Gesundheitslexikon

Darmkrebs

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    Manchmal wird Darmkrebs als typische Männerkrankheit gesehen. Das ist falsch: Zwar tritt die Erkrankung bei Männern häufiger und oft in einem früheren Alter auf. Frauen können aber genauso an Darmkrebs erkranken. Wir informieren über Risiken, Ursachen, Angebote der Früherkennung und das Leben mit der Erkrankung.

    Einleitung

    Darmkrebs gehört zu den häufigeren Krebserkrankungen in Deutschland. Wenn von Darmkrebs gesprochen wird, ist damit meist Krebs im Dickdarm gemeint. Krebs im Dünndarm ist sehr selten.

    Darmkrebs entsteht fast immer aus Wucherungen, die sich in der Schleimhaut des Dickdarms bilden, sogenannten Darmpolypen. Aber längst nicht alle Polypen entwickeln sich zu einem Krebs – und wenn, dauert es viele Jahre. Eine Möglichkeit zur Vorbeugung ist die Darmspiegelung, bei der Polypen entfernt werden können.

    Wenn man an Darmkrebs erkrankt, kann sich das ganze Leben verändern. Was nach der Diagnose passiert, hängt unter anderem vom Stadium der Erkrankung ab. Im Frühstadium reicht es aus, den Tumor operativ zu entfernen. In fortgeschrittenen Stadien kommen auch zusätzliche Behandlungen wie Chemotherapie und Bestrahlung infrage.

    Die medizinische Versorgung von Menschen mit Krebs in Deutschland ist sehr gut. Zudem werden viele Unterstützungsmöglichkeiten angeboten. Sie können unter anderem helfen, die Erkrankung seelisch zu bewältigen und den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern.

    Symptome

    Darmkrebs verursacht anfangs oft keine Beschwerden und kann dadurch zunächst unbemerkt bleiben. Manchmal äußert er sich zum Beispiel durch Schmerzen im Bauch oder veränderte Stuhlgewohnheiten. So kann sich die Häufigkeit oder übliche Tageszeit der Toilettengänge verändern, oder man neigt eher zu Verstopfung oder Durchfall. Schwarzer oder sehr dunkler Stuhl kann auf Blutspuren hinweisen und ebenfalls ein Anzeichen für Darmkrebs sein. Bei fortgeschrittenem Darmkrebs können Gewichtsverlust, Übelkeit und Appetitlosigkeit hinzukommen.

    Diese Symptome können jedoch auch viele andere Ursachen haben. Meist steckt entweder etwas Harmloses dahinter oder die Symptome deuten auf eine andere, gutartige Erkrankung hin, zum Beispiel auf vergrößerte Hämorrhoiden oder eine entzündliche Darmerkrankung.

    Ursachen

    Darmkrebs entsteht, wenn Zellen in der Darmschleimhaut entarten, sich ungehindert vermehren und in umliegendes Gewebe hineinwachsen. Solche Zellveränderungen können verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel Umweltgifte oder radioaktive Strahlen. Oft entstehen sie allerdings zufällig. Normalerweise beseitigt das Abwehrsystem des Körpers bösartig veränderte Zellen. Dies gelingt aber nicht immer. Mit zunehmendem Alter häufen sich Fehler bei der Zellteilung, gleichzeitig werden die körpereigenen Reparaturmechanismen schwächer. Die meisten Krebsarten treten deshalb vor allem bei älteren Menschen auf.

    Bei den meisten Menschen lässt sich kein bestimmter Auslöser für Darmkrebs finden. Ungefähr 5 von 100 Erkrankten haben jedoch eine erbliche Form von Darmkrebs. Dabei handelt es sich entweder um die „familiäre adenomatöse Polyposis“ oder um das „hereditäre nicht polypöse kolorektale Karzinomsyndrom“. Diese beiden Formen treten meist schon in jungen Jahren auf.

    Risikofaktoren

    Es gibt bestimmte Faktoren, die das Risiko für Darmkrebs etwas erhöhen können. Unter anderem haben Menschen mit einer der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs. Wenn Eltern oder Geschwister bereits an Darmkrebs erkrankt sind, verdoppelt sich das in den folgenden Tabellen dargestellte Erkrankungsrisiko. Andere Faktoren wie die Ernährung, Diabetes oder Übergewicht haben einen eher geringen Einfluss.

    Häufigkeit

    Das Risiko für Darmkrebs nimmt mit dem Alter zu: Viele Menschen, die Darmkrebs haben, sind bereits über 75 Jahre alt. Bei unter 50-Jährigen ist Darmkrebs sehr selten.

    Manchmal wird Darmkrebs als typische Männerkrankheit gesehen. Dies ist ein Irrtum: Zwar tritt die Erkrankung bei Männern häufiger und oft auch in einem früheren Alter auf, Frauen können aber genauso daran erkranken.

    Die folgenden Tabellen zeigen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, in einem bestimmten Alter in den folgenden zehn Jahren an Darmkrebs zu erkranken. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte – das Erkrankungsrisiko eines Menschen hängt auch von seinen persönlichen Risikofaktoren ab.

     

    Tabelle: Darmkrebsrisiko bei Männern
    Alter Anzahl der Männer, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs erkranken Anzahl der Männer, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs sterben
    50 7 von 1000 2 von 1000
    55 13 von 1000 4 von 1000
    60 18 von 1000 6 von 1000
    65 24 von 1000 9 von 1000

     

    Tabelle: Darmkrebsrisiko bei Frauen
    Alter Anzahl der Frauen, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs erkranken Anzahl der Frauen, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs sterben
    50 5 von 1000 1 von 1000
    55 8 von 1000 2 von 1000
    60 10 von 1000 3 von 1000
    65 14 von 1000 5 von 1000

    Über das gesamte Leben betrachtet, sterben schätzungsweise 32 von 1000 Männern und 26 von 1000 Frauen an Darmkrebs.

    Verlauf

    Darmkrebs entwickelt sich über viele Jahre. Eine erste, noch harmlose Stufe sind gutartige Wucherungen der Schleimhaut. Sie werden Polypen oder Adenome genannt. Manche wachsen eher warzenartig als kleine Hügel, andere wie gestielte Pilze. Darmpolypen sind mit zunehmendem Alter weit verbreitet. Etwa ein Drittel der Erwachsenen über 55 Jahre hat zumindest einen Polypen im Darm.

    Die große Mehrzahl dieser Polypen bleibt klein und harmlos. Manche wachsen aber über Jahre, und einige werden bösartig.

    Wenn sich ein Polyp bösartig entwickelt, besteht das Risiko, dass die Krebszellen tiefer in die Darmwand einwachsen. Schreitet der Tumor weiter fort, kann er sich in andere Organe wie die Leber ausbreiten. Diese Verbreitung von Krebszellen nennt man „Metastasierung“. Wie die Erkrankung verläuft, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Wenn ein kleiner, örtlich begrenzter Darmtumor im frühen Stadium entfernt wird, sind die Aussichten (Prognose) gut: Die meisten Menschen sind nach der Operation geheilt. Wenn ein Darmkrebs schon fortgeschritten ist, sind die Chancen auf vollständige Heilung schlechter. Wenn sich Metastasen gebildet haben, ist eine Heilung meistens nicht mehr zu erwarten. Die Behandlung zielt dann darauf ab, das Fortschreiten des Tumors zu bremsen und trotz Darmkrebs so lange wie möglich eine gute Lebensqualität zu erhalten.

    Ob ein Krebs vollständig entfernt wurde, zeigt sich in der Regel in den ersten fünf Jahren nach der Behandlung. Wie hoch das Risiko für ein erneutes Auftreten ist, hängt unter anderem davon ab, in welchem Stadium der Krebs war.

    Diagnose

    Bei einem Verdacht auf Darmkrebs wird zunächst eine Darmspiegelung gemacht. Dabei wird der gesamte Dickdarm mit einem speziellen Endoskop untersucht. Es können auch Gewebeproben entnommen und im Labor auf Krebszellen untersucht werden. Es dauert normalerweise einige Tage, bis das Untersuchungsergebnis zurückkommt. Bei manchen Menschen ist es nicht möglich, den gesamten Dickdarm mit dem Endoskop zu untersuchen – zum Beispiel wegen einer Verengung oder Verklebung. In diesem Fall kann der Darm mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) untersucht werden.

    Durch einen Ultraschall des Bauchraums, ein Röntgenbild des Rumpfes und ein Abtasten des Mastdarms wird untersucht, ob sich ein Krebs bereits ausgebreitet hat. Bei einem Verdacht auf Metastasen können weitere Untersuchungen Aufschluss geben, wie ein CT des Bauchraums oder des Brustkorbs.

    Vor einer Behandlung wird außerdem Blut entnommen, um es auf einen Tumormarker zu untersuchen: das carcinoembryonale Antigen (CEA). Dieser Bluttest kann hilfreich sein, um den Erfolg einer Behandlung einzuschätzen.

    Wenn ein Darmkrebs nach einer Behandlung erneut auftritt, wird manchmal eine Positronen-Emissions-Tomografie gemacht.

    Früherkennung

    Darmkrebs lässt sich früh erkennen und sogar wirksam vorbeugen. Aus diesem Grund bietet die gesetzliche Krankenversicherung allen Versicherten die Möglichkeit, an der Darmkrebs-Früherkennung teilzunehmen. Die Darmkrebs-Früherkennung ist für Personen gedacht, die keine Anzeichen und kein besonderes Risiko für Darmkrebs haben. Menschen zum Beispiel mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden häufigere Untersuchungen empfohlen. Zu diesen Erkrankungen gehören Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

    In Deutschland bieten die Krankenkassen zwei Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs an:

    • einen Stuhltest, bei dem der Stuhl auf nicht sichtbare Blutspuren untersucht wird. Den Test können gesetzlich Versicherte ab 50 Jahre kostenlos in Anspruch nehmen: Männer und Frauen zwischen 50 und 54 einmal im Jahr und nach dem 55. Geburtstag alle zwei Jahre – es sei denn, sie entscheiden sich für eine Darmspiegelung.
    • die Darmspiegelung zur endoskopischen Untersuchung des Dickdarms. Dabei können vorhandene Polypen entfernt werden. Gesetzlich versicherte Frauen können zwei kostenlose Spiegelungen in Anspruch nehmen: die erste ab 55 Jahren, die zweite zehn Jahre später. Männer können die erste Darmspiegelung schon ab 50 Jahren machen lassen; die zweite dann ebenfalls zehn Jahre nach der ersten. Wurde bei der ersten Darmspiegelung ein Polyp entfernt, wird meist eine Wiederholung der Untersuchung in kürzeren Abständen empfohlen.

    Die Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs richten sich an Menschen im Alter von 50 bis 75 Jahren ohne besonderes Darmkrebsrisiko.

    Eine dritte Variante der Früherkennung ist die kleine Darmspiegelung (Sigmoidoskopie). Diese Untersuchung wird in Deutschland im Rahmen der Früherkennung jedoch nicht von den Krankenkassen erstattet.

    Grundsätzlich gilt: Wer Beschwerden hat, kann die Ursache immer kostenlos abklären lassen – gleichgültig, ob und wann zuletzt eine Früherkennungsuntersuchung wahrgenommen wurde.

    Vorbeugung

    Zur allgemeinen Vorbeugung von Darmkrebs gibt es viele Empfehlungen: Dazu gehören ausreichend Bewegung sowie eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen, wenig rotem Fleisch und wenig Alkohol. Bislang gibt es aber keine Belege dafür, dass dies vor Darmkrebs schützen kann.

    In Studien wurde auch schon getestet, ob die längerfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie ASS Darmkrebs vorbeugen kann. Weil unsicher ist, ob sie tatsächlich schützen und sie Nebenwirkungen haben können, werden sie aber nicht empfohlen.

    Behandlung

    Durch eine Operation wird Darmkrebs nach Möglichkeit vollständig entfernt. Bei Tumoren im frühen Stadium ist unter Umständen gar keine weitere Behandlung nötig. Wenn der Krebs weiter fortgeschritten ist, kommen weitere Behandlungen wie eine Bestrahlung oder Chemotherapie infrage.

    Leben und Alltag

    Wer Darmkrebs hatte, wird oft auch nach einer erfolgreichen Behandlung eine Phase der Unsicherheit durchmachen, weil man erst nach einigen Jahren sicher sein kann, dass man wirklich dauerhaft geheilt ist.

    Ein fortgeschrittener Darmkrebs kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Nach der Behandlung fühlen sich viele Menschen noch für eine Weile geschwächt und können im Alltag nicht mehr so aktiv sein wie vorher. Es braucht seine Zeit, bis es gelingt, die Diagnose, die Therapie und ihre Folgen zu verarbeiten.

    Wenn der Mastdarm von Krebs betroffen ist und operiert werden muss, gelingt es nicht immer, den Schließmuskel zu erhalten. Dann ist ein künstlicher Darmausgang (Stoma) erforderlich. Es kann länger dauern, sich daran zu gewöhnen, da man den Stuhlgang nur noch eingeschränkt kontrollieren kann und den Umgang mit dem künstlichen Darmausgang erst einmal erlernen muss. Gerade am Anfang schämen sich viele Menschen und ziehen sich zurück.

    Obwohl eine Darmkrebserkrankung einen großen Einschnitt im Leben bedeutet, finden viele Menschen mit der Zeit einen Weg, um damit umzugehen und trotzdem ein erfülltes Leben zu führen.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Für Menschen mit Darmkrebs gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. AWMF-Registernr.: 021-007OL. 11.2017. (Leitlinienprogramm Onkologie).

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Einladungsschreiben und Entscheidungshilfen zum Darmkrebs-Screening: Abschlussbericht; Auftrag P15-01. (IQWiG-Berichte; Band 451).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Darmkrebs in der Familie: Ist eine Früherkennungsuntersuchung zu einem früheren Zeitpunkt sinnvoll?

    Zur Früherkennung von Darmkrebs wird in Deutschland eine Darmspiegelung angeboten: Männern ab 50, Frauen ab 55 Jahren. Viele Fachleute schlagen vor, das Alter für Personen abzusenken, die enge Verwandte mit Darmkrebs haben. Allerdings ist bisher unklar, ob eine frühere Untersuchung tatsächlich Vorteile hätte.

    Wenn ein enger Verwandter an Krebs erkrankt, stellen sich viele Menschen die Frage, ob sie ebenfalls gefährdet sind. Bei Darmkrebs hängt die Antwort von der konkreten Situation ab.

    Es gibt Familien, in denen Darmkrebs bei mehreren, relativ jungen Personen auftritt. Dies kommt vor allem bei zwei erblichen Erkrankungen vor: dem „hereditären nicht polypösen kolorektalen Karzinomsyndrom“ (HNPCC) und der „familiären adenomatösen Polyposis“ (FAP). Um diese Krankheiten zu erkennen, kann es sinnvoll sein, bei nicht erkrankten Familienangehörigen nach bestimmten Genstörungen zu suchen. Betroffenen Familien wird dann eine spezielle Betreuung angeboten. Allerdings sind diese Erkrankungen relativ selten und betreffen nur wenige Familien.

    Häufiger kommt es vor, dass zum Beispiel die Eltern in höherem Alter an Darmkrebs erkranken. Auch das könnte darauf hinweisen, dass die Kinder ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben. Zur Früherkennung von Darmkrebs können in Deutschland alle  Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren eine Darmspiegelung wahrnehmen. Ob diese Untersuchung auch jüngeren Menschen angeboten werden sollte, wenn Geschwister oder Eltern an Darmkrebs erkrankt sind, wird diskutiert.

    Um die möglichen Vor- und Nachteile eines solchen Angebots besser beurteilen zu können, hat eine Wissenschaftlergruppe um das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) den bisherigen Stand des Wissens zu folgenden Fragen zusammengetragen.

    1. Wie hoch ist das eigene Darmkrebsrisiko, wenn ein naher Verwandter an Darmkrebs erkrankt ist?
    2. Sind bei einem erhöhten Risiko frühere Untersuchungen zur Früherkennung sinnvoll?
    3. Wenn man jemanden fragt, ob Verwandte an Darmkrebs erkrankt sind: Wie zuverlässig ist die Antwort?

    Wie hoch ist das Risiko, wenn ein Verwandter an Darmkrebs erkrankt ist?

    Die Antwort auf die erste Frage fällt relativ klar aus. Die Forschergruppe fand insgesamt sieben Studien, die untersucht hatten, ob Angehörige von Menschen mit Darmkrebs häufiger ebenfalls an Darmkrebs erkranken.

    Die Studien legen nahe, dass Personen unter 55 Jahre mit einem nahen Verwandten, der an Darmkrebs erkrankt ist, ein etwa zwei- bis viermal so hohes Darmkrebsrisiko haben wie gleichaltrige Personen ohne erkrankten Verwandten. Allerdings gilt das nur für Verwandte ersten Grades, also vor allem für erkrankte Eltern oder Geschwister. Es ist aber nicht klar, ob dieses erhöhte Risiko auf einer vererbten genetischen Anfälligkeit, auf Ähnlichkeiten der Lebensweise oder einer Kombination von beidem beruht.

    Sind bei erhöhtem Risiko frühere Früherkennungsuntersuchungen sinnvoll?

    Ab 50 Jahren haben in Deutschland alle gesetzlich Versicherten Anspruch auf eine Untersuchung einer Stuhlprobe auf verstecktes, das heißt nicht sichtbares Blut im Stuhl. Diese sogenannten immunologischen Stuhltests sind Bestandteil der Darmkrebs-Früherkennung und werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen: Für Frauen und Männer zwischen 50 und 54 Jahren bezahlt die Kasse einmal im Jahr den Stuhltest. Nach dem 55. Geburtstag bezahlt sie den Test alle zwei Jahre, wenn man sich gegen eine Darmspiegelung entscheidet. Führt der Stuhltest zu einem auffälligen Ergebnis, wird dies mit einer Darmspiegelung abgeklärt.

    Alternativ zum Stuhlbluttest kann man sich ab 50 (Männer) oder 55 Jahren (Frauen) direkt für eine Darmspiegelung entscheiden. Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt ab diesem Alter zwei Darmspiegelungen zur Früherkennung. Dabei müssen zwischen beiden Untersuchungen mindestens zehn Jahre Abstand liegen.

    Bei jungen Menschen ist das Risiko für Darmkrebs sehr gering, steigt aber mit dem Alter an. Daher wird ab einem Alter von 50 Jahren eine Darmkrebs-Früherkennung angeboten. Bei Menschen mit Darmkrebs in der Familie ist das Risiko aber generell höher. Daher könnte es sinnvoll sein, ihnen schon zu einem früheren Zeitpunkt eine Darmspiegelung anzubieten.

    Allerdings kann eine Darmspiegelung auch Nachteile haben. Das Forscherteam des IQWiG suchte deshalb nach Studien, die gezielt den Nutzen und Schaden einer Darmkrebs-Früherkennung bei jüngeren Personen mit erhöhtem familiärem Risiko untersucht haben.

    Hier ist das Ergebnis enttäuschend. Es gibt zwar Studien, die Nutzen und Schaden von Stuhlbluttest und der „kleinen“ Darmspiegelung (Sigmoidoskopie) untersucht haben. Diese haben sich aber auf ältere Personen konzentriert, ohne auf das familiäre Risiko besonders zu achten. Zur „großen“ Darmspiegelung (Koloskopie) fand die IQWiG-Forschergruppe nur zwei Studien mit Personen mit familiärem Risiko: Die Ergebnisse der einen Studie sind nicht verwertbar. Die andere Studie weist verschiedene Mängel auf und unterschied nicht zwischen jüngeren und älteren Personen mit familiärem Risiko.

    Ob eine Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchung für Personen unter 55 Jahren, deren nahe Verwandte an Krebs erkrankt sind, insgesamt mehr Vor- oder Nachteile hat, ist daher unklar.

    Wie zuverlässig ist die Antwort, wenn man nach Darmkrebs bei Verwandten fragt?

    Einige Fachleute schlagen vor, dass zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte ihre Patientinnen und Patienten routinemäßig fragen sollen, ob sie einen engen Verwandten mit Darmkrebs haben. Es ist allerdings keineswegs garantiert, dass man auf diese Frage eine richtige Antwort erhält: Darmerkrankungen sind vielen Menschen peinlich. Studien zeigen, dass Menschen, die an Darmkrebs erkrankt sind, darüber auch in der Familie oft nicht sprechen. Das kann dazu führen, dass Menschen auf die einfach scheinende Frage „Haben Sie einen an Darmkrebs erkrankten Verwandten?“ unwissentlich eine falsche Antwort geben.

    Die IQWiG-Forschergruppe hat deshalb auch untersucht, wie zuverlässig solche Befragungen sind. Das Ergebnis ist ernüchternd. Obwohl dazu Fragebögen erhältlich sind, ist die Zuverlässigkeit der Antworten unklar. Zu schriftlichen Fragebögen fand die IQWiG-Forschergruppe überhaupt keine Studien.

    In der weltweiten Literatur fanden sich nur eine US-amerikanische und eine schwedische Interview-Studie. In beiden Studien wurden die Teilnehmenden zuerst persönlich nach Erkrankungen in der Familie befragt. Dann wurden ihre Angaben überprüft, zum Beispiel indem man in Krankenakten der Verwandten geschaut hat. An den Studien nahmen auch Menschen teil, die deutlich älter als 55 Jahre waren. Die Studien zeigen, dass viele nicht genau wissen, ob ein Familienmitglied an Darmkrebs erkrankt ist:

    • In einer Studie wussten 47 von 100 Personen, die einen erkrankten Verwandten hatten, nichts von der Krankheit, in der anderen Studie waren es 19 von 100. Die falschen Antworten führten dazu, dass eine familiäre Vorbelastung übersehen wurde („falsch-negatives“ Testergebnis). Diese Menschen würde zum Beispiel ein besonderes Früherkennungsangebot gar nicht erreichen.
    • Auch bei Menschen ohne familiäre Vorbelastung kam es zu falschen Antworten: In den Studien gaben bis zu 6 von 100 Personen an, einen Verwandten mit Darmkrebs zu haben, obwohl das in Wirklichkeit gar nicht stimmte. Vermutlich hatten sie Darmkrebs mit anderen Erkrankungen verwechselt. Ohne eine Überprüfung der Antwort würde bei diesen Menschen ein erhöhtes Risiko vermutet, das in Wirklichkeit gar nicht besteht („falsch-positives“ Testergebnis). Würde diesen Menschen eine besondere Früherkennungsuntersuchung angeboten, hätten sie davon keine Vorteile.

    Diese Studien zeigen zudem, dass auch eine einfach scheinende Frage unerwünschte Wirkungen haben kann: Denn wer aufgrund seiner Antwort glaubt, dass sein Krebsrisiko erhöht ist, kann schon dadurch in Sorge versetzt werden. Und auch eine Entwarnung muss gut begründet sein: Denn wer sich fälschlicherweise in Sicherheit wiegt, unterlässt vielleicht sinnvolle Untersuchungen zur Darmkrebs-Früherkennung.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Bewertung des Nutzens einer Früherkennungsuntersuchung für Personen unter 55 Jahren mit familiärem Darmkrebsrisiko: Abschlussbericht; Auftrag S11-01. 29.05.2013. (IQWiG-Berichte; Band 166).

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Darmkrebsfrüherkennung bei Personen unter 55 Jahren mit familiärem Risiko - Aktualisierung: Rapid Report; Auftrag S17-01. 24.04.2018. (IQWiG-Berichte; Band 617).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Anzeichen für Darmkrebs

    Darmkrebs verursacht zunächst keine Beschwerden und wird daher oft erst in einem späteren Stadium erkannt. Bestimmte Symptome können zwar ein Anzeichen für Darmkrebs sein, meist steckt aber eine andere, nicht bösartige Erkrankung dahinter.

    Mögliche Anzeichen für Darmkrebs sind:

    • Blut im Stuhl oder Bluten aus dem After
    • Absonderung von Schleim aus dem After
    • Veränderung des Stuhlgangs über mehrere Wochen (zum Beispiel Verstopfung oder Durchfall, teilweise auch im Wechsel)
    • das Gefühl, den Darm nicht richtig entleeren zu können
    • Schmerzen oder Krämpfe im Unterleib oder im Bereich des Afters
    • unerklärlicher Gewichtsverlust
    • Müdigkeit und Schwäche

    All diese Symptome sind unspezifisch – das bedeutet, sie können auch durch verschiedene andere Erkrankungen hervorgerufen werden. Dazu gehören zum Beispiel ein Reizdarmsyndrom, eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis), ein Magengeschwür, eine Lebensmittelunverträglichkeit oder eine entzündliche Darmerkrankung. Gerade bei Menschen unter 40 Jahren ist Darmkrebs nur sehr selten die Ursache solcher Beschwerden.

    Darmkrebs verursacht zunächst keine Beschwerden und wird daher oft erst in einem späteren Stadium erkannt. Bestimmte Symptome können zwar ein Anzeichen für Darmkrebs sein, meist steckt aber eine andere, nicht bösartige Erkrankung dahinter.

    Mögliche Anzeichen für Darmkrebs sind:

    • Blut im Stuhl oder Bluten aus dem After
    • Absonderung von Schleim aus dem After
    • Veränderung des Stuhlgangs über mehrere Wochen (zum Beispiel Verstopfung oder Durchfall, teilweise auch im Wechsel)
    • das Gefühl, den Darm nicht richtig entleeren zu können
    • Schmerzen oder Krämpfe im Unterleib oder im Bereich des Afters
    • unerklärlicher Gewichtsverlust
    • Müdigkeit und Schwäche

    All diese Symptome sind unspezifisch – das bedeutet, sie können auch durch verschiedene andere Erkrankungen hervorgerufen werden. Dazu gehören zum Beispiel ein Reizdarmsyndrom, eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis), ein Magengeschwür, eine Lebensmittelunverträglichkeit oder eine entzündliche Darmerkrankung. Gerade bei Menschen unter 40 Jahren ist Darmkrebs nur sehr selten die Ursache solcher Beschwerden.

    Quellen

    Adelstein BA, Macaskill P, Chan SF, Katelaris PH, Irwig L. Most bowel cancer symptoms do not indicate colorectal cancer and polyps: a systematic review. BMC Gastroenterol 2011; 11:65.

    Jellema P, van der Windt DA, Bruinvels DJ, Mallen CD, van Weyenberg SJ, Mulder CJ et al. Value of symptoms and additional diagnostic tests for colorectal cancer in primary care: systematic review and meta-analysis. BMJ 2010; 340: c1269.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Der Stuhltest: Informationen für Frauen

    Ein Stuhltest weist unsichtbare Blutspuren nach, die von Tumoren oder Polypen im Darm stammen können. Wenn der Test solche Spuren findet, wird durch eine Darmspiegelung abgeklärt, ob sie wirklich von einem Tumor oder einer Vorstufe stammen. In Kombination mit der Darmspiegelung kann der Stuhltest nachweislich das Risiko verringern, an Darmkrebs zu sterben.

    Der Stuhltest untersucht eine Stuhlprobe auf nicht sichtbare (medizinisch: okkulte) Blutspuren. Sie können auf Darmpolypen oder Krebs hinweisen. Blut im Stuhl hat aber meist andere Ursachen, wie zum Beispiel eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis).

    Stuhltests sind daher als Vortest gedacht: Ein auffälliger Stuhltest wird durch eine Darmspiegelung abgeklärt. Erst dadurch lässt sich feststellen, was die Ursache der Blutung ist. Einen Stuhltest in Anspruch zu nehmen, ist also vor allem dann sinnvoll, wenn man auch dazu bereit ist, sich bei einem auffälligen Testergebnis den Darm spiegeln zu lassen.

    Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für immunologische Stuhltests. Sie haben die chemischen Stuhltests abgelöst, da sie genauer sind. Frauen zwischen 50 und 54 haben einmal im Jahr Anspruch auf einen Stuhltest und nach dem 55. Geburtstag alle zwei Jahre. Wenn ein Test Blutspuren findet, hängt das weitere Vorgehen vom Untersuchungsergebnis der sich anschließenden Darmspiegelung ab. Nach einer Darmspiegelung ist in den folgenden Jahren kein Stuhltest mehr nötig.

    Ein Stuhltest weist unsichtbare Blutspuren nach, die von Tumoren oder Polypen im Darm stammen können. Wenn der Test solche Spuren findet, wird durch eine Darmspiegelung abgeklärt, ob sie wirklich von einem Tumor oder einer Vorstufe stammen. In Kombination mit der Darmspiegelung kann der Stuhltest nachweislich das Risiko verringern, an Darmkrebs zu sterben.

    Der Stuhltest untersucht eine Stuhlprobe auf nicht sichtbare (medizinisch: okkulte) Blutspuren. Sie können auf Darmpolypen oder Krebs hinweisen. Blut im Stuhl hat aber meist andere Ursachen, wie zum Beispiel eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis).

    Stuhltests sind daher als Vortest gedacht: Ein auffälliger Stuhltest wird durch eine Darmspiegelung abgeklärt. Erst dadurch lässt sich feststellen, was die Ursache der Blutung ist. Einen Stuhltest in Anspruch zu nehmen, ist also vor allem dann sinnvoll, wenn man auch dazu bereit ist, sich bei einem auffälligen Testergebnis den Darm spiegeln zu lassen.

    Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für immunologische Stuhltests. Sie haben die chemischen Stuhltests abgelöst, da sie genauer sind. Frauen zwischen 50 und 54 haben einmal im Jahr Anspruch auf einen Stuhltest und nach dem 55. Geburtstag alle zwei Jahre. Wenn ein Test Blutspuren findet, hängt das weitere Vorgehen vom Untersuchungsergebnis der sich anschließenden Darmspiegelung ab. Nach einer Darmspiegelung ist in den folgenden Jahren kein Stuhltest mehr nötig.

    Wie läuft ein Stuhltest ab?

    Die Darmkrebs-Früherkennung ist ein freiwilliges Angebot. Wer einen Stuhltest machen möchte, muss sich direkt an eine Ärztin oder einen Arzt wenden. Ausgehändigt wird der Stuhltest in der Regel von Fachärztinnen und -ärzten für

    • Allgemeinmedizin (Hausärzte),
    • Innere Medizin,
    • Urologie oder
    • Gynäkologie.

    In der Arztpraxis lassen sich auch Fragen zur Anwendung klären. Informationen dazu finden sich zudem in der Gebrauchsanweisung. Den Test nimmt man mit nach Hause. Eine Stuhlprobe ist fünf Tage haltbar. Die Arztpraxis informiert darüber, wann sie wieder abgegeben werden muss, damit sie rechtzeitig untersucht werden kann.

    Die Testpackung enthält alles, was zur Entnahme der Stuhlprobe nötig ist. Um den Stuhl aufzufangen, wird ein spezielles Papier in die Toilette gelegt. Die Stuhlprobe wird dann mit einem kleinen Stab entnommen und in ein Röhrchen gesteckt, das luftdicht verschraubt wird. Das Röhrchen steckt man in einen Umschlag und gibt es wieder in der Arztpraxis ab. Von dort wird die Probe zur Auswertung an ein Labor gesendet.

    Wichtig ist: Die Arztpraxis meldet sich nur, falls Blutspuren gefunden werden. Wenn Sie nichts weiter hören, war das Testergebnis unauffällig.

    Wie zuverlässig ist der Stuhltest?

    Der Stuhltest ist relativ einfach anzuwenden und hat keine direkten Nebenwirkungen. Er ist aber nicht sehr zuverlässig. So ist das Testergebnis häufig auffällig, ohne dass Krebs die Ursache ist. Man spricht dann von einem sogenannten „falsch-positiven“ Testergebnis. Das liegt daran, dass zum Beispiel auch Magengeschwüre oder Entzündungen in Magen und Darm bluten können.

    Außerdem hinterlässt nicht jeder Darmkrebs oder Polyp Blutspuren im Stuhl. Aus diesem Grund übersieht ein einzelner Stuhltest etwa 30 % der Tumore und viele Polypen. In diesem Fall spricht man von einem „falsch-negativen“ Testergebnis. Es ist deshalb wichtig, dass man Darmbeschwerden, die einem Sorgen machen, ernst nimmt – auch wenn der letzte Test unauffällig war.

    Mit welchen Ergebnissen ist zu rechnen, wenn man regelmäßig einen Stuhltest macht?

    Bei ungefähr 50 von 1000 Frauen, die einen Stuhltest machen, werden Blutspuren im Stuhl gefunden. Diese Frauen werden zur Darmspiegelung eingeladen. Alle anderen können den Test alle ein bis zwei Jahre wiederholen. Der Stuhltest ist auch nur dann sinnvoll, wenn man ihn über viele Jahre regelmäßig macht. Dadurch steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit für einen auffälligen Befund. Die nachfolgende Grafik zeigt, welche Ergebnisse zu erwarten sind, wenn 1000 Frauen in den zehn Jahren nach ihrem 50. Geburtstag regelmäßig einen Stuhltest machen.

    Grafik: Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Frauen untersucht werden? Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Frauen untersucht werden?

    Senkt die regelmäßige Teilnahme am Stuhltest das Risiko für Darmkrebs?

    Mehrere Studien haben untersucht, was Frauen erwarten können, wenn sie regelmäßig einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl machen. Sie zeigten, dass die Stuhltests das Risiko verringern können, an Darmkrebs zu sterben. Es ist allerdings nicht nachgewiesen, dass sie das Risiko senken, an Darmkrebs zu erkranken. Die folgenden Tabellen stellen die wichtigsten Ergebnisse getrennt für Frauen im Alter von 50 Jahren und für Frauen im Alter von 60 Jahren dar. Sie gelten für einen Zeitraum von 10 Jahren.

     

    Von 1000 Frauen im Alter von 50 Jahren ...
      ... sterben an Darmkrebs:
    Ohne Früherkennung 1
    Mit Stuhltest 0 bis 1
    Das heißt: Von 1000 Frauen ...

    ... stirbt

    bis zu 1 Frau

    weniger an Darmkrebs

     

    Von 1000 Frauen im Alter von 60 Jahren ...
      ... sterben an Darmkrebs:
    Ohne Früherkennung 3
    Mit Stuhltest 2 bis 3
    Das heißt: Von 1000 Frauen ...

    ... stirbt

    1 Frau

    weniger an Darmkrebs

    Weitere Stuhltests

    Manchen Frauen werden in der Arztpraxis andere Stuhltests zur Darmkrebs-Früherkennung angeboten, die sie selbst bezahlen müssten (Individuelle Gesundheitsleistung, IGeL). Diese Tests sind der sogenannte M2-PK-Stuhltest und der DNA-Stuhltest. Beim M2-PK-Stuhltest wird im Stuhl nach einem Enzym gesucht, das Hinweise auf Darmkrebs liefern soll. Beim DNA-Stuhltest wird nach Erbgut-Resten von Krebszellen gesucht, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Bislang ist aber nur für Stuhl-Bluttests durch aussagekräftige Studien nachgewiesen, dass sie das Risiko senken, an Darmkrebs zu sterben. Andere Angebote können daher mit ruhigem Gewissen abgelehnt werden.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Kolorektales Karzinom. S3-Leitlinie. 06.2013 (AWMF-Leitlinien; Band 021-007OL).

    Hewitson P, Glasziou P, Irwig L, Towler B, Watson E. Screening for colorectal cancer using the faecal occult blood test, Hemoccult. Cochrane Database Syst Rev 2007; (1): CD001216.

    Holme Ø, Bretthauer M, Fretheim A, Odgaard-Jensen J, Hoff G. Flexible sigmoidoscopy versus faecal occult blood testing for colorectal cancer screening in asymptomatic individuals. Cochrane Database Syst Rev 2013; (9): CD009259.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Einladungsschreiben und Entscheidungshilfen zum Darmkrebs-Screening: Abschlussbericht; Auftrag P15-01. 24.10.2016. (IQWiG-Berichte; Band 451).

    Lin JS, Piper MA, Perdue LA, Rutter C, Webber EM, O’Connor E et al. Screening for Colorectal Cancer: A Systematic Review for the U.S. Preventive Services Task Force. Rockville (MD): AHRQ, 06.2016. (Evidence Syntheses, Band 135).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Der Stuhltest: Informationen für Männer

    Ein Stuhltest weist unsichtbare Blutspuren nach, die von Tumoren oder Polypen im Darm stammen können. Wenn der Test solche Spuren findet, wird durch eine Darmspiegelung abgeklärt, ob sie wirklich von einem Tumor oder einer Vorstufe stammen. In Kombination mit der Darmspiegelung kann der Stuhltest nachweislich das Risiko verringern, an Darmkrebs zu sterben.

    Der Stuhltest untersucht eine Stuhlprobe auf nicht sichtbare (medizinisch: okkulte) Blutspuren. Sie können auf Darmpolypen oder Krebs hinweisen. Blut im Stuhl hat aber meist andere Ursachen, wie zum Beispiel eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis).

    Stuhltests sind daher als Vortest gedacht: Ein auffälliger Stuhltest wird durch eine Darmspiegelung abgeklärt. Erst dadurch lässt sich feststellen, was die Ursache der Blutung ist. Einen Stuhltest in Anspruch zu nehmen, ist also vor allem dann sinnvoll, wenn man auch dazu bereit ist, sich bei einem auffälligen Testergebnis den Darm spiegeln zu lassen.

    Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für immunologische Stuhltests. Sie haben die chemischen Stuhltests abgelöst, da sie genauer sind. Männer zwischen 50 und 54 haben einmal im Jahr Anspruch auf einen Stuhltest und nach dem 55. Geburtstag alle zwei Jahre. Wenn ein Test Blutspuren findet, hängt das weitere Vorgehen vom Untersuchungsergebnis der sich anschließenden Darmspiegelung ab. Nach einer Darmspiegelung ist in den folgenden Jahren kein Stuhltest mehr nötig.

    Ein Stuhltest weist unsichtbare Blutspuren nach, die von Tumoren oder Polypen im Darm stammen können. Wenn der Test solche Spuren findet, wird durch eine Darmspiegelung abgeklärt, ob sie wirklich von einem Tumor oder einer Vorstufe stammen. In Kombination mit der Darmspiegelung kann der Stuhltest nachweislich das Risiko verringern, an Darmkrebs zu sterben.

    Der Stuhltest untersucht eine Stuhlprobe auf nicht sichtbare (medizinisch: okkulte) Blutspuren. Sie können auf Darmpolypen oder Krebs hinweisen. Blut im Stuhl hat aber meist andere Ursachen, wie zum Beispiel eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis).

    Stuhltests sind daher als Vortest gedacht: Ein auffälliger Stuhltest wird durch eine Darmspiegelung abgeklärt. Erst dadurch lässt sich feststellen, was die Ursache der Blutung ist. Einen Stuhltest in Anspruch zu nehmen, ist also vor allem dann sinnvoll, wenn man auch dazu bereit ist, sich bei einem auffälligen Testergebnis den Darm spiegeln zu lassen.

    Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für immunologische Stuhltests. Sie haben die chemischen Stuhltests abgelöst, da sie genauer sind. Männer zwischen 50 und 54 haben einmal im Jahr Anspruch auf einen Stuhltest und nach dem 55. Geburtstag alle zwei Jahre. Wenn ein Test Blutspuren findet, hängt das weitere Vorgehen vom Untersuchungsergebnis der sich anschließenden Darmspiegelung ab. Nach einer Darmspiegelung ist in den folgenden Jahren kein Stuhltest mehr nötig.

    Wie läuft ein Stuhltest ab?

    Die Darmkrebs-Früherkennung ist ein freiwilliges Angebot. Wer einen Stuhltest machen möchte, muss sich direkt an eine Ärztin oder einen Arzt wenden. Ausgehändigt wird der Stuhltest in der Regel von Fachärztinnen und -ärzten für

    • Allgemeinmedizin (Hausärzte),
    • Innere Medizin oder
    • Urologie.

    In der Arztpraxis lassen sich auch Fragen zur Anwendung klären. Informationen dazu finden sich zudem in der Gebrauchsanweisung. Den Test nimmt man mit nach Hause. Eine Stuhlprobe ist fünf Tage haltbar. Die Arztpraxis informiert darüber, wann sie wieder abgegeben werden muss, damit sie rechtzeitig untersucht werden kann.

    Die Testpackung enthält alles, was zur Entnahme der Stuhlprobe nötig ist. Um den Stuhl aufzufangen, wird ein spezielles Papier in die Toilette gelegt. Die Stuhlprobe wird dann mit einem kleinen Stab entnommen und in ein Röhrchen gesteckt, das luftdicht verschraubt wird. Das Röhrchen steckt man in einen Umschlag und gibt es wieder in der Arztpraxis ab. Von dort wird die Probe zur Auswertung an ein Labor gesendet.

    Wichtig ist: Die Arztpraxis meldet sich nur, falls Blutspuren gefunden werden. Wenn Sie nichts weiter hören, war das Testergebnis unauffällig.

    Wie zuverlässig ist der Stuhltest?

    Der Stuhltest ist relativ einfach anzuwenden und hat keine direkten Nebenwirkungen. Er ist aber nicht sehr zuverlässig. So ist das Testergebnis häufig auffällig, ohne dass Krebs die Ursache ist. Man spricht dann von einem sogenannten „falsch-positiven“ Testergebnis. Das liegt daran, dass zum Beispiel auch Magengeschwüre oder Entzündungen in Magen und Darm bluten können.

    Außerdem hinterlässt nicht jeder Darmkrebs oder Polyp Blutspuren im Stuhl. Aus diesem Grund übersieht ein einzelner Stuhltest etwa 30 % der Tumore und viele Polypen. In diesem Fall spricht man von einem „falsch-negativen“ Testergebnis. Es ist deshalb wichtig, dass man Darmbeschwerden, die einem Sorgen machen, ernst nimmt – auch wenn der letzte Test unauffällig war.

    Mit welchen Ergebnissen ist zu rechnen, wenn man regelmäßig einen Stuhltest macht?

    Bei ungefähr 50 von 1000 Männern, die einen Stuhltest machen, werden Blutspuren im Stuhl gefunden. Diese Männer werden zur Darmspiegelung eingeladen. Alle anderen können den Test alle ein bis zwei Jahre wiederholen. Der Stuhltest ist auch nur dann sinnvoll, wenn man ihn über viele Jahre regelmäßig macht. Dadurch steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit für einen auffälligen Befund. Die nachfolgende Grafik zeigt, welche Ergebnisse zu erwarten sind, wenn 1000 Männer in den zehn Jahren nach ihrem 50. Geburtstag regelmäßig einen Stuhltest machen.

    Grafik: Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer untersucht werden? Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer untersucht werden?

    Senkt die regelmäßige Teilnahme am Stuhltest das Risiko für Darmkrebs?

    Mehrere Studien haben untersucht, was Männer erwarten können, wenn sie regelmäßig einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl machen. Sie zeigten, dass die Stuhltests das Risiko verringern können, an Darmkrebs zu sterben. Es ist allerdings nicht nachgewiesen, dass sie das Risiko senken, an Darmkrebs zu erkranken. Die folgenden Tabellen stellen die wichtigsten Ergebnisse getrennt für Männer im Alter von 50 Jahren und für Männer im Alter von 60 Jahren dar. Sie gelten für einen Zeitraum von 10 Jahren.

     

    Von 1000 Männern im Alter von 50 Jahren ...
      ... sterben an Darmkrebs:
    Ohne Früherkennung 2
    Mit Stuhltest 1 bis 2
    Das heißt: Von 1000 Männern ...

    ... stirbt

    bis zu 1 Mann

    weniger an Darmkrebs

     

    Von 1000 Männern im Alter von 60 Jahren ...
      ... sterben an Darmkrebs:
    Ohne Früherkennung 6
    Mit Stuhltest 5
    Das heißt: Von 1000 Männern ...

    ... stirbt

    1 Mann

    weniger an Darmkrebs

    Weitere Stuhltests

    Manchen Männern werden in der Arztpraxis andere Stuhltests zur Darmkrebs-Früherkennung angeboten, die sie selbst bezahlen müssten (Individuelle Gesundheitsleistung, IGeL). Diese Tests sind der sogenannte M2-PK-Stuhltest und der DNA-Stuhltest. Beim M2-PK-Stuhltest wird im Stuhl nach einem Enzym gesucht, das Hinweise auf Darmkrebs liefern soll. Beim DNA-Stuhltest wird nach Erbgut-Resten von Krebszellen gesucht, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Bislang ist aber nur für Stuhl-Bluttests durch aussagekräftige Studien nachgewiesen, dass sie das Risiko senken, an Darmkrebs zu sterben. Andere Angebote können daher mit ruhigem Gewissen abgelehnt werden.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Kolorektales Karzinom. S3-Leitlinie. 06.2013 (AWMF-Leitlinien; Band 021-007OL).

    Hewitson P, Glasziou P, Irwig L, Towler B, Watson E. Screening for colorectal cancer using the faecal occult blood test, Hemoccult. Cochrane Database Syst Rev 2007; (1): CD001216.

    Holme Ø, Bretthauer M, Fretheim A, Odgaard-Jensen J, Hoff G. Flexible sigmoidoscopy versus faecal occult blood testing for colorectal cancer screening in asymptomatic individuals. Cochrane Database Syst Rev 2013; (9): CD009259.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Einladungsschreiben und Entscheidungshilfen zum Darmkrebs-Screening: Abschlussbericht; Auftrag P15-01. 24.10.2016. (IQWiG-Berichte; Band 451).

    Lin JS, Piper MA, Perdue LA, Rutter C, Webber EM, O’Connor E et al. Screening for Colorectal Cancer: A Systematic Review for the U.S. Preventive Services Task Force. Rockville (MD): AHRQ, 06.2016. (Evidence Syntheses, Band 135).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Die große Darmspiegelung: Informationen für Frauen

    Bei einer Darmspiegelung wird der Darm auf Polypen und verdächtige Veränderungen untersucht. Polypen, die später zu Krebs werden könnten, lassen sich dabei direkt entfernen. Es können Komplikationen wie Blutungen auftreten und es besteht ein geringes Risiko, dass die Darmwand verletzt wird.

    Jede Frau kann ab ihrem 55. Lebensjahr zweimal eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs machen lassen. Haben sich bei der ersten Darmspiegelung keine Auffälligkeiten gezeigt, wird die zweite Spiegelung nach frühestens zehn Jahren angeboten. Der Grund für den Abstand ist, dass es viele Jahre dauert, bis aus Darmpolypen Krebs entstehen kann. Wer sich zehn Jahre nach der ersten gegen eine zweite Darmspiegelung entscheidet, kann stattdessen alle zwei Jahre einen Stuhltest machen.

    Frauen über 75 Jahre wird in der Regel keine Darmspiegelung zur Früherkennung mehr empfohlen, da das Risiko für Komplikationen mit dem Alter zunimmt. Auch bei Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel einer schweren Herzschwäche kann eine Darmspiegelung zu belastend sein.

    Bei einer Darmspiegelung wird der Darm auf Polypen und verdächtige Veränderungen untersucht. Polypen, die später zu Krebs werden könnten, lassen sich dabei direkt entfernen. Es können Komplikationen wie Blutungen auftreten und es besteht ein geringes Risiko, dass die Darmwand verletzt wird.

    Jede Frau kann ab ihrem 55. Lebensjahr zweimal eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs machen lassen. Haben sich bei der ersten Darmspiegelung keine Auffälligkeiten gezeigt, wird die zweite Spiegelung nach frühestens zehn Jahren angeboten. Der Grund für den Abstand ist, dass es viele Jahre dauert, bis aus Darmpolypen Krebs entstehen kann. Wer sich zehn Jahre nach der ersten gegen eine zweite Darmspiegelung entscheidet, kann stattdessen alle zwei Jahre einen Stuhltest machen.

    Frauen über 75 Jahre wird in der Regel keine Darmspiegelung zur Früherkennung mehr empfohlen, da das Risiko für Komplikationen mit dem Alter zunimmt. Auch bei Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel einer schweren Herzschwäche kann eine Darmspiegelung zu belastend sein.

    Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

    Bei einer großen Darmspiegelung (Koloskopie) wird der gesamte Dickdarm mit einem speziellen Endoskop untersucht (Koloskop). Dabei handelt es sich um einen etwa 1,5 m langen, flexiblen Schlauch von etwa 1 cm Durchmesser. Am Ende des Koloskops befinden sich eine Lichtquelle und eine winzige Videokamera, mit der Ärztinnen und Ärzte die Darmwand betrachten können. Werden während der Spiegelung Polypen oder verdächtige Schleimhautstellen entdeckt, lassen sie sich direkt entfernen. Zu diesem Zweck kann eine kleine Schlinge oder Zange in das Koloskop geschoben werden. Das entfernte Gewebe wird anschließend im Labor genauer untersucht.

    Das Koloskop wird durch den After eingeführt und bis zum Übergang zwischen Dick- und Dünndarm vorgeschoben (etwa bis zum Blinddarm, siehe Grafik). Dann zieht die Ärztin oder der Arzt das Koloskop langsam wieder heraus und betrachtet dabei die Darmwand. Während der Untersuchung wird der Darm mit Luft oder Kohlendioxid geweitet, um die Sicht auf die Darmschleimhaut zu verbessern.

     

    Grafik: Während der Darmspiegelung - wie im Text beschrieben Während der Darmspiegelung

    Wie bereitet man sich auf die Darmspiegelung vor?

    Bei einem Arzttermin vor der Untersuchung werden der Ablauf und die Vorbereitung genau besprochen. Vor einer großen Darmspiegelung soll der Dickdarm möglichst vollständig geleert werden. Dazu trinkt man je nach Termin am Abend vor und / oder am Morgen der Untersuchung ein Abführmittel mit reichlich Flüssigkeit, insgesamt zwei bis vier Liter. Erlaubt sind Wasser, Brühe, Tee und Säfte. Auf feste Kost muss ab zwei bis drei Stunden vor dem Abführen bis nach der Untersuchung verzichtet werden. Wichtig ist, dass am Ende der Prozedur auf der Toilette nur noch eine klare Flüssigkeit ausgeschieden wird.

    Nach der Darmspiegelung ist es normalerweise sofort wieder möglich zu essen. Wenn größere Polypen entfernt wurden, kann es aber sinnvoll sein, noch eine Weile damit zu warten.

    Vor der Darmspiegelung wird ein Beruhigungsmittel angeboten. Es bewirkt, dass man kurz einschläft und von der Untersuchung kaum etwas merkt. Wer Beruhigungsmittel nimmt, sollte nach der Darmspiegelung für 24 Stunden weder Auto fahren noch Maschinen bedienen. Die Untersuchung dauert etwa 15 bis 45 Minuten.

    Manchmal wird eine Darmspiegelung abgebrochen, weil sie zu unangenehm ist. Zudem gelingt es aufgrund von anatomischen Besonderheiten nicht immer, das Endoskop weit genug vorzuschieben, um den gesamten Dickdarm einzusehen. Dieses Problem tritt häufiger auf, wenn schon einmal am Bauch operiert wurde: Narben und Verwachsungen in der Bauchhöhle können dazu führen, dass die Darmschlingen zu wenig beweglich sind.

    Wie zuverlässig ist die Darmspiegelung?

    Bei einer großen Darmspiegelung wird der ganze Dickdarm auf Polypen und krebsverdächtiges Gewebe untersucht. Dadurch können die meisten größeren Darmpolypen entdeckt werden. Auch eine große Darmspiegelung bietet allerdings keinen hundertprozentigen Schutz davor, an Darmkrebs zu erkranken. Vor allem kleine oder flache Polypen, die weniger gut sichtbar sind, können übersehen werden. Manchmal gelingt es auch nicht, den Darm vor der Untersuchung vollständig zu reinigen. Dann ist die Sicht auf die Darmwände erschwert.

    Wenn bereits ein Tumor gewachsen ist, wird dieser bei der Darmspiegelung aber fast immer gefunden. Schätzungen zufolge werden 95 % der Tumore durch die Untersuchung entdeckt.

    Senkt die Darmspiegelung das Risiko für Darmkrebs?

    Mehrere Studien haben die Vor- und Nachteile der Darmspiegelung untersucht. Sie hängen auch vom Alter zum Zeitpunkt der Untersuchung ab. Die folgenden Tabellen stellen die wichtigsten Ergebnisse für Frauen im Alter von 55 Jahren und für Frauen im Alter von 65 Jahren dar. Sie gelten jeweils für einen Zeitraum von zehn Jahren und eine Darmspiegelung.

     

    Von 1000 Frauen im Alter von 55 Jahren ...
      ... sterben an Darmkrebs: ... erkranken an Darmkrebs: ... haben Komplikationen:
    Ohne Früherkennung 2 8 0
    Mit Darmspiegelung 1 3 bis 7 1
    Das heißt: Von 1000 Frauen ... 

    ... stirbt

    1 Frau

    weniger an Darmkrebs

    ... erkranken

    1 bis 5 Frauen

    weniger an Darmkrebs

    ... hat

    1 Frau

    Komplikationen

     

    Von 1000 Frauen im Alter von 65 Jahren ...
      ... sterben an Darmkrebs: ... erkranken an Darmkrebs: ... haben Komplikationen:
    Ohne Früherkennung 5 14 0
    Mit Darmspiegelung 2 bis 4 4 bis 11 2
    Das heißt: Von 1000 Frauen ... 

    ... sterben

    1 bis 3 Frauen

    weniger an Darmkrebs

    ... erkranken

    3 bis 10 Frauen

    weniger an Darmkrebs

    ... haben

    2 Frauen

    Komplikationen

    Welche möglichen Nebenwirkungen und Risiken hat eine Darmspiegelung?

    Die Koloskopie ist die aufwendigste Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs. Die Vorbereitung – das Trinken großer Mengen Flüssigkeit und komplette Abführen – ist unangenehm und anstrengend.

    Das Aufweiten des Darms mit Luft führt relativ häufig zu vorübergehenden Nebenwirkungen wie leichten Schmerzen oder Blähungen. Das Beruhigungs- oder Narkosemittel kann zum Beispiel Schwindel oder Herz-Kreislauf-Probleme auslösen.

    Behandlungsbedürftige Komplikationen treten insgesamt bei 1 bis 2 von 1000 Darmspiegelungen auf. Dabei handelt es sich vor allem um Blutungen, die nach der Entfernung von Polypen auftreten. Die meisten Blutungen können ambulant behandelt werden.

    Bei weniger als 1 von 1000 Darmspiegelungen treten behandlungsbedürftige Herz-Kreislauf-Probleme und Darmdurchbrüche (Perforationen) auf. Zu einem Darmdurchbruch kann es kommen, wenn mit der Spitze des Koloskops zu viel Druck auf die Darmwand ausgeübt wird, oder wenn die Darmwand bei der Entfernung eines Polypen verletzt wird. Dies kann lebensbedrohlich sein und macht eine rasche Operation erforderlich.

    Was passiert, wenn Polypen entdeckt werden?

    Bei etwa einem Drittel der Frauen, die zur Darmspiegelung gehen, werden Polypen gefunden. Wenn nur ein einzelner, kleiner und unauffälliger Polyp entdeckt wird, reicht es, mit der nächsten Darmspiegelung zehn Jahre zu warten.

    Wenn ein auffälliger oder größerer Polyp oder mehr als drei Polypen entfernt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass in den nächsten Jahren weitere Polypen wachsen. Die nächste Koloskopie wird dann bereits nach drei bis fünf Jahren empfohlen. Selten ist eine zweite Darmspiegelung nötig, weil es nicht gelingt, einen Polypen bei der ersten Untersuchung vollständig zu entfernen. Die Kosten für die Kontrolluntersuchungen werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

    Da sich nicht vorhersagen lässt, aus welchen Polypen sich Krebs entwickelt und aus welchen nicht, werden auch viele harmlose Polypen entfernt. Dies lässt sich bei einer Früherkennung nicht vermeiden.

    Quellen

    Brenner H, Stock C, Hoffmeister M. Effect of screening sigmoidoscopy and screening colonoscopy on colorectal cancer incidence and mortality: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials and observational studies. BMJ 2014; 348: g2467.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Einladungsschreiben und Entscheidungshilfen zum Darmkrebs-Screening: Abschlussbericht; Auftrag P15-01. 24.10.2016. (IQWiG-Berichte; Band 451).

    Lin JS, Piper MA, Perdue LA, Rutter C, Webber EM, O’Connor E et al. Screening for Colorectal Cancer: A Systematic Review for the U.S. Preventive Services Task Force. Rockville (MD): AHRQ, 06.2016. (Evidence Syntheses, Band 135).

    Neugut AI, Lebwohl B. Colonoscopy vs sigmoidoscopy screening: getting it right. JAMA 2010; 304(4): 461-462.

    Pignone M, Rich M, Teutsch SM, Berg AO, Lohr KN. Screening for colorectal cancer in adults at average risk: a summary of the evidence for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med 2002; 137(2): 132-141.

    Robert Koch-Institut (RKI). Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin; 2015.

    Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI). Wissenschaftliche Begleitung von Früherkennungs-Koloskopien in Deutschland: Berichtszeitraum 2014. Berlin/Köln; 2016.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Die große Darmspiegelung: Informationen für Männer

    Bei einer Darmspiegelung wird der Darm auf Polypen und verdächtige Veränderungen untersucht. Polypen, die später zu Krebs werden könnten, lassen sich dabei direkt entfernen. Es können Komplikationen wie Blutungen auftreten und es besteht ein geringes Risiko, dass die Darmwand verletzt wird.

    Jeder Mann kann ab seinem 50. Lebensjahr zweimal eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs machen lassen. Haben sich bei der ersten Darmspiegelung keine Auffälligkeiten gezeigt, wird die zweite Spiegelung nach frühestens zehn Jahren angeboten. Der Grund für den Abstand ist, dass es viele Jahre dauert, bis aus Darmpolypen Krebs entstehen kann. Wer sich zehn Jahre nach der ersten gegen eine zweite Darmspiegelung entscheidet, kann stattdessen alle zwei Jahre einen Stuhltest machen.

    Männern über 75 Jahre wird in der Regel keine Darmspiegelung zur Früherkennung mehr empfohlen, da das Risiko für Komplikationen mit dem Alter zunimmt. Auch bei Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel einer schweren Herzschwäche kann eine Darmspiegelung zu belastend sein.

    Bei einer Darmspiegelung wird der Darm auf Polypen und verdächtige Veränderungen untersucht. Polypen, die später zu Krebs werden könnten, lassen sich dabei direkt entfernen. Es können Komplikationen wie Blutungen auftreten und es besteht ein geringes Risiko, dass die Darmwand verletzt wird.

    Jeder Mann kann ab seinem 50. Lebensjahr zweimal eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs machen lassen. Haben sich bei der ersten Darmspiegelung keine Auffälligkeiten gezeigt, wird die zweite Spiegelung nach frühestens zehn Jahren angeboten. Der Grund für den Abstand ist, dass es viele Jahre dauert, bis aus Darmpolypen Krebs entstehen kann. Wer sich zehn Jahre nach der ersten gegen eine zweite Darmspiegelung entscheidet, kann stattdessen alle zwei Jahre einen Stuhltest machen.

    Männern über 75 Jahre wird in der Regel keine Darmspiegelung zur Früherkennung mehr empfohlen, da das Risiko für Komplikationen mit dem Alter zunimmt. Auch bei Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel einer schweren Herzschwäche kann eine Darmspiegelung zu belastend sein.

    Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

    Bei einer großen Darmspiegelung (Koloskopie) wird der gesamte Dickdarm mit einem speziellen Endoskop untersucht (Koloskop). Dabei handelt es sich um einen etwa 1,5 m langen, flexiblen Schlauch von etwa 1 cm Durchmesser. Am Ende des Koloskops befinden sich eine Lichtquelle und eine winzige Videokamera, mit der Ärztinnen und Ärzte die Darmwand betrachten können. Werden während der Spiegelung Polypen oder verdächtige Schleimhautstellen entdeckt, lassen sie sich direkt entfernen. Zu diesem Zweck kann eine kleine Schlinge oder Zange in das Koloskop geschoben werden. Das entfernte Gewebe wird anschließend im Labor genauer untersucht.

    Das Koloskop wird durch den After eingeführt und bis zum Übergang zwischen Dick- und Dünndarm vorgeschoben (etwa bis zum Blinddarm, siehe Grafik). Dann zieht die Ärztin oder der Arzt das Koloskop langsam wieder heraus und betrachtet dabei die Darmwand. Während der Untersuchung wird der Darm mit Luft oder Kohlendioxid geweitet, um die Sicht auf die Darmschleimhaut zu verbessern.

     

    Grafik: Während der Darmspiegelung - wie im Text beschrieben Während der Darmspiegelung

    Wie bereitet man sich auf die Darmspiegelung vor?

    Bei einem Arzttermin vor der Untersuchung werden der Ablauf und die Vorbereitung genau besprochen. Vor einer großen Darmspiegelung soll der Dickdarm möglichst vollständig geleert werden. Dazu trinkt man je nach Termin am Abend vor und / oder am Morgen der Untersuchung ein Abführmittel mit reichlich Flüssigkeit, insgesamt zwei bis vier Liter. Erlaubt sind Wasser, Brühe, Tee und Säfte. Auf feste Kost muss ab zwei bis drei Stunden vor dem Abführen bis nach der Untersuchung verzichtet werden. Wichtig ist, dass am Ende der Prozedur auf der Toilette nur noch eine klare Flüssigkeit ausgeschieden wird.

    Nach der Darmspiegelung ist es normalerweise sofort wieder möglich zu essen. Wenn größere Polypen entfernt wurden, kann es aber sinnvoll sein, noch eine Weile damit zu warten.

    Vor der Darmspiegelung wird ein Beruhigungsmittel angeboten. Es bewirkt, dass man kurz einschläft und von der Untersuchung kaum etwas merkt. Wer Beruhigungsmittel nimmt, sollte nach der Darmspiegelung für 24 Stunden weder Auto fahren noch Maschinen bedienen. Die Untersuchung dauert etwa 15 bis 45 Minuten.

    Manchmal wird eine Darmspiegelung abgebrochen, weil sie zu unangenehm ist. Zudem gelingt es aufgrund von anatomischen Besonderheiten nicht immer, das Endoskop weit genug vorzuschieben, um den gesamten Dickdarm einzusehen. Dieses Problem tritt häufiger auf, wenn schon einmal am Bauch operiert wurde: Narben und Verwachsungen in der Bauchhöhle können dazu führen, dass die Darmschlingen zu wenig beweglich sind.

    Wie zuverlässig ist die Darmspiegelung?

    Bei einer großen Darmspiegelung wird der ganze Dickdarm auf Polypen und krebsverdächtiges Gewebe untersucht. Dadurch können die meisten größeren Darmpolypen entdeckt werden. Auch eine große Darmspiegelung bietet allerdings keinen hundertprozentigen Schutz davor, an Darmkrebs zu erkranken. Vor allem kleine oder flache Polypen, die weniger gut sichtbar sind, können übersehen werden. Manchmal gelingt es auch nicht, den Darm vor der Untersuchung vollständig zu reinigen. Dann ist die Sicht auf die Darmwände erschwert.

    Wenn bereits ein Tumor gewachsen ist, wird dieser bei der Darmspiegelung aber fast immer gefunden. Schätzungen zufolge werden 95 % der Tumore durch die Untersuchung entdeckt.

    Senkt die Darmspiegelung das Risiko für Darmkrebs?

    Mehrere Studien haben die Vor- und Nachteile der Darmspiegelung untersucht. Sie hängen auch vom Alter zum Zeitpunkt der Untersuchung ab. Die folgenden Tabellen stellen die wichtigsten Ergebnisse für Männer im Alter von 55 Jahren und für Männer im Alter von 65 Jahren dar. Sie gelten jeweils für einen Zeitraum von zehn Jahren und eine Darmspiegelung.

     

    Von 1000 Männern im Alter von 55 Jahren ...
      ... sterben an Darmkrebs: ... erkranken an Darmkrebs: ... haben Komplikationen:
    Ohne Früherkennung 4 13 0
    Mit Darmspiegelung 1 bis 3 4 bis 10 2
    Das heißt: Von 1000 Männern ... 

    ... sterben

    1 bis 3 Männer

    weniger an Darmkrebs

    ... erkranken

    3 bis 9 Männer

    weniger an Darmkrebs

    ... haben

    2 Männer

    Komplikationen

     

    Von 1000 Männern im Alter von 65 Jahren ...
      ... sterben an Darmkrebs: ... erkranken an Darmkrebs: ... haben Komplikationen:
    Ohne Früherkennung 9 24 0
    Mit Darmspiegelung 3 bis 6 8 bis 20 3
    Das heißt: Von 1000 Männern ... 

    ... sterben

    3 bis 6 Männer

    weniger an Darmkrebs

    ... erkranken

    4 bis 16 Männer

    weniger an Darmkrebs

    ... haben

    3 Männer

    Komplikationen

    Welche möglichen Nebenwirkungen und Risiken hat eine Darmspiegelung?

    Die Koloskopie ist die aufwendigste Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs. Die Vorbereitung – das Trinken großer Mengen Flüssigkeit und komplette Abführen – ist unangenehm und anstrengend.

    Das Aufweiten des Darms mit Luft führt relativ häufig zu vorübergehenden Nebenwirkungen wie leichten Schmerzen oder Blähungen. Das Beruhigungs- oder Narkosemittel kann zum Beispiel Schwindel oder Herz-Kreislauf-Probleme auslösen.

    Behandlungsbedürftige Komplikationen treten insgesamt bei 2 bis 3 von 1000 Darmspiegelungen auf. Dabei handelt es sich vor allem um Blutungen, die nach der Entfernung von Polypen auftreten. Die meisten Blutungen können ambulant behandelt werden.

    Bei weniger als 1 von 1000 Darmspiegelungen treten behandlungsbedürftige Herz-Kreislauf-Probleme und Darmdurchbrüche (Perforationen) auf. Zu einem Darmdurchbruch kann es kommen, wenn mit der Spitze des Koloskops zu viel Druck auf die Darmwand ausgeübt wird, oder wenn die Darmwand bei der Entfernung eines Polypen verletzt wird. Dies kann lebensbedrohlich sein und macht eine rasche Operation erforderlich.

    Was passiert, wenn Polypen entdeckt werden?

    Bei knapp der Hälfte der Männer, die zur Darmspiegelung gehen, werden Polypen gefunden. Wenn nur ein einzelner, kleiner und unauffälliger Polyp entdeckt wird, reicht es, mit der nächsten Darmspiegelung zehn Jahre zu warten.

    Wenn ein auffälliger oder größerer Polyp oder mehr als drei Polypen entfernt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass in den nächsten Jahren weitere Polypen wachsen. Die nächste Koloskopie wird dann bereits nach drei bis fünf Jahren empfohlen. Selten ist eine zweite Darmspiegelung nötig, weil es nicht gelingt, einen Polypen bei der ersten Untersuchung vollständig zu entfernen. Die Kosten für die Kontrolluntersuchungen werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

    Da sich nicht vorhersagen lässt, aus welchen Polypen sich Krebs entwickelt und aus welchen nicht, werden auch viele harmlose Polypen entfernt. Dies lässt sich bei einer Früherkennung nicht vermeiden.

    Quellen

    Brenner H, Stock C, Hoffmeister M. Effect of screening sigmoidoscopy and screening colonoscopy on colorectal cancer incidence and mortality: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials and observational studies. BMJ 2014; 348: g2467.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Einladungsschreiben und Entscheidungshilfen zum Darmkrebs-Screening: Abschlussbericht; Auftrag P15-01. 24.10.2016. (IQWiG-Berichte; Band 451).

    Lin JS, Piper MA, Perdue LA, Rutter C, Webber EM, O’Connor E et al. Screening for Colorectal Cancer: A Systematic Review for the U.S. Preventive Services Task Force. Rockville (MD): AHRQ, 06.2016. (Evidence Syntheses, Band 135).

    Neugut AI, Lebwohl B. Colonoscopy vs sigmoidoscopy screening: getting it right. JAMA 2010; 304(4): 461-462.

    Pignone M, Rich M, Teutsch SM, Berg AO, Lohr KN. Screening for colorectal cancer in adults at average risk: a summary of the evidence for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med 2002; 137(2): 132-141.

    Robert Koch-Institut (RKI). Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin; 2015.

    Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI). Wissenschaftliche Begleitung von Früherkennungs-Koloskopien in Deutschland: Berichtszeitraum 2014. Berlin/Köln; 2016.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Darmkrebs-Vorbeugung: Welche Rolle spielt der Lebensstil?

    An Ratschlägen zur Vorbeugung von Darmkrebs mangelt es nicht: Mehr Ballaststoffe, weniger Fleisch, zusätzliche Vitamine und sogar Medikamente finden sich auf einer langen Liste von Empfehlungen. Die Frage ist: Wie gut sind die häufigsten Behauptungen wissenschaftlich belegt?

    Gesunde Menschen können ihr Darmkrebsrisiko senken, indem sie die Darmkrebs-Früherkennung nutzen. Die Untersuchungen kommen in der Regel für Menschen ab 50 Jahre infrage und können das Darmkrebsrisiko nachweislich senken.

    Zum anderen können sie versuchen, der Krankheit durch einen möglichst gesunden Lebensstil vorzubeugen. Doch was ist von den zahlreichen Ratschlägen vor allem zur Ernährung zu halten? Hilft es tatsächlich, viel Gemüse und Obst und möglichst wenig rotes Fleisch zu essen? Und was bringt es, zusätzlich Vitamine einzunehmen?

    An Ratschlägen zur Vorbeugung von Darmkrebs mangelt es nicht: Mehr Ballaststoffe, weniger Fleisch, zusätzliche Vitamine und sogar Medikamente finden sich auf einer langen Liste von Empfehlungen. Die Frage ist: Wie gut sind die häufigsten Behauptungen wissenschaftlich belegt?

    Gesunde Menschen können ihr Darmkrebsrisiko senken, indem sie die Darmkrebs-Früherkennung nutzen. Die Untersuchungen kommen in der Regel für Menschen ab 50 Jahre infrage und können das Darmkrebsrisiko nachweislich senken.

    Zum anderen können sie versuchen, der Krankheit durch einen möglichst gesunden Lebensstil vorzubeugen. Doch was ist von den zahlreichen Ratschlägen vor allem zur Ernährung zu halten? Hilft es tatsächlich, viel Gemüse und Obst und möglichst wenig rotes Fleisch zu essen? Und was bringt es, zusätzlich Vitamine einzunehmen?

    Lebensstil und Gesundheit: schwierig zu untersuchen

    Viele Vermutungen über den Zusammenhang zwischen Lebensstil und Gesundheit stammen aus sogenannten Beobachtungsstudien. Diese Studien können unterschiedlich aufgebaut sein. Im günstigsten Fall dokumentieren gesunde Menschen über einen langen Zeitraum ihre Lebensgewohnheiten. Nach vielen Jahren lässt sich dann beispielsweise feststellen, ob Menschen mit bestimmten Ernährungsgewohnheiten häufiger an Darmkrebs erkranken als andere.

    Beobachtet man dann, dass Menschen, die zum Beispiel häufig rotes Fleisch essen, öfter an Darmkrebs erkranken als Menschen, die kaum rotes Fleisch essen, liegt die Vermutung nahe, dass der Verzehr von rotem Fleisch Darmkrebs begünstigen kann. Denkbar ist aber auch, dass Personen, die viel rotes Fleisch essen, auch häufiger rauchen, mehr Alkohol trinken oder öfter Übergewicht haben. Theoretisch kann man solche verzerrenden Faktoren bei der Auswertung einer Studie berücksichtigen. Das Problem ist aber, dass Menschen sich auch in anderen Aspekten voneinander unterscheiden, die man nicht oder nicht ohne weiteres erkennen kann, wie zum Beispiel ihren Genen, Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnissen. All dies in einer Studie zu berücksichtigen, ist praktisch unmöglich. Es setzt außerdem voraus, dass man alle Faktoren kennt, die mit Darmkrebs in Verbindung stehen und sie auch messen kann. Deshalb besteht bei Beobachtungsstudien immer die Möglichkeit, dass man etwas Wichtiges übersehen hat.

    Um die tatsächliche Ursache für etwas herauszufinden, sind sogenannte randomisierte kontrollierte Studien besser geeignet. In solchen Studien werden Freiwillige nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt (randomisiert). Eine der Gruppen wird dann beispielweise zu einer Ernährung mit wenig rotem Fleisch angehalten, die andere Gruppe ernährt sich wie gewohnt. Das Zufallsprinzip sorgt dafür, dass die beiden Gruppen wirklich miteinander vergleichbar sind. Denn der Zufall sorgt nicht nur dafür, dass zum Beispiel Männer und Frauen, Alte und Junge oder Raucher und Nichtraucher gleichmäßig auf die beiden Gruppen verteilt werden. Auch unbekannte Einflussfaktoren sind so in beiden Gruppen ähnlich.

    Bei Studien zum Lebensstil wird diese Methode allerdings nur selten eingesetzt. Daher muss man Studienergebnisse und Empfehlungen zum Lebensstil oft mit Skepsis betrachten. Die Unsicherheit zeigt sich auch darin, dass sich Empfehlungen zu „gesundem Leben“ immer wieder ändern.

    Schützen Ballaststoffe?

    Ballaststoffe sind Nahrungsbestandteile, die in der Regel aus Kohlenhydraten bestehen und vom Körper nicht verdaut werden können. Ihnen wird allgemein eine gesundheitsförderliche Wirkung zugeschrieben. Es gibt verschiedene Theorien dazu, warum Ballaststoffe vor Darmkrebs schützen könnten. Unter anderem verkürzen sie die Zeit, in der der Stuhl den Darm passiert, und binden möglicherweise krebsfördernde Stoffe, die mit der Nahrung aufgenommen werden.

    Viele Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen ballaststoffreicher Ernährung und Darmkrebs: Menschen, die ballaststoffreicher essen, erkranken offenbar etwas seltener an Darmkrebs. Das hat sich aber in randomisierten kontrollierten Studien nicht bestätigt: Einige dieser Studien haben untersucht, ob es vor Darmkrebs schützt, wenn man mehr Ballaststoffe isst. Diese Studien haben keinen Unterschied gezeigt. Ballaststoffe können das Darmkrebsrisiko demnach wahrscheinlich kaum oder gar nicht senken.

    Obst und Gemüse

    Obst und Gemüse enthalten sogenannte Flavonoide, auch sekundäre Pflanzenstoffe genannt. Ihnen wird eine krebsvorbeugende Wirkung zugeschrieben. Eine Theorie ist, dass sie vor Molekülen schützen, die die Zellen schädigen können, sogenannten freien Radikalen. Auch in Pflanzensamen und Sprossen, Tee, Kakao, Schokolade und Wein sind Flavonoide enthalten.

    Eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration wertete mehrere randomisierte Studien aus, in denen der Zusammenhang zwischen einer flavonoidreichen Ernährung und Darmkrebs untersucht wurde. Sie fand jedoch keine überzeugenden Belege dafür, dass Menschen, die viel Obst und Gemüse essen, seltener an Darmkrebs erkranken.

    Fleisch

    Als Lebensmittel, die Darmkrebs eher begünstigen sollen, gelten rotes Fleisch und verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch. Tatsächlich zeigen Beobachtungsstudien einen Zusammenhang: Je mehr Rind, Lamm oder verarbeitetes Fleisch Menschen essen, desto häufiger erkranken sie an Darmkrebs. Für unverarbeitetes Geflügel- und Schweinefleisch gilt das nach bisherigem Kenntnisstand nicht. Es gibt bisher allerdings keine randomisierten Studien, die belegen, dass es vor Darmkrebs schützt, wenn man weniger rotes und verarbeitetes Fleisch isst.

    Übergewicht

    Bei einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 25 und 30 spricht man von Übergewicht. Möglicherweise haben Männer mit Übergewicht ein leicht erhöhtes Risiko für Darmkrebs, bei Frauen spielt Übergewicht eher keine große Rolle. Betrachtet man die Gesundheit allgemein, ist es zweifelhaft, dass mäßiges Übergewicht schadet. Ob es vor Darmkrebs schützen könnte, etwas abzunehmen, lässt sich aus bisherigen Studien nicht ableiten.

    Anders ist es bei Männern und Frauen mit starkem Übergewicht (Adipositas), also einem BMI über 30. Bei ihnen ist das Risiko für Darmkrebs, aber auch für andere Erkrankungen, deutlich erhöht. Zur Frage, ob eine Gewichtsabnahme das Darmkrebsrisiko bei stark übergewichtigen Menschen senken kann, gibt es allerdings auch keine randomisierten Studien.

    Bewegung

    Menschen, die körperlich aktiver sind, haben anscheinend ein geringeres Risiko für Darmkrebs. Wie sich Bewegung auf das Risiko für Darmkrebs auswirkt, ist bislang aber nicht in randomisierten Studien untersucht worden. Ob mehr Bewegung tatsächlich vor Darmkrebs schützt, ist daher unklar.

    Körperlich aktiv zu sein, sorgt aber bei vielen Menschen für mehr Wohlbefinden und verbessert die Fitness.

    Alkohol

    Menschen, die mehr als ein alkoholisches Getränk am Tag trinken, erkranken etwas häufiger an Darmkrebs. „Ein alkoholisches Getränk“ meint ungefähr eine Flasche Bier (0,33 Liter) oder ein kleines Glas Wein (0,1 Liter). Deutlicher erhöht ist das Risiko bei Menschen, die täglich mehr als vier alkoholische Getränke zu sich nehmen.

    Unabhängig davon, ob Alkoholkonsum Einfluss auf das Darmkrebsrisiko hat oder nicht, gibt es viele gute Gründe, Alkohol nur in Maßen zu trinken. Übermäßiger Alkoholkonsum hat meist viele gesundheitliche, psychische und soziale Folgen, wie etwa Probleme in Partnerschaft und Familie oder bei der Arbeit. Zuviel Alkohol kann auch die Leber dauerhaft schädigen. Zudem können psychische Probleme und Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen verstärkt werden. Nicht zuletzt steigt das Risiko für Unfälle, Stürze und Verletzungen.

    Rauchen

    Nicht zu rauchen gehört zu den wohl besten Dingen, die man für seine Gesundheit tun kann. Raucher haben ein vielfach höheres Risiko für viele Krebsarten, insbesondere Lungen-, Rachen- und Kehlkopfkrebs. Rauchen ist auch eine häufige Ursache für chronische Lungenerkrankungen und begünstigt viele andere Krankheiten, zum Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems. Auch das Risiko für Darmkrebs ist bei Rauchern vermutlich etwas höher. Der Zusammenhang ist allerdings viel schwächer als etwa bei Lungenkrebs.

    Nahrungsergänzungsmittel

    Glaubt man der Werbung, haben Nahrungsergänzungsmittel alle möglichen günstigen Einflüsse auf die Gesundheit. Einen triftigen Grund, Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, gibt es aber nur bei einer Mangelernährung – oder wenn sie zur Behandlung einer Erkrankung eingesetzt werden. Und auch dann sollte nachgeprüft werden, ob die Mittel tatsächlich vor Krankheiten schützen oder Beschwerden lindern.

    In randomisierten Studien wurden bereits viele Nahrungsergänzungsmittel zum Schutz vor Darmkrebs untersucht: unter anderem Kalzium, Folsäure, Selen und die Vitamine A, C und E. Nicht alle sind gleich gut untersucht. Klar ist aber, dass bislang für keins dieser Mittel nachgewiesen wurde, dass es vor Darmkrebs schützen kann. Einige Studien deuten sogar darauf hin, dass bestimmte Nahrungsergänzungsmittel das Risiko für Darmkrebs oder Krebs allgemein erhöhen oder die Lebenserwartung verkürzen könnten. Gezeigt wurde ein möglicher schädlicher Effekt für hohe Dosierungen von:

    • Vitamin A
    • Vitamin E
    • Betacarotin
    • Folsäurepräparaten

    Die Studienergebnisse dürfen allerdings nicht missverstanden werden: Der Körper braucht Vitamine und Mineralstoffe und bekommt sie normalerweise durch eine ausgewogene Ernährung. Ist das nicht der Fall oder besteht in bestimmten Lebenslagen ein erhöhter Bedarf (wie etwa an Folsäure vor und während einer Schwangerschaft), kann eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein.

    Eine dauerhafte Überdosierung mit bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln ohne konkreten Grund könnte aber riskant sein.

    Medikamente

    Bestimmten Arzneimitteln wird manchmal eine vor Darmkrebs schützende Wirkung zugesprochen. Der Einsatz von Medikamenten zur Vorbeugung von Krebs ist aber heikel: Um einen Schutz zu bieten, müssen sie regelmäßig über einen sehr langen Zeitraum, womöglich Jahrzehnte, eingenommen werden. Damit steigt auch das Risiko von Nebenwirkungen.

    Zu den Medikamenten, die möglicherweise das Risiko für Darmkrebs senken könnten, gehört die Acetylsalicylsäure (ASS). Dieses Medikament wird oft gegen Schmerzen oder als Blutverdünner eingesetzt. In Studien zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen bei Menschen mit eine Herzkrankheit hat man beobachtet, dass ASS anscheinend auch einen gewissen Schutz vor Darmkrebs bietet. Allerdings waren bisher nur wenige Studien darauf angelegt, dies gezielt zu untersuchen. Eine abschließende Bewertung des Nutzens ist deshalb noch schwierig. Klar ist: Das Mittel muss über mindestens zehn Jahre eingenommen werden, damit sich überhaupt eine vorbeugende Wirkung zeigen kann.

    Die Nebenwirkungen von ASS sind zum Beispiel Magengeschwüre und Blutungen, vor allem im Magen-Darm-Trakt. Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland und anderen Ländern sprechen sich bislang gegen den Einsatz von ASS zur Vorbeugung von Darmkrebs aus.

    Was kann ich denn überhaupt tun, um Darmkrebs vorzubeugen?

    Für Menschen ohne bestimmte Risikofaktoren ist die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, nicht besonders hoch. Die Frage, ob eine Änderung des Lebensstils und der Ernährung oder die Einnahme von Medikamenten das Risiko senken können, lässt sich nicht sicher beantworten. Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können sogar schaden. Die am besten untersuchte Möglichkeit der Vorbeugung liegt darin, die Untersuchungen zur Früherkennung wahrzunehmen. Dies sind der Stuhltest und die Darmspiegelung (Koloskopie).

    Quellen

    Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL, Simonetti RG, Gluud C. Antioxidant supplements for prevention of mortality in healthy participants and patients with various diseases. Cochrane Database Syst Rev 2012; (3): CD007176.

    Carr PR, Walter V, Brenner H, Hoffmeister M. Meat subtypes and their association with colorectal cancer: Systematic review and meta-analysis. Int J Cancer 2016; 138(2): 293-302.

    Cheng J, Chen Y, Wang X, Wang J, Yan Z, Gong G et al. Meta-analysis of prospective cohort studies of cigarette smoking and the incidence of colon and rectal cancers. Eur J Cancer Prev 2015; 24(1): 6-15.

    Chubak J, Kamineni A, Buist DS, Anderson ML, Whitlock EP. Aspirin Use for the Prevention of Colorectal Cancer: An Updated Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. 09.2015. (U.S. Preventive Services Task Force Evidence Syntheses).

    Chubak J, Whitlock EP, Williams SB, Kamineni A, Burda BU, Buist DS et al. Aspirin for the Prevention of Cancer Incidence and Mortality: Systematic Evidence Reviews for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med 2016; 164(12): 814-825.

    Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. AWMF-Registernr.: 021-007OL. 11.2017. (Leitlinienprogramm Onkologie).

    Fortmann SP, Burda BU, Senger CA, Lin JS, Beil TL, O'Connor E et al. Vitamin, Mineral, and Multivitamin Supplements for the Primary Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. 11.2013. (U.S. Preventive Services Task Force Evidence Syntheses).

    Jin H, Leng Q, Li C. Dietary flavonoid for preventing colorectal neoplasms. Cochrane Database Syst Rev 2012; (8): CD009350.

    Kyrgiou M, Kalliala I, Markozannes G, Gunter MJ, Paraskevaidis E, Gabra H et al. Adiposity and cancer at major anatomical sites: umbrella review of the literature. BMJ 2017; 356: j477.

    Lenz M, Richter T, Mühlhauser I. The morbidity and mortality associated with overweight and obesity in adulthood: a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(40): 641-648.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Darmkrebs - Erfahrungsbericht - Angelika

    „Ich habe da einfach nicht drüber nachgedacht. Ich habe das Thema jahrelang verdrängt.“

    Angelika, 48 Jahre

    „Ich habe da einfach nicht drüber nachgedacht. Ich habe das Thema jahrelang verdrängt.“

    Ich bin seit 28 Jahren an Colitis ulcerosa, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, erkrankt. Mein Risiko, an einem Dickdarmkrebs zu erkranken, wird mit jedem Jahr größer, da mein gesamter Dickdarm betroffen ist.

    Am Anfang der Erkrankung war ich nicht bereit, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich war damals, als die Colitis ulcerosa bei mir diagnostiziert wurde, im jugendlichen Alter. Da wollte ich alles andere, als mich mit einer ernsten Erkrankung und dem Thema Dickdarmkrebs zu beschäftigen. Ich habe da einfach nicht drüber nachgedacht. Ich habe das Thema jahrelang verdrängt.

    Ich habe erst angefangen, mich damit auseinanderzusetzen, als nach vielen Jahren der Erkrankung ein Arzt zu mir sagte, dass ich über die Entfernung des gesamten Dickdarms nachdenken sollte. Da habe ich verstanden, dass ich das Thema nicht verdrängen kann. Ich gehe seit diesem Zeitpunkt regelmäßig zu Darmspiegelungen – jetzt schon seit 15 Jahren jährlich einmal. Das war am Anfang nicht immer einfach. Die ersten Erfahrungen mit Darmspiegelungen waren sehr unangenehm.

    Meine erste Darmspiegelung ist jetzt 30 Jahre her. Ich hatte natürlich riesige Angst vor der Untersuchung und vor dem Ergebnis, weil die Symptome relativ heftig waren. Ich hatte große Angst, an Darmkrebs erkrankt zu sein. Ich habe sehr viel Blut verloren, hatte so 20 bis 23 Durchfälle pro Tag und sehr stark körperlich abgebaut. Ich hatte Angst, dass ich Darmkrebs habe, und ich hatte Angst vor der Untersuchung. Ich erinnere mich heute noch sehr gut an den Untersuchungsraum, obwohl das schon so lange her ist. Ich habe diese Untersuchung als sehr unangenehm in Erinnerung.

    Heute habe ich keine Angst mehr vor der Spiegelung

    In den letzten 15 Jahren haben sich jedoch die Untersuchungen stark verändert. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Jetzt Angst davor zu haben, ist vollkommen unbegründet, wenn der Arzt oder die Ärztin viel Erfahrung hat und patientenfreundlich agiert. Für mich ist es wichtig, vor der Untersuchung mit dem Arzt zu reden. Mir hilft es, wenn ich den Untersucher und die Umgebung kenne. Ich bekomme den Ablauf der Untersuchung gar nicht mit und habe keinerlei Schmerzen. Ich habe überhaupt keine Angst vor der Darmspiegelung.

    Ich hatte das große Glück, dass ich einen sehr guten Arzt in meiner Heimatstadt gefunden habe. Ich bin jetzt seit ungefähr zwölf Jahren bei ihm in Behandlung. Ich vertraue ihm und bin davon überzeugt, dass er die Darmspiegelungen gut durchführt. Das ist ein Arzt, der viel Erfahrung mit der Erkrankung hat. Er ist sehr offen und ich bin davon überzeugt, dass er eine sehr gute Arbeit leistet. Ich kann ihm gegenüber ganz klar meine Meinung äußern und wir diskutieren über die Untersuchungsergebnisse. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich die Möglichkeit habe, nicht direkt nach der Darmspiegelung, sondern Stunden später das Ergebnis und das weitere Vorgehen diskutieren zu können, wenn die Narkosewirkung nicht mehr vorhanden ist.

    Ich habe schon sehr viele Gespräche mit meinem Arzt zu diesem Thema geführt. Es hilft mir sehr, wenn ich weiß, dass er bei der Untersuchung sehr sorgfältig vorgeht.

    Ich habe die Erkrankung jetzt schon jahrzehntelang. Aber die Erkenntnis, dass durch regelmäßige Darmspiegelungen Anzeichen für einen Darmkrebs sehr zeitig erkannt werden können, ist mir jetzt erst klar geworden.

    Bei ersten Anzeichen reagiere ich sofort

    Ich nehme Medikamente ein, um die Entzündung zu bekämpfen, die bei der Colitis ulcerosa vorhanden ist. Vielleicht reduzieren diese Medikamente auch mein Risiko einer Darmkrebserkrankung.

    Bei den ersten Anzeichen einer Erkrankungseskalation, also konkret, wenn die Symptome der Colitis ulcerosa – Blut im Stuhl, Durchfall, Schmerzen u.a. – zunehmen, reagiere ich sofort. Dies hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass kein ganz schwerer Schub mehr aufgetreten ist, der stationär behandelt werden musste. Früher habe ich den Fehler gemacht, viel zu lange zu warten, bevor ich zum Arzt gegangen bin und dann endlich eine Therapie eingeleitet wurde.

    Eine gesunde Lebensweise ist für mich auch sehr wichtig. Ich hoffe, dass sie dazu beiträgt, dass sich bei mir kein Krebs entwickelt. Ich laufe mehrfach die Woche und versuche gesund zu essen. Ziel ist es für mich, ein gutes körperliches Wohlbefinden zu erreichen.

    Gespräche gaben mir Sicherheit

    Ich denke oft darüber nach: „Ist das alles ausreichend, was ich mache, oder gibt es noch andere Möglichkeiten?“ Das ist nicht einfach. Es gab oft auch Zeiten, das ist schon länger her und meine Tochter war noch relativ klein, da hatte ich große Angst davor, ein Kolonkarzinom zu entwickeln, was erst spät erkannt wird. Da gab es Nächte, in denen ich lange wach gelegen und überlegt habe. Da floss auch manche Träne. Ich habe darüber nachgedacht, ob das, was ich mache, richtig ist und wie ich mit der Angst klarkommen kann. Das war verdammt schwierig. Aber diese Zeit liegt länger zurück. Ich kann nur sagen, dass die Auseinandersetzung mit der Thematik und die vielen Gespräche mit meinem Arzt mir eine gewisse Sicherheit gegeben haben. Ich habe in der Situation einfach jemanden gebraucht, der das Fachwissen hat und mit dem ich offen reden kann. Auch die Gespräche mit anderen Betroffenen, die in einer ähnlichen Situation sind, helfen mir ungemein.

    Ich finde es sehr wichtig, nicht die Augen zu verschließen und sich mit dem Thema Darmkrebs auseinanderzusetzen. Ich denke, man sollte sich nicht darauf verlassen, dass das andere schon für einen regeln. Man muss die Hemmschwelle überwinden und sich mit der Thematik beschäftigen. So dass man das Gefühl hat, alles Nötige gemacht zu haben, damit man sich später keinen Vorwurf macht.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Darmkrebs - Erfahrungsbericht - Margot

    „Wenn ich damals von vorbeugenden Maßnahmen erfahren hätte, dann wäre es vielleicht nicht so weit gekommen.“

    Margot, 52 Jahre

    „Wenn ich damals von vorbeugenden Maßnahmen erfahren hätte, dann wäre es vielleicht nicht so weit gekommen.“

    Mein Leben hat sich seit meiner Erkrankung an Darmkrebs schon sehr verändert. Das ist jetzt sechs Jahre her. Damals, als der Darmkrebs diagnostiziert wurde, war ich 45 Jahre alt. Aber ich bin heute meinem Schicksal nicht mehr böse, dass ich diese Krankheit bekommen habe. Ich habe heute das Gefühl, dass ich so stark bin und so viel Kraft habe wie noch nie zuvor. Diese Erfahrung von der Endlichkeit des Lebens war zuerst sehr schockierend, aber letztendlich auch eine sehr heilsame Erfahrung.

    Wenn ich damals von vorbeugenden Maßnahmen erfahren hätte, dann wäre es vielleicht nicht so weit gekommen. Meine Oma ist im Alter von 64 Jahren an Darmkrebs gestorben. Meine Mutter im Alter von 52 Jahren und meine Tante mit 37 Jahren. Es lag absolut auf der Hand, dass bei uns Darmkrebs in der Familie liegt. Aber keiner hat uns von dieser Gefahr erzählt. Und wenn ich nicht selber krank geworden wäre, wer weiß, was mit meiner Tochter oder meiner Schwester passiert wäre. Also, ich wusste von vorbeugenden Maßnahmen überhaupt nichts.

    Ich bin damals morgens wach geworden und wollte ganz normal zur Arbeit gehen. Aber dann hatte ich plötzlich enorme Blutungen. Ich habe Angst bekommen und bin zum Arzt gefahren. Nach zwei Tagen lag ich schon im Krankenhaus und wusste nicht, ob ich noch mal nach Hause komme.

    Bei uns liegt Darmkrebs in der Familie

    Da so viele in meiner Familie an Darmkrebs gestorben sind, dachte ich, dass ich nur noch ein paar Wochen leben werde, als ich von meiner Diagnose erfuhr. Dass ich überleben kann, war für mich zuerst unfassbar. Ich hatte riesengroßes Glück, weil ich bei sehr guten Ärzten in Behandlung war.

    Kurz bevor ich krank geworden bin, war ich im Urlaub. Ich hatte einen wunderschönen Urlaub und mir ging es wahnsinnig gut. Ich habe nie daran gedacht, dass der Krebs irgendwann bei mir eine Chance haben könnte. Ich habe überhaupt nichts gespürt. Ich hatte keine Schmerzen, keinen Gewichtsverlust und keine Probleme mit der Verdauung. Wenn der Tumor nicht angefangen hätte zu bluten, dann wäre er vermutlich erst viel später aufgefallen.

    Als ich nach dem Krankenhaus wieder zu Hause war, musste ich etwas tun. Ich konnte nicht warten mit dem Gedanken, dass ich keinen Einfluss habe und sehen muss, ob es gut geht oder nicht. Ich bin dann in die Bücherei gefahren und habe alle Bücher über Darmkrebs geholt, um mich schlau zu machen und ein wenig nachzulesen. Darüber habe ich dann auch von einer Klinik erfahren, die eine Untersuchung durchführt, ob eine Krebserkrankung erblich bedingt ist. Bei mir wurde dann auch diese Untersuchung gemacht, ein Stammbaum aufgestellt und festgestellt, dass ich an HNPCC (heriditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinomsyndrom) erkrankt bin.

    Nach meinem Krankenhausaufenthalt war ich bei einer Kur. In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich mehr tun muss. Ich kann mich nicht zufrieden geben, dass der Krebs herausgeschnitten ist und dass jetzt alles erledigt ist. Ich wollte dafür sorgen, dass der Krebs nicht mehr wiederkommt. Durch diese Kur bin ich dann an meinen behandelnden Arzt geraten. Das war das Allerbeste, was mir passieren konnte.

    Ich gehe regelmäßig einmal im Jahr zur Darmspiegelung. Die Darmspiegelung ist überhaupt nicht schmerzhaft. Es ist keine große Sache. Man braucht überhaupt keine Angst davor zu haben.

    Lebensqualität ist für mich sehr wichtig

    Ich treibe sehr viel Sport und ernähre mich gesund. Ich achte darauf, dass ich mich wirklich mit Dingen umgebe, die mir einfach Spaß machen. Ich hab' mich in einem sehr schönen Fitnessstudio angemeldet. Wenn ich dann zwei Stunden Fitness mache und anschließend in den Wellnessbereich mit Sauna und Whirlpool gehe, dann merke ich, dass das einfach meinem Körper und meiner Seele gut tut. Ich mache das jetzt mittlerweile schon dreimal in der Woche. Die Lebensqualität ist für mich sehr wichtig.

    Ich habe seit fünf Jahren nur im letzten Jahr eine Erkältung gehabt und sonst gar nichts. Also, mein Immunsystem ist sehr stabil. Ich denke, ich bin bis jetzt so beschwerdefrei, weil ich all diese Sachen auch mache.

    Ich versuche auch, mich mit Dingen zu umgeben, die mir sehr gut tun. Als ich damals aus dem Krankenhaus kam, bin ich zum Tierheim gegangen und habe mir einen Hund geholt. Ich wollte schon immer einen Hund haben. Er ist der beste Therapeut für mich, den ich mir denken kann. Wenn es mir mal nicht gut geht, dann schnappe ich mir den Hund und gehe mit ihm durch den Wald und über die Felder. Dann nehme ich noch meine Musik mit und es geht mir besser.

    Die genetische Disposition ist immer noch das Schlimmste an der ganzen Krankheit. Ich liebe meine Tochter über alles. Der Gedanke, dass ich ihr das defekte Gen mitgegeben haben könnte, belastet mich sehr. Meine Tochter muss ja auch in fünf Jahren anfangen, sich spiegeln zu lassen, regelmäßig jedes Jahr. Ich weiß aber noch nicht genau, ob sie diese Disposition geerbt hat.

    Mit meiner Tochter habe ich damals versucht zu sprechen, weil es ja ganz große Auswirkungen auf ihr späteres Leben hat, wenn sie diese Veranlagung geerbt hat. Sei es bei der Partnerwahl oder der Entscheidung für Kinder. Wenn ich das damals gewusst hätte, hätte ich mich gegen ein Kind entschieden. Ich bin sehr froh über meine Tochter und liebe sie über alles, aber wenn ich es gewusst hätte ... Meine Tochter hat gesagt, dass sie es nicht wissen möchte, ob sie das Gen hat. Ich kann das verstehen. Aber auf der anderen Seite wüsste sie dann, dass sie es nicht hat. So muss sie immer mit der Ungewissheit leben. Das ist eine sehr heikle Sache. Meine Schwester hat sofort gesagt, sie möchte es wissen.

    Zur Darmspiegelung fahren wir gemeinsam

    Ich fahre jetzt gemeinsam mit meiner Schwester zu den Darmspiegelungen. Sie hat ja das Gleiche wie ich innerhalb der Familie erlebt und muss auch jedes Jahr zur Darmspiegelung. Darmkrebs ist ja eine Krebsform, die gut zu behandeln ist, wenn sie frühzeitig erkannt wird.

    Ich möchte heute mein Leben so leben, wie es am besten für mich ist. Nicht, dass ich rücksichtslos gegenüber den Wünschen meiner Familie oder meiner Freunde bin, aber ich lebe bewusster und intensiver. Ich versuche, mein Leben nicht so sehr auf die Zukunft auszurichten, sondern ich lebe heute, für den heutigen Tag. Ich plane nicht mehr auf die lange Sicht hinaus. Das war früher ganz anders. Eigentlich bin ich ganz glücklich mit meinem Leben. Ich würde mir wünschen, dass es so bleibt, wie es ist.

     

    Danksagung

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    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.