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Migräne

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    Eine Migräne unterscheidet sich sehr von „normalen“ Kopfschmerzen, wie sie wohl jeder kennt: Typisch sind plötzlich einsetzende, mäßige bis starke Schmerzen auf einer Seite des Kopfes. Oft verstärken sie sich schon bei kleinen Bewegungen. Welche Mittel helfen bei einer Migräneattacke? Wie lässt sich vorbeugen?

    Einleitung

    Eine Migräne ist etwas anderes als gewöhnliche Kopfschmerzen, die fast jeder Mensch ab und zu hat. Bei einem Migräneanfall setzen plötzlich heftige Schmerzen auf nur einer Kopfseite ein. Sie sind deutlich stärker als gewöhnliche Kopfschmerzen und meist von weiteren Beschwerden begleitet.

    Von einer Migräne spricht man aber erst, wenn die typischen Symptome mindestens fünfmal aufgetreten sind.

    Eine Migräne schränkt den Alltag meist erheblich ein. Manche Menschen haben nur gelegentlich einen Migräneanfall. Andere sind jeden Monat für mehrere Tage außer Gefecht gesetzt. Verschiedene Medikamente können helfen, mit Migräne zurechtzukommen.

    Symptome

    Typisch für Migräne sind mäßige bis starke Kopfschmerzen auf einer Seite des Kopfes. Meist werden sie als pulsierend, pochend oder hämmernd empfunden. Oft verstärken sie sich bei körperlicher Aktivität, manchmal schon bei kleinen Bewegungen. Die Kopfschmerzen können mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein. Sie können bei manchen Kindern auch fehlen – ihnen ist hauptsächlich übel, sie müssen sich übergeben und ihnen ist schwindelig.

    Manche Menschen sind während der Anfälle auch sehr licht- und geräuschempfindlich. Unbehandelt halten die Beschwerden zwischen vier Stunden und drei Tagen an.

    Bevor die eigentliche Migräne spürbar wird, sehen manche Menschen Lichtblitze und eigenartige Formen. Andere nehmen alles etwas verschwommen, verwackelt oder wie durch Wellenlinien hindurch wahr. Vorübergehend können sich auch Sprachstörungen, Lähmungen oder Missempfindungen wie Kribbeln einstellen. In der Medizin werden solche Erscheinungen als „Aura“ bezeichnet. Eine Aura klingt normalerweise innerhalb einer Stunde folgenlos wieder ab und wird dann von den typischen Migräneschmerzen abgelöst.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Die genauen Ursachen von Migräne sind nicht bekannt. Eine Theorie besagt, dass entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen. Möglicherweise ist auch von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden. Stress spielt bei Schmerzen oft eine wichtige Rolle: Sich nervös und angespannt zu fühlen, kann Schmerzen verstärken oder dazu beitragen, dass sie überhaupt auftreten. Sehr hektische Tage ohne ausreichende Pausen können Kopfschmerzen daher begünstigen. Manchmal setzt aber auch eine Migräne ein, wenn der Stress nachlässt – zum Beispiel am Wochenende oder in den ersten Urlaubstagen.

    Bei Menschen mit Migräne können auch unregelmäßige Schlaf- und Essenszeiten die Wahrscheinlichkeit für einen Anfall erhöhen. Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zwischen Migräne, der Ernährung und körperlicher Bewegung. Wer Migräne hat, kann selbst herausfinden, ob diese Faktoren einen Einfluss haben. Dabei kann ein Migräne-Tagebuch helfen.

    Häufigkeit

    Frauen haben öfter Migräne als Männer. Etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräneanfälle. Bei Kindern sind Mädchen und Jungen gleich häufig betroffen: Etwa 4 bis 5 von 100 Kinder haben Migräne.

    Verlauf

    Eine Migräne kann mit der Zeit von selbst besser werden. Junge Frauen haben oft zum ersten Mal eine Migräne, wenn sie ihre Monatsblutung bekommen. Bei vielen Frauen bleiben die Anfälle während einer Schwangerschaft aus und verschwinden nach den Wechseljahren ganz.

    Sehr selten wird eine Migräne chronisch. Davon spricht man, wenn über mindestens drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat Beschwerden auftreten. Weniger als 2 von 100 Menschen mit Migräne haben eine chronische Form.

    Vorbeugung

    Bestimmte Schlafgewohnheiten oder andere Verhaltensweisen können Migräneanfälle begünstigen. Worauf Menschen mit Migräne empfindlich reagieren, ist unterschiedlich. Ein Kopfschmerz- oder Migräne-Tagebuch kann helfen, Auslösern auf die Spur zu kommen. Darin hält man zum Beispiel fest, wie schwer und lang ein Anfall war, was zum Zeitpunkt des Anfalls geschehen ist, was man davor gegessen oder getrunken hat und welche Medikamente man genommen hat.

    Anhand der Aufzeichnungen können Zusammenhänge zwischen Anfällen und möglichen Auslösern deutlich werden. Außerdem zeigen die Tagebuch-Eintragungen, ob sich die Häufigkeit und Stärke der Migräne tatsächlich verringert, wenn man für eine Weile auf einen möglichen Auslöser wie zum Beispiel Rotwein verzichtet.

    Manche Menschen probieren auch Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Arzneimittel oder Entspannungsverfahren aus, um ihren Migräneattacken vorzubeugen. Bei sehr starken oder sehr häufigen Migräneanfällen kommen auch Medikamente zur Vorbeugung oder eine psychotherapeutische Behandlung infrage. Dabei lernt man zum Beispiel mehr über die Erkrankung oder übt Techniken, die helfen sollen, mit stressigen Situationen umzugehen.

    Behandlung

    Viele Menschen mit Migräne lindern Anfälle zunächst einmal mit allem, was ihnen persönlich aus Erfahrung guttut: Sie legen sich in einem ruhigen und dunklen Raum hin und bedecken die schmerzende Kopfseite vielleicht mit einer kühlenden Auflage, etwa einem feuchten Tuch oder einem Kühlelement.

    Wenn die Migräne sehr schmerzhaft ist, nehmen die meisten Menschen Medikamente, um den Anfall durchzustehen. Dazu gehören vor allem Paracetamol, entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie ASS, Diclofenac oder Ibuprofen und spezielle Migränemittel wie Triptane. Paracetamol, ASS und Ibuprofen sind in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich, ebenso zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane. Bevor man sich selbst behandelt, sollte aber ärztlich abgeklärt sein, dass es sich bei den Kopfschmerz-Anfällen tatsächlich um eine Migräne handelt.

    Werden Schmerz- und Migränemedikamente zu oft eingesetzt, können sie die Kopfschmerzen verstärken. Daher wird empfohlen, Schmerz- und Migränemedikamente nicht häufiger als zehn Tage im Monat zu nehmen.

    Leben und Alltag

    Es gibt viele Menschen, deren Migräne so stark ist oder so häufig wiederkehrt, dass sie ihr tägliches Leben erschwert. Wiederholte Anfälle können sehr belastend sein; lange anhaltende Kopfschmerzen zehren an den Kräften. Viele Menschen mit Migräne sind während eines Anfalls kaum oder gar nicht in der Lage, ihren täglichen Aktivitäten zu Hause und bei der Arbeit nachzugehen. Ihre Leistungsfähigkeit und Konzentration nimmt stark ab.

    Migräneanfälle können zu bestimmten Zeiten auftreten, wie bei Frauen typischerweise in den Tagen vor ihrer monatlichen Regelblutung. Oft sind die Anfälle aber unvorhersehbar. Dies macht es auch schwer, Aktivitäten zu planen oder Verabredungen einzuhalten. Nicht nur die Beschwerden selbst können stark belasten und die Lebensfreude dämpfen, sondern auch die Angst vor erneuten Migräneanfällen und Sorgen, wie sich die Migräne beispielsweise auf Familie und Beruf auswirkt.

    Negative Gefühle und Gedanken können zudem zu einem Verhalten führen, das die Lebensqualität zusätzlich mindert: Etwa wenn man aus Furcht vor einem Migräneanfall Aktivitäten vermeidet, die einem eigentlich Freude bereiten. Die kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, solche negativen Denkmuster und Verhaltensweisen zu ändern. Manche Menschen probieren diese Methode aus, um besser mit ihrer Migräne zurechtzukommen. Andere versuchen es mit Entspannungsverfahren wie etwa autogenem Training. Dabei lernt man, sich in einen tiefen Entspannungszustand zu versetzen. Wieder andere fühlen sich besser, wenn sie körperlich aktiv sind.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Für Menschen mit Migräne gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Migräne-Tagebuch

    Wer über einige Wochen oder Monate seine Beschwerden in einem Tagebuch beschreibt, kann Auslösern für Migräne auf die Spur kommen. Hier finden Sie einen Tagebuch-Vordruck (PDF) zum Ausdrucken und Ausfüllen.

    Sie können auf dem Vordruck eintragen, was an einem Tag mit Migräne passiert ist – zum Beispiel:

    • Gab es Stress?
    • Hatte ich Schlafstörungen?
    • Was habe ich gegessen oder getrunken?

    Sie können die Migräneattacke genauer beschreiben und eintragen,

    • zu welcher Tageszeit die Schmerzen begonnen haben,
    • wie lange die Attacke gedauert hat und
    • wie stark die Kopfschmerzen waren.

    Wichtig ist auch, festzuhalten,

    • ob Sie Medikamente genommen haben
    • und wenn ja: welche und wie viele.

    Die Tagebuch-Einträge helfen nicht nur dabei, mögliche Migräneauslöser herauszufinden. Wenn Sie sich Ihre Einträge über längere Zeit anschauen, können Sie auch mehr über Ihre Migräne erfahren – zum Beispiel ob sie chronisch ist. Sie können ablesen, wie oft es zu Attacken kommt – und wie häufig Sie Medikamente genommen haben.

    Ein Migräne-Tagebuch zu führen, kann auch hilfreich sein, wenn noch nicht eindeutig klar ist, ob Sie eine Migräne oder eine andere Kopfschmerzerkrankung haben – zum Beispiel Cluster-Kopfschmerzen.

    Um einen noch besseren Überblick zu bekommen, können Sie auch im Kalender die Tage ankreuzen, an denen Sie Kopfschmerzen haben – und zum Beispiel zusätzlich markieren, wenn Sie Medikamente dagegen genommen haben. Wer mit digitalen Tagebüchern (Apps) gut zurechtkommt, kann auch solche Alternativen nutzen.

    Wer über einige Wochen oder Monate seine Beschwerden in einem Tagebuch beschreibt, kann Auslösern für Migräne auf die Spur kommen. Hier finden Sie einen Tagebuch-Vordruck (PDF) zum Ausdrucken und Ausfüllen.

    Sie können auf dem Vordruck eintragen, was an einem Tag mit Migräne passiert ist – zum Beispiel:

    • Gab es Stress?
    • Hatte ich Schlafstörungen?
    • Was habe ich gegessen oder getrunken?

    Sie können die Migräneattacke genauer beschreiben und eintragen,

    • zu welcher Tageszeit die Schmerzen begonnen haben,
    • wie lange die Attacke gedauert hat und
    • wie stark die Kopfschmerzen waren.

    Wichtig ist auch, festzuhalten,

    • ob Sie Medikamente genommen haben
    • und wenn ja: welche und wie viele.

    Die Tagebuch-Einträge helfen nicht nur dabei, mögliche Migräneauslöser herauszufinden. Wenn Sie sich Ihre Einträge über längere Zeit anschauen, können Sie auch mehr über Ihre Migräne erfahren – zum Beispiel ob sie chronisch ist. Sie können ablesen, wie oft es zu Attacken kommt – und wie häufig Sie Medikamente genommen haben.

    Ein Migräne-Tagebuch zu führen, kann auch hilfreich sein, wenn noch nicht eindeutig klar ist, ob Sie eine Migräne oder eine andere Kopfschmerzerkrankung haben – zum Beispiel Cluster-Kopfschmerzen.

    Um einen noch besseren Überblick zu bekommen, können Sie auch im Kalender die Tage ankreuzen, an denen Sie Kopfschmerzen haben – und zum Beispiel zusätzlich markieren, wenn Sie Medikamente dagegen genommen haben. Wer mit digitalen Tagebüchern (Apps) gut zurechtkommt, kann auch solche Alternativen nutzen.

    Quellen

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Migränevorbeugung für Kinder und Jugendliche

    Medikamente können auch Kindern und Jugendlichen helfen, die Beschwerden bei einem Migräneanfall zu lindern. Wenn die Anfälle aber immer wieder auftreten, suchen viele Eltern und Kinder nach Möglichkeiten, ihnen vorzubeugen.

    Vor der Pubertät haben etwa 4 bis 5 von 100 Kindern Migräne. Mädchen und Jungen sind dabei gleich häufig betroffen. In der Pubertät tritt die Erkrankung häufiger auf, vor allem bei Mädchen. Insgesamt haben in Deutschland etwa 10 von 100 Jugendlichen Migräne. Bei manchen verschwinden die Anfälle nach der Pubertät, andere haben sie auch noch als Erwachsene. Migräneattacken lassen sich wirksam mit Schmerzmitteln oder Migränemedikamenten behandeln. Einige dieser Mittel sind auch für Kinder und Jugendliche geeignet.

    Häufige Migräneanfälle können sehr belastend sein. Manchmal kann dann eine Vorbeugung mit Medikamenten helfen – vor allem in Kombination mit nicht medikamentösen Methoden.

    Medikamente können auch Kindern und Jugendlichen helfen, die Beschwerden bei einem Migräneanfall zu lindern. Wenn die Anfälle aber immer wieder auftreten, suchen viele Eltern und Kinder nach Möglichkeiten, ihnen vorzubeugen.

    Vor der Pubertät haben etwa 4 bis 5 von 100 Kindern Migräne. Mädchen und Jungen sind dabei gleich häufig betroffen. In der Pubertät tritt die Erkrankung häufiger auf, vor allem bei Mädchen. Insgesamt haben in Deutschland etwa 10 von 100 Jugendlichen Migräne. Bei manchen verschwinden die Anfälle nach der Pubertät, andere haben sie auch noch als Erwachsene. Migräneattacken lassen sich wirksam mit Schmerzmitteln oder Migränemedikamenten behandeln. Einige dieser Mittel sind auch für Kinder und Jugendliche geeignet.

    Häufige Migräneanfälle können sehr belastend sein. Manchmal kann dann eine Vorbeugung mit Medikamenten helfen – vor allem in Kombination mit nicht medikamentösen Methoden.

    Wodurch kann eine Migräne ausgelöst werden?

    Ein Migräneanfall kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden. Diese herauszufinden und zu meiden, kann vielleicht manche Migräneanfälle verhindern. Einzelne Faktoren sind aber oft weniger wichtig: Meist kommen mehrere Umstände und Auslöser zusammen, wenn ein Kind zu Migräne neigt.

    Als mögliche Auslöser gelten unter anderem Lärm und grelles Licht. Möglicherweise können auch bestimmte Lebensmittel und Getränke Beschwerden auslösen.

    Die Veränderung von Routinen und Gewohnheiten kann ebenfalls eine Rolle spielen, zum Beispiel durch Reisen und klimatische Veränderungen, Änderungen im Tagesablauf sowie durch unregelmäßige Mahlzeiten.

    Einige Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass auch Schlafmangel und bestimmte Schlafgewohnheiten Migräne begünstigen können – und dass „bessere“ Schlafgewohnheiten möglicherweise vorbeugen helfen. Dazu gehört zum Beispiel, gegen Abend keine koffeinhaltigen Limonaden mehr zu trinken und vor dem Schlafengehen keine laute Musik zu hören.

    Wie kommt man Migräneauslösern auf die Spur?

    Kinder und Jugendliche probieren am besten selbst oder zusammen mit ihren Eltern aus, worauf sie empfindlich reagieren. Dabei kann es helfen, für einige Zeit ein Migräne-Tagebuch zu führen und darin zum Beispiel festzuhalten,

    • was in der Zeit vor einem Migräneanfall passiert ist,
    • wann die Migräne anfing und wann sie wieder vorbei war,
    • wie stark die Schmerzen waren,
    • ob Medikamente genommen wurden und wenn ja, welche und wie viele.

    Wer auf einen möglichen Auslöser verzichtet, um zu testen, ob er die Migräne beeinflusst, kann dies ebenfalls im Tagebuch notieren.

    Es ist wichtig, das Kopfschmerz-Tagebuch über mehrere Wochen oder Monate sehr sorgfältig zu führen. Sonst kann es leicht passieren, dass ein Auslöser übersehen – oder etwas dafür gehalten wird, das gar nichts mit der Migräne zu tun hat.

    Welche Rolle spielen Anspannung und Stress?

    Anspannung und Stress gelten als mögliche Auslöser von Migräneanfällen. Auch psychische Belastungen, etwa durch eine Trennung der Eltern, Probleme in der Schule oder einen Umzug und damit verbundene Veränderungen können Migräne begünstigen. Bei häufigem Stress kann es sich lohnen, ein Entspannungsverfahren zu erlernen, um besser damit zurechtzukommen. Dies hilft manchen Kindern und Jugendlichen auch, Anfällen vorzubeugen oder sie zumindest abzuschwächen. Für Heranwachsende, die auf Stress mit Kopfweh oder Migräne reagieren, ist es außerdem wichtig, allgemein auf ausreichend Pausen im Tagesablauf zu achten. Auch Bewegung und Sport können helfen, Stress abzubauen – vorausgesetzt, er macht dem Kind Spaß und es besteht kein Leistungsdruck.

    Es gibt unterschiedliche Entspannungsverfahren. Am weitesten verbreitet sind die sogenannte progressive Muskelentspannung (Muskelrelaxation) und das autogene Training. Beide Methoden müssen erlernt und geübt werden – entweder in einem Gruppenkurs oder mit einem Programm zum Selbstlernen. Bei der progressiven Muskelentspannung geht es darum, die einzelnen Muskelpartien des Körpers bewusst und wiederholt anzuspannen und wieder zu lösen. Auf diese Weise sollen sich Körper und Geist entspannen und beruhigen. Das autogene Training ist eine Technik, bei dem eine Art Selbst-Hypnose erreicht werden soll. In verschiedenen Übungen im Sitzen oder Liegen konzentriert man sich darauf, einzelne Körperteile zu spüren und sich intensiv in bestimmte Zustände wie Ruhe, Schwere, Wärme oder Kühle hineinzudenken. Dadurch sollen ein tiefer Entspannungszustand erreicht und negative Gefühle abgebaut werden.

    Wie lässt sich noch vorbeugen?

    Biofeedback

    Die Biofeedback-Therapie soll helfen, bestimmte Vorgänge im eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen. Während einer Sitzung werden Sensoren auf die Haut geklebt, die zum Beispiel die Hirnaktivität oder die Hauttemperatur messen. Die Messung wird auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Durch bewusste Konzentration ist es mit einiger Übung meist möglich, zum Beispiel die Hauttemperatur willentlich zu verändern. Die Messwerte zeigen, ob dies gelingt. Wer lernt, eigene Körperfunktionen zu steuern, soll auf diese Weise auch beginnende Kopfschmerzen besser kontrollieren können. Die Methode muss allerdings trainiert werden, und die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht.

    Verhaltenstherapie

    Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen. Dahinter steht die Theorie, dass bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen zur Entstehung von Migräneanfällen beitragen. Dies können etwa ungünstige Schlafgewohnheiten oder Probleme beim Umgang mit Stress sein. Im Rahmen der Behandlung lernen Kinder zum Beispiel, wie sie sich von den Schmerzen oder der Angst davor ablenken können. Sie erfahren außerdem, wie ihre Gedanken und Gefühle die Migräne beeinflussen können. Dies kann ihnen helfen, die Symptome als weniger quälend zu erleben und besser damit zurechtzukommen. Im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden oft auch andere Techniken wie eine Entspannungsmethode oder ein Biofeedback vermittelt.

    Wie wirksam sind diese vorbeugenden Methoden?

    Viele der beschriebenen Möglichkeiten zur Vorbeugung sind bislang nicht einzeln in wissenschaftlichen Studien mit Kindern und Jugendlichen erprobt worden. Allerdings gibt es mehrere Studien, in denen umfangreichere Behandlungspakete untersucht wurden. Die bislang größte Studie dieser Art fand in den USA statt. Daran nahmen 135 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren teil, die eine chronische Migräne hatten. Von chronischer Migräne spricht man bei Migräne-Beschwerden an mehr als 15 Tagen pro Monat.

    In der Studie wurde untersucht, wie wirksam eine kognitive Verhaltenstherapie mit Biofeedback im Vergleich zu einer einfachen Schulung ist. Die kognitive Verhaltenstherapie umfasste zehn einstündige Gruppensitzungen, in denen die Kinder und Jugendlichen unter anderem lernten,

    • wie sich Verhalten und Gefühle auf Schmerzen auswirken,
    • wie sie sich von Schmerzen ablenken können,
    • wie sie ihre Aktivitäten so gestalten und anpassen, dass sie nicht zu einer Überforderung werden,
    • wie sie schädliche (übertrieben negative) Gedanken erkennen und sie durch hilfreichere und gesündere ersetzen und
    • wie sie sich mit Biofeedback entspannen können.

    An einigen Sitzungen nahmen auch die Eltern teil, um ihre Kinder bei der Umsetzung des Erlernten zu unterstützen.

    Die Kinder und Jugendlichen, die nur eine einfache Schulung besuchten, lernten ebenfalls etwas über die Ursachen, möglichen Auslöser und die Behandlung einer Migräne. Sie erhielten aber keine Anleitungen, wie sie mit den Schmerzen besser zurechtkommen können. Zusätzlich zur kognitiven Verhaltenstherapie oder Schulung wurden alle Kinder in der Studie vorbeugend mit dem Medikament Amitriptylin behandelt.

    Die Studie zeigte, dass die kognitive Verhaltenstherapie vielen Kindern und Jugendlichen dabei helfen kann, die Schmerzen besser zu bewältigen. Die Therapie konnte auch die Anzahl der Tage mit starken Migräneschmerzen senken: In den vier Wochen nach der Therapie erlebten die Kinder und Jugendlichen im Durchschnitt fünf Kopfschmerztage weniger als vorher.

    Wann kommen Medikamente zur Migränevorbeugung infrage?

    Fachleute halten eine vorbeugende Migränebehandlung mit Medikamenten für sinnvoll, wenn

    • mehr als dreimal im Monat Migräneanfälle auftreten,
    • die Anfälle besonders schmerzhaft oder lang anhaltend sind,
    • Medikamente zur akuten Migränebehandlung nicht ausreichend wirken oder zum Beispiel wegen Nebenwirkungen nicht infrage kommen.

    Die Entscheidung für eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten hängt aber auch von persönlichen Faktoren ab: Etwa davon, wie stark sich ein Kind von der Migräne beeinträchtigt fühlt oder ob es sich vorstellen kann, jeden Tag Medikamente einzunehmen.

    Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin, Propranolol und Topiramat eingesetzt. Allerdings gibt es kaum Studien, die diese Medikamente zur Vorbeugung bei jungen Menschen untersucht haben. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen. Wenn Kinder mit Migräne Medikamente wie Topiramat einnehmen, handelt es sich um einen sogenannten „Off-Label-Use“. Gemeint ist damit der Einsatz einer Arznei bei einer Patientengruppe oder Erkrankung, für die sie keine Zulassung hat.

    Sind Medikamente zur Vorbeugung wirksam?

    Ob Topiramat Migräneanfällen bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen kann, ist unklar. In einigen Studien verringerte es die Migräneanfälle von etwa drei auf etwa zwei Tage im Monat. Allerdings nahmen an diesen Studien nur Kinder und Jugendliche mit gelegentlicher (episodischer) Migräne teil.

    Nebenwirkungen von Topiramat sind Müdigkeit, Sinnesstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle, Geschmacksstörungen und Gewichtsabnahme. Nach einer groben Schätzung könnten bei etwa 25 von 100 Kindern, die das Mittel nehmen, solche Nebenwirkungen auftreten.

    Die Wirksamkeit von Flunarizin und Propranolol zur Vorbeugung von Migräne bei Heranwachsenden ist bislang nicht sicher belegt. Auch diese Medikamente haben verschiedene Nebenwirkungen. Propranolol kann Müdigkeit, Schwindel und Schlafstörungen auslösen und ist für Kinder mit Asthma nicht geeignet. Flunarizin kann zu Müdigkeit, Gewichtszunahme, Magen-Darm-Beschwerden und Stimmungsveränderungen führen.

    Wer sich für eine medikamentöse Vorbeugung entscheidet, muss etwas Geduld haben: Meist lässt sich erst nach zwei bis drei Monaten sagen, ob die Medikamente die Beschwerden verringern.

    Zur Migränevorbeugung werden auch pflanzliche und Nahrungsergänzungsmittel wie Coenzym Q10, Mutterkraut, Vitamin B2 oder Pestwurz angeboten. Ob diese Mittel tatsächlich vor Migräne schützen, ist mangels aussagekräftiger Forschung jedoch unklar.

    Für Erwachsene ist der Nutzen von Medikamenten zur Migränevorbeugung besser untersucht. Wenn ein Wirkstoff Erwachsenen hilft, bedeutet das aber nicht, dass er auch bei Kindern wirkt: Zum einen können Arzneimittel auf den Organismus eines Heranwachsenden anders wirken, zum anderen unterscheidet sich die Migräne bei Kindern von der bei Erwachsenen. Nicht zuletzt können geringere Dosierungen erforderlich sein.

    Wenn ein Kind oder Jugendlicher vorbeugend Medikamente nimmt, ist es wichtig, die Anwendung alle paar Monate zu überprüfen. Denn bei vielen Heranwachsenden klingt die Migräne mit der Zeit ab, sodass keine Behandlung mehr nötig ist.

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Migränevorbeugung für Erwachsene

    Migräneanfälle lassen sich meistens mit Schmerzmitteln oder Migränemedikamenten lindern. Wer Migräne hat, möchte die Anfälle aber am liebsten von vornherein verhindern. Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, mögliche Auslöser zu finden. Durch vorbeugende Behandlungen lässt sich die Zahl der Migräneanfälle senken.

    Die meisten Menschen mit Migräne haben eine episodische Form. Das heißt, dass die Migräneanfälle in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auftreten. Weniger als 2 % der Menschen mit Migräne haben eine chronische Form. Davon spricht man, wenn Kopfschmerzen über mehr als drei Monate an mindestens 15 Tagen im Monat auftreten und sich an mindestens acht Tagen wie eine Migräne anfühlen.

    Migräneanfälle sind sehr schmerzhaft und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene möchten selbst etwas tun, um die Anfälle möglichst von vornherein zu verhindern. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Vorbeugung. Einige Menschen achten zum Beispiel darauf, Migräneauslöser zu vermeiden. Andere erlernen eine Entspannungsmethode oder versuchen es mit einer Ausdauersportart. Manche nehmen zur Vorbeugung täglich Medikamente ein.

    Migräneanfälle lassen sich meistens mit Schmerzmitteln oder Migränemedikamenten lindern. Wer Migräne hat, möchte die Anfälle aber am liebsten von vornherein verhindern. Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, mögliche Auslöser zu finden. Durch vorbeugende Behandlungen lässt sich die Zahl der Migräneanfälle senken.

    Die meisten Menschen mit Migräne haben eine episodische Form. Das heißt, dass die Migräneanfälle in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auftreten. Weniger als 2 % der Menschen mit Migräne haben eine chronische Form. Davon spricht man, wenn Kopfschmerzen über mehr als drei Monate an mindestens 15 Tagen im Monat auftreten und sich an mindestens acht Tagen wie eine Migräne anfühlen.

    Migräneanfälle sind sehr schmerzhaft und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene möchten selbst etwas tun, um die Anfälle möglichst von vornherein zu verhindern. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Vorbeugung. Einige Menschen achten zum Beispiel darauf, Migräneauslöser zu vermeiden. Andere erlernen eine Entspannungsmethode oder versuchen es mit einer Ausdauersportart. Manche nehmen zur Vorbeugung täglich Medikamente ein.

    Wodurch kann eine Migräne begünstigt oder ausgelöst werden?

    Bei vielen Menschen mit Migräne gehören Belastungen im Alltag zu den migränefördernden Faktoren, zum Beispiel:

    • zu wenig oder schlechter Schlaf
    • unregelmäßige oder ausgelassene Mahlzeiten
    • Stress – oder auch das Nachlassen von Stress, zum Beispiel an Wochenenden
    • Wetterumschwünge
    • Bewegungsmangel
    • bei Frauen Hormonschwankungen, zum Beispiel im Monatszyklus (Regelblutung)

    Bei manchen Menschen löst möglicherweise auch der Genuss bestimmter Lebensmittel oder Getränke – etwa Rotwein – Migräneanfälle aus.

    Um Migräneauslösern auf die Spur zu kommen, ist es hilfreich, für einige Wochen oder Monate ein Kopfschmerz- oder Migräne-Tagebuch zu führen. Darin wird festgehalten,

    • was in der Zeit kurz vor einem Migräneanfall passiert ist,
    • was man vorher gegessen oder getrunken hat,
    • wann die Attacke begonnen hat und wann sie vorüber war,
    • wie stark die Migräne war und
    • zu welchem Zeitpunkt man Medikamente genommen hat und wenn ja, welche und wie viele.

    Wer zum Beispiel Rotwein als Auslöser im Verdacht hat und für eine Weile darauf verzichtet, kann anhand der Tagebuch-Eintragungen sehen, ob die Migräne dann tatsächlich seltener und schwächer wird.

    Was einen Migräneanfall wahrscheinlicher macht, löst ihn aber nicht zwangsläufig aus. Fachleute gehen heute davon aus, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren Migräneattacken begünstigt. Vorübergehende Belastungen, zum Beispiel durch berufliche oder private Probleme, können manche Menschen besonders empfindlich machen. Andere reagieren auf den Wechsel in ruhigere Zeiten, etwa am Wochenende oder Urlaubsbeginn, mit einem Migräneanfall.

    Wie lässt sich ohne Medikamente vorbeugen?

    Manchmal sind es nicht der Stress oder die Schlafprobleme selbst, die zu einem Migräneanfall führen, sondern der Umgang mit ihnen. Alltägliche Belastungen lassen sich zudem oft nicht vermeiden. Das Ziel nicht medikamentöser Behandlungen ist, einen entspannteren Umgang mit Belastungen zu finden. Dabei sollen Methoden wie die progressive Muskelentspannung und das autogene Training helfen. Diese Entspannungsverfahren können in Kursen erlernt werden, oder mithilfe von Büchern oder Videos.

    Wenn eine Migräne sehr belastend ist, kommt auch eine kognitive Verhaltenstherapie infrage. Während der Therapie wird vermittelt, wie Verhalten, Gedanken und Gefühle das Schmerzempfinden beeinflussen – und wie sich dies nutzen lässt, um besser mit den Schmerzen zurechtzukommen. Zur psychotherapeutischen Behandlung von Migräne-Kopfschmerzen gibt es bislang nur wenige Studien. In der Behandlung von anderen chronischen Schmerzerkrankungen hat die kognitive Verhaltenstherapie allerdings einen festen Platz.

    Beim Biofeedback wird versucht, unbewusste Körpervorgänge durch Training willentlich zu steuern und so zu lernen, sie besser zu kontrollieren. Auf diese Weise sollen sich auch beginnende Kopfschmerzen besser kontrollieren lassen. Eine Zusammenfassung von Studien deutet an, dass Biofeedback in der Migränevorbeugung hilfreich sein könnte. Die Technik muss allerdings über viele Sitzungen eingeübt werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten normalerweise nicht.

    Als „Nervenstimulation“ werden Behandlungsverfahren bezeichnet, bei denen Reize auf das Nervensystem übertragen werden. Dies soll die Schmerzweiterleitung und -empfindung im Gehirn beeinflussen. Dazu werden zum Beispiel elektronische Impulse oder Magnetwellen über Elektroden auf der Kopfhaut ins Gehirn gesendet. Manchmal werden auch einzelne Nerven gereizt – etwa der Nerv, der Hinterkopf und Nacken versorgt. Wie wirksam solche Nervenstimulationen Migräne vorbeugen, wurde bislang nicht ausreichend untersucht.

    Wer viel über die Erkrankung weiß, kommt oft besser mit ihr zurecht. Oft ist es schon hilfreich, sich ausführlich von seiner Ärztin oder seinem Arzt beraten zu lassen. Manchen Menschen hilft möglicherweise Akupunktur, die Häufigkeit von Migräneanfällen zu senken. Auch Ausdauersport wie Walking oder Schwimmen wird vielen Betroffenen zur Vorbeugung empfohlen.

    Können pflanzliche Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel vor Migräne schützen?

    Zur Vorbeugung von Migräne werden verschiedene pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel angeboten, insbesondere Coenzym Q10, Magnesium, Mutterkraut, Pestwurz und Vitamin B2.

    Mangels aussagekräftiger Forschung lässt sich bislang nicht beurteilen, ob diese Mittel vor Migräne schützen. Einige Studien deuten zwar darauf hin, dass Magnesium und ein bestimmter Mutterkraut-Extrakt die Zahl der Migräneanfälle senken können. Die Qualität der Studien reicht aber nicht aus, um eine vorbeugende Wirkung dieser Mittel zu belegen.

    Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Arzneimittel gelten oft als gut verträglich und sicher – Nebenwirkungen sind aber nicht ausgeschlossen. Mutterkraut-Extrakte können zum Beispiel Magen-Darm-Probleme verursachen. Außerdem können diese Mittel auch zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen.

    Wann kommen Medikamente zur Migränevorbeugung infrage?

    Akute Migräneanfälle werden meist mit Schmerzmitteln wie ASS, Ibuprofen, Paracetamol oder mit Migränemedikamenten wie Triptanen behandelt. Diese Medikamente eignen sich aber nicht, Anfällen vorzubeugen.

    Medikamente zur Vorbeugung werden unabhängig von akuten Beschwerden über einen langen Zeitraum täglich eingenommen. Sie sollen verhindern, dass es überhaupt zu Migräneanfällen kommt. Viele Fachleute sehen eine medikamentöse Vorbeugung als erfolgreich an, wenn es gelingt, die Anzahl der Migräneanfälle zu halbieren. Sie empfehlen eine medikamentöse Vorbeugung, wenn

    • jeden Monat drei oder mehr Anfälle auftreten, die die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen,
    • die Anfälle oft länger als drei Tage anhalten oder besonders schwer sind,
    • die Anfälle nicht auf eine Behandlung mit Schmerzmitteln oder Triptanen ansprechen,
    • Schmerz- oder Migränemittel aus gesundheitlichen Gründen oder wegen Nebenwirkungen nicht infrage kommen oder
    • an mehr als zehn Tagen im Monat nötig sind.

    Ob man vorbeugend Medikamente nehmen möchte, ist letztlich eine persönliche Entscheidung. Sie hängt unter anderem davon ab, wie belastend die Migräne ist und wie man die Vor- und Nachteile einer Medikamenten-Behandlung beurteilt.

    Welche Medikamente eignen sich zur Vorbeugung?

    Die meisten Medikamente zur Migränevorbeugung wurden ursprünglich zur Behandlung anderer Erkrankungen entwickelt. Später zeigte sich dann, dass einige dieser Mittel auch vor Migräne schützen. Um Migräneanfällen vorzubeugen, werden sie oft in geringeren Dosierungen eingesetzt. Üblicherweise kommen die folgenden Medikamente infrage:

    • Betablocker wie Metoprolol und Propranolol sowie der Kalziumkanalblocker Flunarizin. Diese Medikamente hemmen bestimmte Enzyme oder Rezeptoren, die auch bei der Entstehung von Migräneanfällen eine Rolle spielen. Die Wirkstoffe werden normalerweise zur Blutdrucksenkung angewendet.
    • krampflösende Wirkstoffe (Antikonvulsiva) wie Topiramat und Valproinsäure. Sie werden eigentlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt.
    • Amitryptilin, das zu Medikamenten zählt, mit denen Depressionen behandelt werden (sogenannte trizyklische Antidepressiva).
    • Speziell zur Behandlung chronischer Migräne ist der Wirkstoff Botulinumtoxin A („Botox“) zugelassen. Dieses Medikament wird in kleinen Dosierungen in etwa 30 verschiedene Muskeln im Nacken- und Kopfbereich gespritzt.

    Wenn diese Medikamente nicht vertragen werden oder nicht helfen, können auch weitere Mittel wie etwa Acetylsalicylsäure (ASS) ausprobiert werden.

    Neuere Medikamente, die Migräne vorbeugen sollen, enthalten im Labor hergestellte Antikörper und werden gespritzt. Die Antikörper setzen an einem bestimmten Eiweiß im Körper an, das bei der Entstehung von Migräneattacken wahrscheinlich eine Rolle spielt.

    Wie wirksam sind die üblichen Mittel und welche Nebenwirkungen haben sie?

    Betablocker

    Die Betablocker Metoprolol und Propranolol konnten die Häufigkeit von Migräneanfällen in Studien senken. Studien zum Wirkstoff Propranolol zeigen zum Beispiel:

    • Bei 23 von 100 Personen, die ein Scheinmedikament (Placebo) genommen hatten, nahm die Migränehäufigkeit im Monatsdurchschnitt um mehr als die Hälfte ab.
    • Bei 46 von 100 Personen, die Propanolol genommen hatten, nahm die Migränehäufigkeit um mehr als die Hälfte ab.

    Anders ausgedrückt: Durch eine vorbeugende Behandlung mit Propranolol hatten zusätzlich 23 von 100 Personen nur noch halb so viele Migräneanfälle im Monat wie vorher. Metoprolol ist ähnlich wirksam.

    Zu den Nebenwirkungen von Betablockern gehören Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden. In Studien führten Metoprolol oder Propranolol bei etwa 10 von 100 Personen zu Nebenwirkungen.

    Antikonvulsiva

    Auch Antikonvulsiva mit den Wirkstoffen Topiramat und Valproinsäure können Migräneanfällen vorbeugen. Sie waren in Studien ähnlich wirksam wie Betablocker. Diese Medikamente haben aber andere Nebenwirkungen. Topiramat kann zu Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Missempfindungen der Haut wie Kribbeln und Taubheit oder Geschmacksstörungen führen. In Studien brachen etwa 6 von 100 Personen die Behandlung wegen solcher Nebenwirkungen ab. Valproinsäure kann Müdigkeit, Schwindel, Hautausschläge, Haarausfall und Zittern auslösen. Wie häufig diese Nebenwirkungen sind, ist nicht gut untersucht. Grob geschätzt müssen etwa 7 von 100 Personen mit Schwindel und Zittern rechnen. Wie oft es zu Nebenwirkungen kommt, hängt auch von der Dosierung des Medikaments ab.

    Topiramat ist in Deutschland zur Vorbeugung von Migräne bei Erwachsenen zugelassen. Für Valproinsäure gilt dies zwar nicht, das Mittel kann aber im sogenannten Off-Label-Use eingesetzt werden.

    Botulinumtoxin Typ A

    In Studien zeigte sich, dass Botox-Spritzen im Vergleich zu Placebo-Spritzen ohne Wirkstoff die Zahl der Migräneanfälle verringern konnte:

    • Ohne Botox ging die Zahl der Migräneanfälle pro Monat bei 34 von 100 Personen um mehr als die Hälfte zurück.
    • Mit Botox ging die Zahl der Migräneanfälle pro Monat bei 51 von 100 Personen um mehr als die Hälfte zurück.

    Mit anderen Worten: Durch eine vorbeugende Behandlung mit Botox hatten 17 von 100 Personen nur noch halb so viele Migräneanfälle im Monat wie vorher. Die Wirkung lässt aber nach einigen Monaten nach. Die Behandlung kann in Abständen von zwölf Wochen wiederholt werden.

    Häufige Nebenwirkung dieser Behandlung sind ein steifer oder schmerzender Nacken und Muskelschwäche. Dies betrifft etwa 10 bis 15 von 100 Personen. Andere mögliche Nebenwirkungen sind ein hängendes Augenlid und Schluckstörungen. Dazu kann es kommen, weil Botulinumtoxin A die Nerven vorübergehend betäubt. Die Nebenwirkungen sind allerdings nicht von Dauer. Wenn die Wirkung des Medikaments nachlässt, normalisiert sich die Nervenfunktion wieder. In Studien brachen etwa 2 bis 3 von 100 Personen die Behandlung wegen solcher Nebenwirkungen ab.

    Die Spritzen können sehr selten auch ernsthaftere Komplikationen wie Infektionen oder Atemprobleme verursachen. Um Probleme zu vermeiden, ist es sinnvoll, sich von einer Ärztin oder einem Arzt behandeln zu lassen, die oder der Erfahrung mit dieser Behandlungsmethode hat.

    Wie findet man das passende Medikament?

    Welches Medikament sich für jemanden eignet, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Betablocker werden zum Beispiel häufig zur Migränevorbeugung eingesetzt. Da Betablocker auch den Blutdruck senken, sind sie vor allem für Menschen sinnvoll, die ohnehin eine blutdrucksenkende Behandlung benötigen. Für Menschen mit Asthma eignen sich Betablocker weniger gut, weil sie die Bronchien verengen können.

    Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere sollten möglichst auf Medikamente zur Migräneprophylaxe verzichten, da einige der Wirkstoffe zu Fehlbildungen beim Kind führen können. Eine Behandlung mit Metoprolol gilt aber auch in der Schwangerschaft als unbedenklich.

    Wichtig ist, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen, welches Mittel infrage kommt und welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich sind. Wenn Nebenwirkungen auftreten, ist es nicht immer nötig, ein Medikament wieder abzusetzen. Manchmal finden sich auch andere Möglichkeiten, mit den Nebenwirkungen umzugehen. Wenn ein Mittel zum Beispiel müde macht, hilft es vielleicht, es abends einzunehmen. Außerdem werden manche Nebenwirkungen mit der Zeit schwächer. Nach einer Weile gewöhnt sich der Kreislauf zum Beispiel oft an die blutdrucksenkende Wirkung eines Betablockers – das heißt, Schwindel oder Müdigkeit nehmen dann ab.

    Wie lange und in welcher Dosis werden die Medikamente genommen?

    Zur Migränevorbeugung ist es sinnvoll, mit einer niedrigen Dosierung der Medikamente zu beginnen und sie langsam zu erhöhen. Dadurch lassen sich Nebenwirkungen verringern oder sogar vermeiden. Während der Behandlung ist es hilfreich, ein Kopfschmerz-Tagebuch zu führen. So lässt sich besser beurteilen, ob die Medikamente wirken. Es kann allerdings auch nach Erreichen der angestrebten Dosierung noch bis zu zwei Monate dauern, bis die Migräneanfälle weniger werden. Wenn dann keine Besserung spürbar ist, kann es sinnvoll sein, ein anderes Medikament auszuprobieren.

    Damit Medikamente Migränebeschwerden vorbeugen können, müssen sie täglich über einen langen Zeitraum eingenommen werden. Nach sechs bis zwölf Monaten ist jedoch eine Medikamentenpause sinnvoll, um zu prüfen, ob sich die Migräne gebessert hat und ob noch Medikamente nötig sind. Dabei sollten die Mittel nicht abrupt abgesetzt, sondern ihre Dosierung langsam gesenkt werden.

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Medikamente gegen Migräne

    Migräneanfälle lassen sich mit Schmerzmitteln oder Migränemedikamenten lindern. Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen können bei Bedarf eine sinnvolle Ergänzung sein. Werden Schmerzmittel allerdings zu oft eingenommen, können sie selbst Kopfschmerzen verursachen.

    Bei einer leichten Migräne kann es ausreichen, sich in einen dunklen, kühlen Raum zurückzuziehen und sich hinzulegen. Meist ist eine Migräne aber sehr schmerzhaft. Die meisten Menschen nehmen deshalb Medikamente ein, um einen Migräneanfall durchzustehen. Bei mäßigen Schmerzen kann ein rezeptfreies Schmerzmittel aus der Apotheke genügen. Bei einer heftigen Migräne sind manchmal stärkere Medikamente nötig. Wenn man öfter Migräne hat, ist es sinnvoll, je nach Bedarf verschiedene Arzneimittel bereitzuhalten.

    Zur Behandlung von Migräneattacken kommen folgende Medikamente infrage:

    • Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Paracetamol
    • Mittel gegen Übelkeit
    • spezielle Migränemedikamente (Triptane und Ergotamine) 

    Migräneanfälle lassen sich mit Schmerzmitteln oder Migränemedikamenten lindern. Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen können bei Bedarf eine sinnvolle Ergänzung sein. Werden Schmerzmittel allerdings zu oft eingenommen, können sie selbst Kopfschmerzen verursachen.

    Bei einer leichten Migräne kann es ausreichen, sich in einen dunklen, kühlen Raum zurückzuziehen und sich hinzulegen. Meist ist eine Migräne aber sehr schmerzhaft. Die meisten Menschen nehmen deshalb Medikamente ein, um einen Migräneanfall durchzustehen. Bei mäßigen Schmerzen kann ein rezeptfreies Schmerzmittel aus der Apotheke genügen. Bei einer heftigen Migräne sind manchmal stärkere Medikamente nötig. Wenn man öfter Migräne hat, ist es sinnvoll, je nach Bedarf verschiedene Arzneimittel bereitzuhalten.

    Zur Behandlung von Migräneattacken kommen folgende Medikamente infrage:

    • Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Paracetamol
    • Mittel gegen Übelkeit
    • spezielle Migränemedikamente (Triptane und Ergotamine) 

    Können Schmerzmittel wie ASS oder Paracetamol helfen?

    Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR können Migräneschmerzen lindern. Die in Deutschland am häufigsten eingesetzten Schmerzmittel sind Acetylsalicylsäure (ASS wie in „Aspirin“), Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol. Studienergebnisse zeigen, dass diese Mittel bei Migräne wirksam sind:

    • Ohne Schmerzmittel verschwinden Migräneschmerzen bei etwa 10 von 100 Personen innerhalb von zwei Stunden.
    • Mit Schmerzmitteln verschwinden sie in der gleichen Zeit bei etwa 20 von 100 Personen.

    Anders ausgedrückt: Zwei Stunden nach Einnahme der Medikamente sind zusätzlich 10 von 100 Personen schmerzfrei. Mit einer Linderung der Schmerzen können weitere 20 von 100 Personen rechnen. Wie wirksam ein Mittel bei jemandem ist, hängt unter anderem von der Stärke der Migräne und der Medikamenten-Dosis ab.

    Die folgende Tabelle zeigt, in welchen Dosierungen diese Medikamente bei Erwachsenen mit Migräne üblicherweise eingesetzt werden:

    Wirkstoff Dosierung bei einem Migräneanfall Tägliche Höchstdosis für Erwachsene
    ASS 1000 mg 3000 mg
    Diclofenac 50 mg 150 mg
    Ibuprofen 400 mg 2400 mg
    Paracetamol 1000 mg 4000 mg

    Welche Nebenwirkungen gibt es?

    Da Schmerzmittel zur Behandlung eines Migräneanfalls meist nur kurz eingenommen werden, sind Nebenwirkungen selten. In Studien verursachte Ibuprofen bei weniger als einer von 100 Personen Magenschmerzen. Bei anderen Mitteln zeigten sich keine Nebenwirkungen. Für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie etwa Nierenschäden kann die Einnahme von Schmerzmitteln jedoch problematisch sein.

    NSAR können die Funktion der Magenschleimhaut beeinträchtigen. Für Menschen mit Magengeschwüren sind sie daher nicht geeignet. ASS hemmt zudem die Blutgerinnung und erhöht das Risiko für Blutungen. Diese sind meist leicht, wie Nasen- oder Zahnfleischbluten. Selten treten schwerwiegendere Blutungen auf, etwa im Magen-Darm-Trakt. Bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung können hoch dosierte NSAR zudem das Risiko für Komplikationen erhöhen.

    Paracetamol ist für Menschen mit einer eingeschränkten Leberfunktion nicht geeignet, weil es über die Leber abgebaut wird. In hohen Dosierungen kann es auch bei Gesunden die Leber schädigen. Daher ist es wichtig, die empfohlene Höchstdosis nicht zu überschreiten.

    Welche Mittel wirken gegen Übelkeit?

    Wenn eine Migräneattacke von Übelkeit begleitet wird, kann die Schmerzbehandlung mit Domperidon oder Metoclopramid ergänzt werden. Diese Wirkstoffe können Übelkeit und Erbrechen bei schätzungsweise 40 von 100 Personen lindern. Es gibt auch Kombinationsmedikamente, die gegen Schmerzen und Übelkeit wirken und zum Beispiel Metoclopramid und das Schmerzmittel Paracetamol enthalten.

    Wie wirken Migränemedikamente wie Triptane und Ergotamine?

    Triptane

    Triptane wurden speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt. Alle Wirkstoffe dieser Medikamentengruppe verengen die Hirngefäße und hemmen die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe. Triptane können Schmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit lindern. Derzeit sind sieben verschiedene Triptane erhältlich:

    • Almotriptan
    • Eletriptan
    • Frovatriptan
    • Naratriptan
    • Rizatriptan
    • Sumatriptan und
    • Zolmitriptan.

    Einige dieser Mittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen: als Tabletten, Kapseln, Nasenspray, Zäpfchen, Lösung zum Spritzen oder als Schmelztablette, die unter die Zunge gelegt wird. Das Spritzen ist mit einem Fertigpen möglich, den man sich verschreiben lassen kann. Die meisten Triptane sind verschreibungspflichtig. Almotriptan und Naratriptan sind auch ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

    Wegen chemischer Unterschiede sind Triptane zum Teil verschieden dosiert: So enthalten Sumatriptan-Tabletten 50 oder 100 mg Wirkstoff, Zolmitriptan-Tabletten dagegen 2,5 oder 5 mg. Triptane unterscheiden sich auch in ihrer Wirkdauer: Einige wirken schneller als andere, dafür hält deren Wirkung kürzer an. Wenn also ein Triptan die Migräne nicht so lindert wie erhofft, kann es sich lohnen, ein anderes auszuprobieren.

    Alle Triptane können bei Migräne helfen. Studien zu Sumatriptan (50 mg), dem am häufigsten verschriebenen Mittel, zeigten zum Beispiel:

    • Ohne das Medikament verschwanden Migräneschmerzen innerhalb von zwei Stunden bei etwa 10 von 100 Personen.
    • Mit Sumatriptan verschwanden die Beschwerden in dieser Zeit bei 20 bis 30 von 100 Personen.

    Zwei Stunden nach Einnahme des Medikaments waren also zusätzlich etwa 10 bis 20 von 100 Personen schmerzfrei. Bei weiteren 25 von 100 Personen, die das Mittel nahmen, bewirkte es zumindest eine Linderung.

    Wie gut und wie rasch ein Medikament hilft, hängt von der Schwere der Migräne, der Dosierung des Mittels und der Darreichungsform ab. So wirken Spritzen unter die Haut besser und schneller als andere Darreichungsformen, haben aber auch mehr Nebenwirkungen.

    Mögliche Nebenwirkungen von Triptanen sind Benommenheit, Missempfindungen wie Kribbeln, Schwäche-, Wärme- oder Kältegefühl, manchmal auch leichte Übelkeit. Gegen Übelkeit könnte es helfen, ein Triptan als Zäpfchen oder Spritze anzuwenden. Für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sind Triptane nicht geeignet, weil sie in seltenen Fällen die Blutgefäße verengen und den Blutdruck erhöhen können.

    Ergotamine

    Rezeptpflichtige Migränemedikamente können auch Ergotamine enthalten. Diese Substanzen aus dem Mutterkorn – einem Getreidepilz – waren fast ein Jahrhundert lang die einzige spezifische Behandlung bei Migräne. Weil Ergotamine mehr Nebenwirkungen haben als Triptane, werden sie heute nicht mehr so häufig zur Behandlung von Migräneanfällen eingesetzt. Zur Vorbeugung von Migräneanfällen sind diese Präparate seit 2014 nicht mehr zugelassen.

    Welche Medikamente eignen sich für Kinder und Jugendliche?

    Bei Kindern und Jugendlichen wirken Medikamente manchmal anders als bei Erwachsenen. Sie benötigen andere Dosierungen, und teilweise zeigen sich bei ihnen auch andere Nebenwirkungen als bei Erwachsenen. Für die Behandlung von Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind in Europa folgende Mittel zugelassen:

    • Ibuprofen
    • Paracetamol: für Kinder ab zwölf Jahren, auch in Kombination mit Metoclopramid
    • Sumatriptan: als Nasenspray für Kinder ab zwölf Jahren

    Ob Paracetamol bei Kindern und Heranwachsenden Migränebeschwerden lindern kann, ist unklar. Für Ibuprofen zeigen mehrere Studien, dass es bei Migräneanfälle helfen kann. Ernsthafte Nebenwirkungen traten in den Studien, an denen Kinder mit Migräne teilgenommen hatten, nicht auf. Leichte Nebenwirkungen wie Magenschmerzen waren selten.

    Auch das Nasenspray mit Sumatriptan half Kindern und Jugendlichen bei einem Migräneanfall. Es führte jedoch häufiger zu leichteren Nebenwirkungen wie unangenehmem Geschmack im Mund oder Übelkeit.

    Ärztinnen und Ärzte können Heranwachsenden auch Medikamente verschreiben, die nicht für ihr Alter zugelassen sind – das wird Off-Label-Use genannt. Wenn eine Ärztin oder ein Arzt ein Medikament „off-label“ verschreibt, sollte sie oder er die damit verbundenen Risiken und die Gründe für die Verschreibung erläutern.

    Was kann passieren, wenn man sehr oft Schmerzmittel nimmt?

    Schmerzmittel oder Triptane können bei zu häufiger Einnahme selbst Kopfschmerzen verursachen. Man spricht dann von einem Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch. Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen sind dumpf und betreffen den gesamten Kopf. Migräneschmerzen sind eher pulsierend und noch von anderen Beschwerden begleitet. Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch sind chronisch, treten also über drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat auf. Migräneattacken können noch hinzukommen.

    Bei dieser Art von Kopfschmerzen ist es sinnvoll, die Medikamente für eine Weile abzusetzen – auch wenn sich die Kopfschmerzen dann zunächst verstärken und von Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schlafstörungen oder Übelkeit begleitet werden. Diese Mittel sollen bewirken, dass es seltener zu Migräneanfällen kommt – und man langfristig weniger Schmerz- und Migränemittel benötigt.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Migräne – Erfahrungsbericht – Stephan

    „Die Migräneanfälle waren bei mir in den letzten Jahren unterschiedlich häufig. Eine Zeit lang hatte ich sie exakt einmal pro Woche. Dann verstärkten sich die Beschwerden etwas, die Pausen zwischen den einzelnen Attacken wurden länger und es pendelte sich bei so alle 14 Tage ein.“

    Stephan, 43 Jahre

    „Die Migräneanfälle waren bei mir in den letzten Jahren unterschiedlich häufig. Eine Zeit lang hatte ich sie exakt einmal pro Woche. Da konnte ich die Uhr danach stellen. Dann verstärkten sich die Beschwerden etwas, die Pausen zwischen den einzelnen Attacken wurden länger und es pendelte sich bei so alle 14 Tage ein.“

    Ich bin 43 Jahre alt und die ersten Migränebeschwerden hatte ich vor etwa 20 Jahren. Das war während meines Studiums. Die Symptome waren allerdings für eine Migräne relativ untypisch: Ich hatte zum Beispiel Schüttelfrost und das oft anfallartig so einmal pro Woche.

    Später ist daraus im gleichen Rhythmus eine Migräne geworden mit den eher typischen Beschwerden: halbseitige Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Empfindlichkeit gegen bestimmte Gerüche, Geräusche und Berührungen. Dagegen konnte ich damals weder mit Medikamenten noch mit Hausmittelchen etwas ausrichten.

    Was eine Migräne ist, wusste ich damals nicht

    Daraufhin bin ich zu einem Neurologen gegangen. Als ich ihm meine Beschwerden geschildert habe, meinte er nur, dass ich ihm eben die klassische Lehrbuch-Symptomatik einer Migräne geschildert hätte.

    Mit dem Begriff „Migräne“ wusste ich damals nichts anzufangen. Das hat mir der Arzt dann erstmal erklärt. Zu diesem Zeitpunkt waren die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Damals gab es nur die Möglichkeit, Schmerzmittel und Medikamente gegen die Übelkeit einzunehmen, etwas am eigenen Verhalten zu ändern und zu versuchen, sich viel zu entspannen.

    Ich habe verschiedene Behandlungen ausprobiert

    Der Arzt, bei dem ich in Behandlung war, war Experte im autogenen Training und das habe ich dann auch bei ihm gelernt. Diese Fähigkeiten habe ich heute noch, das ist wie mit dem Fahrradfahren, das verlerne ich nicht mehr. Das tut mir sehr gut und hilft mir, mich zu entspannen. Aber leider hat das autogene Training weder die Migränehäufigkeit noch die Anfallsschwere positiv beeinflusst. Ich habe es auch mit Akupunktur versucht, allerdings ohne Erfolg.

    Das bedeutete für mich, dass ich mich einige Jahre durchquälen musste. Wenn die Migräne kam, dann musste ich mich in ein dunkles Zimmer begeben, möglichst kühl, möglichst ruhig.

    Der durchbrechende Erfolg kam für mich erst mit der Erfindung der Triptane. Die nehme ich auch heute noch. Das sieht dann folgendermaßen aus: Wenn ich Migräne bekomme, dann fast immer in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden, so gegen vier Uhr. Ich werde dann wach und merke, dass die Migräne beginnt. Dann nehme ich so eine Triptan-Tablette und die Beschwerden sind dann meistens relativ schnell wieder weg. Ich kann dann ganz normal zur Arbeit gehen und bin topfit.

    Manchmal starte ich den Versuch, aufzustehen und mich zu bewegen oder mich heiß zu duschen in der Hoffnung, dass ich die Migräne unterdrücken kann. Aber wenn ich das gemacht habe und die Kopfschmerzen sind immer noch da, dann nehme ich die Medikamente und hoffe, dass sie wirken und das tun sie meistens.

    Es gibt ja eine ganze Palette von Triptanen, da hilft es eigentlich nur, einen guten Arzt zu finden und die einzelnen auszuprobieren. Ich habe etwa fünf Präparate ausprobiert und bin jetzt schon länger bei einem, mit dem es funktioniert. Manchmal ist die Wirkung auch nicht so gut, aber das sind dann Ausnahmefälle.

    Manchmal dauert die Migräne auch drei Tage

    Als einzige Nebenwirkung der Medikamente spüre ich, dass ich am Abend früher müde werde. Das ist aber erst mal kein Problem für mich. Schwierig wird es, wenn die Migräne mal nicht verschwindet und am nächsten Tag wiederkommt, also wenn es eine mehrtägige Migräne ist. Dann nehme ich am nächsten Tag wieder eine Tablette und die Müdigkeit wird immer stärker. Manchmal dauert die Migräne leider auch drei Tage und dann kann die Müdigkeit so stark sein, dass ich schon am Nachmittag von der Arbeit nach Hause gehen muss.

    Das ist, als hätte ich ein Schlafmittel bekommen, da kann ich mich nicht wehren. Mir hilft da nur hinlegen und schlafen. Aber gegenüber den Migränebeschwerden ist das alles zu vernachlässigen und ich nehme die Müdigkeit gern in Kauf. Damit kann ich gut leben.

    Die Migräneanfälle waren bei mir in den letzten Jahren unterschiedlich häufig. Eine Zeit lang hatte ich sie exakt einmal pro Woche. Da konnte ich die Uhr danach stellen. Dann verstärkten sich die Beschwerden etwas, die Pausen zwischen den einzelnen Attacken wurden länger und es pendelte sich bei so alle 14 Tage ein. Meistens gehe ich arbeiten und normalerweise bekommt meine Umwelt gar nicht mit, dass ich eine Migräneattacke habe.

    Ich habe keine klassische Migräne mit einer Aura, bei der man bestimmte Vorboten wahrnehmen kann. Aber meine Stimmung ändert sich ein wenig. Am Vorabend der Migräne werde ich brummeliger und unzufriedener. Das nehme ich oft gar nicht selber wahr, aber meine Frau bemerkt es. Sie hat das im Laufe der Jahre oft genug erlebt. Damit habe ich schon ein Warnsignal.

    Heftige Träume sind typische Vorboten

    Auslöser für die Migräne kann ich bei mir kaum ausmachen. Es gibt Phasen, da sehe ich eine Verbindung mit dem Wetter oder manchmal hatte ich auch bestimmte Genussmittel im Verdacht, was sich aber bisher nicht bestätigt hat. Allerdings lösen normale Kopfschmerzen, beispielsweise von einer Erkältung oder einem Kater nach zu viel Alkohol, häufig eine Migräne bei mir aus.

    Was mir aufgefallen ist: Ich habe unmittelbar vor einem Anfall heftige Träume. Das ist für mich auch ein typischer Hinweis, dass die Migräne kommt. Wenn ich spüre, dass die Migräne kommt, dann nehme ich eine Tablette und bleibe noch eine halbe Stunde im Bett liegen und dann war es das auch schon.

    Die Attacken kann ich nicht verhindern: Ich habe versucht, vorbeugend Medikamente zu nehmen und habe das Register der Schulmedizin durchprobiert. Eigentlich ausnahmslos ohne jeglichen Effekt – bis auf die entsprechenden Nebenwirkungen der Medikamente. Das Beste, was ich für mich machen kann, ist, mich draußen zu bewegen und zu laufen. Ich habe das Gefühl, dass das die Häufigkeit der Migräne etwas reduziert. Wobei man das ja nie so eindeutig sagen kann.

    Migräne ist etwas anderes als gewöhnlicher Kopfschmerz

    Dass es Migräne ist, merke ich daran, dass es so ein eigenartiges Gefühl ist. Das ist schwer zu beschreiben. Es ist nicht unbedingt nur der Kopfschmerz, es ist auch dieses Unwohlsein im Bauch. Das fühlt sich anders an, als wenn ich mir den Magen verdorben habe. Ich merke schon am Körpergefühl, dass es etwas anderes ist – also kein Kopfschmerz beispielsweise von einer Erkältung her oder von einer Magenverstimmung, sondern tatsächlich Migräne. Das kann ich ganz deutlich unterscheiden. Auch die Sinneswahrnehmungen sind etwas gestört. Das ist sehr schwer zu beschreiben, aber im Laufe der Jahre hat man die Zeichen kennengelernt. Es ist für mich relativ schnell klar: Das ist eine Migräne.

    Ich habe jetzt schon seit 20 Jahren Migräneattacken. Anfangs hatte ich vor jedem sozialen Anlass Sorge, dass ich dort einen Migräneanfall bekomme könnte. Meine Sorge war, nicht daheim zu sein, wenn ich die Migräne bekomme. Die Migräne in gewohnter Umgebung aushalten zu müssen, ist schon schwer genug, aber irgendwo anders zu sein, macht es noch viel schlimmer.

    Das hat mich schon eingeschränkt. Heute ist meine einzige Sorge, nicht genügend Tabletten bei mir zu haben. Ich verreise nie ohne die Medikamente. Dadurch, dass sie mir so gut helfen, sind meine Einschränkungen durch die Migräne im alltäglichen Leben eher gering.

    Bei uns liegt Migräne in der Familie

    Meine Mutter hatte bis zu meiner Geburt auch Migräne, danach nicht mehr. Auch meine ältere Schwester hatte Migräneanfälle, nicht so oft wie ich, aber ich denke genauso heftig. Meine Mutter fragt sehr oft, wie es mir mit der Migräne geht. Es ist für sie nicht leicht zu wissen, dass ich auch unter der Migräne leide. Sie hat es ja selbst erlebt und kann mitfühlen.

    Ich bin in einer Selbsthilfegruppe aktiv und finde das sehr hilfreich. Es tut mir einfach gut, mit Menschen zusammen zu sein, die ähnliche Probleme haben, sich mit ihnen auszutauschen und sich bei Bedarf auch mal zu trösten.

    Ich finde es wichtig, möglichst schnell die Diagnose zu bekommen und dass der Arzt gemeinsam mit dem Patienten versucht, das richtige Medikament zu finden, möglichst ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Ich finde es auch wichtig, sich nicht dem Leiden hinzugeben und zu meinen, dass man die Beschwerden aushalten muss.

    Dafür, finde ich, ist das Leben zu kurz. Wenn die allerersten Anzeichen einer Migräneattacke zu spüren sind, dann sollten nach meiner Meinung auch die Medikamente genommen werden, ohne zu warten und zu zögern. Ich versuche die Migräne zu akzeptieren und das Beste für mich daraus zu machen.

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

     

     

    Migräne – Erfahrungsbericht – Tim

    „Die Schmerzen sind überall im Kopf, manchmal pochen sie. Sie sind auf einmal da, gehen wieder weg und dann kommen sie wieder. Manchmal geht das so im Minutentakt.“

    Tim, 13 Jahre

    „Die Schmerzen sind überall im Kopf, manchmal pochen sie. Sie sind auf einmal da, gehen wieder weg und dann kommen sie wieder. Manchmal geht das so im Minutentakt.“

    Etwa vor eineinhalb Jahren hat die Migräne bei mir angefangen. Am Anfang hatte ich es ziemlich oft, etwa dreimal im Monat. Jetzt habe ich es eher selten, etwa einmal alle zwei Monate. Aber es kommt leider immer noch vor.

    Bei mir beginnt es damit, dass ich nervös werde, auch ein bisschen schwitze und manchmal wird mir schlecht. Ab und zu muss ich mich auch übergeben. Etwa nach einer Viertelstunde bekomme ich dann Kopfschmerzen. Wenn es in der Schule richtig schlimm wird, dann rufen die Lehrer meine Eltern an und die kommen mich dann abholen. Das ist kein Problem und die Lehrer haben Verständnis. Es ist aber schon blöd, wenn ich in der Schule fehle. Ich muss den ganzen Stoff ja nachholen.

    Es ist sehr unangenehm, wenn ich ins Licht schaue. Es ist irgendwie so, als wenn einem der Kopf platzt. Zu Hause gehe ich dann in mein Zimmer, lege mich hin, mache die Rollos zu und versuche, mich zu entspannen. Das Zimmer muss dunkel sein, denn mir tun die Augen bei grellem Licht sehr weh. Manchmal mache ich auch ein Hörspiel an, aber dann etwas leiser. Auch eine wärmende Gelmaske auf dem Gesicht tut mir dann manchmal gut.

    Wenn das nicht hilft, nehme ich eine Schmerztablette. Dann gehen die Schmerzen meistens weg. Mit den Tabletten, das haben wir einfach mal ausprobiert und das ging gleich auf Anhieb. Es dauert zwar ein bisschen, bis es wirkt, aber das Wichtigste für mich ist, dass es wirkt.

    Der Schmerz kommt und geht im Minutentakt

    Die Schmerzen sind überall im Kopf, manchmal pochen sie. Sie sind auf einmal da, gehen wieder weg und dann kommen sie wieder. Manchmal geht das so im Minutentakt. Ohne Tabletten geht es vielleicht eine Stunde, oft auch länger. Meistens nehme ich aber schnell die Medikamente, damit es nicht ganz so schlimm wird und nicht so lange dauert.

    Was die Migräne bei mir auslöst, kann ich gar nicht richtig sagen. Ich weiß, wenn ich Stress habe, dann bekomme ich sie manchmal. Meine Eltern und die Lehrer sagen aber auch, dass sie den Eindruck haben, dass es vom Wetter abhängig ist.

    Meine Eltern waren damals schon ein bisschen erschrocken, als ich die ersten Male so Kopfschmerzen hatte. Und dass sie so stark waren, dass ich gar nichts mehr machen konnte. Wir waren beim Hausarzt deswegen und beim Augenarzt, da mir die Augen immer so wehtaten. Dass es Migräne sein könnte, ahnten meine Eltern schon. Denn ein Onkel von mir hat auch Migräne.

    Meinen Freunden ist das mit der Migräne so ziemlich egal. Die wissen, dass ich ab und zu mal Kopfschmerzen habe. Aber wie schlimm das für mich ist, wissen sie eigentlich nicht. Ich erzähl da nicht so gerne davon, besonders dann nicht, wenn ich das Gefühl habe, die anderen langweilen sich.

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

     

     

    Migräne – Erfahrungsbericht – Veronika

    „Während eines Anfalls bin ich extrem licht- und geräuschempfindlich und kann keine Berührungen ertragen. Mein Mann kann mir nicht einmal über den Arm streicheln, das halte ich nicht aus. Auch Gerüche stören mich.“

    Veronika, 51 Jahre

    „Während eines Anfalls bin ich extrem licht- und geräuschempfindlich und kann keine Berührungen ertragen. Mein Mann kann mir nicht einmal über den Arm streicheln, das halte ich nicht aus. Auch Gerüche stören mich.“

    Schon als Kind hatte ich ab und zu Kopfschmerzen. Mit 16 Jahren bekam ich dann zum ersten Mal Migräne. Im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren waren die Migräneanfälle bisher am häufigsten und am stärksten. Danach hatte ich erst einmal etwas Ruhe und manchmal nur einmal im halben Jahr Migräne. Dann wurde es langsam wieder häufiger. Jetzt bin ich 51 Jahre alt und habe etwa jeden Monat, abhängig vom Zyklus, einen Migräneanfall.

    Als ich die Anfälle nicht so regelmäßig hatte, waren sie heftiger als sonst und ich bin sogar manchmal ins Krankenhaus gefahren, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Seit ich sie regelmäßiger habe, sind sie nicht ganz so heftig und ich kann besser mit dem Schmerz umgehen.

    Anfälle kosten Lebenszeit und Kraft

    Ich habe die Migräne meistens am Wochenende, von Freitagabend bis Montagmorgen. Die Wochenenden sind immer weg, meine Pläne kann ich nicht umsetzen und die Erholung fehlt. Das kostet mich sehr viel Kraft. Ich habe das Gefühl, dass mir Tage meines Lebens verloren gehen, weil ich wegen der Kopfschmerzen im Bett bleiben muss. Das zieht mich sehr runter. Auch diese Angst, dass irgendwas in meinem Kopf kaputt geht oder platzt und die Frage, ob ich einen Notarzt rufen oder in eine Klinik fahren soll, haben mich sehr belastet. Ich finde es furchtbar, wenn man so machtlos ist und nichts beeinflussen kann. Lange Zeit konnte ich auch nicht glauben, dass es nur Kopfschmerzen sind und habe mich gefragt, ob ich nicht doch einen Gehirntumor oder etwas anderes habe.

    Migräne hat einen Rhythmus

    Meine Migräne läuft nach einem gewissen Rhythmus ab und ich weiß genau, wann es wieder losgeht. Etwa so eine Woche vor meiner Regel bin ich extrem müde, muss gähnen, habe tränende Augen, gesteigerten Appetit und esse dementsprechend viel und unkontrolliert. Ich habe nicht so richtig Kopfschmerzen, sondern eher ein Spannungsgefühl im Kopf und fühle mich regelrecht matschig. Auch meine gesamte Körperhaltung verändert sich und ich ziehe die Schultern nach oben, da kann ich nichts dagegen machen. Daran merke ich, dass es wieder losgeht.

    Ein Migräneanfall dauert bei mir meistens etwa zwei Tage, wenn es schlimm ist, drei Tage. Es gibt bei mir keine Regel, wo die Schmerzen auftreten. Mal habe ich Schmerzen auf der einen Kopfseite, mal auf der anderen und mal wechselt es während eines Migräneanfalls. Früher fing es immer in der Stirn an, jetzt oft im Nacken. Das wird dann so stark, dass ich den Nacken kaum mehr bewegen kann.

    Während eines Anfalls bin ich meist extrem licht- und geräuschempfindlich und kann kaum Berührungen ertragen. Mein Mann kann mir nicht einmal über den Arm streicheln, das halte ich nicht aus. Auch Gerüche stören mich. Wenn mein Nachbar unter mir raucht und ich habe oben das Fenster auf, wird mir schlecht. Mir ist ja eh schon übel, das verstärkt es dann noch. Manchmal schlafe ich im Sitzen, weil es im Liegen noch mehr weh tut.

    Ich habe schon einiges probiert: zum Beispiel Akupunktur, Medikamente, Massagen. Aber ich kann nicht alles machen und bezahlen, was andere mir raten: von Pendeln bis Yoga, Tai Chi, Akupunktur, Ernährungsumstellung. Wenn ich das alles ausprobieren würde, hätte ich gar keine Zeit mehr. Da ist auch großer Druck dabei. Ich habe das Gefühl, dass ich mich verteidigen muss, wenn ich Dinge nicht ausprobiere, die anderen geholfen haben. Aber eigentlich hilft bei mir außer Schmerzmedikamenten nur warten, bis es vorbei geht.

    Ich war im letzten Jahr in einer Schmerzklinik, dies hatte mir mein Neurologe geraten. So würde ich auch einmal komplett durchgecheckt werden. Außerdem würden dort sicherlich auch neue oder andere Medikamente verschrieben werden. Ich hatte nicht mehr den Überblick über die Einnahme meiner Tabletten. Ich habe sie oft falsch dosiert – manchmal zu viel, manchmal zu wenig – und insgesamt sehr viele Schmerzmittel genommen.

    Der Klinikaufenthalt war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Ich wurde zuerst von den Schmerzmitteln komplett entwöhnt und alle Tabletten wurden abgesetzt. Ich durfte dann fast vier Monate keine Schmerzmittel nehmen. Eine völlig neue Erfahrung! Das hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich nicht davon abhängig bin. Und dass ich viel selber steuern kann, auch ohne Medikamente.

    Auszeit nehmen und entspannen

    Ich denke jetzt anders über meine Migräne und gehe anders mit ihr um. Beispielsweise nehme ich mir nichts mehr vor, wenn sich ein Migräneanfall ankündigt. Ich kann mir selbst sagen, dass ich zu Hause bleiben kann und setze mich selber nicht mehr so unter Druck.

    Ich habe in meinem Leben nie viel Alkohol getrunken. Aber immer wenn ich etwas getrunken habe, bekam ich Migräne. Das war ein ganz starker Auslöser für mich. Ich verzichte jetzt fast auf Alkohol und mir geht es damit viel besser! Das war eine Erkenntnis für mich. Dadurch habe ich jetzt etwas mehr Kontrolle über die Migräne.

    Auch Entspannungs- und Meditationstechniken helfen mir, mich nicht mehr so ausgeliefert zu fühlen. Ich versuche, mir auch immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass ich keinen Tumor habe und nichts in meinem Kopf platzen kann. Wissen hilft! In der Klinik sind wir auch die Schmerzabläufe im Kopf durchgegangen, das kann ich in Schmerzsituationen wieder abrufen. Was mir auch hilft, ist Sport, vor allem Ausdauersport. Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio. Frische Luft tut mir auch gut, aber vor allem der Sport.

    Ich bin sehr froh, dass ich jetzt ganz gut ohne Tabletten auskommen kann. Die Tabletten bringen meinen Kreislauf durcheinander und ich bin immer wie auf Drogen. Das ist beängstigend. Ich habe dann das Gefühl, dass mir mein Körper irgendwie nicht mehr gehorcht. Mir wird oft auch von den Tabletten schlecht. Aber ich passe auf, dass ich keinen falschen Ehrgeiz entwickle, jetzt gar keine Tabletten mehr zu nehmen, wenn die Schmerzen zu stark werden.

    Zu Hause habe ich immer ein Notfallkästchen mit Medikamenten parat. Pfefferminzöl tut mir gut, da achte ich drauf, dass da immer welches drin ist. Wenn es mir nicht gut geht, dann weiß ich, wo die Sachen sind.

    Wenn ich merke, dass ich einen Migräneanfall bekomme, denke ich mir heute: „Du musst nichts machen, kannst alles absagen, du musst nirgendwo hingehen. Es gibt keine Zwänge und Verpflichtungen.“ Das klingt so einfach, aber tatsächlich zu sagen: 'Nein, ich kann nicht', und es auch so umzusetzen, ist für mich nicht leicht. Wenn ich es schaffe, ist das ein Erfolgserlebnis.

    Früher habe ich mich viel mehr unter Druck gesetzt. Da habe ich mir immer gesagt: 'Augen zu und durch!' Ich habe auch mit ganz starker Migräne noch gearbeitet. Oft wäre ich fast umgekippt, aber ich habe irgendwie die Zähne zusammengebissen, obwohl ich mich kaum auf den Beinen halten konnte. Es sollte niemand etwas von meinen Schmerzen wissen. Und abends bin ich dann kaputt ins Bett gefallen. Der Akku war leer. Aber das mache ich heute nicht mehr.

    Jetzt versuche ich, mir eher eine Auszeit zu nehmen. Manchmal geht das ganz gut. Aber wenn ich am Wochenende oder im Urlaub diese Schmerzen bekomme, belastet mich das besonders. Dann geht auch wieder diese Spirale im Kopf los: Warum jetzt? Warum ich? Dann rechtzeitig „Stopp“ zu sagen und zu akzeptieren, dass ich es nicht ändern kann, muss ich immer wieder aufs Neue lernen. Das kostet aber immer sehr viel Energie.

    Schmerzen sieht man nicht

    Mein Mann macht sich bei den Migräneanfällen immer sehr große Sorgen. Er ist sehr mitfühlend. Aber richtig helfen kann er mir nicht. Meine Mutter ist da ganz anders. Burschikoser und wenig einfühlsam. Sie ist eher der Auffassung, dass man wegen solcher Sachen nicht stirbt und dass es wieder vorbeigeht. Das hilft mir noch weniger. Aber man hat es als Angehöriger auch schwer, es richtig zu machen.

    Ich brauche jemanden, der einfach nur da ist. Andere können das nur schwer nachvollziehen und ich finde es auch schwer zu beschreiben. Schmerz empfindet ja jeder anders. Das hat mich immer an dieser Krankheit gestört, dass man das Ausmaß des Schmerzes nicht sehen kann. Es ist nicht wie mit einem blauen Fleck, den man sieht.

    Ich tue immer alles, damit bei der Arbeit niemand merkt, dass ich Schmerzen habe. Das kann ich ziemlich gut. Ich möchte nicht, dass meine Arbeitskollegen von meiner Migräne erfahren. Aber ob das gut ist, ist wieder eine andere Sache. Meistens habe ich die Anfälle ja am Wochenende, so dass ich bis Freitag arbeite und am Montag wieder zur Arbeit gehe.

    Was ich für mich in der Klinik Wichtiges gelernt habe: Loslassen und annehmen. Nicht dagegen angehen. Dem Schmerz etwas entgegensetzen, zum Beispiel mit Meditation. In der Vergangenheit habe ich mich immer maßlos geärgert, dass ich geplante Dinge nicht machen konnte, und gehadert und getrauert. Das versuche ich zu ändern: Ich schaue, was mir gut tut, oder lege mich einfach hin. Aber zuzugeben, dass ich Migräne habe oder es mir nicht so gut geht, fällt mir nach wie vor schwer.

    Zu akzeptieren, dass die Migräneanfälle zu meinem Leben dazu gehören, fand ich sehr schwierig. Für mich ist es wichtig, einen Mittelweg zu finden: aktiv nach Behandlungen zu suchen, die mir helfen, und die Migräne einfach anzunehmen.

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.