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Schwangerschaft und Geburt

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    Überblick

    Vor allem die erste Schwangerschaft ist eine Zeit voller Veränderungen. Oft schwanken werdende Eltern zwischen Freude, Hoffen und Bangen: Wird alles gut verlaufen? Wie wird das Leben mit Kind sein?

    Einleitung

    Ein Kind zu bekommen, ist eine sehr intensive Lebenserfahrung. Und neun Monate Schwangerschaft sind für viele Frauen und ihre Partner eine aufregende Zeit, oft schwankend zwischen Freude, Hoffen und Bangen: Wird alles gut verlaufen? Verhalte ich mich richtig? Wie wird sich das neue Leben mit Kind gestalten?

    Von der Empfängnis bis zur Geburt des Kindes verändert sich der Körper einer Frau auf erstaunliche Weise: Er stellt sich auf die Aufgabe ein, ein neues Leben in sich wachsen zu lassen. Zur Versorgung des Kindes bildet sich ein neues Organ, die Plazenta. Der Körper lagert mehr Flüssigkeit ein, und im Kreislauf fließt mehr Blut als sonst. Beides macht sich recht schnell am Gewicht bemerkbar. Die Brustdrüsen bereiten sich auf die Milchproduktion vor. Bindegewebe, Bänder, Sehnen und Muskeln werden nachgiebiger, damit das Kind auf natürlichem Wege geboren werden kann. All diese Veränderungen werden durch Hormone in Gang gesetzt und aufrechterhalten. Zu keiner Zeit produziert der Körper mehr Hormone als während einer Schwangerschaft.

    Verlauf

    Zu Anfang der Schwangerschaft sind die körperlichen Veränderungen kaum sichtbar. Durch die stärkere Durchblutung kann die Haut rosiger wirken. Dass sich ihr Körper verändert, merken aber die meisten Schwangeren: Viele fühlen sich schneller müde, ihr Appetit verändert sich, die Brüste spannen, morgens ist ihnen oft übel.

    Vor allem in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft beeinflusst die hormonelle Umstellung oft auch das Gefühlsleben. Frauen können dann zum Beispiel empfindlicher als sonst reagieren und manche Dinge anders sehen als bisher. Zudem ist es nicht immer leicht, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen – vor allem, wenn die Schwangerschaft ungeplant war.

    Das zweite Drittel ist für viele Frauen die angenehmste Zeit der Schwangerschaft: Ihr Körper hat sich vollständig umgestellt, der Bauchumfang und das Körpergewicht behindern den Alltag aber noch nicht allzu sehr. Seelisch fühlen sich die meisten Frauen wieder im Lot, manche verspüren in dieser Zeit eine besondere Energie und genießen ihren Körper. Die Bewegungen des Kindes sind nun meist deutlich zu spüren.

    Im letzten Schwangerschaftsdrittel reift das Kind schnell heran, es wird größer und schwerer. Gegen Ende der Schwangerschaft haben die meisten Frauen mit Beschwerden zu tun, die der wachsende Bauchumfang mit sich bringt, und allmählich wird der Alltag mühsamer. Der neunte Monat steht bereits im Zeichen der Geburt – die Vorfreude wächst, aber auch der Respekt vor dem bevorstehenden Ereignis.

    Leben und Alltag

    Im Laufe der Schwangerschaft verändert sich auch der Alltag: Die Vorbereitungen auf die Ankunft des Kindes nehmen einen Teil der Zeit in Anspruch. Nach und nach benötigen die meisten Schwangeren mehr Zeit für die täglichen Dinge, und gegen Ende der Schwangerschaft beginnt bei berufstätigen Frauen der Mutterschutz.

    Viele Frauen beschäftigen sich in der Schwangerschaft mehr als vorher mit ihrer Gesundheit. Dazu gehören Fragen rund um Ernährung und Bewegung: Was soll ich essen, und brauche ich zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel? Wie viel Gewichtszunahme ist normal? Kann ich weiter Sport treiben, worauf muss ich dabei achten?

    Da Alkohol und Nikotin dem Ungeborenen ernsthaft schaden können, verzichten die allermeisten Schwangeren darauf. Viele Frauen nehmen schon eine geplante Schwangerschaft zum Anlass, das Rauchen aufzugeben. Rauchen in der Schwangerschaft erhöht unter anderem das Risiko für eine Fehl- oder Frühgeburt und ein zu geringes Geburtsgewicht.

    Mit dem Rauchen aufzuhören, fällt aber nicht allen Frauen leicht; viele brauchen Unterstützung. Ob sich eine Nikotinersatztherapie zur Rauchentwöhnung in der Schwangerschaft eignet, ist unklar. Andere Entwöhnungsprogramme sind wahrscheinlich genauso wirksam.

    Beschwerden

    Manche Frauen fühlen sich während ihrer Schwangerschaft rundum wohl, einige sogar besser als je zuvor. Viele haben aber auch typische Beschwerden, die im Laufe der Monate wechseln: Zu Anfang ist Übelkeit ein häufiges Problem, später und mit zunehmendem Gewicht können es zum Beispiel Rückenschmerzen, Sodbrennen, Wassereinlagerungen, Krampfadern, Harndrang oder Schlafstörungen sein.

    Da solche Beschwerden oft als Begleiterscheinungen eines positiven Zustands empfunden werden und von selbst wieder verschwinden, kommen die meisten Schwangeren gut mit ihnen zurecht. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, Schwangerschaftsbeschwerden zu lindern.

    Krankheiten

    Wenn eine Frau in der Schwangerschaft ernsthaft krank wird, macht sie sich meist auch Sorgen um ihr Kind. Tatsächlich ist bei der Behandlung mit Medikamenten oft Vorsicht geboten. Dies gilt auch für bestimmte Infektionskrankheiten, die das Ungeborene schädigen könnten.

    Es gibt Erkrankungen, die nur während einer Schwangerschaft auftreten, wie die sogenannte Präeklampsie. Ein Risikofaktor ist die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes. Manche Schwangere mit einer chronischen Erkrankung wie etwa Asthma oder Diabetes fragen sich, ob sie ihre Medikamente weiter nehmen können. Die Antwort ist ja. In der Regel ist das sogar nötig –zum Beispiel würde eine mangelnde Sauerstoffversorgung durch einen Asthma-Anfall das Kind mehr gefährden als mögliche Medikamenten-Nebenwirkungen.

    Vorsorge

    Schwangere werden heute medizinisch intensiv betreut. Bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen wird nachgeschaut, ob sich das Kind normal entwickelt und die werdende Mutter gesund bleibt. Dazu werden Frauen, die keine besonderen Risikofaktoren haben, drei Ultraschalluntersuchungen angeboten. Weitere können nötig sein, um Auffälligkeiten abzuklären.

    Neben Ultraschalluntersuchungen und Blutabnahmen werden auch Urintests gemacht. Zudem wird ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes angeboten. Was und wie untersucht wird, ist in Deutschland in der Mutterschafts-Richtlinie festgelegt.

    Oft werden auch gesunden Schwangeren ohne besonderes Risiko zusätzliche Untersuchungen angeboten, etwa zur pränatalen Diagnostik. Doch nicht alle Angebote sind sinnvoll, und oft sind die Konsequenzen bestimmter Untersuchungen unklar. Vereinfacht lässt sich sagen: Was medizinisch notwendig ist, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse. Wer „mehr“ möchte – ob 3D-Ultraschallbild oder pränataldiagnostische Tests –, muss die Untersuchungen selbst zahlen.

    Zu den Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft gehört ein Test auf eine HIV-Infektion (AIDS-Test). Denn falls eine Schwangere infiziert ist und dies rechtzeitig erfährt, kann ihr Kind fast immer vor einer Ansteckung geschützt werden.

    Geburt

    Die Geburt wird von den meisten am Ende herbeigesehnt, aber auch mit gemischten Gefühlen erwartet. Auch wenn viele Frauen sich intensiv darauf vorbereiten, bleibt das Ereignis doch eine große Unbekannte. Zumindest Respekt empfinden wohl alle Schwangeren – denn wie eine Geburt verläuft, lässt sich nur in Grenzen planen: Wie lange sie dauern wird, wie schmerzhaft sie sein wird, ob sie komplikationslos bleibt – all das weiß eine Frau erst, wenn sie ihr Kind schließlich in den Armen hält.

    Heute gibt es verschiedene Möglichkeiten, Geburtsschmerzen zu lindern. Wenn sie zu stark werden, können Medikamente helfen. Am wirksamsten sind Mittel, die zur lokalen Narkose eingesetzt werden. Einige eignen sich auch, wenn ein Kaiserschnitt nötig wird. Für das Kind sind die Wirkstoffe ungefährlich.

    Wenn der errechnete Geburtstermin verstrichen ist, kann das Warten auf die Geburt zur Geduldsprobe werden. Eine Übertragung von ein bis zwei Wochen ist in der Regel kein Grund zur Sorge. Allerdings steigt danach das Risiko etwas an, dass das Kind Schaden nimmt. Nach spätestens zwei Wochen wird die Geburt dann meist eingeleitet.

    Wenn ein Kind viel zu früh auf die Welt kommt, braucht es meist besondere Unterstützung. Wenn sich eine Frühgeburt ankündigt, lassen sich die Chancen auf einen gesunden Start ins Leben verbessern, zum Beispiel mit Medikamenten zur schnelleren Lungenreifung.

    Nach der Geburt

    Sobald ein Kind geboren ist, wird untersucht, ob es ihm gut geht und alles in Ordnung ist. Während dieser „U1“ genannten ersten medizinischen Untersuchung werden auch die Herzgeräusche und der Pulsschlag eines Babys kontrolliert. Die meisten Babys kommen aber gesund zur Welt.

    Innerhalb der ersten zwei Tage nach der Geburt bieten Kliniken und Praxen eine für gesetzlich Krankenversicherte kostenlose Untersuchung an, die „Pulsoxymetrie“. Sie soll seltene, schwere Herzfehler entdecken und so eine frühe Behandlung ermöglichen.

    Nach der Geburt erholt sich der Körper der Mutter allmählich wieder. Es dauert aber eine Weile, bis alles verheilt ist und sich die Gebärmutter zurückgebildet hat. Wenn alles gut verläuft, können die ersten Wochen mit dem Kind, das sogenannte Wochenbett, eine besondere Phase der Ruhe und des Glücks sein. Auch Väter planen heute meist eine berufliche Pause ein, um das Neugeborene kennenzulernen und ihre Partnerin zu unterstützen.

    Bis das Kind zwei Monate alt ist, haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf eine Wochenbett-Betreuung durch eine Hebamme. In den ersten zehn Tagen nach der Geburt macht eine Hebamme sogar tägliche Hausbesuche. Ihr Rat und ihre tatkräftige Unterstützung sind für viele Mütter und ihre Familien eine wichtige Hilfe.

    Viele Frauen wiegen nach der Schwangerschaft noch einige Zeit mehr als vorher. Bei den meisten dauert es ein halbes Jahr, bis sie ihr ursprüngliches Gewicht wieder erreicht haben. Doch auch wenn das nicht klappt: Ein gesundheitliches Problem ist das Zusatzgewicht meist nur bei Frauen, die in der Schwangerschaft stark übergewichtig geworden sind. Direkt nach der Geburt ist keine günstige Zeit, gezielt abzunehmen. Langfristig hilft dabei oft eine Kombination aus Ernährungsumstellung und viel Bewegung.

    Die erneute hormonelle Umstellung nach einer Geburt und die völlig neue Lebenssituation kann Frauen trotz aller Freude über ihr Kind auch psychisch zu schaffen machen: Glück und Stress liegen meist nah beieinander. Ohne ausreichende Unterstützung stellt sich leicht ein Gefühl der Überforderung ein. Bekannt ist das Phänomen des „Baby blues“, einer kurzen Phase heftiger Stimmungsschwankungen und unerklärlicher Traurigkeit nach der Geburt. Hält die Traurigkeit länger an, kann das ein Zeichen für eine Wochenbettdepression sein. Meist ist dann Hilfe von außen nötig.

    Das erste Jahr mit dem Kind

    Im ersten Lebensjahr des Kindes dreht sich vieles darum, dass es gut und ohne Probleme gedeiht. Ein zentrales Thema ist oft die Ernährung – in den ersten Monaten das Stillen oder die richtige Fläschchen-Nahrung, später die Beikost. Säuglinge legen sehr schnell an Gewicht zu und brauchen dafür viel Nahrung. Da ihr Magen noch nicht ganz ausgereift ist, stoßen viele Babys öfter etwas Milch oder Brei auf – das kann manchmal lästig sein, ist aber normalerweise kein Grund, sich Sorgen zu machen.

    Weitere Informationen

    Umfangreiche Informationen rund um Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrem Internet-Angebot Familienplanung.de bereit. Unter der Rubrik „Schwangerschaft“ finden Mütter und Väter Antworten auf viele Fragen zum Schwangerschaftsverlauf und zur kindlichen Entwicklung, zu Vorsorgeuntersuchungen, Geburt und Wochenbett.

    Quellen

    Beckermann M, Perl FM. Frauen-Heilkunde und Geburts-Hilfe: Integration von Evidence Based Medicine in eine frauenzentrierte Gynäkologie. Basel: Schwabe; 2004.

    Rath W, Gembruch U, Schmidt S (Ed). Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Stuttgart: Thieme; 2010.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Benötigen alle schwangeren Frauen Eisenpräparate?

    Eisenpräparate einzunehmen, ist vor allem für Schwangere wichtig, die eine Blutarmut (Anämie) haben. Für Frauen mit normalen Blutwerten hat eine vorsorgliche Einnahme vermutlich keine gesundheitlichen Vorteile. Es genügt, ausreichend Eisen über die Nahrung aufzunehmen.

    Der Mineralstoff Eisen ist Bestandteil zahlreicher Proteine und Enzyme, die der Körper braucht, um gesund zu bleiben. Der Großteil des Eisens im Körper ist im Hämoglobin enthalten, dem Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen. Hämoglobin transportiert den Sauerstoff in alle Gewebe und Organe des Körpers. Wenn das Blut zu wenig Eisen enthält, sinkt auch die Menge an Hämoglobin im Blut. Dies kann die Versorgung der Zellen und Organe mit Sauerstoff beeinträchtigen.

    Bei niedrigen Hämoglobin-Werten spricht man von einer Anämie (Blutarmut). Zu Beginn und am Ende der Schwangerschaft gilt ein Hämoglobinspiegel von mehr als 11 Gramm pro Deziliter als normal. Im vierten bis sechsten Monat ist auch ein leichter Abfall auf 10,5 Gramm pro Deziliter noch normal.

    Wenn die Hämoglobin-Werte niedriger liegen, wird auch der Eisenwert im Blut gemessen. So lässt sich feststellen, ob tatsächlich zu wenig Eisen die Ursache ist. Da der Körper eine bestimmte Menge Eisen speichern kann, wird zudem ein Blutwert gemessen, der aussagt, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind. Sind die Eisenspeicher leer, aber der Hämoglobin-Wert noch normal, spricht man von einer latenten (verborgenen) Blutarmut.

    Im Verlauf einer Schwangerschaft werden die Blutwerte mehrfach kontrolliert. Dadurch kann eine Blutarmut infolge eines Eisenmangels früh entdeckt und durch die Einnahme von Eisenpräparaten ausgeglichen werden.

    Welche Lebensmittel enthalten Eisen?

    Normalerweise wird Eisen mit der Nahrung aufgenommen. Vor allem Fleisch enthält viel Eisen aus dem Hämoglobin des Tiers. Leber hat einen besonders hohen Eisengehalt.

    Eisen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln kann der Körper schlechter verwerten. Verschiedene Pflanzen sind aber ebenfalls gute Eisenlieferanten. Dazu gehören Getreide, zum Beispiel als Vollkornflocken (Zerealien), und Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen. Auch grünes Blattgemüse wie Feldsalat und Spinat und Kräuter wie Petersilie oder Kresse enthalten etwas Eisen.

     

    Grafik: Lebensmittel mit hohem Eisengehalt - wie im Text beschrieben Lebensmittel mit hohem Eisengehalt

     

    Eisen kann auch zusätzlich als Nahrungsergänzung eingenommen werden. Entsprechende Präparate sind als Tabletten oder Tropfen rezeptfrei erhältlich.

    Welche Folgen hat Eisenmangel während der Schwangerschaft?

    Eine Eisenmangelanämie kann sich durch Müdigkeit und Erschöpfung bemerkbar machen. Eine starke Anämie in der Schwangerschaft kann auch zu Komplikationen führen: Zum Beispiel kann sie die Abwehrkraft der werdenden Mutter schwächen und das Infektionsrisiko erhöhen. Außerdem steigt das Risiko, dass das Baby bei der Geburt zu wenig wiegt.

    Eine starke Anämie kommt bei gesunden Schwangeren, die sich ausgewogen ernähren, selten vor. Für Frauen, die sich nicht gut ernähren (können), kann eine Blutarmut aber zum ernsthaften Gesundheitsproblem werden.

    Wann sind Eisenpräparate sinnvoll?

    Viele schwangere Frauen nehmen Eisenpräparate ein, weil sie glauben, dass sie in der Schwangerschaft einen erhöhten Eisenbedarf haben. Oft werden Eisenpräparate auch Schwangeren mit normalen Blutwerten empfohlen, um einer Anämie vorzubeugen. Eine leichte Blutarmut hat jedoch keine Nachteile für das Kind.

    Problematisch ist nur eine stärkere und länger andauernde Anämie. Stellt die Ärztin oder der Arzt eine Eisenmangelanämie fest, werden meist hochdosierte Eisenpräparate verschrieben.

    Die deutschen Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass eine schwangere oder stillende Frau täglich 20 bis 30 mg Eisen benötigt. Besonders für Vegetarierinnen kann es schwer sein, diese Menge allein über die Nahrung aufzunehmen. Ob es ein Problem gibt, kann aber bei den normalen Blutuntersuchungen festgestellt werden.

    Haben Eisenpräparate Vorteile für Frauen mit normalen Blutwerten?

    Der Nutzen von Eisenpräparaten in der Schwangerschaft wurde in über 60 Studien mit insgesamt über 40.000 Frauen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass eine vorsorgliche Einnahme von 30 mg Eisen pro Tag für Frauen mit normalen Blutwerten und deren Kinder keine spürbaren gesundheitlichen Vorteile hat. Zwar konnten Eisenpräparate in den Studien das Risiko senken, dass es zu einer Anämie kommt. Die Einnahme hatte aber keinen Einfluss auf die Zahl der Frühgeburten, die Zahl von Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht (unter 2500 Gramm) oder Infektionen bei den Schwangeren.

    Nebenwirkungen und Einnahmehäufigkeit

    Bei der Eisenzufuhr kommt es darauf an, ein gutes Maß zu finden. Nicht nur zu wenig Eisen kann Probleme verursachen – auch zu viel Eisen kann ungesund sein. Der Körper kann zwar eine gewisse Menge Eisen speichern; in höheren Dosen können Eisenpräparate aber vor allem Magen- und Darm-Beschwerden wie Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen. Auf nüchternen Magen eingenommen, können sie die Magenschleimhaut schädigen.

    Manche Fachleute empfehlen, Eisenpräparate nicht täglich, sondern nur ein- oder zweimal pro Woche einzunehmen – dann aber in einer höheren Dosis (beispielsweise 120 mg). Die bisherigen Studien zeigen, dass auch eine wöchentliche Einnahme Anämien vorbeugen kann. Die Hoffnung ist, dass Frauen die Präparate dann eher über längere Zeit einnehmen und weniger Nebenwirkungen auftreten. Ob das wirklich der Fall ist, ist jedoch unklar.    

    Eisenpräparate kindersicher aufbewahren

    Eisentabletten sollten, wie alle Medikamente, kindersicher aufbewahrt werden. Auch wenn es sich „nur“ um einen natürlichen Mineralstoff handelt, kann eine versehentliche Überdosierung für Kinder lebensbedrohlich sein.

    Quellen

    Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Fragen und Antworten zu Eisen in Lebensmitteln. 01.12.2008.

    Pena-Rosas JP, De-Regil LM, Garcia-Casal MN, Dowswell T. Daily oral iron supplementation during pregnancy. Cochrane Database Syst Rev 2015; (7): CD004736.

    Pena-Rosas JP, De-Regil LM, Gomez Malave H, Flores-Urrutia MC, Dowswell T. Intermittent oral iron supplementation during pregnancy. Cochrane Database Syst Rev 2015; (10): CD009997.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Was Studien sagen: Welchen Nutzen hat ein Routinetest auf Bakterien im Urin für Schwangere?

    Ob es sinnvoll ist, den Urin von Schwangeren routinemäßig auf Bakterien zu testen (Bakteriurie-Screening), ist unklar. Auch bleibt offen, ob mit Antibiotika behandelt werden sollte, wenn im Urin zwar vermehrt Bakterien gefunden werden, aber keine Harnwegs-Beschwerden spürbar sind.

    In der Schwangerschaft wird bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen nachgeschaut, ob sich das Kind normal entwickelt und die werdende Mutter gesund bleibt. Dazu gehören neben Ultraschalluntersuchungen und Blutabnahmen auch Urintests. Was und wie untersucht wird, ist in Deutschland in der Mutterschafts-Richtlinie festgelegt.

    Urintests in der Schwangerschaft

    Die Richtlinie sieht vor, dass Schwangere regelmäßig eine Urinprobe abgeben. Diese wird unter anderem auf Eiweiß, Zucker und Bakterien untersucht. Die Routineuntersuchung auf Bakterien wird auch „Bakteriurie-Screening“ genannt. Finden sich vermehrt Bakterien im Urin, folgen weitere Tests, die das Ergebnis absichern sollen.

    Bei etwa 2 bis 15 von 100 Schwangeren wird das Labor fündig: In ihrem Urin tummelt sich eine bestimmte Menge an Bakterien, die aber keine Beschwerden verursachen. Man spricht dann von einer „asymptomatischen Bakteriurie“.

    Harnwegsinfekte und mögliche Folgen

    Bakterien im Urin auszuscheiden, bleibt häufig folgenlos. Meist verschwinden die Bakterien mit der Zeit von selbst wieder. Allerdings kommt es vor, dass eine Frau mit Bakterien im Urin zu einem späteren Zeitpunkt einen Harnwegsinfekt bekommt.

    Aufgrund der hormonellen und körperlichen Veränderungen sind schwangere Frauen anfällig für Harnwegsinfekte. Diese entstehen, wenn die Bakterien zu einer Entzündung der Harnröhre und Blase führen. Steigen die Keime hoch, können sich auch die Harnleiter oder die Nieren entzünden.

    Typische Beschwerden einer Infektion der unteren Harnwege sind:

    • verstärkter Harndrang und
    • schmerzhaftes Wasserlassen.

    Bei Harnleiter- oder Nierenbecken-Entzündungen auch:

    • Fieber,
    • Schmerzen in der Nierengegend (Flankenschmerzen),
    • manchmal Übelkeit und Erbrechen.

    Falls eine oder mehrere dieser Beschwerden auftreten, ist eine ärztliche Untersuchung wichtig.

    Es kommt selten vor, dass eine unbehandelte Harnwegsinfektion während der Schwangerschaft schwere Komplikationen nach sich zieht wie etwa eine Blutvergiftung (Sepsis). Bakterien im Urin werden außerdem mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und einem geringen Geburtsgewicht des Kindes in Verbindung gebracht.

    Um möglichen Folgen und Komplikationen vorzubeugen, erhalten Schwangere, bei denen Bakterien im Urin nachgewiesen wurden, für gewöhnlich Antibiotika – auch wenn sie keine Beschwerden haben.

    Studienlage

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sind der Frage nachgegangen, ob die routinemäßigen Tests auf Bakterien im Urin während der Schwangerschaft tatsächlich Vorteile für Mutter oder Kind haben. Zum Nutzen dieser Tests fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG jedoch keine geeigneten Studien. Deshalb prüften sie, welche Vor- und Nachteile die Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie mit Antibiotika hat: Hilft die Behandlung, Komplikationen für Mutter und Kind zu vermeiden, wenn es zwar Bakterien im Urin, aber keine Symptome eines Harnwegsinfekts gibt? Zu dieser Frage fanden sich drei geeignete Studien. Die Frauen, die daran teilnahmen, schluckten entweder Antibiotika, ein Scheinmedikament (Placebo) oder unternahmen gar nichts.

    Nutzen von Urintests auf Bakterien in der Schwangerschaft ist unklar

    Die Studienergebnisse zeigen allerdings nicht, ob es Vor- oder Nachteile hat, bei einer beschwerdefreien Bakteriurie Antibiotika einzunehmen: Zum einen fehlen wichtige Informationen über die Studienteilnehmerinnen oder mögliche Nebenwirkungen der Antibiotika. Zum anderen wurden Präparate verwendet, die heute nicht mehr im Handel sind. Die Studien stammen zudem aus den 1960er Jahren und lassen sich nicht ohne weiteres auf die heutige Versorgung von Schwangeren übertragen.

    Somit bleibt insgesamt unklar, ob es sinnvoll ist, den Urin von Schwangeren routinemäßig auf Bakterien zu untersuchen. Dies gilt auch für die Frage, ob bei Schwangeren ohne Beschwerden, aber Bakterien im Urin, eine Behandlung mit Antibiotika nötig ist.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Screening auf asymptomatische Bakteriurie im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien unter besonderer Berücksichtigung der Testmethoden: Abschlussbericht; Auftrag S13-02. 19.02.2015 (IQWiG-Berichte; Band 279).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Was Studien sagen: Welchen Nutzen hat die Bestimmung des Rhesusfaktors vor der Geburt?

    Ein neuer Bluttest kann den Rhesusfaktor eines Kindes bereits während der Schwangerschaft bestimmen. Dies hilft zu erkennen, ob eine Anti-D-Prophylaxe für rhesus-negative Frauen sinnvoll ist. Nachteile dieses vorgeburtlichen Tests sind nicht zu erwarten.

    Der Rhesusfaktor ist ein wichtiges Merkmal der Blutgruppe. Er zeigt an, ob sich das Blut zweier Menschen verträgt, wenn es vermischt wird – wie zum Beispiel das Blut von Mutter und Kind bei der Geburt. Haben sie verschiedene Blutgruppenmerkmale, kann dies zu Problemen führen.

    Ob sich das Blut von Mutter und Kind verträgt, hängt vom Rhesusfaktor D ab, einem bestimmten Eiweißstoff auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Er wird auch Antigen D genannt und findet sich bei den meisten Menschen; sie sind „rhesus-positiv“. Einigen Menschen fehlt er; sie sind „rhesus-negativ“. In Europa betrifft dies etwa 15 % der Bevölkerung.

    Erwarten Frauen mit positivem Rhesusfaktor ein Kind, ergeben sich daraus keine gesundheitlichen Probleme – ganz gleich, ob das Kind rhesus-negativ oder rhesus-positiv ist.

    Schwangerschaft bei negativem Rhesusfaktor D

    Etwa die Hälfte der Schwangeren mit negativem Rhesusfaktor erwartet ein rhesus-negatives Kind. Dann sind keine Probleme zu erwarten: Das Blut von Mutter und Kind verträgt sich.

    Erwartet eine rhesus-negative Frau aber ein rhesus-positives Kind, kann das mütterliche Blut Abwehrstoffe (Anti-D-Antikörper) gegen den Rhesusfaktor des Kindes bilden. Das kann passieren, wenn sich das kindliche Blut mit dem der Mutter mischt – zum Beispiel bei der Geburt durch kleine Verletzungen des Mutterkuchens (Plazenta) oder der Nabelschnur. Auch während der Schwangerschaft kann es zu einer Vermischung kommen, entweder ohne äußere Einwirkung oder durch Eingriffe wie etwa eine Fruchtwasseruntersuchung.

    Anti-D-Antikörper schaden dem Kind normalerweise nicht, wenn eine Frau zum ersten Mal schwanger ist. Wird sie aber erneut schwanger und erwartet wieder ein rhesus-positives Kind, können die Antikörper dessen Entwicklung beeinträchtigen. Die sogenannte Anti-D-Prophylaxe soll dies vermeiden: Dabei bekommen rhesus-negative Schwangere eine Spritze mit Anti-D-Immunglobulinen. Sie können meistens verhindern, dass Abwehrstoffe gebildet werden.

    Aktuelle Anti-D-Prophylaxe in Deutschland

    In den Mutterschafts-Richtlinien ist die Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt festgelegt. Ärztinnen, Ärzte und Hebammen orientieren sich an diesen Richtlinien. Zu den Vorsorgeuntersuchungen für schwangere Frauen gehört beispielsweise eine Blutuntersuchung, um ihren Rhesusfaktor zu bestimmen.

    Stellt sich heraus, dass eine schwangere Frau rhesus-negatives Blut hat, erhält sie eine Anti-D-Prophylaxe. Ob das ungeborene Kind aber rhesus-positives oder rhesus-negatives Blut hat, ist zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt. Seine Blutgruppe wird erst nach der Geburt aus dem Nabelschnurblut bestimmt. Erst dann weiß man, ob sich seine Blutgruppe mit der seiner Mutter verträgt.

    Ist das Kind rhesus-positiv, erhält die Mutter innerhalb von 72 Stunden eine weitere Spritze mit Anti-D-Immunglobulinen. Diese zweite Dosis soll bereits übergetretene Blutkörperchen des Kindes im Blut der Mutter rasch abbauen und so die Bildung von Antikörpern verhindern.

    Bei diesem Vorgehen erhält etwa die Hälfte aller rhesus-negativen Schwangeren eine unnötige Anti-D-Prophylaxe. Denn nur wenn sie ein rhesus-positives Kind erwarten, kann ihr Immunsystem Antikörper bilden – und nur dann kann eine Anti-D-Prophylaxe überhaupt Vorteile haben.

    Anti-D-Prophylaxe mit Pränataltest

    Seit einigen Jahren ist ein Bluttest verfügbar, der den Rhesusfaktor des Kindes bereits vor der Geburt bestimmt. Der Pränataltest soll vermeiden, dass rhesus-negative Frauen eine unnötige Anti-D-Gabe während der Schwangerschaft erhalten: Sie bekommen die Spritze nur dann, wenn der Test ergibt, dass das Kind rhesus-positives Blut hat.

    Für den Pränataltest wird eine Blutprobe der schwangeren Frau benötigt. Das mütterliche Blut enthält zellfreies Erbmaterial des Kindes, das sich zur Bestimmung des kindlichen Rhesusfaktors eignet.

    Studienlage zum Pränataltest

    Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die Vor- und Nachteile des Pränataltests für rhesus-negative schwangere Frauen im Vergleich zum derzeit üblichen Vorgehen untersucht. Beim gegenwärtigen Vorgehen erhalten alle rhesus-negativen Frauen während der Schwangerschaft eine vorbeugende Anti-D-Prophylaxe. Beim Pränataltest erhalten rhesus-negative Frauen nur dann eine Anti-D-Prophylaxe, wenn der Test ergibt, dass das ungeborene Kind rhesus-positiv ist.

    Die Wissenschaftlergruppe des IQWiG fand keine aussagefähige Studie, die beide Herangehensweisen miteinander vergleicht. Sie untersuchte deshalb eine weitere wichtige Frage: Kann der Pränataltest den Rhesusfaktor des ungeborenen Kindes zuverlässig bestimmen?

    Zu dieser Frage wertete die Forschergruppe elf Studien aus. Sie bestätigen, dass der Test den Rhesusfaktor des Kindes zuverlässig bestimmen kann. Wie genau der Test bei Mehrlingsschwangerschaften ist, bleibt allerdings unklar.

    Die aktuellen Erkenntnisse sprechen dafür, dass der Pränataltest weder für Schwangere noch für ihre Kinder erkennbare Nachteile hat. Der Test kann Schwangeren mit rhesus-negativem Blut, die ein rhesus-negatives Kind erwarten, eine Anti-D-Prophylaxe und somit die unnötige Verabreichung eines Blutproduktes ersparen. Nebenwirkungen der Anti-D-Prophylaxe sind extrem selten.

    Quellen

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung („Mutterschafts-Richtlinien“). 21.04.2016.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nicht invasive Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors zur Vermeidung einer mütterlichen Rhesussensibilisierung: Abschlussbericht; Auftrag D16-01. 20.03.2018. (IQWiG-Berichte; Band 607).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Was Studien sagen: Welchen Nutzen hat ein Screening auf B-Streptokokken in der Schwangerschaft?

    Wenn bei einer schwangeren Frau das Risiko für eine Infektion ihres Kindes mit B-Streptokokken erhöht ist, erhält sie während der Geburt ein Antibiotikum. Dadurch soll das Kind vor einer Ansteckung geschützt werden. Ob es sinnvoll ist, alle schwangeren Frauen routinemäßig auf B-Streptokokken zu testen, ist unklar.

    In der Schwangerschaft wird bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen geprüft, ob sich das Kind normal entwickelt und die werdende Mutter gesund bleibt. Zur Schwangerschaftsvorsorge gehören Ultraschalluntersuchungen, Blutabnahmen und Urintests. Was und wie untersucht wird, legen in Deutschland die Mutterschafts-Richtlinien fest.

    Besteht der Verdacht, dass es bei einer schwangeren Frau zu einer Besiedelung mit B-Streptokokken gekommen ist, erhält sie während der Geburt ein Antibiotikum. Dies soll verhindern, dass sich das Baby ansteckt und schwer erkrankt.

    B-Streptokokken: Für Erwachsene harmlos, für Babys gefährlich

    B-Streptokokken sind Bakterien, die bei Menschen natürlicherweise vorkommen können, vor allem im Darm- und Genitalbereich.

    Bei gesunden Erwachsenen verursachen B-Streptokokken normalerweise keine Beschwerden. Anders bei Neugeborenen: Bei ihnen können die Bakterien zu einer Blutvergiftung (Sepsis) oder gar zum Tod führen. B-Streptokokken können bei Babys auch verschiedene Infektionskrankheiten auslösen, etwa eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Lungenentzündung (Pneumonie) und zu bleibenden Behinderungen führen.

    In Deutschland liegt bei etwa 1800 von 10.000 schwangeren Frauen eine Besiedelung mit B-Streptokokken vor. Die Bakterien können während einer natürlichen Geburt auf das Kind übertragen werden. In Deutschland erkranken etwa 3 von 10.000 Neugeborenen an einer Infektion mit B-Streptokokken. Dass ein Kind daran stirbt, ist sehr selten.

    B-Streptokokken-Test in der Schwangerschaft

    Der B-Streptokokken-Test untersucht, ob eine schwangere Frau diese Bakterien im Körper trägt. Er wird normalerweise gegen Ende der Schwangerschaft angeboten, zwischen der 35. und der 37. Schwangerschaftswoche.

    Der Test wird von allen Krankenkassen bezahlt, wenn die Ärztin, der Arzt, der Entbindungspfleger oder die Hebamme eine B-Streptokokken-Besiedelung vermutet oder wenn eine Frühgeburt droht. Möchte eine schwangere Frau den Test machen lassen, obwohl kein Verdacht besteht, muss sie ihn meist selbst bezahlen. Der Test wird dann als individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL, angeboten. Einige gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten des Tests allerdings für alle schwangeren Frauen.

    Für den Test werden normalerweise zwei Abstriche gemacht: Dazu werden Zellen aus der Scheide (Scheiden- oder Vaginalabstrich) und im Bereich des Anus entnommen. Die Zellproben werden meist ins Labor geschickt. Das Testergebnis liegt normalerweise innerhalb einer Woche vor. Findet der Test B-Streptokokken, wird dies im Mutterpass notiert.

    Wann besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko für das Kind?

    Es wird davon ausgegangen, dass das Infektionsrisiko für das Kind erhöht ist, wenn bei einer schwangeren Frau mindestens einer der folgenden Risikofaktoren besteht:

    • Im Urin wurden B-Streptokokken nachgewiesen.
    • Im Bereich von Scheide oder Anus wurden B-Streptokokken nachgewiesen (B-Streptokokken-Test).
    • Es droht eine Frühgeburt vor der 38. Schwangerschaftswoche.
    • Während der Geburt tritt Fieber auf. Das heißt, die Körpertemperatur beträgt mindestens 38° C.
    • Zwischen Blasensprung und Geburt vergehen mindestens 18 Stunden.
    • Die Frau hat bereits ein Kind geboren, das sich bei der Entbindung mit B-Streptokokken angesteckt hat.

    Wenn das Infektionsrisiko des Kindes erhöht ist, erhalten Frauen während der Geburt ein Antibiotikum, um das Kind vor einer Ansteckung zu schützen. Das Antibiotikum wird entweder gespritzt oder als Infusion gegeben.

    B-Streptokokken-Screening in der Schwangerschaft

    In einigen Ländern werden alle Frauen gegen Ende der Schwangerschaft routinemäßig auf B-Streptokokken getestet. Dieser Routinetest wird B-Streptokokken-Screening genannt. Auch die aktuelle Leitlinie der Deutschen Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt das Screening.

    Weist der Test bei schwangeren Frauen im Abstrich B-Streptokokken nach, erhalten sie grundsätzlich während der Geburt ein Antibiotikum. Findet der Test keine Streptokokken, ist in der Regel kein Antibiotium nötig. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen, bei denen auch dann ein Antibiotikum gegeben wird, wenn der Test keine B-Streptokokken gefunden hat:

    1. Die Frau hat bereits ein Kind geboren, das sich bei der Entbindung mit B-Streptokokken angesteckt hat.
    2. Im Urin der schwangeren Frau wurden B-Streptokokken nachgewiesen.

    Studienlage zum B-Streptokokken-Screening

    Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat geprüft, welche Vor- oder Nachteile ein B-Streptokokken-Test für alle schwangeren Frauen hat. Das B-Streptokokken-Screening wurde mit dem Vorgehen verglichen, bei dem während der Geburt ein Antibiotikum gegeben wird, wenn die werdende Mutter bestimmte Risikofaktoren hat.

    Die Wissenschaftlergruppe des IQWiG fand zur Frage, welche Vor- oder Nachteile das Screening für Mütter und Kinder hat, keine aussagefähige Studie. Daher bleibt unklar, ob das Kind vor einer Infektion mit B-Streptokokken durch ein Screening besser geschützt wird als durch das auf Risikofaktoren basierende Vorgehen. Unklar bleibt auch, ob das Screening zu vermeiden hilft, dass Frauen unnötig Antibiotika erhalten.

    Quellen

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung („Mutterschafts-Richtlinien“). 21.04.2016.

    Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (GNPI). Prophylaxe der Neugeborenensepsis - frühe Form - durch Streptokokken der Gruppe B (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 024-020. 03.2016.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Screening auf Streptokokken der serologischen Gruppe B im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen gemäß Mutterschafts-Richtlinien: Abschlussbericht; Auftrag S17-02. 11.12.2018. (IQWiG-Berichte; Band 688).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Vor einer Frühgeburt: Was bewirkt Kortison?

    Wenn eine Frühgeburt bevorsteht, kann eine vorgeburtliche Behandlung der Mutter mit Kortison die Lungenreifung des ungeborenen Kindes beschleunigen. Dies verringert die Gefahr, dass schwerwiegende Komplikationen auftreten oder das Neugeborene stirbt.

    Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Bei sehr früh Geborenen können Atemprobleme auftreten, weil ihre Lungen noch nicht ausgereift sind. Deshalb ist vor der Geburt eine Behandlung mit Kortison wichtig: Das Medikament trägt dazu bei, dass die Lungen des Kindes schneller reifen.

    Der Nutzen und die möglichen Nebenwirkungen der vorgeburtlichen Kortison-Behandlung wurden in vielen Studien untersucht. Schon ein einziger Behandlungstag kann für die Chancen des Kindes auf eine gesunde Entwicklung entscheidend sein.

    Wie kann Kortison dem Baby helfen?

    Kortison (Fachbegriff: Kortikosteroide) besteht aus künstlich hergestellten Abkömmlingen natürlicher menschlicher Hormone. Wenn einer Schwangeren diese Medikamente gespritzt werden, gelangen sie über das Blut der Mutter auch in den Körper und in die Lungen des ungeborenen Kindes. Ein „Zyklus“ dieser vorgeburtlichen (pränatalen) Steroid-Behandlung besteht normalerweise aus zwei Spritzen in einem Abstand von 24 Stunden.

    Zwischen der 26. und 33. Schwangerschaftswoche kann Kortison eine sehr rasche Lungenreifung des Kindes bewirken. Dadurch haben viele Frühgeborene eine bessere Überlebenschance. 30 Studien mit insgesamt etwa 7800 Frauen haben den Nutzen dieser Behandlung untersucht. Zu den nachgewiesenen Vorteilen dieser Behandlung für das Kind gehören:

    Eine verbesserte Überlebenschance: 

    • Ohne Kortison: Etwa 10 von 100 Frühgeborenen, die vor der Geburt nicht mit Kortison behandelt werden, sterben in den Wochen nach der Geburt.
    • Mit Kortison: Ungefähr 7 von 100 Frühgeborenen, die vor der Geburt mit Kortison behandelt werden, sterben in den Wochen nach der Geburt.

    Das bedeutet, dass die Kortisonbehandlung etwa 3 von 100 Frühgeborenen vor einem Tod in den Wochen nach der Geburt bewahren kann.

    Ein geringeres Risiko für schwerwiegende Atemfunktionsstörungen:

    • Ohne Kortison: Etwa 18 von 100 Frühgeborenen, die nicht behandelt werden, haben schwere Atemstörungen.
    • Mit Kortison: Ungefähr 12 von 100 Frühgeborenen, die vor der Geburt mit Kortison behandelt werden, haben schwere Atemstörungen.

    Das bedeutet, dass die Behandlung zusätzlich etwa 6 von 100 Kindern ernsthafte Atemprobleme nach der Geburt ersparen kann.

    Ein deutlich geringeres Risiko für Hirnblutungen:

    • Ohne Kortison kommt es dazu bei etwa 12 von 100 Kindern.
    • Mit Kortison sind es im Vergleich schätzungsweise 6 von 100 Frühgeborenen.

    Die Behandlung bewahrt also ungefähr 6 von 100 Kindern vor einer Hirnblutung.

    Es tritt seltener eine schwerwiegende Darmerkrankung auf, die sogenannte nekrotisierende Enterokolitis (NEC):

    • Ohne Kortison sind etwa 6 von 100 Kindern betroffen.
    • Mit Kortison haben etwa 3 von 100 Kindern diese Darmerkrankung.

    Die Behandlung erspart es also ungefähr 3 von 100 Frühgeborenen, an einer NEC zu erkranken.

    Bereits ein einziger Behandlungszyklus kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Lungen des Kindes nach der Geburt besser funktionieren.

    Ein zweiter Zyklus kommt infrage, wenn sich die Geburt nach dem ersten Zyklus doch noch mehr als sieben Tage verzögern lässt. 10 Studien mit etwa 4700 Frauen haben den Nutzen einer erneuten Gabe untersucht. Diese Studien zeigen, dass auch ein zweiter Zyklus noch Vorteile haben kann: Dieser senkt das Risiko für Atemprobleme und andere schwerwiegende Folgen noch weiter.

    Welche Nebenwirkungen hat die Kortison-Behandlung?

    Bei der Gabe von nur einem Kortison-Zyklus wurden keine unerwünschten Wirkungen bei Neugeborenen beobachtet. Studien, in denen die vor der Geburt behandelten Säuglinge bis ins Kindes- oder Erwachsenenalter nachbeobachtet wurden, konnten im Wachstum oder in der Entwicklung dieser Kinder keine eindeutigen Unterschiede feststellen.

    Bei mehr als einem Kortison-Zyklus kann es eher zu Nebenwirkungen kommen. Die so behandelten Kinder sind kurz nach der Geburt im Durchschnitt etwas kleiner als Kinder, die nur einen Zyklus bekommen haben. Nach einigen Monaten gleicht sich dieser Unterschied aber an. Hinweise auf langfristige negative Folgen geben die bisherigen Studien nicht.

    Für Schwangere sind auch keine erheblichen Nebenwirkungen der Kortison-Behandlung nachgewiesen. Etwa eine von 100 Frauen hat als Folge einer zweiten Kortison-Behandlung vorübergehende Schlafstörungen kurz nach der Geburt. Schlafprobleme nach einer Schwangerschaft und zu frühen Geburt haben aber auch viele Frauen, die kein Kortison erhalten.

    Quellen

    Crowther CA, McKinlay CJ, Middleton P, Harding JE. Repeat doses of prenatal corticosteroids for women at risk of preterm birth for improving neonatal health outcomes. Cochrane Database Syst Rev 2015; (7): CD003935.

    Roberts D, Brown J, Medley N, Dalziel SR. Antenatal corticosteroids for accelerating fetal lung maturation for women at risk of preterm birth. Cochrane Database Syst Rev 2017; (3): CD004454.

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    Was Studien sagen: Wann wird eine Geburtseinleitung nötig?

    Wenn der errechnete Geburtstermin ein paar Tage überschritten ist, sich aber sonst keine Probleme zeigen, besteht kaum Gefahr für das ungeborene Kind. Wird der Termin jedoch um mehr als eine Woche überschritten, senkt eine Geburtseinleitung das Risiko für Komplikationen.

    Die meisten Babys werden um den errechneten Geburtstermin herum geboren, in der Regel innerhalb von zwei Wochen davor oder danach. Eine Schwangerschaft, die länger dauert als 40 Wochen (280 Tage), wird in Deutschland zunächst als Terminüberschreitung, ab Ende der 42. Woche als „übertragene“ Schwangerschaft bezeichnet. Geht es der Schwangeren und dem Ungeborenen gut, besteht für beide in der ersten Woche nach dem errechneten Geburtstermin kein besonderes Risiko.

    Danach erhöht sich jedoch langsam die Wahrscheinlichkeit, dass bei der werdenden Mutter oder dem Kind gesundheitliche Probleme auftreten können. Dann kann die Geburt schnell eingeleitet oder das Baby per Kaiserschnitt entbunden werden. Normalerweise ist dies aber nicht nötig, da die Wehen auch nach dem errechneten Termin bei den meisten Frauen immer noch rechtzeitig von selbst einsetzen.

    Vor- und Nachteile einer Geburtseinleitung

    Eine Übertragung kann vor allem für das Kind Nachteile haben. Das Hauptrisiko ist, dass der Mutterkuchen (Plazenta) es nicht mehr richtig versorgen kann. Es kann zudem etwas häufiger zu einer Infektion in der Gebärmutter oder zu unerwarteten Komplikationen während der Geburt kommen. Für die Schwangere bestehen weniger Risiken. Wird das Kind zu groß, kann jedoch die Geburt erschwert sein.

    Wenn die Wehen aber lange nach dem errechneten Termin nicht von selbst einsetzen oder eingeleitet werden, kann sich die Gesundheit des Ungeborenen oder der Schwangeren irgendwann so schnell verschlechtern, dass ein sofortiger Kaiserschnitt nötig wird.

    Bei einer einzelnen Frau lässt sich nur sehr schwer sagen, ob ihre Schwangerschaft zu lange dauert. Bei den meisten Kindern sind auch einige Tage nach dem errechneten Geburtstermin bei den ärztlichen Untersuchungen keine Auffälligkeiten zu sehen. Um Komplikationen vorzubeugen, wird aber meist ein Zeitpunkt festgelegt, ab dem eine Geburtseinleitung grundsätzlich sinnvoll ist, auch wenn es der werdenden Mutter und dem Ungeborenen dann immer noch gut geht.

    Eine Geburtseinleitung ist dann sinnvoll, wenn ihre Vorteile für Mutter und Kind größer sind als die Nachteile, die sie mit sich bringt.

    Nach der 41. Woche überwiegen die Vorteile einer Geburtseinleitung

    Eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat untersucht, ab welchem Zeitpunkt in der Schwangerschaft eine Geburtseinleitung sinnvoll ist. Sie haben dazu nach Studien gesucht, in denen Schwangere eingewilligt hatten, dass die Geburt entweder zu einem festen Zeitpunkt eingeleitet wird oder nur dann, wenn Probleme auftreten. Die Frauen wurden anschließend per Zufall einer der beiden Gruppen zugeteilt. An den Studien nahmen nur Frauen teil, die kein besonderes Risiko für Geburtskomplikationen hatten. Frauen mit bereits bekannten Gesundheitsproblemen durften nicht teilnehmen.

    Die Frauen, bei denen die Geburt nicht eingeleitet wurde, wurden regelmäßig untersucht, meist zweimal pro Woche. So konnten die Ärztinnen und Ärzte feststellen, ob Probleme auftreten, die doch eine Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt nötig gemacht hätten. Bei den Untersuchungen wurde unter anderem das Herz des Ungeborenen elektronisch überwacht und die Fruchtwassermenge gemessen.

    Insgesamt fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 22 Studien mit etwa 9400 Teilnehmerinnen. Die Ergebnisse zeigten: Wenn der Geburtstermin um mehr als eine Woche überschritten ist, kann eine Einleitung das Risiko senken, dass ein Baby stirbt.

    Die Studienergebnisse

    Zehn Studien mit rund 6000 Frauen haben untersucht, ob eine Einleitung der Geburt eine Woche nach Termin das Risiko für den Tod eines Babys senken kann. Das wichtigste Ergebnis war:

    • Ohne Einleitung: Bei 1000 Geburten, die nicht zu einem festgelegten Zeitpunkt eingeleitet wurden, starben etwa 3 Kinder.
    • Mit Einleitung: Bei 1000 Geburten, die nach Ende der 41. Woche eingeleitet wurden, starb weniger als 1 Kind.

    In den Studien konnte die Geburtseinleitung nach der 41. Woche also schätzungsweise 2 von 1000 Babys davor bewahren, bei oder kurz nach der Geburt zu sterben.

    Durch die Geburtseinleitung nach der 41. Woche kam es zudem seltener zu anderen Problemen, wie zum Beispiel dem Einatmen von Kindspech (Mekonium), der sogenannten Mekoniumaspiration. Kindspech ist die Bezeichnung für Darminhalt, den das Baby während der Geburt ins Fruchtwasser ausscheidet. Wenn das Kind während der Geburt sehr unter Stress ist, kann es sein, dass es Kindspech einatmet und dieser in die Lunge gelangt. Eine Mekoniumaspiration kann dann schwere Atemprobleme auslösen. Die Studien zeigten dazu folgende Ergebnisse:

    • Ohne Einleitung: Etwa 11 von 1000 Babys, deren Geburt nicht zu einem festen Zeitpunkt eingeleitet worden war, hatten eine Mekoniumaspiration.
    • Mit Einleitung: Im Vergleich dazu hatten etwa 7 von 1000 der per Geburtseinleitung zur Welt gekommenen Babys eine Mekoniumaspiration.

    Bei einer Übertragung wird häufig ein Kaiserschnitt erforderlich. Dieser Eingriff kann auch mit Risiken wie Blutungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen verbunden sein. Die Studien zur Geburtseinleitung zeigen, dass das Risiko für einen Kaiserschnitt etwas sinkt, wenn die Geburt nach der 41. Woche eingeleitet wird:

    • Ohne Einleitung: Bei etwa 180 von 1000 Frauen wurde per Kaiserschnitt entbunden.
    • Mit Einleitung: Bei etwa 160 von 1000 Frauen wurde per Kaiserschnitt entbunden.

    Ob und wenn ja, wann eine Geburt eingeleitet wird, ist letztlich eine individuelle Entscheidung. Sie hängt vor allem davon ab, ob das Risiko für Komplikationen bei der Geburt erhöht ist. Das Risiko wird unter anderem davon beeinflusst, wie weit der Termin überschritten ist, wie alt eine Frau ist und wie groß das Kind ist.

     

    Quellen

    Gülmezoglu AM, Crowther CA, Middleton P, Heatley E. Induction of labour for improving birth outcomes for women at or beyond term. Cochrane Database Syst Rev 2012; (6): CD004945.

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    Was Studien sagen: Kaiserschnitt: Welche Vor- und Nachteile haben lokale Betäubung und Vollnarkose?

    Ein Kaiserschnitt unter Vollnarkose ist für das Kind ebenso sicher wie unter einer Teilnarkose. Für Mütter haben die Narkosemethoden jedoch unterschiedliche Vor- und Nachteile.

    Ein Kaiserschnitt ist erforderlich, wenn das Kind auf normalem Weg nicht oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen geboren werden kann. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind quer liegt, oder wenn die Plazenta die Öffnung der Gebärmutter (den Gebärmutterhals) verschließt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in westlichen Ländern bei etwa 10 bis 15 Prozent der Geburten aus medizinischen Gründen ein Kaiserschnitt notwendig ist. In Deutschland werden heute allerdings etwa 30 % der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt gebracht.

    Wenn alles glatt läuft, dauert die gesamte Operation etwa eine Stunde. Dabei kann das Kind normalerweise schon nach 10 bis 15 Minuten aus der Gebärmutter (Uterus) geholt werden, in Notfällen sogar noch deutlich schneller. Anschließend werden zunächst die Gebärmutter und dann die verschiedenen Schichten der Bauchdecke vorsichtig wieder zusammengenäht.

    Wahl zwischen Vollnarkose und lokaler Betäubung

    Während der gesamten Operationszeit erhält die Mutter eine Narkose. Beim Kaiserschnitt hat eine Frau in der Regel zwei oder drei Wahlmöglichkeiten: eine Vollnarkose, bei der sie komplett ohne Bewusstsein ist, sowie zwei Methoden der Teilnarkose (Regionalanästhesie) – die „Periduralanästhesie“ (PDA) und die „Spinalanästhesie“. Bei einer Teilnarkose wird der Körper von der Taille an abwärts betäubt, die Frau bleibt wach und kann ihr Kind direkt nach der Geburt sehen.

    Bei der PDA wird ein Betäubungsmittel entweder im Bereich der Brust- oder Lendenwirbel in den sogenannten Periduralraum gespritzt, der das Rückenmark umgibt. Dadurch werden nur die Nerven betäubt, die in dem Bereich ins Rückenmark münden, wo das Betäubungsmittel gespritzt wird. Die schmerzlindernde Wirkung der PDA setzt nach 10 bis 20 Minuten ein.

    Bei der Spinalanästhesie werden die Medikamente noch näher an das Rückenmark gespritzt: in den sogenannten Hirnwasserraum der Wirbelsäule. Dadurch wird die gesamte untere Körperhälfte betäubt. Eine Spinalanästhesie wirkt schneller als eine PDA und auch die benötigte Menge an Betäubungsmittel ist geringer.

    Eine Vollnarkose lässt sich schnell einleiten. Daher wird sie bei Notfall-Kaiserschnitten eingesetzt, oder wenn eine Regionalanästhesie nicht infrage kommt. Wenn die Zeit es zulässt oder der Kaiserschnitt geplant ist, ist es möglich, die Narkoseart zu wählen. Bei den meisten Frauen hängt die Wahl davon ab, ob sie bei der Geburt wach sein möchten.

    Unterschiedliche Risiken

    Die Vollnarkose und die Regionalanästhesie haben unterschiedliche Risiken. Bei einer Vollnarkose besteht ein Risiko, dass sich die Frau während der Betäubung übergibt und Erbrochenes in ihre Lunge gelangt (sogenannte Aspiration von Mageninhalt). Dies kommt sehr selten vor, kann aber lebensgefährlich sein.

    Bei PDA und Spinalanästhesie kann gelegentlich der Blutdruck plötzlich stark abfallen. Eine andere unerwünschte Wirkung können Kopfschmerzen sein, die manchmal durch den Einstich in den Periduralraum bzw. Hirnwasserraum ausgelöst werden („postpunktionelle“ Kopfschmerzen). Früher wurden fast alle Kaiserschnitte unter Vollnarkose vorgenommen, aber inzwischen entscheiden sich Frauen und ihre Ärztinnen und Ärzte häufiger für die PDA.

    Ergebnisse von vergleichenden Studien

    Um die Wirkung und Sicherheit der Narkosemethoden zu vergleichen, haben Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration nach Studien gesucht, in denen die unterschiedlichen Narkoseverfahren bei Kaiserschnitten erprobt wurden. Die Wissenschaftler fanden 29 Studien, an denen insgesamt knapp 1800 Frauen teilnahmen. Bei den meisten Frauen war der Kaiserschnitt im Voraus geplant worden.

    Die Zahl der Teilnehmerinnen an den einzelnen Studien war zu klein, um beurteilen zu können, ob es durch Vollnarkosen eher zu schwerwiegenden Komplikationen wie der Aspiration von Mageninhalt kommt. Solche Aspirationen waren insgesamt die Ausnahme.

    Die Studien waren jedoch groß genug, um die häufigsten unerwünschten Wirkungen für das Kind abschätzen zu können, zum Beispiel Atembeschwerden. Hier zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Narkosemethoden.

    Frauen, die unter Vollnarkose operiert wurden, verloren im Schnitt 100 Milliliter mehr Blut. Daraus ergaben sich aber keine wesentlichen Gesundheitsprobleme. Zum Beispiel war die Zahl der Frauen vergleichbar, die nach dem Eingriff eine Bluttransfusion benötigten. Andererseits hatten Frauen nach einer Teilnarkose häufiger mit Übelkeit und Erbrechen zu tun.

    Es kommt gelegentlich vor, dass eine Frau während des Eingriffs mit lokaler Betäubung noch leichte Unannehmlichkeiten oder sogar Schmerzen empfindet, da sie im Gegensatz zur Vollnarkose noch bei Bewusstsein ist. Dann kann die Narkoseärztin oder der Narkosearzt noch zusätzlich ein Schmerz- oder Beruhigungsmittel geben.

    Einzelne Studien untersuchten, ob Schmerzen nach der Operation auftraten. Demnach benötigten Frauen nach einer Operation unter Vollnarkose früher Schmerzmittel als nach einer Regionalanästhesie. Der Grund ist, dass die bei einer Vollnarkose eingesetzten Betäubungsmittel schneller ihre Wirkung verlieren als eine PDA.

    Quellen

    Afolabi BB, Lesi FE. Regional versus general anaesthesia for caesarean section. Cochrane Database Syst Rev 2012; (10): CD004350.

    World Health Organization (WHO). Identifying barriers and facilitators towards implementing guidelines to reduce caesarean section rates in Quebec. Bulletin of the World Health Organization 2007; 85: 733-820.

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    Was Studien sagen: Was hilft, nach der Schwangerschaft wieder abzunehmen?

    Es ist normal, dass man das in der Schwangerschaft zugenommene Gewicht in den Monaten nach der Geburt nur allmählich wieder verliert. Eine Ernährungsumstellung kombiniert mit mehr Bewegung kann helfen, wieder das alte Gewicht zu erreichen.

    Während der Schwangerschaft zuzunehmen, ist normal. Die zusätzlichen Kilos werden benötigt, um das heranwachsende Baby zu ernähren. Ein Teil dieses Gewichts kommt dadurch zustande, dass der Körper der Frau viel Flüssigkeit einlagert. Bei manchen Frauen reichen nach der Geburt die Anstrengungen, die mit dem Stillen und Versorgen des Neugeborenen einhergehen, damit das zugenommene Gewicht von selbst wieder dahinschmilzt. Doch nicht immer verschwinden die Pfunde schnell: Fast die Hälfte aller Frauen wiegt auch sechs Monate nach der Geburt noch mehr als vor der Schwangerschaft.

    Manche Frauen fühlen sich einfach unwohl mit den zusätzlichen Pfunden und würden deshalb gerne abnehmen. Generell nehmen die meisten Frauen mit steigendem Alter allmählich an Gewicht zu, unabhängig davon, ob sie Kinder haben oder nicht. Normalerweise führt dies nicht zu gesundheitlichen Problemen. Wenn eine vor der Schwangerschaft normalgewichtige Frau aber ein Jahr nach der Geburt noch immer fast so viel wiegt wie am Ende der Schwangerschaft, entwickeln sich langfristig häufiger Gewichtsprobleme. Diese können sich in einer folgenden Schwangerschaft weiter verstärken.

    Langfristigen Gewichtsproblemen vorbeugen

    Um Gewichtsprobleme nach der Geburt zu vermeiden, hilft es, während der Schwangerschaft nur so viel zuzunehmen, wie für die eigene Gesundheit und die des Babys nötig ist.

    Nach der Geburt ist Abnehmen nicht immer einfach. Die Geburt eines Kindes bringt das gewohnte Leben gehörig durcheinander. Manchmal ändern Mütter deshalb ihre Essgewohnheiten oder verzichten auf ihre gewohnte sportliche Betätigung. Dies ist einer der Gründe, warum es schwierig sein kann, das Schwangerschaftsgewicht wieder loszuwerden.

    Die beste Möglichkeit, Gewicht zu verlieren, ist eine Kombination aus ausgewogener Ernährung und zusätzlicher körperlicher Bewegung. Programme zur Veränderung von Ess- und Lebensgewohnheiten versuchen, genau dies zu erreichen.

    Studien zur Gewichtsabnahme nach der Geburt

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben nach Studien zur Frage gesucht, wie Frauen nach einer Geburt ihr Gewicht so gut und schonend wie möglich wieder senken können. Sie bewerteten zwölf Studien zu verschiedenen Maßnahmen und Programmen zur Gewichtsreduktion nach der Geburt, an denen insgesamt etwa 900 Frauen teilgenommen hatten. Einige der geprüften Studien hatten jedoch Qualitätsmängel, was ihre Aussagekraft einschränkt.

    In den Studien wurden unter anderem folgende Programme untersucht:  

    • Kinderwagen-Walking in einer Gruppe mit anderen Frauen,  
    • Gruppentreffen zur Gewichtsabnahme mit Kochvorführungen und Informationseinheiten über Essgewohnheiten und Beobachtung des eigenen Essverhaltens sowie darüber, wie man sich zusätzliche Bewegung verschaffen kann,  
    • kalorien- oder fettreduzierte Diäten mit oder ohne Bewegungsprogramm.

    Die meisten Programme starteten ein oder zwei Monate nach der Geburt. Manche liefen über wenige Wochen, andere dauerten bis zu einem Jahr an. Zum Teil waren es sehr intensive Programme mit mehreren Treffen pro Woche.

    Die Studienergebnisse

    Bewegungsprogramme oder Ernährungsumstellung allein waren nicht besonders erfolgreich. Die Frauen nahmen dann am besten ab, wenn sie sowohl ihre Ernährung umstellten als auch an einem Bewegungsprogramm teilnahmen. In Zahlen ausgedrückt:

    • Ohne besonderes Programm gelang es etwa 20 von 100 Frauen, wieder ihr Gewicht vor der Schwangerschaft zu erreichen. Mithilfe eines kombinierten Ernährungs- und Bewegungsprogramms gelang dies schätzungsweise 40 von 100 Frauen.
    • Die meisten Teilnehmerinnen nahmen zwar auch ohne besonderes Programm ab. Die Frauen, die an dem kombinierten Programm teilnahmen, verloren aber im Durchschnitt knapp zwei Kilogramm mehr.

    Da an den Studien zur Kombination aus Ernährungsumstellung und Bewegung nur knapp 260 Frauen teilnahmen, handelt es sich bei den Zahlen nur um eine ungefähre Schätzung.

    Die Studien lassen darauf schließen, dass eine angepasste Ernährung mit körperlicher Bewegung Frauen helfen kann, nach einer Geburt wieder abzunehmen. Nachteile für das Stillen durch eine Ernährungsumstellung konnten bislang nicht beobachtet werden.

    Quellen

    Amorim Adegboye AR, Linne YM. Diet or exercise, or both, for weight reduction in women after childbirth. Cochrane Database Syst Rev 2013; (7): CD005627.

    Nascimento SL, Pudwell J, Surita FG, Adamo KB, Smith GN. The effect of physical exercise strategies on weight loss in postpartum women: a systematic review and meta-analysis. Int J Obes 2014; 38(5): 626-635.

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    Was Studien sagen: Depression nach Geburt: Können psychosoziale und psychologische Verfahren helfen?

    Bei manchen Frauen entwickelt sich aus einem „Baby blues“ nach der Geburt eine Depression. Nicht direktive Beratungsgespräche, kognitive Verhaltenstherapie oder interpersonelle Psychotherapie können postpartale Depressionen bei vielen Frauen lindern.

    Ein Neugeborenes krempelt den Alltag gründlich um. Es ist normal, wenn sich seine Eltern über ihre neue Rolle und die Veränderungen in ihrem Leben unsicher sind. Die Zeit nach einer Geburt kann von heftigen Stimmungsschwankungen geprägt sein. Viele Frauen haben schon von diesem Gefühlschaos gehört, das häufig als „Baby blues“ bezeichnet wird. Trotzdem sind sie oft überrascht, wie wechselhaft ihre Stimmung in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt sein kann.

    Einen Baby blues erlebt die Hälfte aller Mütter. Er erreicht seinen Höhepunkt meist zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt des Kindes. Spätestens nach zwei Wochen ist diese Zeit normalerweise vorbei. Emotionale Unterstützung und Hilfe im Alltag reichen bei den meisten Frauen aus, um sie gut zu überstehen.

    Einige Frauen entwickeln jedoch in den ersten Monaten nach der Geburt ihres Kindes eine behandlungsbedürftige Depression. Etwa 15 von 100 Frauen haben mit einer solchen postnatalen oder postpartalen Depression zu tun. Damit ist eine Depression bei Frauen nach der Geburt dreimal häufiger als bei Frauen im selben Alter, die nicht vor kurzer Zeit geboren haben. Oft wird sie jedoch nicht erkannt.

    Die Forschung zeigt: psychotherapeutische Unterstützung hilft langfristig

    Für manche Frauen können Antidepressiva wichtig sein. Frauen mit postpartaler Depression wünschen sich aber eher nichtmedikamentöse Behandlungen. Für depressive Mütter ist es oft sehr wichtig, mit jemandem zu sprechen, der sich nicht wertend äußert und sie emotional unterstützt. Solche Hilfe können Psychotherapeutinnen und -therapeuten leisten.

    Es gibt viele unterschiedliche psychotherapeutische Techniken, die genutzt werden, um Menschen mit Depressionen zu helfen. Aber nicht alle Verfahren wurden in wissenschaftlichen Studien überprüft. Wissenschaftlerinnen des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben untersucht, ob es Belege dafür gibt, dass psychosoziale Unterstützung oder psychotherapeutische Behandlung bei postpartaler Depression helfen.

    Die Wissenschaftlerinnen konnten zehn Studien ausfindig machen, an denen fast 1000 Frauen mit postpartaler Depression teilgenommen hatten. In diesen Studien wurden verschiedene Formen psychotherapeutischer Behandlung angewendet. Sie zeigten, dass eine Psychotherapie im Vergleich zur üblichen Nachsorge nach der Geburt helfen kann, eine postpartale Depression zu beenden:

    • 57 von 100 Frauen, die die übliche Nachsorge bekamen, hatten ein Jahr nach Studienbeginn noch eine Depression.
    • 40 von 100 Frauen, die eine psychotherapeutische Behandlung bekamen, hatten nach einem Jahr noch eine Depression.

    Eine psychotherapeutische Behandlung konnte also bei zusätzlich 17 Frauen die Depression beenden.

    Behandlungsverfahren, deren Wirksamkeit nachgewiesen ist

    In den meisten der analysierten Studien wurden nicht direktive Beratungsgespräche, kognitive Verhaltenstherapie oder interpersonelle Psychotherapie untersucht. Diese Therapien wurden von ausgebildeten Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie geschulten Beraterinnen und Beratern durchgeführt.

    Eine nicht direktive Beratung besteht aus Gesprächen, die Betroffene emotional unterstützen und ihnen dabei keine Ratschläge geben, was sie tun sollen. Eine feste Anzahl an Sitzungen gibt es dabei nicht.

    Eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) umfasst mehrere Sitzungen – in der Regel etwa zehn, aber die Dauer der Behandlung kann schwanken. Das Ziel einer KVT ist, herauszufinden, ob bestimmte Gedanken oder Verhaltensweisen das Leben unnötig erschweren, und sie zu ändern. Bei einer postpartalen Depression geht es unter anderem darum, was dabei im Wege stehen könnte, die Gefühle und Veränderungen zu verarbeiten, die mit dem Muttersein verbunden sind. Hat eine Frau zum Beispiel häufig Gedanken wie: „Ich bin eine schlechte Mutter und werde immer eine schlechte Mutter bleiben“, kann eine KVT ihr dabei helfen, diese Überzeugung zu verändern.

    Eine interpersonelle Psychotherapie umfasst wöchentliche Sitzungen mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten über eine begrenzte Zeit. Diese Behandlung befasst sich sowohl mit den Beschwerden als auch mit bestimmten Aspekten, die wichtiger werden, wenn sich die Rolle im Leben (Mutter sein) und die Beziehung zum Partner und anderen Angehörigen verändert. Deshalb spricht man von „interpersoneller Psychotherapie“. Ziel ist es, eine individuelle Strategie zu entwickeln, um die Probleme anzugehen, die in der Therapie aufgedeckt wurden.

    Studien zu Gruppentherapien und Selbsthilfe wurden nicht ausgewertet. Es gibt auch nicht viel qualitativ hochwertige Forschung zu anderen Formen der Psychotherapie, zum Beispiel solchen, in denen es darum geht, die Vergangenheit aufzuarbeiten.

    Quellen

    Dennis CL, Hodnett E. Psychosocial and psychological interventions for treating postpartum depression. Cochrane Database Syst Rev 2007; (4): CD006116.

    Howard LM, Oram S, Galley H, Trevillion K, Feder G. Domestic violence and perinatal mental disorders: a systematic review and meta-analysis. PLoS Med 2013; 10(5): e1001452.

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Welchen Nutzen hat ein Screening auf schwere kombinierte Immunstörungen (SCID) für Neugeborene?

    Für Neugeborene werden verschiedene Früherkennungsuntersuchungen angeboten. Eine davon ist das sogenannte SCID-Screening: eine Untersuchung auf schwere kombinierte Immunstörungen. Das Screening ist geeignet, bestimmte Immunstörungen zu entdecken.

    Allen Eltern von Neugeborenen werden in Deutschland Früherkennungsuntersuchungen angeboten. Ziel ist, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und so besser behandeln zu können. Früherkennungsuntersuchungen werden auch „Screening“ genannt. Was und wie untersucht wird, ist in Deutschland in der Kinder-Richtlinie festgelegt.

    Beim sogenannten erweiterten Neugeborenen-Screening wird dem Baby am 2. oder 3. Lebenstag etwas Blut entnommen, meist aus der Ferse. Das Blut wird auf eine Filterpapierkarte getropft und auf verschiedene Hormonstörungen und Stoffwechselerkrankungen untersucht. Seit 2019 wird das Blut auch auf schwere kombinierte Immunstörungen getestet. Diese Untersuchung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Zeigen sich bei diesem Screening Auffälligkeiten, werden die Eltern umgehend informiert.

    Schwere kombinierte Immunstörungen und mögliche Folgen

    Der Begriff schwere kombinierte Immunstörungen (schwere kombinierte Immundefekte, kurz SCID) umfasst eine Gruppe angeborener Erkrankungen. Bei diesen Erkrankungen fehlt die körpereigene Immunabwehr aus T-Lymphozyten (oder zusätzlich B-Lymphozyten und natürlichen Killerzellen) vollständig oder sie ist stark vermindert. Ohne diese Abwehrzellen ist es nicht möglich, Krankheitserreger ausreichend zu bekämpfen.

    Kinder mit schwerer kombinierter Immunstörung erkranken bereits in den ersten Lebensmonaten sehr leicht an Infektionen. Sie können den Krankheitserregern nichts entgegensetzen und werden ohne Behandlung häufig nur ein oder zwei Jahre alt. Es wird geschätzt, dass in Deutschland pro Jahr etwa 20 Kinder mit einer schweren kombinierten Immunstörung geboren werden.

    Wird bei einem Kind eine solche Immunstörung entdeckt, muss es vor Krankheitserregern geschützt werden. Dazu sind strenge Hygienemaßnahmen nötig. Außerdem können sie mit Medikamenten wie beispielsweise Antibiotika behandelt werden. Impfungen mit Lebendimpfstoffen dürfen hingegen nicht gegeben werden.

    Um zu ermöglichen, dass die Kinder eine nachhaltige Immunabwehr aufbauen können, können sie eine Knochenmark- oder Stammzelltransplantation erhalten. Ob weitere oder andere Behandlungen infrage kommen, hängt von der jeweiligen Immunerkrankung ab.

    Studienlage zum SCID-Screening

    Das Ziel eines SCID-Screenings ist es, schwere kombinierte Immunstörungen zu entdecken, bevor sich das Kind erstmals ansteckt.

    Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat geprüft, welche Vor- oder Nachteile ein SCID-Screening verbunden mit einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation für Neugeborene hat. Zu dieser Frage fand die Wissenschaftlergruppe des IQWiG jedoch keine aussagefähige Studie.

    Deshalb prüfte die Wissenschaftlergruppe des IQWiG zwei daran angelehnte Fragen:

    • Kann ein SCID-Screening schwere kombinierte Immunstörungen zuverlässig erkennen?
    • Welche Vor- oder Nachteile hat eine Behandlung, bevor erste Beschwerden auftreten?

    Zur ersten Frage fand die Forschergruppe fünf Studien. Diese bestätigen, dass das Screening zwar geeignet ist, schwere kombinierte Immunstörungen zu entdecken. Es ist aber unklar, wie viele dieser Immunstörungen das Screening nicht entdeckt.

    Zur zweiten Frage fand die Forschergruppe drei Studien. Zwei dieser Studien haben untersucht, ob eine frühere und vorbeugende Behandlung – verglichen mit einer späteren – die Sterblichkeit von Kindern mit schwerer kombinierter Immunstörung verringert. Es starben deutlich weniger Neugeborene, wenn sie Antibiotika erhielten, bevor erste Beschwerden auftraten. Die Gabe von Antibiotika konnte Infektionen vorbeugen.

    Vorteile des SCID-Screenings möglich

    Eine Untersuchung zur Früherkennung von schweren kombinierten Immunstörungen ist seit 2019 Teil des erweiterten Neugeborenen-Screenings. Nach ersten Einschätzungen ist es von Vorteil, Neugeborene routinemäßig auf schwere kombinierte Immunstörungen mit stark verminderter T-Lymphozytenzahl zu untersuchen: Ein solches SCID-Screening hilft, schwere kombinierte Immunstörungen zu entdecken, um betroffene Kinder früher vorbeugend behandeln zu können. Eine frühere Behandlung kann die Chance erhöhen, dass die Kinder überleben und sich normal entwickeln.

    Quellen

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern (Kinder-Richtlinie). 19.10.2017.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Screening auf schwere kombinierte Immundeffekte (SCID-Screening) bei Neugeborenen: Abschlussbericht; Auftrag S15-02. 16.11.2016. (IQWiG-Berichte; Band 463).

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Was Studien sagen: Abpumpen von Muttermilch: Sind bestimmte Methoden besser als andere?

    Welche Methode zum Abpumpen von Muttermilch man wählt, hängt stark von den persönlichen Vorlieben ab. Mit einer elektrischen Milchpumpe lässt sich schneller und möglicherweise etwas mehr Milch abpumpen als mit dem Ausstreichen der Brust per Hand. Entspannungsübungen während des Abpumpens könnten die Milchmenge steigern.

    Das Stillen ist aus vielen Gründen wichtig für Babys – unter anderem, weil es die Nähe zwischen Mutter und Kind vertieft und das Risiko einiger Infektionskrankheiten bei Babys verringert. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, im ersten halben Jahr nach der Geburt voll zu stillen – und auch danach weiter zu stillen und das Kind zusätzlich mit Beikost zu füttern.

    Manchmal kann das Baby jedoch nicht an der Brust trinken – zum Beispiel, weil es krank ist oder zu früh geboren wurde und noch nicht kräftig genug ist, an der Brust zu saugen. Außerdem kann die Mutter dem Kind nicht immer die Brust geben, etwa wenn ihre Brustwarzen dafür zu wund sind, sie arbeiten muss oder eine Verabredung wahrnehmen möchte.

    In solchen Situationen kann Milch abgepumpt werden, damit das Baby sie sofort oder später aus dem Fläschchen trinken kann. Das Abpumpen kann außerdem bei einem Milchstau oder einer Brustentzündung nötig sein, um die Beschwerden zu lindern. Es gibt unterschiedliche Methoden: das Ausstreichen der Milch per Hand oder das Abpumpen mit einer Milchpumpe. Milchpumpen gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen: für eine oder beide Brüste, als Handpumpen, batteriebetriebene und elektrische Pumpen. Welche man wählt, hängt davon ab, womit man am besten zurechtkommt.

    Milchpumpen und das Ausstreichen per Hand

    Beim Ausstreichen per Hand wird der Milchfluss in der Brust mit bestimmten Handgriffen angeregt. Außer einem Auffanggefäß ist dazu keinerlei Ausrüstung nötig. Das Ausstreichen kann man selbst ausprobieren oder es von einer Hebamme, einer Stillberaterin oder einer anderen erfahrenen Mutter lernen. Die meisten Frauen brauchen dafür etwas Zeit und Übung.

    Eine Milchpumpe erzeugt einen Unterdruck an der Brustwarze, durch den die Milch aus der Brust gesogen wird. Die einfachsten Milchpumpen sind Handpumpen, bei denen man den Sog mit einem Kolben, Hebel oder Ballon von Hand erzeugt. Auch hier ist oft etwas Übung nötig. Manche Handpumpen können anstrengend zu bedienen sein. Es gibt Handpumpen, die sich mit einer Hand bedienen lassen, sodass man theoretisch zwei auf einmal verwenden kann.

    Außerdem gibt es elektrische Pumpen in unterschiedlichen Größen. Manche Modelle können mit Batterien betrieben werden. Die Pumpen verfügen meist über einen Regler zum Einstellen der Saugkraft. Manche pumpen auch in Intervallen, um so die rhythmischen Saugbewegungen des Babys nachzuahmen.

    Viele elektrische Pumpen können an beiden Brüsten gleichzeitig eingesetzt werden. Sie sind deutlich teurer als Handpumpen. Man kann sie in Deutschland entweder bei der Hebamme oder in der Apotheke und im Sanitätshaus kostengünstig ausleihen. Wenn es einen medizinischen Grund für ihren Einsatz gibt, können Ärztinnen und Ärzte ein Rezept für eine Leihpumpe ausstellen.

    Die Handhabung der Pumpen gelingt nicht immer sofort

    Alle Milchpumpen können unerwünschte Wirkungen haben: Bei manchen Frauen verursachen sie zum Beispiel Schmerzen und Reizungen an der Brustwarze. Hier kann es helfen, mehrere Modelle mit unterschiedlichen Aufsätzen auszuprobieren. Manche Frauen fühlen sich während des Pumpens gestresst und unbehaglich oder haben Probleme mit der Handhabung. Das kann zur Folge haben, dass sie beim Abpumpen weniger Milch erhalten oder ganz damit aufhören. Wenn man mit einer Methode nicht so gut zurechtkommt, kann vielleicht eine erfahrene Freundin, Hebamme oder Stillberaterin helfen.

    Es ist sehr wichtig, dass man sich vor dem Ausstreichen oder Abpumpen die Hände wäscht und die Einzelteile der Pumpe und das Zubehör immer sorgfältig desinfiziert, auskocht oder mit Dampf keimfrei macht. Wichtig ist außerdem, die Milch sofort gut zu kühlen oder einzufrieren, wenn man sie dem Baby nicht sofort geben möchte, damit keine Keime wachsen können. Die Nationale Stillkommission empfiehlt, Muttermilch im Kühlschrank höchstens drei Tage aufzubewahren, tiefgefroren höchstens sechs Monate. Wenn man Milch kühlt oder einfriert, ist es wichtig, die Behälter mit dem Abfülldatum zu versehen, um den Überblick zu behalten.

    Studienergebnisse zu Methoden des Abpumpens

    Wissenschaftlerinnen des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration wollten wissen, welche Methode des Abpumpens von Muttermilch am wirksamsten, sichersten und angenehmsten ist. Deshalb haben sie nach Studien gesucht, die unterschiedliche Methoden des Abpumpens von Muttermilch miteinander verglichen haben. Sie fanden 41 Studien, von denen aber nur 22 Studien mit insgesamt rund 1340 Teilnehmerinnen verwendbare Daten lieferten. Diese Studien fanden unter anderem in den USA, in England, Brasilien, Malaysia und Nigeria statt. Die Teilnehmerinnen wurden nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt, die jeweils unterschiedliche Abpumpmethoden einsetzten. An einigen der 22 Studien nahmen Mütter kurz nach der Geburt teil, deren Kinder zu früh geboren, untergewichtig oder krank waren.

    Sicherheit

    Die Studien deuten darauf hin, dass bakterielle Verunreinigungen der abgepumpten Milch die Ausnahme sind. Auch führte keine der Methoden häufiger zu Verunreinigungen als andere. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass eine der Methoden schmerzhafter sein könnte als andere.

    Milchmenge

    Ob Frauen eine beidseitige elektrische Pumpe nutzten oder die Milch mit der Hand ausstrichen: Die Studien zeigten keinen eindeutigen Vorteil für eine Methode. Sie gaben allerdings keine Auskunft darüber, welche Technik des Ausstreichens per Hand verwendet wurde und ob die Frauen eine gute Einweisung erhalten hatten – was einen großen Einfluss auf den Erfolg haben kann. Auch der Unterschied in der Milchmenge war nicht bedeutsam. Er kann zudem durch Unterschiede zwischen den Frauen bedingt gewesen sein, da jede Frau eine andere Menge Milch abgibt und an den einzelnen Studien nicht sehr viele Frauen teilgenommen hatten. Zwischen den elektrischen Pumpen und einer Handpumpe zeigte sich ebenfalls kein bedeutsamer Unterschied.

    Schnelligkeit

    Eine weitere Forschungsfrage war, welche Methode am schnellsten eine bestimmte Menge Milch liefern kann. Frauen, die eine elektrische Pumpe einsetzten, benötigten weniger Zeit für dieselbe Menge Milch als diejenigen, die eine Handpumpe benutzten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die elektrische Pumpe in der Studie von den Frauen meistens beidseitig eingesetzt wurde, was bei der verwendeten Handpumpe nicht möglich war. Laut den Wissenschaftlerinnen ist jedoch aus anderen Studien bekannt, dass viele Frauen sich unwohl damit fühlen, beide Brüste gleichzeitig abzupumpen.

    Entspannung könnte das Abpumpen erleichtern

    In einzelnen Studien wurde untersucht, ob beispielsweise Musik zur Entspannung, eine Massage der Brust oder wärmende Kompressen Einfluss auf die abgepumpte Milchmenge haben. Die Ergebnisse deuten an, dass diese Methoden das Abpumpen erleichtern und die Milchmenge steigern können.

    Offene Fragen

    Insgesamt waren alle Studien sehr klein und haben nur wenige Geräte untersucht, deshalb ist ihre Aussagekraft eingeschränkt. Hinzu kommt, dass viele der Studien von den Herstellern der untersuchten Pumpen finanziell unterstützt wurden. Um sicher sagen zu können, welche Methode des Abpumpens am sichersten, wirksamsten und angenehmsten ist, ist deshalb mehr unabhängige Forschung nötig.

    Quellen

    Becker GE, Smith HA, Cooney F. Methods of milk expression for lactating women. Cochrane Database Syst Rev 2016; (9): CD006170.

    Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Meine Muttermilch für mein Kind in der Kita oder Tagespflege. Merkblatt für Eltern. 10.05.2015.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

    Während der Schwangerschaft ist eine ausgewogene Ernährung für Mutter und Kind wichtig. Sie hilft, im richtigen Maß zuzunehmen. Aber welche Gewichtszunahme gilt für eine werdende Mutter als „normal”? Kann sie so viel essen, wie sie möchte – und wie verliert sie die zusätzlichen Pfunde nach der Schwangerschaft wieder?

    „Keine Sorge – Sie werden das zusätzliche Gewicht bald wieder los, wenn Sie Ihr Baby stillen!” „Seien Sie vorsichtig – ich habe das zusätzliche Gewicht nach dem zweiten Kind nie wieder verloren.” „Essen Sie, worauf Sie Lust haben – Sie essen schließlich für zwei!“ Wie bei vielen Fragen rund um die Schwangerschaft gibt es auch zum Thema Gewichtszunahme die unterschiedlichsten Meinungen. Angesichts all der widersprüchlichen Ratschläge kann es schwierig sein, sich zurechtzufinden.

    Die meisten Frauen können während der Schwangerschaft einfach ihrem Appetit vertrauen. Sie brauchen keine spezielle Ernährung und können das essen, was ihnen schmeckt und gut bekommt. Für manche Frauen kann es jedoch sinnvoll sein, ihre Ernährung umzustellen und sich mehr zu bewegen. Dazu zählen Frauen, die stark übergewichtig sind, sehr schnell an Gewicht zunehmen oder einen Schwangerschaftsdiabetes haben.

    Während der Schwangerschaft ist eine ausgewogene Ernährung für Mutter und Kind wichtig. Sie hilft, im richtigen Maß zuzunehmen. Aber welche Gewichtszunahme gilt für eine werdende Mutter als „normal”? Kann sie so viel essen, wie sie möchte – und wie verliert sie die zusätzlichen Pfunde nach der Schwangerschaft wieder?

    „Keine Sorge – Sie werden das zusätzliche Gewicht bald wieder los, wenn Sie Ihr Baby stillen!” „Seien Sie vorsichtig – ich habe das zusätzliche Gewicht nach dem zweiten Kind nie wieder verloren.” „Essen Sie, worauf Sie Lust haben – Sie essen schließlich für zwei!“ Wie bei vielen Fragen rund um die Schwangerschaft gibt es auch zum Thema Gewichtszunahme die unterschiedlichsten Meinungen. Angesichts all der widersprüchlichen Ratschläge kann es schwierig sein, sich zurechtzufinden.

    Die meisten Frauen können während der Schwangerschaft einfach ihrem Appetit vertrauen. Sie brauchen keine spezielle Ernährung und können das essen, was ihnen schmeckt und gut bekommt. Für manche Frauen kann es jedoch sinnvoll sein, ihre Ernährung umzustellen und sich mehr zu bewegen. Dazu zählen Frauen, die stark übergewichtig sind, sehr schnell an Gewicht zunehmen oder einen Schwangerschaftsdiabetes haben.

    Welche Gewichtszunahme ist „normal”?

    Eine Schwangerschaft kann viele der alltäglichen Abläufe und Gewohnheiten durcheinanderbringen – auch das, was eine Frau isst und ob und wie sie Sport treibt. Vor allem aber: Der Körper einer Schwangeren verändert sich, damit das Ungeborene ausreichend ernährt und versorgt werden kann. Dies beginnt schon in der frühen Schwangerschaft, macht sich später aber immer deutlicher bemerkbar. In den letzten Schwangerschaftsmonaten nimmt man stärker zu als in den ersten Monaten. Der Grund ist nicht nur das Gewicht des heranwachsenden Kindes. Viel von dem zusätzlichen Gewicht ist Flüssigkeit (Wasser), die der Körper einlagert. Sie wird unter anderem für den zusätzlichen Kreislauf des Babys, für die Plazenta und das Fruchtwasser benötigt.

    Früher haben Mediziner recht strenge Empfehlungen ausgesprochen, nach denen sich die Gewichtszunahme auf wenige Kilo beschränken sollte. Doch es gibt keine bestimmte Gewichtszunahme, die allen Schwangeren gleichermaßen empfohlen werden kann. Deshalb richten sich die Empfehlungen mittlerweile nach dem Gewicht einer Frau vor der Schwangerschaft. So sollte eine kleine, untergewichtige Frau mehr zulegen als eine Frau, die vor ihrer Schwangerschaft Übergewicht hatte.

    Die Maßzahl BMI

    Der Body-Mass-Index (BMI) ist die gängigste Methode, um festzustellen, ob man unter-, normal- oder übergewichtig ist. Er ist eine Maßzahl, die das Verhältnis des Gewichts zur Körpergröße beschreibt. Ein BMI von unter 18,5 gilt als Untergewicht, zwischen 18,5 und 25 als Normalgewicht und zwischen 25 und 30 als Übergewicht. Bei einem BMI ab 30 spricht man von starkem Übergewicht (Fettleibigkeit / Adipositas).

    Der BMI allein ist jedoch nicht aussagekräftig genug, um etwa auf ein erhöhtes Gesundheitsrisiko zu schließen. So ist Übergewicht für viele Menschen völlig unproblematisch – es sei denn, es kommen bestimmte Krankheiten wie zum Beispiel Typ-2-Diabetes hinzu. Bei einem BMI ab 30 (Adipositas) besteht jedoch häufig ein höheres Gesundheitsrisiko.

    Gewicht vor und während der Schwangerschaft

    Das US-amerikanische Institute of Medicine (IOM) gibt Leitlinien heraus, an denen sich Ärztinnen und Ärzte auf der ganzen Welt orientieren. Die IOM-Empfehlungen zum BMI und zur Gewichtszunahme in der Schwangerschaft sind:

    • bei Untergewicht vor der Schwangerschaft (BMI unter 18,5): zwischen 12,5 und 18 kg Gewichtszunahme während der Schwangerschaft.
    • bei Normalgewicht vor der Schwangerschaft (BMI zwischen 18,5 und 24,9): zwischen 11,5 und 16 kg Gewichtszunahme.
    • bei Übergewicht vor der Schwangerschaft (BMI zwischen 25 und 29,9): zwischen 7 und 11,5 kg Gewichtszunahme.
    • bei Adipositas vor der Schwangerschaft (BMI über 30): zwischen 5 und 9 kg Gewichtszunahme während der Schwangerschaft.

    Das Gewicht einer Schwangeren allein sagt aber nichts darüber aus, wie gut es ihrem Kind geht – nicht einmal darüber, wie schnell es gerade wächst. Dies hängt von vielen Faktoren ab. Vor der Geburt lässt sich nicht sicher feststellen, wie viel das Baby am Ende der Schwangerschaft wiegen wird. Ultraschall- und andere Untersuchungen können lediglich Hinweise geben, wie sich das Baby entwickelt und welches Geburtsgewicht es ungefähr haben könnte.

    Kann zu viel oder zu wenig Gewichtszunahme schaden?

    Frauen, die in der Schwangerschaft sehr stark zunehmen, haben ein höheres Risiko für manche Gesundheitsprobleme und Komplikationen während der Geburt. So ist es wahrscheinlicher, dass sie ein sehr großes Kind mit einem Geburtsgewicht über 4000 oder 4500 g bekommen (Makrosomie) und dass ein Kaiserschnitt notwendig wird.

    Außerdem haben sie nach der Geburt eher Probleme damit, das zusätzliche Gewicht wieder zu verlieren.

    Auf der anderen Seite können zu wenig Gewichtszunahme und Unterernährung der Mutter während der Schwangerschaft dem Ungeborenen schaden – häufig wird das Kind dann zu früh geboren oder hat ein zu niedriges Geburtsgewicht.

    Sehr schnelle Gewichtszunahme als Krankheitszeichen

    Bei einem sehr plötzlichen Gewichtsanstieg oder einer regelmäßigen Zunahme von mehr als einem halben Kilogramm pro Woche wird das Gewicht ärztlich oder von einer Hebamme überwacht. Unter Umständen können auch zusätzliche Untersuchungen nötig werden.

    Eine sehr schnelle und hohe Gewichtszunahme (etwa 1 kg in einer Woche) kann ein Zeichen für gesundheitliche Probleme sein, beispielsweise für eine Präeklampsie. Diese schwangerschaftsbedingte Erkrankung macht sich vor allem durch Bluthochdruck bemerkbar, manchmal auch durch Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel. Eine Präeklampsie kann für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden und muss rasch ärztlich behandelt werden.

    Eine stärkere Gewichtszunahme kann ein Risikofaktor, aber auch ein Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) sein. Dabei erhöht sich der Blutzuckerspiegel bei einer Frau, die bisher keine Diabetes-Erkrankung hatte. Ein Schwangerschaftsdiabetes erhöht das Risiko für eine Präeklampsie und kann zu einer übermäßigen Gewichtszunahme des Ungeborenen führen. Wird das Kind sehr groß und schwer, kann sich die Geburt verzögern und eine natürliche Geburt schwierig werden.

    Wann hat es Vorteile, nicht zu viel zuzunehmen?

    Ob es bestimmte Risiken senkt, während der Schwangerschaft besonders auf die Ernährung und mehr Bewegung zu achten, hängt unter anderem davon ab, ob eine Frau übergewichtig ist oder einen Schwangerschaftsdiabetes hat. Für normalgewichtige Frauen ergeben Studien keine gesundheitlichen Vorteile.

    Frauen mit starkem Übergewicht (BMI über 30) dagegen können ihr Risiko für Schwangerschaftsdiabetes verringern, wenn sie ihre Ernährung umstellen und sich mehr bewegen. Die bisherigen Studien konnten jedoch nicht zeigen, dass dadurch auch das Risiko für Geburtskomplikationen sinkt oder sich Kaiserschnitte vermeiden lassen.

    Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes wird empfohlen, ihre Ernährung umzustellen, um ihren Blutzuckerspiegel zu senken. Dies kann das Risiko für Komplikationen bei der Geburt senken.

    Ernährungsumstellung und Bewegung in der Schwangerschaft

    Da Kohlenhydrate den Blutzucker erhöhen, wird bei starkem Übergewicht oder Schwangerschaftsdiabetes meist empfohlen, weniger Kohlenhydrate, aber ausreichend Ballaststoffe zu sich zu nehmen und ansonsten auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Häufig wird auch zu drei nicht zu üppigen Hauptmahlzeiten und zwei bis drei kleineren Zwischenmahlzeiten geraten.

    Wie die Ernährung genau umgestellt werden kann, hängt unter anderem davon ab, wie viel eine Frau wiegt und sich bewegt. Um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden, kann eine spezielle Ernährungsberatung sinnvoll sein. Denn der Körper braucht während der Schwangerschaft ausreichend Kalorien und wichtige Nährstoffe, weshalb zum Beispiel von einer kalorienarmen Diät abgeraten wird.

    Es kann ausreichen, sich an etwa drei bis vier Tagen die Woche für mindestens 30 Minuten körperlich stärker zu belasten. Geeignete Sportarten können zum Beispiel Gymnastik, Schwimmen, Radfahren oder Walking (zügiges Gehen) sein. Bei erhöhtem Risiko für eine Frühgeburt kommt Sport allerdings meist gar nicht infrage. Im Zweifel ist es am besten, die Frauenärztin oder den Frauenarzt um Rat zu fragen.

    Wie können Schwangere mit Untergewicht genug zunehmen?

    Wenn eine Frau mit Untergewicht schwanger wird und es ihr schwerfällt zuzunehmen, bespricht sie dies am besten mit ihrer Ärztin, ihrem Arzt oder ihrer Hebamme. Studien weisen außerdem darauf hin, dass eine Ernährungsberatung dabei helfen kann, zuzunehmen und das Risiko für eine Frühgeburt zu verringern.

    Manchen untergewichtigen Frauen können proteinhaltige Nahrungsergänzungsmittel dabei helfen, zuzunehmen. Dadurch sinkt das Risiko für ein zu niedriges Geburtsgewicht des Kindes und auch das Risiko für eine Fehlgeburt. Aber Vorsicht: Stark proteinhaltige Nahrungsergänzungsmittel mit mehr als 25 % Protein haben anscheinend keinen Nutzen. Zudem gibt es Hinweise, dass diese sehr proteinhaltigen Mittel das Wachstum des Babys beeinträchtigen können. Deshalb ist es wichtig, auf eine ausgewogene Mischung der Nährstoffe zu achten. „Viel hilft viel“ ist nicht die richtige Strategie.

    Lassen sich Dehnungsstreifen vermeiden, wenn man aufs Gewicht achtet?

    Auf diese Frage gibt es bisher keine eindeutige Antwort. Es gibt zwar viele Theorien dazu, was Dehnungsstreifen verursacht und was helfen könnte. Doch keine davon ist durch gute Forschungsergebnisse belegt.

    Ob eine Frau Dehnungsstreifen bekommt, hängt nicht nur davon ab, wie viel sie zunimmt. So können sehr plötzliche und starke Gewichtsschwankungen mehr Dehnungsstreifen verursachen als eine allmähliche Zunahme. Es ist aber unklar, ob man Dehnungsstreifen dadurch vorbeugen kann, dass man sein Gewicht niedrig hält.

    Gewichtsabnahme nach der Geburt

    Bei vielen Müttern dauert es eine Weile, bis sie wieder in etwa das Gewicht erreichen, das sie vor der Schwangerschaft hatten. Für manche Frauen reicht es aus, zu stillen und sich um das Baby zu kümmern, damit das in der Schwangerschaft zugenommene Gewicht dahinschmilzt: Offenbar können sie die gespeicherten Reserven nutzen, um die ersten Wochen und Monate der Mutterschaft gut zu überstehen.

    Die meisten Frauen nähern sich ihrem alten Gewicht aber erst etwa sechs Monate nach der Geburt wieder an. Bei Frauen, die nicht abnehmen oder sogar noch zunehmen, kann sich das Risiko für Gesundheitsprobleme erhöhen. Bei der nächsten Schwangerschaft können sich diese Probleme noch verstärken.

    Die beste Möglichkeit, Gewicht zu verlieren, ist eine Kombination aus Ernährungsumstellung und zusätzlicher körperlicher Bewegung. Sport allein bewirkt vermutlich nur wenig. Programme zur Veränderung von Ess- und Lebensgewohnheiten versuchen, eine Gewichtsabnahme zu erreichen. In den Studien zu solchen Programmen begannen die Frauen ein bis zwei Monate nach der Geburt damit, manchmal auch später. Direkt nach der Geburt benötigen Frauen ausreichend Nährstoffe für das Stillen – dies ist keine günstige Zeit, um zu versuchen, gezielt abzunehmen.

    Eine übermäßige oder allzu plötzliche Gewichtsabnahme kann Nachteile haben. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen einer zu strengen oder einseitigen Diät nach der Geburt eines Kindes gehört, dass die Muttermilch weniger wird oder weniger Nährstoffe enthält.

    Wie fühlen sich Frauen in der Schwangerschaft und danach mit ihrem Gewicht?

    Frauen werden ständig mit (meist zusätzlich bearbeiteten) Bildern von Models als Schönheitsideal konfrontiert. Diesem Ideal folgen auch Bilder von Schwangeren. Das macht es für viele Frauen schwierig, mit ihrer Figur zufrieden zu sein, und es kann ihr Selbstbild und ihre Freude am eigenen Körper beeinträchtigen. Medienberichte darüber, wie rasch Stars und Prominente ihre Vor-Schwangerschafts-Figur wieder erreicht haben, können zusätzlichen Druck auf Schwangere und Mütter ausüben. Jede Frau muss jedoch während der Schwangerschaft zunehmen – und keine kann davon ausgehen, schon einige Wochen nach der Geburt ihr altes Gewicht wieder zu erreichen.

    Andererseits ist die Schwangerschaft für viele Frauen eine Zeit, in der sie ihren Bauch, ihre Kurven und das werdende Leben in sich einfach genießen – und sich eine Auszeit von der ständigen Sorge um ihre Kleidergröße nehmen können. Das kann eine der wirklich angenehmen Seiten einer Schwangerschaft sein.

    Ein Problem entsteht höchstens dann, wenn sich eine Frau sehr weit von ihrem normalen Gewicht und ihren Ernährungsgewohnheiten entfernt: Dann kann es schwer sein, zu ihrem gesünderen Gewicht und Lebensstil „vor dem Baby“ zurückzukehren. Frauen, die während der Schwangerschaft nicht stärker übergewichtig werden, fällt es wahrscheinlich später leichter, wieder zu ihrem Normalgewicht zurückzukehren. Frauen müssen aber nicht dünn sein, um glücklich und gesund zu sein und ein gesundes Baby zu haben.

    Quellen

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    Mehr Wissen: Was hilft gegen Übelkeit in der Schwangerschaft?

    Gängige Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen werden oft auch in der Schwangerschaft eingesetzt, ebenso Ingwer. Die Wirksamkeit der meisten Mittel ist jedoch bei Schwangeren kaum untersucht.

    In der Frühschwangerschaft sind Übelkeit und Erbrechen häufig: Mindestens die Hälfte aller Frauen hat in den ersten Monaten der Schwangerschaft damit zu tun. Man spricht von Morgenübelkeit, weil die Beschwerden morgens oft am stärksten sind. Manchmal dauern sie aber auch den ganzen Tag an. Übelkeit und Erbrechen können für einige Wochen stark belastend sein, haben aber normalerweise keine Folgen für Mutter und Kind. Meist ist es sogar ein Zeichen dafür, dass sich das Ungeborene gut entwickelt.

    Warum eine Schwangerschaft so oft mit Übelkeit einhergeht, ist nicht sicher geklärt. Man vermutet, dass die hormonelle Umstellung eine wichtige Rolle spielt. Ob Stress oder seelische Probleme die Beschwerden auslösen oder verstärken können, ist unklar.

    Gewöhnlich beginnt die Übelkeit zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche und klingt um die 16. Woche ab. Bei manchen Frauen hält sie auch länger an. Übelkeit und Erbrechen werden vor allem dann zum Problem, wenn man sich extrem unwohl fühlt und es schwerfällt, sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Starke Übelkeit kann aber auch auf Erkrankungen wie Magen-Darm-Infekte, Migräne oder Erkrankungen der Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse hinweisen.

    Etwa eine von 100 Frauen erlebt eine besonders starke Form der Schwangerschaftsübelkeit mit häufigem und heftigem Erbrechen. Die sogenannte Hyperemesis gravidarum kann zu Gewichts- und Flüssigkeitsverlusten führen, die auch das Kind gefährden können. Deshalb ist meist eine Behandlung im Krankenhaus nötig.

    Gängige Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen werden oft auch in der Schwangerschaft eingesetzt, ebenso Ingwer. Die Wirksamkeit der meisten Mittel ist jedoch bei Schwangeren kaum untersucht.

    In der Frühschwangerschaft sind Übelkeit und Erbrechen häufig: Mindestens die Hälfte aller Frauen hat in den ersten Monaten der Schwangerschaft damit zu tun. Man spricht von Morgenübelkeit, weil die Beschwerden morgens oft am stärksten sind. Manchmal dauern sie aber auch den ganzen Tag an. Übelkeit und Erbrechen können für einige Wochen stark belastend sein, haben aber normalerweise keine Folgen für Mutter und Kind. Meist ist es sogar ein Zeichen dafür, dass sich das Ungeborene gut entwickelt.

    Warum eine Schwangerschaft so oft mit Übelkeit einhergeht, ist nicht sicher geklärt. Man vermutet, dass die hormonelle Umstellung eine wichtige Rolle spielt. Ob Stress oder seelische Probleme die Beschwerden auslösen oder verstärken können, ist unklar.

    Gewöhnlich beginnt die Übelkeit zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche und klingt um die 16. Woche ab. Bei manchen Frauen hält sie auch länger an. Übelkeit und Erbrechen werden vor allem dann zum Problem, wenn man sich extrem unwohl fühlt und es schwerfällt, sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Starke Übelkeit kann aber auch auf Erkrankungen wie Magen-Darm-Infekte, Migräne oder Erkrankungen der Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse hinweisen.

    Etwa eine von 100 Frauen erlebt eine besonders starke Form der Schwangerschaftsübelkeit mit häufigem und heftigem Erbrechen. Die sogenannte Hyperemesis gravidarum kann zu Gewichts- und Flüssigkeitsverlusten führen, die auch das Kind gefährden können. Deshalb ist meist eine Behandlung im Krankenhaus nötig.

    Welche nicht medikamentösen Maßnahmen helfen?

    Viele Frauen versuchen, ihre Übelkeit ohne die Einnahme von Medikamenten in den Griff zu bekommen. Viele reagieren besonders auf spezielle Auslöser wie bestimmte Gerüche und Nahrungsmittel, stressige Situationen, Hitze oder Geräusche. Es kann helfen, darauf zu achten, wann Probleme auftreten und ob Auslöser erkennbar sind – und diese dann zu meiden.

    Manchen Frauen hilft es, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, viel zu trinken und fettarm zu essen. Zur Frage, ob bestimmte Ernährungsweisen oder Änderungen des Lebensstils Übelkeit und Erbrechen in der Frühschwangerschaft lindern können, gibt es aber noch keine sicheren Erkenntnisse.

    Um den Flüssigkeitsverlust bei einer starken Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum) auszugleichen, werden im Krankenhaus Infusionen gegeben. Betroffene Frauen verzichten dann meist für einige Tage auf feste Nahrung. Ob eine bestimmte Diät oder andere Lebensstiländerungen speziell bei starker Schwangerschaftsübelkeit helfen könnten, ist kaum untersucht.

    Wie gut helfen Medikamente und pflanzliche Präparate?

    Es gibt nur wenige Studien, die die Wirksamkeit von Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen bei Schwangeren untersucht haben. Das liegt unter anderem daran, dass aus Vorsicht kaum klinische Studien mit Schwangeren durchgeführt werden, um dem Kind nicht zu schaden.

    Gängige Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen sind:

    • Dimenhydrinat: Dieser Wirkstoff wird häufig bei Übelkeit und Erbrechen angewendet. Ob er auch in der Schwangerschaft hilft, ist kaum untersucht.
    • Metoclopramid: Dieser Wirkstoff regt die Magen-Darm-Bewegung an und ist ein gängiges Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen. Ob das Medikament auch gegen Übelkeit in der Schwangerschaft hilft, wurde bisher nicht ausreichend untersucht.
    • Vitamin B6: kann die Übelkeit etwas lindern. Ob es auch Erbrechen vorbeugt, ist unklar.
    • Doxylamin: ein älteres Medikament gegen Allergien (Antihistaminikum). Da es müde macht, wird es vor allem als Schlafmittel verwendet. Studien zeigen, dass es in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie Vitamin B6 Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft lindern kann. In Deutschland sind diese Kombinationen jedoch derzeit nicht auf dem Markt. Erhältlich sind aber Präparate, die nur Doxylamin enthalten. Ob diese Präparate ebenfalls die Beschwerden lindern, ist nicht untersucht.
    • Promethazin: Dieser Wirkstoff wird in erster Linie zur Behandlung von Unruhe- und Erregungszuständen verwendet, ist aber auch gegen Übelkeit und Erbrechen zugelassen. Bei Schwangeren ist die Wirksamkeit jedoch nicht ausreichend untersucht.

    Keines dieser Medikamente ist ausdrücklich zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft zugelassen. Sie können aber im Rahmen des sogenannten „Off-Label-Use“ verschrieben werden. Dann ist es besonders wichtig, sich zu den Wirkungen und Nebenwirkungen ärztlich beraten zu lassen.

    Eine Alternative sind pflanzliche Mittel mit Ingwer. Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Ingwerprodukte die Beschwerden bei Schwangeren lindern können. Dazu zählen Ingwerkapseln und Ingwersirup (mit 250 mg Ingwer pro Dosis), die drei- oder viermal am Tag eingenommen werden. Ob die Anwendung von Ingwertee oder größeren Mengen Ingwer in der Nahrung eine Wirkung hat, ist unklar.

    Es gibt keinen Beleg, dass pflanzliche Präparate mit Kamille, Himbeerblättern oder Pfefferminze die Beschwerden bessern.

    Es gibt nur wenige Studien, die geprüft haben, wie gut einige der oben genannten Medikamente speziell bei starker Schwangerschaftsübelkeit helfen. Deshalb lässt sich ihre Wirkung schlecht beurteilen. Pflanzliche Mittel wie Ingwer wurden bislang gar nicht in Studien untersucht.

    Wie sicher sind die Mittel?

    In einigen Studien wurde untersucht, ob Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen das Risiko für Fehlgeburten oder Fehlbildungen der Kinder erhöhen. Bisher gibt es dafür aber keine Hinweise, solange die Mittel vorübergehend in der empfohlenen Dosis eingenommen werden.

    Je nach Präparat können unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten. Ingwer kann zu Sodbrennen führen, ist aber meist gut verträglich. Die älteren Antihistaminika wie Doxylamin machen sehr müde und können auch Benommenheit oder Schwindel auslösen. Metoclopramid wirkt auf das Nervensystem und kann unter Umständen zu Bewegungsstörungen führen. Aus diesem Grund wurden im Jahr 2014 Präparate mit einer höheren Metoclopramid-Dosis vom Markt genommen. Vitamin B6 wird meist gut vertragen.

    Wie gut helfen Behandlungen der „Alternativmedizin“?

    Viele schwangere Frauen probieren auch Behandlungen der sogenannten Alternativ- oder Komplementärmedizin aus. Häufig wird zum Beispiel Akupressur empfohlen, etwa in Form von „Akupressurbändern“ für das Handgelenk, die sanften Druck auf bestimmte Punkte ausüben sollen. Zur Wirkung von Akupressur gibt es bislang nur widersprüchliche Studienergebnisse – manche sprechen für eine Wirkung, andere nicht. Für die Akupunktur fehlen Belege dafür, dass sie hilft. Das gilt auch für homöopathische Mittel. Zum Nutzen alternativmedizinischer Verfahren bei starker Schwangerschaftsübelkeit fehlen Studien.

    Quellen

    Boelig RC, Barton SJ, Saccone G, Kelly AJ, Edwards SJ, Berghella V. Interventions for treating hyperemesis gravidarum. Cochrane Database Syst Rev 2016; (5): CD010607.

    Embryotox. Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit. 20.06.2017.

    Festin M. Nausea and vomiting in early pregnancy. BMJ Clin Evid 2014: pii: 1405.

    Jarvis S, Nelson-Piercy C. Management of nausea and vomiting in pregnancy. BMJ 2011; 342: d3606.

    Matthews A, Haas DM, O'Mathúna DP, Dowswell T. Interventions for nausea and vomiting in early pregnancy. Cochrane Database Syst Rev 2015; (9): CD007575.

    O'Donnell A, McParlin C, Robson SC, Beyer F, Moloney E, Bryant A et al. Treatments for hyperemesis gravidarum and nausea and vomiting in pregnancy: a systematic review and economic assessment. Health Technol Assess 2016; 20(74): 1-268.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: HIV-Test in der Schwangerschaft

    Diese Information erläutert, warum allen Schwangeren in Deutschland ein HIV-Test angeboten wird. Sie soll Sie bei Ihrem Beratungsgespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin unterstützen. Bei weitergehenden Fragen können Sie sich auch an Beratungsstellen, zum Beispiel bei Ihrem Gesundheitsamt, oder an die örtliche AIDS-Hilfe wenden.

    Die wichtigsten Informationen vorab:

    • HIV kann während der Schwangerschaft, bei der Geburt und später durch die Muttermilch auf das Kind übertragen werden.
    • Die frühzeitige Feststellung einer HIV-Infektion ist wichtig. Durch eine rechtzeitige Behandlung besteht eine sehr gute Aussicht, eine Ansteckung des Kindes zu verhindern. Aber auch wenn eine Ansteckung erst später in der Schwangerschaft festgestellt wird, kann eine Behandlung das Kind immer noch schützen.
    • Ein anonymer HIV-Test ist möglich.

    Sie haben Anspruch auf einen HIV-Test. Sie haben aber selbstverständlich das Recht, einen HIV-Test abzulehnen.

    Diese Information erläutert, warum allen Schwangeren in Deutschland ein HIV-Test angeboten wird. Sie soll Sie bei Ihrem Beratungsgespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin unterstützen. Bei weitergehenden Fragen können Sie sich auch an Beratungsstellen, zum Beispiel bei Ihrem Gesundheitsamt, oder an die örtliche AIDS-Hilfe wenden.

    Die wichtigsten Informationen vorab:

    • HIV kann während der Schwangerschaft, bei der Geburt und später durch die Muttermilch auf das Kind übertragen werden.
    • Die frühzeitige Feststellung einer HIV-Infektion ist wichtig. Durch eine rechtzeitige Behandlung besteht eine sehr gute Aussicht, eine Ansteckung des Kindes zu verhindern. Aber auch wenn eine Ansteckung erst später in der Schwangerschaft festgestellt wird, kann eine Behandlung das Kind immer noch schützen.
    • Ein anonymer HIV-Test ist möglich.

    Sie haben Anspruch auf einen HIV-Test. Sie haben aber selbstverständlich das Recht, einen HIV-Test abzulehnen.

    Was ist HIV?

    Das HI-Virus („Humanes Immunschwäche-Virus“) befällt Zellen des Abwehrsystems des Körpers und zerstört sie. Die meisten Menschen mit HIV haben über Jahre kaum Beschwerden. Wenn das Virus das Immunsystem aber stark geschwächt hat, treten schwere Erkrankungen auf. Diese Phase wird als „AIDS“ (deutsch: „Erworbenes Immunschwäche-Syndrom“) bezeichnet. Eine lebenslange Behandlung mit Medikamenten kann verhindern, dass HIV zu AIDS führt. Eine Heilung von HIV und AIDS ist momentan nicht möglich.

    Frauen stecken sich meistens durch ungeschützten sexuellen Kontakt an, bei dem Samenflüssigkeit oder Blut in den Körper gelangt. Auch beim gemeinsamen Benutzen von Spritzen oder Injektionsnadeln kann HIV übertragen werden.

    Warum wird mir ein HIV-Test angeboten?

    In Deutschland sind nur wenige Schwangere mit HIV infiziert. Aber es kommt vor, dass eine Frau nicht weiß, dass sie sich angesteckt hat.

    Es ist wichtig zu wissen, ob eine HIV-Infektion besteht, denn das Virus kann auf das Kind übertragen werden. Wenn eine Schwangere HIV hat, kann sie eine Ansteckung ihres Kindes wirksam verhindern, wenn sie während der gesamten Schwangerschaft Medikamente einnimmt. Das Risiko für eine Übertragung sinkt dann auf unter 1 %. Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten sind so gut, dass eine Mutter mit HIV oft ohne Beschwerden leben und so auch für ihr Kind da sein kann.

    Falls ich HIV habe, wie kann ich mein Kind schützen?

    Die Gefahr einer HIV-Übertragung auf das Kind ist sehr gering, wenn

    1. Sie während der Schwangerschaft Medikamente einnehmen, die HIV bekämpfen. Bei einer erfolgreichen Behandlung sinkt die Zahl der Viren so stark, dass sie im Blut nicht mehr nachweisbar sind.
    2. die Art der Entbindung angepasst wird: Wenn die Behandlung erfolgreich war, ist eine normale Geburt möglich. Wenn Sie keine Medikamente nehmen oder sie nicht ausreichend wirken, kann ein Kaiserschnitt das Übertragungsrisiko verringern.
    3. Sie nach der Geburt darauf verzichten, das Kind zu stillen. Ihre Muttermilch kann HIV enthalten, außerdem Reste der Medikamente. Deshalb darf das Kind auch keine abgepumpte Muttermilch bekommen. Handelsübliche Fertigmilch ist eine sichere Alternative.
    4. das Kind nach der Geburt behandelt wird.

    Kann ich mich auch in der Schwangerschaft mit HIV infizieren?

    Eine HIV-Infektion ist auch während der Schwangerschaft möglich. Bei sexuellen Kontakten sind Kondome ein guter Schutz.

    Gibt es Bedenken bei einem HIV-Test?

    Für die meisten Frauen ist ein HIV-Test nur ein Test unter vielen in der Schwangerschaft. Die Entscheidung für einen HIV-Test fällt jedoch nicht immer leicht und kann Ängste auslösen. Die Wartezeit bis zum Testergebnis kann als belastend erlebt werden. Bei Bedenken oder Sorgen können Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, aber auch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Beratungsstellen sprechen – auf Wunsch auch anonym.

    Wer mit HIV infiziert ist und dies weiß, muss mit Nachteilen rechnen, zum Beispiel beim Abschluss einer (Lebens-)Versicherung. Unabhängig davon, ob Sie den Test durchführen lassen und welches Ergebnis er hat, wirkt sich das aber zum Beispiel nicht auf Ihren gesetzlichen Krankenversicherungsstatus oder den Aufenthaltsstatus als Migrantin in Deutschland aus.

    Wer erfährt von dem Test?

    Ihr Arzt oder Ihre Ärztin teilt Ihnen das Testergebnis in einem vertraulichen Gespräch mit. Ärzte, Ärztinnen und ihr Personal unterliegen der Schweigepflicht. Arbeitgeber oder andere Stellen werden über das Ergebnis nicht informiert.

    Sie alleine entscheiden, wer von dem Test und seinem Ergebnis erfährt. Nur mit Ihrem Einverständnis wird es an andere Ärztinnen oder Ärzte übermittelt.

    Die HIV-Beratung wird im Mutterpass dokumentiert – aber nicht, ob Sie einen HIV-Test gemacht haben und wie sein Ergebnis war.

    Kann ich mich anonym testen lassen?

    Sie können sich auch anonym testen lassen. Dies ist zum Beispiel in einer Arztpraxis, in Kliniken mit einer HIV-Ambulanz, beim Gesundheitsamt, bei manchen AIDS-Beratungsstellen oder einem Tropeninstitut möglich.

    Was passiert bei einem HIV-Test?

    Für einen HIV-Test wird eine Blutprobe entnommen und in einem Labor untersucht. Beim Test kann das Virus nur entdeckt werden, wenn im Blut Zeichen dafür vorhanden sind, dass der Körper schon gegen die Infektion kämpft. Normalerweise kann HIV spätestens drei Monate nach der Ansteckung im Blut nachgewiesen werden.

    Ein Testergebnis wird als „positiv“ bezeichnet, wenn Viren im Blut nachgewiesen wurden. Mit dem Ausdruck „HIV-positiv“ ist gemeint, dass ein Mensch HIV im Blut hat.

    Wenn Sie meinen, dass Sie sich mit HIV angesteckt haben könnten, zum Beispiel durch einen ungeschützten sexuellen Kontakt, können Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wenden, um einen oder mehrere Test-Zeitpunkte zu vereinbaren. Der Test ist sehr genau.

    Was kostet der HIV-Test?

    Die Kosten für einen HIV-Test in einer Arztpraxis werden während der Schwangerschaft von den Krankenkassen übernommen. Wenn Sie einen Test anonym durchführen lassen wollen, kann dies mit geringen Kosten für Sie verbunden sein.

    Wo bekomme ich weitere Informationen?

    Für weitere Informationen können Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt, an Ihr Gesundheitsamt oder die örtliche AIDS-Hilfe wenden.

    Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet unter der Nummer 01805 / 555 444 eine anonyme Telefonberatung an.

    Über die Website der BZgA können Sie auch Beratungsstellen finden und sich auch anonym im Internet beraten lassen: www.aidsberatung.de

    Quellen

    Chou R, Smits AK, Huffman LH, Fu R, Korthuis PT, US Preventive Services Task Force. Prenatal screening for HIV: A review of the evidence for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med 2005; 143(1): 38-54.

    Chou R, Cantor A, Bougatsos C, Zakher B. Screening for HIV in pregnant women: Systematic review to update the U.S. Preventive Services Task Force Recommendation. 11.2012. (AHRQ Evidence Syntheses).

    Coutsoudis A, Dabis F, Fawzi W, Gaillard P et al. Late postnatal transmission of HIV-1 in breast-fed children: an individual patient data meta-analysis.

    Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) et al. HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen. S2k-Leitlinie. AWMF-Registernr.: 055-002. 05.2014.

    Forbes JC, Alimenti AM, Singer J, Brophy JC, Bitnun A, Samson LM et al. A national review of vertical HIV transmission. AIDS 2012; 26(6): 757-763.

    Horvath T, Madi BC, Iuppa IM, Kennedy GE, Rutherford G, Read JS. Interventions for preventing late postnatal mother-to-child transmission of HIV. Cochrane Database Syst Rev 2009; (1): CD006734.

    Read JS, Newell MK. Efficacy and safety of cesarean delivery for prevention of mother-to-child transmission of HIV-1. Cochrane Database Syst Rev 2005; (4): CD005479.

    Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber für Ärzte. HIV/AIDS. 20.12.2013.

    Siegfried N, van der Merwe L, Brocklehurst P, Sint TT. Antiretrovirals for reducing the risk of mother-to-child transmission of HIV infection. Cochrane Database Syst Rev 2011; (7): CD003510.

    Sturt AS, Dokubo EK, Sint TT. Antiretroviral therapy (ART) for treating HIV infection in ART-eligible pregnant women. Cochrane Database Syst Rev 2010; (3): CD008440.

    World Health Organization (WHO). Antiretroviral drugs for treating pregnant women and preventing HIV infection in infants. Recommendations for a public health approach (2010 version). Genf: WHO Press; 2010.

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    Mehr Wissen: Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft

    Viele schwangere Frauen und ihre Partner freuen sich auf die Ultraschalluntersuchungen. Doch „das erste Bild vom Kind“ ist natürlich nicht der Grund, warum allen Schwangeren in Deutschland Ultraschalluntersuchungen angeboten werden. Sie sollen vielmehr feststellen, ob die Schwangerschaft normal verläuft und ob sich das Kind normal entwickelt.

    In Deutschland werden gesetzlich krankenversicherten Schwangeren normalerweise drei sogenannte Basis-Ultraschalluntersuchungen als kostenlose Leistungen angeboten. Sie werden im Mutterpass mit dem englischen Begriff für Reihenuntersuchung als „Screening“ bezeichnet.

    Die Basis-Ultraschalluntersuchungen sollen vor allem abschätzen, ob die Schwangerschaft und die Entwicklung des Kindes normal verlaufen. Das ist die Regel: Von 100 Schwangeren bringen 96 bis 98 ein gesundes Kind zur Welt. Manchmal zeigen sich beim Ultraschall aber Auffälligkeiten, die dann weitere Untersuchungen nach sich ziehen – und möglicherweise auch schwierige Entscheidungen.

    Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, vor dem Ultraschall über die Vor- und Nachteile aufzuklären. Zur Unterstützung der Aufklärung hat der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) eine ausführliche Informationsbroschüre veröffentlicht. Jede Schwangere kann auf eine oder alle Ultraschalluntersuchungen verzichten, ohne Gründe anzugeben. Ein Verzicht hat auch keine Folgen für den Versicherungsschutz.

    Ob eine Schwangere die Ultraschallbilder sehen möchte und welche Ergebnisse mitgeteilt werden sollen, bespricht sie am besten vor der Untersuchung mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt. Wenn man zum Beispiel das Geschlecht des Kindes oder bestimmte Befunde nicht erfahren möchte, ist es wichtig, das vor der Untersuchung deutlich zu machen.

    Viele schwangere Frauen und ihre Partner freuen sich auf die Ultraschalluntersuchungen. Doch „das erste Bild vom Kind“ ist natürlich nicht der Grund, warum allen Schwangeren in Deutschland Ultraschalluntersuchungen angeboten werden. Sie sollen vielmehr feststellen, ob die Schwangerschaft normal verläuft und ob sich das Kind normal entwickelt.

    In Deutschland werden gesetzlich krankenversicherten Schwangeren normalerweise drei sogenannte Basis-Ultraschalluntersuchungen als kostenlose Leistungen angeboten. Sie werden im Mutterpass mit dem englischen Begriff für Reihenuntersuchung als „Screening“ bezeichnet.

    Die Basis-Ultraschalluntersuchungen sollen vor allem abschätzen, ob die Schwangerschaft und die Entwicklung des Kindes normal verlaufen. Das ist die Regel: Von 100 Schwangeren bringen 96 bis 98 ein gesundes Kind zur Welt. Manchmal zeigen sich beim Ultraschall aber Auffälligkeiten, die dann weitere Untersuchungen nach sich ziehen – und möglicherweise auch schwierige Entscheidungen.

    Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, vor dem Ultraschall über die Vor- und Nachteile aufzuklären. Zur Unterstützung der Aufklärung hat der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) eine ausführliche Informationsbroschüre veröffentlicht. Jede Schwangere kann auf eine oder alle Ultraschalluntersuchungen verzichten, ohne Gründe anzugeben. Ein Verzicht hat auch keine Folgen für den Versicherungsschutz.

    Ob eine Schwangere die Ultraschallbilder sehen möchte und welche Ergebnisse mitgeteilt werden sollen, bespricht sie am besten vor der Untersuchung mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt. Wenn man zum Beispiel das Geschlecht des Kindes oder bestimmte Befunde nicht erfahren möchte, ist es wichtig, das vor der Untersuchung deutlich zu machen.

    Welche Basis-Ultraschalluntersuchungen gibt es in der Schwangerschaft?

    Frauen, die in Deutschland gesetzlich krankenversichert sind und nicht als Risikoschwangere gelten, werden drei Basis-Ultraschalluntersuchungen angeboten. Sie liefern grundlegende Informationen über den Schwangerschaftsverlauf und die Entwicklung des Kindes.

    Während der Untersuchungen schaut die Frauenärztin oder der Frauenarzt nach der Lage des Mutterkuchens (Plazenta) und der Menge des Fruchtwassers. Die Größe des Kindes wird gemessen und im Mutterpass in einer Wachstumskurve dokumentiert. Die Untersuchungsergebnisse können dabei helfen, die Geburt vorzubereiten.

    Sollte ein Ultraschall auf Auffälligkeiten hindeuten oder zu unklaren Ergebnissen führen, können diese durch weiterführende Untersuchungen abgeklärt werden.

    9. bis 12. Schwangerschaftswoche: 1. Basis-Ultraschalluntersuchung

    Der erste Basis-Ultraschall dient vor allem dazu, die Schwangerschaft zu bestätigen. Es wird geprüft, ob sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet und zu einem Embryo oder Fötus entwickelt hat. In den ersten Schwangerschaftswochen spricht man von einem Embryo, nach der 10. Woche von einem Fötus.

    Beim ersten Ultraschall können bereits die Körperlänge oder der Durchmesser des Kopfes gemessen werden. Die Ergebnisse helfen dabei, die Schwangerschaftswoche und den voraussichtlichen Geburtstermin zu schätzen. Die Ärztin oder der Arzt kontrolliert auch, ob ein Herzschlag feststellbar ist und ob es sich um Mehrlinge handelt.

    19. bis 22. Schwangerschaftswoche: 2. Basis-Ultraschalluntersuchung

    Beim zweiten Ultraschall können Schwangere zwischen zwei Alternativen wählen:

    1. der „Basis-Ultraschalluntersuchung“ und
    2. der „erweiterten Basis-Ultraschalluntersuchung“.

    Bei der Basis-Ultraschalluntersuchung werden die Größe von Kopf und Bauch des Kindes sowie die Länge des Oberschenkelknochens gemessen. Außerdem wird die Position der Plazenta in der Gebärmutter beurteilt. Wenn die Plazenta zum Beispiel besonders tief sitzt, können bei der weiteren Betreuung und für die Geburt besondere Vorkehrungen nötig werden.

    Beim erweiterten Basis-Ultraschall werden zusätzlich folgende Körperteile genauer untersucht:

    • Kopf: Sind Kopf und Hirnkammern normal geformt? Ist das Kleinhirn sichtbar?
    • Hals und Rücken: Sind sie normal entwickelt?
    • Brustkorb: Wie ist das Größenverhältnis von Herz und Brustkorb? Ist das Herz auf der linken Seite sichtbar? Schlägt das Herz rhythmisch? Sind die vier Kammern des Herzens ausgebildet?
    • Rumpf: Ist die vordere Bauchwand geschlossen? Sind Magen und Harnblase zu sehen?

    Den erweiterten Basis-Ultraschall dürfen nur Frauenärztinnen und -ärzte vornehmen, die eine entsprechende Wissensprüfung absolviert haben.

    29. bis 32. Schwangerschaftswoche: 3. Basis-Ultraschalluntersuchung

    Beim dritten Basis-Ultraschall werden Kopf, Bauch und Oberschenkelknochen des Kindes noch einmal gemessen. Auch die Lage und der Herzschlag des Kindes werden kontrolliert.

    Was gehört nicht zum Basis-Ultraschall?

    Wenn es besondere medizinische Gründe gibt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen auch weitergehende Ultraschalluntersuchungen. Nicht mehr zum Basis-Ultraschall gehört zum Beispiel der sogenannte Fein-Ultraschall (Organ-Ultraschall) durch spezialisierte Frauenärztinnen und Frauenärzte. Er kann sinnvoll sein, wenn eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingeschätzt wird oder wenn andere Untersuchungen zu unklaren Ergebnissen geführt haben.

    Ein Fein-Ultraschall ist auch ohne medizinische Begründung möglich, wenn eine Frau diese Untersuchung wünscht. Er ist dann aber eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die selbst bezahlt werden muss. Auch alle weiteren Ultraschalluntersuchungen, die keinen konkreten medizinischen Anlass haben, müssen selbst bezahlt werden.

    Untersuchungen, in denen gezielt nach Hinweisen auf genetisch bedingte Auffälligkeiten gesucht wird, unterliegen dem Gendiagnostikgesetz. Dazu gehört beispielsweise der Nackentransparenz-Test, bei dem mittels Ultraschall nach Hinweisen zum Beispiel auf ein Down-Syndrom gesucht wird. Vor solchen Untersuchungen sind Ärztinnen und Ärzte zu einer besonderen Aufklärung und genetischen Beratung verpflichtet. Dabei geht es nicht nur um medizinische Fragen, sondern auch um psychische und soziale Belange, die im Zusammenhang mit der Untersuchung und ihren Ergebnissen von Bedeutung sein können.

    Auch beim Basis-Ultraschall können Auffälligkeiten am Ungeborenen entdeckt werden, die eine genetische Ursache haben können. Dann wird ebenfalls eine besondere Beratung angeboten.

    Wie zuverlässig sind die Ergebnisse des Basis-Ultraschalls?

    Bestimmte Entwicklungsstörungen des Kindes sind bei einem Basis-Ultraschall direkt erkennbar. Bei anderen gesundheitlichen Problemen oder Fehlbildungen liefert die Untersuchung nur Hinweise auf Auffälligkeiten. Wieder andere Probleme und Entwicklungsstörungen lassen sich mit einer Ultraschalluntersuchung nicht erkennen.

    Wie alle Untersuchungen können Ultraschalluntersuchungen zu falschen Ergebnissen führen. Dabei sind zwei Fehler möglich:

    1. Der Ultraschall kann auf Entwicklungsstörungen hinweisen, obwohl sich das Kind normal entwickelt.
    2. Das Ergebnis der Ultraschalluntersuchung ist unauffällig, obwohl das Ungeborene gesundheitliche Probleme oder Fehlbildungen hat.

    Wie häufig ein Ultraschall in Deutschland zu fehlerhaften Ergebnissen führt, lässt sich nicht genau sagen. Die Fehlerhäufigkeit hängt unter anderem davon ab, wie viel Fruchtwasser die Fruchtblase enthält, wie das Kind liegt und wie dick die Bauchwand der Schwangeren ist. Auch die Qualität des Ultraschallgeräts und die Qualifikation der Untersuchenden können das Ergebnis beeinflussen. Nach internationalen Zahlen muss etwa eine von 100 Schwangeren mit einem falschen Ergebnis rechnen.

    Kann eine Ultraschalluntersuchung auch schaden?

    Die bei den Basis-Ultraschalluntersuchungen verwendeten Schallwellen schaden nach jetzigem Stand des Wissens weder der Schwangeren noch dem Kind. Ein Ultraschall kann aber schaden, wenn er unklare Ergebnisse oder Auffälligkeiten zeigt. Dies kann Ängste oder Sorgen auslösen und dazu führen, dass zur Abklärung weitere Untersuchungen angeboten werden. Weitere Untersuchungen können aufwendig sein und ihrerseits manchmal schwerwiegende Auswirkungen haben, die die werdenden Eltern stark belasten.

    Auf der anderen Seite kann eine Ultraschalluntersuchung den Eindruck vermitteln, dass sich das Ungeborene normal entwickelt, obwohl es gesundheitliche Probleme hat. Dann gehen die werdenden Eltern fälschlicherweise davon aus, dass ihr Kind gesund ist. Falls sich dann nach der Geburt völlig unerwartet eine ernsthafte gesundheitliche Beeinträchtigung oder Fehlbildung zeigt, kann das ein Schock sein.

    Zudem sind nicht alle Untersuchungsergebnisse eindeutig und nicht alle Probleme, die bei einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden können, behandelbar. Dies kann belasten, verunsichern und schwierige Entscheidungen erforderlich machen. Wenn es Hinweise gibt, dass das Ungeborene körperlich oder geistig beeinträchtigt sein könnte, kann sich zum Beispiel die Frage nach Abbruch oder Fortsetzung der Schwangerschaft stellen. Dies kann zu inneren Konflikten führen. Manche Frauen sagen im Nachhinein, sie hätten die Untersuchung nicht machen lassen, wenn sie die möglichen Folgen vorher bedacht hätten.

    Ist es möglich, auf die Ultraschalluntersuchungen zu verzichten?

    Jede Frau hat das Recht, auf alle oder einzelne Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft zu verzichten. Vielleicht möchte eine Schwangere nur wissen, ob sich ihr Kind altersgemäß entwickelt, aber nicht, ob es Fehlbildungen hat. Oder eine Frau entscheidet sich ganz gegen Ultraschalluntersuchungen, weil sie sich den damit verbundenen Unsicherheiten und möglichen Entscheidungsnöten nicht aussetzen möchte. Auch wenn für eine Frau feststeht, dass sie die Schwangerschaft in jedem Fall fortsetzen wird – ganz gleich, wie sich ihr Kind entwickelt –, kann dies ein Grund sein, auf den Ultraschall zu verzichten.

    Auf der anderen Seite kann auch ein Verzicht auf Ultraschalluntersuchungen oder auf bestimmte Informationen Nachteile haben. So könnten Auffälligkeiten des ungeborenen Kindes unerkannt oder unbehandelt bleiben, obwohl eine Behandlung im Mutterleib vielleicht möglich gewesen wäre. Auch mögliche Risiken für die Frau – etwa eine zu tief sitzende Plazenta – könnten unerkannt bleiben. Bestimmte Untersuchungsergebnisse können auch dafür sprechen, sich während der weiteren Schwangerschaft und Entbindung in einer spezialisierten Klinik oder Praxis betreuen zu lassen.

    Wo gibt es weitere Informationen?

    Für alle Fragen zu Schwangerschaft, Vorsorgeuntersuchungen und Geburt stehen auch die Schwangerschaftsberatungsstellen zur Verfügung. Der Anspruch auf Beratung besteht zudem bei einem Schwangerschaftskonflikt und zum Schwangerschaftsabbruch (Abtreibung). Die Beratung ist in der Regel kostenlos.

    Hilfen rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt bieten auch viele andere Beratungsstellen. Adressen und weitere Informationen finden Sie auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.familienplanung.de/schwangerschaft.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aufklärung, Einwilligung und ärztliche Beratung zum Ultraschallscreening in der Schwangerschaft: Abschlussbericht; Auftrag P08-01. 16.08.2012 (IQWiG-Berichte; Band 139).

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Ultraschallscreening in der Schwangerschaft: Testgüte hinsichtlich der Entdeckungsrate fetaler Anomalien: Abschlussbericht; Auftrag S05-03. 21.04.2008 (IQWiG-Berichte; Band 31).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Was kann man tun, wenn sich eine Frühgeburt ankündigt?

    Kinder, die deutlich zu früh geboren werden, sind für das Leben außerhalb des Mutterleibs noch nicht ausreichend entwickelt. Wenn eine Frühgeburt absehbar ist, gibt es aber oft noch Möglichkeiten, das Kind vor Risiken zu schützen.

    Manche Kinder werden unerwartet und sehr plötzlich zu früh geboren. Meist kündigt sich eine Frühgeburt jedoch durch bestimmte Warnzeichen an. Dann ist es oft möglich, die Geburt noch etwas hinauszuzögern. In dieser Zeitspanne kann man einiges tun, damit das Baby nach der Geburt bessere Chancen hat, zu überleben und sich gesund zu entwickeln. Wichtig ist vor allem die Behandlung der Mutter mit Kortison. Das Medikament trägt dazu bei, dass die Lungen des Kindes schneller reifen.

    Kinder, die deutlich zu früh geboren werden, sind für das Leben außerhalb des Mutterleibs noch nicht ausreichend entwickelt. Wenn eine Frühgeburt absehbar ist, gibt es aber oft noch Möglichkeiten, das Kind vor Risiken zu schützen.

    Manche Kinder werden unerwartet und sehr plötzlich zu früh geboren. Meist kündigt sich eine Frühgeburt jedoch durch bestimmte Warnzeichen an. Dann ist es oft möglich, die Geburt noch etwas hinauszuzögern. In dieser Zeitspanne kann man einiges tun, damit das Baby nach der Geburt bessere Chancen hat, zu überleben und sich gesund zu entwickeln. Wichtig ist vor allem die Behandlung der Mutter mit Kortison. Das Medikament trägt dazu bei, dass die Lungen des Kindes schneller reifen.

    Was ist eine Frühgeburt?

    Normalerweise setzen die Wehen nach neun Schwangerschaftsmonaten ein. Dann spricht man von einer Terminschwangerschaft. Eine Termingeburt bedeutet, dass das Kind in der Zeit um die 40. Schwangerschaftswoche herum geboren wird. Manchmal setzen die Wehen aber um Wochen früher ein oder es kommt zu Schwangerschaftskomplikationen, die eine frühere Geburt des Kindes nötig machen. Wird eine Schwangerschaft durch eine Operation (Kaiserschnitt) oder die Einleitung der Wehen vorzeitig beendet, wird dies als „elektive Frühgeburt“ bezeichnet. Setzen die Wehen von allein ein, spricht man von einer „spontanen Frühgeburt“.

    Zu den Faktoren, die eine Frühgeburt auslösen können, gehören Infektionen, eine Gebärmutterhalsschwäche oder Probleme mit der Plazenta. Auch Mehrlingsschwangerschaften sind ein Risikofaktor: Etwa die Hälfte aller Zwillings-Schwangerschaften und nahezu alle Drillings-Schwangerschaften enden mit einer Frühgeburt. Oft findet sich allerdings keine Erklärung für das vorzeitige Ende der Schwangerschaft.

    Alle vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geborenen Kinder gelten als Frühgeborene. In Deutschland sind das etwa 9 von 100 Schwangerschaften. Da sich der Körper des Kindes zu dieser Zeit noch immer rasch weiterentwickelt, kann jede zusätzliche Woche im Mutterleib für seine Lebensfähigkeit und Gesundheit nach der Geburt einen großen Unterschied bedeuten.

    Je nach der Dauer der Schwangerschaft werden drei Gruppen von Frühgeborenen unterschieden:

    • extrem früh Geborene (weniger als 28 Schwangerschaftswochen),
    • sehr früh Geborene (28 bis 31 Schwangerschaftswochen) und
    • mäßig früh Geborene (32 bis 37 Schwangerschaftswochen).

    Grafik: Drei Gruppen von Frühgeborenen - wie im Text beschrieben Drei Gruppen von Frühgeborenen

    Je unreifer das Neugeborene, umso kleiner und weniger entwickelt ist es. Eine zu frühe Geburt beeinträchtigt vor allem die Atmung des Kindes: Seine Lungen entwickeln sich zwar bereits von Beginn der Schwangerschaft an, sind aber erst nach ungefähr 34 Schwangerschaftswochen soweit herangereift, dass sie eigenständig arbeiten können. Ansonsten gesunde, mäßig früh geborene Kinder haben deshalb auch ein geringeres Risiko für Atemprobleme als „sehr früh“ und „extrem früh“ Geborene.

    Woran erkenne ich vorzeitige Wehen?

    Frauen, die das Gefühl haben, dass bei ihnen vorzeitige Wehen einsetzen, haben mit dieser Vermutung meist Recht. Sie sollten sich rasch mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt, ihrer Hebamme oder dem Krankenhaus in Verbindung setzen. Vor allem vor Vollendung der 34. Schwangerschaftswoche bedeuten vorzeitige Wehen einen Notfall. Je früher dann eine spezielle medizinische Versorgung beginnt, desto besser kann dem Kind geholfen werden.

    An folgenden Hauptzeichen ist erkennbar, dass womöglich vorzeitige Wehen einsetzen:

    • Es sind regelmäßige Kontraktionen zu spüren, begleitet von krampfartigen Schmerzen (Wehenschmerzen). 
    • Fruchtwasser geht ab: Das bedeutet, die wassergefüllte Fruchtblase, die das Baby in der Gebärmutter umgibt, ist geplatzt (Blasensprung).
    • hellrote Blutungen: Sie bedeuten immer einen Notfall.

    Die Regelmäßigkeit der Kontraktionen ist als Zeichen für vorzeitige Wehen wichtiger als begleitende Schmerzen. Dass sich die Gebärmutter in der Schwangerschaft gelegentlich zusammenzieht (kontrahiert), ist normal. Wenn diese Kontraktionen aber sehr regelmäßig auftreten und nicht wieder verschwinden, könnte es sich um Geburtswehen handeln.

    Was kann man bei vorzeitigen Wehen tun?

    Es gibt vier wichtige Aspekte, die eine Frau am besten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt bespricht, wenn sie vorzeitige Wehen hat:

    • die Entscheidung über den Entbindungsort: Es kann nötig sein, die Pläne für die Geburt zu ändern und eine Geburtsklinik zu wählen, die möglichst optimale Bedingungen für die Versorgung eines zu früh geborenen Kindes bietet; 
    • den Einsatz bestimmter Medikamente (sogenannter Tokolytika), um zu versuchen, die Wehen zu stoppen;
    • die Einnahme von Antibiotika, wenn für Mutter und / oder Kind ein Infektionsrisiko besteht; 
    • die Behandlung der Mutter mit Kortison (Fachbegriff: Kortikosteroide), um die Lungenreifung des ungeborenen Kindes zu unterstützen und zu beschleunigen (Steroidbehandlung). Die Gabe von Kortison kann schweren Erkrankungen vorbeugen und das Überlebensrisiko des Kindes erhöhen.
    • die Verringerung körperlicher Aktivität: Je nach Situation kann es sinnvoll sein, sich weniger zu bewegen und viel zu liegen. Manchmal ist auch strenge Bettruhe nötig.

    Manchmal können Tokolytika vorzeitige Wehen zum Stillstand bringen, meist können sie die Geburt aber nur für wenige Tage verzögern. Diese kurze Verzögerung macht es aber oft möglich, die Lungenreifung mit Kortison zu beschleunigen.

    Nach der Geburt

    Nach der Geburt kann ein Wirkstoff namens Surfactant helfen, die Atmung des Kindes zu unterstützen. Unreife Lungen sind „steif“ und können sich nur schwer entfalten, was aber zum problemlosen Ein- und Ausatmen nötig wäre. Surfactant ist eine Flüssigkeit, die ein ungeborenes Kind normalerweise etwa nach der 32. Schwangerschaftswoche selbst in der Lunge produziert.

    Wenn ein Baby zu früh geboren wurde, wird es von einem Spezialteam betreut und sorgfältig überwacht. Unter Umständen benötigt ein Frühchen sehr viel Unterstützung, damit es richtig atmen kann, warm bleibt und ausreichend Nährstoffe erhält. Je nachdem, wie unreif das Kind noch ist, kann eine besondere intensivmedizinische Behandlung nötig sein.

    Die Zeit, bis ein zu früh geborenes Baby außer Gefahr ist, ist für die Eltern meist voller Ängste und Sorgen. Auch wenn ihr Baby durch Spezialistinnen und Spezialisten betreut werden muss, kann eine Mutter selbst etwas tun: Zum Beispiel kann sie (vielleicht mit Unterstützung) ihre Milchproduktion anregen und Milch abpumpen, damit das Baby damit ernährt werden kann, sobald es Muttermilch verträgt.

    Neben aller Sorge um das Kind ist es aber auch wichtig, sich um sich selbst zu kümmern, um sich von der Geburt zu erholen und die damit zusammenhängenden Gefühle und Erlebnisse zu verarbeiten. So gelingt es auch besser, sich möglichst umfassend an der Pflege und Betreuung des Babys zu beteiligen.

    Wenn das Frühchen einen Monat alt ist, wird es wahrscheinlich die Größe erreicht haben, die es auch im entsprechenden Schwangerschaftsmonat gehabt hätte: Wurde das Kind beispielsweise nach sieben Schwangerschaftsmonaten geboren, ist es nach einem Monat etwa so groß wie ein ungeborenes Kind nach acht Schwangerschaftsmonaten. Eine Zeitlang wird das Baby also noch kleiner und unreifer sein als zum errechneten Termin geborene Säuglinge. Wie gut es dem Kind gehen wird, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Wenn keine größeren Probleme auftreten, ist es jedoch wahrscheinlich, dass ein Frühchen das Krankenhaus ungefähr zu dem Zeitpunkt verlassen kann, an dem es termingerecht geboren worden wäre.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wenn die Geburt des Babys auf sich warten lässt

    Die letzten Tage einer Schwangerschaft sind eine aufregende Zeit. Wenn der errechnete Geburtstermin überschritten ist, kann das Warten auf die Geburt aber auch belastend werden. Viele werdende Eltern fangen dann an, sich Sorgen zu machen. Solange keine besonderen Probleme auftreten, geht es dem Kind aber sehr wahrscheinlich gut.

    Wenn eine Schwangerschaft normal lange gedauert hat, spricht man von einer termingerechten Geburt. Damit ist gemeint, dass das Baby nach ungefähr 40 Schwangerschaftswochen zur Welt kommt. Wird das Kind vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche geboren, handelt es sich um eine Frühgeburt. Eine zu frühe Geburt ist für das Baby mit verschiedenen Risiken verbunden. Wenn die Geburt etwas länger auf sich warten lässt, spricht man in Deutschland zunächst von einer Terminüberschreitung, ab Ende der 42. Woche dann von einer Übertragung. Diese wird international zum Teil anders definiert.

    Etwa 60 von 100 Frauen bekommen ihr Kind vor oder bis zum errechneten Geburtstermin. Bei weiteren 35 von 100 setzen die Wehen innerhalb von zwei Wochen nach dem errechneten Termin von selbst ein. Bei etwa 5 von 100 Frauen dauert es jedoch länger.

    Die Ursachen für eine Übertragung sind meist unbekannt. Manchmal ist es familiäre Veranlagung. Bei Frauen, die schon einmal ein Kind deutlich nach dem errechneten Termin bekommen haben, ist eine erneute Übertragung wahrscheinlicher.

    Eine Geburt nach der 40. Woche schadet dem Kind nur selten. Dennoch wird der Arzt, die Ärztin oder Hebamme nach dem Überschreiten des Termins zur Sicherheit häufiger überprüfen, ob es dem Ungeborenen gut geht.

    Die letzten Tage einer Schwangerschaft sind eine aufregende Zeit. Wenn der errechnete Geburtstermin überschritten ist, kann das Warten auf die Geburt aber auch belastend werden. Viele werdende Eltern fangen dann an, sich Sorgen zu machen. Solange keine besonderen Probleme auftreten, geht es dem Kind aber sehr wahrscheinlich gut.

    Wenn eine Schwangerschaft normal lange gedauert hat, spricht man von einer termingerechten Geburt. Damit ist gemeint, dass das Baby nach ungefähr 40 Schwangerschaftswochen zur Welt kommt. Wird das Kind vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche geboren, handelt es sich um eine Frühgeburt. Eine zu frühe Geburt ist für das Baby mit verschiedenen Risiken verbunden. Wenn die Geburt etwas länger auf sich warten lässt, spricht man in Deutschland zunächst von einer Terminüberschreitung, ab Ende der 42. Woche dann von einer Übertragung. Diese wird international zum Teil anders definiert.

    Etwa 60 von 100 Frauen bekommen ihr Kind vor oder bis zum errechneten Geburtstermin. Bei weiteren 35 von 100 setzen die Wehen innerhalb von zwei Wochen nach dem errechneten Termin von selbst ein. Bei etwa 5 von 100 Frauen dauert es jedoch länger.

    Die Ursachen für eine Übertragung sind meist unbekannt. Manchmal ist es familiäre Veranlagung. Bei Frauen, die schon einmal ein Kind deutlich nach dem errechneten Termin bekommen haben, ist eine erneute Übertragung wahrscheinlicher.

    Eine Geburt nach der 40. Woche schadet dem Kind nur selten. Dennoch wird der Arzt, die Ärztin oder Hebamme nach dem Überschreiten des Termins zur Sicherheit häufiger überprüfen, ob es dem Ungeborenen gut geht.

    Ist eine längere Schwangerschaft ein Problem?

    Solange es der werdenden Mutter und dem Kind gut geht, besteht in der ersten Woche nach dem errechneten Geburtstermin kein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Auch danach steigt das Risiko, dass dem Kind etwas passiert, nicht stark an. Gewisse Risiken nehmen aber leicht zu. Die Hauptrisiken einer Übertragung für das Ungeborene sind,

    • dass der Mutterkuchen (Plazenta) seine Aufgaben allmählich nicht mehr richtig erfüllen kann,
    • dass sich innerhalb der Gebärmutter eine Infektion bildet oder
    • dass bei der Geburt unerwartete Probleme auftreten.

    Für die Schwangere bestehen weniger Risiken. Wird das Kind zu groß, kann jedoch die Geburt erschwert sein.

    Drei oder vier Wochen nach dem errechneten Geburtstermin sind fast alle Kinder geboren. Wenn ein Baby dann immer noch nicht auf die Welt gekommen ist, erhöht sich das Risiko einer Totgeburt. So späte Geburten sind jedoch selten, da sie spätestens zwei Wochen nach dem Termin bei fast allen Frauen eingeleitet wird.

    Bei einer Geburtseinleitung werden die Wehen mit Hormonen oder anderen Methoden künstlich herbeigeführt.

    Wie wird der Geburtstermin geschätzt?

    Es ist wichtig, den ungefähren Geburtstermin zu kennen, denn davon hängen viele Entscheidungen ab. Das fängt an mit der Frage, wann der Mutterschutz beginnt. Das Datum ist auch zur Entscheidung wichtig, ob man sich über eine Geburtseinleitung Gedanken machen muss oder ob zusätzliche Untersuchungen nötig werden. Allerdings lässt sich der Geburtstermin nie sicher vorhersagen.

    Um einzuschätzen, wie weit eine Schwangerschaft fortgeschritten ist, werden vor allem zwei Verfahren eingesetzt: Bei dem einen wird der Geburtstermin anhand des Datums der letzten Periode errechnet. Bei dem anderen wird die Größe des Ungeborenen mit einer Ultraschalluntersuchung gemessen.

    Abschätzen des Geburtstermins anhand der letzten Periode

    Die Dauer einer Schwangerschaft wird immer auf 40 Wochen oder 280 Tage geschätzt – auch wenn kaum eine Schwangerschaft genau 280 Tage dauert. Das Ausgangsdatum für diese 40 Wochen ist der erste Tag der letzten Periode. Die Schätzung ist aber nicht sehr zuverlässig: Nicht jede Frau kann sich an den genauen Tag erinnern. Zudem haben manche Frauen am Anfang ihrer Schwangerschaft noch eine leichte Blutung zu dem Zeitpunkt, an dem ihre Periode normalerweise fällig gewesen wäre. Daher kann es vorkommen, dass Frauen bereits einige Wochen länger schwanger sind, als ihnen bewusst ist.

    Hinzu kommt, dass der Abstand zwischen zwei Menstruationsblutungen nicht immer genau vier Wochen beträgt. Auch wenn es einige Tage später zur Empfängnis kam als bei der Berechnung des Geburtstermins angenommen wird, ist die Vorhersage nicht ganz genau.

    Wegen der häufigen Fehler bei der Schätzung des Empfängnistermins korrigieren Ärztinnen, Ärzte und Hebammen den so errechneten Geburtstermin. Dazu nutzen sie zum Beispiel die Größe des Kindes bei einer Ultraschalluntersuchung in der frühen Schwangerschaft.

    Schätzung des Geburtstermins mittels Ultraschall

    Beim Ultraschall (Fachbegriff: Sonografie) werden Schallwellen verwendet, die vom Körper des Ungeborenen zurückgeworfen und in ein Bild umgewandelt werden. So kann man sehen, was in der Gebärmutter passiert und wie groß das Kind ist. Von der Größe des Ungeborenen lässt sich auf das Schwangerschaftsalter schließen. Das Schwangerschafts- oder Gestationsalter besagt, wie lange die Schwangerschaft schon besteht.

    In den ersten Wochen einer Schwangerschaft sind die Größenunterschiede zwischen Ungeborenen nur gering. Deshalb kann man mit einer Ultraschalluntersuchung innerhalb des ersten Trimesters (den ersten zwölf Wochen) der Schwangerschaft den Geburtstermin relativ gut einschätzen. Ganz genau ist aber auch die Ultraschalluntersuchung nicht.

    In Deutschland wird normalerweise jeder Frau zwischen der neunten und zwölften Woche ihrer Schwangerschaft eine Ultraschalluntersuchung angeboten. Wenn die Schätzung des Geburtstermins anhand der Ultraschalluntersuchung stark vom Datum der letzten Periode abweicht, kann der Arzt, die Ärztin oder die Hebamme den Geburtstermin anpassen.

    Wie wird untersucht, ob es dem Ungeborenen gut geht?

    Bestimmte Untersuchungen können Hebammen und Ärzten helfen, mögliche Probleme für Mutter oder Kind festzustellen. Wenn der Geburtstermin überschritten ist, werden oft zusätzliche Beratungsgespräche und Untersuchungen angeboten. Bei einer Terminüberschreitung sind zwei Kontrolltermine pro Woche üblich.

    Zu den Untersuchungen gehören ein sogenanntes Ruhe-Kardiotokogramm (Ruhe-CTG oder Non-Stress-Test) und ein Ultraschall. Mithilfe eines Ruhe-CTGs kann der Herzschlag des Ungeborenen überwacht werden. Die Ultraschalluntersuchung dient dazu, die Größe des Kindes und die Fruchtwassermenge zu bestimmen. Möglicherweise wird auch auf Anzeichen für eine Infektion untersucht, besonders wenn Fruchtwasser ausgetreten ist. Außerdem werden manchmal Tests eingesetzt, die als „biophysikalisches Profil“ bezeichnet werden. Dabei werden unter anderem die Bewegungen des Kindes gezählt.

    Auch bei einer Terminüberschreitung verlaufen die meisten Geburten ohne Komplikationen. Um Risiken zu begrenzen, besteht die übliche Vorgehensweise darin, ab einem bestimmten Zeitpunkt jeder Schwangeren eine Einleitung der Geburt vorzuschlagen, auch wenn es der werdenden Mutter und dem Kind gut geht.

    Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Geburtseinleitung?

    Ob und wenn ja, wann eine Geburt eingeleitet wird, ist eine persönliche Entscheidung, die werdende Eltern gemeinsam mit den betreuenden Ärztinnen und Ärzten treffen können. Sie hängt vor allem davon ab, ob das Risiko für Komplikationen bei der Geburt erhöht ist. Entscheidend ist unter anderem,

    • wie weit der Termin überschritten ist,
    • wie alt eine Frau ist,
    • ob sie bereits ein Kind geboren hat,
    • ob sie raucht,
    • wie viel sie wiegt,
    • wie groß das Kind ist und
    • ob es Hinweise auf eine Gefährdung des Kindes gibt.

    Eine Geburtseinleitung wird in der Regel dann angeboten, wenn sich bei einer Schwangeren oder dem Kind ein Problem zeigt, das eine Geburt erforderlich macht – aber nicht so dringlich ist, dass ein Kaiserschnitt nötig wird.

    Doch auch wenn es keine Anzeichen für Komplikationen gibt, wird wahrscheinlich nach einer gewissen Zeit eine Geburtseinleitung vorgeschlagen.

    Wenn der errechnete Geburtstermin bereits eine Woche überschritten ist, kann eine Einleitung das Risiko senken, dass das Kind stirbt. Dieses Risiko ist aber generell sehr gering: ohne Einleitung liegt es bei etwa 3 von 1000. Die Geburtseinleitung kann auch das Risiko für einen Kaiserschnitt und schwere Atemprobleme senken.

    Was kann man selbst versuchen, um die Geburt in Gang zu bringen?

    Es gibt viele traditionelle Methoden, mit denen Frauen versuchen, die Geburt auszulösen. Dazu gehören zum Beispiel lange Spaziergänge. Manche Frauen versuchen es auch mit Sex oder stimulieren ihre Brustwarzen. Dem liegt die Theorie zugrunde, dass durch Hormone in der Samenflüssigkeit des Mannes oder die Hormone, die eine Frau bei sexueller Erregung freisetzt, der Muttermund weicher wird und sich leichter öffnet.

    Diese Methoden sind sogar in Studien untersucht worden, die allerdings nur Hinweise geben konnten. Demnach kann es helfen, die Brustwarzen etwa ein bis drei Stunden pro Tag zu stimulieren. Die Ergebnisse zeigten:

    • Ohne Stimulation: Bei etwa 8 von 100 Frauen, die ihre Brust nicht stimuliert hatten, setzte innerhalb von 72 Stunden die Geburt ein.
    • Mit Stimulation: Bei etwa 39 von 100 Frauen, die ihre Brust stimuliert hatten, war dies der Fall.

    Da an den Studien nur etwa 400 Frauen teilnahmen, handelt es sich bei den Zahlen nur um eine ungefähre Schätzung.

    Durch die Bruststimulation sank auch das Risiko für Blutungen nach der Geburt. Der Nutzen der Bruststimulation zeigte sich aber nur bei Schwangerschaften, die ohne größere Probleme verlaufen sind. Dass Sex eine zeitigere Geburt fördert, konnten Studien bisher nicht belegen.

    Es wird auch eine Reihe von weiteren Mitteln eingesetzt, um eine Geburt in Gang zu bringen: Manche Frauen trinken Himbeerblätter-Tee, um den Muttermund weicher zu machen, andere setzen homöopathische Mittel, Nachtkerzenöl oder Akupunktur ein. Andere versuchen es mit Hypnose. Es gibt aber keine wissenschaftlichen Belege, dass diese Maßnahmen eine Wirkung haben.

    Als weiteres traditionelles Mittel zur Einleitung von Wehen gilt Rhizinusöl, zum Beispiel als Saftmischung, Einlauf oder als Kapsel zur Einnahme. Belege für eine positive Wirkung des Öls gibt es nicht. Studien zeigen aber, dass seine Einnahme bei den meisten Frauen Übelkeit auslöst. Weder die Sicherheit noch die Wirksamkeit von Rhizinusöl sind ausreichend untersucht.

    Wie wird eine Geburt medizinisch eingeleitet?

    Ärztinnen und Ärzte setzen viele unterschiedliche Verfahren ein, um eine Geburt einzuleiten. Einer der ersten Schritte besteht häufig darin, den Muttermund auf die Geburt vorzubereiten. Der Muttermund (Portio) ist die Öffnung der Gebärmutter. Während der Schwangerschaft ist er fest verschlossen. Sobald sich der Körper auf die Geburt vorbereitet, sorgen Hormone dafür, dass der Muttermund sich entspannt und weich wird. Wenn er für die Geburt bereit ist, spricht man von einem „reifen“ Muttermund. Hormone, besonders die Prostaglandine, können zum Beispiel als Gel auf den Muttermund aufgetragen werden, um ihn reif werden zu lassen. Sie können auch verwendet werden, um die Wehen herbeizuführen. Um den Muttermund zu dehnen, kann auch ein Ballonkatheter angewendet werden.

    Manchmal reichen diese Maßnahmen aus, um die Geburt in Gang zu bringen. Wenn nicht, werden weitere Hormone eingesetzt. Dabei handelt es sich entweder um Prostaglandine oder Oxytocin. Diese Mittel können eingenommen, als Tabletten oder Zäpfchen in die Scheide gegeben oder als Infusion über einen Tropf in die Armvene (sogenannter„Wehentropf“) zugeführt werden.

    Unterstützend kann bei einsetzenden Wehen auch die Fruchtblase eröffnet werden. Das geschieht mit einem schmerzlosen kleinen Schnitt, der auch als Amniotomie bezeichnet wird. Manchmal kann die Geburt auch in Gang gesetzt werden, indem eine Ärztin oder ein Arzt die Fruchtwasserhülle um das Baby vorsichtig mit einem Finger von der Gebärmutterwand löst. Dies nennt man „Lösung des unteren Eipols“. Beide Verfahren sind zwar meist nicht schmerzhaft, die meisten Frauen empfinden sie aber als unangenehm.

    Die Eröffnung der Fruchtblase kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Daher ist es wichtig, dass die Geburt danach relativ bald beginnt, da das Kind nicht mehr durch das Fruchtwasser geschützt ist.

    Bei den meisten Frauen verursacht eine Geburtseinleitung keine ernsthaften Beschwerden. Dennoch können Nebenwirkungen auftreten: Bei Prostaglandin sind dies vor allem Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Oxytocin kann dazu führen, dass sich im Körper Wasser sammelt und andere Probleme im Flüssigkeitshaushalt entstehen, wie zum Beispiel ein niedriger Natriumspiegel.

    Die Menge an Hormonen im Wehentropf wird so angepasst, dass die Wehen so normal wie möglich ausfallen – also nicht in zu kurzen Abständen auftreten oder zu stark werden. Die eingeleitete Geburt soll nicht erzwungen werden, sondern möglichst wie eine spontane Geburt verlaufen.

    Wie fühlt sich eine Geburtseinleitung an?

    Eine Geburtseinleitung macht mehr Untersuchungen nötig als üblich. Dies kann unangenehm sein, aber alles in allem empfinden die meisten Frauen die zusätzlichen Behandlungs- und Untersuchungsschritte nicht als besonders belastend. Das Wichtigste im Zusammenhang mit einer Geburtseinleitung ist für die meisten Frauen wahrscheinlich die Erleichterung, endlich ihr Kind zur Welt bringen zu können.

    Manche Frauen befürchten, dass die Schmerzen einer eingeleiteten Geburt stärker sein könnten als bei einer von selbst einsetzenden Geburt. Die meisten Frauen, bei denen die Geburt eingeleitet wurde, berichten aber nicht über mehr Schmerzen als Frauen, die eine Spontangeburt hatten. In einigen Studien wurden Frauen gefragt, wie sie über ihre Geburtseinleitung denken. Die meisten antworteten, dass sie sich wieder dafür entscheiden würden. Die Einleitung einer Geburt bedeutet auch nicht, dass danach alles ganz schnell geht. Viele Frauen sind überrascht, wie lange es von der Einleitung der Wehen bis zur eigentlichen Geburt dauert.

    Es kann hilfreich sein, mit der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten einer Geburtseinleitung im Krankenhaus angeboten werden und welche Vor- und Nachteile sie haben. Eine Geburtseinleitung ist kein Notfall – meist ist ausreichend Zeit, sich mit dem Gedanken daran vertraut zu machen und Antworten auf alle Fragen zu erhalten.

    Quellen

    Abele H, Bartz C, Franz M, Fischer T, Gembruch U, Gonser M et al. S1-Leitlinie: Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung. AWMF-Registernr.: 015-065. 02.2014.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Mit Geburtsschmerzen umgehen

    Wenn die Geburt kurz bevorsteht, sind die Gefühle häufig sehr gemischt – vor allem bei Frauen, die noch kein Kind bekommen haben. Viele fragen sich: Wie stark wird der Schmerz sein? Wie kann man damit umgehen? Gibt es Alternativen zu schmerzlindernden Medikamenten?

    Ein Kind zu bekommen, ist eine der intensivsten Lebenserfahrungen. Am Ende der Schwangerschaft, wenn der Alltag beschwerlich geworden ist, sehnen die meisten Frauen die Geburt ihres Babys herbei. Oft mischt sich die Vorfreude aber mit Aufregung und Ängsten. Wie eine Geburt verläuft – oder verlaufen sollte –, dazu gibt es viele Geschichten und Ansichten.

    Manche Frauen haben in einem Geburtsvorbereitungskurs oder im Internet schon Filme über die Geburt gesehen. Doch niemand kann vorher wissen, wie sich die Wehen wirklich anfühlen und wie die Geburt verlaufen wird. Was während einer Geburt passiert, lässt sich außerdem nur in Grenzen planen. Jede Frau muss sich auch auf unerwartete Ereignisse einstellen. Eine feste Vorstellung, wie die Geburt ablaufen sollte, kann das tatsächliche Erlebnis leicht zu einer Enttäuschung werden lassen.

    Zur Vorbereitung sind gute Informationen genauso wichtig wie die Unterstützung durch andere. Auch Partner oder andere Nahestehende, die bei der Geburt dabei sein möchten, können am besten helfen, wenn sie gut informiert sind.

    Medikamente können Geburtsschmerzen lindern. Daneben gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Entspannungstechniken oder das Ausprobieren der günstigsten Körperhaltung.

    Wenn die Geburt kurz bevorsteht, sind die Gefühle häufig sehr gemischt – vor allem bei Frauen, die noch kein Kind bekommen haben. Viele fragen sich: Wie stark wird der Schmerz sein? Wie kann man damit umgehen? Gibt es Alternativen zu schmerzlindernden Medikamenten?

    Ein Kind zu bekommen, ist eine der intensivsten Lebenserfahrungen. Am Ende der Schwangerschaft, wenn der Alltag beschwerlich geworden ist, sehnen die meisten Frauen die Geburt ihres Babys herbei. Oft mischt sich die Vorfreude aber mit Aufregung und Ängsten. Wie eine Geburt verläuft – oder verlaufen sollte –, dazu gibt es viele Geschichten und Ansichten.

    Manche Frauen haben in einem Geburtsvorbereitungskurs oder im Internet schon Filme über die Geburt gesehen. Doch niemand kann vorher wissen, wie sich die Wehen wirklich anfühlen und wie die Geburt verlaufen wird. Was während einer Geburt passiert, lässt sich außerdem nur in Grenzen planen. Jede Frau muss sich auch auf unerwartete Ereignisse einstellen. Eine feste Vorstellung, wie die Geburt ablaufen sollte, kann das tatsächliche Erlebnis leicht zu einer Enttäuschung werden lassen.

    Zur Vorbereitung sind gute Informationen genauso wichtig wie die Unterstützung durch andere. Auch Partner oder andere Nahestehende, die bei der Geburt dabei sein möchten, können am besten helfen, wenn sie gut informiert sind.

    Medikamente können Geburtsschmerzen lindern. Daneben gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Entspannungstechniken oder das Ausprobieren der günstigsten Körperhaltung.

    Wie kann ich mit Geburtsschmerzen umgehen?

    Eine Geburt ist eine körperliche und emotionale Herausforderung, und eine gute Unterstützung die wichtigste Hilfe. Es ist für viele Frauen entlastend, jemanden um sich zu haben, der ermutigt und es einem so bequem wie möglich macht, vielleicht den Rücken massiert oder Wärmepackungen zubereitet. Das kann beispielsweise der Partner, eine Freundin oder die Hebamme sein.

    Einen verlässlichen Beistand zu haben hilft nicht nur, die Anstrengungen emotional durchzustehen: Die Forschung hat gezeigt, dass eine kontinuierliche Unterstützung die Dauer der Geburt etwas verkürzen und auch die Wahrscheinlichkeit senken kann, dass man schmerzlindernde Mittel braucht.

    Hebammen sind gut ausgebildet und sehr erfahren darin, herauszufinden, wie eine Frau die Schmerzen am besten bewältigen kann. Sie können unmittelbar während des Geschehens reagieren und erklären, welche Möglichkeiten es gibt. Manchmal glauben Frauen, sie sollten das vielbeschäftigte Personal in Kliniken oder Geburtshäusern besser nicht mit allzu vielen Fragen stören. Antworten zu bekommen, ist jedoch ein entscheidender Teil der Unterstützung, die in dieser Situation nötig ist. Durch Stress und Angst können sich zum Beispiel die Muskeln anspannen – das macht es nicht leichter, mit den Schmerzen umzugehen. Zu den traditionellen Mitteln, mit denen Frauen sich unabhängig von Schmerzmitteln immer schon geholfen haben, die Geburt durchzustehen, gehören:

    • Die Körperposition wechseln – zum Beispiel aufrecht sitzen statt liegen –, um herauszufinden, welche Position am angenehmsten ist.
    • Umhergehen, wenn dies möglich ist. Gehen und Bewegen können helfen, die Schmerzen etwas zu dämpfen und den Ablauf der Geburt zu erleichtern, vielleicht auch zu beschleunigen.
    • Kalte oder warme Packungen ausprobieren. Dies kann Schmerzen lindern – gerade auch Rückenbeschwerden, die oft mit Geburtsschmerzen einhergehen.
    • Ruhig und bewusst atmen oder versuchen, zu hecheln.

    Während der Geburt ist die Körperhaltung besonders wichtig. Wenn zum Beispiel das Köpfchen des Babys zu tief in den Rücken drückt, kann eine andere Position meist die Beschwerden lindern und auch das Pressen sehr erleichtern. Wenn das Baby sich etwas weiterbewegt oder seine Lage verändert, kann auch die Mutter ihre Körperhaltung wieder anpassen, bis es sich besser anfühlt.

    In Geburtsvorbereitungskursen werden Techniken vermittelt, die helfen können, die Schwerkraft während der Geburtswehen auszunutzen. Manche Frauen schwören besonders auf bestimmte Positionen oder Atemtechniken. Was als hilfreich empfunden wird, ist jedoch sehr individuell – was für die einen erleichternd ist, nützt anderen vielleicht wenig oder stört sie sogar eher.

    Viele Frauen empfinden den Schmerz während der Geburt anders als bei anderen schmerzhaften Erfahrungen – zum Teil, weil der Schmerz ein „positives Ziel“ hat und weil sie wissen, dass er in absehbarer Zeit vorbei ist. Das Baby schließlich in den Armen zu halten, wenn alles vorüber ist, ist für die meisten Frauen eine überwältigende Belohnung für alle Anstrengungen.

    Gibt es Alternativen zu Medikamenten?

    Es gibt viele Tipps, wie man die Schmerzen während einer Geburt auch ohne Medikamente lindern kann. Aber nur wenige der häufig vorgeschlagenen Möglichkeiten haben in Studien positive Wirkungen gezeigt. Diese sind:

    • Entspannungstechniken und Yoga: Studien deuten darauf hin, dass manche Frauen durch entspannende Übungen während der Geburt weniger Schmerzen empfinden. Mithilfe von Techniken wie der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson und manchen Atem- und Bewegungsübungen aus dem Yoga kann man unter anderem lernen, die Gedanken von den Schmerzen abzulenken, die Muskulatur zu entspannen und ruhig zu atmen.
    • Baden: In der Badewanne, Dusche oder im Whirlpool mit warmem Wasser zu entspannen, kann dazu beitragen, dass weniger Schmerzmedikamente notwendig sind. 
    • Massagen: Rücken- oder Fußmassagen zu bekommen, kann die Muskeln lockern und beruhigen. Leichte Massagetechniken können Partner oder andere Geburtsbegleiter schon vor der Geburt erlernen.
    • Gymnastikball: Viele Frauen machen während der Schwangerschaft Übungen auf einem Gymnastikball, um die Rückenmuskulatur zu stärken und den Beckenboden zu trainieren. Es gibt Hinweise aus Studien, dass Übungen mit einem Gymnastikball auch zur Schmerzlinderung bei der Geburt beitragen können.

    Für folgende Methoden fehlen wissenschaftliche Belege:

    • Akupunktur: Bei der Akupunktur werden an bestimmten Körperstellen feine Nadeln in die Haut gestochen, was schmerzlindernd wirken soll. Da die Nadeln in der Haut bleiben, können sie während der Geburt die Beweglichkeit einschränken. Die bisherigen Studien kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen.
    • Hypnose: Hypnosetechniken sollen Menschen helfen, sich zu entspannen und einen Zustand intensiver Konzentration zu erreichen. In diesem Zustand kann die eigene Wahrnehmung, etwa von Schmerzen, durch gezielte Anweisungen einer anderen Person beeinflusst werden. Auch eine Selbsthypnose ist möglich, bei der man selbst bestimmte Anweisungen wiederholt. Die bisherigen Studien zur Wirkung von Hypnose sind nicht aussagekräftig genug, um zu sagen, ob sie Geburtsschmerzen lindern kann.
    • transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Dabei werden Elektroden auf die Haut geklebt, die leichte Stromimpulse übertragen. Das erzeugt auf der Haut ein leichtes Kribbeln. Die Stärke und Frequenz der Impulse lässt sich selbst kontrollieren und einstellen. Man nimmt an, dass diese Impulse die Schmerzsignale überdecken und so abschwächen. Nach den bisherigen Studien spricht aber wenig dafür, dass TENS das Schmerzempfinden beeinflusst. Zu Nebenwirkungen kam es nicht.
    • Biofeedback: Bei diesem Entspannungsverfahren werden mithilfe eines Computers Körpersignale wie Puls und Atemfrequenz – und damit auch die eigene körperliche Reaktion auf Schmerz oder Angst – hör- und sichtbar gemacht. Ziel ist, sie durch bewusste Entspannung wieder zu beruhigen. Belege für einen Nutzen während der Geburt fehlen.

    Auch für das Hören von beruhigender oder ablenkender Musik oder Tönen sowie für Aromatherapie, Homöopathie und Akupressur fehlen Nachweise, dass Frauen dadurch weniger Schmerzen empfinden.

    Wie kann der Partner helfen?

    Die Unterstützung durch eine Begleitperson kann aus mehreren Gründen hilfreich sein. Für eine gute Begleitung ist es wichtig:

    • sicherzustellen, dass die Partnerin oder Freundin nicht allein bleibt (außer, sie möchte dies selbst): Das Gefühl, jemand Vertrautes um sich zu haben, der sich kümmert, kann sehr wichtig sein.
    • aufmerksam und flexibel zu bleiben und sich auf ihre Bedürfnisse zu konzentrieren. Es aber auch zu akzeptieren, wenn sie einfach in Ruhe gelassen werden will.
    • ihr Mut zu machen, sie zu bestärken und ihr zum Beispiel zu sagen, wie gut sie alles macht und wie tapfer sie ist.
    • es ihr so angenehm wie möglich zu machen: All die „kleinen“ Aufmerksamkeiten bedeuten viel und erleichtern sehr – wie Verständnis und Zuwendung zu erfahren, warm gehalten oder sanft massiert zu werden.
    • ihr zu helfen, informiert zu bleiben: Sie darin unterstützen, Fragen zu stellen. Vielleicht möchte sie auch, dass sich der Partner damit an die Hebamme, die Ärztin oder den Arzt wendet.

    Natürlich kann eine Geburt auch für den Partner ein so überwältigendes Erlebnis sein, dass er sich hilflos fühlt und selbst Zuwendung braucht. Es ist auch nicht in jedem Krankenhaus möglich, dass ein Partner oder eine Begleitperson ganz selbstverständlich in den gesamten Ablauf der Geburt einbezogen wird. Diesen Punkt vorher mit der Ärztin, dem Arzt oder der Hebamme zu klären hilft, Überraschungen zu vermeiden.

    Manche Männer machen sich zum Beispiel Sorgen, ob sie es aushalten, ihre Partnerin mit so starken Schmerzen zu erleben. Oder wie sie darauf reagieren, viel Blut zu sehen. In der Realität fällt es Männern dann aber oft leichter als erwartet, sich auf die Partnerin zu konzentrieren, unabhängig davon, was gerade passiert.

    Es kann auch für ein Paar hilfreich sein, im Voraus miteinander zu besprechen, was in einem Notfall zu tun wäre. Es könnte sein, dass der Partner einige Entscheidungen treffen muss, vor allem, wenn die Frau für einen Kaiserschnitt unter Vollnarkose steht. Wer weiß, was für seine Partnerin wichtig ist, kann bessere Entscheidungen treffen, wenn es darauf ankommt. Bei der Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs erfahren Paare vieles, was ihnen bei solchen gemeinsamen Überlegungen helfen könnte.

    Der Geburt ihren Lauf lassen

    Viele Frauen und ihre Partner stellen im Nachhinein fest, dass es ihnen bei der Vorbereitung auf die Geburt geholfen hat, Möglichkeiten zur Schmerzlinderung zu planen – aber auch, dass die Erfahrung der Geburt dann ganz anders war als gedacht.

    Es ist nicht sehr hilfreich, sich vorher schon allzu genau vorzustellen, was einen erwartet: Es kann dann schwieriger sein, sich auf wechselnde und unvorhersehbare Umstände einzustellen. Auch wenn es überraschen mag: Der Schmerz und die Schmerzlinderung sind mitten im Geschehen oft weitaus weniger wichtig als vorher gedacht. Viele Frauen sind mit ihrer Entbindung und der Versorgung zufrieden, auch wenn sie große Schmerzen hatten.

    Manche Frauen machen sich Sorgen darüber, ob andere Menschen während der Geburt finden, dass sie sich passend verhalten oder „alles richtig machen“. Bei einer Geburt geht es aber nicht darum, was andere denken: Es zählt allein, was das Beste für eine bestimmte Frau und ihr Baby ist. Zum Beispiel ist es völlig in Ordnung, während der Entbindung laut zu schreien oder zu stöhnen. Die Hebammen, Ärztinnen und Ärzte haben schon sehr viele Geburten miterlebt und sind nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Das Wichtigste ist, sich gut zu fühlen und das Baby gesund zur Welt zu bringen. Man kann ohne Bedenken alles tun, wonach einem zumute ist und was dabei hilft, die Geburt zu einem guten Ende zu bringen.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Periduralanästhesie (PDA) und Schmerzmittel zur Linderung von Geburtsschmerzen

    Viele Frauen denken während der Schwangerschaft darüber nach, wie sie mit den Schmerzen während der Entbindung umgehen können. Manche wollen auf Medikamente eher verzichten. Für andere ist es beruhigend zu wissen, dass es wirksame Möglichkeiten gibt, die Schmerzen zu lindern. Viele entscheiden sich dann für eine Periduralanästhesie (PDA).

    Beim Umgang mit den Schmerzen kann es einer Frau häufig schon helfen, wenn sie während der Geburt persönlichen Zuspruch und Unterstützung durch ihren Partner, eine Freundin oder andere Nahestehende erhält. Auch mit nicht medikamentösen Mitteln wie Umhergehen, bewusstem Atmen, Wärme oder Entspannungsübungen lassen sich die Schmerzen etwas erträglicher machen.

    Zusätzlich bieten Geburtskliniken auch medikamentöse Verfahren an. Sie lindern die Schmerzen wirksam, erlauben es aber trotzdem, die Geburt wach mitzuerleben. Normalerweise stehen einer werdenden Mutter mehrere Alternativen zur Verfügung. Am wirksamsten ist eine lokale Betäubung, die sogenannte Periduralanästhesie (PDA), auch „Rückenspritze“ genannt. Sie ist die häufigste Form der medikamentösen Schmerzlinderung während der Geburt.

    Viele Frauen denken während der Schwangerschaft darüber nach, wie sie mit den Schmerzen während der Entbindung umgehen können. Manche wollen auf Medikamente eher verzichten. Für andere ist es beruhigend zu wissen, dass es wirksame Möglichkeiten gibt, die Schmerzen zu lindern. Viele entscheiden sich dann für eine Periduralanästhesie (PDA).

    Beim Umgang mit den Schmerzen kann es einer Frau häufig schon helfen, wenn sie während der Geburt persönlichen Zuspruch und Unterstützung durch ihren Partner, eine Freundin oder andere Nahestehende erhält. Auch mit nicht medikamentösen Mitteln wie Umhergehen, bewusstem Atmen, Wärme oder Entspannungsübungen lassen sich die Schmerzen etwas erträglicher machen.

    Zusätzlich bieten Geburtskliniken auch medikamentöse Verfahren an. Sie lindern die Schmerzen wirksam, erlauben es aber trotzdem, die Geburt wach mitzuerleben. Normalerweise stehen einer werdenden Mutter mehrere Alternativen zur Verfügung. Am wirksamsten ist eine lokale Betäubung, die sogenannte Periduralanästhesie (PDA), auch „Rückenspritze“ genannt. Sie ist die häufigste Form der medikamentösen Schmerzlinderung während der Geburt.

    Was ist die Periduralanästhesie?

    Eine PDA ist eine Narkosetechnik, bei der die Weiterleitung der Schmerzsignale vom Rückenmark zum Gehirn gezielt unterbunden wird. Dazu wird eine kleine Menge Betäubungsmittel in den Periduralraum gespritzt. Der Periduralraum ist mit Flüssigkeit gefüllt und umgibt das Rückenmark. An bestimmten Stellen münden Nerven (Spinalnerven) in das Rückenmark, die Schmerzsignale aus dem Körper ins Gehirn leiten. Das Medikament betäubt die Spinalnerven und blockiert so die Schmerzweiterleitung. Es kann nicht bei Frauen eingesetzt werden, die zum Beispiel eine Allergie gegen Betäubungsmittel oder eine Störung der Blutgerinnung haben.

    Für eine Entbindung wird die Narkose im Bereich der Lendenwirbelsäule gesetzt. Wenn dies gut gelingt, spürt die Frau im Unterleib keine Schmerzen mehr. Bei niedriger Dosierung kann sie aber weiter die Beine bewegen und mit etwas Unterstützung umhergehen. Eine PDA kann auch zur Teilnarkose verwendet werden, falls ein Kaiserschnitt erforderlich werden sollte.

    Da eine einmalige Spritze häufig nicht für die gesamte Geburt ausreicht, wird meist ein Katheter gelegt und auf dem Rücken befestigt. Dieser feine Schlauch aus Kunststoff wird mithilfe einer speziellen Nadel bis in den Periduralraum vorgeschoben. Über den Katheter lässt sich bei Bedarf weiteres Betäubungs- und auch Schmerzmittel spritzen. Häufig tun Ärztinnen und Ärzte das per Hand, oder an den Katheter ist eine kleine Pumpe angeschlossen, die fortwährend kleine Mengen liefert. Manchmal kann die Frau die Pumpe auch selbst bedienen, um die Medikamentendosis an ihren Bedarf anzupassen.

    Während der PDA erhält eine Frau außerdem eine weitere Kanüle in eine Armvene, an die ein Tropf angeschlossen werden kann. Dies ist auch eine Sicherheitsmaßnahme: So kann es vorkommen, dass während einer PDA der Blutdruck plötzlich absackt. Über die Kanüle kann dann sehr schnell ein entsprechendes Gegenmittel gegeben werden.

    Um nicht zu viel Narkosemittel auf einmal zu spritzen, wird die Dosis meist schrittweise erhöht. Im Normalfall macht sich die schmerzlindernde Wirkung nach 10 bis 20 Minuten bemerkbar. Manchmal brauchen die Ärztinnen und Ärzte etwas Zeit, um mit der Injektionsnadel die richtige Stelle im Rücken zu treffen, oder es gelingt ihnen gar nicht.

    Wie gut wirkt die PDA?

    Eine PDA ist sehr wirksam und kann die Schmerzen fast immer besser lindern als andere Medikamente. Die meisten Frauen spüren mit einer PDA gar keine oder nur noch geringe Schmerzen. Schätzungsweise eine von 100 Frauen benötigt neben der PDA zusätzliche Schmerzmittel. Zum Vergleich: Etwa 28 von 100 Frauen, bei denen von Anfang an andere Methoden zur Schmerzdämpfung eingesetzt wurden, benötigen zusätzlich oder wiederholt Schmerzmittel während der Entbindung.

    Welche Nebenwirkungen hat die PDA?

    Bei einer PDA können verschiedene lokale Betäubungsmittel eingesetzt werden, die sich auch in ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Manche Mittel können Juckreiz auslösen. Dann kann der Wechsel auf ein anderes Medikament hilfreich sein. Über Einzelheiten klären Narkoseärztinnen und -ärzte jede Frau vor der PDA auf. Häufige Nebenwirkungen sind:

    • niedriger Blutdruck: Bei etwa 14 von 100 Frauen fällt als Folge der PDA der Blutdruck ab. Dies kann dazu führen, dass ihnen schwindelig oder übel wird.
    • Fieber: Ungefähr 23 von 100 Frauen bekommen durch eine PDA Fieber – dies ist nur bei etwa 7 von 100 Frauen der Fall, die eine andere Schmerzbehandlung bekommen.
    • Probleme beim Wasserlassen: Die Narkose des Unterleibs kann auch das Wasserlassen erschweren. Manche Frauen benötigen daher einen Katheter, damit der Urin während der PDA aus der Blase ablaufen kann. Nach groben Schätzungen kommt es bei 15 von 100 Frauen durch die PDA zu Problemen beim Wasserlassen.

    Eine PDA kann zudem zu Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in den Beinen führen. Es kann vorkommen, dass Narkoseärzte bei der Injektion zu tief stechen und die innere Schutzhülle des Rückenmarks verletzen. Dabei kann Nervenwasser austreten, der sogenannte Liquor. Wenn viel Liquor ausgetreten ist, kann dies starke Kopfschmerzen auslösen, die einige Tage andauern können. Dies passiert bei etwa einer von 100 Frauen. Insgesamt haben die Frauen nach einer PDA nicht häufiger Kopfschmerzen als die Frauen, deren Geburtsschmerzen auf andere Weise behandelt werden.

    Manche Frauen machen sich Sorgen, dass eine PDA anhaltende Rückenschmerzen auslösen könnte. Nach dem Stand des Wissens sind Rückenschmerzen bei Frauen, die mit einer PDA entbunden haben, nach der Geburt aber nicht häufiger als bei Frauen, die während der Entbindung andere schmerzlindernde Medikamente verwenden.

    Wie wirkt die PDA auf das Kind? Verändert sie den Geburtsverlauf?

    Jedes Medikament, das eine Frau während der Geburt einnimmt, gelangt über die Nabelschnur auch in den Körper des Kindes. Das gilt für Schmerzmittel und auch für die bei der PDA eingesetzten Narkosemittel. Auf das Baby hat die Betäubung aber keine stärkeren Auswirkungen als andere Schmerzmittel, die während der Geburt infrage kommen. Langfristige Nachteile durch eine PDA sind nicht bekannt. Ein Unterschied ist aber, dass Geburten unter einer PDA im Durchschnitt etwas länger dauern. Das könnte daran liegen, dass einige Kinder sich bei einer PDA langsamer in die richtige Geburtsposition drehen.

    Es hat sich gezeigt, dass Entbindungen mit einer PDA etwas häufiger durch Saugglocken oder Zangen unterstützt werden müssen:

    • Ohne PDA wird bei etwa 10 von 100 Frauen eine Saugglocke oder Zange eingesetzt.
    • Mit PDA ist dies bei schätzungsweise 14 von 100 Frauen der Fall.

    Bevor das Kind mithilfe von Saugglocke oder Zange entbunden werden kann, ist meist ein Dammschnitt nötig, der dann genäht werden muss.

    Einige Frauen haben trotz der Betäubung ein Bedürfnis zu pressen. Weil sie infolge der PDA aber kein Gespür mehr für den günstigsten Zeitpunkt haben, müssen Hebammen, Ärztinnen oder Ärzte ihnen einen Hinweis geben, wann sie mit dem Pressen anfangen sollen.

    Kann man mit einer PDA aufstehen?

    Die PDA lässt sich so niedrig dosieren, dass es möglich bleibt, während der ersten Phase der Geburt aufzustehen und umherzugehen. In dieser sogenannten Eröffnungsphase verkürzt sich der Gebärmutterhals und der Muttermund öffnet sich. Das Umhergehen soll später die eigentliche Entbindung erleichtern. Vergleiche zeigen aber, dass Geburten bei Frauen mit PDA, die in der Eröffnungsphase umhergehen, nicht anders verlaufen als bei Frauen, die liegen bleiben.

    Während der zweiten Phase der Geburt, der Austreibungsphase, wird manchmal empfohlen, sich aufrechter zu halten, also beispielsweise das Kopfteil des Bettes hochzustellen oder sich am Partner anzulehnen. Bislang ist nicht bekannt, ob dies wirklich etwas am Geburtsverlauf ändert. Daher wählt eine Frau am besten die Position, die für sie am angenehmsten ist.

    Kommt es durch die PDA häufiger zu Kaiserschnitten?

    Eine PDA erhöht nicht das Risiko für einen Kaiserschnitt. Wenn im Verlauf der Geburt dann aber doch die Entscheidung fällt, das Kind per Kaiserschnitt zu holen, kann eine höher dosierte PDA der werdenden Mutter eine Vollnarkose ersparen. Sie kann die Geburt ihres Kindes dann unter der Teilnarkose bewusst miterleben. Während der Kaiserschnitt-Operation wird ein Vorhang über den Bauch der Frau gespannt, sodass weder sie noch ihr Partner, der an ihrer Kopfseite sitzt, den Eingriff sehen können. Die Frau bleibt aber wach genug, um ihr Kind nach dem Eingriff gleich in die Arme zu nehmen.

    Spinalanästhesie und Pudendusblockade

    Die Spinalanästhesie funktioniert ähnlich wie die PDA; die Narkosemittel werden aber noch näher an das Rückenmark gespritzt: in den sogenannten Hirnwasserraum. Dadurch wird die gesamte untere Körperhälfte betäubt. Eine Spinalanästhesie wirkt schneller als eine PDA. Deshalb wird sie beispielsweise dann eingesetzt, wenn ein Kaiserschnitt erforderlich wird und es für eine PDA zu spät ist.

    Es gibt aber auch die Möglichkeit, Spinal- und Periduralanästhesie zu kombinieren. Ob dies im Vergleich zur alleinigen PDA wesentliche Vor- oder Nachteile hat, ist unklar. Durch die Kombination tritt die schmerzlindernde Wirkung etwas schneller ein, allerdings kann sie eher zu Juckreiz führen.

    In der zweiten Phase der Geburt, der Austreibungsphase, kann eine sogenannte Pudendusblockade vorgenommen werden. Dabei wird Betäubungsmittel in das Gewebe im Bereich der Scheide und des Damms gespritzt. Dies wird aber meist nur dann gemacht, wenn die Geburt nicht vorankommt und mithilfe einer Saugglocke oder Geburtszange entbunden werden muss.

    Wie wirken Schmerzmittel?

    Schmerzlindernde Mittel können auch direkt ins Blut gespritzt oder eingeatmet werden. Sie wirken dann auf den ganzen Körper der Frau, nicht nur auf ihren Unterleib. Ein Vorteil im Vergleich zur lokalen Betäubung ist, dass kein Katheter gelegt werden muss. Schmerzmittel wirken aber weniger zuverlässig, manche haben auch mehr Nebenwirkungen.

    Opioide

    Opioide können in den Muskel gespritzt oder über einen feinen Schlauch in eine Vene geleitet werden. Auf diesem Weg verabreicht, lindern Opioide die Schmerzen nicht so stark wie eine Periduralanästhesie, können aber manchen Frauen helfen. Studien zeigen allerdings, dass bis zu zwei Drittel der Frauen, die Opioide erhalten, ein oder zwei Stunden danach noch mittelstarke oder starke Schmerzen haben. Nebenwirkungen können Blutdruckabfall, Übelkeit, Erbrechen und Benommenheit sein. Je höher die Dosis ist, desto eher treten Nebenwirkungen auf.

    Opioide können unter Umständen die Atmung des Babys beeinträchtigen. Dann muss es möglicherweise ein Medikament gegen diese Wirkung bekommen, einen sogenannten Morphinantagonist. Manchmal erhält auch die Mutter ein solches Mittel. Morphinantagonisten schwächen aber nicht nur die Nebenwirkungen, sondern auch die schmerzlindernde Wirkung der Opioide ab.

    Lachgas

    Schmerzmittel durch eine Maske einzuatmen (zu inhalieren), war früher eine beliebte und häufig eingesetzte Methode. Zur Schmerzbehandlung während der Geburt wurde im Allgemeinen Lachgas (Distickstoffmonoxid) eingesetzt. Heute wird es kaum noch verwendet, weil es die Schmerzen nicht so verlässlich stillt wie andere Mittel. Es hat allerdings den Vorteil, dass eine Frau selbst kontrollieren kann, wie viel sie einatmet. Die Wirkung tritt rasch ein, klingt aber auch schnell wieder ab. Es kann Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Schwindel auslösen. Nebenwirkungen für das Baby sind bislang nicht bekannt, aber auch noch nicht abschließend erforscht.

    Weitere Mittel

    Andere Medikamente wie Paracetamol, nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Beruhigungsmittel spielen bei der Behandlung von Geburtsschmerzen kaum eine Rolle. Sie sind im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten nicht sehr wirksam.

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Warum wird für Neugeborene eine Untersuchung auf schwere Herzfehler angeboten?

    In der Schwangerschaft und nach der Geburt werden verschiedene Früherkennungsuntersuchungen angeboten. Eine davon ist die Pulsoxymetrie. Sie weist auf die meisten schweren Herzfehler hin, die sonst erst später aufgefallen wären, und ermöglicht so eine frühere Behandlung.

    Bei einer Pulsoxymetrie wird mithilfe eines Lichtsensors bestimmt, wie viel Sauerstoff das Blut enthält. Zu wenig Sauerstoff im Blut kann auf einen schweren Herzfehler hinweisen. Für die Untersuchung muss kein Blut abgenommen werden. Sie ist schmerzfrei und dauert nur einige Sekunden.

    In der Schwangerschaft und nach der Geburt werden verschiedene Früherkennungsuntersuchungen angeboten. Eine davon ist die Pulsoxymetrie. Sie weist auf die meisten schweren Herzfehler hin, die sonst erst später aufgefallen wären, und ermöglicht so eine frühere Behandlung.

    Bei einer Pulsoxymetrie wird mithilfe eines Lichtsensors bestimmt, wie viel Sauerstoff das Blut enthält. Zu wenig Sauerstoff im Blut kann auf einen schweren Herzfehler hinweisen. Für die Untersuchung muss kein Blut abgenommen werden. Sie ist schmerzfrei und dauert nur einige Sekunden.

    Warum wird die Untersuchung angeboten?

    Trotz Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft und der U1-Untersuchung direkt nach der Geburt kann es vorkommen, dass ein schwerer Herzfehler nicht erkannt wird: Dies passiert bei ungefähr 4 von 10.000 Babys. Die Pulsoxymetrie soll helfen, diese schweren Herzfehler so früh wie möglich zu finden.

    „Schwer“ bedeutet, dass Fehlbildungen am Herzen und seinen Gefäßen den Blutkreislauf so stark behindern, dass das Kind ohne Behandlung kaum eine Überlebenschance hat. Je früher schwere Herzfehler behandelt werden, desto besser sind die Chancen für das Kind, sich normal zu entwickeln.

    Wie läuft die Untersuchung ab?

    Der beste Zeitpunkt für die Früherkennungsuntersuchung ist 24 bis 48 Stunden nach der Geburt. Für die Messung wird am Fuß des Babys ein Sensor angelegt, der mit einem Bildschirm verbunden ist. Er zeigt das Ergebnis sofort an.

    • Enthält das Blut mindestens 96 % des maximal möglichen Sauerstoffgehalts, ist das Ergebnis unauffällig.
    • Bei Werten zwischen 90 % und unter 96 % wird die Messung innerhalb von zwei Stunden wiederholt. Liegt der Messwert auch dann unter 96 %, wird das Kind unverzüglich weiter untersucht, beispielsweise mit einem Herzultraschall. Vorsichtshalber kann das Kind ein Medikament erhalten, damit sein Körper genug Sauerstoff bekommt.
    • Liegt der erste Messwert unter 90 %, wird das Kind ebenfalls unverzüglich weiter untersucht und notwendige Behandlungsschritte eingeleitet.

    Wie gut werden schwere Herzfehler erkannt?

    Eine große deutsche Studie zeigt, was man ungefähr erwarten kann, wenn zusätzlich zur U1-Untersuchung nach der Geburt eine Pulsoxymetrie gemacht wird:

    • Im Durchschnitt werden dadurch bei etwa 3 von 10.000 Babys schwere Herzfehler entdeckt, die vorher nicht aufgefallen sind.
    • Bei etwa 1 von 10.000 Babys wird trotz Pulsoxymetrie ein schwerer Herzfehler nicht erkannt.

     

    Grafik: Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 10.000 Babys eine Pulsoxymetrie erhalten?

    Wichtig ist: Auch bei einem auffälligen Ergebnis kann das Herz gesund sein. Ein niedriger Messwert kann andere Ursachen haben, zum Beispiel eine Infektion oder eine Lungenerkrankung.

    Hat die Untersuchung Nachteile?

    Die Pulsoxymetrie selbst hat keine Nebenwirkungen, sie kann dem Kind also nicht schaden. Es kann aber sein, dass ein auffälliges Ergebnis überprüft werden muss. Die Zeit bis zur Klärung kann für die Eltern belastend sein.

    Wo findet die Untersuchung statt?

    Die Untersuchung wird von allen Geburtskliniken angeboten. Wer außerhalb einer Klinik entbindet, bespricht dies am besten mit der Hebamme oder dem Geburtshelfer.

    Was passiert, wenn man die Untersuchung nicht in Anspruch nimmt?

    Die Teilnahme ist freiwillig. Wer sein Kind nicht untersuchen lassen möchte, hat im Hinblick auf seine Versicherung keine Nachteile. Falls später doch ein Herzfehler gefunden werden sollte, übernehmen die Krankenkassen selbstverständlich die Kosten für alle notwendigen Behandlungen.

    Weitere Informationen

    Vor der Untersuchung findet ein Aufklärungsgespräch statt, in dem Fragen geklärt werden können. Wer schon vorher Fragen hat, kann sich an die Geburtsklinik, die Frauenärztin, den Frauenarzt oder die Hebamme oder den Geburtshelfer wenden.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Screening auf kritische angeborene Herzfehler mittels Pulsoxymetrie bei Neugeborenen: Abschlussbericht; Auftrag S13-01. 11.03.2015. (IQWiG-Berichte; Band 285).

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Elterninformation zum Pulsoxymetrie-Screening bei Neugeborenen - Addendum zum Auftrag S13-01; Auftrag P15-03. 04.05.2016. (IQWiG-Berichte; Band 388).

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    Mehr Wissen: Depression nach der Geburt – was kann helfen?

    Schwangere Frauen freuen sich normalerweise auf glückliche Tage und Wochen nach der Geburt ihres Kindes. Viele haben aber auch vom „Baby blues“ gehört: Traurigkeit und heftige Stimmungsschwankungen, die oft ein paar Tage nach der Geburt auftreten. Hält die trübe Stimmung an, könnte dies auf eine beginnende Depression hinweisen.

    Eine Depression nach der Geburt eines Kindes wird auch als „postpartale Depression“ oder „Wochenbettdepression“ bezeichnet. Sie unterscheidet sich kaum von einer Depression, wie sie auch in anderen Lebensphasen auftreten kann. Einen großen Unterschied gibt es jedoch: Die Mütter empfinden oft starke Schuldgefühle gegenüber ihrem Baby. Sie machen sich Sorgen, weil es ihnen schwerfällt, sich um ihr Kind zu kümmern. Viele trauen sich nicht, mit anderen über ihre Gefühle zu sprechen und haben Angst, nicht dem Bild einer „guten Mutter“ zu entsprechen. Dies kann dazu führen, dass sie sich zunehmend isolieren. Manche Frauen berichten, dass sie sich selbst gegenüber fremd gefühlt haben.

    Ein Neugeborenes zu umsorgen, ist eine anspruchsvolle Leistung. Manche Frauen bekommen dabei nicht die emotionale und praktische Hilfe, die sie bräuchten. Es ist auch nicht immer leicht, mit den Veränderungen fertig zu werden, die die ständige Betreuung des Kindes für das eigene Leben bedeutet. Den Alltag zu bewältigen und sich auf das neue Leben einzustellen, kann an sich schon anstrengend sein – und manchmal auch deprimierend.

    Doch solche Phasen dauern meist nur kurz an und gehen von selbst vorüber, wenn sich die Dinge einspielen. Werden sie aber zu einer anhaltenden Depression, können sie das Verhältnis zum Kind sehr belasten. Es ist deshalb wichtig, tiefe Traurigkeit und Stimmungsschwankungen nach der Geburt ernst zu nehmen und mehr Unterstützung zu bekommen.

    Der erste Schritt dazu ist, sich klar zu werden, dass ein Problem vorliegt. Wer deprimiert ist, bemerkt manchmal nicht, wann es nötig wird, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine Depression zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es schwerfällt zu erkennen, wenn man sich mittendrin befindet – und ab wann Stimmungsschwankungen sich nicht mehr im „normalen“ Bereich bewegen.

    Es kann auch sein, dass man sich so schlecht fühlt, dass man gar nicht in der Lage ist, sich um die Hilfe zu bemühen, die man braucht. Vielleicht müssen also die Ärztin oder der Arzt, die Hebamme, der Partner, Angehörige oder Freunde erkennen, was vor sich geht, und für mehr Unterstützung sorgen.

    Schwangere Frauen freuen sich normalerweise auf glückliche Tage und Wochen nach der Geburt ihres Kindes. Viele haben aber auch vom „Baby blues“ gehört: Traurigkeit und heftige Stimmungsschwankungen, die oft ein paar Tage nach der Geburt auftreten. Hält die trübe Stimmung an, könnte dies auf eine beginnende Depression hinweisen.

    Eine Depression nach der Geburt eines Kindes wird auch als „postpartale Depression“ oder „Wochenbettdepression“ bezeichnet. Sie unterscheidet sich kaum von einer Depression, wie sie auch in anderen Lebensphasen auftreten kann. Einen großen Unterschied gibt es jedoch: Die Mütter empfinden oft starke Schuldgefühle gegenüber ihrem Baby. Sie machen sich Sorgen, weil es ihnen schwerfällt, sich um ihr Kind zu kümmern. Viele trauen sich nicht, mit anderen über ihre Gefühle zu sprechen und haben Angst, nicht dem Bild einer „guten Mutter“ zu entsprechen. Dies kann dazu führen, dass sie sich zunehmend isolieren. Manche Frauen berichten, dass sie sich selbst gegenüber fremd gefühlt haben.

    Ein Neugeborenes zu umsorgen, ist eine anspruchsvolle Leistung. Manche Frauen bekommen dabei nicht die emotionale und praktische Hilfe, die sie bräuchten. Es ist auch nicht immer leicht, mit den Veränderungen fertig zu werden, die die ständige Betreuung des Kindes für das eigene Leben bedeutet. Den Alltag zu bewältigen und sich auf das neue Leben einzustellen, kann an sich schon anstrengend sein – und manchmal auch deprimierend.

    Doch solche Phasen dauern meist nur kurz an und gehen von selbst vorüber, wenn sich die Dinge einspielen. Werden sie aber zu einer anhaltenden Depression, können sie das Verhältnis zum Kind sehr belasten. Es ist deshalb wichtig, tiefe Traurigkeit und Stimmungsschwankungen nach der Geburt ernst zu nehmen und mehr Unterstützung zu bekommen.

    Der erste Schritt dazu ist, sich klar zu werden, dass ein Problem vorliegt. Wer deprimiert ist, bemerkt manchmal nicht, wann es nötig wird, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine Depression zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es schwerfällt zu erkennen, wenn man sich mittendrin befindet – und ab wann Stimmungsschwankungen sich nicht mehr im „normalen“ Bereich bewegen.

    Es kann auch sein, dass man sich so schlecht fühlt, dass man gar nicht in der Lage ist, sich um die Hilfe zu bemühen, die man braucht. Vielleicht müssen also die Ärztin oder der Arzt, die Hebamme, der Partner, Angehörige oder Freunde erkennen, was vor sich geht, und für mehr Unterstützung sorgen.

    Woran erkennt man, dass eine Mutter Depressionen entwickelt?

    Ein Stimmungstief nach der Geburt kann einige Tage andauern, manchmal auch bis zu zwei Wochen. Meist vergeht die schlechte Stimmung dann wieder und die Gefühle normalisieren sich. Weinen, Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit sind in dieser Zeit sehr häufig: Fast jede zweite Frau, die gerade geboren hat, hat damit zu tun. Normalerweise genügen Unterstützung und Verständnis, um einer Frau darüber hinwegzuhelfen.

    Bei einer postpartalen Depression sind die negativen Gefühle deutlich stärker als beim „normalen“ Baby blues. Typische Anzeichen für eine postpartale Depression sind:

    • Stimmungstief (tiefe Traurigkeit, Weinen)
    • Gleichgültigkeit gegenüber Dingen, die normalerweise Freude bereiten
    • Ängstlichkeit
    • Schlafstörungen
    • Appetitlosigkeit
    • Konzentrationsstörungen
    • Selbstzweifel
    • Gedanken an Selbstverletzung oder daran, dem Baby zu schaden

    Es handelt sich erst dann um eine Depression, wenn diese Anzeichen und Gefühle über mehrere Tage vorhanden sind.

    Bis zu 15 von 100 Frauen bekommen in den ersten drei Monaten nach der Geburt eine Depression, etwa die Hälfte von ihnen (8 von 100) eine milde bis moderate Form. Ungefähr 7 von 100 Frauen entwickeln eine stärkere Depression.

    Ohne Behandlung dauert eine postpartale Depression meist vier bis sechs Monate, auch wenn manche Symptome noch nach einem Jahr fortbestehen können. Bei Frauen, die keine Behandlung in Anspruch nehmen, besteht eher die Gefahr, dass die Depression chronisch wird.

    Viele Frauen mit einer postpartalen Depression haben schon eine depressive Phase erlebt, während sie schwanger waren.

    Ist eine postpartale Depression gefährlich?

    Normalerweise ist eine postpartale Depression weder für eine Frau noch für ihr Kind gefährlich. Es ist auch gar nicht so ungewöhnlich, wenn eine junge Mutter einmal daran denkt, ihrem Kind zu schaden – auch wenn sie so etwas überhaupt nicht denken will. Wenn man eine Depression hat, können solche Gedanken häufiger auftauchen. Solange sie nicht in Taten umgesetzt werden, ist dies kein Anzeichen für eine ernsthafte psychische Erkrankung. Wer jedoch eine starke Depression entwickelt hat, ist in Gefahr, über lange Zeit deprimiert zu bleiben oder gar, sich selbst zu töten (Suizidgefahr). Jeder Mensch, der beginnt, ernsthaft über eine Selbsttötung nachzudenken, braucht dringend medizinische Hilfe.

    Nach einer Geburt kann auch noch eine andere ernsthafte Erkrankung auftreten, die „postpartale Psychose“. Diese psychische Erkrankung ist selten, sie kommt vielleicht bei 1 bis 2 von 1000 Frauen vor. Das Risiko ist allerdings für Frauen höher, die bereits eine manisch-depressive Erkrankung (bipolare Störung) hatten.

    Menschen, die eine Psychose entwickeln, bekommen Wahnvorstellungen. Sie verlieren den Kontakt mit der Wirklichkeit und haben Schwierigkeiten, mit anderen Personen umzugehen und sich auszutauschen. Ihre Empfindungen und ihr Verhalten werden merkwürdig und manchmal bizarr. Bei einem Verdacht auf eine Psychose ist schnelle psychiatrische Hilfe sehr wichtig.

    Was kann eine postpartale Depression auslösen?

    Es gibt viele Theorien zur Ursache von Depressionen nach einer Geburt, aber keine ist eindeutig belegt. Lange dachte man, dass hormonelle Veränderungen im weiblichen Körper eine wesentliche Ursache sind. Ob das stimmt, ist aber nicht klar.

    Mutterschaft wird oft als etwas besonders Natürliches und Erfüllendes dargestellt. Dies ist sie auch oft. Mutter zu sein kann aber phasenweise schwierig und fordernd sein, körperlich wie seelisch. Zudem bekommen Frauen oft nicht die Unterstützung und Hilfe, die sie benötigen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn manche Frauen nach einiger Zeit auf Probleme und Überforderung mit einer Depression reagieren. Manche Frauen entwickeln aber auch aus „heiterem Himmel“ eine Depression. Das kann zu jeder Zeit im Leben geschehen, nicht nur nach einer Geburt.

    Frauen erkranken häufiger an einer postpartalen Depression, wenn sie

    • schon einmal Angststörungen oder Depressionen hatten.
    • Stress und belastende Erlebnisse während der Schwangerschaft und nach der Geburt haben.
    • in schlechten Beziehungen oder ohne Partner leben, häusliche Gewalt erfahren und allgemein wenig soziale Unterstützung haben.

    Kann man postpartalen Depressionen vorbeugen?

    Studien zeigen, dass psychosoziale und psychologische Unterstützung helfen können, postpartale Depressionen gar nicht erst entstehen zu lassen. Hilfreich sind regelmäßige Hausbesuche von Hebammen oder speziell ausgebildeten Pflegekräften. Auch eine Behandlung wie die interpersonelle Psychotherapie (siehe unten) kann dazu beitragen, dass sich die Stimmung nicht verschlechtert. Studien mit Frauen, die ein erhöhtes Risiko für Depressionen hatten, zeigen folgende Ergebnisse:

    • Am Ende der Unterstützungsprogramme wurde bei durchschnittlich 3 bis 4 von 100 Teilnehmerinnen eine Depression festgestellt.
    • Dagegen wurde bei durchschnittlich 7 von 100 Frauen eine Depression festgestellt, die nicht an einem Unterstützungsprogramm teilgenommen hatten.

    In anderen Worten: Bei durchschnittlich 3 bis 4 von 100 Frauen konnten die Programme einer Depression vorbeugen. Das bedeutet aber auch: Sie können Depressionen nicht in jedem Fall verhindern. Bisherige Studien sprechen zudem dafür, Unterstützungsprogramme nicht allen Frauen, sondern gezielt Frauen mit einem erhöhten Risiko anzubieten. Welche Methode sich am besten eignet, um solche Frauen zu erkennen, ist jedoch noch unklar.

    Welchen Nutzen haben Beratung und Psychotherapie?

    Bei einer leichten Depression kann es ausreichen, mehr emotionale Unterstützung und praktische Hilfe im Alltag zu erhalten. Dabei ist es sehr wichtig, dass die unterstützende Person sich nicht wertend äußert und nicht kritisiert. Vielleicht hilft es, mit anderen Frauen zu sprechen, die dieselbe Erfahrung gemacht haben – zum Beispiel im Bekanntenkreis oder in Selbsthilfegruppen.

    Besonders bei einer mittleren oder starken Depression ist medizinische oder psychologische Hilfe jedoch wichtig. Die Forschung hat herausgefunden, dass es vielen Frauen zumindest etwas besser geht, wenn sie von ausgebildeten Psychotherapeutinnen oder -therapeuten und geschulten Beratungskräften unterstützt wurden.

    Nachgewiesen hilfreich ist auch die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut mit KVT-Ausbildung arbeitet dabei zusammen mit der Frau an Gedanken, Überzeugungen und Verhaltensweisen, die ihr das Leben erschweren.

    Eine andere Behandlungsmethode, die nachweislich helfen kann, ist die interpersonelle Psychotherapie. Sie besteht aus wöchentlichen Sitzungen bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten, die oder der herauszufinden versucht, was es erschwert, mit den Veränderungen im Leben zurechtzukommen. Das Ziel ist, eine individuelle Strategie zu entwickeln, die im Alltag helfen kann. Studien zeigten, dass die Depressionen ohne Behandlung bei etwa 57 von 100 Frauen nach einem Jahr noch andauerten. Zum Vergleich: Mit einer psychotherapeutischen Behandlung waren nach einem Jahr noch etwa 40 von 100 Frauen depressiv.

    Können Medikamente helfen? Können sie dem Kind schaden?

    Antidepressiva sind für manche Frauen sehr wichtig. Sie können Depressionen nach einer Geburt lindern. Im Allgemeinen werden diese Medikamente während Schwangerschaft und Stillzeit aber zurückhaltend eingesetzt. Es ist bei vielen Wirkstoffen nicht genug darüber bekannt, welche Auswirkungen sie auf das Baby haben.

    Wer in der Stillzeit Antidepressiva einnimmt, sollte mit der Ärztin oder dem Arzt genau besprechen, worauf zu achten ist. Denn Arzneimittel können über die Muttermilch in kleinen Mengen an das Baby weitergegeben werden und unter Umständen zu Nebenwirkungen führen. Zwar wurden bei gestillten Kindern bislang nur sehr selten Auffälligkeiten beobachtet, die durch Antidepressiva verursacht sein könnten. Vereinzelt wurde aber über Unruhe oder Benommenheit bei Kindern berichtet, deren Mütter bestimmte Antidepressiva nahmen. Diese Symptome verschwanden nach einem Umstieg auf Flaschennahrung.

    Ob Johanniskraut bei postpartalen Depressionen helfen kann, ist nicht gut untersucht. Dieses pflanzliche Mittel kann bei manchen Menschen leichtere Depressionen lindern. Ob es auch während einer Schwangerschaft und in der Stillzeit hilft und welche Nebenwirkungen es dann haben kann, ist bisher kaum untersucht. Zudem sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich.

    Für Frauen, die vor einer Schwangerschaft Antidepressiva nehmen, ist es nicht ratsam, die Mittel abrupt abzusetzen, wenn sie schwanger werden. Oft ist es möglich, die Medikamente zum Beispiel in einer niedrigeren Dosis weiter zu nehmen. Darüber berät die Frauenärztin, der Frauenarzt oder die Hebamme. Wichtig ist, dass Ärzte, Hebammen und Angehörige darüber Bescheid wissen, wenn eine Frau sich entscheidet, die Medikamente für die Dauer der Schwangerschaft und Stillzeit abzusetzen. So können alle gemeinsam darauf achten, wie es ihr geht und wie sie im Alltag zurechtkommt.

    Manchmal werden auch hormonelle Mittel aus Östrogen und Gestagen zur Behandlung und Vorbeugung einer postpartalen Depression empfohlen. Dies beruht auf der bislang unbewiesenen Annahme, dass sie durch ein hormonelles Ungleichgewicht ausgelöst werden könnte. Für eine Einnahme von Hormonen spricht derzeit nichts: Es gibt nur sehr wenige Studien, die die Einnahme von hormonellen Mitteln untersucht haben. Sie deuten sogar darauf hin, dass eine vorbeugende Einnahme die Stimmung negativ beeinflussen kann. Der Nutzen hormoneller Mittel für die Behandlung ist daher unklar, außerdem können sie Nebenwirkungen haben.

    Gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten?

    Es gibt eine Vielzahl anderer Behandlungen und Maßnahmen, die Frauen bei einer postpartalen Depression ausprobieren. Sport und Bewegung können depressive Beschwerden lindern. Ob dies auch bei einer postpartalen Depression so ist, lässt sich noch nicht sagen. Der Verzehr von Omega-3-Fettsäuren dagegen zeigte in Studien keine Wirkung. Andere Maßnahmen wie Massagen, Akupunktur und Lichttherapie sind bislang nicht gut genug untersucht worden, um sagen zu können, ob sie helfen oder nicht. Bei der Lichttherapie verbringt man mit offenen Augen eine bestimmte Zeit in der Nähe einer speziellen Lampe, sodass deren Licht auf die Netzhaut fällt.

    Wie kommen andere Frauen und Familien mit einer Depression zurecht?

    Mit einer postpartalen Depression fühlt man sich schnell sehr einsam – vor allem, wenn man oft mit dem Baby allein zu Hause ist. Viele Frauen erzählen nicht einmal den ihnen nahestehenden Menschen, wie sie sich fühlen. Für manche mag das der richtige Weg sein.

    Auf diese Weise verbauen sich jedoch viele Frauen die Möglichkeit, zusätzliche Unterstützung zu erhalten, die helfen könnte, wieder Freude an ihrem Leben und ihrem Baby zu bekommen. Auch für ihre Partner kann diese Zeit sehr schwierig sein, und vielleicht benötigen sie ebenfalls Unterstützung.

    Viele Frauen mit einer postpartalen Depression haben das Gefühl, sie hätten keine Kontrolle mehr über ihr Leben. Sie haben Angst, dass ihr Leben nie mehr „normal“ sein wird und fragen sich, ob sie jemals wieder Freude empfinden werden. Viele Frauen verlieren die Lust auf Sex, was zu Partnerschaftskonflikten führen kann.

    Andere Frauen berichten, dass sie allmählich aus einem deprimierten Zustand wieder aufgetaucht sind, indem sie einfach Tag für Tag ums Durchhalten gekämpft haben. Nach und nach ist es ihnen gelungen, die Kontrolle über das eigene Leben zurück zu gewinnen.

    Eine postpartale Depression ist irgendwann vorbei. Wichtig ist, ausreichend Unterstützung und Hilfe im Alltag zu erhalten. Andere Menschen um Hilfe zu bitten, kann sehr schwerfallen, wenn man depressiv ist und sich seiner Gefühle schämt. Meist gibt es aber Menschen im persönlichen Umfeld oder auch professionelle Helferinnen und Helfer, die einen nicht verurteilen, sondern darin unterstützen, mit der schwierigen Situation zurechtzukommen.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Flüssiges Aufstoßen bei Babys

    Wenn Eltern ihr Baby tragen, gehört das Spucktuch über der Schulter zur Grundausstattung: Es fängt flüssige „Bäuerchen“ auf. Wenn ein Baby öfter etwas Milch oder Nahrung aufstößt, ist das normalerweise kein Grund, sich Sorgen zu machen.

    Babys legen in ihrem ersten Lebensjahr sehr schnell an Gewicht zu und brauchen dafür viel Nahrung. Für ihr Verdauungssystem ist es mitunter schwer, damit problemlos fertig zu werden. Säuglinge spucken in den ersten Monaten ihres Lebens deshalb häufiger. Es ist normal, wenn dabei eine kleine Menge Milch wieder hochkommt, etwa ein Löffel voll.

    Nur selten weist flüssiges Aufstoßen auf eine Krankheit hin. Dann ist es aber meist von anderen Problemen begleitet – beispielsweise, wenn das Kind nicht richtig wächst.

    Wenn Eltern ihr Baby tragen, gehört das Spucktuch über der Schulter zur Grundausstattung: Es fängt flüssige „Bäuerchen“ auf. Wenn ein Baby öfter etwas Milch oder Nahrung aufstößt, ist das normalerweise kein Grund, sich Sorgen zu machen.

    Babys legen in ihrem ersten Lebensjahr sehr schnell an Gewicht zu und brauchen dafür viel Nahrung. Für ihr Verdauungssystem ist es mitunter schwer, damit problemlos fertig zu werden. Säuglinge spucken in den ersten Monaten ihres Lebens deshalb häufiger. Es ist normal, wenn dabei eine kleine Menge Milch wieder hochkommt, etwa ein Löffel voll.

    Nur selten weist flüssiges Aufstoßen auf eine Krankheit hin. Dann ist es aber meist von anderen Problemen begleitet – beispielsweise, wenn das Kind nicht richtig wächst.

    Wie kommt es zu flüssigem Aufstoßen?

    Vom Mund in den Magen gelangt die Nahrung durch die Speiseröhre („Ösophagus“). Am unteren Ende der Speiseröhre sitzt ein Muskelring, der auch unterer Ösophagussphinkter genannt wird. Dieser Muskelring sorgt dafür, dass der Speisebrei im Magen bleibt. Bei Säuglingen funktioniert dieser „Schließmuskel“ oft noch nicht richtig, außerdem ist ihr Magen noch relativ klein.

    Flüssiges Aufstoßen ist kein Erbrechen. Beim Erbrechen führt unter anderem ein Zusammenziehen des Zwerchfells und der Muskulatur der Speiseröhre dazu, dass der Mageninhalt aktiv herausgewürgt wird. Meist ist einem dann auch übel. Beim flüssigen Aufstoßen steigt die Nahrung einfach wieder hoch und ein wenig fließt bis in den Mund zurück. Der Fachausdruck dafür heißt „Regurgitation“.

    Grafik: Speiseröhre mit unterem Schließmuskel, Magen und Darm Speiseröhren-Schließmuskel beim Baby

    Wann ist flüssiges Aufstoßen normal?

    Die Hälfte bis zwei Drittel aller Babys stoßen mindestens einmal am Tag flüssig auf, bis sie sechs Monate alt sind. Wenn Ihr Baby häufiger spuckt, ist das also kein Grund, sich zu sorgen: Es mag manchmal lästig sein, ist aber normal, solange das Baby keine Beschwerden hat. Es spuckt auch nicht, weil es zu viel gefüttert wurde oder weil es die Milch nicht gut verträgt.

    Mit zehn bis zwölf Monaten spucken nur noch 5 von 100 Babys. Bei den anderen hat sich das Problem ohne irgendeine Behandlung einfach ausgewachsen. Wann das flüssige Aufstoßen aufhört, ist bei jedem Kind unterschiedlich: Manche Babys spucken auch noch regelmäßig, wenn sie älter als ein Jahr sind.

    Wann ist ärztlicher Rat nötig?

    Wenn Ihr Baby wohlgenährt ist und gut gedeiht, ist ein medizinisches Problem unwahrscheinlich. Babys, die einfach aufstoßen und sonst keine Beschwerden haben, müssen auch nicht untersucht werden. Ein Arztbesuch ist aber nötig, wenn Ihr Baby

    • sehr oft spuckt, auffallend blass ist, nicht wächst und nicht so zunimmt, wie es für sein Alter normal wäre.
    • Schmerzen hat – dann weint es viel, schreit oder krümmt oft den Rücken.
    • hüstelt, keucht und sich häufig räuspert. Dies kann ein Zeichen dafür sein, dass die Speiseröhre des Babys durch Magensäure gereizt ist.
    • nicht nur nach einer Mahlzeit spuckt, sondern auch, wenn es nüchtern ist.
    • sich schwallartig übergibt: Dabei verkrampfen sich die Magen-Darm-Muskeln und die Nahrung wird in größeren Mengen und mit einigem Druck wieder ausgespien.
    • zugleich Durchfall und Fieber hat: Wenn Babys zu viel Flüssigkeit verlieren, können sie rasch austrocknen, und das kann für sie gefährlich sein.

    Bei wenigen Babys kann flüssiges Aufstoßen auf ein ernsthaftes Problem hinweisen, zum Beispiel bei Frühgeborenen und Säuglingen mit Erkrankungen, die ihre Entwicklung verzögern. Häufiges Spucken kann dann zum Beispiel ein Zeichen für Fehlbildungen des Darms sein. In diesem Fall erbricht sich das Baby wahrscheinlich auch häufiger und hat Magen-Darm-Krämpfe, die man fühlen oder sehen kann. Bei solchen Anzeichen ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig.

    Hinter den Beschwerden kann außerdem eine Refluxkrankheit stecken. Dabei kann die zurückfließende Nahrung zu Schäden in der Speiseröhre oder zu Atemwegserkrankungen führen, wenn Nahrung in die Lunge gerät.

    Quellen

    Gortner L, Meyer S, Sitzmann FC. Duale Reihe Pädiatrie. Stuttgart: Thieme; 2012.

    Mazur LJ, Smith HD. Gastroesophageal reflux in the infant. In: Moyer V, Elliott E (Ed). Evidence-based pediatrics and child health. London: Wiley; 2004.

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    PDA - Erfahrungsbericht - Claudia

    „Man bekommt die Wehen schon mit. Es ist jedoch nicht schmerzhaft. Man merkt es so, als wenn ein Muskel arbeitet.“

    Claudia, 38 Jahre, drei Monate alter Sohn

    „Für mich ist eine Geburt ein natürlicher Vorgang. Deshalb wollte ich nicht in einem Krankenhaus entbinden. Ich habe die Geburt in einem Geburtshaus geplant und mich damit im Vorfeld gegen eine Periduralanästhesie (PDA) entschieden.“

    Eine Bekannte von mir hält die PDA für einen großen medizinischen Fortschritt und ist der Meinung, dass alle Frauen eine PDA erhalten sollten, da sie dadurch nicht mehr leiden müssten. Ich kenne aber auch Frauen, die sagen, dass man diesen Schmerz eben überstehen muss, und dem eine metaphysische Wirkung beimessen. Weder die eine noch die andere Haltung hat mich angesprochen. Ich wollte in einem Geburtshaus entbinden, einfach, weil ich die Geburt nicht unnötig medikalisieren wollte. Ein wichtiger Grund dafür war auch, dass ich die Hebamme, die mich betreut hat, vorher kannte.

    Ich denke, dass für das Empfinden des Schmerzes die individuelle Einstellung zum Schmerz eine sehr große Bedeutung hat. Ich hatte so die Meinung, dass die Geburt ganz sicher sehr wehtun wird, aber man kommt da schon durch. Vor mir haben es ja auch schon so viele Frauen überstanden.

    Über Schmerzen bei der Geburt spricht man nicht

    Ich habe mich mit einigen Frauen vorher unterhalten, die schon Kinder bekommen hatten. Ich fand es sehr beeindruckend, dass die Frauen meinten, dass der Unterschied zu anderen Schmerzen der ist, dass man weiß, wofür es ist – und letzten Endes ja etwas Gutes dabei herauskommt. Damit konnte ich etwas anfangen und mich darauf einstellen.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man über die Schmerzen bei der Geburt nicht spricht. Das wird gern verschwiegen. Oft wird dann gesagt: „Das war schon unangenehm.“ Oder: „Da will ich jetzt nicht darauf eingehen.“ Vorher habe ich mir gedacht, dass meine Angst zunehmen wird, je näher der Geburtstermin rückt. Aber das war nicht der Fall. Irgendwie bin ich immer ruhiger geworden. Ich habe mir gedacht: „Das wird schon werden.“

    Vorwehen drei Tage vor dem errechneten Geburtstermin

    Drei Tage vor dem errechneten Geburtstermin hatte ich plötzlich Schmerzen. Die waren ganz schön heftig. Ich kann das gar nicht so beschreiben. Es fing tagsüber an mit großen Abständen. Es waren so krampfartige Schmerzen und ich dachte – aha, dass sind also Vorwehen. Ich habe dann ein Bad genommen. Dann habe ich sicherheitshalber doch mal angefangen, meinen Koffer zu packen. Das hatte ich bis dahin noch nicht gemacht.

    Es waren so krampfartige Schmerzen, wie eine Welle, kein Dauerschmerz, eher wie ein Krampf. Es tut kurz weh und dann hört es wieder auf. Ich bin dann noch mal in die Badewanne gegangen. Das hat zwar gutgetan, aber die Schmerzen gingen nicht weg. Damit war klar, dass das keine Vorwehen waren – es ging los. Es ist vielleicht vergleichbar mit stärkeren Regelbeschwerden. Aber es war kein schrecklicher Schmerz, überhaupt nicht.

    Dann ging es rasend schnell

    Dann ging es rasend schnell. Die Wehen kamen alle drei, vier Minuten. Das war wie bei sehr starken Regelschmerzen und schon ziemlich schmerzhaft. Wir sind dann in das Geburtshaus gefahren. Als wir dort ankamen, kamen die Wehen alle zwei Minuten. Das war für mein Schmerzmanagement nicht so gut. Das war sehr schnell und ich konnte mich nicht so gut darauf einstellen.

    Mein Hauptproblem war, dass ich nicht wusste, wie ich atmen sollte. Im Geburtshaus bin ich nach einer Weile wieder in die Badewanne gegangen. Das hat mir gutgetan. Dann bin ich auf die Idee gekommen, dass ich besonders gut ausatmen kann, wenn ich singe. Dann habe ich angefangen laut zu singen. Meine Hebamme hatte mir vorher gesagt, dass ich ruhig schreien kann, aber ich dachte, dass mich das zu sehr anstrengt. Wenn der Schmerz sehr groß wurde, ging mein Singen in ein Schreien über. Das hat gut geklappt.

    Ich konnte dann auch ein paar Atemtechniken einsetzen und habe herausgefunden, dass wenn ich so oder so sitze, dass es dann besser geht. Ich konnte aktiv etwas tun und mitarbeiten. Das hat mir gutgetan.

    Die Effektivität der Wehen hatte abgenommen

    Irgendwann sagte aber die Hebamme, dass wir ins Krankenhaus fahren sollten, da das Kind noch nicht im Geburtskanal war und weiterhin den Kopf zur Seite gedreht hatte. Wir hatten einiges an Lagerungen probiert, damit der Kopf sich dreht, aber es hat nicht geklappt. Ich hatte große Schmerzen. Es war nicht so, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe, aber irgendwie habe ich gespürt, dass es so nicht gut ist, der Schmerz sich so nicht anfühlen sollte. Die Effektivität der Wehen hatte auch abgenommen. Bei einer bestimmten Lagerung war dann auch ein Punkt, wo ich die Schmerzen nicht mehr ausgehalten habe. Dann habe ich gedacht, dass es gut ist, wenn wir ins Krankenhaus fahren.

    Im Krankenhaus haben sie mir dann eine PDA gesetzt. Ich wusste zwar, was das ist, aber so richtig habe ich mich damit nicht auseinandergesetzt. Und jetzt hatte ich kurzfristig auch die Befürchtung, dass die irgendwie danebenstechen. Aber dann habe ich mir gedacht, dass das dort im Krankenhaus sehr oft gemacht wird und Standard ist und es schon gutgehen wird.

    Ich hatte dann schon noch Wehen, aber die Abstände waren größer geworden. Ich war sehr müde. Nachdem sie mir die PDA gesetzt hatten, meinte die Hebamme dort, dass ich mich ein wenig ausruhen könnte, auch schlafen. Das habe ich gemacht, zwar nur kurz, aber ich konnte mich ein wenig erholen. Als ich dann aufwachte, bin ich auf die Toilette gegangen und ich konnte mich auch wieder von der einen Seite auf die andere Seite drehen. Das war vorher sehr beschwerlich.

    Ich dachte, mit einer PDA bekommt man von der Geburt nichts mit

    Vorher habe ich gedacht, dass man mit einer PDA nichts mehr spürt, dass man von der Geburt gar nichts mitbekommt. Das war auch ein Grund, dass ich im Vorfeld keine PDA für mich wollte. Das war dann aber nicht so. Man bekommt die Wehen schon mit. Es ist jedoch nicht schmerzhaft. Man merkt es so, als wenn ein Muskel arbeitet. Es ist kein Schmerz in dem Sinne, kein Pieksen oder Stechen. Man spürt die Kontraktion und kann auch mitarbeiten. Das Team im Kreissaal hat mich sehr gut über alles informiert. Es war überhaupt nicht unangenehm. Die haben das sehr gut gemacht, mit viel Ruhe und waren sehr nett. Ich war wirklich sehr positiv überrascht.

    Der Arzt kam dann irgendwann und meinte, dass wir etwas entscheiden müssten. Der Muttermund war schon sehr lange offen und wir sollten über einen Kaiserschnitt nachdenken. Das hat mich überrascht, da ich dachte, man könnte noch ein bisschen mehr probieren. Damit hatte ich mich vorher nicht auseinandergesetzt. Es war aber ein sehr gutes Gespräch mit dem Arzt. Er hat alle meine Fragen beantwortet und mich sehr gut informiert. In dem Moment stand ich aber nicht unter einem akuten Entscheidungsdruck. Dem Kind und mir ging es gut. Aber ich habe mir gedacht, dass das aber auch sehr schnell anders werden kann. Das war so ein Gefühl. Und ich habe mich dann dafür entschieden, auch weil ich den Eindruck hatte, dass die Hebamme nicht davon überzeugt war, mit weiteren Lagerungen und Übungen den Kopf zum Drehen zu bewegen.

    Vom Geburtshaus zum Kaiserschnitt im Krankenhaus

    Nichtsdestotrotz war das schon eine große psychische Belastung für mich, so von geplanter Geburt im Geburtshaus zum Kaiserschnitt im Krankenhaus. Aber ich habe mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt. Und es lief sehr gut. Sie brauchten für die Betäubung nur etwas nachzuspritzen, da ich ja schon die PDA hatte. Das war gut. Es war, was die Schmerzen angeht, überhaupt nicht schlimm. Der Kaiserschnitt hat nicht wehgetan, das ist mir stark im Kopf geblieben. Denn ich hatte Angst davor, etwas zu erleben wie meine Schwester, die bei der Nachgeburt, also dem Entfernen der Plazenta, starke Schmerzen hatte. Und ich war sehr froh, als mein Sohn dann da war und dass er gesund war und so hübsch. Obwohl es anders gelaufen ist, als ich mir das vorgestellt habe: Es ist alles gut ausgegangen, das war das Wichtigste für mich. Als wir dann zu Hause waren, war ich richtig glücklich.

    Wenn ich noch mal ein Kind bekommen sollte, würde ich wieder in ein Geburtshaus gehen, das würde ich wieder machen. Aber ich würde mir einen Vorbereitungskurs aussuchen, in dem Atemtechniken geübt werden. Das wurde in meinem Kurs nicht gemacht – oder ich habe die entsprechende Sitzung verpasst. Ich würde meinen Koffer eher packen (lacht), und ich würde mich nicht verrückt machen lassen. Es läuft alles irgendwie, selbst wenn viel Unerwartetes dazwischenkommt, wie bei mir.

    Man muss schauen, was einem gut tut

    Man kann den Schmerz wirklich gut in den Griff bekommen. Man muss schauen, was einem guttut. Man kann allen Verfahren etwas Gutes abgewinnen. Die PDA ist eine Form der Schmerzbewältigung. Jede Frau muss das für sich selbst entscheiden. Ich glaube, grundsätzlich gehen alle Frauen davon aus, dass eine Geburt schmerzhaft ist. Es ist jedoch eine andere Situation, als wenn ich ganz plötzlich Schmerzen bekomme. Man kann sich darauf einstellen und sich darauf vorbereiten.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.