfluss von Nahrungsmitteln auf Lymphödeme ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt. Deshalb ist unklar, ob der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel helfen könnte. Allerdings weiß man, dass Übergewicht das Risiko erhöht. Studien weisen darauf hin, dass sich bei stark übergewichtigen Menschen das Lymphödem verkleinern kann, wenn sie abnehmen.

    Wie gehen andere Menschen mit einem Lymphödem um?

    Bei vielen Frauen ist ein Lymphödem schwach ausgeprägt und nur wenig belastend. Dann fällt es meist relativ leicht, mit den Beschwerden im Alltag zurechtzukommen. Doch selbst eine geringe Schwellung kann das eigene Körpergefühl negativ beeinflussen. Bei einem milden Lymphödem wird die Schwellung vielleicht von niemand anderem bemerkt. Nach der Krebsbehandlung kann einen das Ödem aber ständig an den Krebs erinnern und es erschweren, sich wieder gesund zu fühlen.

    Bei einem stark ausgebildeten Lymphödem kann es schwierig sein, mit den Beschwerden zurechtzukommen und für sich selbst zu sorgen – beispielsweise, wenn man Hilfe beim Anziehen braucht. Vielen Menschen ist ihr Aussehen peinlich, wenn die Schwellung sehr stark ist. Dann kann womöglich der Gedanke beruhigen, dass anderen Leuten die Schwellung vielleicht gar nicht so stark auffällt wie einem selbst. Auch wenn das Ödem vielleicht Schamgefühle hervorruft: Es ist wichtig, aus dem Haus zu gehen und andere Menschen zu treffen. Wenn die Schwellung nicht zu übersehen ist, könnte es helfen, sich ein paar Sätze zu überlegen, mit denen das Ödem schnell und einfach erklärt ist.

    Bei starker Niedergeschlagenheit kann es sehr wichtig sein, sich ärztlich oder therapeutisch beraten zu lassen. Die Lebensqualität von Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, kehrt meist nach einer Weile zurück oder verbessert sich sogar. Falls dies nicht so ist, ist vielleicht Hilfe nötig. Eine Therapeutin oder ein Therapeut hat Erfahrung darin, in einer solchen Situation zu helfen.

    Viele Menschen finden persönliche Unterstützung und Verständnis für das, was sie durchmachen, in Krebs-Selbsthilfegruppen. Mit anderen Menschen zu reden, die mit den gleichen Problemen zu tun haben, kann helfen, sich mit den Beschwerden nicht mehr so allein zu fühlen. Ärger, Abneigung, Schamgefühle, Ängste – all diese Empfindungen sind Menschen vertraut, die mit einem schweren Lymphödem leben müssen oder mussten.

    Beim Umgang mit Krebsfolgen wie einem Lymphödem genug körperliche und emotionale Unterstützung zu bekommen, kann helfen, das Leben wieder mehr zu genießen.

    Quellen

    DiSipio T, Rye S, Newman B, Hayes S. Incidence of unilateral arm lymphoedema after breast cancer: a systematic review and meta-analysis. Lancet Oncol 2013; 14(6): 500-515.

    Ezzo J, Manheimer E, McNeely ML, Howell DM, Weiss R, Johansson KI et al. Manual lymphatic drainage for lymphedema following breast cancer treatment. Cochrane Database Syst Rev 2015; (5): CD003475.

    Huang TW, Tseng SH, Lin CC, Bai CH, Chen CS, Hung CS et al. Effects of manual lymphatic drainage on breast cancer-related lymphedema: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. World J Surg Oncol 2013; 11: 15.

    Krebsinformationsdienst (KID). Brustkrebs: Lymphknotenentfernung und Sentinel-Lymphknoten-Biopsie. 18.03.2015.

    McNeely ML, Peddle CJ, Yurick JL, Dayes IS, Mackey JR. Conservative and dietary interventions for cancer-related lymphedema: a systematic review and meta-analysis. Cancer 2011; 117(6): 1136-1148.

    Oremus M, Dayes I, Walker K, Raina P. Systematic review: conservative treatments for secondary lymphedema. BMC Cancer 2012; 12: 6.

    Paskett ED, Dean JA, Oliveri JM, Harrop JP. Cancer-related lymphedema risk factors, diagnosis, treatment, and impact: a review. J Clin Oncol 2012; 30(30): 3726-3733.

    Smoot B, Chiavola-Larson L, Lee J, Manibusan H, Allen DD. Effect of low-level laser therapy on pain and swelling in women with breast cancer-related lymphedema: a systematic review and meta-analysis. J Cancer Surviv 2015; 9(2): 287-304.

    Stuiver MM, ten Tusscher MR, Agasi-Idenburg CS, Lucas C, Aaronson NK, Bossuyt PMM. Conservative interventions for preventing clinically detectable upper-limb lymphoedema in patients who are at risk of developing lymphoedema after breast cancer therapy. Cochrane Database Syst Rev 2015; (2): CD009765.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Brustkrebs: Wie Bewegung helfen kann

    Sport und Bewegung können während und nach einer Brustkrebs-Behandlung eine ganze Reihe positiver Wirkungen haben, wie etwa die Verbesserung der Fitness und der Lebensqualität.

    Für viele Menschen ist körperliche Bewegung nach einer gesundheitlichen Krise wichtig, um wieder gesund zu werden. Sie kann auch dabei helfen, eine Krankheit zu bewältigen und die Nebenwirkungen von Behandlungen zu lindern.

    Krebsbehandlungen – wie Operationen, Chemo-, Hormon- oder Strahlentherapien – führen zu körperlichen Belastungen und können auch die Psyche in Mitleidenschaft ziehen. Es können Nebenwirkungen auftreten, die je nach Art und Intensität der Therapie unterschiedlich schwer ausfallen. Eine häufige Nebenwirkung ist auch die sogenannte Fatigue (französisch für Müdigkeit). Der Begriff steht für eine lähmende körperliche und geistige Erschöpfung und Müdigkeit. Fast jeder Mensch erlebt in einer solchen Situation Phasen der Niedergeschlagenheit.

    Sport und Bewegung können während und nach einer Brustkrebs-Behandlung eine ganze Reihe positiver Wirkungen haben, wie etwa die Verbesserung der Fitness und der Lebensqualität.

    Für viele Menschen ist körperliche Bewegung nach einer gesundheitlichen Krise wichtig, um wieder gesund zu werden. Sie kann auch dabei helfen, eine Krankheit zu bewältigen und die Nebenwirkungen von Behandlungen zu lindern.

    Krebsbehandlungen – wie Operationen, Chemo-, Hormon- oder Strahlentherapien – führen zu körperlichen Belastungen und können auch die Psyche in Mitleidenschaft ziehen. Es können Nebenwirkungen auftreten, die je nach Art und Intensität der Therapie unterschiedlich schwer ausfallen. Eine häufige Nebenwirkung ist auch die sogenannte Fatigue (französisch für Müdigkeit). Der Begriff steht für eine lähmende körperliche und geistige Erschöpfung und Müdigkeit. Fast jeder Mensch erlebt in einer solchen Situation Phasen der Niedergeschlagenheit.

    Wie kann Bewegung während und nach einer Behandlung helfen?

    Regelmäßige körperliche Bewegung kann Frauen helfen, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten oder wieder zu verbessern. Ein angepasstes Bewegungsprogramm kann Erschöpfungszustände und Fatigue mildern und zu einem besseren Schlaf beitragen. Dies verbessert das Wohlbefinden und kann eventuell helfen, besser mit Ängsten, Sorgen und Niedergeschlagenheit zurechtzukommen. Studien weisen darauf hin, dass Yoga, aber auch Ausdauersport wie Joggen, Walking oder Radfahren hilfreich sein kann.

    Gezielte Übungen unter physiotherapeutischer Anleitung können nach einer Operation auch helfen, die Beweglichkeit und Muskelkraft wieder zu verbessern – etwa wenn sich infolge des Eingriffs der Arm nicht mehr so gut bewegen lässt. Bewegung kann auch Beschwerden durch ein Lymphödem günstig beeinflussen.

    In mehreren Studien wurde untersucht, wie sich körperliche Aktivität nach einer abgeschlossenen Krebsbehandlung längerfristig auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass körperlich Aktive nach der Behandlung von einer höheren Lebensqualität berichten. Bewegung kann möglicherweise den Umgang mit der Erkrankung erleichtern. So nehmen Frauen ihren Körper wieder positiver wahr. 

    Wie viel muss man sich bewegen, um davon zu profitieren?

    Eine Kombination von Konditions- und Muskeltraining, mindestens dreimal in der Woche für jeweils 30 bis 45 Minuten, kann Fatigue lindern und das Wohlbefinden verbessern. Bei Frauen, die eine Chemotherapie erhalten, ist ein dosiertes Programm an drei Wochentagen wirksamer als ein intensiveres Bewegungsprogramm. Welche Bewegungsart und welche Trainingsintensität für welche Patientinnen am hilfreichsten sind, muss aber noch besser erforscht werden.

    Generell ist es wichtig, keine Angst vor Bewegung zu entwickeln, aber die körperliche Aktivität an die jeweilige Situation anzupassen. Gerade am Anfang können dabei beispielsweise Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten helfen. In Phasen, in denen man körperlich schwächer ist – zum Beispiel nach einer Operation oder während einer Chemotherapie – sind bestimmte Aktivitäten nicht möglich oder angebracht.

    Kann ein Training Nebenwirkungen haben?

    Grundsätzlich können sportliche Aktivitäten natürlich zu Verletzungen führen, wie etwa Zerrungen. Sofort nach einer Operation Bewegungsübungen für den Arm zu machen, kann die Wundheilung etwas verlangsamen. In bestimmten Krankheitsphasen kann zu viel Bewegung schädlich sein, zum Beispiel bei Blutarmut oder Infektionen. In den Studien zu gezielten Bewegungsprogrammen, die von Fachleuten begleitet werden, traten nur wenige Verletzungen oder andere Nebenwirkungen auf.

    Manchen Frauen fällt es schwer, sich zu bewegen oder sie finden es deprimierend, wenn sie keine Fortschritte sehen. Eine Möglichkeit ist dann, eine Pause zu machen. Vielleicht kommt nach einiger Zeit wieder Lust auf mehr Bewegung auf. Wichtig ist, dass man sich bei dem, was man tut, gut fühlt.

    Bewegung und Lymphödeme

    Als Folge einer Brustkrebsoperation kann ein Lymphödem auftreten. Dabei schwillt meist der Arm an, weil sich Lymphflüssigkeit darin staut. Dies kann zu Beschwerden wie Schmerzen und Spannungsgefühlen führen. Früher riet man eher dazu, sich nach einer Brustkrebs-Operation zu schonen. Man vermutete, dass Bewegung das Risiko für die Entstehung von Lymphödemen erhöht. Mittlerweile zeigen Untersuchungen, dass dies nicht der Fall ist.

    Wo finde ich Angebote?

    Im Rahmen der Krebsnachsorge gibt es die Möglichkeit, an speziellen Sportangeboten teilzunehmen. Die Teilnahme kann als Rehabilitationssport ärztlich verordnet und dann von den Krankenkassen bezahlt werden. Krebsberatungsstellen und Selbsthilfe-Organisationen vor Ort informieren über geeignete Angebote. Auch Krebssportgruppen bieten sportliche wie Freizeitaktivitäten speziell für Menschen nach einer Krebsbehandlung. Sportliche und soziale Aktivitäten miteinander zu verbinden, kann körperlich wie emotional unterstützen.

    Weiterführende Informationen gibt es unter anderem beim Krebsinformationsdienst.

    Quellen

    Buffart LM, van Uffelen JG, Riphagen, II, Brug J, van Mechelen W, Brown WJ et al. Physical and psychosocial benefits of yoga in cancer patients and survivors, a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. BMC Cancer 2012; 12: 559.

    Carayol M, Bernard P, Boiche J, Riou F, Mercier B, Cousson-Gelie F et al. Psychological effect of exercise in women with breast cancer receiving adjuvant therapy: what is the optimal dose needed? Ann Oncol 2013; 24(2): 291-300.

    Chiu HY, Huang HC, Chen PY, Hou WH, Tsai PS. Walking improves sleep in individuals with cancer: a meta-analysis of randomized, controlled trials. Oncol Nurs Forum 2015; 42(2): E54-62.

    Cramer H, Lauche R, Klose P, Lange S, Langhorst J, Dobos GJ. Yoga for improving health-related quality of life, mental health and cancer-related symptoms in women diagnosed with breast cancer. Cochrane Database Syst Rev 2017; (1): CD010802.

    Cramp F, Byron-Daniel J. Exercise for the management of cancer-related fatigue in adults. Cochrane Database Syst Rev 2012; (11): CD006145.

    Fong DY, Ho JW, Hui BP, Lee AM, Macfarlane DJ, Leung SS et al. Physical activity for cancer survivors: meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ 2012; 344: e70.

    Furmaniak AC, Menig M, Markes MH. Exercise for women receiving adjuvant therapy for breast cancer. Cochrane Database Syst Rev 2016; (9): CD005001.

    Lipsett A, Barrett S, Haruna F, Mustian K, O'Donovan A. The impact of exercise during adjuvant radiotherapy for breast cancer on fatigue and quality of life: A systematic review and meta-analysis. Breast 2017; 32: 144-155.

    McNeely ML, Campbell K, Ospina M, Rowe BH, Dabbs K, Klassen TP et al. Exercise interventions for upper-limb dysfunction due to breast cancer treatment. Cochrane Database Syst Rev 2010; (6): CD005211.

    Meneses-Echavez JF, Gonzalez-Jimenez E, Ramirez-Velez R. Effects of supervised exercise on cancer-related fatigue in breast cancer survivors: a systematic review and meta-analysis. BMC Cancer 2015; 15: 77.

    Mishra SI, Scherer RW, Geigle PM, Berlanstein DR, Topaloglu O, Gotay CC et al. Exercise interventions on health-related quality of life for cancer survivors. Cochrane Database Syst Rev 2012; (8): CD007566.

    Van Vulpen JK, Peeters PH, Velthuis MJ, van der Wall E, May AM. Effects of physical exercise during adjuvant breast cancer treatment on physical and psychosocial dimensions of cancer-related fatigue: A meta-analysis. Maturitas 2016; 85: 104-111.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Früher Brustkrebs: Ist eine Chemotherapie sinnvoll?

    Nach der Operation eines frühen Brustkrebses bleibt die Sorge, dass der Krebs zurückkehrt. Eine Chemotherapie kann das Rückfallrisiko verringern. Sie ist aber nicht für alle Frauen sinnvoll, da bei manchen die Nachteile überwiegen.

    Wenn Brustkrebs in einem frühen Stadium entdeckt wird, kann der Tumor häufig durch eine Operation vollständig entfernt werden. Oft wird die Brust zusätzlich bestrahlt. Es kann aber sein, dass trotzdem Krebszellen im Körper bleiben, die selbst nach Jahren wieder wachsen können. Dann sprechen Fachleute von einem „Rückfall“ oder „Rezidiv“.

    Der Tumor kann erneut in der Brust oder in angrenzenden Bereichen entstehen (örtliches oder regionales Rezidiv) oder an einer anderen Körperstelle wiederkehren (Fernrezidiv). Bei einem Rückfall sind die Heilungschancen meist deutlich geringer.

    Wie hoch das Risiko für einen Rückfall ist, ist wichtig für die weitere Behandlung – vor allem für die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie: Je höher das Rückfallrisiko ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Frau von einer Chemotherapie profitiert. Deshalb wird das Rückfallrisiko bei jeder Frau nach einer Operation routinemäßig bestimmt.

    Nach der Operation eines frühen Brustkrebses bleibt die Sorge, dass der Krebs zurückkehrt. Eine Chemotherapie kann das Rückfallrisiko verringern. Sie ist aber nicht für alle Frauen sinnvoll, da bei manchen die Nachteile überwiegen.

    Wenn Brustkrebs in einem frühen Stadium entdeckt wird, kann der Tumor häufig durch eine Operation vollständig entfernt werden. Oft wird die Brust zusätzlich bestrahlt. Es kann aber sein, dass trotzdem Krebszellen im Körper bleiben, die selbst nach Jahren wieder wachsen können. Dann sprechen Fachleute von einem „Rückfall“ oder „Rezidiv“.

    Der Tumor kann erneut in der Brust oder in angrenzenden Bereichen entstehen (örtliches oder regionales Rezidiv) oder an einer anderen Körperstelle wiederkehren (Fernrezidiv). Bei einem Rückfall sind die Heilungschancen meist deutlich geringer.

    Wie hoch das Risiko für einen Rückfall ist, ist wichtig für die weitere Behandlung – vor allem für die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie: Je höher das Rückfallrisiko ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Frau von einer Chemotherapie profitiert. Deshalb wird das Rückfallrisiko bei jeder Frau nach einer Operation routinemäßig bestimmt.

    Wie wird das Rückfallrisiko bestimmt?

    Um nach einer Operation das Rückfallrisiko einer Frau zu beurteilen, werten Ärztinnen und Ärzte verschiedene klinische Kriterien aus:

    • Lymphknotenbefall: Sind Lymphknoten betroffen oder nicht? Wenn ja, wie viele?
    • Hormonempfindlichkeit: Hat der Tumor Andockstellen für Hormone wie Östrogen und Progesteron (hormonrezeptor-positiver Brustkrebs)?
    • Differenzierungsgrad: Wie stark haben sich die Tumorzellen verändert?
    • Tumorgröße: Wie groß ist der Tumor?
    • Wachstumsgeschwindigkeit: Wie schnell haben sich die Tumorzellen vermehrt (Ki67-Wert)?
    • Wachstumsfaktoren: Hat der Tumor vermehrt Andockstellen für bestimmte Wachstumsfaktoren (HER2/neu)?
    • Alter: Wie alt ist die Frau? Hatte sie bereits ihre letzte Regelblutung?

    Viele dieser klinischen Kriterien werden anhand einer Gewebeprobe des Tumors bestimmt, die nach der Operation vorliegt.

    Spezielle Tabellen können Ärztinnen und Ärzte bei der Abschätzung des Rückfallrisikos unterstützen.

    Das Rückfallrisiko sagt aus, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Frau erneut an Krebs erkranken wird. Ob der Krebs bei einer ganz bestimmten Frau wiederkehren wird, lässt sich nicht vorhersagen.

    Bei manchen Frauen kann es sinnvoll sein, zusätzlich den Biomarker-Test Oncotype DX einzusetzen. Bei diesem Test werden weitere biologische Eigenschaften des Tumorgewebes im Labor untersucht.

    Was bedeutet ein niedriges Rückfallrisiko?

    Bei einem niedrigen Rückfallrisiko ist das ermittelte Risiko so niedrig, dass die Ärztin oder der Arzt von einer Chemotherapie abrät. Eine Chemotherapie macht es zwar etwas weniger wahrscheinlich, dass der Krebs wiederkehrt. Aus ärztlicher Sicht überwiegen aber die Nebenwirkungen der Chemotherapie.

    Einige Fachleute sprechen von einem „niedrigen Rückfallrisiko“, wenn innerhalb von 10 Jahren weniger als 5 von 100 Frauen erneut an Krebs erkranken. Andere ziehen die Grenze bei 10 von 100 Frauen.

    Was bedeutet ein hohes Rückfallrisiko?

    Bei einem hohen Rückfallrisiko ist das ermittelte Risiko so hoch, das die Ärztin oder der Arzt eine Chemotherapie empfiehlt. Bei einem hohen Rückfallrisiko verringert eine Chemotherapie die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall deutlich. Aus ärztlicher Sicht überwiegen die Vorteile der Chemotherapie.

    Viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine Chemotherapie, wenn innerhalb von 10 Jahren mehr als 15 von 100 Frauen erneut an Krebs erkranken. Andere ziehen die Grenze bei 20 von 100 Frauen.

    Was bedeutet ein mittleres Rückfallrisiko?

    Einige Frauen haben weder ein eindeutig niedriges noch ein eindeutig hohes Rückfallrisiko. Bei ihnen liegt das Rückfallrisiko dazwischen. Dann spricht man von einem „mittleren Rückfallrisiko“.

    Bei einem mittleren Rückfallrisiko kann es besonders schwerfallen, sich für oder gegen eine Chemotherapie zu entscheiden. Das hat zwei Gründe:

    • Vor- und Nachteile einer Chemotherapie können sich gegenseitig fast aufwiegen: Haben die Belastungen und möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie mehr Gewicht? Oder die Chance, das Rückfallrisiko zu verringern?
    • Auch ohne Chemotherapie wird der Krebs bei vergleichsweise wenigen Frauen wiederkehren. Für alle anderen stellt die Chemotherapie eine unnötige Belastung dar.

    Was kann ich von einer Chemotherapie erwarten?

    Eine Chemotherapie verringert das Rückfallrisiko und damit die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau erneut an Krebs erkrankt im Durchschnitt um etwa ein Drittel. Was das für eine Frau bedeutet, hängt davon ab, wie hoch ihr Rückfallrisiko ist. Im Folgenden drei konkrete Beispiele:

    Grafik: Chemotherapie: Rückfallrisiko beträgt 5 Prozent Grafik: Chemotherapie: Rückfallrisiko 10 Prozent

    Grafik: Chemotherapie: Rückfallrisiko 20 Prozent Rückfallrisiken nach Chemotherapie

     

    Welche Nachteile hat eine Chemotherapie?

    Eine Chemotherapie kann psychisch belastend sein und die Lebensqualität einer Frau beeinträchtigen. Darüber hinaus kann sie verschiedene Nebenwirkungen haben.

    Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie hängen davon ab, welche Wirkstoffe eingesetzt werden und wie viele Behandlungszyklen sie umfasst. Sie lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

    • Nebenwirkungen, die häufig auftreten, aber nicht lebensbedrohlich sind: Sehr viele Frauen haben für eine Chemotherapie typische Nebenwirkungen. Ihnen ist zum Beispiel übel, ihre Haare fallen aus oder sie sind erschöpft. Diese Nebenwirkungen können unterschiedlich lang anhalten.
    • Nebenwirkungen, die lebensbedrohlich sein können: Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 von 100 Frauen innerhalb eines Jahres aufgrund der Chemotherapie ins Krankenhaus oder in die Notaufnahme müssen. Ein häufiger Grund hierfür ist, dass eine Chemotherapie das Immunsystem so stark schwächt, dass der Körper selbst normalerweise harmlose Infektionen nicht mehr ausreichend abwehren kann. Wenn typische Nebenwirkungen besonders stark ausgeprägt sind, können sie ebenfalls lebensbedrohlich sein, zum Beispiel extreme Übelkeit und Erbrechen.
    • Nebenwirkungen und Spätfolgen, die nach der Chemotherapie das Leben beeinträchtigen können: Wie häufig solche Nebenwirkungen auftreten, ist kaum erforscht. Schwere Komplikationen nach der Therapie sind zwar selten, wiegen aber besonders schwer. Zu ihnen zählen zum Beispiel Nervenschäden. Sie können dazu führen, dass das Gefühl beispielswiese in den Fingern oder Zehen für lange Zeit verloren geht. Auch Herzschäden sind möglich. Es wird geschätzt, dass etwa 3 von 100 Frauen davon betroffen sind. Eine Chemotherapie erhöht zudem das Risiko, dass Jahre später Blutkrebs (Leukämie) auftritt. Daran erkranken aber weniger als 1 von 100 Frauen.

    Wichtig für Frauen mit Kinderwunsch: Eine Chemotherapie kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Sie kann dazu führen, dass die Regelblutung ausbleibt oder die Wechseljahre vorzeitig einsetzen. Wenn sich eine Frau noch Kinder wünscht, ist es daher sinnvoll, sich vor einer Chemotherapie beraten zu lassen. Dann sind vor Beginn einer Chemotherapie verschiedene fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen möglich.

    Abwägen von Vor- und Nachteilen einer Chemotherapie

    Die entscheidende Frage ist: „Hat eine Chemotherapie für mich mehr Vor- oder mehr Nachteile?“ Die Antwort auf diese Frage kann von Frau zu Frau unterschiedlich ausfallen – und auch von Arzt zu Arzt.

    Die Antwort hängt vor allem davon ab, wie groß der mögliche Nutzen einer Chemotherapie ist: Je höher das Rückfallrisiko ist, desto größer ist der mögliche Nutzen. Je niedriger das Rückfallrisiko ist, desto schwerer wiegen die möglichen Nachteile einer Chemotherapie. Aber auch die körperliche Verfassung einer Frau und ihre Lebenserwartung sind wichtig für die Entscheidung. Wenn eine Frau zum Beispiel eine Herzerkrankung oder Nierenschädigung hat, kann eine Chemotherapie zu belastend sein.

    Darüber hinaus spielen verschiedene persönliche Aspekte eine Rolle, beispielsweise wie sehr die Sorge um einen Rückfall eine Frau belastet oder wie sie die Nebenwirkungen einer Chemotherapie für sich persönlich einschätzt. Die aktuelle Lebenssituation kann die Abwägung ebenfalls beeinflussen. Hier gibt es kein richtig oder falsch.

    Die Abwägung ist oft schwer, doch keine Frau muss sie allein bewältigen. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, jeder Frau die Unterstützung zu geben, die sie benötigt. Es kann auch hilfreich sein, bei einer anderen Ärztin oder einem anderen Arzt eine zweite Meinung einzuholen.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Entscheidungshilfe zu Biomarker-Tests bei Brustkrebs: Addendum zum Auftrag D14-01; Auftrag P17-03. 15.11.2017. (IQWiG-Berichte; Band 558).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Früher Brustkrebs: Wann ist ein Biomarker-Test sinnvoll?

    Nach einer Operation bleibt bei frühem Brustkrebs die Sorge, dass der Krebs wiederkehrt. Eine Chemotherapie soll das Risiko für einen Rückfall verringern, sie geht aber mit Nebenwirkungen einher und ist belastend. Manchmal ist aus medizinischer Sicht schwer einzuschätzen, ob die Vor- oder Nachteile einer Chemotherapie überwiegen. Dann fällt es vielen Frauen besonders schwer, sich für oder gegen eine Chemotherapie zu entscheiden. Der Biomarker-Test Oncotype DX kann in dieser Situation einige Frauen bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie unterstützen.

    Zusätzlich zum Rückfallrisiko spielen bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie immer auch persönliche Aspekte eine Rolle, beispielsweise wie sehr die Sorge um einen Rückfall eine Frau belastet oder wie sie die Nebenwirkungen einer Chemotherapie für sich persönlich einschätzt. Die aktuelle Lebenssituation kann die Abwägung ebenfalls beeinflussen. Hier gibt es kein richtig oder falsch.

    Deshalb ist es sinnvoll, die persönliche Situation früh mit den Ärztinnen und Ärzten zu besprechen. Vielleicht zeigt sich dann, dass die Ergebnisse eines Biomarker-Tests gar keine große Bedeutung für die Entscheidung haben und eine Frau auch auf den Test verzichten kann.

    Nach einer Operation bleibt bei frühem Brustkrebs die Sorge, dass der Krebs wiederkehrt. Eine Chemotherapie soll das Risiko für einen Rückfall verringern, sie geht aber mit Nebenwirkungen einher und ist belastend. Manchmal ist aus medizinischer Sicht schwer einzuschätzen, ob die Vor- oder Nachteile einer Chemotherapie überwiegen. Dann fällt es vielen Frauen besonders schwer, sich für oder gegen eine Chemotherapie zu entscheiden. Der Biomarker-Test Oncotype DX kann in dieser Situation einige Frauen bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie unterstützen.

    Zusätzlich zum Rückfallrisiko spielen bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie immer auch persönliche Aspekte eine Rolle, beispielsweise wie sehr die Sorge um einen Rückfall eine Frau belastet oder wie sie die Nebenwirkungen einer Chemotherapie für sich persönlich einschätzt. Die aktuelle Lebenssituation kann die Abwägung ebenfalls beeinflussen. Hier gibt es kein richtig oder falsch.

    Deshalb ist es sinnvoll, die persönliche Situation früh mit den Ärztinnen und Ärzten zu besprechen. Vielleicht zeigt sich dann, dass die Ergebnisse eines Biomarker-Tests gar keine große Bedeutung für die Entscheidung haben und eine Frau auch auf den Test verzichten kann.

    Worauf basiert die ärztliche Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie?

    Um eine Frau bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie beraten zu können, werten Ärztinnen und Ärzte verschiedene sogenannte klinische Kriterien aus. Diese verraten etwas über die Eigenschaften des Tumors und das Risiko, dass der Krebs wiederkehrt. Sie werden anhand einer Gewebeprobe bestimmt, die aus der Brustoperation vorliegt. Auch das Alter der Frau, ob sie bereits in den Wechseljahren ist und andere Erkrankungen hat, fließen in die ärztliche Überlegung mit ein.

    Auf dieser Grundlage empfehlen die Ärztinnen und Ärzte eine Chemotherapie oder raten von ihr ab.

    Wann stoßen die klinischen Kriterien an ihre Grenzen?

    Eine Empfehlung ist aus ärztlicher Sicht besonders schwer, wenn bei frühem Brustkrebs bestimmte Kriterien zusammentreffen:

    • der Tumor hat Andockstellen für Hormone wie Östrogen und Progesteron, das heißt er war hormonrezeptor-positiv,
    • der Tumor hat nicht vermehrt Andockstellen für bestimmte Wachstumsfaktoren gebildet, das heißt er ist HER2/neu-negativ und
    • es sind keine oder höchstens drei Lymphknoten befallen.

    Kann in dieser Situation ein Biomarker-Test weiterhelfen?

    Was sind Biomarker-Tests?

    Als Biomarker-Tests werden Untersuchungen bezeichnet, die Eigenschaften des Tumors auswerten, die mit den klinischen Kriterien nicht abgedeckt werden. Das sind vorwiegend bestimmte Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen. Viele Biomarker-Tests sind sogenannte Genexpressionstests. Sie untersuchen, ob verschiedene Gene in den Krebszellen besonders aktiv sind.

    Für einen Biomarker-Test wird eine Gewebeprobe des Tumors benötigt. Diese liegt gewöhnlich aus der Brustoperation vor.

    Aus dem Ergebnis des Biomarker-Tests wird dann eine Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie abgeleitet. 

    Kann ein Biomarker-Test klären, ob eine Chemotherapie sinnvoll ist?

    Es gibt verschiedene Biomarker-Tests. Allerdings gibt es bisher nur für den Oncotype-DX-Test erste aussagefähige Forschungsergebnisse.

    Der Oncotype-DX-Test ist ein Genexpressionstest, der die Aktivität von 21 Genen misst. Der Test liefert einen Punktwert zwischen 0 und 100. Der Punktwert hilft Ärztinnen und Ärzten dabei, das Rückfallrisiko und die Erfolgsaussichten einer Chemotherapie zu schätzen. Wenn der Punktwert vorliegt, ist ein Arztgespräch nötig, in dem der Punktwert und die sich daraus ergebende Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie besprochen werden.

    Die Forschungsergebnisse zum Oncotype-DX-Test gelten für die zuvor beschriebenen Frauen mit frühem Brustkrebs – allerdings nur für die, bei denen keine Lymphknoten befallen waren. Für Frauen, bei denen Lymphknoten befallen waren, ist der Oncotype-DX-Test nicht gut untersucht. Studien dazu laufen noch.

    Die Forschungsergebnisse zum Oncotype-DX-Test zeigen, dass der Test die Entscheidung der Frauen für oder gegen eine Chemotherapie unterstützen kann. Er kann zwei Gruppen von Frauen unterscheiden:

    • 1. Gruppe: Diese Frauen profitieren nicht von einer Chemotherapie. Diese Gruppe kann ohne Nachteile auf eine Chemotherapie verzichten und so die Nebenwirkungen vermeiden.
    • 2. Gruppe: Diese Frauen können von einer Chemotherapie profitieren.

    Die Tabellen am Ende dieses Textes zeigen genauer, welche Ergebnisse der Oncotype-DX-Test für verschiedene Gruppen von Frauen haben kann und was sie bedeuten.

    Was leisten andere Biomarker-Tests?

    Neben dem Oncotype-DX-Test werden noch weitere Biomarker-Tests für Frauen mit frühem Brustkrebs angeboten, zum Beispiel Endopredict, MammaPrint und Prosigna. Wie gut diese Tests die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie unterstützen können, ist bisher noch nicht ausreichend untersucht. Zu diesen Tests laufen aber derzeit noch Studien.

    Woher stammen diese Informationen?

    Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2018 untersucht, ob Biomarker-Tests die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie unterstützen können. Dabei hat es sich auf Frauen mit hormonrezeptor-positivem und HER2/neu-negativem frühem Brustkrebs konzentriert, bei denen höchstens drei Lymphknoten befallen waren. Bei diesen Eigenschaften des Tumors fällt die ärztliche Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie besonders schwer.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG fanden zu dieser Frage nur eine aussagefähige Studie, die zudem nur einen bestimmten Test untersucht hat: den Oncotype-DX-Test. In der „TAILORx“-genannten Studie wurden nur Frauen untersucht, bei denen keine Lymphknoten befallen waren.

    Aus der Studie lassen sich die oben beschriebenen Schlussfolgerungen ableiten. Weil Biomarker-Tests derzeit intensiv untersucht werden, können sich die Erkenntnisse in Zukunft ändern.

    Was wurde in TAILORx untersucht?

    Diese Studie sollte klären, ob der Oncotype-DX-Test Frauen erkennen kann, die auf eine Chemotherapie verzichten können.

    An der Studie haben nur Frauen mit frühem Brustkrebs teilgenommen,

    • deren Tumor hormonrezeptor-positiv und
    • HER2/neu-negativ war und
    • bei denen keine Lymphknoten befallen waren

    In der Studie erhielten alle Frauen eine antihormonelle Therapie. Zudem wurden sie nach dem Punktwert des Oncotype-DX-Tests in drei Gruppen eingeteilt:

    • Punktwert von 0 bis 10: Die Frauen erhielten keine Chemotherapie.
    • Punktwert von 11 bis 25: Die Frauen wurden per Los auf zwei Gruppen verteilt. Deshalb lässt sich der Nutzen der Chemotherapie für diese Frauen direkt beurteilen.
      • Die eine Hälfte erhielt eine Chemotherapie.
      • Die andere Hälfte erhielt keine Chemotherapie.
    • Punktwert von 26 bis 100: Alle Frauen erhielten eine Chemotherapie.

    Welche Erkenntnisse lassen sich aus der TAILORx-Studie ableiten?

    Was ein bestimmter Oncotype-DX-Punktwert für eine Frau bedeutet, hängt auch von ihrem Alter ab beziehungsweise davon, ob sie vor oder nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkrankt ist. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der Studie:

    1. Für Frauen unter 50 Jahren: Wenn der Punktwert des Oncotype-DX zwischen 0 und 10 liegt, spricht das dafür, auf eine Chemotherapie zu verzichten. Wenn der Punktwert höher liegt, kann eine Chemotherapie Vorteile haben.
    2. Für Frauen über 50 Jahren: Wenn der Punktwert zwischen 0 und 25 liegt, spricht das dafür, auf eine Chemotherapie zu verzichten. Wenn der Punktwert höher liegt, kann eine Chemotherapie Vorteile haben.

    Die folgenden Tabellen stellen dar, was bestimmte Oncotype-DX-Punktwerte bedeuten. Es gibt eine Tabelle für Frauen unter 50 Jahren und eine für Frauen über 50 Jahren.

     

    Frauen UNTER 50 Jahre
    Oncotype-Punktwert Rückfallrisiko OHNE Chemotherapie Rückfallrisiko MIT Chemotherapie Therapieempfehlung
    0 bis 10 etwa 13 von 100 Frauen nicht untersucht, aber vermutlich ähnlich
    • Ärztinnen und Ärzte empfehlen, auf eine Chemotherapie zu verzichten.
    • Eine Chemotherapie kann das Rückfallrisiko vermutlich kaum verringern. Sie stellt aber grundsätzlich eine Belastung dar, sodass die Nachteile für die meisten Frauen überwiegen.
    11 bis 25 etwa 17 von 100 Frauen etwa 11 von 100 Frauen
    • Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine Chemotherapie.
    • Eine Chemotherapie kann das Rückfallrisiko verringern. Dieser Vorteil muss gegen die Belastung und Nebenwirkungen der Chemotherapie abgewogen werden.
    26 bis 100 nicht untersucht, aber vermutlich höher etwa 20 von 100 Frauen
    • Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine Chemotherapie.
    • Eine Chemotherapie kann das Rückfallrisiko verringern. Dieser Vorteil muss gegen die Belastung und Nebenwirkungen der Chemotherapie abgewogen werden.

     

    Frauen ÜBER 50 Jahre
    Oncotype-Punktwert Rückfallrisiko OHNE Chemotherapie Rückfallrisiko MIT Chemotherapie Therapieempfehlung
    0 bis 10 etwa 17 von 100 Frauen nicht untersucht, aber vermutlich ähnlich
    • Ärztinnen und Ärzte empfehlen, auf eine Chemotherapie zu verzichten.
    • Eine Chemotherapie kann das Rückfallrisiko vermutlich kaum verringern. Sie stellt aber grundsätzlich eine Belastung dar, sodass die Nachteile für die meisten Frauen überwiegen.
    11 bis 25 etwa 17 von 100 Frauen etwa 17 von 100 Frauen
    • Ärztinnen und Ärzte empfehlen bei diesem Punktwert, auf eine Chemotherapie zu verzichten.
    • Eine Chemotherapie kann das Rückfallrisiko hier nicht verringern. Sie stellt aber grundsätzlich eine Belastung dar, sodass die Nachteile überwiegen.
    26 bis 100 nicht untersucht, aber vermutlich höher etwa 26 von 100 Frauen
    • Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine Chemotherapie.
    • Eine Chemotherapie kann das Rückfallrisiko verringern. Dieser Vorteil muss gegen die Belastung und Nebenwirkungen der Chemotherapie abgewogen werden.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Biomarkerbasierte Tests zur Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Mammakarzinom: Abschlussbericht; Auftrag D14-01. 27.10.2016. (IQWiG-Berichte; Band 457).

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Biomarkerbasierte Tests zur Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Mammakarzinom: Addendum zum Auftrag D14-01; Auftrag D18-01. 05.09.2018. (IQWiG-Berichte; Band 655).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Brustkrebs - Erfahrungsbericht - Hannelore

    „Mir ging es wie vielen anderen Frauen: Ich war heillos überfordert. Ich habe einfach alles gemacht, was der Arzt vorgeschlagen hat. Ich wusste ja von nichts und hatte mich auch nie über dieses Thema informiert.“

    Hannelore, 67 Jahre

    „Mir ging es wie vielen anderen Frauen: Ich war heillos überfordert. Ich habe einfach alles gemacht, was der Arzt vorgeschlagen hat. Ich wusste ja von nichts und hatte mich auch nie über dieses Thema informiert.“

    Ich habe ein gesundes Leben geführt und war jahrelang felsenfest davon überzeugt, dass ich nie Krebs bekommen würde. 1986 habe ich dann morgens beim Duschen einen Knoten in einer Brust ertastet. An Krebs habe ich dabei aber nicht gedacht. Ich ging zum Arzt und er stellte Brustkrebs fest: Das war wie ein Bombenschlag. Ich habe gedacht, der Boden unter meinen Füßen rutscht weg.

    Auf der Fahrt nach Hause war ich allein im Auto und mir liefen die Tränen. Zu Hause musste ich meinem Mann und meinen beiden Söhnen, die damals 18 und 14 Jahre alt waren, sagen, was los ist. Es war auch für sie katastrophal. Das Entsetzen in den drei Gesichtern zu sehen, war für mich ein furchtbarer Schmerz. Es war für mich noch schlimmer als die Diagnose „Krebs“. Auch meinen beiden Schwestern davon zu erzählen, zu denen ich ein sehr gutes Verhältnis habe, war furchtbar.

    Ich hatte Glück mit meinem Gynäkologen

    Mir ging es wie vielen anderen Frauen: Ich war heillos überfordert. Ich habe einfach alles gemacht, was der Arzt vorgeschlagen hat. Ich wusste ja von nichts und hatte mich auch nie über dieses Thema informiert. Ich hatte Glück mit meinem Gynäkologen. Er war sehr fürsorglich und hat lange Gespräche mit mir geführt. Im Endeffekt musste mir aber die Brust entfernt werden.

    In dieser Zeit haben mich mein Mann und meine Familie sehr unterstützt. Mein Mann hat gleich gesagt, dass ihn das nicht stört und ich mir keine Gedanken machen soll.

    Was für uns sehr schwierig war: Im Jahr nach der Diagnose bekamen wir große Probleme mit unserer Firma und das hat uns alle sehr belastet. Wir mussten Konkurs anmelden. Die Sorgen waren riesengroß. Wir haben gedacht, dass wir das nicht mehr schaffen. Ich hatte keine Zeit, über mich und meine Erkrankung nachzudenken.

    Rezidiv nach 13 Jahren

    Ich war trotzdem felsenfest davon überzeugt, dass ich es schaffe. Es ging 13 Jahre gut. Dann wurde während einer Routineuntersuchung in der anderen Brust ein Knoten festgestellt. Dieser Zweittumor musste auch operiert werden. Mein Körper und meine Psyche waren dann so geschwächt, dass mich die Sorgen um meine Gesundheit und unsere wirtschaftlichen Sorgen regelrecht überrollten. Ich habe mich innerlich leer gefühlt. Zwei Jahre später hatte ich dann ein Rezidiv in einer Achselhöhle.

    In dieser Zeit wurde bei unserem Sohn ein gutartiger Tumor an der Nebenniere festgestellt. Man wusste erst nachdem man ihn operiert hatte, dass der Tumor gutartig war. Das war einfach zu viel für mich. Meine Kraft war am Ende.

    Das hat mich alles sehr mitgenommen. Ich konnte mich körperlich nicht so schnell erholen und hatte Ende 2006 wieder ein Rezidiv. Seitdem geht es mir aber gut und ich habe auch keine Metastasen.

    In der größten Verzweiflung habe ich angefangen mehr, beziehungsweise intensiver zu beten und zu meditieren als vorher. Das gab und gibt mir noch immer Kraft und Stärke. Es ist in mir eine Energie entstanden, über die ich heute immer wieder staune. Durch die Meditation und das Gebet konnte ich auch allen verzeihen, die mir früher sehr wehgetan haben. Heute lebe ich in Frieden, habe keinen Groll oder Hass in mir. Heute geht es mir gut.

    Die Familie hat zusammengehalten

    Die Familie hat bei der Bewältigung der Krankheit zusammengehalten. Mein Mann und ich haben aber am Anfang einige Fehler mit den Kindern gemacht. Wir haben gedacht, dass sie das Ganze noch nicht verstehen und haben ihnen nicht wirklich alles gesagt. Das haben sie irgendwann gemerkt und uns gefragt, warum wir sie nicht mit eingeweiht haben. Heute weiß ich, dass das damals ein Fehler war.

    Darüber, wie es mir geht, habe ich mit meiner Familie nicht groß gesprochen. Ich wusste ja, dass sie sich Sorgen machen. Und ich wollte diese Sorgen nicht noch vergrößern. Mein Mann hat aber sehr wohl gemerkt, wenn wieder eine Untersuchung anstand. Dann war ich oft kopflos, hatte Durchfall, war überempfindlich. Die Angst war bei mir einfach zu groß. Und ich wusste, dass so ein Leben nicht gut für mich ist.

    Wir haben damals generell über viele Dinge nicht gesprochen. Wir hatten beide Angst, uns gegenseitig zu verletzen. Mein Mann hat allerdings noch nie viel von sich gesprochen. Er wusste von meinem Seelenleben nichts und ich nichts von seinem. Wir hätten eigentlich Hilfe gebraucht und wussten nicht, wohin wir uns wenden können. Uns ging es ja auch in dieser Zeit finanziell schlecht.

    Unterstützung durch Psychotherapie, Selbsthilfe und Sport

    Nach meiner letzten Operation habe ich mir eine Psychotherapeutin gesucht. Sie ist sehr gut. Sie hat mir sehr geholfen. Zum Beispiel bei der Bewältigung meiner Angst: Vieles, was ich nicht mit meinem Mann besprechen konnte, habe ich mit ihr besprochen. Sie hat mir gute Anregungen für Gespräche gegeben und wie wir das alles miteinander aufarbeiten konnten. Mein Mann hatte bei meiner Wiedererkrankung riesige Angst, dass ich ihn allein zurücklasse. Diese Möglichkeit ins Auge zu fassen war sehr schmerzhaft für ihn. Dies alles konnte ich mit meiner Psychotherapeutin besprechen und mir Rat holen.

    Was mir auch sehr geholfen hat, war die Selbsthilfegruppe. Die meisten Frauen hatten ja auch zu ihrer Erkrankung noch familiäre Probleme. Wir haben uns gegenseitig den Rücken gestärkt. Wir sprechen in der Gruppe über unsere Sorgen, tauschen Erfahrungen aus, laden Referenten zu verschiedenen Themen ein, geben Informationen weiter, machen Ausflüge und feiern Feste. Das tut mir gut.

    Heute mache ich viel Sport: Mindestens einmal in der Woche walke ich, mache Yoga, im Sommer gehe ich Radfahren und jede Woche Schwimmen. Das Schwimmen ist ganz gut für meinen Arm. Nach der Operation in der Achselhöhle habe ich ein Lymphödem bekommen und beide Arme waren ganz dick und der Körper regelrecht aufgequollen. Nach sechs Monaten Lymphdrainage und regelmäßigem Schwimmen habe ich bis heute keine Probleme mehr damit.

    Ich muss mir meine Arbeit gut einteilen

    Meine Enkelkinder zeigen ihre Liebe zu mir ganz offen. Das ist purer Balsam für meine Seele. Mein Mann, meine Schwester und ich machen oft kleine Ausflüge zusammen, trinken einen Kaffee oder machen einen Spieleabend. Wir genießen diese Dinge sehr.

    Ich habe nicht mehr die körperliche Kraft wie früher. Ich muss mir meine Arbeit gut einteilen und auch mal etwas für die folgenden Tage oder Wochen liegen lassen. Manchmal kann ich das ganz gut, oft ist es aber auch sehr schwer für mich diese Grenzen zu akzeptieren.

    Ich setzte mich auch mit dem Tod auseinander. Mein Mann und ich sprechen auch darüber. Solange ich in mir die Kraft und Energie zum Kämpfen fühle, werde ich alles daran setzen ein lebenswertes Leben zu führen. Wenn dies nicht mehr gegeben ist, werde ich mich Gott empfehlen.

    Mit negativen Gedanken komme ich nicht weiter

    Was ich heute anderes machen würde, wäre die Kinder viel mehr zu informieren und auch ihren Rat zu hören. Sie haben mir – nicht im Bösen – den Vorwurf gemacht, dass ich mich so abgekapselt habe. Dass ich mich nicht geöffnet und Informationen nur gefiltert weitergegeben habe. Aber damals konnte ich irgendwie nicht anders.

    Ich war früher eher ein negativer Mensch, ich weiß auch nicht warum. Das hat sich geändert. Mir wurde irgendwann klar, dass ich mit negativen Gedanken nicht weiter komme. Es war ein langer Weg, meine eher negative Lebenseinstellung in eine positive zu wandeln. Das war schwer und gelegentlich kämpfe ich immer noch dagegen an. Heute weiß ich, dass für mich die Seele gesund sein muss, um auch den Körper gesund zu halten. Das Leben ist für mich immer noch schön und ich kann so vieles genießen.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank. Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung.

    Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar. Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen.

    Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.